KAPITEL 3

Als Louis wieder nach unten kam, waren noch mehr Leute da. Sie drängten sich überall und er bekam langsam Platzangst. Sein Plan war, mit Liam den Abend zu verbringen und vielleicht einen Shot von dem, was heute am besten war. Eigentlich wollte er Barbara danach fragen, aber das war nicht möglich, da sie in diesem Moment zu beschäftigt damit war, ihre Zunge in Nialls Hals zu stecken. Er beschloss, Eleanor das nächste Mal, am Sonntag nach der Kirche, zu fragen, ob sie zur nächsten Party mitkommen wollte.

Das Wohnzimmer war voll mit Leuten, die er nicht einmal vom Sehen kannte. Alle tanzten, tranken oder küssten sich. Louis hatte nicht einmal eine Ahnung, welches Lied gerade gespielt wurde. „Lass uns etwas zu trinken holen", schlug er Liam vor, denn das Beste, was man tun konnte, wenn man nicht wusste was man tun sollte, war, sich einen Drink zu holen. Sie gingen in die Küche, in der es glücklicherweise nicht ganz so voll war wie im Wohnzimmer.

Louis sah Zayn am Küchentresen lehnen und wie er sich mit irgendeinem Typen einen Joint teilte.

„Äh ... wo bekomme ich ein Wasser?", fragte er Zayn, der ihn daraufhin ansah, als hätte er gerade das Dümmste gesagt, das er je gehört hatte.

„Wasser?", hakte er grinsend nach, obwohl er Louis nicht ansah, sondern nur Liam. „Wie heißt ihr?"

„Ich bin Liam und das ist Louis", sagte Liam schnell. Louis sah ihn fassungslos an, denn Liam wurde ernsthaft rot dabei und hatte eigentlich noch nie mit Fremden geredet, weil er eher schüchtern war.

„Liam", wiederholte Zayn. In diesem Moment kam es Louis vor wie ein Déjà-Vu von letzter Nacht, als Harry seinen eigenen Namen wiederholt hatte. „Möchtest du auch Wasser, Liam?"

„Äh, ein Bier bitte", antwortete Liam, als wäre Zayn der Bartender.

„Okay." Zayn gab dem Typen den Joint und schickte ihn weg, ehe er sich umdrehte und sich zwei rote Becher aus einer Plastiktüte nahm. Einen davon füllte er mit Stella-Artois-Bier und einen mit Wasser. „Man sieht sich", sagte er, als er ihnen die Becher gab, wieder nur zu Liam, bevor er einfach so ging.

„Er flirtet mit dir", sagte Louis zu Liam, sobald sie allein waren.

„Was? Nein, tut er nicht. Wirklich?"

„Na und? Er ist ein Typ, Liam. Du bist ein Typ – warte. Bist du ... Du bist nicht schwul, oder?" Als Liam mit den Schultern zuckte, riss Louis die Augen auf. „Wie willst du das überhaupt wissen? Du hast noch nie jemanden geküsst!"

„Ich mochte Mr Green irgendwie immer mehr als Mrs Ridge oder irgendeine andere Lehrerin. Aber bitte sein nicht sauer, Louis, nur Barbara weiß davon." Louis runzelte die Stirn. Er war sich nicht sicher, wie er damit umgehen sollte, dass sein bester Freund sich ihm eben geöffnet hatte. Wenn er darüber nachdachte, dann hatte er Mr Green, den jungen Französischlehrer, auch immer mehr gemocht als Mrs Ridge. Aber ... das bedeutete gar nichts, oder?

Habe ich gerade meinen schwulen Ausbruch? Ich habe eine Freundin, zum Teufel! Schwul zu sein ist falsch. Ich brauche einen richtigen Drink.

Aber Zayn war weg und er wusste nicht, was wo in der Küche war, was er mischen sollte und was nicht und wie viel zu viel war. „Also, willst du ... dich mit Zayn ‚'?", wollte Louis wissen, noch immer geschockt von dem was er eben erfahren hatte.

