Kapitel 72

Flammenstern betrachtete ihre langsam erwachenden Clangefährten. Es war der dritte Sonnenaufgang seit der Überflutung der Höhle, sie waren fast den ganzen vergangenen Tag gelaufen. Auch wenn sie fast die ganze Nacht geschlafen hatte, schmerzten ihre Ballen bei jedem Schritt. Das Dröhnen in ihrem Kopf war irgendwann verklungen und auch sonst ging es ihr wieder einigermaßen gut. Und heute würde es endlich so weit sein! Heute würden sie den WolkenClan erreichen!

Die Katzen hatten sich dagegen entschieden Keks bei dem seltsamen Wolf-Wald abzusetzen. Lieber würden sie ihn zum Zweibeinerort bringen, der laut Memory in der Nähe ihres neuen Territoriums war. Und dabei hatte Flammenstern gehofft, keine Zweibeiner mehr ertragen zu müssen. Es gab wohl kaum etwas Lästigeres als diese pelzlosen Wesen. Doch es gab wohl kaum einen Ort in dessen Nähe sich nicht mindestens ein Zweibeinernest befand.

Staubwolke kam auf sie zu gehumpelt und setzte sich wortlos neben sie. Er schien mit den Gedanken an einem anderen Ort zu sein und betrachtete seine langsam steif werdende Pfote. Rotpfote war der Meinung, dass dies besser war, als wenn sie immer bewegungslos schlaff umherhing und so unternahm sie nichts dagegen sondern unterstützte den seltsamen Prozess. „Hat Herbstblatt noch etwas darüber gesagt?“, fragte sie vorsichtig. Staubwolke und seine Gefährtin hatten am vergangenen Abend eine Diskussion über Bernsteinpelz geführt, die damit geendet hatte, dass die Kätzin wütend von dannen gezogen war. „Nein. Ich war gerade schon bei ihr. Sie ignoriert mich“, miaute der schildpattfarbene Kater ohne jeden Vorwurf. Flammenstern hatte trotzdem ein schlechtes Gewissen. War es richtig von ihr gewesen Staubwolke die Entscheidung abzunehmen Herbstblatt davon zu erzählen? Es hatte sich in dem Moment richtig angefühlt, doch jetzt tat es das nicht mehr. Der Zweite Anführer wollte etwas miauten und öffnete gerade sein Maul, als Rotpfote auf sie zugestürmt kam.

„Flammenstern! Flammenstern!“, jaulte die gescheckt-getupfte Kätzin aufgeregt und sofort sprang die junge Anführerin auf. Besorgt blickte sie sich um, doch da wurde ihr klar, dass Rotpfote freudig miaute und kein Problem zu haben schien. „Was gibt es?“, miaute sie also und setzte sich wieder neben ihren Bruder. Durch das gejaulte der Heilerschülerin waren die meisten der FeuerClan-Katzen erwacht, doch das störte weder Rotpfote noch Flammenstern weiter. Es war sowieso an der Zeit gewesen, dass sie aufstanden.

Die Augen der rot getupften Kätzin strahlen vor Freude, als sie staubaufwirbelnd vor der Anführerin zu Halt kam. „Ich heiße nicht mehr Rotpfote!“, verkündete sie und hüpfte dabei wie ein Junges auf der Stelle. „Mein Name ist jetzt Rottupf! Ich bin offiziell die Heilerin des FeuerClans!“ Flammenstern schnurrte anerkennend. Sie hatte nicht erwartet, dass der SternenClan Rottupf ihren Namen geben würde, bevor sie den WolkenClan erreicht hatten. Aber da das heute sowieso der Fall sein würde, war es mehr als passend.

Alle Katzen, die bereits wach waren, begannen Rottupf bei ihrem neuen Namen zu begrüßen, wobei Blaupfote, Gelbpfote und Streifenpfote am lautesten jaulten. Von dem Lärm wurden nun auch die letzten Clankatzen geweckt und protestierten genervt.

