Prolog & 1. Dunkelblau wie das stürmische Meer
Willenlos - Zwischen zwei Dimensionen
Alle Rechte vorbehalten. G. A. 2015
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A/N
Hallo ihr da^^
Auf jeden Fall möchte ich euch nicht lange abhalten und hier folgt deshalb mit dem Prolog direkt das erste Kapitel im Doppelpack. ;)
Liebe Grüße
Risingvision
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Prolog
Ich lebte ein durchschnittliches Leben und hatte alles, was ich brauchte. Meine Familie und Freunde, die mir Liebe, Glück und Freude schenkten. Mehr brauchte ich nicht, mein Leben war vollkommen. Trotzdem liebte ich es mich jedes Mal in mein kleinen Zimmer zurück zu ziehen und mich in ein wundervolles Buch zu vertiefen. In eine andere Welt einzutauchen, voller Fantasie und Aufregung.
Menschen erzählten von anderen Welten, Fabelwesen, Gaben und unbeschreiblich schönen Umgebungen, die sie sich ausgedacht und auf Papier festgehalten hatten. Die Fantasiewelten entführten mich von der Rationalität und Monotonie meines Lebens. Natürlich habe ich auch, genau wie du, Probleme und Tiefpunkte in meinem Leben gehabt und diese Bücher waren ein fantastischer Ausweg von allem. Meinen Problemen. Auch wenn ich es liebte diese Bücher zu lesen und von allem zu fliehen, wusste ich genau, dass das nur pure Fantasie war. Doch alles ändert sich mit der Zeit und ich musste feststellen, dass wir uns die Grenzen selbst aufstellten. Wieso ich das dir erzähle? Es mag sein, dass mein Leben dir noch sehr gewöhnlich vorkommt, doch das Wichtigste habe ich dir noch nicht erzählt. Ich fand mich nämlich in einer Welt wieder, die nie existieren dürfte. Alles kam mir wie eine große Lüge vor, die man versuchte mir aufzutischen. Ich suchte nach Ausreden, wie jeder andere es tun würde. Vielleicht träumte ich ja oder war in einem dieser Bücher hängen geblieben. Es musste eine plausible Antwort darauf geben, weshalb ich mich in einem derartigen Szenario wiederfand. Zu meinem bedauern war es nicht traumhaft, nein, ich landete in einer Welt, wo der Krieg sich langsam entfachte. Es war kein normaler Krieg, in dem ich mich nun befand. Trotz allem war es nämlich eine magische Welt.
Doch eine Antwort auf diese Geschehnisse habe ich bis zum heutigen Tag nicht gefunden. Es war die Realität. Sie war immer da gewesen nur auf eine gewisse Art unsichtbar für uns. Für dich und mich. Für alle.
1. Dunkelblau wie das stürmische Meer
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"Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung.
Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion."
-Voltaire-
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Über den riesigen schneeweißen Wolken, die mich an weiße Zuckerwatte erinnerten, fühlte ich mich mehr als wohl. Geborgen. Meinen Kopf an die kühle Scheibe gelehnt, starrte ich in den Himmel, der mit jedem Meter in die Höhe einen dunkleren Blauton annahm. Ein grelles Piepen riss mich aus meinen Gedanken. Das Zeichen zum Anschnallen der Gurte leuchtete in einem hellen rot auf.
Neben der Höhe war die Abhebung und Landung der Flugmaschine eines der spannendsten Momente, die einen leichten Nervenkribbel in mir verursachten. Nur für diese Augenblicke hätte ich das Fliegen über jede andere Transportationsmöglichkeit bevorgezogen.
„Stell dir nur vor. Sechs Wochen in der Türkei. Du sitzt am Bosporus und beobachtest bei 40 Grad Celsius unter der Sonne mit einem Eis in der Hand, wie die Schiffe auf dem blauen Meer vorbeiziehen. Glaube mir es wird traumhaft. Wir dürfen nicht noch länger unsere Zeit verschwenden." rief meine beste Freundin erfreut. Träumerisch wandte ich meinen Blick wieder nach draußen. Doch irgendetwas stimmte nicht. Geschockt rieb ich mir die Augen als ich sah, dass ein Schneesturm ausgebrochen war und das Flugzeug in Turbulenzen geriet.
