24: Zufälle gibt es nicht

"Gut, also in der Kette befindet sich die Kamera und auch das Mikro", erklärte Christian, als ich Flavia die silberne Kette ummachte. Von Louis hatte sie ein silbernes Kleid bekommen, was ihr wirklich unfassbar gut stand.
"Ich mache das nicht zum ersten Mal", verdrehte Flavia gespielt die Augen.
"Reine Vorsorge", grinste Christian sie an.
"Du musst hauptsächlich versuchen, ihn abzulenken." Louis ging noch einmal den Plan mit Flavia durch. Er trug ein weißes Hemd, dazu dunkelblaue Hosen und ein dunkelblaues Jackett. Es ließ ihn jünger, aber wichtig aussehen.
"Ich kenne den Plan", nickte Flavia genervt. "Ihr behandelt mich alle, als wäre ich eine Anfängerin!"
"Du benimmst dich ja auch nicht gerade wie ein Profi", kommentierte Luca, woraufhin er einen bösen Blick von meiner besten Freundin kassierte.
"Weißt du wirklich nicht, wer die Begleitung von Herrn Simmons sein wird?", fragte ich nach.
Louis schüttelte den Kopf. "Er wird definitv eine haben, aber es ist immer eine andere." Er drehte sich grinsend zu Flavia. "Aber sie wird nicht ansatzweise so perfekt sein, wie meine Begleitung."
"Wenn du dein Maul noch weiter aufreißt, dann wirst du das Meeting wohl nicht mehr miterleben können", drohte Flavia und fuhr sich durch ihre Locken.

Louis machte es uns nicht leicht. Er schien es zu genießen, wie unglücklich wir über seine kleinen Spielchen waren. Allerdings war kein guter Zeitpunkt, mit uns zu spielen, da wir dabei waren, das ganze abgekartete Spiel umzukrempeln. Was die anderen konnten, konnten wir schon lange.

"Also, wir hatten zwar abgemacht, dass ihr zuhören und zugucken dürft, aber wehe ihr unterbrecht oder stört uns in irgendeiner Weise!" Louis sah uns alle mahnend an.
"Komm runter", sagte ich. "Wir wollen nur wissen, was passiert."
"Gut so. Für Sicherheit habe ich sowieso gesorgt, wenn ihr euch einmischen würdet, dann wäre alles zerstört."
"Jetzt übertreib's mal nicht", warf Leo ein und musterte Louis mit einem neutralen Gesichtsausdruck.
"Ich will nur sicher gehen, dass kein Schwert in einem meiner Businesspartner landet." Sofort fiel Louis' Blick auf mich und ich sah ihn wütend an.
"Ich habe schon verstanden, was du für einen Einfluss hast und so, aber wenn du nicht langsam etwas aufpasst, dann bist du derjenige, der reglos am Boden liegt", mahnte ich und ballte meine Hände zu Fäusten.
"Süß", grinste er provozierend.

Das reichte mir.

Ich holte aus und wollte mich auf Louis stürzen, doch ich wurde festgehalten.
"Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt", flüsterte mir Leo ins Ohr.
"Dieser Kerl macht mich wahnsinnig!" Ich versuchte mich aus Leos Griff zu befreien.
Louis fing an zu lachen. "Alexandra, du bist wirklich eine Show." Er strich sich über seine Klamotten und sah dann grinsend zu Flavia. "Wir sollten langsam rüber gehen, um die letzten Sachen zu besprechen, bevor er auftaucht."
"Wenn's sein muss." Flavia folgte ihm nach draußen, wobei sie wirklich elegant auf den Schuhen mit leichtem Absatz laufen konnte.

Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, ließ Leo mich los und ich drehte mich zu ihm um.
"Leo!" Entsetzt sah ich ihn an.
"Ich weiß. Was er gesagt hat, war total daneben, Alex." Er seufzte. "Aber wir brauchen ihn wirklich, um die Dokumente zu finden." Seine lieben Augen funkelten mir entgegen und ich verschränkte meine Arme.
"Dann schlage ich ihn eben, wenn er uns die nötigen Infos gegeben hat", meinte ich. Leo fing an zu lachen und zuckte mit den Schultern.
"Dann kannst du von mir aus machen, was du willst."
"Sehr schön", grinste ich zufrieden.