„Ich meine ... er ist heiß, aber ... viel erfahrener als ich und er würde sich niemals jemanden wie mich aussuchen."

Louis sagte nichts mehr dazu. Stattdessen machte er sich auf die Suche nach Zayn, um ihn nach dem stärksten Getränkt zu fragen, von dem er viel trinken konnte, ohne in ein Alkoholkoma zu fallen. Sie gingen zurück ins Wohnzimmer, aber das erste, was Louis sah, war Harry wie er mit einer Blondine auf seinem Schoß herumknutschte. Er schnaubte, als er sah, was sie trug; einen engen Minirock, der so weit nach oben gerutscht war, dass man ihre Panties sehen konnte, ein Crop-Top, das ihre Brüste kaum verdeckte und Heels, deren Absätze höher waren als Louis groß.

Also mochte Harry beides, Mädchen und Jungs.

„Ich brauche wirklich etwas Starkes", sagte er zu Liam und Liam sah sich suchend im Zimmer um, ehe er in Zayns Richtung nickte. Er stand an der Haustür und unterhielt sich mit einem muskulösen Typen mit Glatze und vielen Tattoos. Sie beobachteten, wie Zayn dem Typen Geld gab und im Gegenzug ein paar Päckchen mit etwas bekam, das vermutlich Zucker sein musste. Der muskulöse Typ legte Zayn eine Hand auf die Schulter und sagte etwas zu ihm, ehe er wieder ging. Zayn grinste zufrieden und drehte sich um, um wieder ins Wohnzimmer zu kommen. Er zwinkerte ihnen zu und tippte Harrys Knie an, woraufhin er sich von der Blondine löste und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie nickte und lächelte, bevor sie beide aufstanden und zum Sofa gingen.

Zayn machte das Sofa frei von den Pärchen, die sich dort niedergelassen hatten, dann setzte er sich mit Niall, Barbara, dem Typen, mit dem er den Joint geteilt hatte, Harry und dem Mädchen. Er breitete seine Ausbeute auf dem Tisch aus, fünf kleine Päckchen, seine Zigaretten und sein Feuerzeug. Liam und Louis sahen ihnen gebannt zu und es sah vermutlich komisch aus, aber sie hatten nichts besseres zu tun und langsam wunderte Louis sich, ob es eine gute Entscheidung war, herzukommen.

Harry sah zu den beiden auf, grinste, und winkte sie zu sich, ehe er mit der Hand auf den leeren Platz auf dem Sofa neben sich klopfte, gerade genug für Liam und Louis. Liam setzte sich zuerst, was bedeutete, dass Louis nicht neben Harry sitzen musste.

„Fuck, ich hab kein Geld mehr. Hat jemand fünf Pfund?", fragte Zayn, während er seine Taschen absuchte.

„Ich", sagte Louis. Alle sahen ihn an. „Oben. In, äh, meiner Tasche."

„Kannst du ... sechs mitbringen? Oder sieben. Du willst kein Kokain, oder?", sagte Zayn. Also war es kein Zucker, sondern eine illegale Droge. Heilige Scheiße.

„Äh, ja klar." Er stand auf und bevor er ging, bat Zayn ihn auch um eine Kreditkarte, für was auch immer er die brauchte. Wenn sie planen, mich auszurauben, schreie ich, dachte Louis, während er seinen Geldbeutel öffnete und mit zitternden Fingern die drei Dreihundert-Pfund-Noten, vier Fünfzig-Pfund-Noten und seine Visa-Karte, auf der momentan am wenigsten Geld war, herausnahm.

Als wieder unten war, saß Liam zwischen Zayn und der Blondine, was bedeutete, dass er nun neben Harry sitzen musste. Er setzte sich und breitete alles auf dem Tisch aus.

„Scheiße, ich habe noch nie in meinem ganzen Leben so viel Geld gesehen", stieß Harry hervor und die Blonde lachte, obwohl an der Situation nichts lustig war. Und außerdem hatte sie die Art von Lache, die Louis hasste, die, die laut und falsch klang und zu einer Ziege besser passte als zu einem Menschen.

