my favorite choice.


Und willkommen zu einem neuem Kapitel, das euch sehr viel Herz kosten wird. <3

Ich bedanke mich herzlich für leila-ni. Danke für deine wundervollen Worte!

Und nun halte ich euch nicht lange hin!

Viel Spaß bei diesem Kapitel!

(Und wenn ihr dachtet, dass diese FF alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, lasst euch mal überraschen. Ich lege jetzt richtig los. Jk. So schlimm wird es nicht.)

Sternige Grüße,

Sternendurst.

~*~*~

my favorite choice.

Die Hollands unterscheiden sich sehr von den Hiddlestons.

Seine Familie ist öffentlich und in den sozialen Netzwerken sehr vertreten. Toms Vater arbeitet als Komödiant und hat bereits eine eigene erfolgreiche BBC-Radioshow produziert. "The Small World of Dominic Holland" wie er sie schön genannt hat. Seine Ehefrau ist eine anerkannte Fotografin und teilt gerne ihre Werke auf öffentlichen Plattformen wie Instagram mit. Auch Toms jüngere Zwillingsbrüder sind auf Instagram vertreten. Harry dreht gerne eigene Kurzfilme und stellt sie auf YouTube hoch, Sam hingegen treibt sich nur gerne auf den sozialen Netzwerken herum und stalkt den ein oder anderen Fan von Tom. Patrick, der von jeden liebevoll Paddy genannt wird, ist mit seinen 13 Jahren der jüngste der Familie und hat wie all die anderen Brüder bereits in einem Film mitgespielt. Aber sie alle haben kein einziges Problem damit, ein Teil der virtuellen Welt zu sein. Es scheint zu der Familie dazu zu gehören, dass jeder von ihnen etwas wie eine kleine Berühmtheit ist. Sogar Tessa. Und ich weiß nicht, ob das so gut ist, aber ich kenne das auch nicht. Sie allerdings scheinen damit zufrieden zu sein, und das ist das wichtigste am Ende eines Tages. Dass sie glücklich und zufrieden mit ihren Entscheidungen sind.

Wenn ich da an meine eigene Familie denke, die einen großen Bogen um die virtuelle Welt macht, besonders mein Bruder, merke ich, dass sie auf das alles eine ganz andere Sicht haben. Für die Hollands ist es selbstverständlich, mal das oder das Bild hochzuladen - oder den anderen mitzuteilen, was sie gerade machen. Man kann sagen, sie gehen mit dem Schwarm. Meine Familie ist da ganz eigen. Sie möchten alles so privat wie möglich halten, und als ein Familienmitglied kenne ich auch die Gründe warum. Heutzutage fangen die Leute viel zu schnell an, darüber zu urteilen, was man tut oder postet als früher. Im Internet herrschen keine Regeln. Jeder kann sagen und tun, was er möchte - und es sind nicht immer schöne Dinge. Ich frage mich, ob die Hollands gegen diese Negativität, die nicht nur auf sozialen Netzwerken herrscht, gewappnet sind, oder ob sie eines Tages denselben Schritt wie meine Familie machen werden.

Ich habe keinen Instagramaccount erschaffen, weil ich der Welt zeigen möchte, was für ein abenteuerliches und schönes Leben ich habe. Erstens, gibt es schon zu viele davon, und zweitens, wäre das einer der vielen, falschen Leben, die man sich erschafft. Es wäre alles gelogen, weil mein Leben auch ziemlich langweilig sein kann. Dann sitze ich auf der Couch, schaue irgendwelche Netflixserien - und wenn es zum tausenden Mal Stranger Things ist - und stopfe mich mit Erdnussbutter voll. Und mehr passiert nicht. Aber das sind diese Tage, die ich wirklich genießen kann. Tage, die mich zufrieden machen. Tage, die ich mit keinem abenteuerreichen Tag tauschen möchte. Diese Tage sind unverzichtbar.

Mein Instagramaccount dient lediglich dafür, meinen Leser ein ungefähres Bild über mich zu ermöglichen. Ich habe mich nie ganz vor ihnen verstecken wollen, und so ist dieser Account entstanden. Keiner hat dort eine Macht über mich. Ich alleinig kann entscheiden, was ich teile und was nicht, wem ich folge und wen nicht, wem ich schreibe und wen nicht. Ich habe die vollkommene Macht über das Bild, das ich über mich selbst erschaffe.

Toms Zwillingsbrüder schauen mich immer noch so an, als wäre ich von einem anderen Planeten. Es ist interessant zu sehen, wie rötlich und lockig ihre Haare hingegen zu Toms seine sind. Sie haben auch deutliche Sommersprossen im diamantförmigen Gesicht mit den markanten Wangenknochen. Ihre Nase ist noch fein und schmal hingegen zu Toms seine, die so aussieht, als hätte er sie nicht nur einmal gebrochen.

„Und warum hast du nochmal keinen Instagramaccount?", fragt mich Harry.

„Vielleicht weil ich nicht das Bedürfnis danach habe?"

Harry im blauen Nike-Pullover wechselt fassungslose Blicke mit seinem Zwillingsbruder Sam im schwarz-weißen Adidas-Pullover, und ich sinke auf der großen Eckcouch im Wohnzimmer tiefer in die Polsterung. Das Wohnzimmer ist schlicht in Weiß und warmen Brauntönen gehalten. Nicht viele Möbel, aber eben nur das, was man auch wirklich braucht. Aber eine Menge an Familienfotos. Es hat etwas von Leben, und das mag ich sehr. Meine eigene Wohnung ist immer eher ein ruhiger Wald. Die Zwillingsbrüder geben mir das beschämende Gefühl, als wäre ich ein Außerirdischer. Nur weil ich ihnen nicht gegenüber ehrlich sein kann. Mein Pseudonym wird immer eine Grenze zwischen mich und Tom schneiden.

„Aber Facebook hast du, oder?" Sam sieht mich mit seinen braunen Augen so an, als hätte er noch Hoffnungen in meine Lügen.

„Nein, nichts von alldem", antworte ich und sehe mich nach Tom um. Er meinte, er müsse kurz in sein Zimmer, und ich bin mir sicher, dass das kurz zu einem sehr lange geworden ist. Tessa, Toms blauer Staffordshire Bullterrier und größter Schatz, liegt an mich gekuschelt mit dem Kopf auf meinem Schoß. Tom hatte Recht. Tessa und ich haben uns auf den ersten Blick ineinander verliebt. Aber wer kann diesem süßem Energiebündel mit den großen Tintenaugen auch schon widerstehen? Sie ist wie die Freude in fester und tierischer Form.

„Aber eine E-Mail Adresse hast du schon?"

„Hat das nicht jeder?"

Harry grinst amüsant. „Na ja, wenn man schon kein Instagram und Facebook hat, dann kann man auch keine E-Mail besitzen."

Ich streichle sanft über Tessas Kopf und ihr Fell ist glänzend und warm. Es erinnert mich an Bubbles, auch wenn ihres viel flauschiger ist. „Ihr wollt doch nur, dass ich euch beiden folge."

Harry und Sam sehen sich ertappt an.

„Es wäre cool, würde uns das Mädchen folgen, von dem Tom ohne Punkt und Komma ständig erzählt. Früher hat er viel über Tessa geredet, aber ihr keinen Account erstellt. Jetzt bist du an der Reihe", meint Harry auffordernd und hält mir sein MacBook hin, an dem wir vor wenigen Minuten noch Toms alten Auftritt im Schauspielstück „Billy Elliot" angeschaut haben. Tom ist schon immer sehr begabt gewesen. Ob als Tänzer oder Schauspieler.

„Ich soll mir einen Account anlegen?", frage ich genauer nach.

Sam zuckt mit den Schultern, als wäre es nichts. „Warum nicht? Dann kann dich Tom endlich auf seinen Beiträgen markieren!"

Ich erinnere mich an die vielen Kommentare, die damals zu dem Video von mir und meinem Bruder aufgetaucht sind. Es hat positive als auch negative gegeben, und das negative hat in dieser Hinsicht leider das positive überwogen. In der Welt der Sternchen ist Dating immer noch ein Skandal und viele nehmen an, sich in das Leben eines anderes einmischen zu können, und ich will nicht, dass sich etwas an Toms Karriere ändern wird, nur weil unsere Herzen im Einklang schlagen. Deshalb ist es so schwer, in ihn verliebt zu sein. Einerseits will ich an seiner Seite sein und ein Grund für sein Lächeln sein, andererseits befürchte ich, dass ihn das mehr kosten wird als mir, und ich weiß nicht, wohin mich meine Gefühle leiten werden, aber ganz sicher zum Ende seines Labyrinths.

