8. Kapitel: Die Eclipse

„Was zum Teufel ist das hier nur?", fragte Duke entsetzt. „Also wenn du mich fragst... Irgendeine abgedrehte Freakshow", erwiderte Hayes und blickte sich ebenfalls in dem Raum um. Überall standen große Glastanks, die bestimmt einen Meter Durchmesser und zwei Meter Höhe hatten. Doch was sich in ihnen befand zog die Aufmerksamkeit der Männer viel mehr auf sich, denn in jedem schwamm eine grotesk aussehende Kreatur, die sie entfernt an die Xenomorphes erinnerte. Eine davon besaß statt vier klauenbesetzten Beinen insgesamt acht Gliedmaßen, wie eine Spinne und natürlich den langen Schwanz. Die Nächste besaß ein extrem breites Maul, welches so wirkte, als könne einem das Ding mit nur einem Biss den Kopf abreißen. Im nächsten Tank dagegen trieb ein Wesen vor sich hin, dessen Körper deutlich massiger und muskulöser war. Und es gab noch mindestens ein Dutzend weiterer Tanks... Was jedoch all diese Dinger gemeinsam hatten, waren die extremen Missbildungen und Verkümmerungen ihrer Körper, was sie völlig entstellte. „Also das nenne ich mal einen hässlichen Haufen Criaturas deforme", kommentierte Diego leise, während er die Wesen in den Tanks begutachtete. Schluckend sah sich Hayes nochmal unter den restlichen Mitgliedern seines Trupps um und sofort blieb sein Blick dabei an Carter hängen. Ihre Gesichtszüge waren völlig entgleist und sie starrte die Kreaturen in den Tank an, als hätte sie einen Geist gesehen. Augenblicklich stürmte Hayes daraufhin auf sie zu und schubste sie mit seinem Gewehr gegen die Wand hinter ihr, ehe er seine Pistole zückte, um sie ihr an die Schläfe drücken.

„Was soll das denn?!", fragte Carter aufgebracht und ein leises Klicken verriet Hayes, dass sie eine ihrer Pistolen gezückt hatte. Mit dieser zielte sie nun direkt auf seine Brust, doch das kümmerte ihn nicht weiter, immerhin trug er ja seine schusssichere Weste. „Das wüsste ich auch gerne", hörte der Truppenführer Ethan hinter sich sagen und ganz langsam näherkommen. „Sie weiß etwas über diese Station, das wir nicht wissen... Etwas über die Experimente, die hier gemacht wurden", meinte Hayes und blickte Carter eiskalt an. „Ach ja? Und woher willst du das so genau wissen, wenn ich fragen darf?", erkundigte sie sich bloß zurück. „Wegen der Art, wie du diese Dinger hier und davor die Parasiten in den Tanks angesehen hast, wie du darauf reagiert hast. Du warst nicht wirklich überrascht, als du Letztere zum ersten Mal gesehen hast und auch, als diese Xenomorphes auf dem Gang angegriffen haben, bist du ganz ruhig geblieben. Erst als uns dieses humanoide Ding konfrontiert hat, warst du wirklich überrascht und dasselbe Spiel nochmal hier... Also sag uns endlich, wer du wirklich bist und was verdammt nochmal du hier vorhast!", verlangte Hayes mit Nachdruck. „Oder was? Ich glaube, ich jag dir lieber eine schöne Kugel in die Brust", gab sie bloß scheinbar gelassen zurück. „Bitte, wenn du unbedingt willst, dann versuch es doch. Erstens möchte ich bezweifeln, dass sie durch meine kugelsichere Weste geht, und zweitens würden dich meine Leute danach sicherlich alle erschießen wollen. Du bist sicherlich gut, aber aus dieser Situation heraus kann niemand ein Acht gegen Eine überstehen, also wieso hörst du nicht endlich auf zu Bluffen?", hakte Hayes nur trocken nach.

