𝐙𝐰𝗼̈𝐥𝐟

-Basti-

„Basti, du solltest jetzt echt deinen Stream starten", flüsterte Kevin gegen meinen Hals. Ich saß auf dem Schoß des Blonden und hatte meine Arme um seinen Nacken geschlungen, mein Kopf ruhte an seiner Brust und meine Hände strichen über seinen Rücken. Kevins Hände lagen an meinen Hüften und strichen immer wieder sanft meine Seiten auf und ab.
„Das wollte ich schon vor zwanzig Minuten und ich würde jetzt auch eigentlich aufstehen, wenn du aufhören würdest, so gemütlich zu sein", murmelte ich grinsend. „Pff, ich hab gar nichts gemacht. Du warst derjenige, der sich einfach auf meinen Schoß gesetzt hat, sich an mir festgeklammert hat und angefangen hat, mich zu küssen", grinste Kevin. „Aber du hast erwidert und angefangen, mir noch mehr Knutschflecke zu verpassen." „Der an meinem Schlüsselbein ist auch neu. Und der ist von dir. Also hast du ja auch mitgemacht."
Protestierend brummte ich und drückte mich noch enger an seinen warmen Körper. „Du hast trotzdem angefangen", blieb ich stur.
„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann diskutieren sie noch heute", bemerkte Oni, welcher ebenfalls auf Kevins Sofa saß und ziemlich sicher gerade irgendwelche Fanfictions schrieb oder las. Manchmal fragte ich mich, wie er es schaffte, so lange nichts zu sagen, dass man gar nicht merkte, dass er noch anwesend war, aber dann wieder zu allem seinen Kommentar abgab.
„Na komm, Basti. Wir können später noch weiter machen. Außerdem will ich so langsam auch anfangen, sonst beschwert sich wieder jeder über meine Unpünktlichkeit", meinte Kevin und drückte mich ein Stück von sich weg. „Mann Kevin", schmollte ich, konnte ihm es aber nicht übelnehmen.
Schweren Herzens erhob ich mich und zog Kevin ebenfalls auf die Beine. „Bis später murmelte ich und drückte dem kleineren noch einen weiteren Kuss auf die Lippen. „Du tust ja gerade so, als wäre das das letzte Mal, dass wir uns sehen", schmunzelte Kevin, wuschelte mir durch die Haare und verschwand dann in seinem Streamingzimmer.

Warum genau ich gerade so anhänglich war wusste ich selber nicht, vermutlich lag es daran, dass wir uns ab morgen wahrscheinlich erst einmal eine Weile lang nicht mehr treffen würden. Und ich wollte einfach so viel Zeit wie möglich mit Kevin verbringen.
Schließlich begab ich mich in Kevins Schlafzimmer, wo mein Laptop schon bereitstand.

Wenige Minuten später, nachdem ich mir noch ein Glas Wasser geholt hatte, auf dem Klo war und eventuell zwei Minuten lang durch die einen Spalt breit offene Tür beobachtet hatte, stellte ich endlich die Musik leiser und begrüßte die Zuschauer.
„Einen wunderschönen Abend euch allen! Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich heute so spät anfange, musste spontan noch eine private Sache klären, ich denke, die meisten von euch werden da Verständnis für haben", begann ich. „Ich hoffe, euch geht es allen gut und ihr hattet einen tollen Tag. Mir geht's auf jeden Fall super und mein Tag war toll." unwillkürlich musste ich grinsen, als ich an Kevins und mein Date im Wald, und an den Moment eben auf der Couch zurückdachte.
„Nur zur Info schon mal, ab morgen werde ich wieder zu Hause sein und dann voraussichtlich auch wieder normal streamen können, mit Handcam und allem Drum und Dran und auch wieder meine Projekte fortsetzen können, oder Challenges spielen können. Also seid froh, heute ist der letzte etwas provisorische Stream. Für heute habe ich mir überlegt, vielleicht ein paar Runden GeoGuessr zu zocken und ne Weile Oneblock zu spielen. Heute wird's wahrscheinlich nicht so lange, dafür könnt ihr euch morgen auf einen umso besseren Stream freuen", erklärte ich.
Deine Streams sind immer toll laß ich aus dem Augenwinkel eine Nachricht im Chat. Okay, tatsächlich sogar mehrmals, in verschiedenen Variationen und das brachte mich zum Lächeln. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Stream heute, trotz dem Fakt, dass er, genau so wie die letzen Tage, absolut das Gegenteil von professionell war, richtig Spaß machen würde.
Und ich behielt Recht.

