24: Darf ich Vorstellen, Sofia Vercelli
Wir Mädchen saßen alle auf dem Boden im Zimmer von Lia und Luna, bis auf Francesca und Aurora. Dies änderte sich aber gleich, als es an der Tür klopfte und Aurora hinein kam.
"Ist Fran wieder bei James?", wollte ich wissen.
"Nein. Er ist bei uns. Was glaubst du warum ich aus dem Zimmer geschickt wurde", verdrehte sie die Augen.
Wir mussten grinsen und sie setzte sich zu uns.
"Also, wie findet ihr die Idee von einem Schulball?", fragte Leana in die Runde und sah alle abwartend an.
"Ein Schulball?", fragte Luna. "Warum?" Ich lächelte wissend in Lias und Leanas Richtung, doch bevor sie antworten konnten, Aurora begeistert in die Hände.
"Das wäre ja cool! Dann ist hier mal was los!" Meine Rede.
Meinen Unterleibschmerzen ging es besser. Dank dem Sport war es angenehmer geworden und die Nurofen, die ich genommen hatte, wirkte sofort.
"Wie stellt ihr euch das denn vor?", fragte Luna dann.
"Wie meinst du das?", fragte Lia.
"Na, mit der ganzen Planung und den Genehmigungen und die Einladungen und all sowas."
Ich grinste und holte die Zettel hervor. "Also wenn euch noch Programmpunkte einfallen, dann nur her damit!"
"Was habt ihr denn bis jetzt? Lass mal sehen." Aurora nahm mir den Zettel aus der Hand.
"Wollt ihr etwa auch sowas wie Ballkönig und -königin organisieren?", erkundigte sich Luna neugierig.
"Darüber haben wir noch nicht nachgedacht", gab Leana zu.
"Ich finde es unnötig. Viel zu oberflächlich und meist werden doch eh nur die älteren Schüler gewählt", meinte ich. Die anderen nickten zustimmend.
"Ich hätte noch ein Programmpunkt", sagte Aurora plötzlich.
"Schieß los!"
"Man könnte doch eine Diashow mit vielen Bildern des Jahres machen!"
"Wir dachten, wir machen das schon in drei Wochen oder so, weil wir da auch Montag frei haben. Bis zum Ende des Jahres dauert es noch so lange." Leana ließ sich nach hinten fallen.
"Da hat's ja jemand eilig", neckte ich sie.
"Ha. Ha."
TOCK. TOCK. TOCK.
"Wer ist das denn jetzt?", fragte ich genervt und stand auf, um die Tür zu öffnen. Die Mädchen sahen ebenfalls zur Tür.
"Was willst du denn hier?", war das, was Aurora als Erste sagte, sobald die Tür geöffnet war.
"Macht euch keine Hoffnungen. Ich wollte eh zu Maria." Ich sah sie erstaunt an.
"Zu mir?"
"Ganz genau. Würdest du kurz raus kommen?"
"Klar." Ich schloss die Tür hinter mir und sah Nina abwartend an. "Was gibt's?"
"Alsooo ich finde es echt super wie du uns wegen Sport hilfst."
"Ja. Das sagtest du bereits."
"Achso, ja stimmt." Ich seufzte. Irgendetwas hatte sie doch.
"Nina, sag was los ist. Du bist doch nicht nur gekommen, um mir das schon wieder zu sagen." Sie sah ein wenig nachdenklich und mit sich selbst überlegend hinter mich. Ich wartete ruhig und zwischendurch erwischte ich mich dabei, wie ich an Leo dachte. Mich hat's echt erwischt.
"Du hast ja recht, aber...es geht um Amadeo", rückte sie endlich mit der Sprache raus. Innerlich verfluchte ich mich dafür, sie gefragt zu haben.
"Warum kommst du dann zu mir? Du hast doch zwei beste Freundinnen für's Leben."
"Ja nee....nicht für sowas...die sind gut für Mode, Schminke und Tratsch, aber nicht für etwas Ernsteres."
"Du kennst mich doch gar nicht so richtig. Ich bin doch erst seit kurzen hier!" Verwirrt musterte ich sie.
"Ja na und? Amadeo ist auch seit kurzem hier und ich finde ihn umwerfend! Carlo ist nun auch nicht gerade lange hier und er hat mir auch schon öfter geholfen."
"Wie jetzt, Carlo ist gar nicht so lange hier?" Das war ja mal eine Neuigkeit.
"Nein, erst seit Mitte des ersten Halbjahres. Aber zurück zu mir! Ich kenne dich zwar nicht lange und du bist mit den Mädchen befreundet, die mich nicht mögen, aber trotzdem machst du auf mich so einen vertrauenswürdigen, klugen Eindruck." Also das musste ich erstmal verdauen. Ich war für sie vertrauenswürdig und klug? Sie war schon seit fünf Jahren auf diesem Internat und nur ich kam auf einmal in Frage? Das machte doch gar keinen Sinn!
