𝐙𝐞𝐡𝐧
-Basti-
Am nächsten Morgen wurde ich durch die Sonnenstrahlen, welche durch Kevins halb geschlossene Rollos fielen, geweckt. Der ältere hatte sich im Schlaf leicht an mich gekuschelt und bei dem Anblick, wie er friedlich schlafend neben mir lag, während sein Kopf an meine Schulter gelehnt war, begann mein Herz augenblicklich wieder schneller zu schlagen. Vorsichtig strich ich ihm eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und küsste ihn sanft auf die Stirn. Ich wusste noch nicht genau, was das zwischen uns jetzt war, aber ich fühlte mich so glücklich, wie schon lange nicht mehr. Und ich wollte nicht, dass dieses Gefühl irgendwann wieder aufhörte.
„Basti?", kam es leise von Kevin. Seine Augen waren nur halb geöffnet und er sah komplett verschlafen aus, was zugegeben irgendwie süß aussah. „Wie lange haben wir geschlafen?", nuschelte der blonde in mein T-Shirt. Ich tastete nach meinem Handy, welches ich schlussendlich irgendwo unter meinem Kopfkissen fand. „11.39 Uhr", meinte ich. An meiner Schulter nahm ich eine leichte Bewegung wahr. „So spät schon?" „Scheinbar, ja."
Mehrere Minuten schwiegen wir einfach nur. Es war keine unangenehme Stille, die man unbedingt irgendwie brechen wollte. Niemand musste etwas sagen, damit wir uns wohl fühlten. Es war einfach ruhig und entspannt, sodass jeder seinen eigenen Gedanken nachhängen konnte.
„Hab ich dich gestern Nacht eigentlich wirklich geküsst?", fragte Kevin. Er klang ziemlich verlegen. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. „Ja, wir haben uns wirklich geküsst." Ruckartig setzte Kevin sich auf. „Scheiße", flüsterte er leise. „Scheiße, es tut mir so leid, Basti! Ich...ich wollte dich nicht zu was zwingen, was du nicht willst...ich...ich weiß ja noch nicht mal selbst, was da eigentlich in mich gefahren ist", stammelte der Blonde. Er fuhr sich aufgebracht durch seine Haare. „Kevin."
Ich legte meine Hände auf seine Schultern und sah ihm fest in die Augen. „Ich wollte es. Ich wollte, dass du mich nochmal küsst. Und du hast mich nochmal geküsst. Und es war schön. Es hat sich irgendwie so...richtig angefühlt", versuchte ich, meinen besten Freund wieder zu beruhigen.
„Wirklich?" Langsam kam ich Kevins Gesicht etwas näher und legte meine Hand an seine Wange. „Tut mir leid, ich war gestern Nacht wahrscheinlich so im Eimer, dass ich-" „Es ist okay."
Damit legte ich meine Lippen zum dritten Mal in meinem Leben auf die von Kevin. Der kleinere legte zögerlich seine Hände in meinen Nacken, während ich meine Hände mittlerweile in seinen Haaren vergraben hatte.
Meine Lippen kribbelten auf seinen warmen, etwas rauen Lippen und mein Herz schlug doppelt so schnell als sonst. Also nicht wirklich, aber so fühlte es sich in diesem Moment an.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, die für mich trotzdem viel zu kurz war, lösten wir uns wieder voneinander. Kevin musterte mich mit seinen blauen Augen. „Was ist das eigentlich zwischen uns, Basti?" Ja. Was genau ist das eigentlich zwischen uns?
Ich fuhr mir durch die Haare und blies meine Backen auf.
„Ich hab noch keine Ahnung, wenn ich ehrlich bin. Ich weiß nicht, ob das zwischen uns schon für eine ernste Beziehung reicht", meinte ich etwas unsicher. „Und ich denke, es ist noch etwas zu früh, um eine feste Beziehung einzugehen. Aber von meiner Seite sind auf jeden Fall mehr Gefühle als nur Freundschaft im Spiel." Langsam nickte Kevin. „Ja...ich glaube, so geht's mir auch", meinte Kevin. „Ich freu mich, auf das, was sich zwischen uns noch entwickeln kann", lächelte ich und legte meine Hand auf Kevins. An der Stelle, wo unsere Hände sich berührten kribbelte meine Haut leicht.
Ich hätte ewig so dasitzen können. Kevins Hand in meiner, unsere Knie aneinander gelehnt, komplett verschlafen und nur mit einem T-Shirt und einer Boxershorts bekleidet auf Kevins Bett, während ich verträumt seine Gesichtszüge musterte.
Doch wie eigentlich alles im Leben musste auch dieser schöne Moment irgendwann vorbeigehen. „Wir sollten so langsam mal aufstehen", bemerkte Kevin und rückte ein Stück weg von mir. Ja, das klang tatsächlich nach einem guten Vorschlag. Mein Magen gab einen grummelnden Laut von sich. „Hunger?", fragte Kevin. „Hört sich so an."
