(Bild: Sela und Alec)
Alexander Malfoy P.o.V.:
Vorsichtig drücke ich die Türklinke hinab und schlüpfe in den finsteren Raum. Selenas Geruch steigt mir in die Nase und sofort beruhigen sich meine sorgenvollen Gedanken, während sich gleichzeitig mein Herzschlag verschnellert.
"Lumus", flüstere ich und mein Zauberstab, der sich noch halb in meinem Ärmel befindet, erleuchtet den Raum mit grellem Licht.
Die langen Schatten der Möbel beunruhigen mich, die Dunkelheit macht mir noch immer zu schaffen; doch als plötzlich eine Eule kreischt, zucke ich total zusammen.
Zoe, Selenas Eule, stiert mich feindselig aus ihrem offenen Käfig aus an. Ich werfe einen Blick auf das Bett, das nur zwei Meter entfernt steht und in dem sich Selena leicht bewegt.
Ich gehe zu dem Käfig auf einer der Kommoden, gebe Zoe eine Hand voll Eulenkekse und gehe dann, den Zauberstab hinter meinem Rücken, damit sie das Licht nicht direkt trifft, zu Selena, die tief und fest zu schlafen scheint.
Leise gehe ich neben ihr auf die Knie und lege den Zauberstab auf dem Boden ab, um ihr die Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen und sie so sanft wie möglich aufzuwecken.
Ohne viel Druck lege ich meine Hand an ihre Wange und sofort schmiegt sie sich an mich.
Meine Mundwinkel heben sich.
"Selena?", flüstere ich, doch sie bewegt sich keinen Millimeter.
Ich betrachte ihre schlafenden Gesichtszüge, die heute irgendwie angespannt wirken. Ich habe gerade ihre verkrampfte Hand entdeckt, die unter der Decke hervorschaut, als sie den Kopf herumwirft und immer wieder "Nein!" murmelt.
Ihre Haare reiben über das Kissen, als sie den Kopf immer weiter schüttelt.
"Grace! Nicht! Das Feuer!", fleht sie undeutlich. Es dauert ein paar Sekunden bis ich sie verstehe.
Ich beuge mich eilig über sie und fasse sie an den Schultern. Das sieht verdächtig nach einem Albtraum aus.
"Wach auf, Selena! Hey, alles ist gut! Du hast einen Albtraum!" Als ihre Bewegungen nicht stoppen, greife ich sie fester. "Ich bin hier, Honey. Ich pass auf dich auf. Verstehst du mich?"
Einen Moment lang liegt Sela ganz ruhig. Dann schreckt sie mit einem mal auf und murmelt immer wieder den Namen ihrer verstorbenen besten Freundin. "Wo ist sie?"
Erschrocken erwidere ich ihren vernebelten Blick.
"Sie ist nicht mehr hier.", antworte ich wahrheitsgemäß.
Selena runzelt die Stirn und starrt mich an als wäre ich Merlin höchstpersönlich. Sie scheint mit jeder Sekunde wacher zu werden.
Plötzlich weiten sich ihre Pupillen.
"Alec!" Stürmisch schlingt sie die Arme um meinen Hals und drückt mich fest an sich.
Ihre Brüste drücken sich gegen meine Brust, doch ich schenke dem keine Beachtung.
Ich lege die Arme um ihren Rücken und halte sie fest.
Selena vergräbt das Gesicht in meinem T-Shirt und ich weiß instinktiv, dass ihr ein paar einzelne Tränen über die Wangen rinnen.
Ich presse meine Lippen auf ihren Scheitel und flüstere immer wieder, dass es nur ein Albtraum war und dass alles gut ist. Mir ist klar, dass das nur leere Worte sind, immerhin ist Grace brutal von Todessern ermordet worden und daran ist absolut nichts gut.
Sanft wiege ich sie hin und her, und nach etwa fünf Minuten löst sie sich allmählich von mir.
"Wie kannst du hier sein?" Sie legt beide Hände an meine Wangen.
"Lily hat mich reingelassen."
Selena hebt die Augenbrauen. "Moment...du hast den Alarm ausgelöst?"