„Ich glaube, es ist besser, wenn alles so bleibt wie es ist", antworte ich mit schiefen Lächeln und schiebe mit einer Hand das MacBook zurück zu Harry, „ich bin zufrieden damit, wenn mich nicht die ganze Welt kennt."

„Sie würde dich aber mögen." Es ist weder Harry noch Sam, die das gesagt haben. Es ist Tom. Zuerst bin ich verwundert darüber, dass er sich umgezogen hat, aber er hat nur seinen schwarzen Pullover durch ein schlichtes, rotes T-Shirt mit V-Ausschnitt ausgetauscht. Die enganliegende, dunkle Hose ist dieselbe. Ich muss einfach dämlich grinsen, weil wir beide nun knallrote Oberteile tragen, und irgendwie fühle ich mich sofort mehr von ihm angezogen.

Seine Zwillingsbrüder geben amüsierte Glucksgeräusche von sich und ernten einen drohenden Blick von ihrem älteren Bruder, aber die Drohung verschwindet zugleich, als er zurück zu mir blickt. Dann leuchten die braunen Tiefen auf wie klares Sonnenlicht und ein warmes Lächeln umschmeichelt seine Lippen. Die Anspannung, die zuvor zwischen mir und seinen Brüder geherrscht hat, verschwindet in dem Duft von Morgenluft, Sonnenlicht und Männlichkeit, als er sich zwischen die Lücke von Harry und mir quetscht. Sein Knie berührt meines, und mein Herz schlägt schneller.

„Nenn' mir einen guten Grund, warum du so denkst", fordere ich ihn sanft auf und versuche, nicht zu sehr in sein vertrautes Labyrinth zu versinken. Ich kenne nun so viele Abbiegungen und geheime Gänge darin, dass es mir nur noch an dem richtigen Weg fehlt, um tatsächlich zum Ende zu kommen. Und ich habe das ermutigende Gefühl, dass es bald soweit sein wird. Jetzt, wo wir wieder beisammen sein können, ohne dass uns jemand daran hindern kann.

„Nun", er beugt sich etwas vor und streichelt Tessas Kopf, die ihn mit schläfrigen Augen mustert, „meine Mutter würde sagen, dass du jemand mit Stil bist. Jemand, der sich aus der Maße erhebt und deutlich zu unterscheiden ist. Jemand, der zu der aussterbenden Art von Menschen gehört."

„Oder jemand, der sich einfach besser kleiden kann als Tom", murmelt Harry dazwischen und bekommt sofort wieder einen bösen Blick vom Angesprochenen zu spüren.

Ich kichere sowie Sam und lasse das Grinsen auf meinen Lippen breiter werden. „Jeder ist so und kleidet sich so, wie er einfach ist."

„Aber man muss zugeben, dass du nicht wie die normalen 21-Jährigen bist, Emi", wirft nun Sam mit in die Runde und lächelt mich an, „wir haben schon viele Freunde von Tom kennengelernt. Sie haben ungefähr zu seinem Bild gepasst, doch du... Du bist anders. Nicht so gewöhnlich. Ich kenne dich zwar noch nicht lange, aber von dem, was uns unser Bruder über dich erzählt hat, und was du ausstrahlst, weiß ich, dass du cooler als Tom bist. Unsere Mutter würde nicht sofort jedem Mädchen ein Fotoshooting anbieten, wenn sie gerade mal die Türschwelle betreten hat."

Jetzt muss ich lachen, weil ich an Toms hübsche Mutter mit den roten, langen Haare und der schmalen Figur denke und wie sie mich begrüßt hat. Tom hat mich gerade erst durch die Haustür geführt, da hat sie schon im Raum gestanden, mich neugierig von oben nach unten gemustert und dann ganz in Begeisterung verkündigt, dass sie unbedingt mal Bilder von mir machen muss. Und von Tom, wenn er mich ansieht. Sie meinte, es wäre das schönste Bild, was ihr jemals unter die Fassung kommen würde. Ich habe ihr insgeheim zu gestimmt – denn für mich ist es tatsächlich das schönste, wenn mich Tom anschaut und ich in dem Ort von Geborgenheit und Zugehörigkeit in seinen braunen Tiefen versinken kann; wenn ich in mein Zuhause kehren kann und weiß, dass mich nichts brechen kann. Tom und ich haben uns dabei bloß beschämt und schüchtern in die Augen gestarrt, und dann habe ich mich bei ihr vorgestellt.

„Unsere Mutter liebt es von schönen Dingen Bilder zu machen", fügt noch Harry hinzu, und nun kann ich nicht anders, als mir vor Scham die Hände vor das Gesicht zuhalten.

„Jungs, ihr macht mich ganz schwach!", murmle ich nervös und bin nicht daran gewöhnt, so viele Komplimente auf einmal zu bekommen. Vor allem nicht von Toms Brüdern.

Mein Herz schlägt doppelt so holprig, als ein mir vertrauter Atem über mein Ohr streift, und ich kann Toms schönes Lächeln spüren.

„Hast du Lust, mit Tessa spazieren zu gehen, bis das Abendessen fertig ist?", fragt er mich leise, als wolle er nicht, dass es seine Brüder hören. Ich nicke und nehme meine Hände weg, um in seine hübschen, braunen Tiefen zu sehen.

„Gerne", erwidere ich dann.

~*~*~

Bevor wir nach draußen gegangen sind, haben seine Brüder unbedingt darauf gestanden, dass wir noch ein weiteres Video von Tom anschauen. Weil ich die beiden nicht enttäuschen wollte und Tom offensichtlich nichts dagegen hatte, haben wir das Video auf ihren großen Flachbildschirmfernseher abgespielt. Und es ist ein großer Fehler gewesen. Es ist ein Lip Sync Battle Video zu „Umbrella" von Rihanna. Mit Tom. Zuerst ist es sehr amüsierend gewesen, da das alte Lied „Singin' in the rain" gespielt wurde und Tom in einem schlichten Anzug mit Regenschirm dazu getanzt hat. Dann ist er hinter einer Reihe geöffneten Regenschirmen verschwunden, und die Melodie von Umbrella wurde gespielt. Und plötzlich trug er ein hautenges Lederoutfit mit Netzstrumpfhosen, eine schwarze Kurzhaarperücke und war extrem geschminkt. Seine Brüder haben angefangen, mit der Musik mitzugehen, während ich Toms Augen fiebrig auf mir liegen gespürt habe.

Es ist mir ziemlich unangenehm gewesen, Tom im Regen tanzen zu sehen und dass seine Tanzbewegungen ihn mit seinen männlichen Reizen hat spielen gelassen. Wie er sich im Wasser rollte, anziehende, rollende Bewegungen machte, und vollkommen in diese Rolle schlüpfte. Das ist ein ganz anderer Anblick von ihm gewesen wie ich es bis jetzt hatte.

Ich schlucke hart, als das Video endlich vorbei ist, und ich fühle mich seltsam und doch kribbelt alles wie verrückt in mir. Tom starrt mich erwartungsvoll an, aber meine Augen gleiten an seinen vorbei. Zu seinem deutlichen Bizeps, sein Sixpack, das sich durch seine angespannte Atemzüge durch das Shirt zeigt, und seine muskulöse Brust, die durch den V-Ausschnitt betont wird. Ich habe das sehnsüchtige Bedürfnis danach, jeden Winkel seines Körpers zu berühren; zu fühlen, wie seine Haut unter meinen Fingern bebt und wie sein Herzschlag rasender wird, wenn wir uns tief und direkt in die Augen starren. Wie sein Atem stockt... Aber nicht, weil ich dabei bin, ihn umzubringen, sondern weil wir in dem Augenblick zu eines werden würden.

Ich denke an Sex, und ich denke an Sex mit Tom. Früher habe ich nicht daran gedacht. Nicht auf diese konkrete Weise. Natürlich habe ich mich gefragt, wie es wäre, mit jemand zu schlafen. Wie es ist, wenn man sich gemeinsam in einem Rhythmus bewegt, und wie es sich anfühlt, gemeinsam an Stellen zu kommen, an die man sonst nicht kommt. Aber ich habe nicht erwartet, dass ich jemals Sex haben könnte. Oder jemand hätte, mit dem ich es tun würde.

„Dieses Video hat Tom einige Frauenherzen erobern lassen", grient Harry und sein Blick landet direkt auf mich. Ich frage mich, ob Tom schon mal mit jemand geschlafen hat, und wenn ja, mit wie vielen bereits. Ob er vielleicht mit diesem Mädchen geschlafen hat, das auch in dem Video vorgekommen ist. Sie ist hübsch gewesen, und mit Sicherheit eine Berühmtheit. Jemand, mit einem Instagramaccount und einem öffentlichen Leben.

Ich nicke und weiche den bohrenden Blicken allen aus. „Können wir jetzt spazieren gehen?" Ich stehe auf, Toms Arm fällt dabei von meiner Schulter, und ich will ihm nicht in die Augen sehen, während ich solche verrückte Gedanken habe.

