Teil 48

Nachdem sich Liv beruhigt hatte, stand sie auf und sah sich im Spiegel an. "Oh man, wie seh' ich denn aus? Sorry, dass du das alles hier ertragen musst." sagte sie, während sie auf ihr Gesicht deutete und sich die Maskara unter den Augen wegwischte. Mir fiel auf, dass ihre Augen gerötet waren, doch schob ich es auf das Weinen. Nachdem sie sich wieder etwas zurecht gemacht hatte zog ich meine Jacke aus und hielt sie ihr zum anziehen hin. Mir war aufgefallen, dass sie seit dem ich gekommen war nicht aufgehört hatte zu zittern. Sie lächelte mich dankbar an. Danach ergriff ich ihre Hand und fragte "Bereit?" Sie nickte. Daraufhin öffnete ich die Tür und zog sie hinter mir her zur Treppe. Livs Hand umschloss meine fester, als uns ein paar Jungs entgegenkamen, die scheinbar schon gehörig einen über ihren Durst hinaus getrunken hatten. Als wir bei meinem Auto ankamen standen ein paar weitere gaffende Jugendliche davor und bestaunen es. "Jo, is das deins, Ben? " fragte einer der dreien. Ein Typ aus der Schule, ich erinnerte mich nicht an seinen Namen. Ich öffnete für Liv die Tür und sie setzte sich rein, aber nicht ohne mir vorher einen verwirrten Blick zu zuwerfen. Ich schlug die Tür zu und umrundete das Auto. "Nein, der ist nicht mir" antwortete ich Namen-vergessen. "Hab ihn grade da vorne an der Ecke gefunden und ihn kurzgeschlossen. Sowas wollte ich mir nicht entgehen lassen." Allesamt starrten sie mich an. Offensichtlich wussten sie nicht ob sie mir glauben sollten. "Äh, okay Mann, echt krass." sagte einer schließlich und ich stieg ein. Idioten.

Ich reichte Liv den noch fast vollen Kaffeebecher, den ich von Zuhause mitgenommen hatte. Sie nahm ihn dankend an und ich fuhr los.

"Wann musst du zu Hause sein?" fragte ich sie, nachdem wir eine Weile ziellos umher gefahren waren. Ich wusste, dass sie noch nicht heimwollte, also beschloss ich einfach das Benzin meines Vaters ein bisschen zu verschwenden. "Um 2" sagte sie und ich sah auf die Uhr: 12:37 uhr.

"Lust auf nen Milkshake?" fragte ich und grinste sie von der Seite an. Ich wollte einfach nur ihr Lächeln sehen, um sicher zu gehen, dass ihre Lage nicht komplett aussichtslos war. Was auch immer auf der Party passiert war, ich hoffte dass sie es mir bald erzählen würde. Diese Ungewissheit machte mich noch verrückt. Und tatsächlich, sie schenkte mir ein winziges Lächeln und nickte mit den Kopf.

Einige Minuten später kamen wir vor Danny's Diner an, stiegen aus und setzten uns in die Nische in der wir auch schon letztes Mal gesessen hatten. Zwischen uns breitete sich eine merkwürdige Stille aus und ich überlegte was ich jetzt sagen könnte. Das Schweigen war nicht unangenehm, doch ersetzte es ein mehr als dringendes Gespräch. Ich fuhr mir durchs Haar und Liv ließ ihren Blick teilnahmslos durch das Diner schweifen. Ich beobachtete sie und als mein Blick den ihren traf, vielen mir erneut die geröteten Augen auf. Das konnte nicht mehr vom Weinen sein, oder?

"Liv? Hast du...Ich meine, hast du vielleicht gekifft oder so?" fragte ich und sah sie an. Ihr Blick wich mir aus, verlegen sah sie auf die Tischplatte vor uns. "Ich...ja, schon möglich". Ihre Stimme war nur ein leises Flüstern, als sie antworte. Wahnsinn. Kyle, dieser Mistkerl. Wahrscheinlich hatte er sie dazu gedrängt. Erst hatte er sie abgefüllt und ihr dann den Joint hingehalten. Toller Freund. Alkohol und Gras. In dieser Reihenfolge war die Kombination keine gute Idee, wahrscheinlich einer der Gründe, warum sie sich hatte übergeben müssen. Ich griff über den Tisch nach ihrer Hand. Sie schenkte mir ein dankbares Lächeln. Als Livs doppelter Oreo-Milkshake ankam lächelte sie endlich und nahm einen genüsslichen Schluck. Ich hatte mir nur einen neuen Kaffee bestellt, nachdem Liv meinen Becher im Handumdrehen gelehrt hatte.

"Hey, hast du Lust an unserem Projekt weiter zu arbeiten?" fragte sie plötzlich und unterbrach damit das Schweigen zwischen uns. "Ich würde gerne an etwas anderes denken."

Ich nickte und zog mein Handy aus der Jackentasche, um das Gespräch aufzunehmen, da ich das Notizbuch nicht dabei hatte.

"Okay. Mhm, ich zähle einfach mal ein paar Fakten auf oder?" wieder nickte ich und drückte auf den Aufnahmebutton.