„Was is..." Ich brach den Satz ab als ich sah, dass Lucy ebenfalls aus dem Fenster guckte doch sie schien nichts zu bemerken. Irritiert folgte ich ihrem Blick und schaute auch wieder aus dem Fenster, doch der Schneesturm, der vor kurzem draußen tobte, war verschwunden. Ich sollte länger schlafen, dachte ich mir und versuchte die Aufregung loszuwerden, die gerade in mir aufgestiegen war. Ich fing an zu halluzinieren.
Sobald das Flugzeug gelandet war und auf der Landebahn weiter rollte, griff Lucy nach meiner Hand. Im letzten Moment konnte ich noch meine Tasche von meinem Sitz schnappen bevor ich durch den schmalen Flugzeug gezogen wurde und mehrere Passagiere anrempelte bei denen ich mich flüchtig entschuldigen konnte. Mit Jack im Schlepptau bahnten wir uns schließlich einen Weg zum Ausgang und traten hinaus. Die angenehme Wärme stieß mir sanft gegen mein Gesicht und erwärmte meine Haut augenblicklich. Die Sonne, die noch die letzten Wärmestrahlen des Tages verstreute, ging mit einem wundervollen Spiel von orange und rot Tönen unter. Ich blieb eine Sekunde stehen, um diesen Augenblick zu genießen bevor ich wieder von Lucy grob weggezerrt wurde.
„Lucy, bitte. Wieso hast du es so eilig? Wir sind ja schließlich schon in Istanbul angekommen.Wir haben nun alle Zeit der Welt. Lass mich bitte diesen Moment genießen." sagte ich außer Atem und betrachtete sie aus müden Augen während wir die Treppen runter rannten als würden wir von hungrigen Wölfen verfolgt werden.
„Ich weiß es nicht. Ich habe mein Leben lang London nie verlassen...im Gegensatz zu dir. Es ist sehr aufregend für mich. Da kann ich einfach nicht still sitzen... Jack?" sie drehte sich um 180 Grad und fand ihren Freund ein paar Meter hinter uns stehen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, rannte sie zu ihm und fiel erfreut in seine Arme. Ich rollte gelangweilt meine Augen.
Jack und Lucy waren einfach unzertrennlich. Sie könnten vom Charakter her nicht unterschiedlicher sein, doch verband sie trotzdem etwas besonderes, was mir nicht einleuchten wollte. Ich war aber auch nie der Liebe verfallen. Es sah zu schmerzhaft aus, auch wenn es süß wirkte.
Höchstwahrscheinlich glichen Lucy und Jack sich aus. Immer wenn Lucy in „Schwierigkeiten" steckte oder einfach nur Jack brauchte, war er da. Ich hatte mir schon mehrere Male die Frage gestellt, wie er dies wohl spüren mochte, doch eine plausible Antwort fand ich bis zum heutigen Tage immer noch nicht. Da er manchmal Kilometer von ihr entfernt war und trotzdem Lucys Smartphone plötzlich klingelte. Lucy war leider eine sehr schreckhafte Person und schrie bei jeder Kleinigkeit um Hilfe und wenn ich jede Kleinigkeit sagte, dann meinte ich das auch. Hausspinnen im Raum waren eines davon. Außerdem war sie schon immer eine einfühlsame Person gewesen im Gegensatz zu mir. Ich zog es immer bevor ruhig zu bleiben und mich zurück zu ziehen. Alles, was ich empfand, hielt ich für mich und hütete sie wie ein Geheimnis. Schließlich musste mich nicht jeder wie ein offenes Buch lesen können.
Bevor ich Lucy kannte, hatte ich deshalb keine richtigen Freunde. Ich war die Außenseiterin gewesen, obwohl ich nie etwas dafür getan hatte, um diese Position zu erlangen. Ich fand es nicht einmal schlimm und liebte die Ruhe, die mein Außenseiter-Titel mir brachte. Es war sicherlich nicht schrecklich für mich jede Pause unter dem Lindenbaum unserer Schule zu sitzen und ein schönes Buch zu lesen oder erholsame Musik zwischen den Unterrichtszeiten zu hören.
"Los jetzt Emily! Wo bleibst du denn so lange?!" rief Jack ungeduldig. Sie waren schon etwas vorangegangen und fast schon im Flughafen angelangt. Ich war wieder einmal abwesend gewesen.