Ich sah sie überprüfend an. Irgendetwas stimmte hier nicht, doch das fand ich noch heraus. Erstmal sollte ich mir nichts anmerken lassen, also lächelte ich schließlich.
"Find ich echt nett von dir! Was liegt dir denn auf dem Herzen?" Im nächsten Moment hätte ich mich für die Frage ohrfeigen können.
Sie lächelte erleichtert. "Nun, er ist wirklich hübsch." Nein, wirklich?
"Er hat diese unglaublich seltene Kombination aus hellen Augen und dunklen Haaren." Erzähl mir was Neues!
"Er sieht so süß aus wenn er lacht!" Bleib ruhig, Alex!
"Und dieses Lächeln....zum dahin schmelzen..." Mein Kiefer tat schon langsam weh, da ich so fest zu biss. Die wollten mich doch alle verarschen!
Ich atmete einmal tief durch. "Er gefällt dir also?"
"Ja, so kann man's auch sagen."
"Und das wolltest du mir sagen?", hob ich eine Augenbraue.
"Ich wollte ihn schon öfter nach einem Date fragen, doch er ignoriert mich ständig. Vielleicht kannst du mir helfen, mich auf ihn aufmerksam zu machen." Als ob er dich jemals gut finden wird.
"Einverstanden", sagte ich und sie schien noch erleichterter. "Aber dafür will ich auch etwas haben."
Ihr Lächeln verschwand. "Und was?" Jetzt war ich die, die lächelte. "Du beantwortest mir ALLE Fragen, die ich dir stelle."
"Alle?", runzelte sie die Stirn und biss sich auf die Unterlippe.
"Alle."
"Und was für Fragen?"
"Da habe ich schon welche", lächelte ich selbstbewusst.
"Aber ich werde dir keine zu privaten Fragen beantworten", stellte sie klar.
"Keine Sorge, das will ich gar nicht wissen. Also?"
"Na gut. Aber dafür musst du auch gute Ideen haben!"
"Jaja, ich überleg mir schon was Nettes! Deal?" Ich hielt ihr meine Hand hin und sie schlug ein.
"Deal."
"Also, ich denke mal für den Anfang", ich überlegte kurz. "Reichen sechs Fragen. Dann überlege ich mir etwas und je nach dem was es ist, stelle ich noch mehr Fragen oder es bleibt bei den Sechs. Sozusagen als Bezahlung."
"Du wärst bestimmt eine gute Geschäftsführerin."
"Mein Opa war einer. Also kann ich dich fragen?", log ich. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte.
"Ich hab doch keine andere Wahl. Schieß los."
"Wissen deine Freundinnen, dass du zu mir gekommen bist, weil du wegen Amadeo Hilfe brauchst?"
"Nein und ich bitte dich, ihnen das auch nicht zu sagen."
"Geht klar. Wobei sollte Carlo dir schon öfter helfen?"
"Hausaufgaben, lernen, Koffer oder Bücher tragen....all sowas", sagte sie und zögerte kaum merklich dabei.
"Achso und...weißt du zufällig, warum er auf diese Schule gekommen ist?" Sie überlegte erst einen Moment und sah mich durchdringlich an. Sie verbarg etwas.
"Klar, er ist genauso wie du umgezogen."
"Hast du dich auf Anhieb gut mit ihm verstanden?" Ich sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an und sie musterte mich nur überprüfend.
Was wusste sie?
"Wozu willst du denn so viel über Carlo wissen?"
"Gegenfragen kosten extra", stellte ich sofort klar und sah sie mit einem festen Blick an.
"Übertreib es mal nicht, Maria. Oder ist das gar nicht dein richtiger Name?", kam es plötzlich von ihr.
Ich musterte sie eindringlich. "Was meinst du damit?"
"Das weißt du ganz genau." Stille herrschte zwischen uns und wir sahen uns beide biestig an, bis sie sprach. "Ich denke, wir reden ein anderes Mal weiter und du kannst dir noch andere Fragen überlegen. Denk daran, ich möchte dafür aber eine gute Idee haben." Ein letzter durchdringlicher Blick und sie verschwand. Dieses Mädchen gefiel mir nicht. Ganz und gar nicht.
Zurück im Zimmer war meine Laune gesunken und ich fragte die anderen Mädels, ob es ihnen etwas ausmachen würde, wenn sie gehen könnten.
"Kein Problem, ruh dich ruhig aus. Nicht, dass du uns noch krank wirst", meinte Lia, wie immer fürsorglich.
