Teil 44

Zu Hause angekommen schmiss ich mir erstmal eine Pizza in den Backofen und zog mir dann etwas Beuqemes an. Mit der Pizza auf der Handfläche balancierend, machte ich mich auf den Weg in mein Zimmer. Dort verkrümelte ich mich zusammen mit der Pizza und einem guten Buch in mein Bett, da ich noch ein paar Stunden Zeit hatte bis Em kommen und mir helfen würde mich auf die Party vorzubereiten.

Doch hatte ich heute Schwierigkeiten dabei mich auf mein Buch zu konzentrieren, da alle meine Gedanken nur um eine bestimmte Person kreisten. Ben. Dieser verdammte Junge hatte es doch  schon wieder geschafft mir alles zu versauen. Anstatt mich auf die Party zufreuen, war ich nur am Überlegen was diese Stimmungsschwankungen bei ihm auslösten. Er hatte sich heute eigentlich ganz normal verhalten, bis zu dem Punkt, an dem er mit diesem fiesen Unterton in der Stimme 'Na dann viel Spaß' gemurrt hatte.
Warum hatte Ben so einen großen Einfluss auf mich? Ich sollte freudestrahlend in meinem Zimmer auf und ab hüpfen, weil ich in ein paar Stunden mit meinem absolut heißen Freund auf eine der angesagtesten Partys des Jahres gehen würde! Aber nein, ich lag in meinem Bett und zerbrach mir den Kopf über Ben. Der Ben, der mich erst heute morgen noch zur Schule gefahren hatte. Der Ben, der meinen Morgenmuffel vertrieben hatte und mich zum Lachen gebracht hatte. Der Ben, dem ich gerade im Moment am liebsten eine reinhauen würde. 

Ich lies mich aus meiner aufrechten Position in eine liegende rutschen, drehte mich auf meinen Bauch und schrie in das Kissen. Dann drehte ich mich wieder um und murmelte "Verflucht seist du, Benjamin Parker"

Durch das Klingeln meiner Haustüre wurde ich aus meinem erholsamen Schlummerschlaf geweckt. Grummelnd warf ich die Decke von mir und schwang die meine aus dem Bett. Bevor ich aufstand sah  ich auf den Wecker neben meinem Bett. Schon 6:30 Uhr? Upsi.
Während ich mir meinen Weg aus dem Zimmer bahnte, behindert durch Klamottenberge und diverse auf dem Boden liegende Bücher, klingelt es schon wieder.
"Ja, ja ich komme ja schon" rief ich währrend ich außer Atem die Treppe runter sprintete. An der Tür angekommen riss ich die Türklinke etwas zu stark runter, sodass meine Hand abrutschte und ich erneut nach ihr greifen muss.

"Oh mein Gott, Liv! Ich bin ja so aufgeregt! Du wirst so schön aussehen, Kyle wird sich gar nicht zurückhalten können! Und die Party erst, ich bin ja so aufgeregt!!" fing Em an zu brabbeln sobald sie einen Fuß ins Haus gesetzt hatte. 

"Komm runter Em, du bist schon wieder viel zu aufgeregt." sagte ich mürrisch und machte mich auf den Weg in die Küche  "Café?" fragte ich über die Schulter und bekam sofort ein ja zurück. Während die erste Tasse des Lebenselexieres von der Kaffemaschine aufgefüllt wurde, entdeckte ich einen Zettel von Mom, der auf der Anrichte lag. Ich hatte ihr vorher geschrieben ob es Ok war, dass ich heute Abend auf eine Party ging und sie war ganz außer sich vor Freude.

