14: Er wird dir helfen, den richtigen Stern zu finden

"Tamino?"
"Ich wusste, du überlegst es dir", hörte ich ihn sagen und konnte mir dabei sein blödes Grinsen vorstellen.
"Und ich wusste, dass du nicht einfach gehen würdest", meinte ich. Dann machte ich die Tür auf und Tamino trat mit seinem Grinsen auf den Lippen ein. "Wehe das mit den Infos war nur ein dummer Vorwand, um-"
"Whoa, bleib mal locker", unterbrach er mich. Ich schloss die Tür hinter ihm und sah ihn dann mit verschränkten Armen an.
"Na los", kam von Flavia. "Wir haben nicht ewig Zeit! Woher wusstest du überhaupt, wo wir uns gerade befinden?"
"Ihr seid ziemlich unhöflich zu euren Gästen, ist euch das schonmal aufgefallen? Ihr habt mich nicht einmal begrüßt." Er sah in die Runde und blieb etwas länger bei Samuel und Angela hängen, bevor er wieder zu mir sah.
"Wir haben dich nicht eingeladen, also sind wir auch nicht nett", gab ich einfach von mir. "Und wenn du nicht langsam anfängst zu reden, dann schmeißen wir dich wieder raus!"
"Ihr seid wirklich richtige Zicken", verdrehte er die Augen, doch das hätte er lieber nicht sagen sollen. Ich ging auf ihn zu und trat ihm fest auf den Fuß, wobei er sich ganz leicht nach vorne beugte. Als ich ihm in den Magen schlagen wollte, blockte er zwar ab, doch da hatte Flavia schon seinen anderen Arm gepackt und drehte diesen so, dass er gezwungen war, in die Knie zu gehen. Ich trat ihm fest in die Seite und er stöhnte schmerzvoll auf.

"Und wenn du nicht bald anfängst zu reden, dann kannst du bald gar nichts mehr sagen", drohte Flavia an.
"Schon gut, schon gut", hustete er. Flavia ließ ihn los und er stand langsam auf.
"Du musst noch einiges lernen, Alter", kommentierte Luca und sah ziemlich amüsiert aus.
"Können wir jetzt verdammt nochmal zu den Infos kommen, die du für uns hast?" Ich sah Tamino abwartend an und er sah mich für einen kurzen Moment bloß an, bevor er begann zu reden.
"Evanna Cruz ist in New York aufgetaucht", rückte er endlich mit der Wahrheit heraus. Ich runzelte meine Stirn.
"Und wieso sollte uns das stören? Wer ist die überhaupt?", fragte Eliana, doch ich ignorierte sie und wollte mehr von Tamino wissen.
"Und weiter?", fragte nun auch ich.
"Sie hat versucht Letitia umzubringen", erzählte er weiter und nun weiteten sich meine Augen leicht.
"Das wollte sie auf dem Schiff doch auch schon! Aber was bringt ihr das?"
"Keine Ahnung", seufzte er. "Aber sie meinte, es würde uns nur helfen."
"Sie hat es euch angekündigt?", kam fassungslos von Flavia.
"Natürlich nicht", schüttelte Tamino den Kopf. "Aber wir haben sie erwischt und das war ihre Erklärung."
"Aber das bedeutet doch, dass ihr sie jetzt gefangen genommen habt und sie uns nicht weiter stört, richtig?", stellte Leo klar. Tamino zögerte mit seiner Antwort.
"Nicht ganz..."
"Wieso?", fragte ich sofort.
"Na ja...sie ist uns irgendwie entwischt..." Er zuckte entschuldigend mit den Schultern und ich stöhnte genervt auf.
"Was könnt ihr eigentlich!?"
"Was kann ich denn jetzt dafür?", versuchte er sich zu verteidigen.
"Einfach besser aufpassen!"
"Wenigstens hatten wir sie!"
"Das ist kein Argument!"
"Natürlich!"
"Es ist nichts wert!"
"Natürlich ist es das!"
"Es kommt aber immer das selbe Ergebnis heraus! Sie ist wieder auf freiem Fuß!"
"Kann mir ja egal sein!"
"MIR ABER NICHT! SIE WILL MICH UMBRINGEN!"
"Schade, dass sie es noch ni-"
"Ganz dünnes Eis", zischte ich und sah ihn böse an.