„Natürlich." Tom springt sofort auf und dreht sich noch kurz zu seinen Brüdern um. „Danke, Jungs", presst er mit bissigen Ton zwischen den Zähnen heraus, dann folge ich ihm und Tessas freut sich mit wedelnder Rute, endlich raus zu dürfen. Er zieht sich noch kurz eine Lederjacke über, dann nimmt er Tessa an die Leine und wir verlassen das große Haus mitten in London.

Wir schweigen die ersten Meter, und ich frage mich, wohin diese angenehme Stille zwischen uns verschwunden ist. Diese Stille, in der wir uns ohne Worte unterhalten haben, weil wir sie stattdessen gespürt haben. Wir haben einander gespürt und gewusst, was der andere sagen will, ohne dass er es tut. Aber jetzt weiß ich nicht, was Tom denkt, und wir laufen durch eine schöne Nachbarschaft mit großen Häusern und vielen Bäumen. Kaum ein Auto fährt über die Straße. Ein paar Kinder spielen miteinander fangen, und andere laufen ebenfalls mit ihren Hunden. Tessa verhält sich ganz gehorsam und bleibt dicht an Toms Seite.

„Es tut mir leid", sagt dieser plötzlich und sucht nach meinem Blick, aber ich sehe lieber zu Tessa, „dass du das Video hast sehen müssen. Eigentlich finde ich es ganz cool und es hat mir auch riesig Spaß gemacht. Aber ich kann verstehen, wenn es dir nicht gefallen hat. Oder es ist dir unangenehm gewesen ist."

„Nein, ich fand es auch cool. Man hat bemerkt, dass du das mit Leidenschaft getan hast", entgegne ich ihm, aber der Ausdruck in seinem Gesicht verrät mir, dass er mir nicht glaubt. Bevor er aber noch weiter darauf eingehen kann, versuche ich ein neues Thema zu finden. „Du hast dir auch etwas Rotes angezogen."

Er grinst, doch seine Augen bleiben vom Leuchten unberührt. „Rot ist meine Lieblingsfarbe." Es bleibt kurz still, dann fragt er: „Dafür, dass du es cool findest, bist du ziemlich blass im Gesicht gewesen... und schweigsam. Und das, weil ich es mit Leidenschaft getan habe?"

Seine Augen funkeln, und ich schaue nach vorne. Eine Frau mit einem Dalmatiner kommt uns entgegen.

„Nein", sage ich so leise, dass er es fast nicht hört.

„Warum dann?"

Seine Stimme klingt heiser, irgendwie beunruhigt, und unsere Blicke treffen sich erneut.

„Du weißt, woran ich gedacht habe", gestehe ich und wir beide bleiben stehen. Die Dalmatinerfrau begrüßt uns mit einem kurzen „Guten Tag", dann geht sie weiter.

„Denkst du, ich habe dir das gerne gezeigt, um dich zu beeindrucken? Und dir hat es gar nicht gefallen?", fragt er.

„Nein", antworte ich und schlucke angestrengt, während ich es nicht vermeiden kann, röter im Gesicht zu werden, „das nicht."

„Dann hat es dir gefallen?"

„Ich... Ich weiß es nicht."

Ein paar endlose Sekunden lang mustert er mich, wie ich die Zähne in meine Unterlippe ramme und meine Wangen vor Hitze glühen.

„Ich habe dir gefallen", sagt er mit geweiteten Augen, „aber die Frage ist, warum und was."

Wir sehen einander an. Mit blinzelnden Augenlidern, holprigen Herzschlägen und angehaltenem Atem. Ich denke an den Geschmack von Sonnenlicht und der Weichheit seiner Lippen, und es sind zu viele Gedanken auf einmal, dann gestehe ich: „Du. Einfach du bist es gewesen." Und dann noch: „Du im Gesamten."

„Gut", sagt er erleichtert.

„Gut?", frage ich mit Verwirrung.

Er nimmt meine Hand und lächelt mich mit seinem atemberaubenden Grinsen an.

„Du gefällst mir auch", fügt er noch leise und grinsend hinzu, „im Gesamten."

Den restlichen Spaziergang haben wir uns immer nur wieder flüchtig ein Grinsen geschenkt, und Verliebtsein ist wahnsinnig. Es reicht vollkommen aus, dass seine Finger in den Lücken meiner fest verankert sind, dass ich mich glücklich, sorgenlos und sicher fühle, und es reicht ein einziger Blick von ihm mit seinen strahlenden Tiefen aus, dass sich all meine Gedanken um ihn drehen und dass mein Herz die Silben seines vollständigen Namens schlägt. Es reicht ein einziges Lächeln von ihm aus, dass ich mich vollkommen fühle, und es reicht ein keuscher Kuss seiner weichen Lippen auf meiner Wange aus, um mich in die Geborgenheit seiner Nähe versinken zulassen; um die Tür meines Zuhauses zu betreten und zu wissen, dass ich hier immer willkommen bin. Hier wird man mir nie wehtun, und wenn doch, dann nicht mit Absicht. Dann nur, weil es menschlich ist und dann wird der Schmerz auch menschlich sein und schnell wieder vergehen.

Und dann gehen wir wieder in sein Familienhaus.

~*~

Es ist das erste Mal, dass wir gemeinsam in einem Bett liegen, aber Tom hat darauf bestanden, dass ich nicht gleich nach dem Abendessen gehe. Ich habe auch nicht gehen wollen. Und will es immer noch nicht.

Mein Kopf ruht auf seiner Schulter, sein Arm liegt um mich, und meine Nasenspitze berührt seinen Hals, atmet tief den Geruch von Sonnenlicht und beruhigender Morgenluft ein. Unsere Beine liegen ineinander verschnürt, und Tessa hat irgendwo dazwischen noch einen Platz für sich gefunden. Tom drückt sein Kinn gegen meine Stirn, und zwischen uns herrscht diese Art von Stille, die weder unangenehm noch angespannt ist. Sie ist friedlich, entspannend, und wir beide scheinen in der Nähe des anderen einfach versinken zu wollen, klimmen schweigend uns vorwärts in das Labyrinth des anderen. Ich male mit meinen Fingern kleine Kreise auf seiner Brust über dem Kleidungsstoff, und sein Herzschlag spielt wieder mit meinem Herzen ihre süße Melodie. Es ist die Melodie der Zweisamkeit.

„Deine Mutter hat dich also dazu überreden können, in England zu bleiben", unterbreche ich unsere Suche nach dem Ausgang und lasse meine Kreise ruhen, „warum wolltest du nach Amerika?"

„Ich weiß nicht", antwortet er bedacht, und er klingt ganz entspannt, als könnte er jeden seiner Gedanken verstehen und ausdrücken, „vielleicht habe ich mir gedacht, dass es interessant wäre, woanders zu wohnen. Etwas anderes sehen. Nicht immer dieselbe Gesichter und Wände."

„Aber du kommst doch gut um die Welt."

„Ja, und ich freue mich auch immer darauf, meine Familie wiederzusehen. Aber irgendwie hat es sich nach einer Weile nicht mehr so angefühlt wie früher."

„Ich kenne das. Und aus dem Grund bin ich ausgezogen." Ich rege mich etwas, sodass ich ihm besser in das Gesicht blicken kann, und jetzt sehen wir uns direkt an. Er sieht mir in die Augen. Und sein Blick geht tiefer als bei jedem anderen Menschen. Als würde er etwas in mir erkennen, das sonst niemand sieht.

„Welcher Grund?", fragt er mich rau und hebt seine Hand, um mir die Strähnen hinter das Ohr zu schieben. Dann lässt er seine Finger über meine Wange tanzen, und mein Herzschlag springt aus der Reihe, wird polternder, weil es etwas fühlt, von dem er nichts weiß, aber es will, dass er es unbedingt erhört.

„Das Erwachsenwerden", antworte ich ihm, „irgendwann merken wir, dass es die Zeit für uns ist, unser eigenes Leben zu gehen. Entscheidungen zu treffen, die unser Leben von Grund auf verändert werden."

„Hast du das schonmal? Eine Entscheidung getroffen, die dein ganzes Leben verändert hat?", will er neugierig wissen und malt mir eine kleine Sonne auf die Wange.

Ich denke an Bubbles, an mein blondes Haar, an E.H. Soulshot und an ihn, den wunderbewirkenden Sonnenjunge. „Ich habe schon einige von diesen Entscheidungen getroffen, und manchmal sind es nicht diejenigen gewesen, von denen man es erwartet, das sie dein Leben verändert werden. Es ist jede Entscheidung."

