13: Unangekündigter Besuch

"Manchmal wünschte ich, ich wäre ein stinknormales Mädchen, anstatt eine Agentin", gähnte Flavia, als wir am nächsten Morgen schon früh das Hotel verließen.
"Viel zu langweilig", kommentierte ich und sah in den strahlend blauen Himmel. Perfektes Wetter, um das Rätsel zu finden.
"Oder Agentin als Gelegenheitsjob!", sagte sie. "Das wär doch die Idee!"
"Yeah, sure", lachte James. "Stell' ich mir super vor, einen Teilzeitjob als Agentin. Du bist mitten in der Verbrecherjagt und musst dann nach Hause, weil du pünktlich Schluss machst. Haha!"
"Du bist doch nur neidisch, weil ich auf diese grandiose Idee gekommen bin", sagte Flavia und streckte dem Schotten die Zunge raus. Dieser lachte bloß und legte einen Arm um ihre Schultern, um sie zu sich zu ziehen. Dann wuschelte er ihr durch die Haare und sie versuchte sich von ihm zu lösen, was leichter gesagt, als getan war.

"Man könnte wirklich meinen, ihr seid ein Paar", kam plötzlich von Eliana und ich verdrehte meine Augen.
"Ich habe dir doch schonmal gesagt, dass das bei den beiden nicht so ist."
"Glaub mir", lachte Flavia nun. Sie hatte es endlich geschafft, sich aus seinem Griff zu lösen. "Den Gedanken haben wir sofort verbannt."
"Wartet kurz", meinte ich dann. "Bedeutet das etwa, da war mal so ein Gedanke? Und wieso weiß ich davon nichts?!" Ich verschränkte meine Arme und sah meine Freundin abwartend an. Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern.
"Hat sich nie ergeben?", sagte sie, obwohl es mehr nach einer Frage klang. Mein Blick glitt zu James, welcher ebenfalls nur entschuldigend grinste.
"Ihr seid unfassbar", schüttelte ich den Kopf.
"Könnten wir uns jetzt bitte etwas beeilen?", kam plötzlich von Christian. "Ihr könnt euren Kaffeeklatsch auch noch später diskutieren!"
"Seit ihm Teresa fehlt, ist er ganz schön spießig", murmelte mir Flavia zu. Ich schüttelte bei ihrer Bemerkung bloß grinsend den Kopf und konzentrierte mich dann wieder auf unsere Mission.

Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das diesmal alles ablaufen sollte. Schließlich konnten Leos Eltern doch nicht einfach das Rätsel am Stein von Marilyn Monroe liegen lassen, da es dort sofort weggekommen wäre. Oder wir trafen dort nur die nächste Hinweisperson und diese nannte uns dann das richtige Versteck des Rätsels. Hoffentlich war es nicht wieder so eine komische Person...Rosalia hatte mir schon ein wenig Angst gemacht, mit dem, was sie erzählt hat. Dabei musste ich an Mario denken, wie er mich vor genau dem gewarnt hatte, im Bezug auf Marianna. Dennoch konnte ich mir das einfach nicht vorstellen. Meine Eltern waren die Leiter der Organisation und sie müssten doch wissen, was da abging. Außerdem glaube ich kaum, dass meine Eltern jemals etwas so schreckliches, wie Mario es beschrieben hatte, zulassen würden.

"Wieso eigentlich schon wieder Los Angeles?", dachte Flavia laut. "Diesmal hätte es ja auch Boston oder Chicago oder noch besser - Miami - werden können!"
"Tut mir echt leid, dass meine Eltern deinen Wünschen nicht nachgehen", meinte Leo und zog eine Augenbraue hoch.
"Wir sind ja noch nicht am Ende", grinste Flavia. "Vielleicht kommt das noch."
"Was hat es eigentlich mit diesem Louis auf sich, von dem immer alle reden?", fragte Eliana dann in die Runde.
"Ich denke, dass müssen wir noch herausfinden", zuckte James mit den Schultern.
"Na ja, muss ein komischer Kautz sein, so wie Debbie und Rosalia von ihm gesprochen haben", sagte Luca, welcher mit den anderen Jungs hinter uns Mädels herlief.
"Diese Rosalia war sowieso komisch", kam sofort von Eliana.
"Glaubt ihr, was sie erzählt hat?", fragte ich nachdenklich.
"Na ja, der Fakt, dass wir von Letitia dachten, sie ist merkwürdig und sich dann herausgestellt hat, sie ist ein Testobjekt, lässt mich Rosalia schon ein Stück weit glauben", erklärte Christian. "Also ich meine, ich könnte mir schon vorstellen, dass man ihr irgendetwas angetan hat...sie war wirklich komisch drauf."
"Aber wie kann das sein?", begann ich. "Sowas kann doch niemals von der Organisation erlaubt werden!"
"Deine Eltern leiten doch die Organisation", kam von Eliana. "Kannst du sie nicht fragen, was sie darüber wissen?"
"Meine Eltern wissen nichts davon! Oder sie hätten schon längst was dagegen getan!", schnappte ich und sah sie böse an.
"Ich hab ja auch nichts dergleichen behauptet", meinte sie und sah mich entschuldigend an.
"Hey", sagte Leo. "Bleib locker, Alex. Keiner beschuldigt deine Eltern für irgendwas."
"Genau", meinte Eliana. "Wir sagen ja nicht, dass sie da beteiligt sind. Du kann-"
"Aber denken tut ihr es doch alle!" Ich verschränkte meine Arme und verschnellerte meinen Schritt.
"Alex!", seufzte Leo.
"Hast du toll hinbekommen", meinte Flavia, wahrscheinlich zu Eliana.
"Was kann ich dafür, wenn sie sofort so reagiert!", schien diese nun beleidigt.

