Schlechte Gefühle
Alex fuhr in dieser Nacht nicht mehr nach Hause.
Ben kam nicht mehr und Alex wollte mich so nicht alleine lassen.
Schlafen konnte ich nämlich nicht. Die Tränen flossen die ganze Nacht bis zum Morgen hin.
Alex machte uns Frühstück. Ich saß am Tisch - verheult, mit geschwollenen Augen und einem unordentlich gebundenen Dutt auf dem Kopf.
Total müde stützte ich meinen Kopf auf den Tisch und wartete auf etwas zu essen.
»Ein Rührei für dich und ein Spiegelei für mich«, meinte Alex total motiviert während er die Teller auf den Tisch stellte.
Warum er so gute Laune hatte, war mir ein Rätsel. Er hatte immerhin auch die ganze Nacht kein Auge zugetan und mir das Köpfchen getätschelt.
Ich war zwar dankbar darüber, dass er nicht mehr nach Hause gefahren war, aber Vicky tat mir leid.
Sie hatten ihren Jahrestag gehabt und wollten diesen mit einem romantischen Abend feiern.
Hätte ich das gewusst, hätte ich Alex niemals angerufen. Aber vielleicht war es besser so - ohne Gesellschaft hätte ich mich wahrscheinlich wieder abgekapselt.
Alex versuchte mich die ganze Zeit so gut es ging abzulenken und tatsächlich zauberte er mir zwischendurch ein kleines Lächeln auf's Gesicht.
»Mit einen Lächeln ist doch alles nur noch halb so schlimm, oder?«, sagte Alex noch kauend, während er die fast leeren Teller abräumte.
»Mhh«, gab ich nur zustimmend von mir und sah ihn an. »Willst du nicht bald mal nach Hause?«
»Bist du verrückt?! Ich bleibe so lange bis Ben wieder kommt.«
»Du musst das nicht. Vicky wartet bestimmt schon auf dich.«
»Nein, sie ist arbeiten. Wir treffen uns später hier.«
»Danke...«
»Nein, du musst dich nicht bedanken! Ich hab gesagt, dass ich für dich da bin - also, hier bin ich und ich werde solange bleiben, wie du es brauchst.«
Ich breitete meine Arme aus und wollte ihm eine dicke Umarmung geben.
Alex, der am Spülbecken abwusch, kam zu mir an den Tisch und gab mir das, was ich wollte - eine dicke Umarmung.
Auf einmal öffnete sich die Haustür und Ben stand im Raum.
»Es hat gestern ein bisschen länger gedauert...« Er stockte. »Was macht Alex hier - in Unterhose?!«
»Letzte Nacht hat Trulli ihr Fohlen bekommen und es gab Komplikationen...«
Er unterbrach mich.
»Ist Trulli nicht ein Kerl? Außerdem entschuldigt das nicht wieso Alex hier ist!«
»Nein Trulli ist kein Kerl! Außerdem ist das Fohlen gestorben und Alex wollte mich nicht alleine lassen. Ich war nervlich am Ende - verstehst du?«
»Wegen sowas flennst du rum? Constanze, das ist lächerlich! Wegen einem Gaul heulen - du bist doch verrückt.«
»Ey, Ben, hör schon auf so mit Constanze zu reden. Sie hat das nicht verdient.«
»Lass gut sein, Alex. Du solltest jetzt lieber gehen - ich schaff das hier alleine.«
Noch bevor Alex etwas sagen konnte, drückte ich einmal seinen Arm und sah ihn flehend an.
Schnell zog er sich seine Hose an und verließ die Wohnung.
»Was bildet der Spinner sich nur ein?! Du bist meine Verlobte, da kann er nicht einfach hier schlafen!«
»Reagiere doch nicht so über! Ich hab ihn drum gebeten.«
»Das war mir klar, dass du die Aufmerksamkeit der Typen wieder genießt!«
»Was ist denn jetzt mit dir los?! Unterstellst du mir etwa fremdgegangen zu sein?!« Ich sah ihn wütend an und versuchte ihn nicht anzuschreien. Es gelang mir nur mäßig und sofort brüllte er zurück.