Jack hatte immer so einen komischen Unterton, wenn er mit mir sprach. Ich fing an zu glauben, dass er mich kein bisschen ausstehen konnte, doch das beruhte auf Gegenseitigkeit. Wir beide zogen das nur wegen Lucy durch, sonst hätte er erst Recht nicht mitkommen dürfen. Jack versuchte zwar gegenüber mir nett zu wirken, doch dies misslang ihm jedes Mal. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass mit Jack etwas nicht stimmte. Fast jedes Mal wenn er bei uns war, hatte ich ganz leichte Kopfschmerzen, die ich mir nicht erklären konnte, doch er war bestimmt der Grund. Nur ihn anzusehen, vermachte mir miese Kopfschmerzen.
Inzwischen hatte ich sie eingeholt und ging mit ihnen zusammen in Richtung des Flughafens. Eins hatte ich mir für diesen Sommer in den Kopf gesetzt. Diese Ferien sollten die besten und unvergesslichsten Sommerferien sein und das konnte mir niemand verderben, auch nicht einmal der feste Freund von Lucy oder der schnarchende Mann, einige Sitzreihen vor uns, im Flugzeug.
Da es schon sechs Uhr Abends war und der Hunger, sowohl die Neugierde die Stadt zu erkunden siegte, holten wir uns schnell unsere Koffer vom Band ab und verließen entspannt den Flughafen. Wir stellen uns in dieser unertragbaren Hitze an eine schattige Stelle und versuchten uns vergeblich ein leuchtend gelbesTaxi herbeizuwinken. Viele fuhren einfach an uns vorbei ohne uns eines Blickes zu würdigen. Mindestens 20 Minuten hatten wir damit verbracht ein Taxi aufzuhalten, aber so lief es doch immer in Flughäfen ab?
Nach langer Fahrt und Kommunikationsproblemen mit dem Taxifahrer, der überraschenderweise flüssig Französisch sprechen konnte, aber sehr schlecht in Englisch war, standen wir vor unserem kleinen Hotel, das einem modernen Apartment von außen ähnelte. Wir hatten einen wundervollen Anblick des Stadtteils, egal in welche Richtung man schaute. Alles war anders als bei uns in London. Das Wetter an sich bestand hier nicht nur aus Regenwetter.
"Unser Traum geht in Erfüllung. Jack komm du auch her" befahl sie ihrem Freund. "Es ist schöner als ich es mir vorgestellt hatte" flüsterte er vor sich hin. Ich wusste, dass wir alles richtig gemacht hatten. Vom Reiseort bis zur Planung, alles war einfach nur perfekt. Diese Makellosigkeit jedoch weckte in mir das schlimme Gefühl auf, dass das hier gar nicht lange anhalten kann.
"Ich finde, dass wir erst mal in unserem Hotel einchecken und dann was tolles essen gehen." Einverstanden, jedoch wortlos nickten die beiden neben mir.
Lucy und ich teilten uns ein Zimmer, während Jack ein Zimmer, neben an, für sich hatte. Zwei Bette mit riesigen Kissen überfüllt, ein riesiger Fernseher, Dekorationen aus Silber und Gold und sogar einen Kronleuchter hatte das Zimmer. Alles wirkte so königlich und elegant. Daran dachte anscheinend auch meine verrückte Freundin Lucy, die sich mit ihren Haaren einen Schnauzer über die Lippen hielt und sich vor mir verbeugte."Meine Prinzessin wollen Sie sich nicht für ihr Abendmahl vorbereiten?" sagte sie mit einer komisch verstellten Stimme , die unglaublich schnöselig wirkte.
"Ja, gewiss, aber nicht ohne Sie." erwiderte ich in demselben schnöseligen Ton. Wir lachten uns mindestens ganze fünf Minuten auf den flauschigen Betten kaputt, da wir einfach über alles lachten, egal ob es lustig war oder nicht, solange wir zeit zusammen verbrachten. Wie als wir die letzte Matheklausur züruck bekamen, bei der wir beide ein gutes Gefühl hatten. Um wahr zu sein, hatten wir das Thema nicht einmal ansatzweise verstanden und das Ergebnis, welches dann nur 02 Punkte, also eine eine fünf war, hatten uns dies bestätigt. Meine Mathelehrerin kam kopfschüttelnd an und reichte uns unsere Klausuren. Wir betrachteten unsere Arbeit perplex, hielten es uns gegenseitig ins Gesicht und brachen in Gelächter aus. Wir wurden an jenem Tage wahrscheinlich als verrückt abgestempelt, aber hey, was solls. Wir waren glücklich, dass wir überhaupt Punkte rausgeschlagen hatten.
