¦ 09 ¦

"Gut", nickte er den Kopf und zog mich zu sich, sodass ich gegen ihn gelehnt, in seinen Armen einschlief. So friedlich hatte ich eine Weile nicht mehr geschlafen und nach der langen Nacht gestern sowie dem Stress tat es mir gut.

-

Langsam schlug ich meine Augen auf und befand mich in einer fremden Umgebung, in einem fremden Zimmer, einem fremden Bett. Ich richtete ich auf und erinnerte mich an die letzten Stunden.

Im nächsten Moment klopfte es an der Tür und Jimin steckte den Kopf durch den offenen Spalt. "Du bist wach", strahlte er und trat ganz ein. "J-ja", sagte ich. "Wo sind wir?"

"Weit genug weg von zu Hause, dass er dich nicht finden wird", sprach er ein wenig zu ungenau und riss die Vorhänge auf, sodass Licht in den Raum fluten konnte.

Der Ausblick war wundervoll, mit Meerblick und Sonnenschein. In Soeul befanden wir uns eindeutig nicht mehr. "Du musst hungrig sein. Ich mache uns Frühstück, mach du dich solange fertig", erklärte er und ging direkt wieder.

Fertig machen? Wofür? Und womit?

Überfragt zwang ich mich erstmal aus dem super weichen Bett, um mich genauer umzusehen. Dabei entdeckte ich in dem Begehbarenkleiderschrank einige Stücke sowie im Badezimmer. Verunsichert nahm ich mir ein Kleid davon und zog es an.

Nachdem ich mich auch mit den bereits vorhandenen Sachen im Badezimmer frisch gemacht hatte tapste ich die Treppe runter, weil ich vermutete dort die Küche beziehungsweise Jimin aufzufinden. Da stand er mit dem Rücken zu mir.

Schüchtern räusperte ich mich und er wendete sich mir zu. "I-ich war mir nicht sicher-", er unterbrach mich:"Sie waren für dich." Ich nickte, wunderte mich dennoch darüber, aber beließ es erstmals dabei.

Jimin musterte mich noch eine ganze Weile bis ich ihn an seine Pfannenkuchen auf dem Herd erinnerte. Besonders gut dufteten diese allerdings sowieso nicht, weshalb ich zu ihm ging um sie zu prüfen.

"I-ich habe noch nie welche gemacht", verteidigte er sich augenblicklich, weil ich grinsen musste, was mir noch mehr amüsierte. "Warte, ich zeigs dir." Ich kratzte die Reste aus der Pfanne um neuen Teig aufzufüllen und ihm alles Schritt für Schritt zu erklären.

Während ich dies tat wich sein Blick immer wieder von meinen Händen weg in mein Gesicht hoch, welches er fixierte. "Jimin", erinnerte ich ihn daran, dass ich ihm immer noch erklärte, wie er Pfannkuchen zu zubereiten hatte. Prompt sah er weg.

"Deck schonnal den Tisch", meinte er dann und nahm mir den Griff der Pfanne aus der Hand. "Bist du sicher, da-", "Ja, ich kriege das hin", lächelte er dazwischen. "Ehm, okay."

"Was machen wir jetzt? Wie soll es weitergehen?", wollte ich mich während des Essens informieren. Eine richtige Antwort hatte er nicht parat nur:"Die nächsten Wochen bleiben wir erstmal hier." Mir vielen hunderte Dinge ein die dagegen sprachen.

"Und was ist mit der Arbeit? Du hast doch sicher auch einige zutun", hinterfragte ich nervös, aber er grinste nur. "Schon vergessen? Meinem Vater gehört das Unternehmen." Ich nahm das nicht so auf die leichte Schulter.

Für ihn mag sein Vater ja ein Auge zudrücken, aber für mich? Ich arbeitete immerhin noch nicht einmal eine Woche dort und nahm mir schon jetzt frei. Wobei ich womöglich kündigen musste. Seoul war nicht mehr so sicher wie es einst war.

"Yah, zieh nicht so ein Gesicht. Ich bekomme das geregelt." Um ihn zu beruhigen schmunzelte ich leicht nickend und aß weiter. Konnte ich jemals zurück in diese Stadt? Meine gesamte Familie lebte dort. Unmöglich konnte ich es nicht.

"Okay, wie wärs wenn wir an den Strand gehen und das schöne Wetter genießen?", schienen meine Schauspielkünste sich nicht zu beweisen. Strand klang genauso wenig verlockend wie gutes Wetter für mich, was ihm auffiel.

Er überlegte. "Worauf hast du Lust?" Nun dachte ich nach. "Können wir einfach hier bleiben?" Mit seinem Teller in der Hand erhob er sich, antwortete währenddessen liebevoll:"Klar, was immer du willst" und ging.

Rasch schnappte ich mir ebenfalls meinen Teller und folgte ihm. "Danke, Jimin." Ich war ihm wirklich zutiefst dankbar. Das solche Rücksicht auf mich genommen wurde war ich nicht gewohnt, weswegen ich es vermutlich so an ihm schätze.

Es wirkte als hatte für alles was ich tat oder eben nicht Verständnis, was sich wieder mal belegte:"Kein Ding, ich verstehe das." Dies war ein ganz anderer Umgang. Und ich mochte es.

Bei dem Gedanken an den vorherigen Tag überzog eine Gänsehaut meinen Körper. Hätte Taehyung es wirklich gegen meinen Willen getan? Mich dazu gezwungen?
Wie er wohl reagiert hatte, als er gesehen hat, dass ich weg war? Sicher kochte er vor Wut. Zum Glück musste ich ihn so nicht sehen. Vielleicht musste ich ihn nie wieder so sehen.

Aber was wenn doch? Was wenn das ganze hier schief läuft und ich ihm wieder unter die Augen treten musste? Seoul war groß, aber nicht groß genug. Angst breitete sich in mir aus. Er würde mich fertig machen.

"Hyeji?", riss Jimins besorgte Stimme mich aus meinen grauenvollen Gedanken. "Huh?", blickte ich zu ihm. "Alles in Ordnung?" In meinen Augen lag zu viel Furcht, dass ich es hätte verleugnen können. So oder so, sie hätten mich verraten. "Nein."

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top