27: Komische Leute. Komische Träume.

Ich sah in die Runde, doch alle zuckten unschlüssig mit den Schultern. Außer Leo. Ich saß ihn auffordernd an.
"Na komm, Leo, denk nach! Du kennst ihn auch!" Er überlegte noch kurz, bis sich auch sein Gesicht erhellte und er meinte: "Du hast recht! Du hast vollkommen recht!" Ich nickte. Klar hatte ich recht.
"Könnt ihr uns nun vielleicht auch mal aufklären?", fragten die anderen ungeduldig. Ich nahm das Bild zur Hand.
"Das, liebe Freunde, ist ein alter bekannter der letzten Mission. Allerdings wart ihr ja nicht dabei, deswegen kennt ihr ihn auch glaub ich gar nicht, oder habt nur einmal seinen Namen gehört oder so."
"Aber ich kenne keinen Nícolas! Da bin ich mir ganz sicher!", beteuerte Teresa. Ich schüttelte meinen Kopf.
"Er heißt ja auch gar nicht Nícolas."
"Na wie denn dann? Jetzt macht es nicht so spannend!", drängte Chrstian.
"Ihr werdet es kaum glauben, aber das ist unser schottischer Freund James!" Sie starrten auf das Bild.
"War das nicht der Freund von dem einem Mädchen da auf dem Internat?", fragte Flavia. Ich nickte.
"Von Francesca."
"Ist sie dann auch Spionin?", wollte Luca wissen. Ich zuckte unschlüssig mit den Schultern.
"Ich habe keine Ahnung. Ich wusste ja nicht einmal, dass James einer ist...und dann noch von den Bösen." Dabei hatte ich doch einen so guten Eindruck von James gehabt. Er schien wirklich sehr nett, aber so konnte man sich in Menschen irren.

"Er wird bald hier her kommen", sagte Christian auf einmal. "Nächste Woche."
"Dann wird Fernando ja weg müssen!", meinte Flavia erleichtert.
"Außer sie regeln das irgendwie, sodass er hier bleibt", erwiderte Leo grinsend. "Schließlich hat er seine große Liebe hier gefunden und die kann er ja nicht alleine lassen." Flavia sah ihn böse an.
"Bist du sicher, dass du nicht auch in ihn verknallt bist? Du spielst ziemlich gut, dafür, dass du ihn nicht ausstehen kannst", neckte Luca sie. Er provozierte aber auch immer weiter auf eine Wutattake von Flavia an. Das würde dann aber nicht gut für ihn enden.
"Das kann täuschen, Luca", warf ich ein. "Ich mein, Leo kann auch ganz gut spielen und so tun als ob."  
"Meine Güte! Ich wusste gar nicht, dass du so nachtragend bist. Außerdem hast du ja wohl damit angefangen!" Er schüttelte leicht den Kopf.
"Ich muss dir ja irgendwie heimzahlen, dass du mich mit Heuballen abwirfst!", verteidigte ich mich.
"Ehm...wollt ihr uns irgendetwas erzählen?", fragte Teresa dazwischen.
"Nein", antworteten wir gleichzeitig.

"Nun, ich muss jetzt aber auch mal wieder", sagte Flavia. "Es ist schon fast drei und ich will nicht, dass Fernando bemerkt, dass ich fehle."
"Flavia?", fragte Teresa vorsichtig.
"Hm?"
"Aber du und Fernando...ihr...ihr habt doch nicht etwa...also, na du weißt schon...miteinander geschlafen?" Flavia riss ihre Augen vor Entsetzen an und keifte: "Igitt!! NEIN! Sag mal was denkst du eigentlich von mir!?" Ich verkniff mir ein Lachen, genauso wie die anderen, was aber schief ging und wir alle loslachten. Flavia verdrehte genervt die Augen und schnappte sich die Mappe mit den Bildern. "Ich geh' jetzt! Gute Nacht!" Danach verließ sie das Zimmer und wir beruhigten uns wieder. Wenn Flavia da war, dann gab es immer etwas zu lachen. Trotzdem kam ich nicht drüber weg, dass James zu solchen Leuten wie Marianna und Co. gehören sollte. Irgendwie machte mich das traurig, aber gleichzeitig fragte ich mich, was er denn dann damals am Internat gemacht hatte. Denn selbst wenn er zu einer bösen Organisation gehörte, war er nicht im Fall Roberta Federica Barone vertreten. Zumindest nicht nachher bei der Auflösung und von einem zweiten Fall war nie die Rede. Hm...merkwürdig. Vorallem, wie hing Francesca damit drin? Ich würde ihn einfach zur Rede stellen, wenn er kam. Das war der einfachste Weg, um an Informationen zu kommen.

