38♦️ Zwischen den Zeilen
Live in a reckless paradise
The house is burning, trapped inside
A reckless paradise
The wheels are turning truth to lies
In reckless paradise
Could cut the tension with a knife
In reckless paradise
It's up to us to read between the lines
"Brauchen wir dieses.... äh...Mycopheno-... irgendwas."
Izumi stand auf einer Fußbank und wühlte sich engagiert durch die Schränke der rheumatologischen Arztpraxis, als wollte sie mir unbedingt beweisen, dass sie mir eine Hilfe war.
Ich unterdrückte ein Seufzen und machte mir kaum die Mühe den Kopf zu heben, um zu sehen, welches Medikament sie mir diesmal unter die Nase hielt. Zudem ich auch ohne Hinzusehen wusste, was sie da in der Hand hatte.
"Mycophenolatmofetil. Ein Immunsuppressivum. Wird häufig bei Autoimmunerkrankungen, aber auch bei Organtransplantationen eingesetzt, um Abstoßung zu vermeiden."
Izumi runzelte die Stirn und starrte dann wieder nachdenklich auf die Packung zurück. Ihre Lippen verzogen sich kurz und ein Ausdruck von Unbehagen huschte über ihre Miene.
"Also...nein?", fragte sie unsicher und legte die Packung langsam wieder in den Schrank zurück.
"Nein", entgegnete ich knapp und öffnete nebenbei die nächste Schublade. "Es sei denn, du hast vor ein Ersatzherz bei jemanden einzupflanzen."
Der Kommentar war beiläufig, aber in dem Moment, in dem ich die Worte aussprach, fiel mir auf, wie sie für den Bruchteil einer Sekunde erstarrte, bevor sie ihren Blick hastig abwandte. Das leise Rascheln der Schachteln drang wieder zu mir, als sie sich weiter, diesmal fast hektisch, durch den Schrank wühlte.
Ich runzelte die Stirn. Mir fiel nicht zum ersten Mal auf, dass sie versuchte, bestimmte Themen zu meiden, aber Organtransplantationen? Hatte das etwas mit dem zu tun, was ich auf ihrem Herzultraschall gesehen hatte? Normalerweise kümmerten mich die Probleme anderer nicht, doch in ihrem Falle könnte es nützlich sein. Da schien es etwas zu geben, das sie bewusst geheim hielt. Geheimnisse waren wertvoll. Und Menschen mit Geheimnissen ließen sich leichter lenken.
Ich beschloss, die Information im Hinterkopf zu behalten, während ich weiter die Schubladen der Praxis durchforstete. Irgendwann würde sie sich offenbaren, ob sie wollte oder nicht. Es ging nur darum, den richtigen Moment abzupassen.
"Halte vor allem nach Antibiotika und Anästhetika Ausschau. Die brauchen wir am dringendsten", sagte ich, obwohl es vermutlich sinnlos war. Sie konnte nicht mal Aspirin von Amoxicillin unterscheiden. Wahrscheinlich würde sie am Ende noch Vitaminpräparate mitnehmen und denken, sie hätte etwas Nützliches gefunden.
Ein Teil von mir fragte sich, warum ich sie überhaupt mitgenommen hatte. Im Moment hielt sie mich eher auf, als eine brauchbare Hilfe zu sein. Es war lächerlich - sie hatte keinen blassen Schimmer von Medizin und stolperte über jeden komplizierten Namen, den sie las. Und trotzdem konnte ich mich nicht davon abhalten, diese Entschlossenheit irgendwie faszinierend- ja, fast ein wenig niedlich zu finden.
Ich rümpfte die Nase bei diesem Gedanken. Niedlich? Ich war nicht der Typ dafür, der andere Menschen niedlich fand, schon gar nicht welche, die vollkommen blauäugig durchs Leben spazierten. Und dennoch ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich ihr zusah, wie sie mit ihren Lippen die Medikamentennamen leise murmelte, bevor sie sie wieder in den Schrank zurück legte?
Verdammt. Ich fühlte, wie etwas in mir zu arbeiten begann, das ich jahrelang erfolgreich unterdrückt hatte. Gefühle. Aber wieso ließ ich zu, dass sie mich so aus dem Konzept brachten?
Ich schob die Gedanken schnell beiseite und versuchte mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Medikamente.
"Was ist mit dem hier?"
Izumi zog eine weitere Packung hervor und hielt sie mir triumphierend entgegen, als hätte sie gerade den Jackpot geknackt.