"HEY!", sagte Christian plötzlich laut und bevor ich reagieren konnte, rannte jemand schnell an mir vorbei, wobei ich zur Seite gestoßen wurde und fast hinfiel.
"Alex, alles okay?" Sofort stand Leo neben mir und ich nickte bloß. Ich sah hoch und entdeckte Flavia, Christian, James, Luca und Eliana dem Kerl hinterherrennen.
"Dieser Kerl hat Christians Brieftasche gestohlen", erklärte er mir.
"Als hätten wir nicht genug Probleme", fluchte ich. "Komm, wir müssen sie einholen." Sofort rannten wir unseren Freunden hinterher. Sie hatten zwar schon einen Vorsprung, jedoch waren Leo und ich auf gutem Wege. Zum Glück waren so früh noch nicht so viele Leute unterwegs, jedoch beschwerten sich diejenigen, an denen wir vorbeistürmten, da wir es nicht immer vermeiden konnten, sie leicht anzurempeln.

Ich sah unsere Freunde über eine Kreuzung laufen und Leo, welcher etwas vor mir lief, wollte ihnen hinterher, allerdings sprang die Fußgängerampel auf rot.
"LEO! VORSICHT! ES IST ROT!", rief ich ihm zu und nun richtete auch er seinen Blick auf die Ampel. Ich hatte mich schon etwas abgebremst, doch Leo legte eine Vollbremsung hin und hielt sich am Pfeiler der Ampel fest. Na ja, eigentlich sah es eher so aus, als würde er dagegen laufen. Schnell atmend kam ich neben ihm zu stehen und beobachtete Flavia. Sie war dem Kerl dicht auf den Fersen. Er überquerte auch die nächste Ampel und ich sah nach rechts.
"Leo, komm mit, ich glaub ich weiß, wie wir ihn kriegen", sagte ich und rannte schon los, da auch die Ampel zu unserer Rechten grün war. Ein Auto wollte gerade abbiegen, musste allerdings abrupt anhalten, da ich plötzlich auf die Straße gerannt war. Die Fahrerin hupte laut und schrie mir aus dem Fenster zu.
"Bring dich bitte nicht um!", rief mir Leo von der Seite zu, doch ich legte bloß einen Zahn zu. Wir befanden uns nun auf der gegenüberliegenden Straßenseite von dem Dieb und unseren Freunden.

Der Dieb beobachtete den Verkehr auf der breiten Straße und schien diese überqueren zu wollen. Da sich allerdings keine Gelegenheit ergab, lief er einfach weiter geradeaus.
"Was hat der bitte für eine Ausdauer!?", sagte ich beim Durchatmen. Ich runzelte meine Stirn, presste meine Lippen zusammen und legte noch einen Zahn zu. Ich schien über dem Boden zu schweben. Mir kam es vor wie ein Déjà-vu, doch diesmal hoffte ich, dass keine Waffe im Spiel war.
"Wir sind gleich beim Walk Of Fame!", meinte Leo, welcher nun auch schneller geworden war. Jetzt wusste ich nicht, ob es so gut war, dass kaum Menschen hier waren. Wir konnten ihn zwar nicht verlieren, allerdings hatte er eine leichtere Chance davon zu kommen.

Ich sah zu unseren Freunden, welche dicht an ihm dran waren, doch knapp verfehlten. Ich hörte, dass James den anderen etwas zurief, doch ich verstand nicht was. Im nächsten Moment verschwanden Luca, James und Eliana in eins der relativ kleinen Einkaufszentren. Die Geschäfte hatten noch nicht geöffnet, weswegen sie leichter da durch kommen würden. Flavia und Christian blieben dem Kerl weiterhin an den Fersen und ich deutete auf eine Ampel, Leo verstand sofort. Wir hatten Glück, da wir noch fünf Sekunden hatten, bevor die Fußgängerampel wieder rot wurde. Ich legte noch einen Zahn zu, wobei ich mich wirklich selbst erstaunte, da ich nicht gedacht hätte, es würde funktionieren.