Alle außer Louis nahmen sich einen Geldschein und nachdem er ihnen klar gemacht hatte, dass er das Geld wiederhaben wollte, öffnete Zayn Päckchen um Päckchen und verteilte das weiße Pulver auf dem Tisch. Louis wollte absolut nichts zu tun haben mit allem hier, er mochte den Gedanken nicht, dass sich eine illegale Droge gerade einen Meter von ihm entfernt befand. Was, wenn plötzlich Polizisten auftauchten? Sie würden alle im Gefängnis landen, auch wenn sein Dad ihn in der Sekunde wieder rausholen würde, in der er in eine Zelle geworfen wurde. Doch trotzdem war er sich sicher, dass seine Eltern ihn umbringen würden, wenn sie davon erfuhren.

Also war es am besten, wenn er einfach nur zusah. Liam hatte ebenfalls einen Geldschein in der Hand, wusste jedoch nicht, was er damit tun sollte, also machte er einfach das, was Zayn tat, der seinen geschickt zusammenrollte. Dann teilte er das Kokain mit Louis' Kreditkarte in feine Linien auf dem Tisch.

Zayn war der Erste, der sich über den Tisch beugte, sich ein Nasenloch zuhielt und die Geldrolle an das andere hielt. Dann zog er eine ganze Linie auf einmal durch die Geldrolle in seine Nase. Die anderen machten es ihm nach und augenblicklich veränderte sich die Stimmung. Alles wurde leichter und ruhiger und war erfüllt von Lachen und unwichtigem Gerede.

Louis bemerkte, wie Harrys Pupillen sich weiteten, als er sein Koks geschnupft hatte. Er lehnte sich zu der Blonden hinüber und küsste sie, was jedoch nicht lange dauerte, weil sie weitermachte. Nun wurde Louis interessant für Harry. „Also, keine Freundin heute? Habt ihr Schluss gemacht oder so?"

Louis warf ihm einen genervten Blick zu. „Nein. Sie war nur ... Sie war nicht eingeladen."

„War sie nicht? Ich dachte du liebst sie."

„Das tue ich auch!", rief Louis und Harry schüttelte lachend den Kopf.

„Du liebst sie wahrscheinlich noch mehr, wenn sie dir einen bläst. Oder willst du immer noch bis zur Hochzeit warten?"

Louis wurde rot und ignorierte ihn daraufhin.

„Willst du's ausprobieren?" Harry wechselte das Thema, seine dunkelgrünen Augen bohrten sich in Louis'

„Nein danke."

„Ach komm schon, nur eine. Du wirst es lieben, ich schwöre."

Louis sah zu Liam, der bereits die zweite Portion zu sich nahm und zu Zayn, der ihn mit einem lustvollen Blick dabei beobachtete. Dann nickte er und Harry grinste, gab ihm seine Geldrolle und schob eine Linie für Louis zusammen. „Okay, beug' dich runter und mach dasselbe wie ich, nur auf einmal." Louis war kurz davor, es zu tun, doch erstarrte, als er Harrys Hand in seinem Nacken spürte. Während Harry Louis' Kopf in Richtung des Tisches drückte und Louis das ganze Kokain auf einmal schnupfte, sahen sie sich die ganze Zeit über an, bis Louis sich wieder aufsetzte.

Er spürte, wie sich seine Stimmung veränderte, als er in eine Art Euphorie verfiel und sich zurücklehnte, weil er sich umsehen und die Leute beobachten wollte. Jeder reagierte anders auf die Droge; Barbara und Niall lachten über etwas, das wahrscheinlich nicht einmal so lustig war, wie sie dachten, die Blondine wurde depressiv und begann, sich über ihr ach so schlimmes Leben und beklagen und- okay. Zayn und Liam steckten sich gegenseitig die Zungen in den Hals. Also so richtig. Louis sah ihnen ehrfürchtig zu, konnte seinen Augen kaum trauen. Das konnte nicht sein.

