Als der Donnerstagmorgen anbrach, war Abby entmutigt über die anhaltende Kälte ihrer Kollegen ihr gegenüber. Zwar waren einige der Muffins, die sie am Montag mit zur Arbeit genommen hatte, aufgegessen worden, aber niemand wollte mit ihr reden, wenn sie versuchte, sie in ein Gespräch zu verwickeln. Jedes Mal, wenn einer ihrer Kollegen den Pausenraum betrat und sie dort sitzen sah, ging er gleich wieder mit seinem Essen hinaus.
Justin ignorierte sie immer noch auf der Arbeit und außerhalb, was sie sehr störte, aber sie tröstete sich mit dem Gedanken an Donnerstagabend. Vorausgesetzt, sie machte den richtigen Eindruck auf seine Freunde, würde er aufhören, sie zu ignorieren. Zumindest hoffte sie das.
Bevor sie am Mittwoch ins Bett ging, schrieb sie ihm eine Nachricht und fragte ihn, ob sie für Donnerstagabend etwas mitbringen sollte. Sie fühlte sich niedergeschlagen, als sie am nächsten Morgen seine Antwort las.
Abby,
Danke für das Angebot, aber es ist nicht nötig, irgendwas abzuholen. Die Jungs und ich werden draußen im Schuppen sein und Billard spielen. Du wirst das Haus für dich haben.
Justin
Mit anderen Worten, sie war nicht willkommen, sich ihnen anzuschließen. Er hatte einen Männerabend. Sie lachte bitter auf. Das war wahrscheinlich der einzige Grund, warum er bereit war, Leute zu sich nach Hause einzuladen - weil es etwas war, das er immer noch abseits von ihr tun konnte.
Es war seltsam. Zum ersten Mal, seit sie von zu Hause weggezogen war, lebte sie mit jemanden zusammen, und doch fühlte sie sich einsamer als je zuvor in ihrem Leben. Der Wunsch, Teil von etwas zu sein - Freundschaften zu schließen und Kontakte zu knüpfen - war da, aber wann immer sie versuchte, die Hand auszustrecken, fühlte sie sich noch einsamer und isolierter, als sie es war, als sie noch für sich geblieben war.
Sie hatte sich auf verschiedenen Internetseiten nach Gruppen umgesehen, denen sie beitreten konnte, aber sie wusste nicht, welche Art von Gruppe sie suchte, und sie hatte nichts gefunden, was ihr Interesse weckte.
Ihr Herz schmerzte vor Einsamkeit, als sie sich ein Sandwich machte, um es mit zur Arbeit zu nehmen. Wenn man bedenkt, dass niemand mit ihr zu Mittag essen wollte, war sie sich nicht sicher, wozu das gut sein sollte, aber sie hatte sich das in den letzten Tagen angewöhnt und sparte dadurch Geld.
Als sie zur Arbeit kam, stürzte sie sich auf die Werbung für Mr. Welcocks Restaurant und trat erst von ihrem Schreibtisch weg, als ihr Magen zu protestieren begann, weil sie seit Stunden nichts mehr gegessen hatte. Ein paar ihrer Kollegen saßen um den Tisch im Pausenraum, lachten laut und tauschten Beleidigungen aus, als sie hereinkam.
Hier ist deine Chance, Abby. Setz dich zu ihnen und unterhalte dich mit ihnen.
Nach der Enttäuschung, die sie beim Lesen von Justins Nachricht empfunden hatte, war sie sich nicht sicher, ob sie noch mehr Zurückweisung erleben wollte, aber der Teil in ihr, der sich nach Veränderung und Gesellschaft sehnte, wollte sie nicht gehen lassen. Zögernd nahm sie ihr Mittagessen aus dem Kühlschrank und ging zum Tisch hinüber, wo sie sich zwischen Renee Williams und Aaron Ascot setzte.
Fast augenblicklich hörten die Leute auf zu lachen und die Unterhaltung verstummte. Sie fühlte sich, als hätte sie es geschafft, die ganze Fröhlichkeit aus dem Raum zu saugen, nur weil sie dort war. Sie spürte, wie das letzte Fünkchen Hoffnung, an das sie sich geklammert hatte, schwand, als einer nach dem anderen behauptete, mit dem Essen fertig zu sein und wieder an die Arbeit gehen zu müssen. Sie machten sich nicht einmal die Mühe, die Tatsache zu verbergen, dass sie ihr halb aufgegessenes Mittagessen mitnahmen.