Auf einmal räusperte sich Angela, doch ich starrte weiterhin böse in Taminos Gesicht.
"Ich weiß ja nicht, was mit euch so ist, aber ich habe eigentlich keine Lust, den ganzen Tag hier drin zu verbringen", erklärte sie.
"Sobald er weg ist, können wir weitermachen", meinte ich.
"Schmeißt du mich gerade raus?", fragte Tamino und klang dabei ein wenig ungläubig.
"Wenn du nichts mehr wichtiges zu sagen hast, dann kannst du gerne wieder gehen, da wir noch andere Dinge zu erledigen haben!"
"Ach, ist das so, ja?" Tamino fing an hinterhältig zu grinsen. "Und was genau habt ihr noch vor? Hat es etwa mit den Dokumenten zu tun?"
"Das geht dich nichts an", sagte ich ruhig, aber mahnend.
"Meine Schwester wartet aber schon darauf", meinte er provozierend. "Ich dachte, ihr seid gut. Wieso habt ihr die noch nicht gefunden?"
"Ich dachte auch, du bist nicht so schlimm. Tja, da habe ich mich wohl vertan."
"Wie gesagt, das hast du über jemand bestimmtes schonmal behauptet." Als er das sagte, fuhr er sich provozierend mit der Zunge über die Unterlippe. Ich hob beide Augenbrauen und trat näher.
"Du kannst deiner Schwester ausrichten, dass wir ihr die Dokumente nicht geben, bevor ihr nicht Evanna Cruz für uns erledigt habt."
"Versuchst du mich gerade zu erpressen?", runzelte er die Stirn.
"Ich? Erpressen?" Leicht schüttelte ich lächelnd meinen Kopf. "Lieber Tamino, so etwas würde ich doch nie in irgendeiner Weise in Erwägung ziehen." Ich trat ihm noch etwas näher. "Dafür bin ich zu gut." Er spannte sich an und versuchte ruhig zu bleiben.
"Ihr werdet noch von mir hören", gab er knurrend von sich, bevor er an mir vorbei ging, aus der Tür verschwand und sie hinter sich zuknallte.

"Idiot", murmelte ich und schloss kurz meine Augen, um mich wieder zu sammeln. Er tauchte echt immer an den unmöglichsten Orten zu den unmöglichsten Zeiten auf.
"Ich liebe es, euch in Action zu sehen", grinste James dann. Ich öffnete meine Augen wieder und sah Flavia eine leichte Verbeugung andeuten.
"Wie wär's mit dem Rätsel?", kam Leo wieder zurück zum eigentlichen Thema und sah Samuel und Angela an.
"Gern, ich wollte nämlich noch ins Kino", sagte Angela sofort und sah ihren Bruder an. Dieser verdrehte bloß seine Augen und holte dann einen kleinen Zettel aus seiner Hosentasche. Er reichte ihn Leo.
"Ich habe aber noch eine Frage", kam dann von Christian. Samuel sah interessiert zu ihm. "Immer wenn wir am nächsten Ort sind, wird Alex erkannt. Aber eigentlich müssten doch alle Leo als erstes bemerken." Ich überlegte kurz, doch Christian hatte recht. Immer hatte man mich zur Seite gezogen oder angesprochen.

"Weil Louis uns gesagt hat, dass Leonardo definitiv mit Alexandra unterwegs ist." Angela stemmte ihre Hände in die Hüften. "Louis hat halt Ahnung davon und meinte, es sei sicherer, wenn wir nur wüssten, wie Alexandra aussieht."
"Das sagt er nur, weil er selbst nicht weiß, wer Leonardo ist", kam von Samuel.
"Na und? Er weiß schon, was das Beste ist." Seine kleine Schwester sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
"Hör' doch auf ihn immer zu verteidigen! Er ist ein Idiot!", sagte Samuel nun etwas lauter.
"Du bist doch nur neidisch, weil er cool ist und du nicht!"
"Nein, Angela, er ist einfach ein riesen Idiot, der sich eine ganze Fassade aufgebaut hat!"
"Eine richtig coole Fassade dann eben", zuckte die kleine Schwarzhaarige mit den Schultern.
"Du checkst echt gar nichts!", regte sich Samuel auf. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich zu meinen Freunden, wobei ich bei Flavia ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen erkannte.