Christian hatte auf dem langen Konferenztisch einen Laptop stehen und mit dem Beamer übertrug er Flavias Ketten-Kamera-Video auf die eingebaute Leinwand, an einer Seite des Raumes. Als Teresa ihn vorsichtig gefragt hatte, ob er Hilfe bräuchte, hatte er schnell abgelehnt.
Ich hoffte, dass es zwischen den beiden wieder besser werden würde. Dafür müssten wir aber erst wissen, was es genau mit Teresa und diesem Armband auf sich hatte. Wieso wollte sie uns nicht einfach alles genau erklären? Ich konnte einfach nicht glauben, dass dieses Armband ein Symbol der Verbindung zwischen ihr und diesem Samuele darstellen sollte. Das war einfach nicht ihre Art.

Ich setzte mich an den Konferenztisch. Neben mir saßen Teresa und Leo. Neben Leo saß Christian vor Kopf und rechts von ihm saßen dann James, Luca und Eliana. Wir alle sahen auf die weiße Leinwand, welche nun Louis zeigte. Er stand vor Flavia und hatte seine Bodyguards näher geholt. Als Christian nun auch den Ton anstellte, konnten wir verstehen, worüber sie sich unterhielten.

"...und Phillip. Sie werden die ganze Zeit ein Auge auf uns haben und wissen genau, was sie tun müssen."
"Dir ist aber schon klar, dass ich eine Agentin bin und mein ganzes Leben lang trainiert wurde? Ich kann mich ziemlich gut selbst verteidigen", gab Flavia von sich, was mich lächeln ließ. Ihre direkte, selbstbewusste Art war einfach unbezahlbar.
"Ich weiß", schmunzelte Louis. "Deswegen passt du ja auch so gut in die Rolle meiner Begleitung."
"Wie lange hast du nach einer gesucht?", fragte meine beste Freundin dann. "Ich war ja bestimmt nicht die erste, die du gefragt hast."
"Oh, glaub mir, das waren einige", lachte er. "Ich hätte gerne meine Schwester dabei gehabt, da ich sie schließlich am besten kenne und weiß, wie sie in bestimmten Situationen reagiert."
"Und wieso wollte Raphaella nicht?"
"Sie wollte", nickte Louis. "Ich musste es ihr ausreden."
"Aber ich dachte-"
"Simmons kennt sie", sagte Louis nun ernst und sah Flavia mit einem bedeutenden Blick an. "Das wäre viel zu gefährlich. Außerdem will ich nicht, dass ihr im Notfall wirklich etwas passiert."
"Toll, dafür suchst du dir dann einfach wen anders, schon kapiert", meinte Flavia sofort.
"Hast du Angst?" Louis sah sie herausfordernd an.
"Ich? Sicher nicht vor so einem alten Anzugträger!" Flavia schien ihren Kopf zu schütteln.
"Gut so, denn er kann Angst riechen."
"Pah! Ja wahrscheinlich", lachte Flavia sarkastisch auf.
"So abwegig ist das gar nicht, wie du denkst", lächelte Louis, woraufhin Flavia bloß wieder den Kopf schüttelte.

"Ich verstehe noch nicht ganz, was dein Onkel meinte, Leo", sagte Teresa plötzlich und drehte sich zu ihm. "Er sagte, man kann Louis nur hassen oder mögen, dass es nichts dazwischen gibt. Aber so richtig aus ihm schlau werden tu ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich ihn mögen oder hassen soll."
"Wundert mich nicht", kam leise aus Christians Richtung. Wir sahen zu ihm. Sein Kiefer war angespannt und er fixierte meine beste Freundin mit einem harten Blick. "Du scheinst ja in letzter Zeit bei mehreren nicht zu wissen, was du denken sollst." Teresa zog scharf die Luft ein und ich sah sofort zu ihr. In ihren Augen sah ich, wie sich die Tränen sammelten und sie schnell weg sah. Luca und Leo sahen ihren Freund fragend an, doch Christian wendete seinen Blick ab und sah auf seinen Laptop vor sich.

Das mit den beiden ging gar nicht. Wir mussten uns etwas überlegen und das, bevor sie sich weiter Sachen an den Kopf warfen, die sie später mehr als bereuen würden.