"1. Ich hasse meine Sommersprossen, 2." ich unterbrach sie. "Wieso? Mir gefallen sie" normalerweise fand ich es schwer Komplimente zu machen. "Keine Ahnung. Ich mag sie einfach nicht" Sie schien kurz nachzudenken, doch fuhr dann fort. "2. Ich habe phasenweise regelmäßig nachts Krämpfe in den Beinen. 3. dann roll ich im Halbschlaf aus dem Bett und versuche sie loszuwerden. 4. Ich schlafe gerne nackt oder in riesigen alten Band T-shirts. 5. Ich habe Angst vorm' Erwachsenwerden." Sie schwieg kurz. "6. Ich hasse dumme Menschen, 7. Ich rege mich über ihre Dummheit übertrieben auf. 8. Ich hasse meine Intolleranz. 9. Ich vergesse immer die Herdplatte auszuschalten. 10. Schon zwei Mal wäre unsere Küche deswegen beinahe abgefackelt. 11. Ich sage sehr oft, dass ich etwas hasse. 12. Ich kann meine Gelenke nicht knacken lassen. 13. Ich bin koffeinabhänging, genau wie du, Junkie-Bruder" Sie grinste. Es tat so gut sie wieder grinsen zu sehen. "Tja, was soll ich sagen..." Entgegnete ich und prostete ihr mit meiner Kaffeetasse zu.

"14. Ich wäre gern gebildeter, doch möchte nichts dafür tun. 15. Ich hasse Kinder unter 14. 16. Ich bin ein Papa-Kind. 17. Ich habe 'Game of Thrones' schon drei Mal durch. 18. die Schule ödet mich an, mit allen ihren Leuten darin. 19. Ben und Jerry's Caramel-Sutra ist das beste Eis der Welt. 20. Mein größter Wunsch ist es, frei zu sein. Das steht über allem anderen."

Sie sieht mich herausfordernd an. "Jetzt du".

Ich überlegte kurz. "1. Ich hasse meinen Vater. 2. Er wird mich töten, wenn er herausfindet, dass ich mit seinem Wagen gefahren bin." "Also doch kein Autodieb." Stellte Liv fest und sah mich belustigt an. "3. Ich bin kein Autodieb. 4. Bukowski ist der King, sag nichts anderes. 5. Mir fällt jetzt schon nichts mehr ein..." ich kratzte mich am Kopf und nahm einen Schluck Kaffee. "Komm schon, denk nach." Forderte sie mich weiter auf und trat mir unter dem Tisch spielerisch ans Schienbein. "6. Ich hasse Leute die mir ans Bein treten." Sie lachte. "7. Ich finde Mr. Smith ist der sadistischste Mensch, der je in ganz Mortem Beach gelebt hat, ach quatsch, in ganz Amerika." "Warum nicht auf der ganzen Welt?" fragte sie zurück. "Da gab es diesen Typen. Hitler hieß er glaube ich. Er mochte Deutsche Schäferhunde und die Farbe Braun." Wieder lachte sie und nahm einen großen Schluck von ihrem Milkshake. "8. Ich zeichne gerne. 9. Wenn ich auf eine einsame Insel verbannt werden würde, und nur drei Dinge mitnehmen dürfte, wären es meine Gitarre, ein e-book reader und Zeichenzeugs. 10. Ich finde es gibt kaum noch richtige Musik. 11. mein Lieblingsessen sind Spaghetti mit Ketchup." Bei diesen Worten verzog Liv das Gesicht. "Widerlich". "12. Ich hasse Weihnachtsmusik." Ich hätte damit rechnen müssen. Wie auf Kommando begann Liv Jingle Bells zu singen und schunkelte hin und her. Sie grinste mich teuflisch an. "Hör auf damit" sagte ich flehend. "Ich hätte das nicht ansprechen dürfen." "Oh, what fun, it is to ride..." fuhr sie fort doch hörte dann auf und befahl mir weiter zu machen. "Oh, danke Gott, dass du gnädig bist." sagte ich und faltete die Hände zum Gebet. "13. Ich bin Atheist. 14. Kaffe und Nikotin, so lässt's sich durch's Leben ziehn'. 15. Surfen ist eine meiner Leidenschaften. 16. Ich habe 7 Tattoos." "Was echt?" unterbrach sie mich aufgeregt. Ich nickte. "Zeig her!" wie ein kleines Kind begann sie auf ihrem Platz auf und ab zu hüpfen. "Nicht jetzt, nicht hier." antwortete ich. "Uhh, so geheimnistuerisch. Sind diese Tattoos etwa an unchristlichen Stellen?" Ich musste auflachen. "Mhm, wer weiß?" Ich sah sie mit hochgezogener Braue an. Sie kicherte. "17. Ich war mit 11 das erste Mal so richtig betrunken. 18. Ich liebe meine Geschwister über alles. 19. Frei fühle ich mich nur dann, wenn ich high oder betrunken bin. 20. Ich weiß nicht so wirklich was leben bedeutet."

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