Abby schluckte die Tränen hinunter, als die letzte Person den Tisch verließ. Sie war nicht mehr hungrig, aber sie zwang sich dort zu bleiben und ihr Sandwich aufzuessen. Als sie fertig war, warf sie ihren Abfall in den Mülleimer und verließ den Pausenraum. Innerlich fühlte sie sich geschlagen und geprügelt, und sie wollte zurück an ihren Schreibtisch und sich auf die Arbeit konzentrieren. Doch der Anblick aller, die gerade den Pausenraum verlassen hatten und jetzt an Justins Schreibtisch saßen, um ihr Mittagessen zu beenden, ließ sie innehalten. Er erzählte ihnen einen Witz über einen Priester und einen Rabbiner, und alle lachten. Nun, alle außer ihr.
Justin runzelte die Stirn, als er sie dort stehen und ihn beobachtete sah. "Hey Abby."
All ihre Kollegen drehten sich zu ihr um und sahen sie an.
"Hi.", krächzte sie, bevor sie schnell zu ihrem Schreibtisch ging.
Sie setzte sich an ihren Computer und starrte auf ihren Bildschirm. Das Dokument, an dem sie vor dem Mittagessen gearbeitet hatte, verschwamm vor ihren Augen. Sie blinzelte schnell und zwang sich, die Tränen zu unterdrücken. Wenn sie Justin - Mr. Liebenswert - nicht davon überzeugen konnte, dass sie eine zweite Chance verdiente, wie sollte sie dann irgendjemand anderen überzeugen?
Justin hatte ihr bei O'Reillys gesagt, dass alle dachten, sie würde sie hassen. Hatte das Zusammensitzen mit ihnen beim Mittagessen nicht bewiesen, dass sie es nicht tat? Was musste sie tun, um ihnen zu zeigen, dass sie anders war?
Vielleicht kannst du nichts tun. Vielleicht ist es zu spät, um zu ändern, was die Leute von dir denken.
Wenn das stimmte, konnte sie ihr Ziel befördert zu werden, endgültig ad acta legen. James Kale würde sie wohl kaum nach Sydney schicken, um ein Team zusammenzuführen, wenn ihr eigenes Team sie so sehr ablehnte. Sie würde hier mit einem Team festsitzen, dass sie hasste.
Irgendwie schaffte sie es, sich durch den Rest des Arbeitstages zu schleppen. Um fünf Uhr kam Justin zu ihr an den Schreibtisch.
"Kommst du nach Hause?", fragte er.
Sie schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich wollte er sich fertig machen, ohne sie um sich herum zu haben, und sie hatte nicht mehr die Kraft, sich ihm aufzudrängen. Zu versuchen, freundlich zu sein, wenn er überdeutlich gemacht hatte, dass er nicht mit ihr befreundet sein wollte.
"Ich habe heute Nachmittag nicht viel geschafft." Leider war das keine Lüge. "Ich bleibe länger."
Anstatt wegzugehen, wie sie erwartet hatte, blieb er stehen und zögerte. Sie schaute von ihrem Computer auf.
"Abby, geht es dir gut?"
Die Besorgnis in seinen Augen schnürte ihr die Kehle vor Rührung zu. Ihr ging es nicht gut. Sie fühlte sich verdammt miserabel. Aber es hatte keinen Sinn ihm das zu sagen. Er würde sich wahrscheinlich verpflichtet fühlen, zu versuchen, sie aufzumuntern.
"Es geht mir gut. Danke der Nachfrage. Wir sehen uns zu Hause. Möglicherweise."
Ihr Blick kehrte zu dem Monitor vor ihr zurück, aber sie spürte, dass er immer noch zögerte.
"Es regnet ziemlich stark. Fahr vorsichtig, okay?", sagte er ihr.
"Sicher."
Vielleicht war ihr Elend so offensichtlich, dass er dachte, sie würde absichtlich von der Straße abkommen.
"Bis dann, Abby."
"Ja. Tschüss. Schönen Abend noch."