»Bist du's?!«
»Spinnst du?! Wir sind verlobt und Alex hat Vicky!«
»Weißt du was, lass mich gerade einfach in Ruhe! Ich gehe duschen!«
Umgehend verschwand er im Bad und ich räumte seine Sachen weg.
Wie fast immer, wenn er das Haus betrat, ließ er seine Schuhe im Gang stehen, stellte seine Tasche einfach in den Flur oder legte seine Jacke auf den Küchentisch. Ich stellte alles auf seinen Platz und setzte mich anschließen auf das Sofa.
Sein Handy lag auf dem kleinen Tischchen.
Eine Nachricht ploppte auf.
Ich ignorierte sie. Das Handy des Partners war tabu und daran hielt ich mich auch eigentlich immer.
Eine zweite Nachricht ploppte auf.
Ich ignorierte sie erneut.
Eine dritte Nachricht ploppte auf.
Eine vierte, fünfte und sechste ploppte auf.
Das konnte ich nicht mehr ignorieren - vielleicht war es ja wichtig?!
Mit einem schlechten Gefühl nahm ich sein Handy und entsperrte es.
Dann zog ich die Benachrichtigungsleiste nach unten und laß, was zu sehen war.
Papa
Ja, wir sind heute Abend bei den Fiedlers.
Mathilde
Constanze geht nicht an ihr Handy, wäre schön, wenn du ihr ausrichten könntest, dass der Sponsor wieder angerufen hat!
Mathilde
Ach so, fast hätte ich es vergessen, seid ihr heute Abend auch bei uns?
Ich war empört. Warum wusste ich schon wieder nichts von einem Treffen? Warum wird das schon wieder über Ben geklärt und nicht über mich?!
Die anderen beiden Nachrichten waren irgendwas unwichtiges, nur die letzte war es nicht.
;)
Die Nacht war unglaublich. Du hast mir mal wieder ordentlich den Kopf verdreht!!
Ich freue mich auf das nächste Mal - kommst du morgen wieder? Constanze wird das bestimmt nicht merken - die dumme...
Mehr konnte ich nicht lesen. Auf die Nachricht wollte ich aber auch nicht klicken. Immerhin sollte ja nicht auffallen, dass ich an Bens Handy war.
Geschockt legte ich sein Handy weg.
War das wirklich passiert?!
War das Bens ernst?!
Gerade noch hatte er mich des Fremdgehens beschuldigt und was musste ich keine zehn Minuten später raus finden?! Er betrog mich!
Ich fackelte nicht lange. Schnell zog ich mir Klamotten an und verließ die Wohnung.
Wie konnte er das nur wagen?!
Ich habe ihm alles gegeben und wie dankte er mir?!
Umgehend stieg ich in mein Auto und fuhr vom Hof.
Ich war bereit alles hinzuschmeißen. Mein Verlobter war ein Fremdgeher, mein Pferd hasste mich, in meiner Familie war ich das schwarze Schaf - was blieb mir denn noch?!
Wie ferngesteuert fuhr ich mein Auto auf die Autobahn und gab einfach Gas.
Mir war egal wohin ich fuhr, ich wollte einfach nur weg.
Zwei Stunden fuhr ich einfach der Autobahn entlang - ohne Weg, ohne Ziel.
Dann kamen mir auf einmal Zweifel.
Sofort steuerte ich mein Auto auf die nächste Raststätte und stieg aus.
»Fuck, scheiße, scheiße, scheiße, SCHEIßE!«, schrie ich einfach vor mich hin ohne Rücksicht auf die anderen Leute, die massenhaft dort waren, zu nehmen.
Weinend ließ ich mich auf meine Knie nieder und lehnte mich gegen mein Auto.
