Chapter 15

(Bild: Große Halle)


Selena Black P.o.V.:

Noch am Abend des Quidditchspieles bekomme ich eine Nachricht von Alec. Lils und ich sitzen gerade vor dem Kamin, als ein alter Waldkauz aus der Eulerei an einem der Fenster des Griffindorgemeinschaftsraumes klopft. Ein Drittklässler nimmt den Brief entgegen und reicht ihn mir dann, als er meinen Namen auf dem Umschlag entdeckt hat. Ich erkenne die ordentliche und gerade Handschrift sofort und ohne ihn zu öffnen, stecke ich ihn in meine Umhangtasche. Lily sieht mich einen Moment lang mit zusammengekniffenen Augen an, doch als ich keine Anstalt mache ihr etwas dazu zu sagen, blickt sie wieder ins Feuer vor uns. Sie wirkt traurig und das tut mir weh, weil ich weiß, dass sie es wegen mir ist. "Du hast ein Geheimnis vor mir.", es ist keine Frage, sondern eine Feststellung. Schuldbewusst blicke ich ebenfalls ins Feuer. "Ist es so schlimm?" Ich merke, dass sie mich genau mustert. Ich schüttle den Kopf. Es gibt schlimmeres, als den bisherigen Feind nicht mehr als kompletten Arsch zu sehen. "Also", fängt Lils langsam an. "Geht es um einen Jungen?" Unwillkürlich sehe ich auf und ihr direkt in die Augen, was ihr Antwort genug ist. Ein Lächeln tritt auf ihr Gesicht. "Wer ist es?", sie beugt sich näher zu mir und blickt mich gespannt an. 

Überrascht blinzle ich ein paar Mal. Panik breitet sich in mir aus und ich sehe überall hin, außer zu meiner besten Freundin. Was soll ich ihr nur sagen? Ich räuspere mich leise um noch etwas Zeit zu gewinnen. Ich kann ihr nichts von Alec erzählen. Ich weiß nicht ob sie es verstehen würde und ich will nicht, dass sie mir ausredet, dass ich mich weiter mit ihm unterhalte. Vorsichtig sehe ich wieder zu Lils. "Ist es schlimm, wenn ich dir seinen Namen erst einmal nicht sagen möchte? Ich weiß noch nicht, ob daraus etwas Ernstes wird und...", ich verstumme, nicht wissend was ich noch sagen soll. Doch Lily winkt ab und lehnt sich in ihrem Sessel zurück. "Schon gut. Sein Name ist ja eigentlich unwichtig. Erzähl mir wie er so ist!" Erleichtert sinken meine Schultern einen gefühlten Meter nach unten. Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich sie angespannt habe... Ich erzähle Lils davon, dass er mir nachgelaufen ist, nachdem wir das von Grace erfahren haben, dass er mir einmal bei meinen Hausaufgaben geholfen hat und dass wir einmal in der Küche zusammen Pizza gebacken haben. Sie war zwar nicht begeistert davon, dass ich ihr nicht schon früher etwas von ihm erzählt habe, aber sie ist mir deswegen nicht sauer. So ist Lils nun einmal: Viel zu gut für diese Welt. 

Als wir ein halbe Stunde später nach oben in unseren Schlafsaal gegangen sind und Lily ins Badezimmer verschwunden ist, fische ich neugierig den Umschlag aus meiner Tasche. Auf dem Blatt darin stehen nur wenige Sätze: 

Habe das Buch fertig gelesen. Wenn du willst können wir uns morgen früh um 8 in dem leeren Klassenzimmer im dritten Stock treffen, damit ich es dir zurückgeben kann. Deine Freunde schlafen doch an einem Sonntag aus, oder? Wenn ja, haben wir ja noch etwas länger Zeit um uns über mein Foulfreies-Quidditchspiel zu unterhalten

Ich werde auf jeden Fall auf dich warten - ob du kommst oder nicht.