"Der Schreck tut mir leid.", antworte ich mit einem Nicken.
Einen Moment lang starrt sie mich noch immer mit Unglauben in den Augen an. Dann kommt sie auf die Knie, schlägt die Bettdecke zur Seite, klettert auf meinen Schoß und beugt sich vor, um ihre Lippen auf meine zu drücken.
Ich mag diese Art der Begrüßung.
Mit einem tiefen Seufzer lasse ich mich nach hinten fallen und nehme Sela mit mir. Gierig erwidere ich den Kuss mit allem, was ich habe. Nachdrücklich ziehe ich sie auf mich und halte sie fest umschlungen. Gleichzeitig lasse ich meine Zunge in ihren Mund gleiten.
Sie schmeckt nach Zahnpasta und nach Selena, wovon ich niemals genug haben werde.
Selena vergräbt die Hände in meinen Haaren und zieht an den Spitzen. Ihre Unterarme liegen über meinen Schultern auf der Bettdecke, sodass ihre Brüste über mich tanzen.
Ich lasse meine Hände zu ihren nackten Oberschenkeln gleiten. Ein Stöhnen entfährt mir, als ich an der Spitze ihrer Unterwäsche entlangfahre. So perfekt.
Sie lächelt und beginnt damit, ihre Hüfte im Rhythmus unserer Lippen zu bewegen.
Ich löse unseren Kuss auf, weil ich nach Luft schnappen muss. Dieses Mädchen bringt mich noch um.
Sela richtet sich etwas auf, um mich eingehend zu betrachten. Ein Lächeln erhellt dabei über ihr Gesicht und ihre Bewegungen stoppen keine Sekunde.
Meine Hände greifen nach dem Saum meines Shirts und als ich es mir über den Kopf gestreift habe, hat sie ihre Augen geschlossen und den Kopf in den Nacken gelegt.
Ich streife mir die Schuhe von den Füßen und greife mit der einen Hand ihren Oberschenkel, um sie tiefer auf mich zu ziehen. Mit der andern stütze ich mich ab, um an ihren Hals zu kommen, den sie mir augenblicklich anbietet.
Ich knappere an ihrer Haut, küsse sie, sauge daran. Genau an der Stelle, die Selena am verrücktesten macht.
Zurückgehaltene Stöhner bahnen sich ihren Weg ihre Kehle hinauf und ich flüstere "Muffliato" in der Hoffnung, der Zauber möge auch ohne direkten Zauberstabkontakt glücken.
Mit einem abschließenden Kuss gebe ich ihren Hals frei und wende mich ihrem T-Shirt zu.
"Du trägst mein Shirt?", keuche ich atemlos.
"Jede Nacht!"
Ich könnte es ihr ausziehen, doch das will ich gar nicht. Stattdessen schiebe ich einfach meine Hände unter den Stoff, um ihre Brüste in die Hand zu nehmen.
Selena seufzt mir ins Ohr, als sie sich ganz auf mich sinken lässt. Ihre Bewegungen stocken, doch als ich eine Hand über ihre erhitzte Haut direkt zwischen ihre Beine wandern lasse, kommt sie sofort wieder in unseren Rhythmus.
Ich schiebe ihre feuchte Unterwäsche beiseite und bringe sie mit meinen Fingern an den Rand des Höhepunkts. Ihre Muskeln ziehen sich rhythmisch um mich herum zusammen und ich weiß, dass sie gleich jenen Laut ausstoßen wird, den ich mit in den letzten Wochen am meisten vermisst habe.
Ich hebe zum ersten Mal die Hüfte ihrer Bewegung entgegen und kneife sie überraschend mit Daumen und Zeigefinger. Sela drückt den Rücken durch und ihre Muskeln verkrampfen sich unregelmäßig und heftig. Ihr Atem stockt.
Ich warte und betrachte sie einfach nur bis die erste Welle abgeflaut ist, dann drehe ich uns und drücke einen einzigen Kuss auf ihre Mitte. Von Selena werde ich nie genug bekommen können.