„Was ist deine Lieblingsentscheidung gewesen?" Über diese Frage muss ich schmunzeln. Ich habe nicht daran gedacht, dass es so etwas wie eine Lieblingsentscheidung gibt, aber mir gefällt dieses Wort. Ich mag es. Es ist so vielseitig, und ihre Antwort kann eine Menge über eine Person aussagen.

Ich schließe mit einem Lächeln die Augen, als er mit seinem Fingern weiterwandert und über meine Wimpern streichelt. Seine Berührung ist achtsam, sorgsam, weil er nicht vergessen hat, wie schnell ich zusammenfallen kann.

„Ich glaube, meine Lieblingsentscheidung ist diejenige, wo ich angefangen habe, mich selbst zu sehen und nicht länger vor meinem eigenem Spiegelbild zu verstecken. Es ist anfangs sehr hart gewesen, aber irgendwann... ist es unglaublich leicht geworden. Aber das ist immer so, wenn man etwas Neues lernt. Der Anfang ist nie leicht." Kurz lassen wir beide diese Worte in uns sacken, dann rede ich weiter: „Und was ist deine Lieblingsentscheidung, Tom?"

Ich schlage wieder die Augen auf, und er sieht mich an. Und ich habe keine Zweifel daran, dass er nicht mein wirkliches Ich sieht. Ich erwidere seinen Blick mit derselben Hingabe und Tiefe, und seine Augen glänzen auf, als hält er das ganze Licht des Universums darin gefangen.

„Du", gesteht er honigrau und seine Hand hält meine Wange, aber seltsamerweise zittert sie ein bisschen dabei, „dich anzusprechen hat alles verändert."

Ich habe erwartet, es wäre seine Rolle als Spider-Man gewesen, oder Tessa. Oder überhaupt die Entscheidung, sich dem Tanzen und der Schauspielerei zu widmen. Aber ich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen, schließlich ist er der wunderbewirkende Sonnenjunge, und ich bin das außergewöhnliche Feathergirl, das er für seine Magie braucht. Aber ganz sicher nicht seine Lieblingsentscheidung, und irgendwie doch. Ich erinnere mich an Harrisons Worte, daran, dass er mich braucht und dass Tom angeblich von Geistern heimgesucht wird.

„Was hat sich verändert, Tom?", frage ich und stütze mich auf. Er blickt zu mir hinauf, und ich kann das Flackern von Wehmut sehen. Die grauen Wolken, wie sie sich langsam heranschleichen. Ich verspüre dieses Mal keine Angst. Ich bin bereit, seinen Geistern zu begegnen und sie so zu vertreiben wie er meine in die Finsternis jagt.

Er verzieht das Gesicht, und dieser Ausdruck von Qual in seinem Antlitz ist mir neu. Aber ich kenne ihn. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich seinen eigenen Geistern zu stellen, sie zu fassen, weil am liebsten will man gar nicht an sie denken. Doch das Problem ist, sie sind ein Teil von dir. Sie gehören zu dir – und man kann sie nur vertreiben, wenn man sich ihnen gegenüberstellt.

„Ich finde wieder zur Realität zurück", sagt er und richtet sich ebenfalls auf, als wäre das Bett plötzlich mit Spitzen bestickt. Tessa wacht davon auf und sieht ihn wohl mit denselben Sorgen an wie ich ihn auch. „Der ganze Ruhm... Er hat mich fast zerstört." Er steht auf und fängt an, im Raum hin- und her zu laufen, sich wild durch das braune Haar zu streichen, ohne dass der Schmerz in seinem Gesicht weniger wird. „Ich bin immer weiter nach oben gestiegen. Wie mit einer Rakete weit in das Universum hinaus. Aber ich habe all das vergessen, was mich am Grund gehalten hat. Meine Familie, meine Freunde, Tessa... Ich habe in der Nacht gelebt und am Tag bin ich leer gewesen. Ich habe mich praktisch vom Ruhm ernährt, weil ich nicht anderes mehr wollte. Ich habe mich besser gefühlt, wenn man mir zu gejubelt hat und mich erkannt hat, als wenn mich niemand erkannt hat und mich so behandelt hat wie jeder anderer. Ich habe angenommen, ich wäre besser als die. Besser als die, die hinter irgendwelchen Servicetheken hocken und so jemand wie mich bedienen müssen. Ich habe mir von keinem mehr etwas sagen lassen. Habe mein eigenes Ding gemacht. Habe auf Instagram und Twitter so viel hochgeladen, weil ich süchtig danach gewesen bin. Süchtig nach den Fans und ihre Reaktionen darauf. Es hat mich als einziges lebendig fühlen gelassen, weil ich sonst nichts anderes mehr gefühlt habe. Dieses Denken hat mich aber auch gleichzeitig ausgesaugt. Wenn nichts um mich herum geschehen ist, bin ich fast verrückt geworden, weil ich nicht länger daran gewöhnt gewesen bin. An das normale Leben. An die Stille, wenn man niemand ist, außer sich selbst und kein berühmter Schauspieler. Ich habe mich einfach selbst verloren, und das habe ich nicht gewusst. Ich bin ein sinkendes Schiff gewesen, während ich geglaubt habe, eine steigende Rakete zu sein.

Meine Familie und Freunde haben mich so behandelt wie davor, aber genau das habe ich nicht gewollt. Ich wollte von ihnen auch so gesehen werden wie es meine Fans tun, und deshalb habe ich ausziehen wollen, Emilia. Ihre Liebe ist für mich nichts gewesen, war nicht gut genug für mich, und ich habe gedacht, sie würden mich mit falschen Augen sehen, mir nicht den Ruhm gönnen, weil sie ständig gesagt haben, ich soll eine Pause nehmen, soll aufhören, mich so egoistisch zu benehmen und mehr an sie denken... für mich hat nur eines gezählt: Weiter hinaus zu gehen, der hellste Stern von allen zu werden. Ich habe gedacht, es wäre der richtige Weg. Habe gedacht, es wäre besser dorthin zu ziehen, wo man mich immer kennen wird... Ich habe sogar eine Wohnung in Los Angeles gefunden und wäre nach der Premiere von Infinity War auch dorthin gezogen, aber dann..." Kurze Pause, und wir starren uns beide einfach an. Er mit Tränen in den Augen, ich mit Schock und trockenem Mund. „Aber dann bin ich dir begegnet. Und ich weiß nicht, ob es einfach du gewesen bist oder die Tatsache, dass du diese Worte auf deine Haut geschrieben hast, aber ich habe mich dasselbe in diesem Augenblick gefragt. Und wieder richtig gesehen."

„Welche Worte?", frage ich mit kratziger Stimme.

Er lächelt traurig, und einige Tränen rollen seinen Wangen hinab. „Warum bin ich so ein Monster?"

Ich erhebe mich vom Bett und gehe mit schweren Herzen auf ihn zu.

„Ich habe meine eigene Familie zurücklassen wollen, nur weil ich so verfressen vor Ruhm gewesen bin und weil ich vergessen habe, woher ich komme... Ich habe sie schlecht behandelt. Alle. Ich habe sie einfach von mir schütteln wollen, ein neues Leben beginnen wollen, weil ich angenommen habe, mein derzeitiges Leben würde mich nicht glücklich machen, aber das stimmt nicht. Ich habe es nicht zugelassen, glücklich in diesem Leben zu sein, und jetzt..." Er schnieft und macht einen Schritt auf mich zu. „Jetzt stehe ich vor dir und weine wie ein jämmerlicher Kerl, obwohl ich so glücklich bin. Dieses Leben hier macht mich so endlos glücklich, und ich will es nicht mehr tauschen. Und ich habe nur zurückgefunden, weil ich mich für dich entschieden habe, Emilia. Nicht für Los Angeles und den Ruhm, sondern für dich und mein Leben bei meiner Familie. Und doch..." Er hält kurz inne, als ich meine Arme tröstend um ihn schlinge und mein Gesicht an seiner Brust vergrabe. „Und doch habe ich ständig die Angst, zu sinken. Und dann bin ich verloren, weil ich mich verloren habe. Und das will ich nicht, verstehst du?"

Ich nicke und lasse es zu, dass er mich verzweifelt an sich presst, während er sein Gesicht in meinen Haar versteckt. Lasse es zu, dass seine Tränen meinen Ansatz nass machen, und lasse es zu, dass er sein ganzes Leid herauslässt. Weil ich habe verstanden, dass er mich braucht, dass er meine Nähe braucht und dass er auf derselben Suche wie ich nach einem Zuhause ist. Aber es gibt keine Suche mehr, wir beide haben es nämlich gefunden.

„Du lässt mich wieder klarsehen, außergewöhnliches Feathergirl", flüstert er mit erstickender Stimme und sein Lächeln ist spürbar matt, „und ich werde meinen Blick nie von dir wenden."