Es fühlte sich komisch an ... irgendwie wurde er eifersüchtig. Warum wurde er eifersüchtig? War es, weil Liam mehr von Zayn bekam, als er selbst von Eleanor bekam in den letzten fünf Jahren? Wahrscheinlich. Aber Louis war viel zu stolz, um dies zuzugeben. Und außerdem waren sie beide Jungs, das, was da passierte, war eine Sünde und Louis würde Gottes Wort niemals brechen.

Eine Hand auf seinem Oberschenkel riss ihn aus seinen Gedanken und er sah auf in Harrys Gesicht. Seine Augen schienen dunkler als zuvor und sein Mund stand ein bisschen offen. „Hast du nicht gesagt, du brauchst einen stärkeren Drink?", fragte er, woraufhin Louis wie automatisch nickte, den Blick aber nicht von Harrys Lippen abwenden konnte. „Komm mit." Harry stand auf und ging ihm voran in die Küche. Er folgte dem Größeren und blieb dicht neben ihm stehen. „Was möchtest du haben?"

„Äh ... was, das gut schmeckt."

„Was?", sagte Harry und begann zu lachen. „Louis, man trinkt keinen Alkohol, weil er gut schmeckt, man trinkt ihn, um betrunken zu werden. Wenn du was willst, das gut schmeckt, hole ich dir Mangosaft."

Louis presste die Lippen zusammen, während Harry einen roten Becher aus der Tüte nahm und seine unglaublich langen Finger um eine Dose Bier legte. „Schonmal Bier getrunken?"

„Nein", gab Louis zu und schämte sich sogar ein wenig dafür.

„Hast du überhaupt schonmal Alkohol getrunken? Und Wein und Champagner zählen nicht."

Louis schüttelte den Kopf und Harry schnaubte, was ihn wütend machte, denn schon wieder machte Harry sich über ihn lustig und dachte, er sei besser als Louis. Was wirklich sehr weit von der Wahrheit weg war. „Trink das, es tut nicht weh."

„Aber, ist es nicht ... wird man davon nicht dick?", wollte Louis wissen und wünschte sich im selben Moment, er hätte es nicht getan, obwohl sein Dad das immer gesagt hatte; Biertrinken machte einen aufgeblasenen, dicken Bauch.

Harry dachte einen Moment darüber nach, dann grinste er, zog sein weißes Tanktop nach oben und zeigte somit seinen ganzen Oberkörper und- oh Gott. Louis konnte seine V-Linie sehen und war in diesem Moment extrem eifersüchtig und plötzlich wurde er auch noch unsicher, weil er einen schwabbeligen Bauch hatte, den er seit zwei Jahren loswerden wollte.

Harry sah seinen eigenen Körper kurz an, dann ließ er sein Tanktop wieder los. „Dein Vater hat offensichtlich gelogen."

Louis zerrte verlegen am Saum seines Shirts und nahm den Becher aus Harrys Hand, bevor er einen Schluck nahm. Es war nicht schlecht, aber es gehörte definitiv auf die Liste seiner Top 5.

„Siehst du? Du bist nicht gestorben", ärgerte Harry Louis, welcher sich umdrehte und ihn einfach dort stehen ließ.

**

Louis wusste nicht, was passiert oder wessen Idee es gewesen war, aber später saß er in einem Kreis aus etwa zwanzig Personen zwischen Niall und Liam, eine leere Wodkaflasche lag in der Mitte. Sie spielten ein Spiel, das ‚Flaschendrehen' hieß und von dem Louis noch nie im Leben gehört hatte. Wie auch immer, sobald Niall ihm die regeln erklärt hatte, wollte Louis nichts mehr mit diesem Spiel zu tun haben, weil er noch nie jemanden richtig geküsst hatte und sie ihn sowieso alle auslachen würden.

Und natürlich bin ich meiner Freundin treu.