"Und ich dachte immer, er wäre ein so netter Kerl", sagte ich enttäuscht. "Aber jetzt stellt sich heraus, dass er zu den Bösen gehört."
"Können wir uns denn sicher sein, dass er zu einer der bösen Organisationen gehört?", warf Teresa ein.
"Nun...warum denn nicht? Schließlich-"
"Eigentlich können wir das nicht", unterbrach mich Leo.
"Ach ja? Und warum bitte nicht?", fragte ich und stemmte meine Hände in die Hüfte.
"Weil er zwar in dieser Mappe von Fernando zu sehen ist, aber das heißt ja noch lange nicht, dass er bei den Bösen ist, schließlich haben wir Fernando auch noch nicht als einen von ihnen identifiziert."  
"Aber er ist komisch!", versuchte ich gegen Fernando zu argumentieren.
"Das heißt ja trotzdem nicht gleich, dass er böse ist!"
"Doch!"
"Nein, Alex."
"Doch, Leo."
"Du bildest dir nur was drauf ein!"
"Gar nicht!"
"Doch!"
"Nein! Ich hab ihn doch erlebt! Er hat komische Fragen über die Königin gestellt!"
"Achso! Ja, na dann...wenn man also komische Fragen stellt, dann ist man gleich als böse bei dir abgestempelt?"
"Warum verteidigst du ihn denn jetzt?", fragte ich stirnrunzelnd.  
"Tu' ich nicht, aber heißt das jetzt, dass Alfonso auch böse ist, nur weil ich gesagt habe, er verhält sich komisch?"
"Warum denn nicht?"
"Das ist doch Quatsch!", schüttelte er den Kopf.
"Nein! Das i-"
"OKAY! So ungern ich euren Ehestreit unterbreche, trotzdem müssen wir jetzt weiter schlafen, denn sonst kann keiner von uns ordentlich was schaffen! Meine Güte...was ist bloß mit euch los?", kam Teresa dazwischen.

Zog ich wirklich zu voreilige Schlüsse? Nein...bestimmt nicht! Fernando war mir nun mal nicht geheuer und da hier auch Marianna und ihre Leute rumspukten, da konnte Fernando doch genauso gut dazu gehören. Aber von Marianna hatte ich jetzt auch schon länger nichts mehr gehört...wer weiß, was die planten. Auf jeden Fall mussten wir vorsichtig sein, da in der letzten Woche nichts geschehen war, wird bald wieder etwas kommen. Mit Sicherheit.

Ich legte mich neben Teresa und befreite einen Kopf, um schnell einzuschlafen.  

Ich hörte schreie. "ALEEEX!", schrie jemand. Aber nicht irgendjemand. Es war Flavia. Meine beste Freundin Flavia. Ich lief den Schreien nach und befand mich schließlich in einem großen Festsaal.
"Flavia! Flavia wo bist du?!" Ich sah mich um, doch ich entdeckte sie nicht. Plötzlich trat Marianna hinter einer der Vorhänge hervor und lächelte mich hinterhältig an. Hinter mir trat auch jemand zum Vorschein. Ich drehte mich um und entdeckte Fernando, der genauso ein Lächeln wie Marianna hatte. Ich sah, wie nun Gaia von Rechts dazu kam und Flavia von Links. Sie hatten mich umzingelt. "Was soll das?", fragte ich leicht panisch. "Flavia, du hast doch um Hilfe geschrien!" Ihr Lächeln wurde ein gemeines Lachen.
"Du bist so eine naive, kleine Bitch!" Ich sah sie empört an. Ich kannte sie gar nicht so. Das war nicht die Flavia, die ich beste Freundin nannte! 