Nun lief ich neben Flavia und sie grinste mich wissend an. Sie zeigte nach vorne, wo nun James, Luca und Eliana plötzlich auftauchten, da sie es tatsächlich geschafft hatten, uns zu überholen. Der Dieb schien nun völlig verwirrt und machte auf einmal einen Schlenker auf die Straße. Sofort begann das wilde Hupen und man hörte nur noch quietschende Reifen überall. Ich blieb stehen und Flavia machte mir nach.
"Ist der bescheuert?!", hörte ich sie schwer Atmen. "So lebensmüde bin ich jetzt nicht!"
"Da vorne war eine Ampel!", sagte ich und zeigte auf die, die Leo und ich eben benutzt hatten.
"Beeilen wir uns!" Flavia lief los und ich ihr sofort hinterher. Auch die anderen kamen uns nach. Wir brauchten zwar nicht auf das Grün warten, allerdings hatte der Dieb nun einen ordentlichen Vorsprung.

Nun befanden wir uns auch auf dem Walk Of Fame und man bemerkte, dass ein paar mehr Leute hier herumliefen, auch wenn es noch relativ früh war.
"HALTET DEN DIEB!", rief Christian, jedoch sahen ihn die meisten nur verwundert an und dann den Kerl, der gerade an ihnen vorbei gerannt war. Tolle Hilfe.
"JETZT HALTEN SIE IHN DOCH FEST!!!", rief nun James und ich hätte nicht gedacht, in seiner Stimme jemals so viel Wut zu hören. Allerdings schien es geholfen zu haben, denn ich konnte erkennen, wie zwei Personen ihn festhielten. Es waren eine Frau und ein Mann, wobei die Frau dem Kerl nun den Arm verdrehte und auf den Boden drückte, während der Mann ihm Christians Brieftasche aus der Hand nahm.

Wir kamen ihnen näher und unsere beiden Helfer stellten sich als ziemlich jung heraus.
"Wem gehört die?", fragte der Junge, als wir alle außer Atem bei ihnen ankamen.
"Mir", hob Christian die Hand und nahm seine Brieftasche entgegen. "Danke."
"Kein Ding!", sagte das Mädchen strahlend und zog den Dieb am Kragen auf seine Beine. Er war fast zwei Köpfe größer als sie, doch ihr machte das nichts. Sie trat ihm stark gegens Schienbein und als er kurz vor Schmerz zusammenzuckte, schlug sie ihm noch in die Magengrube. Der Dieb krümmte sich stöhnend und als sie ihn los ließ, machte er sich schnell aus dem Staub.

"Du gefällst mir", kam von Flavia, welche dem Mädchen ihr typisch freches Flavia-Grinsen zeigte. "Du hast eine starke Rechte."
"Danke", antwortete diese und schien nur so vor Selbstbewusstsein zu strotzen. "Wurde mir so in die Wiege gelegt."
"Wie alt bist du?", runzelte Eliana nun die Stirn.
"Dreizehn", antwortete das schwarzhaarige Mädchen und sah Eliana einmal von oben bis unten an. "Wieso?"
"Entschuldigt meine Schwester", sagte nun der braunhaarige Junge. "Ich bin Samuel und das ist Angela."
"Nochmal danke, dass ihr ihn festgehalten habt", sagte ich. "Schien ja sonst keiner so hilfsbereit."
"Ach, kein Problem", nickte mir Samuel zu. "Aber wir hätten nichts davon gehabt, wenn ihr an uns vorbeigelaufen wärt."
"Was?", fragte Luca verwirrt. "Was meinst du damit?"
"Tust du nur so blöd oder bist du es wirklich?", kam von Angela, welche ihre Arme verschränkt hatte und Luca kritisch musterte. Flavia begann bloß zu lachen und Luca sah sie grimmig an.
"Er ist es wirklich", wisperte meine beste Freundin dem Mädchen zu, welche bloß grinsend den Kopf schüttelte.
"Also helft ihr uns weiter?", fragte ich nochmal nach.
"Alexandra Chiara Visconti, richtig?" Ich nickte. "Dann ja. Aber nicht hier. Folgt mir." Samuel und Angela gingen vor. Sie brachten uns zu einer kleinen Seitengasse und schlossen dann eine gut versteckte Tür auf. Dort ließen sie uns alle hindurch und schlossen hinter uns wieder zu. Ich sah mich um, sobald sie das Licht angemacht hatten. Wir waren in einem Souvenirshop. Davon hatte ich eigentlich langsam die Nase voll.