Ein Schauer überkommt sie und ihre Hand findet mein Ohr, an dem sie mich zu sich hoch zieht.
"Au", flüstere ich grinsend und Selena öffnet erschrocken die Augen kurz bevor unsere Lippen sich getroffen hätten. Ein Sturm aus Emotionen und Empfindungen wirbelt darin.
Als sie merkt, dass es nicht ernst gemeint war, greift sie wieder nach meinem Ohr und bringt mich dazu, sie zu küssen. Wobei verschlingen wohl das passendere Wort wäre.
Ich kann gar nicht aufhören, mit ihrer Zunge zu spielen. Mit den Zähnen über ihre Unterlippe zu fahren. Ihre rohen Seufzer mit meinem Mund aufzufangen.
Zeitgleich öffne ich meinen Gürtel und strample meine Hose samt Boxershorts von den Beinen.
Willig verschränkt sie die Beine hinter meinem Rücken, doch ich halte sie auf.
"Ich will was ausprobieren."
Überrascht sieht sie mich an. Dann nickt sie und lässt die Beine zurück aufs Bett gleiten.
"Dreh dich um.", sage ich leise.
Ihre Augen weiten sich und sie will etwas sagen, doch ich schüttle den Kopf, weil ich weiß, was sie denkt. "Nichts neues, nur andersrum."
Mit anmutigen Bewegungen dreht sie sich auf den Bauch.
Ich richte mich auf und ziehe sie an der Hüfte mit mir, sodass sie aber immer noch auf den Händen abgestützt ist.
Ich beuge mich vor, um ihre heiße Haut zu küssen und sie drückt sensibel den Rücken durch. Bevor ich mich aufrichte, greife ich kurz nach meinem Zauberstab, um einen Verhütungszauber zu sprechen, dann streichle ich von ihren Schlüsselbeinen aus über ihren Körper, umfasse ihre Brüste, gehe tiefer.
Als ich beim ersten Mal langsam in sie eindringe geht sie ins Hohlkreuz und lässt sich auf ihre Unterarme sinken. Ihre Stirn hat sie inzwischen auf der Bettdecke abgelegt. Ich dringe automatisch tiefer in sie ein.
"Alec!", stöhnt sie durch den Stoff gedämpft.
Ich gleite aus ihr heraus und wieder in sie ein. Diesmal noch tiefer.
Mit jedem Stoß wird das Kribbeln in meinen Lenden stärker. Und je stärker das Kribbeln wird, desto schneller und bestimmter wird mein Rhythmus. Ich steuere auch die Bewegung von Selas Hüften, was mir mit jeder Sekunde mehr gefällt. Noch nie war die Stimmung beim Sex so aufgeladen. So voller Sehnsucht und Verlangen.
Völlig berauscht lasse ich meine Hände über ihren Bauch zu ihren Brüsten wandern. Mit einem Ruck kniet Sela vor mir, den Hinterkopf auf meiner Schulter abgelegt und die Arme in meinem Nacken verschränkt, was ihre Brüste noch mehr in meine Hände drückt. Wieder dringe ich tiefer.
Ein beinahe schon gequältes Stöhnen kommt über Selenas Lippen. Sie raunt meinen Namen und ich kann den Blick nicht mehr von ihr abwenden. Sie ist vollkommen gefangen in diesem Moment. Sie hat die Augen geschlossen, den Mund leicht geöffnet. Den Kopf hat sie in den Nacken gelegt. Allein dieser Anblick bringt mich dem Gipfel näher.
Kurz vorm Höhepunkt knete ich ihre Brüste, die noch immer von meinem Oberteil verdeckt werden, was mich noch mehr anmacht.
"Sela!", stöhne ich, die geöffneten Lippen, durch die stoßweise mein Atem kommt, an ihrem Kieferknochen.
Augenblicklich dreht sie den Kopf und wir atmen jeweils die Luft des anderen. Ich würde sie jetzt gerne küssen, aber das bekomme ich grad einfach nicht hin. Also verwöhne ich weiter ihre Brüste und als ich sie leicht in ihre empfindlichste Stelle kneife, überrollt sie der Höhepunkt.