Keiner schenkte mir Aufmerksamkeit, keiner beachtete mich. Bis auf eine ältere Dame.
»Ach Kindchen, was sitzt du hier weinend auf der Erde?«, fragte sie freundlich und schaute auf mich herab.
Ich schaute sie an.
»Es ist nichts...«
Sie fing an zu lachen.
»Ich habe genug Lebenserfahrung, um zu wissen, dass wenn so ein hübsches Mädchen weint, immer etwas ist.«
»Ich will Sie wirklich nicht aufhalten - ich komm schon klar.«
»Ich werde nirgendwo erwartet.«
Mühsam setzte sich die alte Frau neben mich auf den Boden und sah mich erwartungsvoll an. »Ich bin Ella und wer bist du?«
»Constanze.«
»Na gut, Constanze, und wie kam es jetzt dazu, dass du hier so traurig sitzt?«
»Ich habe in letzter Zeit ein kleines Tief. Ich bin eine angesehene Reiterin, mit einem teuren Hof, Spitzenpferde, ganz viel Geld, reichen Eltern - was will man mehr, oder?«
»Geld ist aber nicht alles im Leben - hab ich recht?«
»Ja, das ist auch der Punkt. Meine Mutter übt so einen immensen Druck auf mich aus. Es war schon immer wirklich ein bisschen schwierig mit ihr, aber nachdem ihr geliebtes Pferd vor ein paar Jahren tödlich verunglückte, ist sie unausstehlich geworden. Seitdem stehen meine Gefühle und meine Wünsche hinten an.
Gestern Abend ist dann noch das Fohlen von einer meiner Stuten gestorben - es war mein erstes Fohlen, was es nicht geschafft hat und es macht mich einfach fertig.«
»Die Pferdezucht ist mir nicht ganz unbekannt. Als ich 17 Jahre alt war, ist uns auch ein Fohlen verstorben. Heutzutage hätte man die kleine Stute mit Medizin retten können, damals ging sowas aber noch nicht. Ich war so todunglücklich und musste ununterbrochen an das kleine Geschöpf denken. Meine größte Angst war, dass die kleine irgendwann in Vergessenheit geraten könnte. Meine Großmutter riet mir damals der kleinen eine Identität zu geben. Ich nannte sie Gertrude.«
Ich lachte.
»Gertrude?«
»Wie würdest du denn dein Pferd nennen?«, fragte sie lachend.
»Unsere Pferde tragen alle Namen, die irgendeine Bedeutung haben und mit dem Anfangsbuchstaben einer der Eltern anfangen. Außerdem müssen die Namen etwas edles ausstrahlen und für's Turnier geeignet sein.«
»Das sind aber viele Anforderungen für einen Namen. Du solltest dem Fohlen auch einen schönen Namen geben.«
»Ich werde drüber nachdenken.«
Ich war immer noch ziemlich bedrückt und das merkte Ella sofort.
»Kindchen, das war aber noch nicht alles - oder?«
Ich sah sie mit gläsernen Augen an.
Sie selber schien müde zu sein. Sie hatte große Augenringe und ihre alte Haut war fahl. Auch ihre grauen Haare schienen nicht so zu sitzen, wie sie es sonst taten.