*****
Die Einfahrt war voll, als Abby zu Hause ankam, also parkte sie draußen auf der Straße und ging ins Haus. Sie konnte die Musik - etwas Lautes und heftiges. Sie konnte auch viel lautes Gelächter hören. Die Jungs hatten offensichtlich eine Menge Spaß. Justin hatte das Licht und die Heizung im Haus für sie angelassen, wofür sie dankbar war. In dieser Woche war sie jede Nacht auf dem Weg vom Auto zum Haus durchnässt worden.
Nach Hause in ein warmes Haus zu kommen, war zwar schön, aber sie konnte es sich nicht erlauben, sich daran zu gewöhnen. Sobald Justin die Beförderung bekam - und sie konnte nicht sehen, warum er sie jetzt nicht bekommen sollte - würde er weg sein. Sie würde wieder auf sich allein gestellt sein, zumindest bis sie einen neuen Mitbewohner gefunden hatte. Und wenn sich in den nächsten Monaten nicht etwas Drastisches änderte, würde sie immer noch isoliert und auf der Arbeit eine Ausgestoßene sein. Im Moment fühlte sich diese Vorstellung ... inakzeptable an.
Vielleicht sollte sie sich nach einem neuen Job umsehen. Vielleicht war das die einzige Möglichkeit, wie sie sich wirklich neu erfinden konnte. Sich einen neuen Job zu suchen war etwas, das sie vor dem heutigen Tag nie in Erwägung gezogen hätte, aber wenn sie sich nicht weiter veränderte, würde alles beim Altenbleiben.
Nachdem sie sich ihre Lieblingsjeans und ein Strickhemd angezogen hatte, stellte sie ein tiefgefrorenes Lean Cuisine-Gericht in die Mikrowelle und legte dann ihren Laptop auf den Esstisch. Als er hochgefahren war, öffnete sie den Browser und gab die Adressen der größten Jobbörsen Australiens ein. Sie wollte gerade zur Mikrowelle gehen, um nach ihren Essen zu sehen, als sich die Schiebetür vom Hinterhof öffnete und Tony in die Küche kam.
"Abby.", rief er und zog sie sofort in eine Umarmung.
Es war die herzlichste Begrüßung, die sie erlebt hatte, seit ... nun, seit sie Tony und Yvette das letzte Mal gesehen hatte. Sie grinste gegen seine Brust, und dachte, es sei schön zu wissen, dass es zwei Menschen auf diesen Planeten gab, die ihre Anwesenheit nicht verabscheuten.
"Hey Tony.", grüßte sie, als er sie losließ.
"Justin hat gesagt, ich soll mich vom Haus fernhalten, damit ich dich nicht "störe", aber ich dachte, du hättest nichts dagegen, gestört zu werden."
Tony klang als schwebte er zwischen beschwipst und betrunken, aber das war Abby egal. "Nein, es macht mir definitiv nichts aus, gestört zu werden."
"Das dachte ich mir."
"Kann ich dir etwas anbieten?"
"Yvette wollte heute Abend vorbeikommen und einen Film mit dir schauen, aber sie spielt donnerstagabends immer Netzball. Ich bin überrascht, dass sie dich nicht gefragt hat, ob du mitspielen willst. Sie suchen immer nach Lückenfüllern."
Abby lachte. "Sie hat mich gefragt, aber ich spiele nicht."
"Nun, das erklärt es.", sagte Tony. "Sie möchte wissen, ob du morgen Abend zum Essen kommst."
Ursprünglich hatte sie vorgehabt, am Freitagabend ins O'Reillys zu gehen, aber sie hatte es satt, von ihren Kollegen und ihren neuen Mitbewohner ignoriert und gemieden zu werden. Die Vorstellung, mit Tony und Yvette gemeinsam zu essen, war viel verlockender.
"Das wäre wunderbar. Danke."
"Yvette wird dir morgen die Details schicken. Und jetzt sollte ich wohl gehen. Wenn Justin merkt das ich fehle ..."
Er brach ab, als sich die Schiebetür öffnete.
"Was machst du?", fragte Justin Tony. "Ich habe dir doch gesagt -"
"Abby nicht zu stören. Aber ich störe dich doch nicht, oder Abby?"
Abby schüttelte den Kopf. "Nein. Natürlich nicht."
