Teil 23
Als ich fertig war und es an der Haustür klingelte machte mein Herz einen unerwarteten Satz. Kyle war da. Schnell schappte ich mir meine Handtasche und stürmte die Treppe herunter. Tausend Gedanken schossen durch meinen Kopf. Vor der Tür angekommen atmete ich nocheinmal durch und öffnete sie dann mit etwas zu viel Schwung. Kyle grinste mich schief an und zog, wie schon beim letzten mal, eine Rose hinter seinem Rücken hervor. Der Junge war echt charmant. Ich glaube wenn diese Szene in einem Film vorkäme, müsste ich kotzen. Schnulziger ging es ja echt nicht mehr. Aber wenn man selbst die Hauptrolle in diesem Film spielte, musste ich zugeben: Es war gar nicht so schlecht. Damit konnte ich leben. "Hey" begrüßte er mich liebevoll und hielt mir die Rose hin. Ich merkte, dass meine Wagen eröteten und blickte verlegen zu Boden. So etwas passierete mir sonst nicht so häufig. Ich war eher die taffe, die nichts so schnell einschüchtern konnte.
War das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ich nahm die Rose an und roch vorsichtig an ihr. Das tat ich aber alles instinktiv. Es war das typische Szenario. Ich hatte wohl zu viel Titanic geschaut. Aber Leonardo DiCaprio in jung war halt auch echt...Okay warte, Liv. Bitte wieder zurück in die Gegenwart. "Wow, riecht die toll." sagte ich und war im selben Moment überrascht, wie gut ich in die Rolle der tragisch Verliebten passte. Olivia Black/Rose DeWitt Bukater. Aber Moment. War ich denn wirklich in Kyle verliebt? Er war süß und zuforkommend, klar, aber...es war ja erst das zweite offizielle Date und da konnte ich einfach noch nicht sagen, ob ich wirklich irgendwas für ihn empfand. "Was machen wir heute?" fragte ich neugierig und zog, diesmal sachte, die Tür hinter mir zu. "Ich habe mir gedacht, wir könnten vielleicht ein Picknick im Park an der Küste machen. Ungefähr eine halbe Stunde von hier entfernt. Uns auf eine Decke setzen, reden, was sich halt so ergibt." Was sich halt so ergibt? Das klang gut, musste ich mir eingestehen und ein Grinsen huschte über mein Gesicht. "Okay" sagte ich lächelnd und lief los in Richtung Kyles Autos/U-Boots. Er öffnete mir, charmant wie er war, die Tür und ich stieg erleichtert ein. Wenn ich die Tür nämlich selbst hätte öffnen müssen, hätte ich mir wahrscheinlich den Arm ausgekugelt oder schlimmeres. Diese Türen waren wirklich so fett, das man mit einem LKW dagegen fahren könnte und es würde wahrscheinlich nichts passieren. Nachdem er meine Tür wieder geschlossen hatte und auf der anderen Seite eingestiegen war (denn er musste nicht klettern) fuhren wir los. Die Fahrt verlief locker und entspannt. Ich lachte viel mit Kyle und hatte wirklich Spaß. Als wir an besagtem Park ankamen, half er mir erneut mit der Tür und ich schaffte es irgendwie ohne zu fallen aus dem Wagen. Schon die ganze Zeit hatte mein Bauch wie verrückt gekribbelt und ich hatte Kyle unbemerkt die Fahrt über beobachtet. Seine Gestiken und Verhaltensweisen in bestimmten Situationen studiert. Ich weiß das kam ein bisschen stalkerhaft rüber aber jedes Mal wenn ich den Blick abwand, kehrte er unvermittelt wieder zu dem Braunhaarigen zurück. Er sah aber auch echt gut aus! Etwas längere dunkle Haare, die ihm wirr in die Stirn fielen, hohe Wangenknochen, lange, schwarze Wimpern und diese dunkel braunen Augen.
Kyle schnappte sich eine Decke und einen Korb die im Kofferraum des Autos gewesen waren und führte mich dann durch den Park, bis wir plötzlich an dessen Rand ankamen. Plötzlich brach direkt vor mir der Boden überraschenderweise ab. Er hörte einfach auf zu exerzieren, ganz plötzlich. Ich brauchte eine Sekunde, bis ich realisierte, dass das da vor mir Steilklippen waren. "Wahnsinn" hauchte ich und trat noch ein Stück näher an den Abhang um runter zu schauen.
