39: Teamwork?

Da die Panikattacke mittlerweile etwas her war und mein Körper sich davon schon wieder relativ gut erholt hatte, versuchte ich mich so gut es ging zu wehren. Ich schlug um mich und versuchte die Person, die ihre Hand immer noch auf meinem Mund hatte, zu schlagen, jedoch traf ich immer daneben.
"Hör' auf zu zappeln! Ich will dir nichts Böses!", sagte eine Jungenstimme in mein rechtes Ohr. Wer zur Hölle war das?!
"Hm-hmpf-mh", grummelte ich sarkastisch und machte mich extra schwer, sodass mein Kidnapper es schwerer hatte, haha. Dies merkte er natürlich sofort.
"Uff...ich werde nie wieder jemanden holen gehen!"
Ich wurde jetzt bestimmt schon fünf Minuten durch die Gegend gezogen. Ich seufzte einmal. "Wir sind ja gleich da. Du wirst langsam echt schwer!"
Verächtlich schnaubte ich. Wer auch immer mich da abschleppte, der wurde sicher nicht mein bester Freund!
"Hm", machte ich bloß und zuckte mit den Schultern. Ich hatte ja nicht drum gebeten, gekidnappt zu werden.

Wir kamen endlich irgendwo an, denn ich hörte, wie die Person hinter mir an einer Tür klopfte und diese anschließend geöffnet wurde. Ich wurde hinein geschleppt und stand kurz darauf ohne fremde Hand auf meinem Mund in einem Raum lauter Bildschirme und anderem technischen Kram. Ich sah mich genauer um. Es befanden sich noch sechs weitere Personen in diesem Raum, die alle vor mindestens einem Bildschirm saßen.
"Ich gehe nie wieder jemanden holen!", sagte dann ein Junge, der wohl mein Kidnapper war.
"Ach komm, Nicolo! Stell' dich nicht so an", meinte ein anderer Junge lachend, der vor drei Monitoren saß und uns somit den Rücken zuwendete. Ein Mädchen drehte sich mit ihrem Stuhl um und lächelte ebenfalls.
"Du bist doch wohl stark genug."
"Diego doch auch", meinte dieser Nicolo. Der Junge vor den drei Monitoren drehte sich jetzt auch um. Das war wohl Diego.
"Ich habe ja auch meinen Part erledigt. Du warst an der Reihe."
"Ehm...hallo! Ich bin auch noch da. Könnte mir bitte irgendwer erklären, WER ihr seid, WARUM ich hier bin, WAS ihr hier macht und WO meine Freunde sind?", merkte ich an, verschränkte meine Arme vor der Brust und sah abwartend in die Runde.

"Ich bin Cassandra und das sind Diego und Nicolo. Meine Cousins", lächelte sie freundlich. Sie hatte dunkle, fast schwarze Augen, ihr Haaransatz war dunkelbraun und wurde zu den Spitzen hin immer heller, was mit ihren Korkenzieherlocken echt klasse aussah. Sie trug eine einfache schwarze Hose, Turnschuhe und eine dunkelblaue, sportliche Bluse. Sie war eigentlich ganz hübsch, bloß ihre Nase war ein wenig zu groß, fand ich, aber was soll's.
Nicolo war dunkelblond und trug eine nicht allzu große Brille auf der Nase, die der Cassandras ähnelte. Er hatte eine edle Jogginghose an, die er zum Glück nicht so trug, dass man seine halbe Unterwäsche sehen konnte und lieber sein Shirt hinunter zog als die Hose hoch. Ich hasste das, denn es sah immer so aus, als hätten die sich in die Hose geschissen, was dieser 'coole' Gang auch noch verstärkte. Mich widerte sowas eher an, als dass ich es 'cool' fand.
Weiter zu Diego. Dieser sah einfach nur mega aus. Aber da ich einen Freund hatte, vergessen wir diesen Gedanken schnell wieder. Er hatte dunkelbraune bis schwarze Haare und kastanienbraune Augen. Seine Nase sah komplett anders aus, aber auch seine Gesichtszüge. Er hatte ein unglaublich schönes Lächeln und....ja...
Also, er trug eine ebenfalls bequeme Hose und hatte, genauso wie Nicolo, ein dunkelblaues T-Shirt mit V-Ausschnitt an. Ich musste zugeben, dass er wirklich echt heiß aussah.

"Du bist Alexandra Chiara Visconti, richtig? Oder haben wir die Falsche erwischt?", fragte Diego.
"Ich hoffe nicht, denn ich werde sie garantiert nicht zurück bringen!", meinte Nicolo sofort. Ich rollte mit den Augen und drehte mich dann zu Cassandra.
"Also der da", ich zeigte über meine Schulter. "Wird garantiert NICHT mein bester Freund!"
Sie musste anfangen leicht zu lachen. Sie hatte ein echt niedliches Lachen.
"Nicolo scheint am Anfang vielleicht ein wenig schroff, doch er ist ein ganz lieber, hab ich recht?", wendete sie sich an ihn. Er grinste schief und nickte leicht.

