23: Pulverfass

"Seid ihr wahnsinnig geworden!?", regte sich Teresa auf und ging wütend im Raum auf und ab. Adrianna und ich hatten nach zehn Minuten geschafft, die beiden Kampfhühner auseinander zu ziehen und haben sie anschließend zur Krankenstation gebracht, um ihre Kratzspuren, aufgeplatzten Lippen, Veilchen und was sonst noch zu verarzten. Teresa kam später dann auch noch dazu und jetzt regte sie sich auf. "Ihr malträtiert euch wegen einem Jungen!? Was ist bloß mit euren Hormonen los, dass ihr wegen so einer Lappalie prügeln müsst!?"
"Es hätte noch schlimmer kommen können, schließlich haben beide noch ihr linkes und rechtes Auge", wagte ich einzuwerfen, kassierte aber nur einen bösen Blick von Teresa.
"Ihr könnt euch wenigstens prügeln, meine Schwester kann ich ja wohl schlecht eine blutige Lippe schlagen", murmelte Adrianna sauer und traurig zugleich. Entsetzt sah Teresa sie an. Ach ja, sie wusste das ja noch gar nicht mit den Verehrerinnen von Christian.
"Adrianna und Lucía sind beide in Christian verknallt, nur wusste es keiner von der anderen und na ja, jetzt weiß es Adrianna von Lucía", klärte ich sie auf. Teresa sagte nichts, sondern starrte bloß Adrianna an.
"Das ist ja jetzt wohl nicht dein Ernst!", sagte sie schließlich doch. "Du spielst jetzt nicht ernsthaft mit dem Gedanken deine Schwester zu verprügeln, nur weil sie auch in Christian verknallt ist!?" Ich glaube, Teresa könnte jetzt einen Tee gebrauchen, der ihre Nerven stark beruhigte.

"Ach, Tes. Jetzt reg' dich mal wieder ab, sie hat es ja ni-"
"Ich soll mich abregen!? Ist das dein Ernst, Alex?! Ich stehe den ganzen Tag in dieser beschissenen Küche und arbeite ohne Ende und dann muss ich abends erfahren, dass sich meine beste Freundin wegen einem Jungen prügelt, und die Prinzessinen sich auch wegen einem Jungen die Köpfe einschlagen wollen!"
"Ja, na und? Ich stehe doch normalerweise auch den ganzen Tag im Keller und darf schön die Wäsche waschen! Also was ist dein Problem?" Ich verschränkte meine Arme.
"Ja! Aber du hast Leo! Du hast jemanden, auf den du dich freuen kannst!" Ich beruhigte mich und sah sie forschend an.
"Bist du etwa neidisch?" Es war doch genauso, wie mit Flavia eben. Es hatte auch mit einem Ausraster begonnen, bis hin zur Frage der Eifersucht oder hier des Neides.
"Du spinnst doch!" Und deren ablehnenden Antwort.
Ich schüttlete langsam meinen Kopf und ging zu Teresa. "Ich spinne nicht, meine Liebe, aber ich glaube bei euch, Eliana ausgeschlossen, ist eine Sicherung durchgebrannt. Es wird Winter, nicht Frühling, auch wenn das Wetter noch so schön ist. Was liegt denn plötzlich in der Luft, dass sich alle verlieben?"
"Ich bin doch gar nicht verliebt! Schon gar nicht in Christian!" Ich hob eine Augenbraue. "Und Luca natürlich!", fügte sie noch schnell hinterher. Ich grinste. Was sagte Sofia damals?
"Schritt eins: Verleugnung!"
Sie musterte mich verwirrt. "Was?"