»Es ist nur, ich heirate Anfang des nächsten Monats und ich habe heute ein paar verdächtige Nachrichten auf dem Handy meines Verlobten gesehen. Er betrügt mich. Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich denken soll - ich weiß nicht, ob ich noch heiraten will.«
»Ach, Kindchen, du solltest nicht direkt alles übern Haufen schmeißen. Mein Eberhard und ich waren 63 Jahre verheiratet und in der Zeit hatten wir nicht nur glückliche Jahre. Damals, 1967, ist er mir fremdgegangen, aber wir haben dran gearbeitet und wir waren ehrlich miteinander - wir haben geredet. Eberhard hat es mir erzählt und obwohl ich es schon gewusst habe, habe ich ihm zugehört und ihn nicht gleich verurteilt. Wir haben noch viele glückliche Jahre zusammen gehabt - wir haben geheiratet, eine Tochter bekommen und uns ein Zuhause aufgebaut. Vor drei Jahren verstarb er dann friedlich und es blieb bis zum Tod nichts unausgesprochen.«
»Ich beneide Sie. Heutzutage kann man doch kaum noch irgendwas aussprechen ohne, dass der Gegenüber es falsch aufnimmt. Ich halte immer lieber meinen Mund und schlucke es runter - ich will einfach keinen Streit provozieren.«
»Kindchen, du verstehst das nicht. Wenn du nicht offen und ehrlich über das reden kannst, was du fühlst, bist du FALSCH an diesem Ort. Wenn es deine richtigen Freunde wären, wenn dein Verlobter dich ohne wenn und aber liebt, dann wird dir zugehört und mit dir dran gearbeitet - ohne dich zu verurteilen und ohne sich lustig zumachen.«
»Was soll ich denn tun? Ich weiß doch gerade nicht einmal, was ich möchte - ich weiß nicht,wer ich bin und wo ich hin möchte...«
Niedergeschlagen schaute ich nach unten und zupfte ein wenig Gras aus der Erde vor mir.
»Du solltest warten was passiert, wenn er es dir erklärt und ihr dran arbeiten wollt, dann tut es! Aber wenn er dich weiterhin anlügt oder du dich nicht mehr wohlfühlen kannst, dann sei egoistisch und geh - geh dorthin wo der Wind dich hinträgt!«
Eine Träne lief mir über die Wange.
»Danke, ich werde über Ihre Worte nachdenken. Vielleicht wird es wirklich Zeit für Veränderung.«
Ich umarmte sie fest.
»Constanze, du bist eine wunderbare junge Frau und egal wie es kommt, du wirst das Beste draus machen«, sagte sie mir leise ins Ohr.
»Kann ich Ihnen was gutes tun Ella?«, fragte ich sie nachdem ich die Umarmung löste.
»Ach nein, Kindchen, ich brauche nichts. Ich bin gerade auf dem Weg nachhause. Ich war in der Schweiz bei meiner Tochter und nun freue ich mich einfach auf mein kleines Häuschen - es ist nicht mehr weit.«
Mühsam hievte sich die alte Dame wieder auf die Beine und ging langsam ihren Weg zu ihrem Auto.
»Das war wirklich ein sehr schönes Gespräch, Constanze Luise Fiedler. Ach und eins noch, Till fand ich sowieso immer besser als Ben«, rief sie mir noch abschließend zu.
Noch eine Weile sah ich ihr nach. Und erst als sie in ihr Auto stieg, welches um Welten teurer war als meins, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich hatte eben nicht mit irgendeiner alten Dame geredet. Das war Eleonora Winterbottom, eine ehemalige englische Spitzenreiterin! Und sie kannte mich! Sie kannte Constanze Luise Fiedler, ohne dass ich ihr meinen vollen Namen genannt hatte! Sie kannte mich schon lange ohne, dass ich es jemals gewusst hatte.
Das bedeute mir sehr viel. Es war eine Ehre, wenn Eleonora Winterbottom dich kannte und wenn sie sich sogar einen lange Zeit für dich interessierte, warst du etwas!
Ich war etwas!
Sie hatte alles. Ein Gestüt was dreimal so groß war wie meins, eine Pferdezucht, die seit Jahrzehnten erfolgreich war und Erfolg - sehr viel Erfolg! 1978 wurde sie mit ihrem Pferd „Duke of Lancaster" Weltmeisterin und danach folgten noch viele Landes-, Bundes-, Europa- und sogar Olympiasiege.
Mir fiel ein Lächeln ins Gesicht.