"Ah, sie sind hier", ertönte dann aus den Lautsprechern. Ich sah kurz zu Leo, welcher meinen Blick erwiderte, bevor ich mich zur Leinwand drehte. Louis hatte sich neben Flavia gestellt und beide sahen zur Tür, welche nun von außen geöffnet wurde. Hinein trat ein relativ kleiner, etwas rundlicherer Mann. Er hatte nicht mehr viele Haare auf dem Kopf, aber die, die er hatte, waren grau oder weiß und ordentlich zur Seite gekämmt. Seine braunen Augen enthielten etwas spielerisches und beim genaueren Betrachten seines dunkelgrauen Anzugs und den drei großen Ringen an seinen Fingern, schien er mir der geborene Betrüger.

Doch was als nächstes passierte, hätten wir uns nie erträumt. Hinter dem Kerl trat seine Begleitung in den Konferenzraum. Diese roten Haare und fast schwarzen Augen würde ich unter Millionen von Menschen wiedererkennen.
Sobald sich ihre Augen auf Flavia gerichtet hatten, formte sich ein kaum merkliches Lächeln auf ihren Lippen. Es wirkte überheblich und selbstbewusst. Sie wusste einfach, dass sie gut war und viel erreichen konnte, wenn sie das wollte.

"Was zur Hölle macht Evanna Cruz hier?!" Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Wie? Warum? Was wollte sie nur!?
"Sie taucht echt immer überall auf", stöhnte Luca genervt auf. "Diese Frau ist grauenvoll!"
"Sie ist Kopfgeldjägerin", kam gleichzeitig von Christian und Teresa, als Erklärung. Sofort sahen sie sich an und die Luft im Raum wurde immer schwerer.

"Guten Abend, ich bin Alfred Simmons", stellte sich nun der kleine Mann vor und reichte Flavia lächelnd die Hand, während er sie einmal komplett musterte.
"Freut mich, Sie kennenzulernen. Bella Gordons mein Name", log sie ohne Probleme. Dann wendete sie sich Evanna Cruz zu, welche ebenfalls Flavias Hand schüttelte.
"Estelle Joubert. Ist mir ein Vergnügen", sagte Evanna Cruz und betonte das letzte Wort leicht, während sie Flavia einen verspielten Blick zuwarf. Sie wusste, dass Flavia log und sie wusste auch, dass Flavia wusste, dass sie log.

Die vier setzten sich gegenüber an den Konferenztisch, wobei ich sehen konnte, dass Evanna ihr überhebliches Lächeln nicht verlor.
"Louis, alter Freund, ich bin froh, dass es mal wieder geklappt hat", begann Herr Simmons. Einer von Louis' Leuten brachte ihnen Getränke.
"Alfred, die Freude ist ganz meinerseits."
Flavia hatte sich etwas seitlich gedreht, damit wir auch Louis sehen konnten.
"Reizende Begleitung, die du da mitgebracht hast", meinte der kleine Mann nun und beäugte Flavia wieder. In seinem Blick lag etwas, was mich leicht erschaudern ließ. Ich mochte diesen Mann ganz und gar nicht.
"Dies kann ich nur zurück geben", sagte Louis, woraufhin Evanna lächelte und ihn ansah. "Ich wusste nicht, dass du Französisch kannst."
"Oh, aber nicht doch! Estelle ist aus Toronto und kann bestens Englisch!"
"Toronto?", hörte ich Flavia interessiert fragen, wobei wir alle wussten, dass es nur gespielt war. "Ich war dort noch nie. Lohnt es sich, die Stadt zu besichtigen?" Meine beste Freundin nippte an ihrem Sektglas.
"Aber sicher doch", nickte Evanna leicht und fixierte Flavia mit ihrem Blick. "Eine durchaus schöne Stadt, viel los und man hat immer etwas zu tun." Die Art, wie sie dies sagte, hinterließ ein mulmiges Gefühl in meiner Magengegend.

