37: Koste es, was es wolle

"Endlich ein Bett!", sagte ich erleichtert und ließ mich in Leos Bett fallen.
"Doch es ist meins", warf Leo ein und zog mich weg, nur um sich selbst darauf auszubreiten. Ich verengte meine Augen zu Schlitzen und verschränkte meine Arme vor der Brust. Dazu schob ich meine Unterlippe vor und sah ihm zu, wie er genüsslich seine Arme hinter dem Kopf verschränkte und die Augen schloss.
"Das ist der Dank für meine einzigartige, großzügige Liebe zu dir?", meinte ich theatralisch und schluchzte gespielt auf. Er öffnete seine Augen und musterte mich kritisch.
"Ich musste die ganze Zeit auf einem unbequemen Stuhl sitzen und euch bei schlimmen Aktivitäten zusehen!", versuchte ich zu überzeugen. Er schien zu überlegen und ich fragte mich, über was es da nachzudenken gab.
"Ich könnte auch einfach rüber in mein Bett gehen, doch alleine wird es definitiv einfacher, mich wieder zu entführen und das willst du deiner Freundin doch nicht antun, oder?" Ich versuchte überzeugend zu lächeln. "Bitte!", fügte ich hinzu und er fing an zu grinsen.
"Na komm schon her" Er machte ein wenig Platz und ich legte mich erschöpft neben ihn. Endlich liegen! Das tat so gut, nachdem man Ewigkeiten auf einem Stuhl saß.

"Ich gehe mir trockene Sachen anziehen", sagte Teresa.
"Ich begleite dich!", meinte Flavia und fragte mich, ob ich auch kommen würde. Ich verneinte, denn ich hatte meine Augen bereits geschlossen und war im Halbschlaf. Sie gingen aus dem Zimmer, waren aber schnell wieder da. Teresa brauchte noch nie lange beim Umziehen.

"Wie hat Fernando das mit dir eigentlich herausbekommen, Flavia?", fragte Luca. Das interessierte mich allerdings auch, weswegen ich versuchte mich zu beherrschen, um nicht schon einzuschlafen.
"Als ihr in seinem Zimmer wart und ich euch vom Balkon retten musste, da meinte er, habe er nur geträumt, dass jemand im Zimmer war...aber dann hat er wohl bemerkt, dass sein Hefter fehlt und alles auf den Kopf gestellt, natürlich ohne es zu finden", erklärte sie.
"Aber warum hat er dich dann zu uns gebracht, wenn er wusste was passieren würde und er dich doch liebt?", fragte Teresa.
"Keine Ahnung...ich glaube das war mehr so eine Kurzschlussreaktion, weil er so wütend war, dass sein Hefter weg war."
"Man hat ihm auf jeden Fall angesehen, dass er nicht damit einverstanden war, euch, oder zumindest dich, so zu quälen", warf Luca ein.
"Gaia schien aber auch nicht über das Urteil für Leo zufrieden zu sein", meinte Christian. "Sie muss dich immer noch echt gern haben." Leo seufzte.
"Aber sie scheint mir trotzdem anders...außerdem hätte ich nie gedacht, dass sie auf der Seite der Bösen steht. Das passt einfach nicht zu ihr!"
"Menschen ändern sich", murmelte ich.
"Nein, ich glaube das bei ihr einfach nicht, da steckt mehr dahinter", beharrte er.
"Da wir ja nichts besseres zu tun haben können wir da ja auch weiter ermitteln", seufzte ich sarkastisch und auch wenn Leo wusste, wie ich das meinte, sagte er: "Sehr schön"

○●○

"Bitte gehe Fernando sagen, dass das Essen bereit ist", wies mich König Héctor an und ich tat wie mir gesagt wurde, auch wenn ich keine Lust hatte ihn zu suchen. Ich begab mich zu erst zu seinem Zimmer, in der Hoffnung, er wäre dort. Ich klopfte und wartete. Nichts geschah. Ich klopfte noch einmal und nach ein paar Sekunden öffnete sich endlich die Tür. Bingo! Zwei braune Augen starrten mich an und warteten darauf, das ich etwas sagte.
"Das Essen ist angerichtet, soll ich dir vom König ausrichten." Ohne etwas zu sagen packte er mich am Arm und zog mich ins Zimmer. "Hey!", beschwerte ich mich, doch er war stärker.
"Was soll das, Fernando?", fragte ich, als er die Tür geschlossen hatte.
"Hasst mich Flavia jetzt?" Ohne mich anzusehen stand er vor mir und fragte ernsthaft nach Flavia?
"Nun...was soll ich schon sagen, sie-"
"Einfach die Wahrheit. Sag mir einfach die Wahrheit!", unterbrach er mich und ich stockte. Was war nur in ihn gefahren? Irgendwie machte mir das ein wenig Angst...

"Ich werde dir nichts tun...beantworte mir einfach meine Frage" Was sollte ich denn schon sagen? Dass Flavia ihn noch nie mochte und es nur ausnutzte?
Als ich ihm immer noch nicht antwortete, fügte er ein leicht verletztes "Bitte" hinzu.
"Ich...also...Flavia hasst dich jetzt glaub ich nicht, aber..."
"Aber? Sie hat mich doch die ganze Zeit schon verarscht!" Er blickte mir in die Augen und ich erkannte diese Verletzlichkeit in ihm. Ich wusste nicht, was ich tun oder sagen sollte. Fernando war mir einerseits gruselig und machte mir Angst, andererseits schien er wirklich verletzt zu sein und deswegen tat er mir irgendwie ein bisschen leid.

