chapter 4
"What if I find someone new but still fall asleep to the thought of you?"
Den nächsten Tag verbrachte ich damit, Mitbringsel für meine Familie und meine Freunde zu kaufen und auch für mich ein bisschen shoppen zu gehen. Ich liebe es, stundenlang durch kleine Geschäfte zu bummeln, gerne auch Secondhand Läden. Irgendwie war das schon immer mein Ding. Abends hatte ich ausgemacht, mit meiner Mutter zu skypen, sie vermisst mich ziemlich und kann nicht verstehen, wieso ich so lange von zu hause weg geblieben bin. Daher ging ich um kurz vor fünf zurück ins Hotel und packte die Tüten, gefüllt mit Geschenken und Klamotten aus: Ein Neymar Trikot für meinen Bruder, einen schönen Bilderrahmen für meine Mutter und ein Notizbuch mit Kuli für Al. Das konnte ich ja morgen geben.
"Hi Mum, alles klar?" "Ja, und wie geht es dir, mein Schatz? Gefällt dir Rio?" "Mir geht es gut, Rio ist wunderschön! Ich habe die letzten zwei Tage damit verbracht, die Stadt anzuschauen und heute bin ich ein bisschen shoppen gegangen. Es war echt eine gute Entscheidung, hier Urlaub zu machen." Meine Mutter nickte, sie konnte verstehen dass mir Rio so gut gefiel. "Aber ich wollte mit dir reden: und zwar hat mir mein früherer Musiklehrer geschrieben, er meinte ich könnte einen Vorspieltermin bei der Musikhochschule in München kriegen, aber nur wenn ich das möchte." Ich sah den nachdenklichen Blick auf dem Gesicht meiner Mutter: "Willst du das denn?" "Ich glaube schon, es hat sich nichts an meinem Berufswunsch geändert, und München wäre eine super Möglichkeit. Aber ich weiß nicht." "Du weißt, wir stehen immer hinter dir." "Ja, Mama, danke." Wir redeten noch ein bisschen über Rio und mein Heimatdorf, und dann legte ich auf. Ich wollte heute früh ins Bett, da Al schon um 8 Uhr morgens am Flughafen abgeholt werden wollte. Manu hatte mir den ganzen Tag nicht geschrieben, nicht dass mich das stören würde. Oder?
Am nächsten Morgen stand ich sehr verschlafen am Flughafen und schaute mich um, in der Hoffnung, Al zu entdecken. Plötzlich hielt mir jemand von hinten die Augen zu. "Wer ist da?", fragte ich. "Wer wohl?!", antwortete mir eine vertraute Stimme. Ich drehte mich um und umarmte meine beste Freundin, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. "Gut siehst du aus! Und so braun bist du! Ich war schon immer neidisch auf deine Haut", meinte Al, während sie mich von oben bis unten musterte. "Aber du! Du bist noch hübscher geworden!" Und tatsächlich sah Al mit ihren langen blonden Haare fast noch besser aus als früher. "Los, gehen wir ins Hotel. Hat sich eigentlich dein Hottie gemeldet?", sie zwinkerte mir zu, während wir uns auf dem Weg aus dem Flughafen hinaus machten. "Erstens ist es nicht mein Hottie, und zweitens, er hat mir nicht geschrieben.", lachte ich. "Kommt noch, kommt noch." Wie immer war Al überraschend positiv gestimmt. Und wie das Schicksal es nicht anders wollte, klingelte genau in diesem Moment mein Handy. "Hallo?" "Hi, Vero, ich bin's, Manu. Eigentlich wollte ich dich schon gestern abend anrufen, aber wir hatten noch viel zu tun. Wann können wir uns sehen?" An meinem dämlichen Grinsen konnte Al sehen, dass es "mein Hottie" war. "Was sagt er?", fragt sie und hüpfte aufgeregt auf und ab. "Ähm, Manu, also, ich habe gerade meine beste Freundin vom Flughafen abgeholt und heute wollte wir eigentlich zusammen irgendwas machen." Ohne Vorwarnung nahm Al mir mein Handy aus der Hand. "Hallo Hottie, ich bin die beste Freundin. Und da ich heute Abend garantiert todmüde sein werde und dementsprechend früh schlafen werde, kannst du Vero heute um sieben abholen und sie zum Essen ausführen. Alles klar? Bis dann!", mit diesen Worten beendet sie den Anruf und gibt mir mein Handy. "Gerngeschehen, ich muss doch was für dein Glück tun!" "Man, Al, du bist echt unmöglich, was soll er jetzt über mich denken?", doch beim Anblick von Als Grinsen kann ich ihr nicht länger böse sein. "Du bist unmöglich! Und jetzt lass uns gehen, du musst Rio sehen!"