Er klammert sich so an mich, als wäre ich sein letzter Halt, und irgendwie schaffen wir beide es zurück auf das Bett. Er lässt mich nicht los, mein Kopf findet wieder seinen Platz zurück auf seine Schulter, als wäre er nur für diesen bestimmt, und Tom weint stumm gegen meine Stirn. Ich greife nur nach seiner Hand und verschränke sie fest mit meiner, lasse ihn das Gefühl erreichen, dass er nicht allein ist, dass ich da bin und ihn daran hindern werde, zu fallen. Schließlich ist ein Zuhause nicht nur für eine Person bestimmt. Es ist für zwei gemacht, und Tom ist die zweite Person meines Zuhause.

Nun kenne ich seine Geistern, und ich begegne diese Art von Geister nicht zum ersten Mal. Ich kenne sie von meinem Bruder, kenne ihre Auswirkungen auf eine einzelne Person und wie zerstörerisch sie sein können. Ich erinnere mich daran, wie mein Bruder plötzlich so hart zu mir geworden ist, als er mir an den Kopf geworfen hat, dass ich seine Probleme nicht verstehe, weil ich nicht berühmt bin; wie er sich von mir und der ganzen Familie abgeschottet hat und sich für einige Wochen nicht mehr bei uns gemeldet hat. Er hat für zwei Monate in Amerika gelebt, ohne es zu sagen, hat uns nicht geschrieben, als würden wir nicht mehr existieren, und dann habe ich den Mut gefunden, nach ihm zu sehen.

Und, als ich ihm damals besucht habe, habe ich das Gefühl gehabt, einen Fremden zu besuchen. Seine Augen sind schrecklich leer gewesen, fast schwarz vor Nichts, und seine Haltung ist schlapp und müde gewesen, als könnte er sich nur noch mit Mühe aufrecht halten. Er hat mich angesehen, und mich für eine Illusion gehalten. Er hat gedacht, niemand würde ihn für sein Verschwinden verzeihen, und dann stand da ich vor ihm und war bereit, ihn zurück mit nach Hause zunehmen. Er hat mich so angesehen, als wäre ich die letzte Hoffnung, das Rettungsseil, wonach er greifen muss, um wieder zurückzufinden.

Ich bin für eine Woche bei ihm geblieben. Manchmal hat er durch mich gesehen, und manchmal hat er mich wahrgenommen. Und dann hat er gelächelt, während er den Tränen nahestand. Den letzten Tag der Woche, dem Sonntag, sind wir mit seinem Auto losgefahren. Irgendwohin. Und dann sind wir abends auf einem Berg gestanden und haben eine angekündigte Sonnenfinsternis beobachtet.

Und dann hat mein Bruder gesagt: „Du musst es dir so vorstellen, um mich zu verstehen, Sweetheart: Die Sonne, das bist du, und der dunkle Schatten, das sind deine Probleme. Und die Schatten werden immer mehr von dir einnehmen, ohne dass du es verhindern kannst. Sie werden dich vollständig übernehmen, und dann ist alles in Finsternis getaucht. Dann siehst du nicht mal mehr dich selbst. Aber irgendwann ist auch das vorüber, aber nur wenn du kämpfst. Wenn du siehst, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Und du wirst nicht von heute auf morgen die Schatten besiegt haben, aber mit der Zeit werden sie verschwinden. Sowie bei einer Sonnenfinsternis die Sonne allmählich wieder hinter der Dunkelheit hervorkommt. So musst du es dir vorstellen. Jeder von uns ist eine Sonne."

Dann ist er mit mir zurück nach England gekommen, und seitdem ist sein Licht nie wieder in der Finsternis gewesen.

Und der wunderbewirkende Sonnenjunge hat nicht grundlos das Wort „Sonne" in seinem Titel.

Auch er wird seine eigene Finsternis bekämpfen können.

Irgendwann ist es so spät, dass mich Tom zurück nach Hause fahren muss, bevor mein Bruder noch die Polizei alarmieren wird. Das wäre jedenfalls nicht das erste Mal. Wir gehen händchenhaltend nach unten zu seiner Familie, und die Augenpaare seiner Familie wandern wie bei einem Tennismatch zwischen uns beiden her. Ich wünsche mir, wir beide könnten sagen: „Ja, wir sind zusammen." Aber das sind wir nicht.

Wir sind der wunderbewirkende Sonnenjunge und das außergewöhnliche Feathergirl.

Was das Tom bedeutet, kann ich immer noch nicht genau deuten.

Mir bedeutet es alles.

Als wir bei wieder am Parkplatz ankommen, wo er mich auch abgeholt hat, steigt er noch aus und stellt sich vor mir. Seine Nase ist noch verstopft und seine Augen leicht rötlich – beides wegen dem Weinen. Er lächelt mich an, und es ist ehrlich und warm. Seine Augen leuchten braun und tief, dann rückt er heran und legt seine Stirn gegen meine, seine Arme um mich gelegt. Und sein Duft hüllt mich wie eine zweite Hautschicht ein, die mich zusammenhält.

„Wieso kannst du nicht bei mir bleiben?", fragt er leise und sieht mich mit seinem herzzerreißenden Wunsch an. Ich wünsche mir dasselbe, aber ich kann es nicht. Es gibt noch eine andere Sonne, die sich wieder in ihrer Finsternis verloren hat.

„Vielleicht sollte ich endlich mit meinem Bruder reden", sage ich und es ist eher mehr an mich gerichtet als an ihn.

„Glaubst du, es könnte etwas ändern?"

Ich blicke ihm unsicher in die braunen Tiefen, und ich will nicht daran denken, gleich wieder mein Zuhause verlassen zu müssen.

„Ich hoffe es."

„Ich kann auch mit dir kommen", kommt es eilig über seine Lippen, und ich muss bei dem Aufleuchten seiner Augen lächeln. Er ist so zerbrechlich und so schön. „Dann musst du das nicht alleine tun."

„Das wäre eine schlechte Idee, Tom", versuche ich auf dem Boden zu bleiben und nehme meine Hand, um ein paar seiner wilden Locken auf dem Kopf zu zähmen, „es ist unser erstes Treffen hinter seinem Rücken gewesen, und ich will nicht, dass es auch unser letztes sein wird."

Er scheint zu verstehen und nickt so gut es geht, während er seine Stirn gegen meine drückt. „Dann sehen wir uns bald wieder?", grinst er atemberaubend, und mein Herz rast schneller.

„So bald wie es im Holland-Vokabular steht", erwidere ich.

Er bewegt sich nicht, sieht mir einfach nur tief in die Augen, als könnte er das den Rest seines Lebens tun, und wir beide müssen plötzlich lächeln, als hätten wir den Gedanken des anderen erraten.

„Ich muss dir noch was sagen."

Tom verzieht irritiert das Gesicht und geht einen Schritt zurück, als ahne er etwas Schlechtes. Aber da ist nichts in diese Richtung sein wird, greife ich nach seiner Hand und lasse für das letzte Mal heute Abend meine Finger zwischen seine Lücken gleiten, als gehören sie nur diesen. Ich mag diesen Gedanken. Es ist schön, daran zu denken, dass er zu mir gehört und ich zu ihm. So richtig.

„Du bist kein Monster, Tom. Du bist mein wunderbewirkender Sonnenjunge, und damit jemand ganz Besonderes und Schönes. Und ich werde alles dafür tun, dass du niemals dein Licht verlieren wirst." Und dann lasse ich seine Finger los und mache mich auf den Weg in meine Wohnung.

Verliebtsein ist verrückt. Selbst, als ich schon für eine Stunde in meinem Zimmer liege und neue Interviews beantworte, rieche ich ihn immer noch. Der Geruch von Sonnenlicht und kalter Morgenluft. Und Geborgenheit. Und Tom. Es ist, als wäre er noch irgendwie bei mir, und mein Herz schlägt immer noch dieselbe Melodie wie in seiner Nähe. Es ist, als hätte ich mein Zuhause gar nicht verlassen. Als wäre es fest in meinem Herzen verankert sowie Toms Finger immer zwischen meinen. Und ich glaube irgendwie, dass das stimmt. Dass Tom zu einem Teil meines Herzens geworden ist. Vielleicht ist das so bei der Liebe. Vielleicht ist es ganz normal, dass, wenn man in jemand verliebt ist, dieser auch ein Teil deines Herzens wird. Und es ist der wichtigste und schönste Teil von allen.

Und endlich habe ich eine Antwort auf die eine Frage.

~*~*~

E.H. Soulshot gesteht, dass Tom Holland eine Inspiration für ihr neues Werk sein wird. Aber wie kommt es dazu?

