First one

Ich blinzle. Langsam stellt sich mein Auge scharf und ich erkenne meine Umgebung. Ruinen. Überall Ruinen. Ich heb meinen Kopf und stöhne schmerzerfüllt auf. Wäre ich nicht zu schwach, würde ich wohl vor Schmerzen laut aufschreien, aber so ist es nur ein leises, unterdrücktes Stöhnen. Alles tut mir weh. Alles. Plötzlich muss ich husten. Alles in mir zieht sich schmerzhaft zusammen. Als ich endlich fertig bin, wische ich mir mit meinem Handrücken über den Mund. Es ist nass. Ich hebe mit grosser Anstrengung den Arm erneut und blicke auf meine Hand. Sie ist von einer scharlachroten Flüssigkeit benetzt. Blut. Ich habe wohl Blut ausgehustet. Sehr wahrscheinlich hat einen gebrochene Rippe meine Lunge durchbohrt. Es schmerzt höllisch, und doch rapple ich mich langsam auf. Es dauert lange, sehr lange, da ich oft eine Pause machen muss. Ich schwanke an den Ruinen vorbei auf das, was vom Spital übriggeblieben ist. Das Loch in der Lunge muss ich operieren. Ich bin nicht umsonst Arzt. Auch wenn ich keine Betäubung machen kann, ist mein Körper von den Schmerzen so überfordert, dass er sich wie betäubt anfühlt. Ich suche in den Ruinen nach Skalpell, Nadel und Faden. Dann beginne ich. Ich arbeite wie eine Maschine. Eine weitere Schutzfunktion meines Körpers. Es schmerzt, aber danach kann ich wieder besser atmen und huste nicht ständig Blut. Aus den Ruinen habe ich ausserdem eine Matraze, die total zerfleddert, aber besser als nichts ist, und eine Wolldecke gefischt. Nun gehe ich in die halb zerfallenen Häuser um einen Unterschlupf zu finden. Im ersten stosse ich auf eine Leiche. Sie sieht schrecklich aus. Überall ist Blut, ihre Gliedmassen sind total verdreht und auf ihrem Gesicht ist ein Ausdruck des Grauens. Sofort renne ich nach draussen. Dann suche ich mir ein anderes Haus, in dem ich mir aus meinen Sachen ein halbwegs bequemes Lager baue. Morgen werde ich weiter schauen. Jetzt muss ich zuerst einmal schlafen. Doch ich kann nicht. Alles tut weh, ich habe Angst, dass das Haus einstürzt und mitten in der Nacht höre ich auch noch, wie jemand anfängt zu schreien. Die ganze Zeit lang. Nach Etwas mehr als einer Stunde quäle ich mich auf und folge den Klagelauten. Immer wieder muss ich stehenbleiben, da alles weh tut. Doch nach einiger Zeit komme ich endlich am Ursprung dieser beinahe animalisch anmutenden Lauten an. Dort liegt ein Kind. Es schreit wie von Sinnen und als ich näher hin blicken zu wage, sehe ich, dass seine ganze Seite unter einem Felsblock, der wohl aus einem der Häuser gebrochen war, eingeklemmt ist. Sofort mache ich mich unter grossen Schmerzen an die Arbeit. Doch diese Schmerzen sind mir egal. Wichtig ist nur, dass ich das Kind hier möglichst unbeschädigt wieder heraus bekomme. Ich will den Felsblock zur Seite rollen, doch bin zu schwach. Plötzlich sehe ich neben meinen eigenen eine fremde Hand, die mir mithilft. Als wir es endlich geschafft haben den Felsen von diesem armen Kind zu rollen, sehe ich mich nach meinem Helfer um. Dort steht ein Mann. "Viel Glück, kümmere dich gut um das Kind und helfe den anderen, so wie ich es gemacht habe.", sind seine letzten Worte, bevor er tot zusammen bricht. Auch wenn ich versuche ihm zu helfen bringt es nichts. Er ist tot. Als ich sehe, dass ich ihm nicht mehr helfen kann, gehe ich zu dem Kind, das am Boden liegt. Ich sehe mir seine Seite an und merke sofort, dass ich ihm ohne Ausrüstung nicht helfen kann. Vorsichtig nehme ich das, wie ich jetzt bemerke, Mädchen hoch und trage sie zu meinem Lager. Dort bette ich sie in meine Decken und humple dann zurück zum Krankenhaus. Auch wenn meine Wunden und insbesondere meine Lunge wieder sehr stark schmerzen, kann ich nicht aufhören in den Trümmern nach Ausrüstungszeug zu suchen. Instrumente, Decken, Medikamente, noch funktionstüchtige Geräte und, und, und. Langsam geht die Sonne auf, doch ich wühle weiter. Erst gegen Mittag packe ich meine gefundenen Sachen zusammen und mache mich auf den weg zurück in mein behelfsmässiges Lager. Das Mädchen schläft noch immer, woraufhin ich sie vorsichtig aufsetze und ihr schmerzlinderndes Medikament einflösse. Sie seufzt auf und ich lege sie wieder hin. Daraufhin betäube ich sie und versuche ihre Seite wieder zusammenzuflicken. Nach mehreren Stunden ist es wieder in Ordnung und ich lege sie zurück in das Deckenlager. Dann überkommen mich die Schmerzen und die Erschöpfung und ich breche auf dem Fussboden zusammen. Vor meinen Augen wird alles schwarz.

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