Dieses Frau verstand mich nicht nur, sie lebte das selbe Leben wie ich. Dass mir so eine Dame, so eine Legende, einfühlsam so einen Rat gab, machte mich glücklich.
Sie hat es geschafft und lebte ein glückliches Leben - dies bedeutete, ich konnte das auch!«
Mit einem breiten Lächeln stieg ich wieder in mein Auto und fuhr los.
Ich steuerte den direkten Weg nach Hause an.
Meine Gedanken drehten sich nur noch um das Gespräch und anders als auf der Hinfahrt, war ich nicht niedergeschlagen, sondern glücklich. Ich hatte wieder eine Vorstellung von dem, was ich wollte.
Nach zwei Stunden kam ich wieder in München an.
Ich fuhr zu meinen Eltern.
»Hallo Mama«, rief ich fröhlich, während ich unsere große Eingangstür ins Schloss fielen ließ.
»Hallo«, hörte ich ein leises Rufen aus dem Keller.
Sofort machte ich mich nach unten und entdeckte Mama auf dem Boden sitzen - umgeben von alten Kisten.
»Setz dich«, forderte sie mich auf.
»Du weiß nicht was eben passiert ist!«, platzte es immer noch fröhlich aus mir raus. »Ich habe mit Eleonora Winterbottom geredet! Und weißt du was?«, ich sah sie mit großen, glitzernden Augen an. »Sie interessiert sich schon seit Jahren für mich!«
Voller Euphorie konnte ich mich gar nicht mehr halten und plapperte einfach drauf los.
»Sie ist so bodenständig und nett. Dabei ist sie aber so reich und einfach eine Legende! Sie hat soviel Ahnung vom Reitsport. Sie ist mein Vorbild - ich will so sein wie sie und auch...«
Mama unterbrach mich.
»Constanze, Eleonora hat sich schon längst aus dem Sport zurückgezogen und wäre zur heutigen Zeit niemals an die Spitze gelangt - hör schon auf mit so einer Schwärmerei und konzentriere dich!«
»Aber, Mama, ich wollte dir doch nur...«
»Ah ah ah ah«, unterbrach sie mich unhöflich. »Ist schön, dass du dich Zuhause blicken lässt, dann muss ich den Weg nicht zu dir kommen. Ich habe ein Anliegen.« Auf einmal sah sie mich streng an und hielt mir ein Foto unter die Nase.
Es war eins von Mamas und Papas Hochzeitsfotos - ich hatte es schon zig Male gesehen.
Mama hatte sich kaum verändert. Ihre blonden Haare trug sie immer noch wie damals und auch ihr Kleidungsstil hat sich auch nur in wenigen Punkten verändert. Lediglich Mamas Gesicht wurde faltiger und sie lächelte nicht mehr so viel.
Papa hingegen hatte sich komplett verändert. Seine Haare waren dunkler geworden und auch seine Statur hat sich verändert. Er ist nicht dick geworden, aber er trieb nicht mehr so viel Sport und sein Körper war nicht mehr so definiert.
»Was ist damit?«, fragte ich irritiert und nahm ihr das Foto aus der Hand.
»Papa und ich sind glücklich. Unsere Hochzeit war einer der schönsten Tage unseres Leben und das zieht sich seit Jahrzehnten so und auch wenn es mal schwierig wird, man rauft sich immer wieder zusammen - komme was da wolle.«
»Warum sagst du mir das?«
»Ben hat mich vorhin angerufen und mir erzählt, dass du in der Nacht Besuch von Alex hattest - sowas ist für eine Dame inakzeptabel.«
»Aber ein Typ darf das oder was?« Ich war empört.
»Constanze, es geht hier nicht darum wer was darf, es geht um deine Zukunft und um die der Kanzlei. Ben ist ein großartiger Nachwuchsanwalt, der die Kanzlei irgendwann leiten kann. Du wirst ihn unterstützen, auch wenn es mal nicht einfach wird! So einer wie Alex...«
Diesmal unterbrach ich sie empört.