„Na schön...", knurrte Carter schließlich und nahm ihre Waffe runter, während ihr Gegenüber jedoch noch keine Anstalten dazu machte. „Wie ich dir auf dem Schiff schon gesagt habe, bin ich eine unabhängige Söldnerin, die grundsätzlich für jeden arbeitet, solange nur der Preis stimmt. Was ich dir nicht erzählt habe, ist dass ich trotzdem ein gewisses Klientel habe, nämlich die Regierung", begann sie schließlich ihre Erklärung. „Irgendetwas sagt mir, dass es dabei nicht um Aufträge geht, die auch das reguläre Militär erledigen könnte", meinte Hayes und sah sie auffordernd an weiterzuerzählen. „Schlaues Kerlchen... Für gewöhnlich heuern sie mich an, damit ich irgendeinen politischen Dreck für sie unter den Teppich kehre, bei dem sie es sich einfach nicht erlauben können offiziell zu werden", bestätigte Carter seine Vermutung. „Schön, deswegen also die Schalldämpfer an deinen Knarren... Und um was für einen politischen Dreck solltest du dich hier für die Regierung kümmern?", hakte Hayes nach. „Nun, also eigentlich sollte es eine ganz leichte Mission werden, wenn man bedenkt, dass ich normalerweise allein arbeite... Einfach mit euch als Begleitschutz hier reingehen und sicherstellen, dass es die Forschungsdaten auf das Schiff schaffen, egal um welchen Preis. Das einzige Problem sollte zumindest laut meinen Auftraggebern in den Xenomorphes bestehen, welche vermutlich frei auf der Station herumlaufen würden. Damit ich mich besser darauf einstellen konnte gaben sie mir eine detaillierte Beschreibung dieser Biester, der Parasiten und ihren Fähigkeiten. Aber von den anderen... diesen Jägern oder was die auch sind, haben die mir kein Wort gesagt, auch nicht von diesen perversen Experimenten hier", erklärte sie schließlich.

„Und du hast niemals daran gedacht uns vielleicht einmal vorzuwarnen?", fragte Hayes mit nur mäßig gut unterdrücktem Zorn in der Stimme. „Tut mir ja leid, aber... einer der Hauptgründe für die Regierung mich anzuheuern, ist meine Verschwiegenheit", entgegnete Carter bloß. „Verstehe, aber hast du auch daran gedacht, dass wir vielleicht nicht alle wieder lebend hier rauskommen, wenn uns im Dunkeln lässt?", wollte nun Duke von hinten wissen. „Ich befürchte, du hast mir vorhin nicht richtig zugehört, mein einziger Befehl war es die Daten dieser Station in Sicherheit zu bringen, egal um welchen Preis...", antwortete sie eiskalt. „OK, das war es, aus dir mach ich Hackfleisch!", brüllte Duke und wollte schon auf sie losgehen, doch Ethan, Diego und ein paar andere hielten ihn gerade noch rechtzeitig auf. Währenddessen hatte Carter ihre Pistole erhoben und auf Duke gerichtet, aber sofort drückte Hayes ihr den Lauf seiner eigenen Waffe gegen den Schädel. „Denk nicht einmal daran!", zischte er dabei, woraufhin sie die Pistole wieder senkte. Einigen Minuten später hatten die anderen schließlich auch Duke ansatzweise beruhigt hatten, erst dann wandte sich Hayes zurück an Carter. „Also schön, wenn dir noch irgendwas einfällt, was wir unbedingt wissen sollten, dann wäre das jetzt der richtige Zeitpunkt es uns mitzuteilen", stellte er klar. „Nun, auch wenn er nichts über meinen wahren Auftrag weiß, ist Harringtons Befehl derselbe wie meiner, nämlich die Forschungsdaten der Station sichern und zur Erde bringen", erwiderte Carter bloß. „Das heißt, wenn wir meinen ursprünglichen Plan umsetzen, dann müsste Harrington sich eigentlich dazu bereiterklären diesen Ort auf der Stelle wieder zu verlassen", spekulierte Hayes.

„Rein theoretisch schon... Ganz besonders, weil auf mich wie ein ziemlicher Feigling aussieht, deshalb dürfte er nicht sehr darauf erpicht sein hier mehr Zeit zu verbringen, als zwingend nötig", gab Carter nur zurück. „Hm, wie nett... Gut, dir ist doch hoffentlich bewusst, dass diese Dinger da draußen versuchen werden jeden von uns umzubringen, alle diese Dinger, egal ob die Xenomorphes, oder diese komischen Jäger, oder?", fragte Hayes sie anschließend. „Das war nicht gerade zu übersehen", antwortete Carter daraufhin. „Freut mich zu hören", gab der Truppenführer nur zurück und nahm danach seine Pistole runter, bevor er von ihr abließ. „Was soll denn das jetzt? Ich meine, warum knallst du sie nicht ab, dann sind wir sie los?", wollte Duke aufgebracht von ihm wissen. „Ganz einfach, weil wir dann ein Paar Augen, die Ausschau halten, und Hände, die eine Waffe abfeuern können, weniger zur Verfügung hätten", erklärte Hayes bloß. „Sie hat uns alle verarscht und unsere Leben in Gefahr gebracht!", beschwerte sich Duke lauthals. „Vielleicht, aber im Moment sitzen wir alle im selben Boot, was weiter bedeutet, dass wir eine höhere Chance haben hier rauszukommen, wenn wir zusammenarbeiten, ob euch das nun gefällt, oder nicht. Wenn wir alle wieder sicher auf dem Schiff sind und die Station vernichtet ist, dann stecke ich euch gerne alle in einen ruhigen Raum mit ihr, damit ihr das klären könnt und sehe mir an, wie es ausgeht. Aber bis dahin, werden wir weiterhin zusammenarbeiten, als wäre nichts gewesen, verstanden?", fragte Hayes und blickte jeden aus der Runde kurz an, Duke ganz besonders lange. „Ja Captain", stimmten sie dann nach einigen Minuten zu und nickten dabei, Duke ein wenig knurriger als die anderen.