Ich seufzte und versuchte möglichst genervt zu klingen, als ich meinen Blick wieder zu ihr wandern ließ.
"Amitriptylin. Ein Antidepressivum." Ich schüttelte den Kopf. „Nutzlos, es sei denn, du planst, jemanden zu therapieren."
Sie verzog den Mund zu einer Schnute und legte es frustriert wieder zurück in den Schrank, als hätte ich all ihre Hoffnungen und Träume zerstört. Doch sie suchte unbeirrt weiter, als wäre sie fest entschlossen, doch noch etwas zu finden, das ich nicht ablehnen würde.
"Sag mal...", begann sie zögerlich und hielt kurz inne, als müsste sie sich erst sammeln, um das Kommende auszusprechen. "Was hältst du eigentlich von Niragi?"
Ich ließ meinen Blick langsam wieder zu ihr schweifen, die Stirn in Falten gelegt. Was für ein seltsamer Themenwechsel. Ihre Miene wirkte vollkommen ernst, als sie auf eine Antwort von mir wartete, doch ich sah auch, wie sie sich auf die Lippe biss, als hätte sie Angst vor meiner Antwort.
"Niragi? Oh, er ist ein netter Kerl. Immer so zuvorkommend, charmant und hilfsbereit - der Traum jeder Schwiegermutter", entgegnete ich mit einem spöttischen Lächeln.
Izumi rollte mit den Augen, doch sie blieb hartnäckig.
"Komm schon, ich meine es ernst. Du musst doch eine Meinung zu ihm haben."
"Warum interessiert es dich, was ich von ihm denke? Planst du etwa, uns zu verkuppeln?"
Sie schnaubte abfällig.
"Nein, ich wollte nur...ach, vergiss es einfach..."
Etwas zerknirscht wandte sie sich wieder dem Schrank zu. Ich hörte, wie sie wieder geschäftig ein paar Medikamentenschachteln hin und her schob. Kopfschüttelnd wandte ich mich wieder ab und öffnete einen weiteren Schieber.
"Wer sagts denn?", sagte ich selbstzufrieden, als ich einen üppigen Vorrat an verschiedenen Anästhetika fand. "Lidocain und sogar Ketamin. Damit würden wir eine Weile auskommen."
Ich griff nach der großen, leeren Medizintasche, die wir aufgetrieben hatten, und begann, die Fläschchen nacheinander einzupacken, als ein plötzlicher Schrei die Stille zerriss.
Ich drehte mich gerade noch rechtzeitig um, um zu sehen, wie Izumi hastig von der Fußbank zurückwich, ihre Augen weit aufgerissen, während sie ängstlich in den Schrank starrte. Sie verlor das Gleichgewicht und ruderte wild mit den Armen, um sich aufrecht zu halten.
„Was zum...", begann ich, doch ihre panische Stimme unterbrach mich.
„SPINNE! Eine riesige Spinne!"
Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Eine Spinne? Ernsthaft?"
„Ja! Sie hängt da oben im Schrank!"
Mit zittrigen Finger deutete sie auf die besagte Stelle. Ich trat langsam näher, sah ihr kurz in die Augen - die vor Angst glänzten - und konnte mir ein amüsiertes Schnauben nicht verkneifen.
"Du schreist das gesamte Gebäude zusammen, wegen einer Spinne?"
"Ich sagte doch, es ist eine sehr große Spinne... daaaa ist sie", schrie sie fast hysterisch, als diese sich an ihrem Faden weiter abseilte.
Izumi wedelte wieder aufgeregt mit den Händen.
Gerade als ich genervt die Augen verdrehte, machte sie einen weiteren Schritt zurück und schien dabei völlig zu vergessen, dass sie immer noch auf der Fußbank stand. Sie verlor das Gleichgewicht und drohte nach hinten zu kippen.
Instinktiv machte ich einen schnellen Schritt nach vorne und federte sie ab. Izumi prallte unsanft mit dem Rücken gegen meine Brust, während ich nach ihren Schultern griff.
Für einen Moment stand sie wie versteinert da, offensichtlich schockiert von dem abrupten Sturz. Dann, als ihr klar wurde, wie nah ich ihr war, entglitt ihr ein leises Keuchen. Hastig befreite sie sich aus meinem Griff, als hätte sie sich an mir verbrannt. Ihre Wangen glühten sofort auf wie zwei Feuermelder.