Ich schüttle lächelnd den Kopf, während eine Wärme sich in mir ausbreitet, die ich bisher immer dann gespürt habe, wenn Alec mir nahe war. Die Badtür geht auf und Lils tritt zu mir in den Raum. Ihr Blick fällt auf den Zettel in meiner Hand und wandert dann über mein Lächeln zu meinen Augen. Sie legt den Kopf schief. "Was schreibt dein Lover? Eine Schlaf-gut-und-träum-von-mir-Nachricht?" Ich schüttle mit roten Wangen den Kopf. "Er will sich morgen Vormittag mit mir treffen.", meine Stimme ist fast nur noch ein Quietschen. Mein Herz klopft wild in meiner Brust. Lily strahlt mich an und unwillkürlich fühle ich mich etwas ruhiger. "Ich weiß nur nicht ob ich hingehen soll. Ich meine, was wenn wir dann nur da sitzen und nicht wissen über was wir reden sollen. Ich habe keine Ahnung was ich tun soll. Hilf mir, Lils."

Schlussendlich, nach vielen beruhigenden Worten von Lily und nachdem wir aus meinem Kleiderschrank passende Kleidung für morgen herausgelegt haben, habe ich doch beschlossen mich mit Alec zu treffen. Selbst wenn morgen eine peinliche Stille entstehen sollte, oder irgendetwas anderes unangenehmes passieren sollte, alles ist besser, als mich danach zu fragen, was gewesen wäre, wenn ich gegangen wäre. Und außerdem schlägt mein Herz schon schneller, wenn ich  nur daran denke ihn wiederzusehen. Für seine Nähe nehme ich jede peinliche Situation in Kauf. 

Und so mache ich mich am nächsten Morgen nach einem kleinen Zwischenstopp in der großen Halle, um mir etwas Speck und einen Toast zu genehmigen, pünktlich auf den Weg zu dem leeren Klassenzimmer. Ich sehe mich immer wieder um, und als Mrs Norris plötzlich hinter einer Rüstung hervor schleicht, zucke ich heftig zusammen. Mich innerlich verfluchend, weil ich so paranoid und schreckhaft bin, betrete ich schließlich den verstaubten und vollgestellten Raum. Die Schulbänke sind an der Wand aufgereiht und es stehen jede Menge Möbel herum, darunter ein altes Ledersofa, auf das ich mich fallen lasse. Eine große Staubwolke steigt auf und ich muss ein paar Mal niesen. Ich will nicht wissen, wie lange das Sofa hier schon steht, wahrscheinlich ist es noch aus dem letzten Jahrhundert. Nervös lehne ich mich zurück, darauf bedacht, dass ich nicht zu viel Staub aufwirbele.


Alexander Malfoy P.o.V.:

Atemlos reiße ich die Tür zu dem Klassenzimmer im dritten Stock auf. Hektisch sehe ich mich um, lasse den Blick über die vielen alten Möbel gleiten, auf der Suche nach Selena. Doch sie ist nirgends. Ich kann den einzigen staubfreien Fleck in diesem Raum sehen und fluchend lasse ich die Tür ins Schloss fallen. Sie war hier. Sie hat auf diesem alten Ledersofa gesessen und hat auf mich gewartet. Während ich Idiot es nicht geschafft habe Adalar abzuschütteln, der heute eigenartigerweise einmal vor zehn Uhr aufgewacht ist und unbedingt mit mir über diese Ravenclaw, Laura Miller, reden wollte. Egal was ich auch gesagt habe, Ad hatte immer eine Möglichkeit gefunden, um weiter mit mir zu diskutieren, ob er sie nun auf ein Date nach Hogsmeade einladen sollte. Er war mir sogar bin in die Bibliothek und die Eulerei gefolgt, wo ich doch eigentlich gar nicht hin gewollt hatte. Ich wollte nur in diesen einen Raum - und jetzt bin ich zu spät. Selena ist schon gegangen. Doch was heißt schon. Inzwischen ist es zwölf Uhr, vier Stunden nach unserer verabredeten Zeit. 