Den restlichen Tag mache ich mit ihr die gleiche Stadttour wie mit Manu. Es war wirklich schön mit ihr, es war so toll, wieder Zeit mit ihr zu verbringen. Als wir gegen 16.00 Uhr wieder in unser Hotel zurück kamen, schickte Al mich ins Bad und meinte: "Du kannst wieder kommen, wenn du geduscht bist! Ich machs mir solange bequem." Zwanzig Minuten später stand ich in ein Handtuch gewickelt vor meinen Klamotten und wusste nicht, was ich anziehen soll. Doch wofür hat man eine beste Freundin? Kurz entschlossen setzte sie mich auf einen Stuhl, und fing an mich zu schminken und meine Haare zu machen. Zum Schluss gab sie mir noch etwas zum anziehen und erlaubte mir dann erst, mich im Spiegel anzuschauen. Wow, wie froh ich war, dass Al meine beste Freundin war. Meine Haare hatte sie zu einem Dutt zusammen gesteckt, aus dem vorne ein paar säuberlich gelockte Strähnen hinaushängen, meine Augen zart betont und meine Wimpern getuscht, meine Wangen schimmerten zart rosa und alle Unreinheiten waren geschickt versteckt. Zum Anziehen hatte Al mir ein weißes Kleid mit Spafhettiträgern ausgesucht, das kurz über meinem Knie endet und einen zarten roten Gürtel um die Taille, der meinen kleinen Bauch verdeckte und mein Dekolleté gut zur Geltung brachte. "Wow, danke Al! Du bist die Beste!" "Gerne doch, und jetzt Schuhe an und los geht's! Viel Spaß, und weck mich wenn du wieder da bist. Ich muss alles wissen!" Al drückte mir eine kleine Tasche in die Hand und gab mir die Ballerinas, die ich anziehen sollte.
Vor dem Hotel wartete Manu schon auf mich. "Wow, Vero, du siehst echt gut aus!" Verlegen sah ich auf den Boden. "Danke!" "Wollen wir los?" Er nahm meine Hand, was ein zartes Kribbeln bei mir im Bauch auslöste, und führte mich zum Taxi, das uns ins Restaurant fuhr.
Der Abend war wirklich wunderschön, wir haben uns sehr gut verstanden und über einige wichtige Themen geredet, nicht nur so Geplänkel wie bei sonstigen Dates. Nach dem Essen fragte mich Manu, ob wir zu Fuß zu meinem Hotel zurück laufen wollen, und mir war alles recht um noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Während wir also nebeneinander die Straßen entlang laufen, greift Manu nach meiner Hand. Wieder ist da dieses Kribbeln im Bauch. Aber warum? Ich kann mich doch in so kurzer Zeit in jemanden verlieben, dazu kenne ich ihn zu wenig!
Kurze Zeit später haben wir mein Hotel erreicht und stehen uns schweigend gegenüber. Verzweifelt überlege ich, was ich jetzt sagen soll. Doch so sehr ich auch überlege, mir fällt nichts ein. "Danke für den abend! Es war wunderschön", sage ich schließlich. "Fand ich auch, danke dass du gekommen bist. Und sag deiner Freundin liebe Grüße!" Er beugte sich zu mir runter und küsste mich. Total perplex erwiderte ich den Kuss. Am ganzen Körper hatte ich Gänsehaut, und als wir uns wieder voneinander lösten, konnte ich nicht anders, als meine Hand an seine Wange zu legen und zu grinsen wie ein Idiot. "Danke für dich", sagte ich und drückte ihm einen Kuss auf den Mund, bevor ich im Hotel verschwand. So glücklich war ich schon lange nicht mehr.
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