Der Weg zwischen dem Schuppen und dem Haus war nicht sehr weit, aber Justin sah aus, als wäre er trotzdem durchnässt worden. Sein Hemd klebte an seiner Brust. Seine nassen Haare hingen ihm in die Augen. Und als er auf sie zu ging, nahm sie den Geruch von Regen und Rasierwasser wahr. Wer hätte gedacht, dass diese beiden Dinge zusammengenommen so berauschend sein konnten? Sie musste gegen den Drang ankämpfen, tief einzuatmen, nur um seinen Duft einzuatmen.
"Du bist also gut nach Hause gekommen?", fragte Justin sie.
Abby spürte, wie ihre Knie weich wurden, als seine dunkelblauen Augen auf die ihren trafen. Seine Augen sahen ein wenig glasig aus. Wie Tony hatte auch Justin offensichtlich schon ein paar Bier getrunken.
"Natürlich ist sie das, Dummkopf.", antwortete Tony für sie. "Sie steht hier in der Küche, oder nicht?"
Justins Blick verließ den ihren nicht. ""Ja, das tut sie."
"Ich komme rein und verabschiede mich, bevor ich gehe.", sagte Tony.
Sie riss ihren Blick von Justins los und lächelte Tony an. "Das wäre schön."
Justin wusste, dass er nicht eifersüchtig darauf sein sollte, dass Abby seinen besten Freund anlächelte, aber er war es. Ihr trauriges Gesicht hatte ihn die ganze Woche über verfolgt, ihr Elend war so greifbar, dass er ständig mit dem Drang kämpfte, auf sie zuzugehen und mit ihr zu reden - sie aufzuheitern. Zu Beginn der Woche war er sich so sicher gewesen, dass er das Richtige tat, als er sie in dem Glauben ließ, er würde sie nicht mögen. Mit jedem Tag der verging, war er sich jedoch immer unsicherer geworden.
Er hatte gesehen, wie alle aus dem Pausenraum geströmt waren, nachdem Abby heute hineingegangen war. Anstatt sich ihr zum Mittagessen anzuschließen, wie er es hätte tun können, hatte er zugelassen, dass sich seine Kollegen um seinen Schreibtisch herum niederließen und anfingen, mit ihm zu reden. Er hatte an Abby gedacht, die dort allein saß - er hatte den Drang verspürt, zu ihr zu gehen und mit ihr zu reden, aber alle hatten gelacht und mit ihm gescherzt, und er hatte sich so sehr amüsiert, dass er sich nicht bewegt hatte.
Als sie herausgekommen war und ihn dort mit dem Team sitzen gesehen hatte, hatte er gesehen, wie sich ihre Augen mit Tränen gefüllt hatten. Sie hatte so verletzt und verärgert ausgesehen. Er fühlte sich, als hätte er sie betrogen. Der Gedanke war lächerlich. Er war Abby Gillis nichts schuldig. Aber egal, wie oft er sich das gesagt hatte, er glaubte es nicht ganz.
Er hatte den ganzen Nachmittag damit verbracht, sie zu beobachten, und hatte gehofft, sie würde ihren Schreibtisch verlassen, damit er sie fragen konnte, ob es ihr gut ging. Aber sie war nicht aufgestanden. Sie hatte einfach dagesessen und ihren Computer angestarrt, während er sie angestarrt hatte.
"Sag den Jungs, ich bin gleich wieder da.", sagte er zu Tony, als sein Kumpel die Schiebetür öffnete.
Tony grinste. "Lass dir Zeit, J.D.. Wenn du weh bist, haben alle anderen eine Chance, ein Spiel zu gewinnen."
"Hahaha."
Tony ging hinaus und schloss die Tür hinter siech, genau als die Mikrowelle piepte.
Justin beobachtete Abby, wie sie ihr Essen herausnahm und umrührte. Bis vor kurzem hatte sie ihn den Eindruck vermittelt, sie wollte die Karriereleiter und jeden, der sich ihr in den Weg stellte, erobern, aber die Abby, die sich gerade in seiner Küche herumtrieb, wirkte so ... verletzlich. Das war nicht Abby, die Eroberin, die vor ihm stand. Nein, das war eine wunderschöne Frau, die unter seiner Abwehr gekrochen war und er hatte keine Ahnung, wie er mit ihr umgehen sollte.
"Was ist los?", fragte sie, während sie ihr Essen mit der Gabel auf die Ablage stellte und ihn daran erinnerte, dass er sie anstarrte.
Das Misstrauen in ihren Blick traf ihn hart. "Ich wollte mich nur vergewissern, dass es dir gut geht."