Und wer hätte es gedacht, Kyle ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und legte sofort die Hände an meine Hüften. Bei fast jedem anderen wäre das wahrscheinlich ziemlich aufdringlich rübergekommen, doch bei ihm störte es mich irgendwie nicht. Im Gegenteil, irgendwie gefiel es mir sogar. Komischer Weise hatte ich das Gefühl als würde ich Kyle schon ewig kennen und vertraute ihm. Ich weiß ich kannte ihn erst zwei Wochen oder so aber da war irgendwas. Und wenn es nur mein kleines naives Teenagerherz war, was mich ihn mögen ließ. Langsam drehte ich mich um und rechnete damit das Kyle nun auch zurück trat, das tat er aber nicht. Dummerweise stand ich jetzt so nah vor ihm, dass er eigentlich nur zwei Möglichkeiten hatte: Mich küssen oder die Klippe runterschubsen. Na wenn das so war, war es jawohl klar was ich wollte. Auch wenn ich eigentlich noch nicht bereit dazu war, wanderte mein Blick ungewollt zu seinen perfekt geformten, vollen Lippen. Wir waren uns wirklich so nah, dass ich seinen Atem im Gesicht spüren konnte und vor lauter Kribbeln und freudiger Erwartung ohne es gemerkt zu haben meine Hand hob und ihm damit eine zu lange Haarsträhne aus der Stirn schob. Ja, ich weiß. Echt kitschig das alles hier.
Als unsere Lippen aufeinandertrafen, war es wie eine innere Explosion. Wie sehr hatte ich mich darauf gefreut. Der erste, ernstgemeinte Kuss von einem Jungen, der mich vielleicht wirklich mochte. Mein ganzes Leben hatte ich darauf gewartet und beobachtet, wie Em einen Freund nach dem anderen hatte (nicht falsch verstehen) und so glücklich schien, das sie Sterne hätte kotzen können, doch nun war ich einmal dran. Ich hätte sicherlich auch schon früher eine Beziehung haben können, aber ich ließ eben nicht jeden an mich ran. Ich schätze das lag am Krebs. Doch in diesem Moment, wo ich das erste mal einem anderen Menschen, außer meinen Eltern, so nahe war, vergaß ich das alles mal für einen kurzen Moment. Die Schule, die Krankheit, einfach alles. Glücksgefühle durchströmten mich wie eine große wunderbare Welle und ich schloss die Augen. Meine Hand fuhr nun weiter in Kyles Haare und ich hielt mich an ihnen fest, da ich das Gefühl hatte jeden Moment zu fallen. Zu fallen, da meine Gefühle in diesem Moment so tief und wild waren, das ich von Glück sprechen konnte nicht wirklich zu stürzen. Doch auch Kyle hielt mich immer noch fest. Seine warmen, großen Hände lagen sanft an meiner Taille und sachte zog er mich nun noch ein bisschen näher an sich ran. Und somit auf vom Rand der Klippe weg, was mir meine letzte Sorge in diesem Moment auch noch nahm. Ich ließ komplett los und konzentrierte mich nun voll und ganz auf den Kuss. Seine warmen Lippen, die weichen strubbeligen Haare zwischen meinen Fingern und sein Geruch der mir alle Sinne raubte. Er roch so nach...mhm ich wusste es nicht. Nach Freiheit vielleicht. Er wirkte so unabhängig auf mich und ich hoffte das das eventuell abfärbte. Ich meine mir war bewusst, dass ich für immer an Ärzte und Medikamente gebunden sein würde, aber ein bisschen mehr Zeit wie diese wäre wunderbar. Eine gedankenlose und erinnerungslose Zeit...
-->>>Sooo nach langem mal wieder ein neuer Teil. Es tut uns echt leid das so lange nichts kam aber wie ihr wisst sind wir ja auch grade am Überarbeiten. Außerdem ist es in der Schule grade bisschen stressig und ich für meinen teil habe grade meine Austauschschülerin da... naja. Nochmal danke für die ganzen Reads und Votes und wie ihr wisst freuen wir uns immer über jede neue Abstimmung und jeden neuen Kommentar :)
FIFIxx
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top