In ihrem letzten Interview ist die Bestseller-Autorin gefragt worden, warum sie dem jungen Schauspieler auf Instagram folgt. Damit ist er der dritte Account, den sie abonniert. Unter anderem auch Stephen King und Chris Patt. Ihre Antwort ist mehr als un-soulshot, weil sie sonst nicht so viel über ihr privates Leben bekanntgibt. Aber diese Frage hat es ihr wohl oder übel angetan.

„Tom Holland ist ein sehr talentierter Schauspieler. Er hat noch vieles zu lernen, weil das Leben als Sternchen bringt immer mal wieder eine Hürde mit sich. Aber ich denke nicht, dass er das nicht schaffen wird. Er hat eine starke Persönlichkeit und wird von so vielen Menschen geliebt, dass er genau weiß, woraus er seine Kraft ziehen muss. Man sieht, dass er in den letzten Monaten eine Veränderung durchgemacht hat. Seine Instagramposts werden von jemand anderes reagiert – von einem unbekannten Mädchen. Und sie scheint eine große Rolle in seinem Leben zu spielen. Und das inspiriert mich dazu, bald ein neues Werk zu veröffentlichen. Aber es wird nicht zu meiner Sensenmann-Reihe gehören. Es wird ein einmaliges Werk sein. So wie wir alle einmalig sind."

Und damit fragen wir uns alle: Wer ist eigentlich dieses Mädchen an der Seite des jungen Darstellers? Sein letzter Post lässt daraufhin deuten, dass sie mehr als bloß eine Freundin ist. Es ist ein Bild von seiner geliebten Hündin Tessa und dem Mädchen. Beide schlafen. Das Mädchen hat den Arm um die blaue Hündin gelegt, ihr Gesicht in ihrem Fell vergraben, während nur ihr blondes Haar zu erkennen ist. Tom Holland hat dem Bild den Untertitel „Meine zwei Lieblingsmädchen in der Welt" gegeben und den Hashtag #mywholeworldinonepicture verpasst. Es ist mehr als eindeutig, dass es sich hierbei um Tom Hollands neue Freundin handelt. Aber was bedeutet das für Zendaya?

~*~*~

„Wie lange werdet ihr für die Erdnussbutterpancakes brauchen?" Paddy blickt mich mit grauen Hundeaugen an und reibt sich den restlichen Schlafsand aus den Augen. Der kleine 13-jährige trägt einen grünen Pyjama mit einem Dinosaurierprint, seine roten Haare stehen wild ab, was ihn zuckersüß wirken lässt, und er ist der erste der Hollands-Brüder, der nach Tom wach ist. Tom ist aber auch nur so zur frühen Morgenstunde wacch, da wir uns den Tag davor über meine Erdnussbutterpancakes unterhalten haben und dass er sie unbedingt mal probieren will. Nach unserem letzten Treffen, wo ich ihn und seine Brüder bei Mario Kart fertiggemacht habe, bin ich auch froh darüber, mal der Familie etwas Gutes beisteuern zu können. Sie alle kümmern sich so liebevoll um mich, haben mir beim zweiten Treffen sogar mein Lieblingsessen gekocht, und Mama Holland hat mir ständig Vorschläge für ein Fotoshooting gemacht. Ihre letzte Idee ist ein Shooting in einem Sonnenblumenfeld, und da haben sogar die anderen gemeint, dass das eine tolle Idee wäre. Was so viel heißt, dass ich bei unserem nächsten Treffen in einem Sonnenblumenfeld stehen darf.

Die anderen treffen sind meistens so abgelaufen, dass ich einfach mit Tom in seinem Bett gelegen bin, wir gemeinsam „Prinz von Bel-Air" angeschaut haben und einfach die Nähe des anderen genossen haben, weil wir nicht mehr gebraucht haben, um einen schönen Tag zu haben, als unsere geborgene Zweisamkeit.

„Das kommt darauf an, wie lange Tom braucht, um das Mehl zu finden", antworte ich dem Kleinen und Tom schenkt mir einen bösen Blick, während er weiter in den Schränken nach dem Mehl sucht.

„Ich koche ja auch nicht so oft", verteidigt sich dieser und streckt sich zum oberen Regal hoch. „Und das auch nicht 8 Uhr morgens an einem Samstag!"

„Sssshh!" Ich lege mir einen Finger an die Lippen. „Du musst nicht die anderen wecken."

Paddy kichert amüsiert bei dem empörten Gesichtsausdruck seines Bruders. „Dann kann ich noch eine Runde schlafengehen."

„Schlaf schön, Paddy." Er erwidert mein Grinsen halbverschlafen, und wandert schlürfend zurück in sein Zimmer hoch. Paddy ist der einzige von Toms Brüder, der mich bei der Mario Kart Runde nicht in den Pool schmeißen wollte, und vermutlich liegt das daran, weil wir uns beide im Geheimen gegen die anderen verschwört haben, um als Erster und Zweiter zu gewinnen. Paddy mag es auch, wenn ich ihm abends vor dem Schlafengehen aus „Der kleine Prinz" vorlese sowie ich es früher gemocht habe. Harry und Sam dagegen haben ihren Spaß darin gefunden, mich und Tom aufzuziehen, weil wir so oft in seinem Zimmer verschwinden. Aber die beiden können (noch) nicht verstehen, wie es ist, wenn du dein Zuhause in einer anderen Person gefunden hast und wie süchtig die Geborgenheit davon macht. Es ist so, als brauchst man nicht mehr zum Leben als diese eine Person.

„Ich habe es gefunden!" Tom reicht mir das Mehl und schaut mich nicht an. Er starrt lieber in sein Smartphone und scrollt offensichtlich durch sein Instagramfeed. Das tut er schon den ganzen Morgen über.

„Ist alles okay?", frage ich und messe dabei die richtige Menge vom Mehl ab.

„Schwer zu sagen", antwortet er knapp, „aber das ganze Internet flippt seit einigen Tagen aus, weil ich E.H. Soulshot wohl zu ihrem neuen Werk inspiriert habe. Oder besser gesagt: Wir beide tun es."

„Wir beide?", versuche ich ganz ahnungslos über die Lippen zu bringen und vermische nun alle Zutaten miteinander, um daraus den Teig für die Pancakes zu formen.

„Ja, sie hat in einem Interview behauptet, ich würde sie inspirieren – und dass dieses Mädchen in meinen aktuellen Posts wohl eine große Rolle in meinem Leben spielt."

„Und? Tut sie das?" Mein Herz schlägt vor Aufregung wild gegen meine Brust, meine Hände werden schwitzig, und ich befürchte, dass mich das alles noch auffliegen lässt.

Er lässt mich länger warten als ich gedacht habe, und deshalb wende ich mich ungeduldig zu ihm herum, bloß damit mir plötzlich eine Wolke von Mehl direkt in das Gesicht fliegt.

„Du kennst die Antwort darauf", sagt er dann und lacht los.

Ich wische mir hustend das Mehl halbwegs aus dem Gesicht und verschränke die Arme vor der Brust. „Nein, weiß ich nicht."

„Oh doch! Du willst es nur nochmal hören." Er greift wieder in die Packung vom Mehl, bereit, mich damit wieder zu bewerfen.

Ich weiche einen Schritt zurück, löse dabei meine Arme voneinander und lasse einen langsam zum Backpulver gleiten. „Und wenn es so wäre?"

Auf einmal löst er die Distanz zwischen uns auf und lächelt mich mit schimmernden Tiefen an. „Dann sag ich es dir noch einmal, Emilia: Du bist mein außergewöhnliches Feathergirl. Und nichts wird das ändern."

Und dann ist sein hübsches Gesicht schon ganz weiß vor Backpulver.

„Man soll Menschen nicht als einen Besitz sehen", sage ich, und schon landet die nächste Ladung Mehl in meinen Haaren.

„Du hast damit angefangen!"

Backpulver fliegt unter Gelächter gegen seine Stirn.

„Lügner!"

Mehl verstopft mir bei seiner nächsten Attacke fast die Nase, und ich muss husten und lachen, und meine Brust fühlt sich so frei und unbeschwert an.

„Du hast mich als dein wunderbewirkenden Sonnenjunge betitelt. Erinnerst du dich noch daran?", meint er und nun hebt er mit beiden Händen das Mehl hoch. Ich habe schon eine böse Vorahnung und will flüchten, da hält er mich bereits am Handgelenk fest und zieht mich zu sich. „Oder ist das etwa alles eine Lüge gewesen?" Er zieht die Augenbrauen hoch, das Licht flackert wild in seinen Augen, und sein Lächeln ist verstohlen und anziehend.

„Ich kann dich nicht anlügen", gestehe ich ihm und reiße hinter meinem Rücken ein neues Päckchen Backpulver auf, „du bist mein wunderbewirkender Sonnenjunge."