"Oh."
"Du warst vorhin verärgert."
Sie zuckte mit den Schultern.
"Willst du darüber reden?", fragt er.
In Anbetracht der Art und Weise, wie er ihr die ganze Woche über erfolgreich aus dem Weg gegangen war, würde es ihn überraschen, wenn sie sich ihn anvertrauen würde. Aber er wollte, dass sie das tat, wurde ihm klar. Er ertappte sich dabei, dass er nahe genug an sie heranging, um die süßen und würzigen Noten ihren Parfüms zu riechen. Würde sie zulassen, dass er seine Nase an ihrem Hals vergrub und das Parfum auf ihrer Haut schmeckte? Sein Herz schlug wie wild, und er hob tatsächlich die Hand, um nach ihr zu greifen, bevor er sie wieder zurückzog.
Das hier. Das war genau der Grund, warum er sich von Abby Gillis ferngehalten hatte. Ihre Wirkung auf ihn verwirrte ihn und verunsicherte ihn. Er hätte einen Schritt zurücktreten müssen, aber er ging noch näher heran, unerklärbar von ihr angezogen.
"Nein, ich will nicht darüber reden.", erwiderte sie und befreite ihn aus dem Bann, den ihr Parfüm auf ihn auszuüben schien.
Sie nahm ihr Essen mit zum Esstisch, auf dem ihr Laptop stand. Sie klappte den Deckel sofort zu, aber er hatte bereits gesehen, was sie sich angesehen hatte. LinkedIn und Seek waren zwei der größten Websites für Arbeitssuchende in Australien.
"Warum schaust du dir Jobseiten an, Abby?", fragte er und geriet langsam in Panik.
"Das ... geht dich nichts an."
"Sag mir, dass du nicht auf der Suche nach einem anderen Job bist."
"Gut. Ich bin nicht auf der Suche nach einem anderen Job."
Die Panik in ihm ließ nicht nach. Im Gegenteil, sie drückte ihn noch fester zusammen und machte es ihm schwer zu atmen. "Ich verstehe das nicht. Du liebst deinen Job."
"Ja, ich liebe meinen Job."
"Dann ... warum?"
"Es spielt keine Rolle, warum."
"Natürlich spielt das eine Rolle. Und ich weiß, dass es etwas damit zu tun hat, dass du heute verärgert warst."
Sie stemmte eine Hand in die Hüfte. "Du hast recht. Das tut es."
"Du hattest also einen schlechten Tag auf der Arbeit. Jeder hat solche Tage. Du kannst doch nicht aufgrund eines schlechten Tages eine so drastische Entscheidung treffen."
"Hier geht es um viel mehr als einen schlechten Tag bei der Arbeit, Justin. Wenn ich will, dass sich etwas ändert, muss ich etwas unternehmen. Und genau das tue ich."
"Was ist mit der Beförderung?"
"Was soll damit sein? Du hattest recht. Du hast sie in der Tasche."
"Ich kann nicht glauben, dass du aufgibst."
Er sollte vor Freude springen, dachte er. Er war sich schon ziemlich sicher gewesen, dass die Beförderung ihm gehörte, aber wenn Abby weiterzog, würde ihm niemand mehr im Weg stehen. Doch die Vorstellung, dass Abby sowohl ihren Job als auch die Beförderung aufgeben würde, gab ihm das Gefühl, als würde seine ganze Welt auf den Kopf gestellt und durchgeschüttelt.
Sie waren schon seit langem Rivalen. So viele Erinnerungen, die er bei Kale & Wells gesammelt hatte, betrafen sie. Es wäre nicht mehr dasselbe, wenn sie gehen würde. Natürlich wusste er, dass er sie nicht mehr so oft sehen würde, wenn er nach Sydney ging, aber er hatte sich nie vorstellen können, dass sie nicht mehr Teil der Firma sein würde, wenn er es tat. Irgendwie hatte er darauf gezählt, dass er, wenn er ins Management wechselte, bei Konferenzen und gelegentlichen Besuchen immer noch alle im Büro in Melbourne sehen würde, auch Abby Gillis.
Wenn er in ein anderes Bundesland zog und sie Kale & Wells verließ, würde er sie nie wieder sehen. Aus irgendeinem Grund konnte er sich die Vorstellung einfach nicht vorstellen.