"Alles okay?", fragte ich kühl, obwohl ich selbst spürte, wie sich meine Muskeln unwillkürlich anspannten.
„J-ja, danke", murmelte sie schnell und senkte verlegen den Kopf, während sie sich die Haare hinter die Ohren schob.
Ich räusperte mich, trat an den Schrank heran und schnippte die Spinne beiläufig aus dem Schrank. Ich beobachtete, wie das Krabbeltier blitzschnell über den Boden huschte und dann unter einem Möbelstück verschwand. Als ich sah, wie Izumi ihr betreten hinterher starrte, konnte ich mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.
"Da, die gefährliche Bedrohung wurde eliminiert. Du kannst wieder atmen", sagte ich mit einem Hauch von Spott in der Stimme.
"Wirklich witzig."
Ihr Mund verzog sich zu einem beleidigten Schmollen. Etwas gekränkt drehte sie sich von mir weg und stieg wieder auf die Fußbank. Doch das Zittern ihrer Hände war nicht zu übersehen, als sie erneut zögerlich in den Schrank griff, fast so, als würde sie befürchten, dass die Spinne gleich Verstärkung holen und sich für ihren Rauswurf rächen würde. Ihre Nervosität war nicht zu übersehen, und so sehr sie versuchte, sich wieder auf die Medikamente zu konzentrieren, war ich mir sicher, dass nicht nur das Krabbeltier der Auslöser dafür war.
Ich hatte diese Reaktion schon früher bei ihr gesehen, diese leichte Unsicherheit, die sie zeigte, wenn ich ihr zu nahe kam. Ein Teil von mir fand es unterhaltsam. Aber dann gab es da noch diese andere Seite in mir, die diese seltsamen Gefühle mir hervorriefen. Diese Gefühle, die ich nicht richtig einordnen konnte, und die mich störten. Sie waren unnötig. Lästig.
Obwohl sie nur eine Spielfigur in meinem Plan war, hatte ich sie gerade versehentlich vor einem Sturz bewahrt. Reflexartig. Vielleicht weil ich den Plan schon so tief verinnerlicht hatte, dass selbst meine Instinkte darauf programmiert waren, sie zu beschützen. Je öfter ich ihr half, umso mehr vertraute sie mir und Vertrauen war genau das, was ich brauchte, um sie in meine Falle zu locken. Und so wie es momentan aussah, würde es kinderleicht werden, sie so zu manipulieren, wie es mir beliebte. Sie war viel zu naiv und es war offensichtlich, dass sie bereits zarte Gefühle für mich entwickelte. Doch ich durfte es auch nicht überstürzen. Sie wusste, dass ich niemand war, der sich zu schnell auf andere Menschen einließ. Geduld war hier der Schlüssel.
Sie durfte keinen Verdacht schöpfen, durfte nicht merken, dass jedes freundliche Wort, jede Geste nur dazu diente, sie tiefer in meine Kontrolle zu ziehen. Das bedeutete, das Spiel so weit zu treiben, dass sie glaubte, ich wäre für sie da, ohne ihr je wirklich zu nahe zu kommen.
Ich wollte mich gerade abwenden, um die restlichen Sachen zusammenzupacken, da vernahm ich wieder ihre Stimme.
"Hey, schau mal! Ich hab Amoxicillin gefunden. Das brauchen wir doch, oder?"
Sie zog triumphierend eine Packung aus dem Schrank und hielt sie hoch. Ich warf einen flüchtigen Blick auf die Packung, dann nickte ich knapp.
"Schön. Endlich mal was Brauchbares."
Sie lächelte stolz, als hätte sie den heiligen Gral gefunden. Dieses Lächeln... ich spürte, wie es an meinen Nerven zerrte, weil ich genau wusste, was es bedeutete. Sie erwartete, dass ich sie lobte, und vielleicht hätte ich das in einem anderen Moment sogar getan. Aber das war jetzt nicht drin. Nicht, wenn ich weiterhin die Kontrolle behalten wollte.
„Beeil dich lieber, wir haben nicht ewig Zeit", sagte ich stattdessen schroff und wandte mich ab, bevor ich noch etwas sagte, das ich später bereuen würde.
Trotzdem... ihre Anwesenheit fühlte sich beunruhigend gut an.
Ich setzte meine Arbeit fort und sortierte alles Nützliche, das wir gefunden hatten, in die Medikamententasche ein. Währenddessen kam mir wieder ihre seltsame Fragerei über Niragi in den Sinn.