Ganz viel Spaß heute Abend, Schatz. Sei bitte spätestens um 1 zu Hause. Pass auf dich auf, Mom :) PS: Abendessen ist im Kühlschrank

Ich las den Zettel und ein Grinsen breitete sich auf meinen Lippen aus. Ich liebte meine Mom einfach. Nachdem beide Tassen mit der schwarzen Flüssigkeit gefüllt waren, trug ich sie hoch in mein Zimmer. Als ich dieses jedoch betrat lies ich die beiden Tassen fast vor Schreck fallen. Mein Zimmer hatte sich von einem unordentlichen Teenie-Zimmer in ein einigermaßen betretbaren Beauty Salon verwandelt. "Was zur..!?" fragte ich fassungslos. "Gefällt's dir?" fragt Em hoffnungsvoll. Sie saß auf meinem Bett und und hüpfte wie ein Flummi auf und ab. Nur weil es Em war und ich sie nicht verletzten wollte zwang ich mir ein Lächeln auf und nickte. Sie quietschte und klatschte in die Hände. Em war viel aufgeregter und freudiger als ich, aber das war schon immer so gewesen. Seitdem wir uns kennengelernt hatten war klar, dass wir komplette Gegensätze darstellten, nicht nur äußerlich sondern auch innerlich. Aber vielleicht sind wir auch grade deswegen beste Freunde. Em zeigte ihre Emotionen einfach für uns beide. 

Ich gab ihr ihren Cafe und setzte mich dann neben sie aufs Bett. "Bist du bereit?"
 fragte sie mit einem riesen Grinsen in ihrem Gesicht. Sie strahlte wie die Sonne. "Nope, definitiv nicht" entgegnete ich.  Sie nahm meine Hand und zog mich zu meinem Schreibtisch auf dem sie einen kompletten Kosmetikladen eröffnet hatte. "Du weißt gar nicht wie lange ich auf diesen Tag gewartet habe!"

Und damit begann die Tortur. Sie schminkte mich erst und machte mir dann die Nägel. Damit war meine Toleranzgrenze schon nahe der Überschreitung, weshalb ich für Nervennahrung sorgen musste, bevor sie sich schließlich an meine Haare machte. In der Zeit die sie brauchte alle meine Haare zu locken hätte ich mein Abendessen 10 mal essen können. Als sie dann endlich fertig war, ging es ans Eingemachte: die Klamotten.

"Okay, Liv was hast du dir vorgestellt heute Abend anzuziehen?" fragte sie mich und sah mich erwartend an. Ich ging zu meinem Kleiderschrank, holte eine schwarze Hose raus und ein Band T-Shirt und hielt es vor mir hoch. Daraufhin riss Em ihre Augen auf und ihre Kinnlade klappte auf. "Da- Das ist doch nicht dein Ernst oder? Liv! das ist dein Ernst hab ich recht ? Du bist echt hoffnungslos!" stieß sie erschrocken aus. "Äh doch?" atwortete ich unnötigerweise. Ich stand noch immer mit den Klamotten vor meiner Brust da als sie mir diese aus der Hand riss, unachtsam hinter sich warf und mich richtung Bett schubste. "Hey, das war ein original Kurt Cobain T-shirt! Was soll das?"Stöhnend legte ich mich auf den Bauch und sah ihr dabei zu wie sie sich durch meinen Schrank wühlte, als würde sich Ridion da irgendwo drinnen verstecken.

Nach einiger Zeit hielt sie ein Schwarzes Kleid hoch, welches ich schon komplett vergessen hatte. Ich ging mit einem leichten Lächeln auf den Lippen auf es zu und nahm den weichen Stoff in die Hand. Es hatte lange schwarze Ärmel und einen tiefen Rückenausschnitt. Es endet circa in der Mitte meines Oberschenkels und war, obwohl es so schlicht war, wunderschön. Dieses Kleid erinnerte mich an einen der schönsten Tage meines Lebens. An diesem Tag hatte ich mit meiner Mom einen Mutter-Tochter Tag veranstaltet. Wir gingen richtig fein essen (Und machten uns über die Kellner lustig die mich immer junge Lady nannten) und danach ins Theater. 

"Perfekt zieh es an!" befahlt mir Em. Ich nahm es ihr aus der Hand, zog mich aus und schlüpfte in das Kleid rein, es passte immer noch wie angegossen.