"Was ist denn mit diesem Louis genau?", fragte Eliana dann.
"Louis ist sozusagen unser Boss. Er hat uns immer die ganzen Infos gegeben und steht mit Leonardos Onkel in Kontakt. Er organisiert alles und sorgt dafür, dass wir alles richtig machen", brabbelte Angela darauf los.
"Louis ist ein Idiot. Er macht einen auf dicke Hose, ist in Wirklichkeit einfach nur ein Macho, der sich gerne wichtig tut. Er geht mit den Leuten so um, wie er will - vorallem mit Mädchen!" Dabei sah er seine Schwester durchdringlich an, doch diese ließ sich nicht davon beeindrucken.
"Hört nicht auf meinen Bruder, er ist nur neidisch, weil Louis älter ist, gut aussieht und einfach cool ist!"
"Ist er gar nicht!"
"Wohl!"
"Nein!"
"Doch!"
"Nein!"
"Doch!"
"Nein!"
"DOCH! DOCH! DOCH!"
"NEIN! NEIN! NEIN!"
"DO-"
"Ich glaube, wir haben es verstanden!", sagte ich dazwischen. "Wir werden ihn so oder so treffen, also können wir dann ja sehen, wer von euch recht hat." Ich sah Angela Luft holen, doch ich redete schnell weiter. "Bevor ihr jetzt wieder anfangt - wir sind euch wirklich dankbar für das Rätsel."
"Keine Ursache", meinte Samuel. "Ist ja unsere Aufgabe."
"Welche Louis uns zugeteilt hat", murmelte Angela.
"Das waren die Eltern von Leonardo!"
"Aber Louis sorgt dafür, dass wir das auch wirklich machen!"
"Er. Ist. Ein. Verdammter. Schwachkopf!"
"ACH JA?!", meinte Angela nun laut. "UND WIESO HAT ER ROSALIA DANN GEHOLFEN, ALS SIE SICH VERSTECKEN MUSSTE?!" Samuel sah seine Schwester mit großen Augen an. Nun schien sie selbst zu bemerken, was sie gerade gesagt hatte und schlug sich die Hand vor den Mund.

"Du kannst echt blöd sein", zischte Samuel seiner Schwester zu. Angela schüttelte leicht den Kopf und nahm die Hand runter.
"Scheiße! Jetzt wird er sauer auf mich sein!"
"Jetzt ist es raus", zuckte Flavia mit den Schultern. "Wie wär's, wenn du uns alles dazu erzählst?"
"Nein!", schüttelte sie wild den Kopf. "Ich kann und werde nicht mehr sagen!"
"Aber wieso musste Rosalia sich verstecken? Kommt schon, so schlimm wird das schon nicht sein", versuchte es Luca, doch beide hielten dicht.
"Meint ihr, Louis wird uns etwas dazu sagen?", fragte ich dann und sah vorallem Angela an. Diese zuckte nur leicht mit den Schultern.
"Kann schon sein. Er wäre zumindest der Einzige, der es dürfte."
"Dann werden wir wohl warten müssen, bis wir ihn treffen." Ich sah zu meinen Freunden, welche bloß nickten. Mein Blick blieb bei Leo hängen, besser gesagt bei seinen Händen, in denen er das Rätsel hielt. Er verstand meinen Blick sofort.
"Sie brüten an der Lösung", las er vor.
"Und wie war die nächste Passage des anderen Rätsels?"
"Und versuche keine Zeit im Gefängnis zu schinden."
"Alcatraz?", warf Eliana fragend ein.
"Schon wieder?", stöhnte Flavia genervt auf. "Das hat beim letzten Mal nicht so gut funktioniert."
"Wieso?", fragte Eliana nach.
"Weil die dort Teresa entführt haben", erklärte Christian verbittert.
"Oh", meinte sie bloß und schien sich einen Kommentar zu verkneifen.
"Vielleicht taucht sie diesmal wieder auf", zuckte Luca mit den Schultern.
"Er ist ja wirklich dumm", kommentierte Angela und Flavia nickte bloß bestätigend.
"Könnt ihr jetzt mal aufhören, ihn ständig runter zu machen?" Eliana hatte sich zu Flavia und Angela gedreht und schien überhaupt nicht glücklich.
"Bis du seine Freundin?", fragte Angela mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Ja!"
"Dann bist du ja noch dümmer als er", meinte sie, was Flavia zum Lachen brachte und Eliana fast zum Explodieren.