"Meint ihr, sie wusste, dass wir hier sind?", fragte Eliana plötzlich.
"Nun ja, wir hatten sie ja gesehen, in einem der Hotels", warf ich ein.
"Aber sie hat uns da nicht einmal angeguckt. Sie muss es irgendwie anders herausgefunden haben", meinte Teresa.
"Oder es ist Zufall", sagte Leo. "Wobei das schon ein ziemlich krasser Zufall ist."
"Das werden mir in letzter Zeit zu viele Zufälle", schüttelte ich leicht den Kopf. "Erst Teresa, dann Brett Jacobs, der uns praktisch in die Arme rennt und nun Evanna Cruz als Begleitung für den Geschäftspartner von Louis. Also irgendetwas kann da dran nicht stimmen."
"Manchmal gibt es eben solche Zufälle", hörte ich Teresa leise sagen. Sie sah bloß auf die Leinwand und spielte wieder am Armband.
"Was meinst du damit?", fragte ich. Sie sollte endlich mit der Sprache rausrücken.
"Alex", seufzte Teresa. "Zufälle können eingeleitet werden." Sie drehte sich zu mir um und gab mir einen intensiven Blick. "Es gibt Fälle, die sollen bloß so aussehen wie Zufall, sind aber volle Absicht und bestens durchdacht. Andere Zufälle wurden eingeleitet, ohne alles wirklich sicher geplant zu haben. Ein kleiner Stoß in die richtige Richtung, wenn du es so willst."
"Heißt das, du glaubst, dass Evanna Cruz nicht absichtlich geplant hat, genau bei diesem Meeting aufzutauchen?", sicherte ich ab.
"Wer weiß, was ihr Auftrag neben deiner Ermordung ist. Vielleicht musste sie auch nach Amerika wegen irgendetwas und es hat sich nun alles so ergeben, dass sie heute eben hier ist und Flavia gerade gegenüber sitzt." Teresas Worte flogen mir durch den Kopf und versuchten irgendeinen sinnvollen Anschluss an andere Informationen zu finden. Leider klappte es nicht. Ich verstand einfach nicht, was Evanna Cruz wollte.

"Also Louis, ich habe nicht ewig Zeit und du weißt, ich rede nicht gerne drum herum", begann Herr Simmons dann. Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und es war leer.
"Soll ich Ihnen ein neues besorgen?", mischte sich Flavia ein. Sie hatte ihre Stimme verstellt. Die Art, wie sie sprach, war nicht mehr die Art unserer besten Freundin. Flavia war nun in ihrer Rolle als wunderschöne Begleitung, welche als Ablenkung dieses widerlichen Herren dienen sollte.
"Das ist wirklich ausgesprochen freundlich, meine Liebe", grinste Herr Simmons. "Aber ich denke, die Kellner werden mir schon nachschenken." Daraufhin machte er eine Handbewegung und einer von Louis' Leuten eilte zu ihm. Sobald sein Glas gefüllt war, trank er es mit einem großen Schluck bis zur Hälfte wieder aus.

"Ich mag ihn nicht. Er ist irgendwie...weird", murmelte James.
"Ich kann dir da nur zustimmen", nickte ich.
"Nie im Leben bleibt Flavia zurückhaltend", warf Luca ein und grinste vor sich hin. "Ich wette mit euch, dass er heute Abend noch einen Schlag von ihr abbekommt."
"Flavia kann sich zurückhalten", verteidigte Teresa sie sofort. "Meistens", fügte sie schnell an.
"Wäre trotzdem witzig", zuckte Luca mit den Schultern.

"Alfred, wie ich gehört habe, hat Fiona ihre Bar verkauft", brachte Louis das Gespräch wieder zurück zum Geschäft.
"Richtig gehört", nickte Herr Simmons. "Allerdings hat sie es an ihren neuen Geschäftspartner verkauft und das für ziemlich viel Kohle, wie du dir vorstellen kannst. Sie steckt nun mit Jamil unter einer Decke und die beiden haben mit ihren zusammengelegten Casinos innerhalb zwei Wochen mehr Profit gemacht als die letzten drei Monate!"
"Fiona hat ein Händchen für Geschäftsführung", murmelte Louis und nippte an seinem Glas, während er Alfred Simmons fragend betrachtete.
"Du verstehst, dass das Spiel immer verzwickter wird. Wenn wir nicht aufpassen, dann kaufen sie uns als nächstes auch auf." Herr Simmons trank den Rest aus seinem Glas und ließ es wieder voll machen. Wieder landete sein Blick bei Flavia und ein verschmitztes Lächeln tauchte auf seinen Lippen auf. "Aber ich denke, wenn du solche Grazien für dich arbeiten lässt, dann wird dein Club weiterhin super laufen."
Louis räusperte sich. "Du kennst meine Einstellung dazu, Alfred." Seine Stimme war ruhig, dennoch gefährlich.
"Aber sicher doch", sagte Herr Simmons, ohne wirklich zu verstehen, was Louis gerade gesagt hatte. Flavia hatte sich etwas vorgebeugt und da ihre Kette die Kamera enthielt, konnten wir ohne Probleme sehen, wie Alfred Simmons auf Flavias etwas großzügigeren Ausschnitt sah. Auch Evanna Cruz schien dies zu bemerken, da sie die Augen verdrehte.