Das letzte, was er jetzt noch brauchte, war, dass ihn die armen Kinder wegen seiner Unerfahrenheit auslachten. Sie hatten Erfahrung, er hatte Geld und außerdem würde er diesen Kampf sowieso gewinnen. Und weil Gott ihn hasste, landete der erste Dreh auf ihm und der zweite auf dem blonden Mädchen, das Harry vorhin geküsst hatte.

„Äh ... Ich kann nicht- Ich- Ich habe eine Freundin", stotterte und alle verdrehten die Augen, stöhnten auf und sagten ihm, sie würde nie davon erfahren. Louis war noch nie gut, wenn er unter Druck stand, also lehnte er sich auf seine Handflächen und ging auf die Knie mitten im Kreis, um ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen zu drücken. Als er sich wieder setzte, sah er, wie Harry (der neben Niall saß), ihn anstarrte und sich auf die Unterlippe biss. Erst dann realisierte Louis, dass er ihm und Niall wahrscheinlich einen perfekten Blick auf seinen Hintern gegeben haben musste. Seine Wangen wurden heiß und er hoffte, dass sie jetzt nicht anders über ihn urteilten, nur weil er einen fetten Hintern hatte.

Seit wann denke ich darüber nach, was ein paar arme Kinder über mich denken?

In der nächsten Runde küsste Niall einen Typen, der Josh hieß und es überraschte Louis, dass es Barbara überhaupt nichts ausmachte, sondern sie die beiden sogar anfeuerte. Harry küsste Zayn, Liam küsste ein Mädchen, das Louis noch nie zuvor gesehen hatte, noch zwei Leute küssten sich, Niall und Harry und schließlich Liam und Barbara. Dann war Barbara dran mit drehen und der erste Dreh landete auf Harry, welcher die Flasche gespannt beobachtete während sie sich drehte. Der Flaschenhals deutete auf irgendeinem Punkt zwischen Liam und Louis und Louis drückte sich gegen Niall, damit er aus der Schusslinie war. Doch Niall schob ihn wieder an seinen Platz zurück und erklärte ihm, er könnte bei diesem Spiel nicht bescheißen.

Aber Louis konnte keinen Jungen küssen ... was würden die anderen denken? Was, wenn irgendjemand Eleanor davon erzählte? Oder seinen Eltern? Er konnte keinen Jungen küssen, vor allem nicht Harry. „Ich bin nicht schwul", sagte er lahm, wurde daraufhin jedoch nur ausgelacht.

„Wir sind alle ein bisschen schwul, Kumpel", sagte Niall lachend und Harry rutschte bereits näher an ihn heran und spitzte die Lippen, um ihn zu ärgern. Louis setzte gerade dazu an, weiter zu protestieren, doch dann rief jemand etwas und von draußen waren Sirenen zu hören.

„Cops!", schrie ein Mädchen und plötzlich sprang jeder auf und die Leute begannen zu flüchten.

Louis bekam Panik und konnte kaum noch atmen. Das Wohnzimmer war innerhalb von Sekunden wie leergefegt, nur noch einzelne rote Plastikbecher waren über den Boden und den Esstisch verteilt. „Beweg dich!", befahl Harry, während die Sirenen immer näher kamen und die Autos vor Nialls Haus hielten. Zayn nahm die Drogen vom Tisch und stopfte sie in seine hintere Hosentasche, bevor er nach Liams Handgelenk griff und ihn hinter sich her zog. Irgendwie waren alle durch den Hintereingang geflohen, und als Harry Louis in ebendiese Richtung stieß, gehorchte er und beeilte sich, Liam zu folgen.

Sie verließen das Haus, als vorne die Cops hereinkamen und ein leeres Haus vorfanden. Louis riss die Augen auf, als er sah, dass er über den Zaun würde klettern müssen, um von hier wegzukommen. Er konnte nicht klettern, hatte neue Jeans an und absolut nicht genug Muskelmasse, probierte es aber trotzdem, indem er nach der Mauer aus Zement griff und versuchte, sich nach Liam hinaufzuschwingen. Er schnappte nach Luft, als plötzlich starke Hände nach seinen Oberschenkeln griffen und ihn praktisch über die Mauer warfen, als würde er nichts wiegen. Das letzte, was er sah, war, wie zwei Polizisten Harry gegen die Wand drängten und ihn zwangen, seine Hände hinter dem Hals zu verschränken.

