30: Blöd gelaufen
In der Nacht trafen wir uns alle auf dem Zimmer der Jungs. Sogar Adrianna und Eliana waren gekommen. Ich stand ein wenig abseits und beobachtete das Geschehen. Adrianna identifizierte gerade die Jungen auf den Bildern in der Mappe, die sich Flavia wieder von Fernando geliehen hatte. Adrianna sagte, dass sie ein paar der Gesichter schon einmal auf dem Schloss gesehen hatte und sie versucht hatten, Lucía von sich zu überzeugen. Auf die Frage von Teresa, ob denn alle länger geblieben waren, meinte sie, dass fast alle Jungs von den Bildern geblieben waren, aber natürlich gab es auch welche, die bloß eine Nacht verblieben. Ich fand das alles komisch. Ich meine, was suchten Marianna, Gaia, Fernando und so hier? Was wollten sie von der Königin? Aber auch die Königin schien mir nicht so normal, schließlich hatte sie dieses Büchlein und das machte mir auch Sorgen.
Leo verließ die grübelnde Gruppe und kam zu mir. Er setzte sich neben mich auf mein Bett und sah mich abwartend an. Ich wusste, er wollte wissen, über was ich nachdachte. Ich schüttelte meinen Kopf und sagte: "Das ergibt alles keinen Sinn! Wir kommen einfach nicht voran!" Leo nahm meine Hand und strich behutsam und sehr vorsichtig über den Handrücken.
"Das letzte Mal dachten wir auch, dass wir es nicht schaffen würden, da alles keinen Sinn ergab und wir keinen Anhaltspunkt besaßen. Trotzdem haben wir es geschafft und deine Erklärung am Ende war doch der Wahnsinn. Also lass' den Kopf nicht hängen, da wir schon vieles herausgefunden haben und gut damit weiterarbeiten können." Ich seufzte tief. Er hatte ja sowas von recht. Ich lächelte leicht und hob meine Hand mit seiner. Ich drückte eine Kuss auf seinen Handrücken und stand dann auf. Ihn zog ich mit hoch und dann in den Kreis zu den anderen.
"Leute, ich glaube, wir sollten uns einen ordentlichen Plan überlegen, damit hier etwas voran kommt und wir auch Geheimnisse bis ans Ende führen und herausfinden, was sie bedeuten!", kündigte ich an und begann auch gleich, den aktuellen Stand aufzuklären. "Also, wir haben zum einen diese Schachtel vergifteter Pralinen, die wir noch nicht wirklich zuordnen konnten. Dann gibt es noch das Büchlein der Königin, welches sich leider noch in meinem Besitz befindet, aber trotzdem müssen wir dem nachgehen. Leider wissen Marianna und Co. auch davon und wollen es sich holen, weswegen wir gewaltig aufpassen müssen! Wie schon gesagt gibt es Marianna, die Rache an mir nehmen will, aber auch an etwas anderem dran ist. Dazu gehören Gaia, die Exfreundin von Leo, Fernando, der anscheinend auf Flavia steht und dann kommt bald noch James dazu, der trauriger Weise auch zu ihnen zu gehören scheint." Es gefiel mir nicht, so über ihn zu reden, doch leider war es so und daran konnte ich jetzt auch nichts mehr ändern.
"Wir müssen herausfinden, warum sie so hinter der Königin her sind. Da wir aber wissen, dass die Pralinen angeblich für dir Königin bestimmt waren, wollte entweder sie die haben oder jemand wollte die Königin sabotieren. Ich persönlich glaube nicht an Letzteres, da sie in dem Büchlein schließlich stehen hatte, dass sie den König umbringen wollte und die Vorgehensweise war genau die selbe, wie sie beschrieben wurde. Doch können wir wirklich sicher sein, dass es ihr Büchlein ist? Das werden wir wohl auch herausfinden müssen. Zumal ist es komisch, dass Caruso, der ja eigentlich auf Mariannas Seite steht, mich damals befreit hatte und es damit begründete, dass er ein Freund von eurem Direktor sei, doch jetzt stellt sich heraus, dass euer Direx mal zur anderen Seite gehört hatte, also vielleicht sind sie alte Bekannte. Dann gibt es noch die Frage, warum die Königin uns hergeholt hat, wenn sie d-" Ich stoppte mich selbst und tippte mit dem Zeigefinger an meine Unterlippe. "Was wäre denn, wenn sie uns mit Absicht hergeholt hat? Aber nicht um unsere Hilfe anzufordern, sondern einfach um uns umzubringen?" So banal klang es ja gar nicht, wie ich dachte.