"Übrigens... Niragi", begann ich beiläufig, ohne von meiner Tätigkeit aufzublicken. "Er ist ein Psycho. Ein Sadist, der es genießt, Menschen zu quälen. Wie ich schon mal gesagt habe, solltest du dich lieber von ihm fernhalten. Wobei du dich sowieso nicht daran halten wirst, vermute ich."
Sie hielt kurz inne und warf mir einen finsteren Blick zu.
"Das tue ich. Es ist ja nicht so, als wäre es meine Schuld gewesen, dass ich mit ihm in einem Spiel gelandet bin." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte mich an, ihre Augen blitzten vor Entschlossenheit. „Und überhaupt... ich brauche keinen Beschützer. Ich komme auch ganz gut alleine klar."
Ihre Stimme war trotzig, fast herausfordernd.
Ich hob eine Augenbraue, schloss die Medikamententasche und warf ihr einen belustigten Blick zu.
"Stimmt, eine mutige Frau wie du braucht wirklich keinen Beschützer. Außer, es hat acht Beine."
Sie schnaubte gereizt auf, während ich die fertig gepackte Tasche mit unseren Fundsachen schulterte.
"Ich habe dich nicht darum gebeten, mir zu helfen, Chishiya", protestierte sie.
Ich hob skeptisch eine Augenbraue.
"Gut, das nächste Mal lasse ich dich einfach fallen und von der Monsterspinne fressen", entgegnete ich mit einem überheblichen Lächeln und wandte mich zur Tür. „Komm, wir sollten langsam aufbrechen."
Izumi war schweigsamer auf dem Weg nach unten, doch ich merkte wie sie mich heimlich aus den Augenwinkeln beobachtete, als wir nebeneinander hergingen. Auch, wenn es kurzzeitig still war, konnte ich sie fast denken hören. Irgendwas beschäftigte sie noch immer. Doch sie blieb stumm.
Irgendwann fiel mir auf, dass sie langsamer wurde und zurückblieb. Ich wandte mich um, als sie plötzlich aus meinem Blickfeld verschwunden war. Sie war stehengeblieben und starrte gedankenverloren in eines der Schaufenster, scheinbar vollkommen gebannt von etwas, das hinter den Scheiben war.
Ich trat etwas näher und sah, dass es ein imposantes Ballkleid war, das im Schaufenster ausgestellt war. Das Oberteil war eine schwarze Korsage, verziert mit filigraner Spitze und enger Schnürung, unter der roter Satin durchschimmerte. Der elegante Rock, ebenfalls in tiefem Rot, war weit ausgestellt und reichte bis zum Boden. Es war extravagant - wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. In einer Welt wie Borderland wirkte es fast deplatziert. Und doch schien Izumi wie verzaubert davon zu sein.
Auf einmal kamen mir Hatters Worte vom Vortag wieder in den Sinn. Der angekündigte Kostümball. Vielleicht dachte sie gerade daran.
"Komm, wir haben keine Zeit für Schaufensterbummel. Wir müssen weiter", sagte ich und riss sie aus ihren tiefen Gedanken.
Sie seufzte leise und nickte, fast widerwillig. Mit einem letzten sehnsüchtigen Blick auf das Kleid folgte sie mir, doch an ihrem Zögern merkte ich, wie schwer es ihr fiel. Mir war klar, dass sie es gern anprobiert hätte, doch wir hatten jetzt andere Prioritäten. Wir mussten wieder zum Hotel zurück, bevor Hatter noch auf die Idee kam, dass wir Abtrünnige waren, die sich aus dem Staub gemacht hatten.
Eine Mischung aus dröhnenden Bassklängen, stickiger Hitze und dem vertrauten Geruch von Chlor schlug uns entgegen, als wir nach zwei zermürbenden Stunden im Beach Hotel eintrafen. Wir hatten uns abgewechselt beim Tragen der Vorräte, doch die tropischen Temperaturen und unser begrenzter Wasservorrat hatten uns ausgezehrt.
Nachdem wir mehrfach falsch abgebogen waren, hatten wir aus einem Tankstellenshop eine Stadtkarte mitgehen lassen. Kiko hatte nur einen flüchtigen Blick auf die Karte geworfen und uns anschließend wie ein lebendiges Navigationssystem zielsicher zurückgeführt. Eine Fähigkeit, die sogar mich ein wenig beeindruckt hatte. Hayashi hatte ihr daraufhin scherzhaft den Spitznamen "Google Maps" verpasst.