Louis fühlte sich scheiße, denn Harry hatte ihn davor gerettet, arrestiert zu werden und hatte sich stattdessen für ihn geopfert. Er wartete zusammen mit Zayn, Liam, Niall und Barbara hinter ein paar Büschen, bis die Polizeiwägen wieder abzogen. „Was werden sie mit ihm machen?", wollte er von Zayn wissen, sobald sie in das leere Haus zurückkehrten.

„Sie nehmen ihn in Gewahrsam, bis seine Mom ihn wieder rausholt."

„Und wann ist das?"

Zayn zuckte mit den Schultern. „Keine Angst, das ist nicht das erste Mal, dass sie ihn mitgenommen haben. Ihm wird nichts passieren." Louis war sprachlos.

Nachdem sie das Hausfertig aufgeräumt hatten, setzten sie sich alle aufs Sofa und obwohl das, was vor Kurzem erst passiert war, immer noch in der Luft lag, holte Zayn trotzdem das Gras hervor.

„das ist nicht das erste Mal, dass die Cops eine unserer Partys unterbrochen haben. Es wäre eigentlich nicht einmal eine Party ohne die Polizei", erklärte Niall, während Barbara seinen Joint anzündete.

Zayns Handy klingelte und er zog es aus seiner Hosentasche. „Ja? Hi Kumpel. Wie viel? Heilige Scheiße, okay. Was? Äh ... morgen, schätze ich. Ich weiß nicht. Okay, bye." Zayn ließ sein Handy auf den Tisch fallen und sah Niall an. „Das war Harry. Zehntausend Pfund Kaution."

„Was? Das ist verrückt. Sie haben noch nie so viel gesetzt."

„Was?" Louis war überrascht.

„Normalerweise setzen sie die Kaution auf zwei- oder dreihundert Pfund, was man in einer Woche easy zusammen hat. Aber zehntausend? Das ist verrückt, seine Mum hat nicht so viel Geld."

„Sie weiß nicht einmal, dass er hinter Gittern sitzt."

Louis starrte die beiden einen Moment lang an, bevor er sich auf die Lippe biss. „Wo ist der nächste Geldautomat?", wollte er wissen. Die anderen sahen ihn überrascht an.

„Warum?"

„Ich werde seine Kaution bezahlen."

„Woah, das ist ..."

„Er wurde wegen mir verhaftet, weil er mir helfen musste, also schulde ich ihm das."

„Du schuldest ihm keine zehntausend Pfund", sagte Zayn.

„Das passt schon", sagte er. Seit wann war er so großzügig? Vielleicht seit Harry ihn davor gerettet hatte, sein ganzes restliches Leben von seinen Eltern bestraft zu werden.

„Der nächste liegt direkt neben der Polizeistation. Ich kann dir ein Taxi rufen", schlug Niall vor und Louis stimmte zu, ehe er von oben seinen Burberry-Mantel und seinen Geldbeutel holte. Er konnte immer noch kaum glauben, was für eine Nacht er bisher hatte. Es war mehr in diesen vier Stunden passiert, als in seinem ganzen siebzehn Jahre langen Leben bereits passiert war. Und jetzt nahm er auch noch ein Taxi. Er würde auf einem Sitz sitzen müssen, auf dem bereits viele Leute vor ihm gesessen hatten.

**

Louis bezahlte dem Fahrer mehr als er musste, ehe er aus dem Taxi stieg und zu dem Geldautomaten ging, von dem Niall ihm erzählt hatte. Er hob zehntausend Pfund in bar von seiner Visa ab (das letzte Geld für diesen Monat auf dieser Karte), bevor er die Treppen zur Polizeistation erklomm. Er konnte kaum glauben, dass er wirklich in einer Polizeistation war, während er zum Empfangstresen ging.