Aber diese Ferien waren wohl ein Traum.
"Du musst unbedingt dieses hellblaue Kleid anziehen. Es würde super zu deinen kristallblauen Augen passen und deine langen braunen Haare erst..." Lucy redete wieder einmal ohne Punkt und Komma und hielt mir gespannt das Kleid hin, welches wirklich schön aussah.
"Okay." sagte ich knapp und nahm das Kleid entgegen. Viel verstand ich nicht von der Mode und um wahr zu sein, war es mir auch echt egal. Es gab wichtigeres im Leben. Trotzdem zeigte ich auf ein wundervolles weißes Kleid, welches auf ihrem Bett unter vielen anderen Kleidungsstücken herauslugte. Zu ihren schwarzen schulterlangen Haaren, die etwas wellig waren und dunkelbraunen Augen würde es passen, nahm ich einfach an. Es war ein passender Kontrast, fand ich zu mindestens, doch ich war, wie gesagt, nicht die Ansprechperson bei solchen Themen.
Nach einiger Zeit klopfte es an der Tür und ich schlenderte so langsam wie möglich zu dieser, um es zu öffnen. „Emily mach schon!" rief Lucy lachend vom Bad und folgte mir. Als ich die Tür genauso in Zeitlupe öffnete stand Jack am Türrahmen angelehnt und blieb jedoch ohne einen weiteren Schritt zu wagen dort stehen und starrte förmlich vereist zu Lucy über. Ich war mir ziemlich sicher, dass er ein sehr nerviger und eigenartiger Typ, aber Hals über Kopf in Lucy verliebt war. Diese einen Blicke sprachen für sich selbst. Auch Lucy hatte nun ihn erblickt und schaute in seine bernsteinfarbenen Augen. Ich wollte sie zwar wirklich nicht unterbrechen, doch ich hatte ziemlichen Hunger und ich wusste, dass sie sich ewig anstarren könnten, wenn man sie nicht störte. Dies musste ich in der Schule feststellen, bei einer Gruppenarbeit, die ich letztendlich alleine gemacht.
„So..." unterbrach ich sie also doch von ihrem Starren, nachdem ich alle Möglichkeiten in meinem Kopf abgewogen hatte, wie ich es ihnen mitteilen könnte, dass ich am verhungern war und ich mich letztendlich für die direkte entschied.
„Gehen...ähm wir nun etwas essen oder wollen wir alle verhungern?"
Jack schaute uns verdächtig an und zog seine Mundwinkel in die Höhe. „Ich habe da eine Kleinigkeit geplant. Es wird eine Überraschung sein. Kommt schnell um Punkt 20:45 müssen wir da sein." Jack nahm Lucy an der Hand und die beiden sausten, wieder einmal ohne mich, davon. Hinter ihnen her gesprintet, saß ich nun auch in dem nächsten Taxi, welches unser Hotel gerufen hatte. Wir fuhren durch die Stadt und dieser Ort hinter den Scheiben war einfach nur wundervoll zu betrachten. Die Sonne war vom Himmel verschwunden. Stattdessen schmückten unzählige Sterne und ein Vollmond den Himmel. Die Stadt an sich war sogar nachts lebendig. Menschenmengen waren überall zu sehen und fast jedes Geschäft hatte noch offen. Straßenmusiker standen an fast jeder Ecke, bei denen sich kleine Menschengruppen bildeten.
„Wir sind gleich da." sagte Jack als er aus dem Taxi stieg. „Den Weg hier müssen wir noch durchlaufen."
Er zeigte auf einen kleinen Parkweg, der düster wirkte. Man könnte meinen, wie der Beginn eines Horrorfilmes, wo die Gruppe an Freunden sich in einer menschenlosen Gegend verlauften.
Ich hängte mich an meine Freundin an und wir gingen langsam den stockdunklen Weg entlang. Der Wind wurde stärker und ein salziger Duft lag in der Luft. Am Ende des Weges kamen wir wirklich an einem Hafen an. Eine kleine Yacht offenbarte sich uns und wir traten mit weit geöffneten Augen weiter. Es war einfach bezaubernd. Die vielen kleinen Lichterlaternen leuchteten hell auf und spiegelten sich im Wasser wieder und sogar ein kleines Orchester spielte im Hintergrund eine traumhafte klassische Musik. Wie konnte sich Jack so etwas leisten?