"Habt ihr das gesehen?", warf Leo ein.
"Das bedeutet doch, sie ist nicht aus Sympathie mit ihm hier", meinte Eliana.
"Logisch", gab Teresa sofort von sich. "Diese Frau weiß doch gar nicht, was Sympathie ist."
"Aber wieso ist sie hier?", murmelte ich und legte meinen Zeigefinger an meine Unterlippe, um dagegen zu tippen. "Sie ist eine Kopfgeldjägerin, also hat sie bestimmt einen Auftrag. Etwa Alfred Simmons? Aber wieso wartet sie so lange?"
"Oder Louis?", fragte Christian. "Vielleicht auch keinen von den Anwesenden dort."
"Kommt eben drauf an, ob es ein gewollter Zufall ist oder nicht. Genauso wie Teresa eben meinte", zuckte Luca mit den Schultern.

"Louis, mein Lieber, du musst zugeben, dass meine Bars deutlich größer sind, als dein Coyote Ugly." Simmons zog ein seidenes Taschentuch aus seiner Jackentasche und tupfte seine Stirn ab.
"Dafür ist meine Bar jeden Abend bestens gefüllt." Louis hatte einen neutralen Gesichtsausdruck aufgesetzt. "Klein aber fein."
"Wenn wir gemeinsam arbeiten würden, könntest du dir noch eine Bar leisten. Wie wär's? Ein Coyote Ugly im Luxor zum Beispiel."
"Alfred." Louis beugte sich leicht vor und sah den kleinen, runden Mann intensiv an. "Meine Bar lebt von der Einzigartigkeit und dem Nachbau des Films. Ich komme bestens mit einer Bar aus, da brauche ich nicht noch mehr."
"Aber wir würden den Profit natürlich fünfzig-fünfzig teilen. Mehr Bars bedeuten mehr Profit", versuchte Herr Simmons ihn zu überreden.
"Ich bin gerne mein eigener Herr im Haus und kassiere hundert von hundert", antwortete Louis trocken.
"Wozu dann das Meeting?" Und schon wieder war das Glas leer und wurde sofort aufgefüllt.
"Ich hatte mir eigentlich erhofft, mit dir über ein paar Casino-Abkommen zu sprechen", sagte Louis und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, während er einen Schluck aus seinem Glas nahm. "Mehr Schutz für meine Gäste gegen mehr Schutz für deine Gäste."
"Schutz?" Herr Simmons runzelte die Stirn und rieb über einen seiner Ringe. "Eigentlich keine so dumme Idee...die Schießerei bei Chris letzten Monat hat mir schon ein wenig Sorgen bereitet. Wenn sich das in meinem Club abspielen würde...grauenvoll!" Er schien zu überlegen und wieder landete sein Blick bei meiner besten Freundin.

"Muss er sie immer mit so einem gierigen Blick ansehen?", beschwerte sich James und seine Tonlage schien fast ein Knurren. So hatte ich ihn ja noch nie erlebt.
"Ich weiß auch nicht, was er sich erhofft", warf ich ein.
"Er hat doch bestimmt einige junge Frauen, die sich einem reichen Geschäftsmann an den Kragen werfen", meinte Christian.
"Und genau deswegen ist Flavia interessant", mutmaßte Leo. "Weil sie eben nicht so leicht an ihm klebt."
"Pah! Männer sind zu einfach gestrickt." Schockiert sah ich zu Teresa, als ich auch ihre Art dies zu sagen, nicht wiedererkannte. Sie klang harsch und beleidigend, was nun gar nicht ins Profil meiner besten Freundin passte.
"Teresa", sagte ich dann mit einem mahnenden Unterton. "Ich glaube, wir sollten uns dringend mal unterhalten." Ertappt drehte sie sich zu mir und biss sich auf die Unterlippe, als ich ihr fest in die Augen sah.

"Ich gehe einmal zur Toilette", sagte Evanna Cruz irgendwann, als Louis und Alfred Simmons das meiste besprochen hatten, wobei der Blick des kleinen Mannes immer öfter zu Flavia gehuscht war.
Evanna Cruz stand elegant auf und zwinkerte Flavia kaum merklich zu, bevor sie aus dem Konferenzraum verschwand.
"Ganz ehrlich, Alfred, wo hast du deine Begleitung aufgetrieben?", fragte Louis einen Moment später.
"Sie ist in meinem Club aufgetaucht. Hat sich irgendwie an meiner ganze Security vorbeigeschlichen und stand plötzlich in meinem Büro", erklärte er. "Ich war so beeindruckt davon, dass ich ihr vorgeschlagen habe, mich zu begleiten."
"Das klingt ziemlich professionell", warf Flavia ein und sofort hatte Alfred Simmons wieder einen Grund, sie anzusehen.
"Erstaunlich, nicht wahr?", grinste er.