Ich liebe es, dass ich ihren Körper so gut kenne, um das vorherzusehen.
Beim Anblick ihres Aufbäumens und dem Geräusch ihres Stöhnens weiß ich bereits, dass der nächste Stoß mein letzter sein wird. Also senke ich den Kopf, um in ihre Schulter zu beißen anstatt laut zu werden.
Sämtliche Muskeln zittern, jede Zelle meines Körpers steht unter Strom, als ich mich tief in Selena vergrabe und der Höhepunkt mich überrollt.
Schwer atmend verharre ich in ihr, spüre den Schauern nach, dem befriedigten Gefühl in meinem Inneren.
Ich hebe den Kopf, um Selena zu betrachten. Sie ist vollkommen still, hat die Augen geschlossen und genießt den Moment.
Die Verschränkung ihrer Hände hinter meinem Nacken hat die inzwischen gelöst.
Stattdessen streichelt sie träge meinen Kopf. Behutsam fahre ich über ihre Brüste und ihre Seite, ehe ich mich aus ihr zurückziehe. Selena schnappt nach Luft und im nächsten Moment haben wir uns beide in die Kissen sinken lassen.
Ich ziehe die Decke unter uns heraus und decke erst Selena damit zu, bevor ich mich an sie kuschle und frage, ob ich ihr weh getan habe.
Sela dreht amüsiert den Kopf und legt ihre Hand auf meine. Mit der anderen fährt sie über ihre Schulter und über ihren Hals, an denen jeweils Spuren der letzten halben Stunde zu sehen sind. "Ja, hast du, aber das hat es nur noch besser gemacht."
Behutsam fahre ich über ihre Schulter, wo ich ganz leicht meinen Zahnabdruck fühlen kann. Morgen früh wird er wieder verschwunden sein.
Ich ziehe sie weiter an mich.
Ich dachte immer, die Spannung zwischen uns würde mit der Zeit verblassen, etwas abflauen, doch ich fühle mich mit jeden Tag, mit jeder Berührung mehr von ihr angezogen. Selena so erlebt zu haben wie gerade eben schickt noch immer Energieschübe durch meinen gesamten Körper.
Wir verharren für einige Sekunden in dieser Position. Eng umschlungen und die Hände verschränkt. Dann strampelt Sela sich plötzlich die Decke von den Füßen und steht auf.
"Was machst du?", frage ich kindisch schmollend. Eine angenehme Schwere hat von meinem Körper Besitz genommen, ich könnte jeden Augenblick einschlafen.
"Ich sollte pinkeln.", antwortet sie, als sie kurz vor der Zimmertür ihr Oberteil und ihren Slip richtet.
"Warte! Willst du keine Hose-", ich verstumme, als sie die Türklinke runterdrückt und mit einem teuflischen Grinsen über den Flur huscht.
Seufzend lasse ich mich zurück ins Kissen fallen.
Als Sela wiederkommt, kuschelt sie sich sofort an mich wie eine Katze.
"Ich bin so froh, dass du hier bist!", flüstert sie nach einem Gähnen.
"Und ich erst!", ich verstärke meinen Griff und drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
Ich schlafe etwa zwei Stunden, dann nähern sich Schritte auf dem Flur und ich schrecke hoch. Wenn jetzt jemand reinkommt, ist die Situation eindeutig.
Doch es sind mehrere Schritte und ich erkenne Lily darunter, als sie halb tadelnd, halb amüsiert spricht:"Lass sie schlafen, Sirius."
Jemand seufzt. "Na gut. Gute Nacht.", sagt Sirius. Schritte entfernen sich und eine Tür schließt sich mit einem Knall.
Kurz ist es Still.
"Dann..." Es ist James. So unsicher habe ich ihn noch nie sprechen hören. "Eine letzte Nacht?", fragt er.
Lily lässt mit einer Antwort auf sich warten. "Aber nicht aus Mitleid, oder?"
"Niemals.", versichert James.
Zwei Paar Schritte entfernen sich in die gleiche Richtung und Stille tritt wieder ein.