"Wow...das waren gerade echt viele Informationen auf einmal!", warf Luca ein und musste alles ordnen.
"Du meinst...sie hat das alles von Anfang an geplant?", hakte Teresa nach.
"Das ist doch gar nicht so blöd gedacht, wenn sie eine Ehemalige ist und euren Direktor noch gut kennt, dieser wohl auch mal auf der anderen Seite war und noch mit Caruso befreundet ist, der noch für die andere Seite arbeitet, und uns extra hier her holt, um uns umzubringen, weil sie weiß, dass unsere Direktoren sagen, wir sind ein sehr gutes Team...dann hat sie uns hergelockt, damit die andere Seite uns alle umbringen kann", überlegte Flavia angestrengt, doch schon nach kurzer Zeit kam ein verwirrtes "Hä?" von ihr. Es war nicht leicht, vor allem weil ich nicht einordnen konnte, warum regelmäßig Jungs von der anderen Seite kamen und versuchten Lucía als Frau zu nehmen.
"Okay, lasst uns am besten von Vorne beginnen", meinte Christian. "Wir kamen hier hin, weil die Königin uns angefordert hat."
"Also eigentlich hat sie nur nach den besten Agenten gefragt und euer Direktor hat dann uns als Team vorgeschlagen", warf ich ein.
"Was wäre, wenn euer Direktor uns extra genannt hat, genau weil wir die Besten sind und er uns loswerden wollte?", mutmaßte Flavia.
"Ey! Ihr redet immer noch über unseren Direktor! Außerdem, was sollte er für einen Nutzen daraus ziehen, dass wir tot sind?", sagte Luca.
"Außerdem haben wir nur gesagt, dass es ein Gerücht ist und nicht die Wahrheit", fügte Eliana hinzu und lehnte sich an Luca. Sie waren ja schon irgendwie süß zusammen und sie waren eines dieser sogenannten Traumpaare, die man in Filmen und Büchern fand. Trotz allem war Eliana eine hinterhältige Zicke und ich mochte sie nicht wirklich, keine Ahnung was Luca an ihr fand. Flavia wäre viel liebenswerter. Okay, vielleicht nicht unbedingt liebenswerter, aber Flavia tat mir wirklich sehr leid, dass sie ihn so gut fand und ständig mit ansehen musste, wie sich Eliana extra an ihn ranmachte, nur weil sie jetzt wusste, dass Flav auf ihn stand. Das war gemein und einfach nicht fair, schließlich hatte Flavia nie versucht sich ihm anzunähern und so. Wenn ich ehrlich war, hatte es mir gefallen, als sie von dem T-Typ geträumt hatte. Vielleicht merkte ihr Unterbewusstsein endlich, dass sie Luca gehen lassen musste und nicht daran festklammern sollte.
"Aber irgendwie muss das Gerücht doch entstanden sein und wenn es für eine so lange Zeit nicht aus der Welt geschafft wurde, dann kann man doch schon daran glauben", erklärte Flavia.
"Du willst ihn jetzt doch nur schlecht machen!", giftete Eliana und ich verdrehte seufzend meine Augen. Wieso musste sie genau jetzt einen Streit anfangen?
"Wenn ihr euch jetzt streitet, dann bringe ich euch beide persönlich um! Ich schwör's! Wir müssen hier endlich mal voran kommen und in alle Richtungen denken, also lasst das Gezicke und konzentriert euch lieber!", fuhr ich sie an. Ich hatte jetzt keinen Nerv und auch keine Bock auf eine Zickerei der Beiden, denn wie gesagt, das konnte schnell bei ausgekratzten Augen landen.
"Alex hat recht. Ich mein, wie lange sind wir schon hier? Zwei, drei Wochen? Was haben wir bis jetzt? Nur unaufgeklärte Dinge, die uns nicht weiter bringen. Wir müssen mal anfangen, endlich die Dinge logisch zusammenzufügen, schließlich ist ein Puzzle nur dann fertig, wenn es keine losen Puzzleteile mehr gibt", unterstützte mich Leo und ich drückte seine Hand, die noch in meiner lag, einmal, um ihm zu danken.