„Also schön. Ethan, häng dich an den Computer und lad sämtliche Forschungsdaten herunter, an die du rankommen kannst. Außerdem möchte ich, dass du dabei alle Informationen zu diesem Labor hier herausfilterst, die nur irgendwo zu finden sind. Wenn die hier irgendwann mal an einem neuen Geschmack für alkoholfreies Bier geforscht haben, dann will ich es wissen", befahl Hayes. „Sofort Captain", lenkte dieser sofort ein und setzte sich an den Computertisch, wo er eilig zu arbeiten begann. Die anderen aus der Truppe verteilten sich in der Zwischenzeit überall in dem Isolationslabor verteilten und die Lage, vor allem die in den Glastanks enthaltenen Wesen betrachteten. Carter hielt sich dabei natürlich stets ein wenig abseits der übrigen Männer auf, während sie sich genauestens umsah, als würde sie erwarten, irgendwo eine Antwort zu finden. „Verdammt, das kann doch nicht deren Ernst sein!", fluchte Ethan plötzlich und sofort wandte sich Hayes zu ihm. „Was ist, hast du etwas Nützliches gefunden?", fragte er. „Mehr oder weniger... Zumindest weiß ich jetzt, auf was für einer Art Forschungsstation wir hier genau sind", antwortete Ethan ihm. „Was genau meinst du denn damit?", hakte Duke nach, welcher nun mit Diego, Carter und den anderen ebenfalls dazugekommen war. „Nun ja... Also dass die Wissenschaftler auf dieser Station diese Xenomorphes erforscht haben, ging ja schon aus dem ersten Teil der Dateien dieser Station hervor. Nur leider scheinen die noch ganz andere Experimente mit den Viechern gemacht zu haben, wenn ich das hier richtig lese", antwortete Ethan. „Welche Art von Experimenten?", wollte Hayes wissen.

„Nun, nach diesen Aufzeichnungen hier, haben sie die Xenomorphes und die Parasiten auf der Station hier nicht eingefangen und dann erforscht, sondern... künstlich im Labor herangezüchtet. Als Grundlage dafür diente offenbar eine DNA-Probe, welche sie von einem toten Exemplar dieser Viecher entnehmen konnten. Dazu sollten sie einen Weg finden diese Dinger irgendwie einsatzfähig für... Kampfaufträge zu machen", erklärte Ethan daraufhin. „Warte, redest du da gerade wirklich davon, dass sie diese Biester geklont haben, um Waffen aus ihnen zu machen?", fragte Duke völlig entgeistert. „Zumindest steht es hier in den Unterlagen, wobei ich es auch persönlich für gar nicht so abwegig halten würde. Immerhin erklärte das diese ganzen Glastanks hier im Labor und die vielen verunstalteten Wesen darin", erwiderte Ethan leise schluckend. „Na schön, haben die neben dem Klonen der Xenomorphes hier noch anderen Experimente durchgeführt?", erkundigte sich Hayes, während er beunruhigt auf die Tanks blickte. „Leider ja... Den Dateien nach haben die Wissenschaftler außerdem noch den Befehl bekommen die Xenomorphes noch tödlicher zu machen und dazu ihre DNA mit der verschiedener Tiere, sowie teilweise... auch mit menschlicher vermischt", antwortete er schließlich und augenblicklich wurde es totenstill um ihn herum. „Nur leider hat das nicht so richtig funktioniert, die DNA der Xenomorphes war mit der von der Erde wohl einfach nicht kompatibel, soweit es hier dokumentiert wurde. Aus diesem Grund hat man irgendwann auch angefangen... Nein, das kann doch nicht stimmen!", unterbrach Ethan seine Ausführung und starrte entsetzt auf den Computer.