Ich massiere mir die Schläfen. Sie wird enttäuscht sein, und ich bezweifle, dass sie sich auf ein weiteres Treffen mit mir einlassen wird. Ich muss sie finden. Muss ihr erklären, dass ich nichts lieber wollte, als bei ihr zu sein. Genauso schnell wie ich hereingekommen bin, verlasse ich das Klassenzimmer wieder. Sie könnte überall im Schloss sein, in der großen Halle, der Bibliothek, den Ländereien, dem Griffindor Gemeinschaftsraum oder ihrem Schlafsaal - welche beide unerreichbar für mich sind. Ich schaue als erstes in dem Raum nach, der am nächsten ist, der Bibliothek. Ich streife durch die Reihen und störe damit jeden lernenden Schüler, an dem ich vorbei komme, doch es ist mir egal. Nachdem ich sie nirgends entdeckt haben, gehe ich als nächstes zur großen Halle, um dort einen Blick hineinzuwerfen, um dann weiter auf die Ländereien zu gehen. Doch das muss ich gar nicht, denn ich entdecke Selena sofort an ihrem Haustisch. Sie unterhält sich mit ihrer rothaarigen besten Freundin und scheint dabei nicht gerade glücklich zu sein. Eher niedergeschlagen. Ich schlucke, als ich den feinen Staub auf ihrem schwarzen Pullover sehe. Sie war also tatsächlich da - und ich habe sie versetzt. 

Sie sitzt mit den Rücken zu mir, und auch wenn ich zum Slytherintisch gehen würde, würde sie mich nicht sehen. Fieberhaft überlege ich, wie ich sie auf mich aufmerksam machen kann, ohne dass jemand anderes etwas mitbekommt, doch es fällt mir nichts ein. Und dann haben mich zu meinem Leidwesen auch noch meine Freunde entdeckt, die zu einem frühen Mittagessen schon am Slytherintisch sitzen. Nach einem letzten Blick zu Selena gehe ich zu ihnen und setze mich neben Rodolphus. Während dem ganzen Mittagessen, schaue ich alle paar Sekunden zum Griffindortisch und bohre mit meinem Blick Löcher in Selena. Sie sieht nicht einmal auf, nicht ein einziges Mal, sie hat nur mit Evans den Kopf zusammengesteckt und gestikuliert wild mit den Händen. 

Als dann Sirius und die anderen Rumtreiber sich zu ihnen setzten, verstummen sie beide, zumindest solange, bis Potter Evans mal wieder nach einem Date fragt. Also echt, selbst die Slytherins haben inzwischen verstanden, dass Evans nicht mit ihm ausgehen will. Er sollte das auch endlich einmal akzeptieren, doch das tut er anscheinend nicht, denn die Worte "Irgendwann, Evans. Irgendwann wirst du ja sagen." können auch Adalar und ich verstehen. "Sie wird niemals ja sagen. Wieso sollte die denn mit jemanden ausgehen, den sie hasst? Ich meine, man hört nicht plötzlich auf jemanden zu hassen, das geht nicht.", sagt Ad und grinst schadenfroh. Doch, das geht. Ich habe es getan. Und weil Selena heute gekommen ist, denke ich, dass sie es auch getan hat. Und dann habe ich alles vermasselt. Nun ja, eigentlich hat mein bester Freund alles vermasselt. 

"Hat Laura denn ja gesagt? Oder warst du zu feige sie zu fragen?", fahre ich ihn an. Ich will meinen Frust nicht an Ad auslassen, aber ich bin nun einmal enttäuscht, dass unser Treffen so schrecklich schief verlaufen ist, und ich habe Angst, dass ich nie wieder die Möglichkeit habe sie zu sehen. Als Selena kurze Zeit später aufsteht und zusammen mit Lily die große Halle verlässt - ohne mich eines Blickes zu würdigen -, sehe ich, dass sie etwas hübscher angezogen ist, als sie es normalerweise an Wochenenden ist, und ihre Haare zu einem schönen Zopf geflochten sind. Augenblicklich fühle ich mich noch schlechter. Das hat sie nicht verdient. Sie sollte sich für jemanden hübsch machen, der sie nicht versetzt. Tief in mir weiß ich, dass ich gerne dieser Jemand wäre, und so beschließe ich ganz bei mir, sie niemals wieder warten zu lassen und wieder gut zu machen, was ich so dermaßen vermasselt habe.