„Äh ... ich bin hier, um Harry abzuholen?"

„Harry Styles?"

„Äh ... ich denke?"

„Sind Sie Zayn Malik?", fragte der Officer und nahm ein Blatt Papier zur Hand.

„Ähm. Nein."

„Wer sind Sie dann?"

„Ich bin ... Louis."

„Louis weiter?"

„Louis ... Malik.", sagte er panisch. Wenn er seinen richtigen Namen preisgab, konnte sein Vater es vielleicht herausfinden.

„Sie müssen dieses Formular hier ausfüllen." Der Officer reichte Louis ein Formular. Alles, was er tun musste, war, sein Geburtsdatum, seinen Namen und seine Adresse anzugeben. „Du bist achtzehn, oder, Kleiner? Du kannst niemanden hier rausholen, wenn du minderjährig bist."

„Ja- Ja, ich bin achtzehn", stotterte Louis und veränderte sein Geburtsdatum, bevor er das Formular zurückgab.

„Wo ist das Geld?"

„Hier." Er gab dem Officer die hundert Geldscheine und nachdem der diese durch eine Maschine, die das Geld zählte, laufen gelassen hatte, bat er Louis, ihm zu folgen. Mit unsicheren Schritten und den Händen in den Taschen seiner Jacke vergraben, folgte Louis ihm durch einen spärlich beleuchteten Flur, der ziemlich gammlig aussah. Sie hielten vor einer eisernen Zellentür und der Officer schloss die Tür auf. „Du kannst gehen, Styles", sagte er.

Harry saß auf der schmalen Pritsche in der Ecke und sah auf seine Füße hinab. Er sah auf und als sein Blick auf Louis fiel, sah er ihn überrascht an. „Louis?" Der Officer öffnete die Zelle ganz und Harry trat grinsend heraus.

„Also, wie kam es, dass ausgerechnet du hergekommen bist, um mich rauszuholen?", wollte Harry kurz darauf wissen, als sie aus der Polizeistation raus waren und auf ein Taxi warteten.

„Naja ... Es ist nicht so, dass ich Lust darauf hatte. Ich war irgendwie dazu verpflichtet, weil du mich davor gerettet hast, erwischt zu werden."

„Kein Danke?"

„Ich sollte dich dasselbe fragen", meinte Louis und Harry nickte.

„Meinetwegen." Er lachte.

„Ist dir nicht kalt?"

„Was, willst du mir deine Jacke geben?"

„Auf keinen Fall!", protestierte Louis und Harry schüttelte den Kopf. „Wohin gehst du jetzt? Soll ich dich bei dir zu Hause absetzen?"

„Äh, ja." Also nannte Harry dem Taxifahrer seine Adresse und dann Louis die von Niall. Er konnte Harrys Haus jedoch nur anstarren, als sie davor hielten. Es war ziemlich klein, so wie die anderen, völlig identischen Reihenhäuser in dieser Straße. „Danke Kumpel", sagte Harry, ehe er ausstieg.

Louis sah ihm nach, wie er zur Tür ging, bevor er seine Schlüssel herauskramte und hinein ging. Er fragte sich, wie Harrys Mutter reagieren würde, wenn sie wüsste, dass Harry bereits öfters schon im Gefängnis gesessen hatte und wie spät abends er immer nach Hause kam. Aber dann fiel ihm wieder ein, dass das nicht sein Problem war.

Die Nacht endete damit, dass Louis sich ein Bett bei Niall mit Liam teilte, während Zayn die Couch nahm. Er hatte Barbara gebeten, keine Fotos von ihm auf Instagram zu posten, weil er nicht wollte, dass jemand erfuhr, dass er weggewesen war, vor allem nicht Eleanor.

Louis konnte nicht einschlafen; er lag wach auf seiner Seite des Bettes und ließ das Chaos des Abends Revue passieren. Und, ehrlich gesagt, machte es ihm dieses Mal nichts aus.

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10.01.2019

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