Als alle weg waren, legte ich mich auf mein Bett und musste nachdenken. Wusste Nina zu viel oder bluffte sie nur?
"Was ist mit Nina draußen passiert, dass du jetzt so viel nachdenkst?" Leana war auch manchmal merkwürdig. Sie wusste eigentlich immer, worum ich mir Gedanken machte und dass ich Leonardo gut fand, hatte sie auch erraten.
"Woher weißt du immer so genau, warum ich mir Gedanken mache?" Sie seufzte und setzte sich neben mich, also setzte ich mich auf.
"Also gut. Ich denke, wir Guten müssen zusammenhalten." Ich runzelte meine Stirn. Was meinte sie damit? Sie war doch nicht etwa...?
"Ich heiße gar nicht Leana Belli. Mein richtiger Name ist Sofia Vercelli."
Ich war baff. "Das...das heißt du bist auch eine Undercover-Agentin?"
Sie nickte. "Ja, aber nicht so wie du oder Amadeo. Ich bin schon seit der 5. Klasse hier."
"Und warum? Ich meine, musst du nicht auf eine Schule für Spione?"
"Bei uns ist das etwas anders geregelt. In der Grundschule haben wir die Grundlagen gelernt und die wichtigsten Kampfgriffe. Danach wurden wir sortiert, das heißt, dass wir getestet wurden. Die, die begabter und talentierter waren, sprich, eher die "Hochbegabten" unter uns, die wurden schon ausgebildet. Alle anderen, ungefähr 2/3 aller, wurden verdeckt auf unterschiedliche Schulen im Land oder sogar ins Ausland geschickt. Hier sollen wir unser Abi machen und dann fangen wir mit einer guten Ausbildung an. Aber welchen Sinn das hat, weiß ich nicht."
"Das erklärt auch, wie du an meine Akte gekommen bist", stellte ich fest.
"Ja. Ich war oft kurz davor dir mein Geheimnis zu erzählen, aber dann hab ich's doch gelassen. Ich wollte erst sicher gehen, dass du auch wirklich eine Spionin bist."
"Verstehe. Ich bin übrigens Alexandra Chiara Visconti und nicht Maria Ponti. Du kannst mich aber Alex nennen", sagte ich freundlich.
"Geht klar, Alex. Und was ist mit Amadeo? Wie heißt er in Wirklichkeit?", fragte sie neugierig nach.
"Leonardo Samuele Grimaldi."
"Ah, schöner Name. Aber zurück zu Nina. Was war los?"
"Sie wollte zu mir wegen Leonardo. Sie wollte ihn zu einem Date einladen, doch sie verzweifelt, weil er sie ignoriert. Also wollte sie Hilfe von mir. Ich habe gesagt, ich überlege mir etwas, dafür soll sie mir fragen beantworten. Irgendwann meinte sie dann, Maria oder ist das gar nicht dein richtiger Name?"
"Hm. Das ist durchaus merkwürdig", runzelte sie die Stirn.
"Wie versteht sie sich eigentlich mit Carlo?"
"Die haben sich auf Anhieb gut miteinander verstanden, obwohl Carlo ja eigentlich mehr mit uns befreundet war und Nina ja eher nicht."
"Sehr merkwürdig. Wir sollten die beiden im Auge behalten, auch weil ich denke, dass er mich einmal belauscht hat, als ich mit meinem Direktor telefoniert habe."
"Sehe ich auch so und das ist dann ja ein guter Grund. Aber eine Sache muss ich dich noch fragen."
"Tu dir keinen Zwang an." Ich lächelte sie an.
"Du hast gar keinen Freund, stimmt's?"
Ich musste leicht lachen. "Stimmt."
"Du stehst aber auf Leonardo, hab ich recht?"
Ich lächelte. "Ja, da hast du recht."
Sie lächelte ebenfalls und umarmte mich kurz.
"Sehr schön. Ihr beide würdet super zusammen passen, aber ich weiß, dass es als Spion immer etwas komplizierter ist, mit der Liebe."
Nun sagte keiner mehr etwas. Wir gingen unseren Gedanken nach und ich dachte teils an Leo, teils an Nina und Carlo, aber auch an Leana, also Sofia. Irgendwann hielt ich die Stille nicht mehr aus.
"Na gut, lass uns schlafen gehen. Morgen wird ein wichtiger Tag für euch", sagte ich lächelnd.
Auch Sofia lächelte. "Wir werden die Wette gewinnen!"
"Aber klar!", zwinkerte ich. Danach machten wir uns fertig und gingen schlafen. Mein Schlaf jedoch wurde wieder von einem Albtraum geplagt.
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