5: Im Park
"Wie vom Erdboden verschluckt?", fragte er ungläubig und zog dabei eine Augenbraue hoch.
"Ja! Wenn ich's doch sage. Sie meinte, dass sie plötzlich einfach verschwunden war", versuchte ich ihn von Leanas Aussage zu überzeugen.
"Wie kann man nicht merken, dass ein Mädchen mit einem Fahrrad plötzlich verschwindet?"
"Was weiß ich denn?! Ich war ja nicht dabei, so hat sie es mir halt erzählt!" Genervt sah ich ihn an. Es klang so, als würde ich mit Schuld daran haben, was doch totaler Schwachsinn war.
"Wow. So sind wir jetzt auch schon ziemlich weit gekommen!", meinte er sarkastisch.
"Immerhin hab ich etwas in Erfahrung gebracht! Was hast du denn schon herausgefunden, du super Spion? Hm?" Abwartet sah ich ihn an.
"Ja gut, okay. Ich hab noch nichts", verdrehte er genervt die Augen.
Triumphierend lächelte ich ihn an. "Na also, von wegen Jungs sind besser", redete ich mehr mit mir selbst und schrieb meine Info, die ich Leonardo gerade erzählt hatte, auf ein Blatt Papier.
"Jetzt spiel dich mal nicht so auf. Viel hast du auch nicht gerade herausgefunden. Also, wie sollen wir jetzt vorgehen?" Anscheinend konnte er es nicht ab, wenn er schlechter als ich dastand.
"Vielleicht sollten wir einfach mal zu dem Ort gehen, wo sie verschwunden ist. Wenn wir Glück haben, dann finden wir irgendein Hinweis oder so."
"Ich brauche kein Glück. Ich habe Können", sagte er und zeigte überzeugt auf sich. Ich sah ihn verstört an und schüttelte den Kopf.
"Also arroganter geht's ja wohl nicht. Ich weiß gar nicht wieso dich alle so toll finden!"
"Ach ja? Wer findet mich denn toll?", fragte er mit einem frechen Grinsen.
Ich verdrehte meine Augen. "Die ganzen Mädchen. Aber bild' dir bloß nichts drauf ein, ich bin dabei dich schlecht zu reden." Ich stand auf und wollte gehen. Leonardo folgte mir.
"Wieso denn das? Bist du etwa eifersüchtig?" Ich fing an zu lachen.
"Eifersüchtig! Ich? Und wo von träumst du bitte nachts?" Ich ging lachend und kopfschüttelnd aus einem Klassenzimmer, wo wir uns getroffen hatten, da uns hier keiner störte. Schließlich war schon längst Schulschluss.
"Es ist kurz nach halb sechs. Wir könnten es noch schaffen. Abendessen gibt es erst in einer Stunde, vielleicht schaffen wir es, bis dahin zurück zu sein", sagte Leonardo, während er auf seine Armbanduhr schaute.
"Klar. Ich gehe mich nur schnell umziehen, denn in Schuluniform will ich nicht durch den Park rennen", erklärte ich und ging auf mein Zimmer. Leonardo und ich hatten vorher noch vereinbar, uns in zehn Minuten draußen am Tor zu treffen, da es nicht sehr vorteilhaft wäre uns zusammen zu sehen, zumal ich ihn immer als Idiot bezeichnete vor meinen neuen Freundinnen.
Im Zimmer angekommen, musste ich feststellen, dass Leana und Lia da waren und in irgendwelchen Zeitschriften blätterten. Sie musterten mich neugierig, wie ich mir eine Jeansshort und ein schwarz-weiß gestreiftes, kurzes, lockeres T-Shirt aus meinem Schrank nahm und im Bad verschwand. Schnell streifte ich mir diese Kleider über und tauschte sie so gegen meine Schuluniform. Wieder im Zimmer angekommen zog ich mir schnell weiße Adidas Superstar an und schnappte mir eine kleine schwarze Umhängetasche, wo ich mein Handy und eine kleine Lupe hineintat - man konnte ja nie wissen.
"Wo gehst du denn jetzt noch hin?", fragte Lia.
"Ach, öhm, nur ein bisschen spazieren."
"Jetzt noch?", fragte Leana ungläubig.
"Ist doch gutes Wetter."
"Hast dich aber auch ziemlich beeilt gerade. Wartet etwa jemand auf dich?" Beide sahen mich neugierig an. Ich fühlte mich ertappt.
"Ach, quatsch, nein. Ich hab mich nur beeilt, weil ich nicht länger Zeit verlieren will, schließlich gibt es auch schon in...ungefähr einer Dreiviertelstunde Abendessen. Also, bis später. Ciao!" Schnell lief ich aus dem Zimmer und ging zügig, möglichst ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen, zum Tor, wo Leonardo bereits wartete. Auch er hatte sich "normale" Alltagskleidung angezogen. Neben ihm standen zwei Fahrräder, womit wir schneller am Park ankamen, auch weil es zu Fuß etwas zu weit gewesen wäre.
Dort angekommen, stieg ich vom Fahrrad und schob es in den Park hinein. Leonardo tat es mir gleich.
"Wir können jetzt aber nicht den ganzen Park absuchen. Wo sind die denn überall gewesen, als sie den Ausflug gemacht haben?", fragte er mich.