Erklären konnte ich das Ganze nicht weiter, da die Jungs plötzlich in der Tür standen und uns amüsiert musterten. Besser gesagt sahen sie zu Eliana und Flavia.
"Habt ihr euch mit 'nem Kampfhahn gekloppt, oder was?", fragte Luca lachend.
"NEIN!", riefen beide gleichzeitig. Wenn Luca nur wüsste. Ich biss mir auf die Unterlippe, um mir ein Lachen zu verkneifen.
"Wir...eh...wir sind bloß...", fing Eliana an und sah hilfesuchend zu Flavia.
"In einen Rosenbusch gefallen!", beendete Flavia ihren Satz und Eliana stimmte ihr schnell zu, auch wenn ihre Augen zeigten, dass sie nicht sehr zufrieden mit der Antwort schien.
"Wie habt ihr das denn geschafft?", lachte Christian. Jetzt war ich mal auf ihre Antwort gespannt...haha.
"Ehm...Alex hat uns geschubst!" Haha...das war echt geni- WARTE! Ich sah die beiden entsetzt an. So hatten wir aber nicht gewettet!
"Genau! Wir haben herumgealbert und dann hat sie uns geschubst und wie Dominosteine sind wir in den Rosenbusch gefallen", versuchte es Eliana glaubhafter zu machen.
"Ihr habt zusammen rumgealbert? Ihr? Zusammen? Ihr drei?", fragte Leo nach. Der war ja mal so gar nicht überzeugt. Da gab ich ihm aber recht. Ich sah auffordernd zu Flavia und Eliana. Sie hatten damit angefangen also konnten sie ihre Rosenbusch-Geschichte beenden.

Eliana zwang sich ein Lächeln auf und legte einen Arm um mich und den anderen um Flavia.
"War das wirklich so, Adrianna?", fragte Christian sie stirnrunzeld. Adrianna starrte ihn mit großen Augen an und wurde leicht rot. Och nein, wieso musste genau Christian sie jetzt fragen?
"Ehm...also...öhm...j-ja."
"Seht ihr! Wenn sogar Adrianna das sagt", meinte Flavia. Die Jungs sahen uns bloß skeptisch an und wir grinsten übertrieben.
"Na gut, wenn ihr meint", sagte Leo schließlich. "Ich geh' jetzt duschen, den Geruch der Pferde kriege ich auch nicht mehr aus den Haaren." Er wendete sich zum Gehen, doch noch bevor er aus der Tür ging sagte ich: "Warte! Ich komme mit!" Ich lief zu Leo und bemerkte belustigte Blicke auf mir ruhen. Sobald ich merkte, was ich eben gesagt hatte verdrehte ich die Augen. "Leute! Das war nicht so gemeint wie ihr jetzt denkt! Ich gehe nur mit zum Bad, nicht mit ihm duschen!" Teresa und Flavia fingen an zu lachen und bald darauf lachten wir alle. Meine Güte, der Gefahr der Zweideutigkeit war man auch überall ausgesetzt.

"Sind die doof", meinte ich kopfschüttelnd und schloss grinsend die Tür.
"Ich weiß, ich nerve, aber euch ist schon bewusst, dass wir euch das mit dem Rosenbusch nicht abkaufen", sagte Leo und sah mich auffordernd an. Ich seufzte.
"Das hatte ich schon befürchtet. Aber um eins klar zu stellen: Ich habe mich aus der Prügelei rausgehalten!" Leo schüttelte den Kopf und fragte leicht verzweifelt: "Weshalb haben sich die beiden denn überhaupt geprügelt?"
"Ehm..." Ich kratzte mich unschlüssig im Nacken. Konnte ich Flavia jetzt verraten? Aber wenn ich ihm die ganze Geschichte erzählte von wegen Fernando und so, dann würde er es ja bestimmt irgendwann erfahren. "Du musst mir aber versprechen, dass du nichts weiter sagst! Oder zumindest so tust, als hättest du es nicht von mir!" Es wusste doch eh sofort jeder, dass ich es weiter gesagt hatte, wetten?
"Versprochen. Du kannst mir vertrauen, Alex."
"Ja...ich weiß...aber ich breche gerade selber ein Vertrauensschwur, wenn ich unseres einhalten will."
"Ich versteh' schon, aber wir sind eine Gruppe, denkst du nicht, wir sollten Geheimnisse teilen?"
Ich schmunzelte. "Ehm...na ja...du hast ja gesehen, wie es mit Flavia und Eliana geendet hat, als Eliana Flavias Geheimnis herausgefunden hat."
"Touché", lachte er leicht. Ich atmete einmal tief durch und haute die Neuigkeiten, die für mich ja jetzt nicht so neu war, gerade heraus: "Flavia steht auf Luca."
"Wow. Ich hatte alles erwartet, aber das ja mal so gar nicht." Er grinste vor sich hin.
"Es kommt noch besser. Adrianna und Lucía stehen beide auf Christian und wie es aussieht, findet Teresa auch ihren Gefallen an ihm." Er fing an zu lachen.
"Christian? Ich bin mal gespannt, wie er das findet. Er ist ja nicht wirklich so der Typ für sowas, Luca schon eher."
"Tja, Luca hat aber nur zwei Verehrerinnen, während Christian gleich drei hat. Wobei Flavia auch jemanden hat der ein Auge auf sie geworfen hat."
"Wie unfair! Und auf mich steht keiner außer dir", tat er beleidigt. Ich schlug ihm auf die Brust und sah ihn ernst an.
"Das soll sich aber mal jemand trauen! Der muss dann aber damit rechnen, einen Kopf kürzer zu werden!" Er lachte. "Außerdem", fügte ich theatralisch hinzu. "Reicht dir meine Liebe etwa nicht?" Er zog mich grinsend zu sich und wuschelte mir durch die Haare.
"Meine aller liebste Alexandra! Dass ich die Ehre habe, deine Liebe zu erhalten, dass reicht für mein ganzes, hoffentlich langes Leben", säuselte er überschwänglich und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich grinste kopfschüttelnd. Er war einfach der Beste.