"Süß, oder?" Überrascht drehe ich den Kopf. Selena lächelt mich verschlafen an.
"Seit wann läuft da was?"
Sela zuckt die Schultern. "James hat sich um Lily gekümmert, nachdem ihre Eltern gestorben sind. Sie durfte hinter seine Maske blicken."
Sie hebt die Hand und streicht mir eine unordentliche Haarsträhne aus der Stirn. Ihre Augen begegnen meinen und ihre Mundwinkel heben sich bei meinen nächsten Worten:"Gut, dass er es zugelassen hat."
"Find ich auch."
Wir nehmen den Blick nicht voneinander, erst als Sela ein leises Kichern entfährt und sie den Kopf an meinem Hals vergräbt.
Sofort verstärke ich meine Umarmung und vergrabe die Nase in ihrem Haar.
Wie sehr ich das vermisst habe. Diese Leichtigkeit und vollkommene Sicherheit.
"Was hast du die letzten Wochen gemacht?", frage ich die behagliche Stille durchbrechend.
"Sozialstunden. Ich war eigentlich den ganzen Tag im Ministerium. Und an den Wochenenden waren wir am See, haben Quidditch gespielt. Nichts spannendes."
"Klingt schön."
Sela hebt den Kopf, doch bevor sie etwas sagen kann, fahre ich fort:"Und... was war das für ein Traum?"
Selena seufzt und legt den Kopf wieder auf meinem Schlüsselbein ab. "In zwei Wochen ist ihr Todestag und...Grace... Sie gibt mir die Schuld.", meint sie zögerlich.
"Das tut sie nicht, Honey.", sage ich rasch. "Du gibst dir die Schuld. Dabei kannst du nichts für die Taten des Dunklen Lords."
Selena verkrampft sich in meinen Armen. Dann hebt sie den Kopf. In ihren Augen steht Angst. Zögerlich senkt sie den Blick auf meinen linken Unterarm.
Ich schlucke.
"Nur Todesser nennen ihn so.", flüstert sie. Zwar erleichtert, weil auf meinem Unterarm nur die schmale, lange Narbe von unserem Eishockeyspiel zu sehen ist, doch immer noch furchtbar verängstigt.
"Tut mir Leid. Lucius färbt wohl etwas ab.", winke ich die Sache rasch ab. Sie soll sich keine Sorgen um mich machen. Ich komm da schon irgendwie raus ohne das Todesser-Mal tragen zu müssen.
Selena sieht mich einige Sekunden lang noch verunsichert an, dann kuschelt sie sich wieder an mich.
"Erzähl mir von deinen Ferien.", meint sie noch immer mit wacher Stimme.
"Naja, von der Drachenjagd weißt du. Auch von meiner Mutter. Hab ich dir eigentlich erzählt, dass sie von uns wusste?"
Sela zuckt zusammen und sieht entsetzt auf. "Was?"
Ich lächle. "Sie hat mir lauter Fragen gestellt, um meine Reaktionen zu sehen. Sie hat es irgendwann einfach erraten.
Sie meinte auch, ich hätte dich schon als Kind geliebt."
Ihre Anspannung lässt ein Stück weit nach. "Das klingt, als hätte sie es nicht deinem Vater gesagt."
"Hat sie nicht. Sie hat uns sogar ein kleines Vermögen vermacht."
"Uns? Moment, ein kleines Vermögen?"
Bei meinen nächsten Worten legt mein Herz einen Sprint hin:"Ich hab vor, uns damit ein Leben aufzubauen, Honey. Nach Hogwarts." Ich will nicht verraten, wie weit ich schon damit bin.
Selena richtet sich erneut auf, ihre Augen leuchten. Sie legt ihre Hand an meine Wange und streichelt mit ihrem Daumen über meine Haut.
"Du willst... Wirklich?", fragt sie ungläubig.
Ich greife nach ihrer Hand und verschränke unsere Finger.
"Wirklich. Sag mir, wie dein Traumhaus aussieht."