Und dann schmeißen wir uns beide die wohl dickste und fetteste Schicht aus Backpulver und Mehl in die Gesichter. Und dann lachen wir so laut und sorgenfrei, dass wir irgendwann zu Boden gehen, und auch dort liegen wir in Mehl und Backpulver. Es ist, als hätte es mitten in der großen Küche geschneit, und ich und Tom sehen uns durch weiße Schichten an.

„Ich hoffe, das neue Werk von E.H. Soulshot wird auch genauso schön wie du bist", sagt er und pustet ein bisschen Pulver von seinen Lippen.

Ich bin froh, dass er durch das Mehl nicht die Röte auf meinem Gesicht sehen kann, und lehne meine Wange gegen seine Schulter. Mit der Hand fahre ich ihm schließlich so durch die braun-weißen Locken, dass es unaufhaltsam über uns Backpulver schneit.

„Ich glaube, die Pancakes werden wohl noch ein Weilchen dauern", grinst er mich an, und dieses Grinsen muss man einfach erwidern. Wenn man das nicht tut, dann ist man eindeutig herzlos – und nicht in Tom Holland verliebt.

„Damit habe ich kein Problem. Du?"

Er schüttelt den Kopf, und noch mehr Schneeflocken fallen hinab. „Solange du bei mir bist, brauche ich auch keine Erdnussbutterpancakes. Auch wenn sie bestimmt lecker gewesen wären..."

Ich verdrehe die Augen und lege meine Hand an seine Wange. Durch das Pulver kann ich ihm eine sichtbare Sonne aufmalen. Und er macht dasselbe bei mir, sodass wir wieder ganz dicht beieinander sind und uns ansehen können. Und ich habe das Gefühl, dass er mit jedem weiteren Strich tiefer in mein Labyrinth durchdringt und das Ende immer mehr in Sicht ist, aber da ist etwas, das ihn daran hindert, es zu sehen. Und ich verzweifle noch daran, nicht zu wissen, was es ist.

„Und was sollte das hier werden?" Mama Holland steht auf einmal in einem pinken Morgenmantel gegen den Türrahmen gelehnt und verschränkt mit einem Schmunzeln die Arme vor der Brust.

Ich und Tom sehen uns flüchtig in die Augen und lassen voneinander ab.

„Äh... Ich wollte Erdnussbutterpancakes machen", antworte ich ihr.

„Dann solltest du als Erstes duschen. Tom, geh du oben zu meinem Schrank und hol das alte Kleid von mir, das mir nicht mehr passt. Es müsste ihr passen."

„Oh, das ist echt nicht nö..."

„Glaub mir, Emilia, du willst nicht in einer von Toms Pullis gesteckt werden, die er schon seit Monaten nicht gewaschen hat. Das möchte ich dir ersparen." Sie blickt ihren Sohn belustigt an.

„D-Danke", sage ich nur und stehe dann auf. Auf Toms rechter Wange ist eine Sonne, auf der andere ein Herz und auf der Stirn steht Sonnenjunge. Als ich im Badezimmer bin und mein Spiegelbild anschaue, sehe ich, dass mein ganzes Gesicht mit Herzen übersät ist. Und auf meiner Stirn steht ganz groß und fett „meins." Ich lächle dämlich und fasse mir an die Brust, fühle meinen holprigen Herzschlag; fühle, wie mein Herz sich sofort wieder nach Tom sehnt. Es ist eine wunderschöne Vorstellung, Tom seines sein zu können, und ich wünsche mir, ich könnte das. Zu ihm gehören. So zu ihm gehören, als wäre ich sein zweiter Herzschlag – denn er ist mit Sicherheit zu meinem zweiten geworden. Ich kann das durch mein Herz spüren, und ich weiß, dass es das einzige Organ ist, das mir immer die Wahrheit sagen wird. Und ganz besonders, wenn es die Liebe trifft.

Ich sehe wieder in mein Spiegelbild und direkt in meine Augen. Und ich bin überrascht. Positiv. Als ich mich das letzte Mal im Spiegel gesehen habe, haben meine Augen nicht so geleuchtet. Sie sind von grauen Wolken besetzt gewesen, haben kein einziges Licht durchdringen lassen. Mein Blick hat sich selbst gefragt, wer dieses Mädchen vor ihm ist, und ich habe mich gefragt, ob ich wirklich dieses Mädchen im Spiegelbild bin. Und jetzt bin ich mir hundertprozentig sicher, dass ich dieses blonde Mädchen bin, das überall an ihrem Körper Mehl haften hat. Dieses Mädchen, dessen grünen Augen so klar und unbeschwert leuchten, als wüsste sie, dass sie unberechenbar ist; und diese grünen Augen können Wunder und Magie sehen, können eine Welt sehen, in der es sich lohnt, wach zu bleiben; und da liegt dieses Lächeln auf ihren Lippen, das schön und angenehm ist. Dieses Lächeln, das nur aus dem Grund da ist, weil sie sich endlich gefunden hat – und ihr sicheres Zuhause. Sie hat ihr Zuhause im wunderbewirkenden Sonnenjunge gefunden, und es ist das schönste und wärmste Zuhause, das sie sich jemals hat vorstellen können.

Dieses Mädchen im Spiegelbild lebt endlich.

~*~

„Die Pfannkuchen sind so lecker!", strahlt Paddy über das ganze Gesicht und legt sich gleich wieder zwei weitere Stück auf den Teller. „Die hast du wirklich super gemacht, Emi!"

„Danke", bedanke ich mich wohl schon zum hundertsten Mal am Tisch, nachdem der Rest der Hollands aufgewacht sind und sich am Esstisch versammelt haben. Die Pfannkuchen habe ich nach meiner Dusche gemeinsam mit Mama Holland fertiggemacht, und Tom hat sich derweil selbst unter dem Wasser verzogen. Als er zurückgekommen ist, habe ich mal wieder über seine Kleidungswahl grinsen müssen. Seine Mutter hat mir ein schlichtes, schwarzes Kurzarmkleid mit hohen Kragen gegeben, das mir bis über die Knie geht, und Tom hat sich einfach ganz in schwarz gekleidet. Ein Rundhalsshirt und enge Jeans. Und eine Farbe, die ihm unglaublich gutsteht.

„Du hast nicht gelogen, als du gesagt hat, dass sie wie der Himmel schmecken", grinst Tom neben mir und wir beide haben unter dem Tisch unsere Hände miteinanderverschränkt. Es ist, als wollen wir beide nicht die Verbindung zueinander unterbrechen. Als müssen wir aneinander festhalten, um unser Zuhause zu spüren. Und ja, ich spüre es. Die Geborgenheit, die Sicherheit und die Akzeptanz.

„Dann müsst ihr erstmal meine Nacho Bowl probieren", sage ich und schiebe mir das letzte Stück meines Pancakes in den Mund. Die Mischung von Erdnussstückchen, Ahornsirup und geschmolzener Schokolade ist ein Fest im Gaumen. Ich könnte mich nur noch davon ernähren, würde ich nicht so eine Schwäche für Melone und Asiatisch haben.

„Kann Emilia nicht mal bei uns übernachten?", fragt Harry und der Rest der Runde starrt zu ihren Eltern.

„Nun, wir beiden hätten bestimmt nichts dagegen", lächelt Mama Holland und ihr sanftes Lächeln ist genau das, was man von einer Mutter kennt. Vollkommen mit Liebe. „Wenn du willst, kannst du gerne auch heute Nacht bleiben. Oder auch mal ein ganzes Wochenende. Dann können wir unser Shooting besser planen."

Ich lasse die Gabel los, bevor ich noch den Teller kaputt hämmere. „Ich würde echt gerne, aber das geht leider nicht."

„Oh..." Paddy blickt traurig zu dem Stapel Pancakes vor sich. „Warum nicht? Ich hätte so gerne mal mit dir die Verfilmung von „Der kleine Prinz" angeschaut."

„Und ich will immer noch eine Revanche-Runde bei Mario Kart", meldet sich auch Sam zu Wort und sein Blick sagt alles. Er hat meinen Sieg immer noch nicht verkraftet. Typisch, wenn man am Anfang so geprahlt hat, man könnte alle schlagen.

Ich blicke zu Tom und er fängt meinen Blick flehend auf. Auch er will unbedingt, dass ich bei ihnen bleibe.

„Du könntest ihm sagen, dass du deine Zeit brauchst. Für dich."

Ich wünsche mir, das wäre so einfach. Aber mein Bruder weicht mir sein unserem letzten Gespräch aus, und das, obwohl meine Wohnung bereits so klein ist, dass es so etwas fast nicht möglich ist. Doch mein Bruder kriegt es irgendwie hin, und ich hasse es, dass er das so gut kann. Er kennt mich nämlich, um zu wissen, dass mir das irgendwann zu blöd wird, und dann lasse ich es. Allerdings will ich in diesem Fall nicht schnell lockerlassen. Ich will meinem Bruder vor dem Sturz bewahren.