Die Heilerin bedeutete Flammenstern mit einem zucken ihrer Schwanzspitze ihr zum Fluss zu folgen, was sie mit einem schnellen nicken zu Staubwolke auch tat. Der Kater begann daraufhin sich darum zu kümmern, dass sich alle Katzen Aufbruch bereit machten.

Die flammenfarbene Kätzin folgte der Heilerin durch das hohe Gras bis zum Ufer des Flusses, der das rötliche Morgenlicht reflektierte. Es hatte fast den Anschein, als würde er in Flammen stehen. Rottupf begann mit leuchtenden bernsteinfarbenen Augen und einer Begeisterung, die an die eines Schülers nach seinem ersten Fang erinnerte, zu erzählen: „Es waren unglaublich viele Katzen da! Blaustern, Tüpfelblatt, Gelbzahn, Federbart, Gänsefeder, Rotschweif, Eichenherz, Streifenstern, Fetzenstern, meine Mutter Frostfell und ganz viele andere an deren Namen ich mich schon nicht mehr erinnere!“ Flammenstern nickte interessiert. Sie hatte so ein Gefühl, dass das noch nicht das war, wieso Rottupf sie eigentlich sprechen wollte.

„Und Blaustern hat gesagt, dass wir beide zusammen mit Memory und Geißel in der Vollmondnacht zu einem Ort namens Mondtor kommen sollen“, ergänzte die Heilerin und Flammenstern spitzte überrascht die Ohren, lies Rottupf aber weiterreden. Geißel würde also seine Chance für eine Entschuldigung bekommen.

Kurz schwieg die getupfte Kätzin und schien ihre Worte gut zu wählen, bevor sie fort fuhr: „Ich bin Rotschweifs Wiedergeburt, nicht wahr?“ Als Antwort seufzte die flammenfarbene Anführerin und legte Rottupf den Schweif um die Schultern. „Ich wollte euch das eigentlich erst sagen, wenn wir in unserem neuen Territorium angekommen sind“, murmelte sie und die Heilerin nickte schwach. „Dann lass uns in unserem neuen Territorium darüber sprechen. Ist schon okay“, miaute Rottupf. Es folgte Stille, das Gemurmel ihrer Clangefährten war zu hören und weiter weg zwitscherten ein paar Vögel in zwei Buchen, die neben dem rauschenden Fluss wuchsen.

„Was sonst noch?“, seufzte Flammenstern, als Rottupf eine Weile nichts sagte, obwohl sie ihr genau ansehen konnte, dass sie noch etwas bedrückte. Die frisch ernannte Heilerin presste die Lippen zusammen, holte dann tief Luft und miaute mit einem leicht ängstlichen Unterton: „Es gab eine Prophezeiung.“ Alarmiert nickte sie und bedeutete Rottupf mit einem Zucken der Schnurrhaare fortzufahren.  „Wolkenstern, ein früherer Anführer des WolkenClans sagte: ‚Die dunklen Monster kehren zurück. Fünf weitere Leben reißen sie in Stück‘“

Ein kalter Schauer lief Flammensterns Rücken hinab. Das hörte sich ganz und gar nicht gut an. Aber was könnte mit dunklen Monstern gemeint sein? Zweibeinermonster? Aber wieso sollten die zurückkehren… es sei denn es waren die Monster gemeint, die den alten Wald zerstörten! Aber das konnte doch gar nicht sein, sonst hätte der SternenClan den FeuerClan nie hier hergeführt. Wenn Zweibeiner sie angreifen wollten, dann hätten ihre Ahnen sie zu einem anderen Ort gebracht. Wenn also keine Zweibeinermonster gemeint waren, waren vielleicht Hunde oder Dachse gemeint! Ja das klang doch schon mal viel wahrscheinlicher. Flammenstern hatte schon früher Probleme mit beidem gehabt und es war gut möglich, dass sie am Anfang Dachse auf ihrem neuen Territorium finden würden.

„Flammenstern? Rottupf? Wo bleibt ihr?“, jaulte Geißel irgendwo zwischen den hohen Grashalmen. „Später“, wisperte Flammenstern und die beiden Kätzinnen machten sich auf den Weg zu ihren Clankameraden.