"Um deine Fragen zu beantworten", fing Diego an und stand auf. Holla, war der groß! Er ging an mir vorbei, um etwas an einem Drucker zu holen oder so. Mit Zetteln in der Hand kam er wieder. "Wer wir sind weißt du ja jetzt. Du bist in einem Raum, unterm Altersheim. Wir gehören zu einer Organisation, die gegen die Aifam arbeitet. Es ist ein hartes Stück Arbeit, da wir nie genau wissen, wer dazu gehört und wer nicht, wer alles neu ist und so."
Aaaalles klaaaar....jap, es wurde immer merkwürdiger. Ich wartete nur darauf, dass Sofia mir ein Glas kaltes Wasser ins Gesicht warf und mich aus diesem merkwürdigen Traum holte.

"Schön und gut, aber warum bin ICH hier?", verschränkte ich die Arme.  
"Na ja, wir haben dich aus diesem Raum gerettet, indem du eingesperrt warst und eine Panikattacke in der Höhe bekommen hast. Du konntest den Fängen der Aifam entkommen....vorerst. Schließlich brauchen wir dich noch."
"Mich? Wozu denn bitte?"
"Du bist eine gute Kämpferin und mit deinen Freunden seid ihr ein starkes Team. Wenn wir dazu als Rückendeckung dien-"
"Okay, stopp!", ich hob meine Hände. "Wieso sollten wir euch helfen? Wer hat jemals beschlossen, DASS wir euch helfen? Wir haben eine andere Mission UND ihr könnt bestimmt genauso gut kämpfen, schließlich lässt man niemanden auf die Aifam los, der nicht kämpfen kann!"
"Kluges Mädchen, es stimmt was man von dir erzählt", kommentierte Cassandra.
"Also ich versuche dir das mal alles in ruhe zu erklären", meinte Diego und lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Jetzt hatte ich wenigstens wieder einen Grund ihn anzusehen, hehe.
"Wir haben dir geholfen, aus dem Raum zu kommen. Wir haben deinen Freunden geholfen, dich zu finden. Wir haben deinen Freunden geholfen, aus den Fängen der Aifam frei zu kommen. Wir wollen die Aifam zerstören, ihr wollt Roberta Federica Barone retten. Beide Missionen gehören also irgendwie zusammen. Wir helfen euch, was ja schon irgendwie geschehen ist, und ihr helft uns. Du bist gut und klar, wir können kämpfen, aber ihr wärt eine starke Hilfe." Ich musste erst einmal alles verarbeiten. Das waren EINDEUTIG zu viele Informationen.

"Ich überlege es mir, aber zurück zu meinen Freunden...wo sind sie?", fragte ich langsam, aber mit Nachdruck.
"Sie sind in anderen Räumen. Wir lassen sie untersuchen, du solltest es auch tun, nach deiner Panikattacke", erklärte Nicolo und schob seine Brille zurecht.
"Nein danke, ich bin okay", schüttelte ich den Kopf.
"Ach komm, stell' dich nicht so an! Sicher ist sicher!", hörte ich plötzlich die bekannten Stimmen meiner Freunde. Ich drehte mich um und seufzte. "Na gut", meinte ich fast patzig. Ich hatte jetzt keine Lust zu diskutieren, außerdem machte es keinen so guten Eindruck vor den Leuten, die mich noch nicht kannten. "Wo muss ich hin?"
Leo grinste und sagte: "Komm mit, ich zeig's dir." Er griff sanft mein Handgelenk und zog mich mit sich. Als wir auf diesem dunklen Flur waren, ging ein spärliches Licht an, was den Weg halbwegs gut erleuchtete. "Was hälst du von all dem hier?", fragte er leise.
"Keine Ahnung. Sie haben eine Mission, und wir auch. So unterschiedlich sind wir gar nicht und, ich meine, sie haben uns schon geholfen und würden es nochmal tun, wenn wir ihnen helfen...ich denke wir sollten es tun, schließlich kennen sie die Stärken und Schwächen der Aifam Mitglieder besser als wir. Vielleicht können sie uns auch etwas über Robertas Vater erzählen. Ich finde, wir haben nicht so viel zu verlieren, ob wir alleine arbeiten oder mit ihnen. Wie siehst du das?"
"Ich steh' zu dir, Freundin", meinte er und grinste blöd. Ich schlug ihm lachend auf den Arm. "Du bist so blöd!"

