Chapter 1

EmmaPuppe
WPTAKEOVERS
Wenn es noch geht, wenn nicht, trotzdem hier:

An einem frostigen Wintermorgen wache ich auf und starre geradezu in den Sternenhimmel. Es ist früh. Sonst wären die Sterne garantiert schon vom Nebel vertrieben. Nachdenklich betrachte ich die Sterne. Suche die Sternenbilder, wissend, dass ich sie garantiert eh nicht finden werde, aber einen Versuch ist es wert. Tief atme ich ein und wieder aus. Die Luft kondensiert meinen Atem. Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Es ist schön hier. Mein Blick gleitet zum Steg, die Anlegestelle, die ich jede Nacht nutze, wenn es mir möglich ist, damit ich nicht mitten im Meer, See oder Fluss einschlafe und dann abtreibe. Bewundernswert, wie lange ich dies schon mache. Vor etwa einem dreiviertel Jahr hab ich angefangen, mich treiben zu lassen. Die Welt aus einen anderen Blickwinkel zu betrachten. Die Welt in neuen Farben zu erkunden. Der Himmel weist dir die Richtung. Das ist mein Leitspruch. Das ist das letzte, was ich von ihr hörte. Was ich von ihr hörte, bevor sie mich auf diese Reise losschickte. Mit kaum mehr als ein paar Karten und einem Buch mit Schreibmaterial. Erkunde die Welt mit all ihren Winkeln. Erkenne ihre Schönheit. Nutze den Tag. Lauf übers Wasser. Gut, letzteres ist vielleicht nicht unbedingt möglich. Dazu habe ich nicht die richtigen Konditionen. Ich seufze. Die richtigen Bedingungen zu haben, erweist sich durchaus als Vorteilhaft.
  Jetzt muss ich erstmal etwas frühstücken, bevor ich einsam wie immer auf das tiefe Wasser hinausfahre. Ich lege die Decke beiseite und löse mich vom Anblick. Mit der Zeit habe ich mir einen Knoten beigebracht, den meistens nur ich lösen kann. Dazu hat es viel Entwicklungsgeist gebraucht. Ich wollte einfach vermeiden, dass mich jemand ohne mein Wissen auf das tiefe weite Meer hinausschickt. Wobei, um genau zu sein, bin ich nicht auf dem Meer. Das wäre wohl doch zu gefährlich. Aber es kann sein, dass ich eine Weile laufen muss, ehe ich in ein Café eintreffe, in dem ich etwas zu mir nehmen kann. Ich gähne. Ausgiebig. So etwas tut gut. Bis darauf, dass  die eiskalte Luft sofort meinen Atem einnimmt. Es wäre aber möglich, dass ich noch Reserven in dem wasserfesten Beutel habe. Sollte dies nicht der Fall sein, so fürchte ich, dass ich auf mein Mittagessen verzichten muss. Mittags esse ich meist nur trockenes Zeugs oder Obst und Gemüse. Je nach Vorrat und Saison. Schließlich kann ich die Schalen nicht einfach irgendwohin werfen und darauf hoffen, dass mich niemand wegen „Verschmutzung der sauberen Natur" anzeigt. Als ob die Natur einwandfrei sauber sei. Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Abends ist meist die Zeit, in der ich etwas Warmes zu mir nehme, sofern es mir möglich ist.
  In dem wasserfesten Beutel befinden sich die üblichen Sachen. Wechselklamotten; etwas Seife, mit der man sich Waschen kann; Schreibmaterial und ein Buch; die Karten und natürlich ein Geldbeutel mit allem wichtigen. Vorsichtig nehme ich den Geldbeutel und die Karten hinaus und fülle sie in einen Rucksack, der in einen anderen wasserfesten Beutel steckt. Dann lege ich dazu die Klamotten für heute und nehme notfalls noch etwas von meinem Körperseifenvorrat mit. Ebenso wie etwas von dem Schreibmaterial und das Buch. Den Rest packe ich wieder in das Geheimfach. Meine Trinkflasche noch hole ich heraus, trinke einen Schluck und stecke sie dann in den Wanderrucksack, ehe ich hinaussteige und mich auf den Weg in die Stadt mache.

Wieder im Boot verstaue ich wieder alles, was ich nicht direkt brauche wasserdicht und löse dann die Taue. Vorsichtig hole ich ebendiese ein und greife dann nach den Rudern. Vorsichtig setze ich das Paddel in das Wasser. Paddel sind das einzige im Bereich von Ruder mit dem ich weiß, wie ich umzugehen habe. Von dem ich es gehört habe. Vorsichtig betrachte ich das Wasser vor mir und tauche das Paddel ein. Die leichte, hauchdünne Eisschicht, die sich gebildet hat, bricht ein und lässt mein Paddel durch. Ich seufze. Ehe ich in die Winterpause treten kann, muss ich noch einen bestimmten Weg zurücklegen. Zuvor muss ich noch an einen bestimmten Ort kommen. Erst, wenn ich da bin, kann ich raus aus dem Wasser. Vorausgesetz, die Kälte, der Schnee, wenn mal welcher fällt, und das Eis machen mir keinen Strich durch die Rechnung. Seufzend setze ich das Paddel ins Wasser. Beuge mich dabei etwas vor und achte auf die Bewegung mit meiner Schulter. Bedenke, das Paddel dann wieder rauszunehmen und auf die andere Seite einzutauchen, wenn es etwa wieder auf Schulterhöhe ist. Immer so weiter. Das Paddel eintauchen und schön zu dir holen. Mit wenig Kraft. Einfache Physik. Wenn du das Paddel hinten ansetzt, wenn du es einfach am hinteren Ende des Bootes eintauchst, dann dreht sich das Boot. So kannst du es lenken. Deswegen ist es auch wichtig, das Paddel nicht zu weit nach hinten zu ziehen. Es ist etwas, was mir durch Übung fast leicht fällt. Nur, dass hier keine Spritzdecke vorhanden ist. Nicht so angenehm, wie mit den Kajaks. Heute trage ich meinen Winterneoprenanzug. Dieser sollte mich vor Kälte schützen.

Gegen Mittag habe ich die Mitte des Sees erreicht. Wobei, See.... Ich will auf der Insel, die Mitten im See liegt, Halt machen. Diese Insel ist berühmtberüchtigt für ihre Natur. Für die Wintermonate ist eine Hängebrücke gespannt, die von der Insel zum Festland führt. Ich lächle. Hier bin ich allein. Und es ist schön. Aber bis in den tiefsten Winter kann ich hier nicht bleiben.

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