„Was ist denn?", hakte Hayes nervös nach. „Den Unterlagen zufolge haben... Diese kranken Wissenschaftler die DNA des Xenomorph zum Schluss mit der einer anderen, scheinbar außerirdischen Lebensform kombiniert, nachdem alle anderen Versuche fehlschlugen", erklärte Ethan und sah daraufhin entsetzt zu Hayes. „Was denn für eine andere außerirdische Lebensform?", wollte Duke bloß wissen, doch Ethan zuckte nur mit den Schultern. „Das steht hier leider nicht, nur dass das Wesen, von welcher die DNA stammt vor circa 150 Jahren, nämlich 1987 auf der Erde in Guatemala gesichtet wurde. Damals soll sie ein insgesamt siebenköpfiges Elitekommando der Special Forces fast komplett ausgelöscht haben, nur der Truppenführer hat überlebt, indem er das Wesen getötet hat. Die Leiche konnte niemals geborgen werden, aber auf der Hose einer Zivilistin, welche der Soldat bei der Mission gerettet hat, befanden sich noch Reste von dessen Blut. Aus ihm hat man dann die DNA gewonnen und sie sofort konserviert, um in Zukunft weitere Experimente damit zu machen", las Ethan schließlich wie vom Donner gerührt vor. „Und... Wie weit sind deren Experimente mit dieser DNA-Kombination fortgeschritten?", wollte Hayes wissen. „Dem Computer nach haben sie mehrere Klone damit erschaffen und sie im Hinterzimmer dieses Labors gelagert, allerdings... Ist scheinbar nur einer davon auch wirklich lebensfähig, Subjekt KX515", berichtete Ethan und deutete auf die Panzertür an der Rückseite des Raumes. „Na schön, dann sehen wir mal nach", entschied Hayes entschlossen und trat zu der schweren Metalltür.

Zu seinem Erstaunen war sie nicht weiter gesichert, sondern ließ sich über das Kontrollpult neben dem Türrahmen einfach mit einem Knopfdruck öffnen, was ihn sofort ein wenig nervös machte. Mit dem Finger am Abzug seines Gewehrs betrat er also den Raum und blickte sich genau um. Überall standen wieder diese Glastanks in denen ähnlich stark entstellte Klonkörper vor sich hin trieben, allerdings waren sie irgendwie anders. Die meisten der Köpfe verfügten über scharfe Beißwerkzeuge, wie etwa Insekten, sowie auch etwas, was er spontan als Dreadlocks bezeichnet hätte. Am meisten beunruhigte ihn aber eine Kreatur weiter hinten im Raum, welche über insgesamt vier klauenbewährte Arme und zwei kräftige Beine verfügte. Zusätzlich hatte sie noch einen mit einer Art Knochenkeule besetzten Schwanz, von welchem zahlreiche Stacheln abgingen, dazu hatte er natürlich auch die Beißwerkzeuge und Dreadlocks. Am meisten unheimlich wurde Hayes aber, wenn er sich den Brustkorb der Kreatur ansah, der scheinbar völlig offen lag, in Wahrheit aber wohl nur ein natürlicher Körperpanzer war. Dazu kam dann auch noch das Gesicht des tiefschwarzen Wesens, welches eigentlich nur aus knöchernen Umrissen bestand, keine Augen und keine Nase in den entsprechenden Höhlen. Jedoch war auch dieser Körper von unzähligen Missbildungen und falschen Proportionen so sehr entstellt, dass er wohl nicht mehr lebensfähig war. Hayes meinte zwar kurz eine schwache Bewegung bemerkt zu haben, doch letztlich musste er sich wohl getäuscht haben, da das Vieh sonst nichts weiter mehr tat.

„Captain, das solltest du dir vielleicht einmal ansehen", meinte Duke plötzlich aus der hintersten Ecke des Raumes und sofort eilte Angesprochener zu ihm. Als er aber ankam, stockte auch ihm der Atem, während ihm gleichzeitig gefühlt zehn Grad kälter wurde. Vor ihnen befand sich ein weiterer dieser Klontanks, allerdings klaffte in der ihnen zugewandten Seite ein riesiges Loch. Zur Krönung des Ganzen lagen zwischen den Glassplittern davor auch noch zwei völlig skelettierte Leichen. „Captain, ich glaube...", bevor Duke zu Ende sprechen konnte, wurde er von Hayes unterbrochen. „Ich weiß schon, an was auch immer die hier geforscht haben, es läuft jetzt frei auf der Station herum", beendete dieser den Satz. „Also eigentlich wollte ich ja sagen, dass wir jetzt bis zum Hals in der Scheiße stecken, aber... Das geht natürlich auch", erwiderte Duke bloß und versuchte damit wohl alles ein wenig aufzulockern. Nur war Hayes dafür absolut nicht in der richtigen Stimmung, nicht solange dort draußen irgendwo eine fürs Töten geborene Kreatur rumlief, die nur auf sie wartete.





(An dieser Stelle einmal danke an @DevGre5 für das Bild vom Anfang, bringt nochmal etwas Stimmung in dieses sehr wichtige Kapitel. Rechte liegen natürlich alle bei ihm, ich darf es nur auf seine Erlaubnis hin hier verwenden.)

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