"Also, angeblich sind sie von der anderen Seite hineingekommen und dann müsste hier gleich so 'nen Picknick-Platz kommen, wo sie dann eine Pause gemacht haben. Danach sind sie wieder weggefahren, circa gegen 18 Uhr oder so, und zwar durch den Eingang, wo wir gerade hergekommen sind." Er nickte einmal.
Als wir dann an diesem Picknick-Platz ankamen, lehnten wir die Fahrräder gegen einen Baum und suchten den Weg, den ich von Leana erklärt bekommen hatte, ab.
"Also, ich finde hier nichts Auffälliges. Du?", kam es von ihm.
"Nope. Obwohl...warte mal, hier vielleicht." Ich ging auf eine Reihe von Büschen zu und schob sie beiseite. War gar nicht so einfach, aber letztendlich schaffte ich es doch und was ich dahinter erblickte ließ mich kurz stutzen.
"Was ist denn?" Leonardo kam neben mich. "Oh. Da ist ja das ganze Gras platt gedrückt."
"Dort hat jemand ziemlich lange gesessen, und ich meine, wer versteckt sich schon hinter einem Busch in einem Park?"
"Verrückte, Leute die sicher gehen wollen, dass sie alleine sind, kleine Kinder, die Verstecken spielen, jemand der zu viel getrunken hat...und Leute, die jemanden beobachten wollen", zählte er auf.
"Genau. Und da es hier in diesem Park zur Entführung gekommen ist, und Roberta hier in diesem Park war, ist es logisch, dass ihr Entführer hier in diesem Park hinter einem Busch versteckt war, um den richtigen Moment abzupassen!"
"Also...wenn wir davon ausgehen, dass es wirklich der Entführer war, der das Gras hier platt gedrückt hat, dann könnten wir ungefähr das Szenario "nachspielen". Jetzt sollten wir allerdings zurück, es gibt gleich Abendessen und ich hatte nicht vor aufzufallen, zumal wir nicht abgemeldet sind", meinte Leonardo.
"Hast recht. Dann los." Wir gingen zu den Fahrrädern und fuhren zurück. Ich hätte nicht gedacht, dass wir schon so schnell etwas finden würden. Ich mein, klar, wir konnten nicht mit voller Sicherheit sagen, dass das platte Gras dem Entführer zu verschulden war, aber wir konnten es ja mal vermuten.
Ich fuhr nichts ahnend und in meinen Gedanken, deswegen merkte ich nicht, wie Leonardo plötzlich anhielt.
"Hey, bleib mal stehen!", rief er mir zu. Ich stoppte und sah über meine Schulter zurück.
"Was denn? Komm! Ich will nicht zu spät kommen!" Doch er überhörte mich absichtlich und stieg vom Fahrrad, um etwas vom Boden aufzuheben.
"Kommst du jetzt mal her oder was?", drängte er mich.
"Ja, bleib locker." Ich fuhr also das kleine Stück zurück und sah, was er aufgehoben hatte.
"Ein Zettel?" Ich sah nicht sehr überzeugt aus und hob bloß eine Augenbraue.
"Aber deine Erkenntnis, dass das Gras platt gedrückt ist, ist besser oder wie? So können wir wenigstens eine Handschrift ermitteln. Zicke." Das letzte Wort sagte er zwar leise, doch ich verstand es trotzdem.
"Ach, halt doch die Klappe, Idiot!" Genervt stieg ich wieder aufs Fahrrad und fuhr einfach los. Wieso war er immer so....so idiotisch?
Na ja, also das mit der Handschrift war gar keine schlechte Idee, vielleicht hatten wir Glück und es gehört wirklich zu dem Entführer, was aber eher unwahrscheinlich war, denn die Wahrscheinlichkeit war ziemlich gering bis nicht vorhanden. Aber wir konnten dem ja einfach mal nachgehen, um etwas zu tun zu haben.
Neben mir tauchte auf einmal wieder mein toller Partner auf. Man beachte den Sarkasmus!
"Jetzt sei doch nicht gleich beleidigt."
"Lass mich!" Ich hatte keine Lust mehr mit ihm zu sprechen und fuhr schneller, was aber nichts nützte, da er wieder aufholte. Machte er das regelmäßig oder warum war er so gut?
"Hör zu, ich werde die Handschrift durch ein Programm auf meinem Laptop laufen lassen und dir dann Bescheid geben, was raus gekommen ist, okay?"
"Hm." Ich zuckte mit den Schultern. Sollte mir recht sein. "Hauptsache, keiner findet heraus, was wir wirklich tun oder dass wir in irgendeiner Weise Partner sind."
"Ach wirklich? Und wieso können wir nicht einfach Freunde sein?", zog er eine Braue hoch.
"Ich will einfach so wenig wie möglich mit dir zu tun haben, also privat. Wir retten Roberta Federica Barone und dann sehen wir uns eh nie wieder, also brauchen wir keine Freunde zu werden. Ich erledige einfach meine Mission und gut is'! Du bist auch nur hier, um Pluspunkte und mehr Ansehen als Spion zu gewinnen, also spar dir Annäherungsversuche!"
"Sag niemals nie!", meinte er grinsend. Ich verdrehte meine Augen. Ich konnte es nur immer wiederholen: I-D-I-O-T.
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