Teil 3
Der nächste Tag war ein Montag. Das bedeutete Schule! Juhu.
Als mein Wecker sein allseits bekanntes Klingeln von sich gab, wachte ich genervt auf, schnappte mir das störende Ding und schlug es mit voller Wucht auf den Boden. Ja, was diese Dinge betraf konnte ich durchaus mal aggressiv werden.
Sofortige Stille trat ein und ich ließ mich todmüde wieder zurück in die Kissen sinken. Nur noch eine Minute. Dachte ich und schloss meine müden Augen erneut.
Anscheinend war ich noch einmal eingeschlafen, (Oh, Wunder!) denn nach einiger Zeit stürmte meine Mum völlig gestresst ist in mein Zimmer und rief mit zerzausten Haaren und etwas wirrem Blick: "Liv! Du musst in die Schule, Schatz! Dein Dad wartet im Wagen. Beeil dich!"
"Ja, ja..." Grummelte ich und erhob mich demonstrativ im Schneckentempo. Langsam stand ich auf und schälte mich aus meinen Schlafklamotten, zog mir eine einfache schwarze Hose an, ein weißes Top und bund mir in Hemd um. Als ich das endlich geschafft hatte, schlurfte ich weiter schlaftrunken ins Bad, stützte mich am Waschbecken ab und betrachtet mich eine Weile lang regungslos in dem mittelgroßen Spiegel der darüber hing.
In existenziellen Gedanken versunken (Ja, man fängt an über so etwas nachzudenken wenn man Krebs hat) erwachte ich irgendwann aus meiner Starre, stöhnte auf, fuhr mir müde mit den Fingern durch die langen, gewellten, braunen Haare. Ich war ganz hübsch. Nicht besonders schön oder so aber auch nicht direkt hässlich. Meine Eltern sagten immer ich sei das schönste Mädchen der Welt, aber welche Eltern eines krebskranken Kindes taten dies nicht? Ich weiß ich klang grade irgendwie ein bisschen depressiv (ich kenne mich damit echt nicht aus) aber das war ich definitiv nicht. Eigentlich war ich ein ziemlich fröhlicher Mensch, zumindest den wenigen Menschen gegenüber die ich mochte, die ich an mich ranließ. Zu allen anderen konnte ich wirklich oft sehr abweisend und auch ein bisschen gemein sein aber das war halt meine Art, oder eben die Live die ich sein musste. Kalt nach außen und manchmal, aber auch nur manchmal froh und glücklich nach innen.
Immer noch in Gedanken versunken begann ich mich dezent zu schminken. IchAls ich fertig war stöpselte ich mir wie immer meine Musik in die Ohren und drehte volle Pulle auf.
Irgendwann als ich fertig war, stolperte ich die Treppe herunter. Unten stand schon Mom neben ihr ein Glas und meine Tabletten die ich jeden Morgen und Abend zu mir nehmen musst Ich nahm mir das Glas und schluckte artig meine Tabletten, dann gab ich meiner Mom einen Kuss auf die Wange, schnappte mir schnell einen Apfel und gesellte mich zu meinem Dad in den Wagen.
"Na, ausgeschlafen?" Fragte er belustigt. Ich schnaubte. "Ja klar. Noch lange nicht. Am liebsten würde ich blau machen." Der letzte Teil sollte ein Witz sein, obwohl eigentlich nicht, aber mit Dad konnte ich sowas machen. Er grinste. "Ja, das kann ich verstehen. Sowas haben wir früher andauernd gemacht. Ich und meine Kumpels sind dann während der Schule rausgefahren und haben irgendwo Party gemacht. Aber erzähl deiner Mum nichts davon, ja?" Fragte er und zwinkerte mir zu. "Du weißt schon, pädagogischer Einfluss und so?"
Es war immer spannend und lustig ihm bei seinen Geschichten von früher zuzuhören und ich musste immer lachen wenn ich Begriffe wie 'Party machen' von ihm hörte. Das konnte man sich bei meinem Dad, der quasi aus einer dieser Serien aus dem Fernsehn entsprungen sein könnte, denn er war einfach der typische Klischee-Vater, wirklich nicht vorstellen.
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Angekommen in der Hölle, ließ ich mich auf meinen Platz neben Em fallen und packte meine Sachen aus. Meine Freundin war anscheinend immer noch sauer auf mich, denn sie plapperte nicht sofort los, so wie sonst immer, sondern starrte stur nach forne an die Tafel. Ich drehte mich zu ihr, um mich ein weiteres Mal zu entschuldigen, als Mr Smith ins Klassenzimmer trat. Im Schlepptau hatte er ihn! Ben! Das gibt es doch nicht.
"Das kann doch jetzt echt nich wahr sein!" Entfuhr es mir etwas lauter als beabsichtigt.
"Ach, Sie kennen sich? Na wunderbar! " meinte unser blöder Lehrer fies grinsend.
"Mr Parker? Setzen sie sich doch gleich hier neben Miss Black. Sie hilft Ihnen sicher furchtbar gerne weiter." Der Groll den ich ohnehin schon für Mr Smith hegte wurde grade ungefähr eine Milliarde mal größer und ich war kurz davor ihm ins Gesicht zu spucken. Okey, ganz so krass war ich vielleicht auch nicht drauf aber in Gedanken tat ich dies hin und wieder mal.
"Nein! Bitte, tun sie mir das nicht an! Wollen sie mich quälen?" Fragte ich, obwohl ich Mr Smith' Antwort eigentlich schon kannte. Ja! Er hasste Kinder und vor allem junge Menschen wie uns! Und noch mehr hasste er mich. Warum er überhaupt Lehrer geworden war, fragte ich mich jeden Tag aufs neue. Wiederstrebend ließ Ben sich nun auf den freien Platz zu meiner rechten nieder und wir rückten so weit wie nur möglich voneinander weg. Was hatte ich nur getan, dass Gott mich noch mehr bestrafen musste? Ich hatte wirklich gehofft nie wieder in dieses verdammt schöne Gesicht Blicken zu müssen.
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