Plötzlich stand jemand vor uns und wir stoppten abrupt.
"Fernando? Was hast du hier zu suchen?", fragte ich stirnrunzelnd, doch sobald mir klar wurde, wie ich einen Prinzen gerade angesprochen hatte, klatschte ich mir meine eine Hand vor den Mund und sah ihn erschrocken an. "Ich-Ich mein...du musst der Prinz sein! Fernando de Cardona, richtig? Was führt dich hier her?" Leo sah belustigt zu mir herab und auch Fernando grinste vor sich hin.
"Du braucht nicht so geschwollen mit mir reden, mir macht das nichts aus. Aber warte mal...ich kenne dich doch irgendwo her. Hey! Warst du nicht beim Festmahl eben dabei? Stand neben dir nicht ein Mädchen mit braunen Locken?"
"Jap. Du hast es erfasst. Du hast doch ständig zu uns rüber geglotzt."
Er lacht verlegen. "Stimmt. Ich finde deine Freundin irgendwie...na ja...süß...sie hat so eine besondere Ausstrahlung."
Leo begann zu lachen. "Oh ja! Flavia hat wohl eine sehr starke Ausstrahlung!" Ich schlug ihm demonstrativ auf den Arm. Er sollte sich nicht über meine beste Freundin lustig machen! Dafür waren Teresa und ich schließlich da! 
Fernando lachte leicht unsicher, weil er anscheinend nicht wusste, was er jetzt davon halten sollte. "Wisst ihr vielleicht, wo ich sie finden kann?", fragte er.
"Also eben war sie noch bei der Krankenstation, aber ich weiß nicht, ob sie immer noch da ist."
"Okay, danke. Ich werde mal nachschauen", meinte er und ging an uns vorbei.
"Achso und falls sie fragt, woher du wusstest, wo sie ist, dann sag ihr bitte nicht, dass ich es war!" Er lachte kurz und nickte anschließend. Dann war er auch verschwunden. Ich sah noch länger den Gang entlang indem er gerade verschwunden war. Er war mir suspekt. Sehr suspekt. Er hatte Lucía heute komische Fragen gestellt und ich habe das blöde Gefühl, dass es ni-

"Woran denkst du nun schon wieder?", wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
"Ich habe das blöde Gefühl, dass es nicht allzu gut war, dass er uns so zusammen gesehen hat. Es hat mir schon einmal bei dieser Mission einen großen Nachteil gebracht und ich befürchte, dass es nicht bei dem einen Mal bleiben wird." Ich wandte meinen Blick nicht ab. Irgendwas war hier faul und es wurde immer merkwürdiger. Wir mussten gewaltig aufpassen, denn bald passierte etwas schreckliches, doch was es war, das konnte ich noch nicht sagen. 

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