„Weißt du eigentlich, wieso ich dich Liebe?" flüsterte Lucy in Jacks Ohr. Verlegen lachte er und hauchte ihr ein „Nein." zu.
Mir wurde das leider langsam zu viel oder netter ausgedrückt ich wollte sie dabei „nicht stören" also ging ich in Richtung der Yacht und stieg mit ein bisschen Hilfe eines jungen Kellners auf. „Guten Abend!" rief ich ihm noch zu bevor ich weiter nach oben stieg. Die Brücke, bei der wir ganz nah dran waren, leuchtete in verschiedensten Farben auf. Jack hatte sich dieses mal wirklich selbst übertroffen, das musste ich ihm lassen.
Nach einiger Zeit kamen die Turteltäubchen immer noch nicht. Sie waren anscheinend zu beschäftigt mit dem Küssen, also setze ich mich hin und betrachtete die Kulisse. Ich konnte meine Augen einfach nicht von dieser Schönheit lassen. Die Farben, die schöne warme Brise und die Sterne waren so angenehm, das ich wollte, dass die Zeit stehen blieb.
"...da seid ihr ja endlich. Ich dachte schon, dass ihr nie wieder kommt." sagte ich als sie die Treppen hochkamen. Lucy setzte sich direkt neben Jack hin, der rechts neben mir Platz genommen hatte. "Echt? Waren wir so lange weg?!" sagte sie amüsiert.
Ich nickte nur stumm. "Mit dir vergeht die Zeit wie im Fluge." sagte Lucy und die beiden versanken wieder einmal in ein tiefes Gespräch. Ich hätte mir denken können, dass es keine gute Idee gewesen war Jack mitzunehmen. Ich hatte mich selbst höchstpersönlich zum dritten Rad ernannt. Tja.
Plötzlich wurde es mir ziemlich kalt und ich fing an unangenehm zu frösteln, doch das Wetter hätte sich so schlagartig nicht ändern können. „Ist...ist.. euch auch so kalt?" fragte ich mit zittriger Stimme.
„Wie meinst du das? Es ist nicht kalt, nein im Gegenteil, es ist sogar sehr warm Emily. Meiner Meinung nach zu warm. Diese Wärme bringt mich nahezu um." sagte Lucy mit hochgezogenen Augenbrauen, während Jack mich nur verdächtig anschaute und da...da waren schon wieder diese leichten Kopfschmerzen. Mir ging es nach einiger Zeit immer noch nicht gut, aber da ich nicht die Spielverderberin sein und diese wundervolle Überraschung zerstören wollte, sagte ich ihnen dass ich nur kurz runter gehen wollte und gleich wieder kommen würde.
Irritiert stieg ich die Treppen runter und versuchte eine Etage weiter unten mich wieder zusammen zu reißen, doch wie es der Zufall wollte, wurde es nur schlimmer. Nicht auch noch Schwindel, dachte ich erschöpft und hielt mir meine Handfläche gegen meine Stirn. Mir wurde es ziemlich wackelig auf den Beinen, dabei war ich noch nie Seekrank gewesen. Wir waren schon auf vielen Bootausflügen mit meiner Familie gewesen, aber der einzige, der jedes mal krank wurde, war mein großer Bruder Kieran.
Ich fixierte meinen Blick auf einen Weg in der Ferne, um den Schwindel loszuwerden. Doch statt den Schwindel loszuwerden, sah ich was Blaues in der Weite flimmern. Es wirkte wie ein kaputtes Fernsehgerät, das ab und zu verzerrte Bilder zeigte. Ich sah für einen Bruchteil der Sekunde ein eingefrorenes Meer. Alles war weiß bedeckt und wirkte kalt und verlassen. Was hatte dies nur zu bedeuten? Hatte ich was Falsches gegessen? Ich prüfte nach, ob ich Fieber hatte, aber nein. Meine Körperwärme schien ganz in Ordnung zu sein. Es war nicht ansatzweise etwas von einem Fieber zu spüren.
Es dauerte nicht lange bis diese Bilder schon wieder kamen. Dieses Mal sah ich aber Personen, eine Familie im Schnee stehen. Ganz weit hinten, wo eigentlich dieser leere Weg war. Der Mann schien sehr unruhig zu wirken. Alle in einer Reihe gingen sie den schmalen Weg entlang, ohne ein Wort auszutauschen. Plötzlich kam eine Gruppe von Männer listig von hinten angeschlichen und schlugen den Mann mit einer Waffe zu Boden. Eine Blutlache bildete sich um den Kopf des Mannes. Entsetzt hielt ich mir beide Hände vor den Mund und starrte gebannt weiter.