"Du kannst nicth einfach aufgeben, Abby. Das bist nicht du."
"Ich habe kein gutes Verhältnis zum Team. Ich habe versucht, das zu ändern, aber es ist hoffnungslos."
"Du kannst nicht einmal ins O'Reillys gehen und sagen, dass du versucht hast, es in Ordnung zu bringen. Mann muss sich schon ein bisschen mehr Mühe geben."
"Ich habe es versucht, Justin."
"Wann? Wann hast du es versucht, Abby? Ich meine, wann hast du wirklich versucht, die Tatsache zu beheben, dass du mit Menschen nicht klarkommst? Glaubst du wirklich, dass die Dinge in einer anderen Firma anders sein werden?"
"Ja. Natürlich werden sie das. Das müssen sie auch sein. Ich werde anders sein. Und ich werde nicht mit Leuten anfangen, die mich hassen."
"Die Leute hassen dich nicht, Abby."
"Letztens hast du mir gesagt, dass alle denken, ich würde sie nicht mögen. Also habe ich diese Woche mein Mittagessen mit zur Arbeit genommen. Ich dachte, wenn ich mich in den Pausenraum setzte und mit den Leuten ins Gespräch komme, könnte ich ihre Meinung über mich ändern. Glaubst du, dass sich auch nur eine Person zu mir gesetzt hat?"
"Dann versuch etwas anderes ..."
"Heute wollte ich an meinem Schreibtisch essen, aber dann habe ich Kelly, Renee, Mark und Aaron am Tisch im Pausenraum sitzen sehen, und dachte: Das ist meine Chance."
Plötzlich hatte Justin ein wirklich schlechtes Gefühl dabei, wohin das führen würde.
"Also nahm ich mein Mittagessen aus dem Kühlschrank, ging hinüber und setzte mich zu ihnen an den Tisch. Innerhalb einer Minute verließen alle den Tisch und sagten, sie seien fertig. Aber als ich aus der Küche kam, saßen alle um deinen Schreibtisch herum und ihr Mittagessen weiter gegessen."
"Abby -"
"Sie werden mich niemals mögen, Justin. Sie werden mir niemals eine Chance geben. Keiner wird mir eine Chance geben."
"Sag so etwas nicht."
"Warum nicht? Es ist doch wahr."
"Ist es nicht."
"Wenn ich deine Meinung über mich nicht ändern kann, warum solltest du dann glauben, dass ich ihre ändern kann."
"Wovon redest du?"
"Mein Essen wird kalt."
Sie zog ihren Stuhl zurecht, aber er griff nach ihrem Arm und hielt sie davon ab sich zu setzen. "Ich will wissen, was du meinst. Du hast gesagt, wenn du mich nicht umstimmen kannst -"
"Als ich hier eingezogen bin, hatte ich die dumme Idee, dass ich dich dazu bringen könnte, mich zu mögen - dass wir einen Waffenstillstand schließen könnten, wie in jener Nacht im O'Reillys. Aber du bist mir vom ersten Tag an aus dem Weg gegangen."
"Ich habe dir gesagt -"
"Ich weiß, was du mir gesagt hast, du willst Zeit mit deinen Freunden verbringen. Du hättest nicht deutlicher sagen können, dass ich nie einer von ihnen sein werde. Du willst mich nicht kennenlernen. Und wenn ich dich nicht dazu bringen kann, mich zu mögen - den Kerl, der anscheinend jeden mag - welche Hoffnung habe ich dann, dass mich irgendjemand anders mag?"
Justin nahm an, dass er das hätte kommen sehen müssen, aber dummerweise hatte er das nicht getan. Er zuckte zusammen, als eine neue Welle von Schuldgefühlen über ihn hereinbrach. Er hatte Abby in dem Glauben gelassen, dass er sie nicht mochte, weil es für ihn einfacher war, und jetzt glaubte sie, dass sie keine Chance hatte, das Team davon zu überzeugen, dass sie anders war - dass sie sich geändert hatte. Sie hatte diese Woche versucht auf ihn zuzugehen, und er hatte sich von ihr abgewandt und das Gefühl der Isolation auf der Arbeit noch verstärkt. Es war seine Schuld, dass sie darüber nachdachte, sich nach einem neuen Job umzusehen. Er musste es in Ordnung bringen.
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