"Ah, ich hab da noch was!" sagte Em und hielt ihren Zeigefinger hoch um zu signalisieren das ich warten soll. Sie kramte in ihrer Tasche Rum und zog letztendliches ein paar schwarze Highheels heraus. "Tadaaa!" sagte sie und drehte sich um. "Nein Em! Das kannst du absolut vergessen! Auf keinen Fall!"  meine Stimme wurde lauter, fast bettelnd. Mit einem ferführerischen Grinsen kam sie langsam auf mich zu während ich mit jedem schritt den sie auf mich zukam einen von ihr weg wich. Diese ganze Situation ähnelte schon sehr einem schlechten Horrorfilm, "Die High Heels des Todes". Prompt hatte ich ein Konzept für den Film in meinem Kopf: Der Mörder zwingt seine Opfer High Heels anzuziehen, dann haben sie die Möglichkeit vor ihm wegzurennen. Aber wer kann schon in High Heels rennen? Tja, der Mörder hatte gewonnen.

Nach einigem Hin- und Her zog ich die verdammten Dinger dann letztlich doch an, gegen Em hab ich einfach keine Chance. "Wow, du bist bildschön" hauchte Em als ich jetzt vor ihr stand. Unbehaglich strich ich mir imaginären Dreck vom Kleid. "Danke." sagte ich leise und senkte schüchtern meinen Kopf.

Ich hörte wie jemand erneut an der Haustüre klingelte und riss den Kopf hoch. "Wie viel Uhr haben wir?" Em schaut auf ihr Handy " 8:45" Kyle war noch nie eine viertel Stunde zu früh dran, meistens kommt eher immer ein paar Minuten zu spät." Jetzt schau nicht so skeptisch und komm!" sagte Em und sprintete die Treppe runter. Da ich jedoch die High Heels des Todes trug, ging das bei mir nicht so schnell. Bevor ich die Treppe herunterlief atmete ich einmal tief durch. 'Bloß nicht hinfallen! ' Diese drei Worte wiederholte ich wie ein Mantra in meinem Kopf. Die Hälfte der Treppe ging das auch ganz gut, doch dann schaute ich auf und sah- Ben? Was zur Hölle machte Ben hier? Er sah mich mit einem komischen Blick an. War das, Bewunderung? Nein! Das konnte nicht sein, doch brachte mich genau dieser Blick, von Bewunderung und Wärme, zum Stolpern und ich hätte beinahe einen für meine beiden Zuschauer wirklich witzigen Auftritt hingelegt, hätte ich mich nicht in letzter Sekunde wieder gefangen. Als ich aufsah hatte Em ihre Hand vor den Mund geschlagen und Ben war einige Schritte auf mich zu gekommen. "Alles gut, mir gehts gut" sagte ich lachend und ging die restlichen Stufen herunter. "Ben? Was suchst du denn hier?" fragte ich ihn als ich vor ihm zum Stehen kam. Er sah mich nur mit großen Augen an und ich bemerkte das er die Luft anhiehlt. "Wow, Live, du-" setzte er an doch führte jemand anderes seine Worte fort "Siehst atemberaubend aus". Ich sah zur Tür, welche noch offen stand, und erblickte Kyle. Ich lächelte und ging auf ihn zu, schlang meine Arme um seinen Hals und gab ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen. Mein kleines Herz machte einen Satz. Dabei spürte ich allerdings Bens Blick in meine Rücken. Nicht einmal mir selbst konnte ich vorlügen, dass ich das gerade, unter Anderem, nicht nur getan hattee um Ben zu provozieren. Ich drehte mich um und sah zu ihm. Ausdruckslos sahen seine braun-grünen Augen zurück. "Können wir gehen? " Fragte Kyle lächelnd. "Ja ich muss nur noch schnell meine Tasche und Jacke hohlen sagte ich, schlüpfte aus den Heels und rannte die Treppe hoch. Genau das war mein Plan um diese lästigen Schuhe loszuwerden. In meinem Zimmer angekommen schlüpfte ich in meine Schwarzen Dr. Martens, zog meine Jeans Jacke an und hing mir meine Tasche um. Dann rannte ich runter, nahm Kyles Hand, rief den Anderen ein schnelles "Tschüss" zu und zog die Haustüre hinter uns zu. Jetzt konnte Em nichts mehr gegen meine Schuhwahl unternehmen. Ich konnte mir die Gesichter der beiden nur allzu gut vorstellen. Ems und Bens Gesichter. Ben. Was hatte er hier überhaupt gewollt?

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