Das Kind schrie und die Frau schreckte mit Tränen in den Augen hoch. Sie flehte um Vergebung und umarmte ihr Kind so fest wie sie nur konnte. Die Männer dahingegen lachten nur boshaft. Ich spürte einen stechenden Schmerz in der Brust und hatte das Gefühl, dass mein Magen zugeschnürt wurde. Die Männer drehten sich desinteressiert um und schienen weiterzugehen. Das Weinen der Frau war das einzige, was ich hörte, sonst herrschte Todesstille. Die Männer hatten sie leider nur getäuscht. Ohne jegliche körperliche Bewegung von den Männern, schrie die Frau und das kleine Kind in schrecklichen Schmerzen auf. Sie kreischten bis eine Stille, den Ort umgab und sie neben dem Mann zu Boden fielen. Sie hatten sie kaltblütig getötet. Ein dumpfer Aufprall, ein sadistisches Gelächter und das Bild verschwand in einem verzerrten blauen Flimmern.
Schockiert und erschrocken zugleich stand ich da, meine Kehle war wie verknotet. Wie sollte ich das bloß verstehen? Was war da los? Wieso wurden diese Menschen...umgebracht?! Und war das überhaupt real? Plötzlich hörte ich etwas direkt hinter mir knarren und jemand fasste augenblicklich an meine Schulter. Ein stummer Schrei verließ meine Kehle und ich wedelte wild mit meinen Händen in der Luft, um mich vergeblich zu wehren. „Sei ruhig. Ich bin es doch nur. Was ist denn mit dir los?!"
Es war nur Jack gewesen. Tief atmete ich die Luft aus, die ich unbewusst angehalten hatte. Gedankenverloren versuchte ich mich zusammen zu reißen, antwortete ihm jedoch nicht.
„Lucy ist kurz auf Toilette und meinte, dass ich mal schauen soll wie es dir geht..." Er redete wieder so anders...kalt. Ich wollte ihm nicht erklären was ich da gesehen hatte. Ich konnte ihm nicht vertrauen. „Alles in Ordnung." log ich ihn an und blickte nochmal auf den Weg in der Ferne. Nichts war in Ordnung.
„Du siehst es oder?" unterbrach er die Stille abrupt. Was? Was meinte er bloß damit. „Du bist nicht verrückt und du bildest dir das nicht ein." redete er, mein Gesichtsausdruck ignorierend, weiter.
„Warte, wovon redest du eigentlich." unterbrach ich ihn nun.
„Jetzt tue nicht so. Ich meine das blaue Flimmern, die Stadt in Schnee und die Menschen gerade eben. Das ist eine andere Dimension." Ich war sichtlich schockiert, wie sollte ich jetzt darauf reagieren. War das ein schlechter Witz. Sind die Menschen, die ich betrachtet hatte wirklich gestorben? Wie angewurzelt blieb ich dort stehen und betrachtete ihn ungläubig. „Was! Du machst wohl Witze. Das war definitiv nicht real Jack." schrie ich ihn wütend an.
Mit langsamen Schritten kam er nun näher und blieb ein paar Zentimeter von mir entfernt stehen. Mein Puls beschleunigte sich, da ich deutlich eine Gefahr von ihm aus spürte.
„Weißt du, ich freue mich schon, dich sehr bald vernichten zu können. Ich konnte dich sowieso nicht leiden Emily." flüsterte er mit einem hämischen Lachen.
"Was?! " schrie ich entsetzt, doch bevor ich handeln konnte, wurde ich über das Geländer der Yacht gestoßen und fiel schreiend ins eiskalte Wasser. Ich versuchte an der Wasseroberfläche zu bleiben, doch es brachte nichts. Schon nach einigen Sekunden verschlang mich das dunkle Gewässer. Mit letzter Lebenskraft versuchte ich hoch zu schwimmen, doch vergeblich. Ich strampelte in derselben Stelle bis mir langsam und schmerzhaft die Luft aus den Lungen ausgepresst wurde und sich mit Wasser füllten. Mir ging die Kraft aus, doch ich musste es weiterhin versuchen. Durch den Druck sank ich immer weiter in die Tiefe. Etwas riss mich weiter und zerrte an mir, immer weiter bis alles vor meinen Augen schwarz wurde.
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