»Ich bin doch nicht einfach nur da um Ben in ein gutes Licht zu rücken! Ich kann doch nicht immer nur ja und Amen sagen! Mama, wie kannst du nur sowas sagen - hast du etwa gar keine Würde mehr?!«
Ich sprang auf.
»Constanze, jetzt setz dich wieder hin! In unserer Klasse ist das nun mal so! Ich sage nicht, dass du den ganzen Tag im Haus sein sollst und die Kinder hütest. Du wirst auch Karriere machen - Karriere im Reitsport.«
»Also nein, sowas muss ich mir nicht sagen lassen! Nur weil du Papa seit Jahren in den Hintern kriechst und alles gut heißt was er tut, muss ich das nicht auch so machen! Wenn du der Meinung bist, dich jahrelang von Papa betrügen zu lassen - schön! Ich werde mein Leben aber nicht so leben - ich bin nicht Bens Püppchen!«
Wütend ging ich die Treppe hoch und stapfte sofort in mein Auto.
Ich fuhr wütend zum Hof und parkte mein Auto.
Ich stieg nicht aus.
»Nicht weinen, Constanze. Du darfst nicht schon wieder weinen!«, sagte ich den Tränen nahe zu mir selber und atmete tief durch.
»Es wird alles gut.«
Keine zwei Minuten später klopfte Ludwig an mein Autofenster.
Ich setzte ein Lächeln auf und stieg aus.
»Na du, ich hab das mit Trullis Fohlen gehört. Wie geht's dir?«
»Es zerrt ein bisschen an meinen Nerven, aber es geht mir auf jeden Fall besser als gestern Nacht.«
»Alex hat mir die ganze Sache erzählt - das mit anzusehen muss grauenvoll gewesen sein.«
»Es war sehr hart, aber man konnte nichts tun. Der kleine „Like a candle in the Wind", Willy, hat jetzt wenigstens keine Schmerzen mehr.«
»Like a candle in the Wind?«
»Ja, ich habe dem Kleinen eine Identität gegeben - er hat es verdient.«
»Constanze, du bist so ein guter Mensch. Der Name ist toll.«
»Der Name ist mehr als toll, er passt einfach perfekt. Der Wind hat den Kleinen mitgenommen und das werde ich niemals vergessen.«
Die Fohlen aus diesem Jahr trugen alle Namen, die einfach nur gut passten.
Die drei kleinen Hengste rangelten oft herum und gerade Jollys Fohlen war oft derjenige, der die Rangelei auslöste.
Er bekam den Namen, den wir schon seinem Bruder geben wollten - Captain Hook.
Anders als beim letzten Fohlen passte dieser Name einfach perfekt.
Das Fohlen von Grace war ein richtig schlaues Fohlen. Er war ziemlich groß und begriff schnell, wie der Riegel vom Weidetor geöffnet werden konnte. Zweimal standen die Fohlen auf dem Hof und trampelten die schönen Blumenbeete um.
Ihn nannte ich Albert Einstein.
Der dritte Hengst war einfach nur verrückt. Er riskierte immer alles und selbst wenn er fiel, machte er es nochmal.
Er bekam den Namen „No risk no fun".
Die einzige Stute des Jahres, die Stute von Fini, interessierte sich für nichts. Von den Spielereien der Hengste ließ sie sich nicht irritieren und auch laute Geräusche oder schnelle Bewegungen interessierten sie nicht die Bohne.
Sie bekam den Namen „I don't care" und besonders ich sah sie durch ihre Gelassenheit schon ganz groß im Vielseitigkeitssport rauskommen.
Captain Hook, Ringo, Einstein und Carla liefen in diesem Jahr über die Fohlenweide.
Der kleine Willy passte von oben auf die anderen kleinen auf.
Mein Schutzengel war Eleonora, die mich zum nachdenken brachte und mich mutig für die bevorstehende Zeit stimmte.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top