Es dauerte nicht lang, da tauchte Evanna Cruz auch schon wieder auf. Bevor sie sich setzte, legte sie Simmons ihre Hand auf die Schulter und er zuckte ganz leicht zusammen und drehte sich zu ihr. Sie lächelte ihn gefälscht charmant an und setzte sich dann.
"Ich hoffe, ich habe nichts wichtiges verpasst", fragte sie lächelnd in die Runde.
"Aber nicht doch, Liebste", sagte Simmons und rieb sich einmal kurz über die Schulter, auf der Evanna Cruz' Hand kurz zuvor gelegen hatte. Nun stand er ebenfalls auf. "Ich werde mich auch noch einmal frisch machen, bevor wir aufbrechen. Das meiste haben wir nun wirklich besprochen und ich habe noch andere Termine." Er dackelte aus dem Raum und ich war automatisch entspannter, da er Flavia nun nicht mehr mit seinem Blick ausziehen konnte.

"Ist Evanna Cruz wirklich ruhig geblieben, heute Abend", schüttelte Luca den Kopf. "Unglaublich. Ich dachte, sie schnappt zu."
"Es ist noch nicht vorbei", warnte ich ihn.
"Aber wenn sie plötzlich in seinem Büro aufgetaucht ist, dann kann das kein Zufall sein, dass sie heute beim Meeting dabei war", überlegte Leo.
"Glaub ich auch nicht", fügte Christian hinzu.
"Ich frage mich, was sie Alfred Simmons für eine Geschichte erzählt hat, wieso sie in seinem Büro aufgetaucht ist und das, ohne von der Security erwischt zu werden", überlegte ich. Sie musste einfach ein Motiv haben. Wenn sie ihn wirklich umbringen wollte, dann hätte sie es doch schon längst machen können. Oder wollte sie ihren Spaß mit uns haben und ist deswegen noch zum Meeting gekommen? Aber sie wusste doch gar nicht, wer Louis' Begleitung sein würde. Hat sie uns doch gesehen, als wir dabei waren, Brett Jacobs zu suchen? Das ergab alles keinen Sinn! In San Francisco war sie auch einfach aufgetaucht, hatte aber keinen Anstalten gemacht, uns irgendwie ausfindig zu machen. Aus Erfahrungen vom Kreuzfahrtschiff weiß ich, dass sie das schnell und einfach hinbekommen könnte.

Louis, Flavia und Evanna unterhielten sich etwas, doch langsam schien Louis es komisch zu finden, dass Alfred Simmons immer noch nicht wieder aufgetaucht war.
"Er hat viel getrunken", winkte Evanna ab. "Das kann schon mal etwas länger dauern."
"Ich glaube trotzdem, wir sollten mal jemanden schicken." Louis winkte jemanden zu sich, dem er dann kurz erklärt, was er zu tun hat. Der junge Mann nickte knapp und verschwand mit einem Kollegen aus der Tür.
"Wäre wirklich schade, wenn es ihm schlecht geht und keiner seine Hilferufe hört", hörte ich meine beste Freundin sagen, doch ich hörte den schweren Sarkasmus hinaus. Es klang harsch, doch ich wäre an ihrer Stelle auch froh, dass er endlich etwas auf Abstand war.

Es dauerte nicht lange, da kamen die beiden Männer zurück. Sofort ging der, der eben mit Louis gesprochen hatte, zu ihm und wisperte ihm etwas zu.
"Unmöglich!" Louis' Augen weiteten sich und er stand abrupt auf.
"Was ist los?", fragte Flavia und stand ebenfalls auf. Langsam tat es Evanna ihnen nach. Ohne zu antworten, lief Louis aus dem Raum. Flavia direkt hinter ihm. Sie rannten den Flur zwei Türen weiter und betraten die Männertoilette. Vor den Waschbecken lag ein kleiner, rundlicher Mann mit weit aufgerissenen Augen und einem blau angelaufenen Gesicht.
"Scheiße", murmelte Louis.

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