"Wir kamen bei der letzten Mission sehr gut zurecht und waren sehr schnell vorangekommen. Jetzt überlegt mal, was anders ist an dieser Mission...nun, Eliana ist dabei! Also habt ihr den Beweis, sie ist an allem Schuld, sie hält alles auf!", musste Flavia schon wieder anfangen. Sie konnte es einfach nicht sein lassen und Eliana ließ es sich auch nicht gefallen.
"Du bist nur neidisch, weil ich mit Luca zusammen bin!", keifte sie.
"Du spinnst doch! Das hat doch jetzt überhaupt keinen Zusammenhang! Ich habe kein Problem damit, wenn du dich extra an ihn ranschmeißt, nur weil du weißt, dass ich ihn mag!"
"Geht das schon wieder los", seufzte Luca und strich sich verzweifelt übers Gesicht. War wohl nicht leicht, mit mehreren Verehrerinnen. Wie es wohl Christian damit ging? Ich musste ihn echt mal ausfragen, denn ich wollte unbedingt, dass er auf Teresa stand, denn die beiden wären auch mega süß zusammen.
"Jetzt hört doch einfach damit auf", meinte Adrianna. Sie schien auch genervt davon zu sein.
"Nein! Erst wenn sie zugibt, dass sie neidisch ist!", blaffte Eliana.
"Oh, darauf kannst du lange warten, Schätzchen! Außerdem...habe ich schon jemand anderes gefunden, der mir besser gefällt als Luca..." Ich sah zu Luca und man sah ihm an, dass er ein wenig traurig darüber war. Nicht sein Ernst! Erst machte er sie so blöd an und dann fand er doof, dass sie endlich nicht mehr so auf ihn stand?
"Achja? Wen denn bitte?"
"Er...er heißt..."
"Nun?"
"Ti...nein...ehm..Ta-Tavi! Ja genau, Tavi heißt er!"
Eliana blickte sie skeptisch an. "Was ist das für ein Name? Wo kommt er denn her?"
"Er ist nicht aus Spanien...auch nicht aus Italien."
"Na dann...wenn du meinst...dann kann ich ja ohne weiteres das hier tun", meinte sie provozierend und schritt zu Luca. Demonstrativ küsste sie ihn und ich beobachtete Flavia mitfühlend. Aber sie machte es gut, sie ließ sich nichts anmerken und sah tapfer zu. Automatisch drückte ich Leos Hand und er tat es mir gleich.
Auf einmal klopfte es an der Tür und wir sahen uns alle fragend und alarmiert an. Leo ließ meine Hand los und ging mit Christian und Luca zur Tür, um sie zu öffnen. Niemand stand dort, außer ein kleines Packet. Vorsichtig nahm es Christian in die Hand und Luca schloss die Tür wieder. Leo öffnete es und holte ein kleines handyartiges Ding raus. Wir stellten uns alle um Leo, um darauf zu schauen und als jeder etwas sehen konnte, drückte ich auf Play. Schon im nächsten Moment wollte ich am liebsten Amok laufen. Es erschien eine weiße Schrift auf dem schwarzen Bildschirm, die sagte: "Wie du mir, so ich dir ~M" .
Das Bild verschwand und man sah mich, wie ich auf dem Stuhl saß. Die hatten das heute doch nicht wirklich gefilmt!? Entsetzt sah ich dem Video zu, wie erst Gaia auftauchte, dann Marianna und dann noch Fernando. Man sah, wie wir redeten und die Mädels irgendwann weggingen. Fernando kam mir näher und ich biss mir verzweifelt auf die Unterlippe. Ich befürchtete das Schlimmste. Fernando lehnte sich vor und es sah so aus, als würden wir uns wirklich küssen, nur weil es aus einem sehr ungünstigen Augenwinkel gefilmt wurde. Ich starrte auf das Video und schluckte. Ich wusste, dass mich alle anstarrten, doch ich traute mich nicht, hochzusehen. "Ich...ich habe ihn nicht geküsst...das müsst ihr mir glauben!"
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