Ich drehte mich von meinen Freunden weg und sah wieder auf die Tür. Natürlich war ich froh, dass Tamino verschwunden war, aber dennoch hätte ich gerne ein paar mehr Antworten gehabt...wenn er doch nicht immer so ein Idiot sein würde! Aber wieso hatte er uns überhaupt Bescheid gegeben? Wie hatte er uns hier gefunden? Hatte er etwa einen Spion auf uns angesetzt? Woher wusste er, dass wir Evanna Cruz kannten? Hatte sie ihm das auch gesagt? Und wie zur Hölle konnten sie sie einfach entkommen lassen?! Wobei...vielleicht hatten sie es ja extra gemacht...wenn sie wussten, wir waren nah an den Dokumenten dran und würden ihnen die wahrscheinlich nicht geben, dann machte es doch Sinn, eine Kopfgeldjägerin weiterhin auf uns jagt machen zu lassen...sie würden uns verfolgen und sich dann die Dokumente schnappen, sobald wir aus dem Verkehr gezogen waren...klingt doch logisch, nicht?

"Also Leute, ich habe, wie gesagt, noch ein Date im Kino und muss wirklich dringend los", holte mich Angela aus meinen Gedanken.
"Von Date war nie die Rede!", warf Samuel sofort ein und sah seine Schwester ungläubig an.
"Ist doch nicht meine Schuld, dass du mit deinen sechzehn Jahren noch nie ein Mädchen ausgefragt hast", zuckte sie mit den Schultern und grinste dann. "Ich sag ja, du bist nicht cool genug."
"Na warte", schnaubte Samuel.
"Äh...bevor das hier eskaliert...müsst ihr hier irgendwie abschließen, oder...?" Luca sah die beiden fragend an und befürchtete einen massiven Geschwisterstreit.
"Natürlich", nickte Angela dann in seine Richtung und machte sich schon auf den Weg zur Tür. "Ihr habt ja gesehen, wie schnell ungebetene Gäste hier reinkommen." Wir folgten ihr zur Tür und gingen dann alle nach draußen in die Seitengasse. Angela schloss hinter uns ab und verabschiedete sich dann.

"Macht's gut, Leute", lächelte Samuel. "War mir ein Vergnügen euch kennenzulernen. Ich werde mich freuen, wenn ihr es geschafft habt." Er winkte uns zum Abschied und folgte dann seiner Schwester mit schnellen Schritten, da diese sich versucht hatte schnell aus dem Staub zu machen, wahrscheinlich um in Ruhe zu ihrem Date zu kommen.
"Gefielen mir bis jetzt am besten, die beiden", grinste Flavia und sah ihnen hinterher.
"Trotzdem wird das alles immer merkwürdiger", warf ich ein. "Das Rätsel um Rosalia wurde bloß verwirrender und dieser Louis ist mir immer suspekter. Außerdem würde ich gerne wissen, wie Tamino uns gefunden hat, wieso er uns das gesagt hat und woher er weiß, dass wir Evanna Cruz kennen."
"No worries, Alex. Mit der Zeit wird sich alles aufklären", beruhigte mich James.
"Oder hast du die Worte von Rosalia etwa vergessen?", meinte Flavia und ich sah sie fragend an. "Wir sind zu ungeduldig!"
"Na ja, ob man der jetzt so viel Glauben schenken sollte ist so 'ne Sache", sagte Leo und zuckte mit seinen Schultern.
"Wir werden schon herausfinden, was mit ihr ist", seufzte Christian. "Leider wissen wir zu Teresa immer noch nichts."
"Keine Sorge", meinte Luca und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. "Wir werden sie schon finden."
"Und ob!", nickte Flavia. "Außerdem ist Teresa schlau und stärker als sie aussieht. Sie wird sich schon verteidigen können. Vielleicht schafft sie es ja uns zu finden, bevor wir sie finden!"
"Da wir als nächstes Ziel sowieso wieder Alcatraz ansteuern, hatte Luca vorhin vielleicht gar nicht so Unrecht", sagte ich. Flavia sah mich entsetzt an und Eliana strahlte siegessicher. "Wenn die mit Teresa wirklich in San Fran geblieben sind, dann haben wir vielleicht endlich ein wenig Glück und finden einen Hinweis, um uns zu ihr zu bringen."
"Das werden wir ja sehen", murmelte Flavia und schüttelte ihren Kopf. Sie ging nun voran und wir folgten ihr zurück zum Hotel, schließlich war unsere Aufgabe hier erledigt.

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