Kaum hatten wir das Gelände betreten, löste sich eine Gestalt aus der tanzenden Menge. Natürlich. Der nervige Hundewelpe. Er rannte auf uns zu, sein Gesicht vor Erleichterung förmlich strahlend, als er Izumi fast sehnsüchtig in seine Arme zog. Ich unterdrückte den Drang, die Augen zu verdrehen.
„Himmel sei Dank, du bist wieder da, Tsu. Ich dachte schon, du wärst..."
Seine Stimme brach ab, als er sie fester an sich drückte. Großartig. Ich hatte nicht gedacht, dass dieses Spektakel noch klischeehafter werden könnte. Es war wie eine Szene aus einer besonders schlechten Seifenoper. Izumi lächelte gezwungen, und ich bemerkte, wie sie sich leicht anspannte.
Irgendetwas an der Art, wie sie sich in seiner Umarmung versteifte, ließ ein merkwürdiges Unbehagen in mir aufsteigen. Vielleicht lag es daran, dass er sie so besitzergreifend festhielt - als gehöre sie ihm. Oder vielleicht nervte mich einfach nur seine bloße Existenz.
Ich richtete meinen Blick auf etwas anderes, irgendetwas, das diese überflüssige Szene weniger ärgerlich machte. Doch das flaue Gefühl in meinem Magen blieb. Was genau? Keine Ahnung. Vielleicht das Lachen, das nicht ganz echt klang. Vielleicht, weil sie sich nicht wirklich von ihm lösen konnte.
"Wo wart ihr so lange?", fragte der Welpe fast vorwurfsvoll und löste sich endlich von ihr.
Sein Blick glitt über unsere Gesichter und blieb an mir hängen. Sofort verengte er misstrauisch die Augen, fast als würde er automatisch mich in Verdacht haben, dass Izumi nicht rechtzeitig wieder zurückgekehrt war.
"Niragi hat uns gestern nach dem Spiel sitzen lassen und ist mit dem Auto abgehauen. Wir hatten keine Wahl und mussten die Nacht in einem Hotel verbringen", erklärte Izumi mit entschuldigender Miene. "Aber uns allen geht's gut, wie du siehst."
Sein finsterer Blick fixierte mich erneut. Herausfordernd ließ ich eine Augenbraue nach oben wandern und ein überhebliches Lächeln über meine Lippen huschen, fast als hätte ich den Sieg in einem imaginären Wettstreit errungen, der nur zwischen uns beiden stattfand.
"Das sehe ich", knurrte er fast verdrießlich.
Bestimmt fragte er sich gerade, wie nah wir uns in dieser Zeit gekommen waren. Die Sorge, dass da mehr zwischen uns sein könnte, stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Kiko und Hayashi standen schweigend daneben und tauschten vielsagende Blicke aus - selbst sie schienen die Spannung zwischen uns zu spüren. Sie verabschiedeten sich schnell von uns, als wollten sie sich lieber nicht in unsere Angelegenheiten einmischen. Mein Blick wanderte wieder zu Aoyama.
Es war amüsant zu beobachten, wie er versuchte, sich zusammenzureißen. Die Vorstellung, dass er sich Gedanken darüber machte, wie nah ich Izumi gekommen war, war beinahe zu belustigend, um sie nicht noch ein wenig weiter auszureizen. Das Unausgesprochene hing in der Luft - und ich wusste, dass es ihn quälte.
"Schade, dass du nicht dabei warst, Aoyama. Du hast einiges verpasst. Nicht wahr, Izumi?"
Izumi zuckte leicht zusammen, als ich ihren Namen erwähnte und sah mich überrascht an. Ihre Augen verrieten für einen Moment die Unsicherheit, doch dann fing sie sich schnell wieder. Sie räusperte sich und drehte verlegen an einer Haarsträhne.
"Ähm, ja, es war...", begann sie, doch als sie Aoyamas Miene begegnete, erstarb ihre Stimme, als wäre ihr bewusst geworden, dass sie ihn damit nur noch mehr gegen mich aufbringen würde. "es war... nervenaufreibend. Also das Spiel..."
Ein kleines Grinsen huschte über mein Gesicht, als ich sah, wie sie in Erklärungsnot kam und ihre Wangen daraufhin etwas Farbe bekamen. Es war fast schon amüsant zu beobachten, wie er die Situation völlig falsch interpretierte, obwohl zwischen uns nichts gewesen war. Doch Izumis unbeholfene Worte schienen seine Fantasie nur noch weiter anzufachen.