"Hier ist es", sagte Leo dann irgendwann und blieb vor einer Tür stehen. Keiner von uns rührte sich. "Willst du nicht reingehen?", fragte Leo verwirrt. Ich knetete nervös meine Hände.
"Was", fing ich an. "Was haben die bei dir gemacht?" Leo schien verwirrt. Ja gut, ich wäre es auch.
"Ehm...uns untersucht?"
"Ja...aber..." Wie konnte ich es am besten formulieren? "Ich meine, haben sie...also..." Mahn! Wieso machte ich mich immer so verrückt? "Hast du eine Spritze bekommen?", hauchte ich sehr schnell. Leo brauchte einen Moment, um zu realisieren, was ich gesagt hatte. Er trat näher an mich heran und beugte sich dann zu meinem Ohr. Sein Atem an meinem Ohr brachte mir eine Gänsehaut.
"Hast du etwa Angst vor Spritzen?", fragte er mit einer ernsten Stimme, doch ich konnte mir sein Grinsen vorstellen. Ich antwortete nicht, sondern biss mir auf die Unterlippe. Ja, richtig, noch eine Angst die mich plagte! Spione sind halt auch nur Menschen und nicht perfekt! Also keine Verurteilungen, wenn ich bitten darf! Meine Höhenangst war zwar schlimmer, doch ich konnte Spritzen noch nie leiden...konnte man nicht einfach Tabletten schlucken und gut is'? Nein! Man bekam den Stoff mit einer langen, dünnen Nadel, die durch die Haut und Muskel stach eingespritzt. Ekelhaft! Grauenvoll!

"Und wenn schon", murmelte ich, immer noch meine Hände knetend.
"Nein, ich habe keine Spritze bekommen. Sofia glaub' ich auch nicht. Also keine Sorge, die werden dich schon nicht umbringen. Ich warte hier auch auf dich", meinte er. Er war gerade echt lieb, doch dazu hatte ich keinen Nerv.
"Wenn du meinst..." Ich hob meine linke Hand und klopfte. Kurz darauf wurde die Tür auch schon geöffnet und ich wurde von einer nett aussehenden Dame mittleren Alters angeschaut. "Hey", fing Leo an. "Sie wurde auch aus den Fängen der Aifam gerettet. Da sie allerdings eine schlimme Höhenangst hat, und dies ausgenutzt wurde, bekam sie eine Panikattacke. Es wäre vielleicht sinnvoll, sie einmal durchzuchecken." Sie sah zu mir und ich nickte kurz, immer noch ein wenig ängstlich davor, eine Spritze zu bekommen.
"Dann komm rein, möchtest du auch oder-", wendete sie sich an Leo.
"Nein, nein! Ich bleibe draußen", sagte dieser sofort. Ich trat also alleine in den Behandlungsraum. Wie das schon klang! Widerlich! Ich war echt keine Freundin von Ärzten...warum auch immer...sie waren irgendwie gruselig.

Ich setzte mich auf die Liege und sie kramte in einer Schublade. Mit einem Stethoskop um den Hals drehte sie sich um. "Heb' dein Shirt hinten mal bitte etwas hoch", sagte sie und rollte mit einem Stuhl heran. "Könnte gleich etwas kalt werden", warnte sie mich. Und ja! Es war kalt! Eiskalt! Ich zuckte kurz zusammen und sie hatte ein kleines Lächeln auf den Lippen. Das sah sie wohl oft.

"Atme ein paar mal ruhig tief ein und aus, bitte." Ich tat was mir gesagt wurde. Danach hörte sie meine Lunge von vorne ab und danach legte sie das Stethoskop zur Seite. "Alles super. Aber erzähl mal, wie war die Panikattacke? Kannst du dich noch daran erinnern? Weißt du, warum du eine hattest? Passiert dir das öfter?" Ich runzelte fragend meine Stirn. Was waren das für Fragen?
"Sind sie Ärztin oder Psychologin?", fragte ich und zog wieder mal eine Augenbraue hoch.
"Wenn du schon so fragst. Ich bin beides. Qualifizierte Psychologin, spezialisiert für Kinder und Jugendliche, aber auch Ärztin", schmunzelte sie.
"Aha...ja...also es war so..."
Ich erklärte ihr alles, woran ich mich erinnerte, und wir redeten dann noch eine Weile, bis wir plötzlich unterbrochen wurden. Wir sahen zur Tür, die plötzlich aufgerissen wurde und eine schwer atmende Cassandra kam hineingestürmt.
"Alexandra! Du...du musst sofort kommen! Wir...wir haben ein Problem....oder es kann zu unserem Problem werden, wenn wir uns nicht beeilen!", meinte sie und stemmte sich mit einem Arm am Türrahmen ab und den anderen hatte sie in die Hüften gestemmt.

Was denn nun schon wieder?

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