Teil 37
In seiner Stimme lag eine so tiefe Verachtung seinem Vater gegenüber, das ich erzitterte. Seine wunderschönen grünen Augen, die mich sonst so warm anstrahlen konnten, waren nun kalt und gefühllos. Ich konnte förmlich sehen wie einige Erinnerungen sich vor seinem inneren Auge abspielten. Wie er die Hand, in der er nicht die Zigarette hielt, zu einer Faust ballte sodass seine Knöchel weiß hervor traten. Sein Kiefer spannte sich an.
Diese immer noch andauernde Wut faszinierte und verängstigte mich zugleich. Sanft berührte ich ihn an der Schulter, um ihn nicht allzu harsch aus seinen Erinnerungen zu reisen. Er zuckte zusammen und für den Bruchteil einer Sekunde traf sein Blick auf den meinen, bevor er sich wieder in der Endlosigkeit des Ozeans verlor.
In diesem Moment sah er so verletzlich aus, so jung. Mir fiel diese Art von Traurigkeit auf die nie verschwand und die auch ich besaß. Wir waren wie angeschossene Tiere, zu schwach um zu fliehen, aber auch zu jung um zu sterben. Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen als ich realisierte, dass ich eine weitere Person entdeckt hatte, die eine so hohe Mauer um seine Gefühlswelt aufgebaut hatte wie ich. Niemand da draußen wusste wie es uns wirklich ging. Zögernd nahm ich die Hand von seiner Schulter.
Eine Weile beobachtete ich ihn, wie er mit Tränen in den Augen an seiner Zigarette zog und aufs Meer hinaus sah.
Schließlich holte er tief Luft und stand auf. Er öffnete gerade seinen Mund um etwas zu sagen, als ich aufsprang und mich in seine Arme warf. Er brauchte diese Umarmung jetzt, dass wusste ich.
Überrascht verkrampfte er sich kurz, bevor auch er seine Arme um mich schlang und mich näher an sich ran zog. Es fühlte sich so gut an jemanden zu haben, mit dem man seinen Schmerz teilen konnte. Ich vergrub mein Gesicht in der Kuhle zischen seinem Hals und der Schulter und atmete seinen Geruch tief ein. Auch mir kamen langsam die Tränen.Die Augen geschlossen gab er mir einen Kuss auf die Stirn und legte dann sein Kinn auf meinem Kopf ab. Diese komplette Geste hatte etwas so vertrautes, so entspannendes.
So standen wir da. das Meeresrauschen im Hintergrund und unsere Herzen in einem Takt schlagend. Ich fühlte mich warm, sicher und komplett wie ich selbst. Benjamin Parker und mich verband nun etwas das weit stärker war als nur Freundschaft. Es war schon fast eine Art Seelenpartnerschaft die wir eingegangen waren. Er hatte mir einen Teil von sich gezeigt den bislang noch niemand gekannt hatte.
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