"Nicht nur das Spiel, hm?", sagte ich und setzte damit noch einen oben drauf.
Ich sah, wie Aoyama mühevoll versuchte, Haltung zu bewahren, doch bemerkte, wie er seinen Körper anspannte und mir finstere Blicke zuwarf. Izumi hingegen starrte mich ungläubig an, als könnte sie nicht glauben, dass ich das gesagt hatte.
"Also ja, der Rückweg auch. Es war ein weiter Weg", versuchte sie die Situation zu entschärfen und ließ ein leises Kichern verlauten, das etwas zu angestrengt klang.
Er nickte, doch ich hörte, wie er die Knochen seiner Fingergelenke knacken ließ. Ich beobachtete, wie er fast besitzergreifend eine Hand auf ihre Schulter legte.
"Komm, lass uns ins Restaurant gehen. Du musst bestimmt hungrig sein."
Er zog sie an sich und wollte schon loslaufen, doch Izumi entwand sich schnell seiner Umarmung.
"Geh schonmal vor, Koto. Ich komme gleich nach." Sie warf ihm ein aufmunterndes Lächeln zu. Doch der Angesprochene rührte sich nicht von der Stelle und ließ seinen argwöhnischen Blick wieder langsam zu mir gleiten. "Wir haben ein paar nützliche Medikamente aufgetrieben und ich will Chishiya nur helfen, sie zur Krankenstation zu bringen."
Ihre Lüge war so offensichtlich, trotzdem nickte er steif und wandte sich ab. Ich beobachtete, wie Izumi ihm nachsah, als er in der Menge verschwand, ihre Stirn war leicht gerunzelt, als würde sie einen inneren Kampf ausfechten. Schließlich drehte sie sich zu mir um, ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. Fast grob griff sie nach meinem Arm und zog mich in eine abgelegene Ecke, abseits des Trubels.
„Was sollte das gerade?"
Ihre Stimme klang schärfer als üblich, fast wie ein Vorwurf, während sie die Arme vor der Brust verschränkte. Die unerwartete Berührung hatte mich für einen winzigen Moment aus dem Konzept gebracht, doch ich fing mich schnell wieder.
"Was sollte was?", fragte ich und tat, als wäre ich mir keiner Schuld bewusst.
"Das weißt du", zischte sie und funkelte mich weiter an. "Makoto. Du provozierst ihn ständig. Wieso?"
Ich zuckte mit den Schultern.
"Ich könnte dir eine tiefgründige Antwort geben, aber ehrlich gesagt - es macht einfach Spaß."
Sie gab ein genervtes Aufschnauben von sich.
"Hör auf, damit ihm irgendwas in den Kopf zu setzen. Da ist nichts zwischen uns, klar?", sagte sie mir fester Stimme.
Doch als unsere Blicke sich begegneten, sah ich eine Spur Unsicherheit in ihnen aufblitzen. Es war, als hoffte sie auf eine Bestätigung von mir, dass die unterschwellige Spannung zwischen uns nur bloße Einbildung war. Ich lächelte nur leicht und für einen Augenblick blinzelte sie, als hätte ich sie aus der Fassung gebracht.
"Interessant, dass du das extra betonen musst. Aber wenn du so überzeugt davon bist, wieso sagst du mir das und nicht ihm?"
Mein Grinsen wurde ein wenig breiter, als sie den Mund öffnete, doch nichts herauskam. Ich hatte es tatsächlich geschafft, ihr die Sprache zu verschlagen.
"Na, los, geh schon zu dem kleinen Hundewelpen, bevor er sich noch Sorgen macht. Das mit den Medikamenten schaff ich auch alleine."
Sie funkelte mich noch einen Moment lang an, bevor sie ungläubig mit dem Kopf schüttelte. Mit einem letzten genervten Aufschnauben wandte sie sich aprupt um und ließ mich stehen. Ich beobachtete, wie sie sich entfernte, das leise Gefühl von Triumph in meiner Brust. Dieses Spiel mit ihr fing langsam an, interessant zu werden.
Ich bin grad so erleichtert, dass ich das Kapitel endlich fertig habe. Ich bin in letzter Zeit kaum vorwärts gekommen und irgendwie war es ein Krampf 😂 vielleicht weil ich grad abgelenkt mit dem Inktober-Projekt bin. Also kann durchaus sein, dass das nächste Kapitel daher wieder ein wenig länger dauert 🥹
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