Raven spitzte interessiert die Ohren. "Was denn?" Er merkte wie unruhig Windbrise wurde. "Komm. Lass uns einen ruhigen Ort suchen." Die zwei Kater trotteten in den Schülerbau. Raven war verwirrt. Warum verhält sich sein Vater so seltsam?
Windbrise blickte ihm fest in die Augen, als sie sich gesetzt hatten. "Es geht um Veilchenhauch", fing er an. Ein Dorn bohrte sich in sein Herz, doch er ignorierte den Schmerz und hörte dem schwarzen Kater aufmerksam zu.
"Sie war nicht deine echte Mutter", miaute Windbrise leise. "Sie hat dich nur aufgezogen." Eine eisige Kälte fuhr durch Ravens Fell und drang bis in seine Haut. Seine Kehle schnürte sich zu und die Welt schien sich zu drehen.
Er bohrte die Krallen in die Erde und begegnete Windbrises schuldigem Blick. "Das...ist nicht dein ernst", hauchte der Schüler. "Veilchenhauch ist meine Mutter, das weiß ich." Seine Stimme wurde zittrig. Windbrise seufzte und entgegnete: "Es ist die Wahrheit. Deine echte Mutter heißt Kira. Sie war eine Streunerin, sie starb während deiner Geburt."
Ravens Fell sträubte sich entsetzt. Seine Mutter war eine Streunerin? Wut brodelte in ihm. "Wieso erzählst du mir das erst jetzt?", fragte er kalt. "Es tut mir so Leid, mein Sohn. Ich weiß, dass ich es dir früher hätte sagen sollen. Doch ich brachte es einfach nicht übers Herz."
Windbrise senkte den Kopf und wirkte plötzlich wie ein schwacher Ältester. Aber Raven empfand kein Mitleid für seinen Vater. Er spürte wie Zorn und Hass in seinen Adern pulsieren. Seine Krallen zuckten gierig danach sie in die Haut des Kriegers zu bohren und ihm die Ohren zu zerfetzen. Doch er gab seinem Verlangen nicht nach.
"All die Blattwechsel hast du mich belogen", knurrte der schwarz-weiße Schüler. "Wie kannst du nur! Denkst du nicht, dass ich schon genug durchgemacht habe?" Windbrise schloss die Augen für einen Herzschlag. "Ich konnte es dir nicht länger verschweigen", erklärte er.
Raven bleckte die Zähne. "Alles, was ich je geglaubt habe, enthüllt sich als eine Lüge. Wie soll ich mit diesem Wissen denn weiterleben?"
"Aber das macht dich nun nicht zu einer anderen Katze", meinte sein Vater. "Du bist immer noch eine FinsterClan-Katze und das wirst auch bleiben."
Raven funkelte ihn hasserfüllt an. "Ich habe Streuner-Blut in mir!", fauchte er und peitschte wild mit dem Schwanz. "Das heißt, dass ich keine ganze Clan-Katze bin! Wie konntest du mir das nur so lange verschweigen? Ich bin dein Sohn, und du hast mich belogen und mir was vorgemacht!"
Windbrises dunkelgrüne Augen zeigten Trauer und Reue. "Raven..." "Nein!", unterbrach der Schüler ihn. "Ich will nichts mehr hören. Lass mich in Frieden!", schrie er und preschte aus dem Bau. Taub vor Schmerz und Wut taumelte er über die Lichtung.
Für einen Herzschlag glaubte er jeden Moment zusammenzubrechen. "Raven? Ist alles in Ordnung?" Der Schüler hob den Kopf und sah zu seiner Erleichterung Karminpelz vor sich. Wusste er vielleicht auch davon?
"Veilchenhauch ist nicht meine echte Mutter", platzte es heiser aus ihm heraus. "Ich wurde belogen, von meinem eigenen Vater!" Karminpelz' Augen weiteten sich kurz, doch er sagte nichts und legte den Schwanz sanft auf seine Schulter. Raven fühlte sich ein wenig beruhigt und sein Atem wurde wieder normal.
"Sag mir", der schwarz-weiße Kater blickte den alten Krieger eindringlich an. "Hast du gewusst, dass meine richtige Mutter eine Streunerin ist?" Karminpelz zögerte und antwortete beklommen: "Nun...ehrlich gesagt, wusste der ganze Clan Bescheid."
Raven war fassungslos. "Wieso habt ihr mir das nie gesagt?", fauchte er und legte die Ohren an. Der rote Kater verengte die Augen. "Wir dachten, es wäre besser, wenn du vorerst nichts darüber erfährst", erklärte er. Schmerz und Enttäuschung brachen wie eine Schneemasse auf den Schüler herab.
Sogar Karminpelz hatte ihn hinters Licht geführt. Die Katze, der Raven genauso viel Vertrauen geschenkt hatte, wie Windbrise. Hatte er den nicht schon genug gelitten? "Ich verstehe, dass das im Moment ein Schock für dich ist, aber du musst damit klarkommen. Das sind nun mal die Tatsachen", meinte Karminpelz ernst.
Raven zeigte die Zähne. "Das werde ich Windbrise nie verzeihen!", zischte er. Im nächsten Moment wirbelte er umher und stürmte auf den Lagerausgang zu, stürzte durch das Gestrüpp und ignorierte dabei die Dornen, die sich in seinem Fell verfingen. "Raven, warte!", rief Karminpelz ihm hinterher, doch der schwarz-weiße Kater rannte immer schneller und blendete jegliche Rufe aus.
Brombeerzweige peitschten ihm gegen das Gesicht und er kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Seine Pfoten führten ihn zum Sumpfgebiet und wenig später spürte er den morastigen Boden zwischen seinen Krallen.
Raven wich Schilfhalmen aus und sprang über tote Baumstämme. Er wusste nicht wohin er gehen würde, er wollte einfach weit weg von Windbrise sein und nie wieder sein Gesicht sehen müssen. Blind vor Wut realisierte er zu spät, dass er sich dem Donnerweg näherte.
Sein Herz machte einen Satz und er bremste ab, kam rutschend auf dem harten, stinkenden Pfad zum Stehen. Ein ohrenbetäubendes Dröhnen näherte sich und wurde immer lauter. Grelles Licht blendete seine Sicht und bevor Raven reagieren konnte, wurde seine Sicht mit einem dumpfen, schmerzhaften Knall ausgeblendet und er fiel in unendliche Dunkelheit.
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