⁓⁓

Nach einigen Runden GeoGuessr und letztendlich doch über zweieinhalb Stunden Oneblock ließ war es bereits 00:39 Uhr und ich beschloss, den Stream so langsam zu beenden.
„Sooo, Chat", meinte ich und streckte mich. „Da ich morgen eine doch etwas längere Rückfahrt vor mir habe, wäre es gut, morgen halbwegs ausgeschlafen zu sein, weshalb ich jetzt auch schlafen gehen würde. Ich wünsche euch allen eine gute Nacht. Schlaft schön Leute, und bis morgen. Tschau tschau tschau!"
Damit mutete ich mich, stellte die Musik lauter und ließ wie am Ende jedes Streams die Cosmetics einblenden.
Ich gähnte einmal herzhaft und rieb mir über die Augen. Dann wollte ich nachsehen, ob Kevin noch streamte, oder ob er seinen Stream, ebenso wie ich, bereits beendet hatte.
Dies wurde mir jedoch abgenommen, als ich von hinten umarmt wurde und mir ein Kuss auf den Schopf gehaucht wurde.

„Hey Kevin", lächelte ich. „Hey Basti", erwiderte er. Ich musste sein Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass sein Gesicht gerade ebenfalls von einem breiten Lächeln geziert wurde. Ich erhob mich von dem Stuhl, der vor dem kleinen, viel zu niedrigen Tisch, auf dem mein Laptop stand, stand, um den kleineren zu umarmen. „Ich bin soo erschöpft", nuschelte ich und lehnte mich gegen seinen Körper. Kevin wiegte mich ein wenig hin und her, was mich wiederum Kichern ließ. „Ich auch. Vielleicht sollten wir schlafen gehen", meinte der ältere. „Komm", forderte er mich auf und lotste uns beide in Richtung Badezimmer.
Ich setzte mich auf den Badewannenrand und rieb mir über die Augen. Grinsend drückte er mir meine Zahnbürste mit einem Klecks Zahnpasta in die Hand. „Bist du echt so müde?" Ich schüttelte den Kopf. „Nicht müde. Nur erschöpft und kuschelbedürftig", erklärte ich mich. „Na wie gut, dass wir in einem Bett schlafen und die ganze Nacht kuscheln können", lächelte Kevin und begann, seine Zähne zu putzen. Ich tat es ihm gleich und schob ebenfalls meine Zahnbürste in den Mund.

Nachdem wir beide mit der Abendroutine fertig waren und uns beide bis auf die Boxershorts, beziehungsweise ich bis auf die Boxershorts und ein T-Shirt, ausgezogen hatten, hob ich Kevin einfach so hoch lief mit dem älteren auf dem Arm in Kevins Schlafzimmer. „Du bist so bequem", nuschelte er gegen meine Halsbeuge. „Du bist schwer." „Halt die Klappe", kicherte Kevin.

Ich legte ihn auf dem Bett ab und ließ mich dann neben ihm nieder. Sofort klammerte Kevin sich wieder an mich, wie eben, als ich ihn durch die Wohnung getragen hatte. Ich hatte mein Kinn auf seinem Kopf abgelegt, sodass sein Gesicht an meiner Halsbeuge lag. Meine Arme hatte ich liebevoll um Kevins Oberkörper geschlungen und dieser hatte die Hände ebenfalls hinter meinem Rücken, dort wo mein T-Shirt die Haut nicht verdeckte, verschränkt und malte dort kleine Kreise.
„Und du willst mir sagen, ich sei anhänglich", schmunzelte ich. „Hey! Immerhin sehen wir uns ab Morgen wahrscheinlich ne ganze Weile nicht mehr. Da werd ich ja wohl am letzten Tag noch mal viel mit dir kuscheln dürfen", antwortete dieser und zugegeben, mir ging es ja genauso.
„Gute Nacht, Basti", flüsterte Kevin und verband unsere Lippen zu einem zärtlichen Kuss. Die warmen Lippen des Blonden schmeckten nach Zahnpasta und waren etwas rau. Trotzdem fühlten sie sich perfekt an, wie sie sich vorsichtig gegen meine eigenen bewegten und sorgten für tausende von Schmetterlingen in meinem Bauch. „Gute Nacht", erwiderte ich, nachdem ich mich wieder ein Stück weit von ihm gelöst hatte. Ich zog ihn nach näher an mich und dieses Gefühl, diesen wunderschönen, witzigen, offenen und so unglaublich liebevollen Mann in meinen Armen zu halten, machte mich so glücklich, dass es mir Tränen in die Augen trieb. „Ich liebe dich", hörte ich Kevin ganz leise sagen und mein Herz machte bei diesem Satz einen kleinen Hüpfer.

Ich war echt froh, dass ich auf Onis Rat gehört hatte, und Kevin meine Gefühle gestanden hatte. Ich erinnerte mich noch genau an Kevins Nachricht in welcher er mir das erste Mal seine Liebe gestanden hatte und an die Enttäuschung, die sich in mit breitmachte, als Kevin mit erklärte, dass er einfach betrunken war und mit ein paar Bekannten Wahrheit oder Pflicht gespielt hatte.
Wie hatte Oni gesagt? Betrunkene lügen nicht.
Tja, da war wohl etwas Wahres dran.

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