Nachdem wir uns beide etwas halbwegs Ordentliches angezogen hatten, schlenderten wir Hand in Hand ins Wohnzimmer. „Wow, sie sind von den Toten auferstanden", scherzte mein kleiner Bruder, welcher im Schneidersitz auf dem Sofa saß und über sein Handy scrollte. Er sah von seinem Handy auf und ließ seinen Blick zwischen Kevin und mir hin und er schweifen. Als er unsere in einander verschränkten Hände bemerkte, begann er zu Grinsen. Der Blick, den er mir zuwarf, sollte vermutlich so viel bedeuten wie „Sieht es danach, woran ich denke aus?".
„Dir auch einen guten Morgen", kommentierte ich Onis überaus freundliche Begrüßung. Kevin führte mich in die Küche und ich ließ mich auf einen Stuhl fallen. Kevin holte noch schnell eine Packung Cornflakes und zwei Schüsseln aus dem Küchenschrank, anschließend zog er zwei Löffel aus der Besteckschublade. Bevor er den Kühlschrank öffnete, um eine Milchpackung zu holen, stellte er die Sachen auf dem Tisch ab. Ich nahm mir schon einmal die Cornflakes und füllte meine und Kevins Schüssel jeweils bis zur Hälfte.
„Danke", lächelte Kevin, als er bemerkte, dass ich ihm seine Schüssel auch gleich aufgefüllt hatte. Im Gegenzug schüttete Kevin nun nicht nur sich, sondern auch mir etwas Milch zu den Cornflakes. Ich musste leicht schmunzeln. Dann ließ er sich auf dem Stuhl neben mir nieder und wir begannen schweigend zu frühstücken.
⁓⁓⁓
„Kevin, wann ist bei dir bitteschön zuletzt die Spülmaschine gelaufen?", fragte ich, als ich meine Müslischüssel zu vier anderen Tellern und drei Gläsern neben der Spüle stellte, da die Spülmaschine bereits komplett voll war. Der angesprochene zuckte verlegen mit den Schultern. „Vor vier Tagen. Glaub' ich. Oder vor fünf", gab Kevin kleinlaut zu.
„Tut mir leid Mann, ich...ich war die letzten Tage einfach so fertig, wegen diesem ganzen Gefühlschaos und der Überzeugung, dass das zwischen uns nie mehr als Freundschaft sein wird. Ich bin einfach zu gar nichts gekommen", murmelte der blonde. Ich ging auf ihn zu und umarmte ihn liebevoll. „Kevin, das muss dir doch nicht leidtun. Ich versteh, dass dieses Gefühlschaos dich fertig gemacht hat", sagte ich leise. Meine Finger ließ ich durch seine etwas verstrubbelten Haare fahren. Ich meinte, ein leises „Aaw", von Oni zu hören, beschloss aber, es in diesem Moment einfach zu ignorieren. „Später kümmern wir uns hier drum", meinte ich mit einem Blick auf Kevins zugegeben ziemlich unordentliche Küche. Dann nahm ich seine Müslischüssel und gesellte sie zu meiner eigenen.
Während Kevin sich im Badezimmer fertig machte, setzte ich mich zu Oni aufs Sofa. „Also wenn du jetzt noch sagst, ihr wärt nur Freunde, dann fresse ich mein Handy", kam es prompt von ihm. „Wir haben uns geküsst", ließ ich die Bombe platzen. Noch während ich redete, wurde ich stürmisch umarmt. „Ist nicht wahr! Ey weißt du, wie lange ich darauf gewartet hast, dass du das sagst?", jubelte Oni in mein Ohr. Aus Reflex zuckte ich ein wenig zurück. „Schrei doch nicht immer so", lachte ich. „Okay, sorry Bro. Aber das ist gerade...oh Mann ich freu mich gerade einfach nur so unnormal für dich." „Schon gut" grinste ich. „Und...was genau läuft jetzt aktuell zwischen euch?", hakte Oni weiter nach. Er sah mich gespannt an.
„Na ja. Wir haben beschlossen, es erst einmal langsam an zu gehen. Keiner von uns will irgendwas überstürzen und wir haben uns beide erst vor wenigen Tagen von unseren Freundinnen getrennt. Auch wenn wir davor ja schon Gefühls für einander hatten", erzählte ich. „Ich denke mal, wir werden erst mal auf einige Dates gehen und so was. Aber ich freu mich echt darauf. Und ich hoffe so sehr, dass Kevin und ich irgendwann eine feste Beziehung eingehen können."
Während ich das alles sagte, dachte ich an den Kuss letzte Nacht zurück.
In mir machte sich wieder diese Überzeugung breit, die ich auch gespürt hatte, als Kevin und ich nebeneinander in seinem Badezimmer saßen und ich kurz davor war, Kevins Lippen mit meinen zu vereinen.
„Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Kevin und ich das irgendwann werden", sagte ich, mehr zu mir selbst.
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