"Was haben sie mit dir gemacht!?", rief ich. "Das bist nicht du, Flavia!" Marianna fing an zu lachen und ich drehte mich zu ihr hin. Sie funkelte mich aus bösen Augen an.
"Du kapierst auch echt gar nichts! Flavia ist nun zu uns gekommen...sie hat sich uns angeschlossen!  Dank dem guten Einfluss von Fernando, hat deine liebe Freundin zu uns gewechselt!" Ich sah sie erschrocken an. Dann drehte ich mich zu Fernando und sah, wie Flavia nun neben ihm stand. Er hatte einen Arm um sie gelegt und Flavia küsste ihn extra, als ich sie ansah, um mir zu beweisen, dass es stimmte, was Marianna sagte.
"Aber Flavia! Du hast doch gesagt, du tust nur so, um sein Vertrauen zu gewinnen!" Sie fing wieder an, so abscheulich zu lachen.
"Alex...Alex...Alex...", schüttelte sie den Kopf und sprach meinen Namen abschätzig aus. Sie löste sich von Fernando und kam mir bedrohlich näher. Sie war etwas gewachsen. "Hast du nie daran gedacht, dass ich das nur so zu euch gesagt habe, damit ihr denken würdet, dass ich wirklich nichts von ihm will? Ich wollte nicht IHM etwas vorspielen für SEIN Vertrauen...nein, ich wollte EUCH etwas vorspielen, damit IHR mir noch vertraut! Checkst du's endlich? Oder bist du auch dafür zu blöd!?" Ich war sprachlos. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Warum hatte mir Leo nicht geglaubt? Ich hatte doch gesagt, dass Fernando böse war! 
"Ich wusste es die ganze Zeit", murmelte ich. "Ich habe es die ganze Zeit gewusst!" Meine Stimme war wütend und ich ballte meine Hände zu Fäusten. Ich sah mit einem Todesblick zu Fernando. "Ich wusste die ganze Zeit, dass du böse bist! Ein mieser Intrigant! Ein blödes Arschloch, dass Flavia nur ausnutzt!" Er fing an zu lachen. Böse. Gemein. Mit aller Ruhe. Fast so, wie der Joker.
"Ach, wirklich?", fragte er schließlich und grinste. Am liebsten würde ich ihm dieses perverse, gemeine Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Ich würde ihm so gerne die Nase blutig, die Zähne ausschlagen und sein schönes Gesicht einfach nur so verunstalten, dass selbst eine Operation nichts mehr retten konnte.

"Ja! Wirklich! Doch keiner hat mir geglaubt!", rief ich ihm zu. Ich hasste ihn. Ich hasste sie alle! Ich sah zu Flavia, die nun wieder neben ihm stand. Wie konnte ich mich so in ihr täuschen? 