"Habt ihr auch Tattoos?", fragte Flavia neugierig und die beiden nickten. Angela deutete auf ihren Knöchel und Samuel drehte sich mit der Seite zu uns und zeigte hinter sein Ohr. Es war der Walk Of Fame Stern und darin befanden sich jeweils ihr erster Buchstabe des Namens.
"Ich dachte, wir würden euch vielleicht erst am Stern von Marilyn Monroe finden", gab Leo zu.
"Eigentlich waren wir auch gerade auf dem Weg dorthin", meinte Angela und öffnete ihren Zopf, um diesen neu zu flechten. "Aber dann mussten wir euch helfen und konnten uns den Weg sparen."
"Heißt das, wir finden den nächsten Hinweis nicht am Stern, sondern bei euch?", runzelte ich die Stirn.
"Wenigstens eine hat es verstanden", nickte Angela und bekam von ihrem Bruder einen mahnenden Blick zugeworfen.

"Kann ich euch etwas fragen?", fragte ich dann, als ich die beiden eine Weile beobachtet hatte.
"Hast du bereits", kam sofort von Angela und Samuel verdrehte die Augen, bevor er mich mit seinen großen, braunen Augen ansah.
"Schieß los."
"Ihr steht doch mit den anderen im Kontakt, richtig?"
"Jap", nickte Samuel.
"Was könnt ihr uns zu Rosalia sagen?" Sofort stockten beide und weiteten leicht ihre Augen, bevor sie sich ansahen.
"W-was meinst du genau?", fragte er.
"Das wisst ihr genau", sagte ich bloß und verschränkte meine Arme.
"Was hat sie denn gesagt?", fragte Angela nach.
"Nicht viel", log ich.
"Und was wisst ihr?" Sie sah mich prüfend an.
"Nicht. Viel." Ich starrte ihr fest in die Augen. "Ich frage, weil sie so merkwürdig war."
"Sorry, wir haben einen Maulkorb verpasst bekommen", zuckte Samuel mit den Schultern. "Wir dürfen euch nur etwas zum Rätsel sagen, mehr nicht."
"Haben das meine Eltern verordnet?", fragte Leo nun.
"Und Louis", meinte Samuel, wobei er etwas zerknirscht klang.
"Boah, dieser Louis ist mir langs-" Doch Flavia wurde durch ein Klopfen unterbrochen. Sofort waren wir alle still und sahen zu der Tür, durch welche wir zuvor gegangen waren.

"Ich weiß, dass ihr da drin seid!", sagte eine mir sehr bekannte Stimme.
"Was macht er denn hier?", wisperte ich fragend in die Runde.
"Wie hat er uns gefunden?", kam von Eliana.
"Seid still, vielleicht geht er wieder weg", meinte Luca. 
"Ihr kennt den?", fragte uns Angela aufgebracht, aber leise.
"Leider", murmelte ich. Wieder klopfte es. "Ich will dich sprechen, Alexandra!" Nun waren alle Augen auf mich gerichtete und ich schnaubte wütend. 
"Kann er uns nicht einmal in Ruhe lassen?", meinte ich.
"Wir sagen einfach nichts, irgendwann geht er vielleicht", zuckte Flavia mit den Schultern.
"Bezweifle ich", sagte Christian.
"Same", nickte James.
"ALEXANDRA!!!", hörten wir von der anderen Seite der Tür.
"Ich dachte, die Tür war gut versteckt!", sagte Leo zu den beiden Geschwistern.
"Er muss uns gesehen haben", zuckte Samuel mit den Schultern. Ich seufzte und nährte mich der Tür.
"Alex, was tust du?", fragte mich Flavia.
"Ich lasse ihn nicht rein, keine Sorge", meinte ich und stellte mich dann mit etwas Abstand vor die Tür. "Was willst du, Tamino?", fragte ich dann etwas lauter. Das Klopfen hörte sofort auf.
"Ich wusste, du bist da drin."
"Und du bleibst draußen, also was ist? Wieso nervst du uns schon wieder?"
"Nerven?", fragte er etwas eingeschnappt.
"Spuck's schon aus oder geh!"
"Schon gut, schon gut", meinte er. "Ich habe wichtige Infos für euch."
"Was für Infos?"
"Lasst mich rein und ich sage sie euch." Ich ballte meine Hände zu Fäusten.
"Vergiss' es!"
"Dann kann ich ja wieder gehen!" Sofort drehte ich mich hilfesuchend zu meinen Freunden. Sie sahen mich bloß schulterzuckend an, außer Flavia, diese schüttelte den Kopf. Dann blieb mein Blick bei Leo hängen und seine Worte spukten mir durch den Kopf. "Ich stehe immer hinter dir."

Ich atmete tief durch und drehte mich wieder zur Tür. War er wohl wirklich gegangen oder wusste er, ich würde mich möglicherweise noch umentscheiden?

Es gab nur einen Weg das herauszufinden.

"Tamino?"

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