Ich seufzte, bevor ich wieder zum Reden ansetzte. "Flavia ist etwas enttäuscht von der ganzen Situation. Sie hat wirklich gelitten in dieser Black Box."
"Ich habe sie ja versucht davon abzubringen, doch sie haben nicht auf meine Meinung gehört...sie sagten bloß, ich sei eine Hinderung der Mission und dass ich besser aufpassen sollte, wem ich half."
"Warum hast du überhaupt versucht, Flavia zu retten? Wenn du doch weißt wie sie ticken, dann hättest du sie gar nicht erst dort hinbringen müssen!"
"Ich war einfach sauer!", wurde er lauter. "Ich war sauer, dass ihr mich beklaut habt und sie mich nur angelogen hat!"
"Magst...magst du sie denn wirklich so sehr?" Er sagte nichts und starrte bloß in meine Augen. Er hatte wirklich schöne, dunkelbraune Augen, doch ich mochte die eisblauen von Leo lieber.

"Das ist  doch eh egal, denn sie mag diesen Luca lieber!" Ich schüttelte schnell den Kopf.
"Das ist überhaupt nicht egal! Fernando, wenn du Flavia doch so gerne magst, dann musst du ihr auch entgegen kommen und sie nicht mit solchen Aktionen, wie sie zu verpfeifen, versuchen zu zwingen! Flavia ist ein wenig kompliziert, und ja, Luca fand sie eine Zeit lang gut, aber ich glaube langsam, dass es aufhört, da er eh eine Freundin hat und das nicht mit den beiden funktionieren würde. Du hast gerade bewiesen, dass du ein Herz besitzt, und nun setze es mit deinem menschlichen Verstand ein und hilf uns!"
"Wie stellst du dir das bitte vor? Ich kann nicht einfach die Seite wechseln! Das würde böse für mich enden, denn sie würden mich aufsuchen und dann umbringen wollen, genauso wie bei Miguel!"
"Dann bleib bei deiner Seite, aber versuch sie davon abzuhalten, uns zu erledigen!"
"Ich bin doch eh bald hier weg, denn Nicolás wird das hier übernehmen. Ich werde, wenn ich Glück habe, nicht zurück geschickt und kann noch hier mit arbeiten, aber dafür habe ich keine Garantie..."

Der war ja echt anstrengend! Ich seufzte genervt. "Jetzt sei doch nicht so negativ! Denk doch einfach mal positiv! Denn wenn du Flavia davon überzeugst, dass du sie in Wirklichkeit gar nicht foltern oder killen willst, dann wird sie dir gegenüber auch sympathischer!"
"Und du bist dir da ganz sicher?", fragte er skeptisch.
"Wir sind beste Freundinnen seit einer Ewigkeit! Also wenn ich sie nicht gut kenne, dann wüsste ich nicht, wer es sonst tun sollte." Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue abwartend an. Er sagte vorerst nichts, doch anschließend seufzte er und nickte leicht. "Na gut. Ich werde versuchen mich zu ändern, aber ich weiß manchmal nicht mich zu beherrschen. Außerdem", meinte er und verschränkte ebenfalls seine Arme. "Solltest du aufhören die Hefter und Bücher anderer zu stehlen. Da stehen sehr wichtige Dinge drin!"

Ich sah ihn ertappt an. "Deswegen leihe ich sie mir ja auch aus. Ich will wissen was darin steht!"
"Meinen Hefter würde ich trotzdem gerne zurück haben." Er sah mich auffordernd an.
"Ich habe ihn jetzt aber nicht mit, also musst du dich gedulden. Außerdem, wenn du jetzt mit uns arbeitest, dann ist es doch nicht so schlimm."
"Alexandra...", meinte er warnend. Abwehrend hob ich meine Hände. "Erzähl' mir lieber, was es so mit Miguel aufsich hat und warum ihr hier seid. Was wollt ihr erreichen?"
Er seufzte und sah mich unschlüssig an. "Ich weiß, ich sagte ich helfe euch und versuche meine Leute abzuhalten, aber ich weiß nicht, ob ich euch einfach so alles erzählen kann."
"Aber wir sind doch keine Feinde mehr! Zumindest nicht mehr richtig!"
"Du hast mich beklaut", sagte er stumpf.

Stumm sah ich ihn an. "Nur deswegen?" Er zuckte mit den Achseln. "Nur  ist gut...das ist mein halbes Leben!"
"Übertreib' mal nicht! Du kannst mir wegen so einem blöden Hefter doch jetzt nicht die wichtigen Infos verschweigen!", meinte ich fassungslos.
"Du siehst ja, wie ich das kann", sagte er trocken. Ich runzelte meine Stirn und sah ihn sauer an. 
"Deine Beliebtheit bei mir sinkt gerade wieder. Und zwar schnell!" Er zuckte mit den Schultern.
"Vielleicht brauche ich auch einfach einen Vorwand, damit mich eine bestimmte Person anfleht, euch die Infos zu unserer Mission zu erzählen." Sein fieses Grinsen tauchte auf und ich spannte mich an. Ich hasste ihn! Er wollte uns zwar auch helfen, aber dennoch war er einfach böse.

"Heißt das, ich soll Flavia schicken, die dann auf den Knien vor dir fleht, uns die Infos preiszugeben?!" Er überlegte kurz. "So ungefähr, ja"
"Aber du kannst sie nicht zwingen, dich zu mögen!"
"Ich werde mir Flavia holen! Koste es, was es wolle!", war sein letztes Wort und ich merkte, wie ernst er es meinte. So ein Mist.

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