Die meisten Katzen waren bereit. Staubwolke hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet. Geißel und Memory standen wie vorgesehen an der Spitze und unterhielten sich wohl darüber, welcher Weg der beste war. Dahinter kamen Regenpelz, Streifenpfote und Polarlicht die Kämpferherz abwechselnd tragen würden und gerade dabei waren, den verletzten Kater auf Regenpelz‘ Rücken zu schieben. Ihnen folgten die beiden Königinnen mit mehreren Schülern, die ihnen dabei halfen die Jungen zu tragen. Apfel, die Keks im Maul hielt stand unschlüssig in der Nähe, traute sich aber wohl nicht sich ihnen anzuschließen. Bei Herbstblatts derzeitigem Gemütszustand war das aber auch kein Wunder. Laubsprenkel, der sich munter mit Ahornpfote unterhielt, führte Düstersturm. Forellenpelz wurde von Kieselpfote begleitet, damit der Älteste in ihrer hin und wieder auftretenden Verwirrung nichts passierte. Bienenfell, die seit Steinpfotes Tod keinen Schüler mehr hatte, und Gelbpfote bildeten den Schluss.

Nachdenklich blickte Flammenstern sich um. Wo war nur Staubwolke? Sie musste ihn unbedingt fragen, welche Aufgabe er für sie vorgesehen hatte. Endlich entdeckte sie sein schildpattrotes Fell etwas entfernt neben einem Ginsterstrauch, wo er sich mit Blaupfote und Rennpelz unterhielt. Mit schnellen Schritten ging sie zu ihnen. „Staubwolke? Wofür hast du mich denn vorgesehen?“, miaute sie, als sie die drei Katzen erreichte. Ihr Wurfgefährte Blickte überrascht auf. „Du kannst Rennpelz jetzt am Anfang tragen. Später läufst du am besten mit Memory und Geißel voran, würde ich sagen, aber das liegt ganz bei dir“, antwortete er nach wenigen Herzschlägen.

Flammenstern nickte, auch wenn sie  nicht sehr begeistert davon war Rennpelz zu tragen. Danach würde ihr Rücken schrecklich schmerzen und ihre Ballen würden sehr wahrscheinlich aufreißen und zu bluten beginnen. Sie verzog jedoch keine Miene, da sie nichts von ihren Clangefährten verlangen wollte, was sie selbst nicht machen würde. Jeder musste seinen Teil dazu beitragen, ob es ihm nun gefiel oder nicht und als Anführerin würde sie ganz sicher nicht aus der Reihe tanzen. „Gut dann rauf mit ihm auf meinen Rücken“, miaute sie und kauerte sich nieder, damit Staubwolke sich leichter tat ihn auf ihren Rücken zu schieben. Rennpelz verzog das Gesicht und fragte: „Wird Regenpelz damit nicht ein Problem haben?“ Die flammenfarbene Kätzin runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. „Stell dich nicht so an, wir müssen los.“

Es war gerade Sonnenhoch und Flammenstern lief zusammen mit Geißel und Memory an der Spitze der Katzengruppe. Glücklicherweise war Rennpelz recht dünn, weshalb er nicht ganz so schwer gewesen war, wie sie erwartet hatte. Der grau getigerte Kater wurde jetzt von Bienenfell getragen, die weiter hinten lief und ihren Platz mit Blaupfote getauscht hatte. In der Ferne konnte sie einen Donnerweg hören, über den Monster hinweg rannten. Geißel meinte, dass es gar nicht mehr weit wäre und sie erwartete nun schon fast hinter jeder Ecke eine WolkenClan-Patrouille. Anscheinend liefen sie auf den Donnerweg zu, denn das Donnern wurde langsam immer lauter. Irgendwann konnte die junge Anführerin ihre Neugierde nicht mehr zurückhalten und miaute: „Läuft der Donnerweg durch die neuen Territorien hindurch?“ Der kleine schwarze Kater antwortete, nachdem er einen amüsierten Blick mit Memory getauscht hatte: „Ja. Aber welche Clans er voneinander trennt weiß ich nicht. Ich weiß nur wie wir zum WolkenClan kommen und nicht, wie die Territorien aufgeteilt werden werden.“ Sie hoffte sehr, dass nicht allzu viel FeuerClan-Grenze an einem Donnerweg verlaufen würde. Sie wusste von vielen Katzen aus dem alten Wald, die auf dem Donnerweg ihr Leben verloren hatten.

