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Pov Mina

„Ich und streamen? Da bräuchte ich jemanden, der mir erstmal all die Technik erklärt," lächelte Sofia verschmitzt, während sie Rezo ansah. Ihre Art zu flirten war wie immer unübersehbar – subtil, aber zielgerichtet. Das machte sie mit jedem Kerl, der ihr halbwegs gefiel, und Rezo war definitiv in ihrer Kategorie.

„Das ist gar nicht so kompliziert, sonst würden es nicht so viele machen," antwortete Rezo locker und ließ sich von ihrem Charme nicht aus der Ruhe bringen.

„Sollte ich es irgendwann in Betracht ziehen, weiß ich ja, wo ich um Hilfe bitten kann," lachte Sofia, und ich sah, wie Rezo leicht lächelte. „Mina lernt sowas doch sicher auch, oder?" fügte sie dann scheinbar beiläufig hinzu.

Das war typisch Sofia – sie lockte ihr Gegenüber an, nur um im nächsten Moment die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Ich konnte nicht entscheiden, ob sie mich damit aufziehen wollte oder es einfach Teil ihres Spiels war.

„Ich lerne vieles, aber das nicht. Da ist Rezo wohl eher der Experte," antwortete ich ruhig und beobachtete, wie Rezo sein Lächeln tapfer aufrechterhielt.

„Ich hab seine Nummer leider nicht," seufzte Sofia dramatisch und sah Rezo an, der daraufhin nur verlegen grinste.

„Die kann ich dir geben," mischte sich Julien plötzlich ein.

„Du hast doch nicht mal ihre Nummer," warf ich skeptisch ein und funkelte ihn an.

„Das kann man ja ändern," grinste Sofia und schnappte sich Jus Handy, das er ihr hinhielt.

Ich rollte innerlich die Augen. Diese Autofahrt bereitete mir zunehmend Kopfschmerzen. Es war genau das, wovor ich gewarnt hatte: Sofia und Julien in einem Raum bedeuteten Chaos. Sie würde ihm nur noch mehr Flausen in den Kopf setzen, als er ohnehin schon hatte.

Der Wagen hielt, und Rezo half mir beim Aussteigen. Die frische Luft fühlte sich angenehm an, aber ich wusste, dass ich ab jetzt keine Kontrolle mehr darüber haben würde, was Sofia und Julien miteinander redeten.

„Oh wow, ihr seht zusammen hammermäßig aus. Ich brauche ein Foto!" rief Sofia hinter mir begeistert.

„Drinnen ist das Licht sicher besser," entgegnete Rezo diplomatisch, und wir machten uns auf den Weg in die Location.

Der Flur war hell erleuchtet, ein dunkelroter Teppich führte zu einer geschlossenen Tür am Ende. Die Atmosphäre war elegant, fast ein wenig pompös.

„So, ihr Hübschen," verkündete Sofia mit ihrem Handy in der Hand, „Julien, Rezo, ihr nehmt Mina in eure Mitte."

Ich seufzte leise, fügte mich aber und stellte mich zwischen die beiden. Sofia hielt die Kamera bereit, während Rezo noch eine Anmerkung machte: „Die Bilder aber bitte nicht posten."

Das überraschte mich, aber Sofia grinste nur. „Natürlich nicht. Als ob ich eure Fangirls kennenlernen wollte."

Wir posierten für das Foto, ich lächelte mechanisch in die Kamera, und die Sache war für mich erledigt. Doch Sofia hatte andere Pläne.

„So, und jetzt nur Julien und Mina," forderte sie bestimmt.

Rezo trat zur Seite, und Julien und ich blieben einfach genauso stehen. Wieder lächelte ich, diesmal ein wenig verkrampfter.

„Und jetzt Rezo und Mina," fügte Sofia mit einem schelmischen Grinsen hinzu.

„Übertreib es doch nicht," seufzte ich genervt, während Julien wegtrat und Rezo lachend meinen Platz einnahm.

„Lass sie doch," meinte Rezo amüsiert, als Sofia uns dazu aufforderte, näher zusammenzurücken.

„Darf ich?" fragte er höflich und deutete an, seinen Arm um mich zu legen.

„Klar," murmelte ich, während ich spürte, wie seine Hand sich leicht auf meine Taille legte.

Sofias Lächeln sprach Bände. Natürlich war das genau ihr Plan gewesen. Ich konnte den Blick sehen, den Julien auf Rezos Hand warf. Er war nur einen Moment lang sichtbar, aber ich kannte Julien gut genug, um zu wissen, dass er ihm nicht gefiel.

„Und jetzt möchte ich noch ein Foto mit meiner Begleitung," verkündete Sofia triumphierend und zog Julien zu sich.

Fast hätte ich losgelacht, als ich sah, wie Julien leicht erschrocken auf ihre forsche Art reagierte. Rezo schien genauso amüsiert und nahm Sofia das Handy ab.

„Na los, das geht auch enger" sagte er zu Julien und machte eine Geste, 

„Du hast sicher schon heißere Frauen angefasst." Sofias Kommentar ließ Julien kurz die Augen weiten, bevor er seine Fassung wiederfand. Er legte zögernd seinen Arm um sie, während sie strahlte, als würde ihr dieser Moment allein gehören.