Sela sieht mich kurzzeitig noch immer ungläubig an, dann gewinnt die Hoffnung in ihren Augen den Kampf und sie verrät mir wieder ein Stück weit mehr über sich selbst.
"Erinnerst du dich an das Haus, durch dessen Fenster wir geschaut haben? So einen großen Garten, mit hohem Gras und vielen wilden Blumen. Nichts darf gerade sein und alles muss durcheinander wachsen.", beginnt sie mit einer Aufregung in der Stimme, die ich noch nie gehört habe. Mit einem Lächeln ziehe ich sie näher an mich, während sie weiter träumt:"Hohe und viele Bücherregale und einen richtig gemütlichen Sessel zum lesen. Oh, und zum Garten hin ein riesiges Fenster. Und Grillfeste mit allen Menschen, die uns wichtig sind."
"Wie soll es innen aussehen?"
"Heimisch. Einfach aber elegant."
"Und welche Böden?", frage ich, bevor mir auffällt, dass das ziemlich spezifisch ist. Hoffentlich merkt sie nicht, dass ich mir seit Wochen Prospekte zum Hausbau ansehe und über die verschiedenen Holzarten nachdenke. Über die beste Heizung und schöne Badfliesen. Von Wandfarben will ich gar nicht erst anfangen.
"Parkett, keinen Stein. Und unter keinen Umständen irgendetwas aus Marmor. Unser Traumhaus soll... warm sein. Nicht so wie das Anwesen der Blacks. Lieber ist es mini und ein Zuhause als riesig und eiskalt."
"Deal."
Schweigen tritt ein. Wir beiden hängen unseren eigenen Gedanken nach.
Es dauert mehrere Minuten, bis mich Selena an ihren teilhaben lässt:"Du hast nichts von Bailee erzählt."
Ich verspanne mich. Ich dachte, sie wüsste es nicht und wollte es ihr daher erst sagen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war. Ich wollte sie erst wiedersehen, bevor ich ihr unnötigen Kummer bereite. Doch sie scheint davon gehört zu haben.
"Es tut mir Leid, ich hätte ahnen müssen, dass sie sowas vor hatte. Sie hat mich einfach geküsst und als ich sie weggestoßen habe, hat sie mir gedroht... Und dann der Liebestrank ... ich ... hab sie auch geküsst, das muss ich zugeben. Ich hoffe-"
"Moment", Selena hat sich von mir wegbewegt. "Geküsst? Mehr nicht?"
Ich runzele die Stirn. "Nein, nur geküsst, dann kam plötzlich Adalar rein. Und Lucius hat mich zu Boden geworfen und ... ", ich fasse mir verwirrt an die Stirn, "Es ist alles total verschwommen."
"Ihr habt nicht miteinander geschlafen?", fragt sie weiter. Woher hat sie denn den Mist?
"Nein!", sage ich bestimmt. "Adalar kam es komisch vor, als ich mit Bailee verschwand und er hat Lucius alarmiert und mich vor ihr gerettet."
"Tut mir Leid, dass du das durchmachen musstest.", flüstert Sela. Ich glaub, sie ist die einzige, die das Gefühl von absoluter Ohnmacht ansatzweise versteht. Sie weiß, wie sehr mich diese Liebestrankvergiftung wirklich getroffen hat.
Früher wurden wir beide mit dem Imperius-Fluch kontrolliert, um bei Familienessen nicht kindisch oder laut zu sein. Wir wurden von unseren Eltern gezwungen, ruhig dazusitzen und uns beim Essen zu benehmen. Genau so war es auch mit Bailee.
"Danke, dass du das sagst. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, zu wissen, dass ich Bailee - naja..."
"Stimmt! Ich bin so verdammt wütend.", unterbricht sie mich in Rage. "Gut für sie, dass sie nach Ilvermorny abgeschoben wurde, sonst hätte ich sie persönlich zum Teufel gejagt!"
"Manchmal habe ich Angst vor dir, Honey.", sage ich mit einem glücklichen Lächeln.
Selena sieht mich kurz verwundert an, dann lächelt sie leicht und meint geheimnisvoll:"Ich habe in meinem Leben auch nicht nur dich geküsst, Alec."