Nachdem sie noch eine ganze Weile gelaufen waren, erreichten sie plötzlich einen tosenden Wasserfall, dessen Wasser in den Fluss mündete. Sie fühlte sich an den Stamm des eilenden Wassers erinnert, als sie das donnernde Plätschern hörte und ihr eigenes Spiegelbild in den Wassermassen erkennen konnte. Das Wasser fiel mehrere Fuchslängen tief und Flammenstern hoffte inständig, dass sie die Felswand nicht nach oben klettern mussten. Memory schien ihre Gedanken zu erraten, denn sie miaute, wobei ihre Stimme fast von dem Getöse des Wasserfalls verschlungen wurde: „Keine Sorge. Vorerst musst du dort nicht hoch. Dieser Wasserfall wird für einen der Clans eine wichtige Rolle spielen, doch nicht für den deinen.“ Die flammenfarbene Kätzin nickte erleichtert und fragte sich, ob wohl der FlussClan hier eines Tages leben würde. Gerade erreichten auch die letzten Katzen den Wasserfall und betrachteten ihn mit staunenden Augen. Apfel, die gar nicht so weit entfernt stand, miaute zu sich selbst: „Fast so wie zuhause.“ Flammenstern wollte etwas erwidern, wurde aber von einem wilden jaulen unterbrochen.

Von flussaufwärts kamen ihnen eine Gruppe Katzen, mit einer cremefarben-braun gestreiften Kätzin an der Spitze entgegen. Der WolkenClan! Sie hatten es geschafft!

„Was wollt ihr auf unserem Territorium?“, knurrte die cremefarbene Kätzin mit ernsten, bernsteinfarbenen Augen, bei der es sich wohl um die Anführerin handeln musste. Blattstern. Ihr Vater hatte Flammensterns Schwester nach ihr benannt.

Als die flammenfarbene Kätzin auf Blattstern zuging, riss diese die Augen weit auf und ihre Augen begannen zu strahlen. Sie gab jegliche Abwehr Haltung auf und lief auf sie zu. „Feuerstern!“, jaulte die Kätzin ungläubig und begrüßte Flammenstern schnurrend. Langsam fragte sie sich wirklich, ob sie wie ein Kater aussah, wenn so viele sie mit ihrem Vater verwechselten. „Fast“, miaute sie deshalb, woraufhin Blattstern verwirrt den Kopf schief legte. Ihre Krieger hatten sich nun zu ihnen gesellt und blickten irritiert von ihrer Anführerin zu den FeuerClan-Katzen. „Mein Name ist Flammenstern. Ich bin Tochter von Feuerstern und Anführerin des FeuerClans!“, jaulte die junge Anführerin deshalb und sofort brach unkontrolliertes Getuschel unter den WolkenClan-Katzen aus.

Blattstern wich ein paar Schritte zurück, sie schien in Gedanken mehrere Blattwechsel entfernt zu sein. Nach einigen Augenblicken nickte sie und mit einem stolzen Ton in der Stimme verkündete sie: „Die Tochter des Feuers hat endlich zu uns gefunden!“

 Wie soll Streifenpfotes Kriegernamen lauten? Irgendwie fällt mir gerade kein richtig guter ein. Streifenpelz ist irgendwie nicht mehr so toll, wie ich mal fand. Genauso bei Gelbpfote. Also: Widmung dieses Kapitels für den, der mir einen guten Namen für Streifenpfote nennt und das vorherige Kapitel an den, der einen für Gelbpfote weiß. Ich suche mir dann den besten raus. Macht so viele Vorschläge, wie ihr wollt.

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