"Oh!", machte Marianna mitleidig und ich drehte mich zu ihr um. Sie war genauso eine falsche Schlange. "Hat dir sogar dein lieber Leo nicht geglaubt?" Sie sprach den Namen 'Leo' mit viel bedacht aus und ließ ihn auf der Zunge zergehen. Sie sah mich provozierend an. Sie kam langsam näher. Ich wich ein wenig zurück, doch hinter mir waren ja Fernando und Flavia, die ebenfalls näher kamen. Gaia näherte sich auch. Sie standen ganz dicht bei mir. Sie umzingelten mich und ich wusste nicht, zu wem ich mich drehen sollte. "Es fängt immer so an", meinte Marianna. "Erst wird er deine Ideen nicht mehr unterstützen, dann streitet ihr euch und anschließend verlässt er dich!" Ich drehte mich zu ihr hin.
"Flavia hat das richtig gemacht", sagte Fernando jetzt und ich drehte mich blitzschnell um. "Sie hat MIR vertraut und du solltest das auch tun!" Gaia fing an böse zu lachen und ich sah zu ihr. Dann fing Flavia an, mich provozierend auszulachen und ich drehte mich wieder nun zu ihr. Danach fing Marianna auch noch an und blitzschnell drehte ich mich wieder um. "Wie du siehst, vertrauen sie mir alle!", sprach nun wieder Fernando und schon wieder musste ich mich umdrehen. "Deine beste Freundin, deine Cousine, die Ex deines Freundes...du solltest mir auch vertrauen!" Wieder hatte er dieses perverse, dreckige, fiese Grinsen im Gesicht, was mich fast würgen ließ. Ich verabscheute ihn so sehr! Ich sah ihn wütend an und stürzte mich auf ihn. Die Mädchen reagierten sofort und zogen mich schnell von ihm runter und hielten mich fest. Ich versuchte mich frei zu machen, doch Marianna und Flavia hielten mich zu fest. Fernando rappelte sich auf, noch immer dieses Grinsen im Gesicht. Allerdings zeigten seine Augen Wut. Ich versuchte Marianna und Flavia zu treten, was auch klappte, doch es schien ihnen nichts auszumachen. Gaia war für kurze Zeit verschwunden, doch sie kam wieder. Mit einem kleinen silbernen Tablett. Als ich sah, was sich darauf befand, trat ich mehr um mich. Fernando nahm die Spritze mit der mindestens fünf Zentimeter Nadel  in seine rechte Hand und sah mich an. Ich wurde panisch und zappelte stärker. Ich wollte hier weg! Das war ja der reinste Albtraum!

"Entspann' dich, Alex, dann wird es nicht so schlimm", sagte er. Doch ich hörte nicht auf ihn. Wer weiß, was da drin war! Ich ließ mir sicher nicht von DEM eine Spritze geben! Ich schrie. Sehr hoch und schrill und zappelte stärker. Immer stärker. Ich wollte hier weg! Einfach nur weg! Langsam kam mir Fernando immer näher. Dieses Grinsen war wohl eingebrannt, denn er hatte es immer noch auf den Lippen. Ich trat um mich und traf Fernando, was ihm allerdings auch nicht viel ausmachte. Er befahl Gaia, meine Beine festzuhalten. Vor Panik kamen mir Tränen und ich schrie noch lauter und schriller. Ich konnte nicht mal mehr meine Beine bewegen, weil Gaia komischerweise so stark war, dass sie meine Beine festhielt. Als Fernando direkt vor mir stand, strich er mit seiner freien Hand, die Tränen weg. "Sh! Du brauchst keine Angst haben, Alexandra. Ich tu' dir nichts böses. Ich helfe dir lediglich ein wenig dabei, mir zu vertrauen. Okay? Du siehst ja, wie stark die anderen Mädchen geworden sind und glaube mir, sie haben alle diese Spritze bekommen. Es wird nicht weh tun!" Ich sah ihn hasserfüllt an und schrie. Ich schrie mir die Seele aus dem Leib. Ich versuchte mich so gut es ging zu lösen, indem ich mein Becken hin und her drehte und auch die Schultern mitnahm. "NEEIIIN!!! LASS MICH! ICH WILL DIR GAR NICHT VERTRAUEN!!" Er fing wieder an so zu lachen. Man hörte so viel böses in diesem Lachen, dass mir eine Gänsehaut über den Körper jagte.
"Du wirst bald anderer Meinung sein, Alexandra!", sagte er und sprach meinen Namen in einer besonderen Art und Weise aus. Bevor ich allerdings ermitteln konnte, was genau in seiner Stimme lag, lagen seine Lippen auch schon auf meinen und er küsste mich. Das verwirrte mich so sehr, das ich wie angewurzelt stehen blieb und nichts tat. Dies nutze er aus und gab mir die Spritze nebenbei, denn er entfernte sich nicht vom Kuss. Sobald ich merkte, wie die Flüssigkeit sich in meinem Arm ausbreitete, bekam ich das dringende Verlangen, ihn zurück zu küssen, was ich dann auch tat. Ich erwiderte seinen Kuss und es machte mir nichts mehr aus, dass es Fernando war. Im Gegenteil, ich fand es sogar sehr...schön.

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