Ich will gerade etwas sagen, als mein Handy vibriert. Und ich schiele kurz zum Bildschirm, um in großen Buchstaben „Natalie" aufleuchten zu sehen. Es ist das erste Mal seit SeaWorld, dass sie sich wieder bei mir meldet.

„Entschuldigt mich bitte", murmle ich und stehe auf. Ich gehe ins Wohnzimmer und nehme dann ab. „Ist etwas passiert?"

„Schalte den Fernseher sein!" Natalie klingt aufgeregt und völlig außer Atem. Und das passiert in seltenen Fällen. „Sofort! Auf BBC!"

Ich bin verwirrt und beunruhigt, doch ich finde schnell die Fernbedienung und hoffe, dass mir die Hollands diese Unhöflichkeit verzeihen werden. Dann schalte ich auf BBC – und halte den Atem an. Und es ist nicht nur der Atem, der anhält. Es ist auch meine Welt.

„Es ist schon wieder passiert", berichtet eine Frau in einem Studio und mehrere Nachrichten werden unten in einem blauen Balken erwähnt. Und sie alle handeln von einem einzigen Thema. „Es hat ein weiteres Opfer gegeben, und es sind dieselben Indizien wie auch bei den anderen beiden vorletzte Woche gefunden worden. Der Täter hat ihnen etwas in die Haut geritzt, und die Polizei hat bereits herausfinden können, dass die geschriebenen Wörter auf den Opfern im Zusammenhang zueinanderstehen. Sie ergeben einen Satz, und er ist wohl an eine bestimmte Person gerichtet. Die Polizei vermutet, dass es sich um einen Akt der Rache handelt."

Es werden die geritzte Wörter eingeblendet und via Computer zu einem Satz zusammengefügt.

Alles dreht sich um mich, und mein Magen stülpt sich, als müsste ich gleich brechen.

„Warte, Emilia", sagt Natalie am Hörer, „pass auf, was die Wörter sagen."

Aber ich muss nicht weiter warten.

Ich sehe die Worte klar und deutlich vor mir am Bildschirm flackern. Und ich sehe die Warnung darin.

Mord ist wie die Liebe. Es gehören immer zwei dazu.

Ein Zitat aus einem Werk von mir.

Plötzlich kommt eine Eilmeldung. Ein neues Opfer ist offensichtlich attackiert worden und befindet sich auf dem Weg ins Krankenhaus.

„Zuerst haben die Beamten angenommen, es würde sich um eine Art Promotion halten, da das neue Werk einer bekannten Autorin erst vor Kurzem wieder die Bestsellerliste erobert hat. Aber bei den Personen handelt es sich um echte Menschen – und damit echte Opfer. Die Polizei hat nichts an den Tatorten finden können und bietet darum, dass alle Bürger auf sich aufpassen. Am besten gehen sie heute das letzte Mal einkaufen und verlassen dann nicht mehr das Haus, bis der Täter gefasst worden ist. Die Polizei schließt nicht aus, dass es noch zu weiteren Morden kommen wird. Es könnte jeder sein – denn der Täter sucht kein x-beliebiges Profil. Er tötet jeden, den er bekommen kann."

Der Boden des Wohnzimmers ist kalt. So kalt wie mein eigener Körper.

„Emilia? Emilia?! Geht es dir gut?!" Natalie brüllt durch den Hörer zu mir, aber ich bin ganz weit entfernt von ihr. „Emilia! Bitte! Melde dich!"

Und plötzlich eine neue Meldung in den Nachrichten.

„Wir haben gerade die Nachricht erhalten, dass es sich bei dem neuem Opfer um den berühmten Schauspieler Tom Hiddleston handelt! Angeblich hat er mehrere Einstiche im oberen Bereich und sein Status ist kritisch!"

Ich schreie auf und Tränen brechen über mein Gesicht ein wie Glassplitter, während ein Hochhaus einbricht. Erst langsam, bis all die stützenden Balken nachgeben, knacken und ineinander sacken, und dann klappt alles mit einem Schlag zusammen und fällt auseinander.

„Emi!" Tom stürzt sich plötzlich über mich und fasst mich an den Schultern, damit ich mich nicht weiter auf dem Boden rolle. Er sieht mich panisch an, die braunen Tiefen flackern wild. „Was ist passiert?!", fragt er mich, aber seine Stimme dringt nicht ganz zu mir durch. Ich höre immer noch die Nachrichten vom meinem Bruder reden, davon, dass er in einer unbekannten Wohnung in London angegriffen worden ist. Sie nennen die Adresse. Es ist meine Wohnung. Und Tom kennt die Adresse und schnellt mit dem Blick zum Fernseher, weitet geschockt die Augen, als er den Nachrichtenbalken liest.

„Was... was passiert gerade in London?", fragt Paddy geschockt und starrt zu uns beiden. Ich habe mich mittlerweile in Toms Shirt gekrallt wie ein kleines Kind und weine gegen seine Brust. Ich umklammere den verletzlichen Stoff, als er mit seinen Armen unter meine Kniekehlen fährt und mich entschlossen hochhebt. Er weiß, dass es der Moment ist, den er nutzen muss. Der Moment, bevor ich ihm erneut entweichen könnte. Jemand schaltet den Fernseher aus, und es ist nur noch mein Schluchzen zuhören. Es fühlt sich so an, als würde gerade etwas in mir brechen, und es ist so viel mehr als bloß ein Hochhaus. Der Schmerz ist dumpf und tief wie eine Wunde, die einfach nicht aufhören will zu bluten. Ich kann mich nicht mehr an meine letzte Unterhaltung mit meinem Bruder Tom erinnern, oder daran, wie sich seine Umarmungen angefühlt haben. Oder wie er gerochen hat. Es liegt alles in einem Schleier verborgen. Dieser Teil meines Leben ist einfach verschwunden, und ich habe die Angst, dass er es für immer tun wird.

„Ich fahre dich ins Krankenhaus zu ihm, okay, Emi?" Tom berührt kurz mit seinen Lippen meine Stirn, als glaube er, diese Berührung könnte mich beruhigen. Aber es ein Kuss aus Verzweiflung, ein hilfloses Zeichen von Aufmunterung. „Und es ist mir egal, was er dann denken wird. Er braucht dich jetzt."

„Was ist los, Schätzchen?", fragt Mama Holland, als Tom sich langsam bewegt. Seine Schritte sind schwankend, als würde auch er gleich all seine Kraft verlieren.

„Emilias Bruder ist im Krankenhaus. Er ist von jemand in ihrer Wohnung angegriffen worden", sagt er und seine Stimme hat keinen Ton. Sowie mein Herz.

„Soll ich euch beide fahren?"

Er überlegt einen Moment, und ich spüre seinen Blick auf mir liegen. „Das wäre nett von dir."

Ein paar Wimmern weiter sitze ich auf Toms Schoß hinten in ihrem Familienjeep, während Mama Holland in einem rasenden Tempo fährt, das ihr noch ein mächtiges Bußgeld kosten könnte. Tom schweigt, hält mich lediglich fest an sich gepresst, und seine Stirn lehnt gegen meine, verzweifelt und matt, als wolle er mir den Weg in das Zuhause so leicht wie möglich machen. Ich will aber gerade nicht in mein Zuhause. Ich kehre mit den Gedanken an meinen Bruder zurück und an heute Morgen. Wie er mich angesehen hat, als ich in der Küche gestanden bin und wieder nur einen Apfel gegessen habe, wie leer sein Ausdruck gewesen ist und wie ich ihn angestarrt habe, hoffend darauf, dass er sich mir endlich öffnet. Aber das hat er nicht. Er hat sich einen Tee gemacht und mir wieder einen Kuss gegen die Schläfe gedrückt, mir viel Spaß bei Dr. Habicht gewünscht, und ich hätte ihm am liebsten meinen Apfel gegen den Kopf geworfen.

Ich hätte ihn am liebsten die Brust aufgestochen, um so seine Sorgen sehen zu können, und nun hasse ich mich dafür, dass ich das Verlangen habe sprechen gelassen. Ich sehe plötzlich Blut vor mir und seine toten Augen – wie in jenem Traum, den ich mal einige Zeit lang hatte. Es kommt mir schrecklich real vor.

Tom drückt mich an sich. Und es fühlt sich an, als würde er mich zusammenhalten. Wie die zweite Hälfte meines Herzens.

Ich frage mich, ob ich an der Stelle meiner Bruders im Krankenhaus gewesen wäre. Ob der Angreifer nach mir gesucht hat. Natürlich hat er das. Und ich wünsche mir, ich wäre da geblieben und hätte das Opfer auf mich genommen.

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