Zwei Wochen später, in denen Selena jeglichen Blickkontakt ausgewichen ist und mich im Verteidigung gegen die Dunklen Künste Unterricht nicht beachtet hat, weiß ich endlich, wie ich mich bei ihr entschuldigen kann. Sobald wir uns nebeneinander in Professor Zankovs Klassenzimmer niedergelassen haben, beginnt sie zum dritten Mal mich zu ignorieren. Ich warte ein paar Minuten, bis alle in die Gegenflüche vertieft sind, die Professor Zankov gerade an die Tafel schreibt, ehe ich unter der Bank nach Selenas Hand greife und sie zu mir ziehe. Sie zuckt zusammen und ihr Kopf dreht sich ruckartig in meine Richtung. Sie starrt mich wütend an und will mir ihre Hand entziehen, doch ich halte sie weiterhin sanft fest. Rasch lege ich Selena das feine Silberkettchen um, an dem mehrere kleine Anhänger befestigt sind. 

Sela schaut jetzt nicht mehr wütend aus, sondern verwirrt, beinahe schon erschrocken. Ich lege ihre Hand wieder auf ihren Oberschenkel zurück und streiche dann meinen Umhangärmel der linken Hand zurück. Dort ist ein dünnes Lederarmband mit einem einzigen silbernen Anhänger. Den gleichen, den auch Selena jetzt an ihrem Handgelenk trägt. Es ist ein Quaffel. Ich merke, dass Selena mich beobachtet, während ich meinen Zauberstab unauffällig auf den kleinen Ball richte und winzige Buchstaben darauf eingraviere. Sobald ich fertig bin, lasse ich die geschriebenen Worte auch auf Selenas Anhänger erscheinen. Gespannt betrachte ich Selas Bettelarmband, solange, bis der Quaffel plötzlich zu fliegen beginnt. Er bewegt sich, soweit es die Silberglieder zulassen, durch die Luft. Selena starrt fasziniert mein Geschenk an, auf dem langsam Buchstaben erscheinen. 

Es tut mir leid steht dort in verschnörkelter Schrift, damit nicht jeder sofort lesen kann, was dort geschrieben steht. Vorsichtig berührt Sela den Quaffel mit ihrer Fingerspitze. Sofort hört er auf zu fliegen und fällt zurück, sodass er wie ein ganz normaler Anhänger auf ihrem Handrücken liegt. Unauffällig, damit Professor Zankov nichts merkt, der gerade an die Tafel schreibt, hebe ich den Zauberstab und lasse die Worte wieder verschwinden. Ich kann Selenas Blick nicht deuten, mit dem sie mich eine Weile lang betrachtet, und mein Herz scheint vor Erleichterung förmlich zu explodieren, als sie leise fragt, wie die Zauberformeln lauten, die ich gerade benutzt habe. "Mit Incideretis gravierst du die Worte in deinen Anhänger, mit Transmit überträgst du sie auf meinen und mit Tergeo lässt du sie wieder verschwinden." Sie probiert es aus, und wenig später hebt mein Anhänger von meinem Handgelenk ab. Eine Nachricht von Sela. Heute Abend? Lächelnd antworte ich ihr: Acht Uhr? Sie nickt mir zu, was mir eine riesige Last von den Schultern nimmt. Dieses Mal werde ich da sein.



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(Bildquelle: https://behindthesceneshp.weebly.com/uploads/2/9/4/2/29420749/2603523.jpg?444)

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