"Sag nicht, das Gerücht, dass zwischen dir und Alejandro Lopez was läuft, stimmt?", frage ich scherzhaft.
"Ach Quatsch. Viel zu alt und verheiratet.", winkt sie ab. Ihre Augen leuchten belustigt.
"Wen hast du dann geküsst?", diesmal ist meine Stimme ernster.
Selenas Mundwinkel zucken. "Ich brauch auch meine Geheimnisse."
"Ach komm schon, sag mir, mit wem du deinen ersten Kuss hattest.", bitte ich sie mit einem Schmollmund.
Sela lacht und hebt die Schultern. "Okay. Es war ..." - sie legt eine Kunstpause ein - "Alexander Malfoy im Alter von sieben Jahren im Garten der Blacks."
Ich runzle die Stirn. "Der Kuss war auf die Wange.", meine ich mir ziemlich sicher.
"Stimmt."
"Aber du hast gesagt, dass du noch jemanden anderen als mich geküsst hast. Also, wer war es?" Ich lasse meine Hand ihren Körper entlang wandern bis ich an der Stelle ihres Bauches angekommen bis, an der sie am kitztligsten ist. Sofort fasst die mein Handgelenk und windet sich, noch bevor ich angefangen habe.
"Also?"
Selena seufzt. "Na gut, David Webster, der süße Hufflepuff aus unserem Jahrgang, James und sonst glaub ich keinen mehr."
"Du findest David Webster sü- Moment! James?", frage ich entsetzt. Meine Hand verliert an Kraft und legt sich an ihre Taille.
"Entspann dich, das war unter einem Mistelstrauch. Total harmlos."
Ich starre sie noch immer total aus dem Konzept gebracht an.
Dann bemühe ich mich, meine Schultern und meinen Kiefer wieder zu lockern und nicke knapp. James ist ihr wichtig. Er ist wie ein Bruder für sie. Und das muss ich akzeptieren. Nur weil ich Angst habe, sie zu verlieren, darf ich noch lange nicht krankhaft Eifersüchtig sein. Sie hat mir gesagt, der Kuss war harmlos, also glaube ich ihr.
Doch James im Auge zu behalten wird ja wohl noch erlaubt sein.
Nach einigen Augenblicken Unbehaglichkeit auf beiden Seiten kehren wir zurück zu der Frage, was ich in den letzten Wochen erlebt habe.
"Mein Vater hat Drachenpocken.", sage ich, selbst von der Teilnahmslosigkeit in meiner Stimme überrascht.
"Oh nein." Selena vergräbt das Gesicht weiter an meinem Hals.
"Ich meine", bricht es plötzlich aus mir heraus, "Wie groß ist bitteschön die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl Mutter als auch Vater innerhalb von so kurzer Zeit krank werden? Todkrank?"
Selena sagt nichts. Ich fühle nur ihre Körperwärme, die gegen die Kälte in meinem Herzen ankämpft.
"Glaubst du an Gott?", frage ich leise.
Selena hebt den Kopf und runzelt die Stirn. "Nein. Wie kann ein Gott existieren, wenn es so viel Leid gibt?"
"Jaa, das frage ich mich die letzten Tage ständig." Nachdenklich starre ich an die Decke.
"Aber ich glaube daran, dass man das Leid der Welt ... abschwächen kann.", fährt Sela fort. "Durch gute Taten kann man die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen. Das ist manchmal schwer und vielleicht auch gefährlich. Aber... naja... das Richtige eben."
Ich senke den Blick und betrachte sie. "Okay, das wars!" Ich drehe mich auf die Seite um ihr gegenüberzuliegen und sie fest in den Arm zu nehmen.
Selena kichert und windet sich leicht. Als ich ihr allerdings tief in die Augen sehe, ersterben ihre Bewegungen und sie hört auf, mit meinen Beinen um die richtige Position zu kämpfen.
Ich beuge mich zu ihr und drücke ihr einen Kuss auf die Nasenspitze. "Vergiss Gott oder Merlin. Ich glaube ab jetzt einfach an dich."
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