Ich sah zu Rezo und lächelte. Dieser Abend würde definitiv noch interessanter werden.

Hinter der großen Tür offenbarte sich ein schicker Vorraum. Hier mussten wir zunächst unsere Handys abgeben, was ich überraschend fand. Stattdessen bekamen wir kleine Nummernmarken, die mit den Dosen übereinstimmten, in denen die Handys sicher verstaut wurden. Interessant – so etwas hatte ich noch nie erlebt.

Rezo hielt mir seinen Arm hin, und ich hakte mich bei ihm ein, bevor wir durch eine weitere Tür gingen. Julien und Sofia folgten direkt hinter uns.

Der Saal, der sich uns nun zeigte, war atemberaubend. Festlich geschmückt mit kleinen, elegant eingedeckten Tischen, einem großen Buffet an der Seite und einem DJ, der in der hinteren Ecke Musik spielte. Die Gäste waren bereits gut verteilt und beschäftigten sich mit den unterschiedlichsten Dingen.

„Wow," entfuhr es mir, während ich mich umsah.

„Isabeall versteht es, gute Partys zu schmeißen," sagte Rezo lächelnd und führte mich sanft in den Raum hinein. Als ich mich nach Sofia umdrehen wollte, war sie schon mit Julien verschwunden.

„Möchtest du etwas trinken?" fragte Rezo.

„Gerne," antwortete ich, und wir bahnten uns den Weg zur Bar.

Mit einem Glas in der Hand lehnte ich mich leicht an den Tresen und warf einen weiteren Blick durch den Raum. Alles strahlte eine lässige Eleganz aus, die ich bewunderte.

„Macht ihr sowas oft?" fragte ich, während ich einen Schluck nahm.

„Nein, eigentlich nicht. Nur bei guten Freunden oder wenn es einen tieferen Sinn hat," erklärte Rezo und nippte an seinem Getränk. „Gerade mit Ju ist es eh schwierig."

„Wieso?" fragte ich neugierig.

„Der hat nie Zeit," lachte Rezo und winkte jemandem zu, der gerade hereinkam.

„Weil er so viel arbeitet?"

Rezo nickte und trat kurz darauf auf einen blonden Mann zu, den er herzlich in den Arm nahm.

„Tim, wir haben uns ja lange nicht gesehen," begrüßte er ihn freudig.

„Das stimmt. Wie geht's dir?" fragte der Blonde freundlich zurück.

„Super! Und dir? Darf ich dir Mina vorstellen?" Rezo deutete auf mich, und ich schenkte dem Fremden ein höfliches Lächeln.

„Ich bin Tim," stellte er sich vor und streckte mir die Hand entgegen. „Ich arbeite mit Rezo zusammen an Nindo."

Fragend sah ich Rezo an – der Name sagte mir gar nichts.

„Das ist eine Webseite für Statistiken. Ich erklär's dir mal in Ruhe," meinte Rezo gelassen und vertiefte sich wieder in sein Gespräch mit Tim.

Ich nutzte die Gelegenheit, meinen Blick durch den Raum schweifen zu lassen, bis ich Sofia entdeckte. Sie stand mit Julien an einem der Stehtische und hielt etwas zu essen in der Hand. Als sie mich entdeckte, lächelte sie sofort und formte mit ihren Lippen: „Los."

Verwirrt sah ich sie an. „Was?" formte ich zurück.

„Tanzen."

Ich schüttelte energisch den Kopf, aber Sofia war wie immer stur. Sie warf mir einen warnenden Blick zu, der keine Widerrede duldete. Seufzend verdrehte ich die Augen.

Rezo hatte inzwischen sein Gespräch mit Tim beendet und wandte sich wieder mir zu. Kurz entschlossen trank ich mein Glas in einem Zug aus, nahm Rezos Hand und zog ihn mit mir.

„Das ist mein Lieblingslied, dazu müssen wir tanzen," behauptete ich euphorisch und steuerte die Tanzfläche an. In Wahrheit hatte ich das Lied noch nie gehört.

Rezo lachte herzlich und tanzte sofort mit. Seine Bewegungen waren locker und ungezwungen, was mir half, meine anfängliche Nervosität abzulegen.

„Warum eigentlich blaue Haare?" fragte ich ihn neugierig, während wir uns zur Musik bewegten.

„Das ist irgendwie mein Markenzeichen geworden," antwortete er mit einem Schulterzucken.

„Was studierst du nochmal?" fragte er, um das Gespräch weiterzuführen.

„Kommunikationsdesign. Das ist..."

„Ich weiß," unterbrach er mich mit einem breiten Lächeln. „Ich hab eine im Team, die das auch studiert hat. Voll cool."

Ich konnte nicht anders, als sein entspanntes Lächeln zu erwidern. Trotz der Musik, der vielen Menschen und der intensiven Atmosphäre fühlte ich mich plötzlich ganz leicht. Rezo war anders als Julien, vorsichtiger, aber genauso nett. 
Und als ich den Blick von Ju auf mir bemerkte, wurde mir klar das Sofias Plan scheinbar voll und ganz aufging. Denn er sah alles andere als zufrieden aus.

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