14: Königin Eliana
"NIE IM LEBEN! DAS KANNST DU VERGESSEN!", rief ich ihr aufgebracht an den Kopf. Sie zuckte bloß mit den Schultern.
"Mir egal, du sitzt ja weiterhin hier."
"DU BIST DOCH BESCHEUERT!"
"Mag ja sein, aber es ist nunmal so, also entweder wirst du morgen früh von den Bösen geholt oder ich befreie dich jetzt und du wirst mir Leo zurück geben." Ich starrte sie böse an.
"Ver-giss-es", sagte ich langsam aber deutlich. Wieder zuckte sie gleichgültig mit den Schultern.
"Na gut, dann eben nicht." Sie machte sich auf den Weg nach draußen, doch kurz bevor sie ging, rief ich noch mal nach ihr.
"Gaia?"
"Ja?", drehte sie sich fragend und etwas hoffnungsvoll um.
"Dachtest du wirklich, ich würde dir Leonardo so einfach wieder überlassen? Hast du wirklich geglaubt, ich würde ihn so schnell aufgegeben? Nur um frei zu kommen?" Sie seufzte und kam mir wieder näher.
"Also irgendwie schon...andererseits habe ich auch wirklich gehofft, dass du mein Angebot ablehnst, wie jetzt, denn das zeigt mir nur, wie lieb du ihn wirklich hast. Damals, als ich euch zusammen auf dem Flur beobachtet hab...da-da habe ich gesehen, wie du ein wenig eifersüchtig auf mich warst und ich habe gemerkt, wie glücklich ihr zusammen seid. Leonardo ist ein klasse Typ und, klar, ich bin noch jung und als ich mit Leo zusammen war, waren wir erst gerade vierzehn oder fünfzehn, aber ich habe trotzdem gemerkt, dass er besonders ist und...und ich möchte, dass er glücklich ist und es ihm gut geht. Bitte sorge dafür, Alexandra."
"Eh...ja...also...ehm...klar.." Ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte, denn ich war verblüfft von dem, was sie gesagt hatte.
"Also dann...wir sehen uns", meinte sie und ging zur Tür. Wie man sich manchmal in Menschen täuschen konnte war unglaublich.
Sie hatte die Türklinke schon hinunter gedrückt, als sie sich doch schnell wieder umdrehte und zu mir rannte. Ich sah sie erstaunt an, da sie anfing, meine Fesseln zu lösen.
"Na komm, lass uns schnell von hier verschwinden."
"Woher wusstest du eigentlich, dass ich hier bin?", fragte ich sie, als wir schon fast an der Tür angekommen waren. Plötzlich wurde diese wieder aufgestoßen und ein wütender Stefano plus Rückendeckung starrte uns an.
"Das wüsste ich allerdings auch gerne", brummte er. "Du solltest eigentlich gar nicht hier sein!", sagte er wütend zu Gaia. Ich sah zwischen den beiden hin und her. Was lief denn hier ab?
○●○
"Wo bringt ihr mich denn hin?", fragte ich. "Und wo habt ihr Gaia hingebracht?" Keiner antwortete mir. "HALLOHO! Ich hab ja wohl das Recht zu erfahren, was ihr mit mir tut!"
"HALT DIE KLAPPE!", schrie mich Stefano genervt an. Ich zuckte erschrocken zusammen. Er war wütend. Sehr wütend.
"Okay, ich bin ja schon ruhig. Man kann das aber auch netter sagen."
"Meine Güte! Du wurdest von uns gefangen genommen! Wir sind Böse! Wir sind in der Überzahl! Du weißt nicht, was mit dir passieren wird! Wie kannst du immer noch so locker sein und ständig so blöde Sprüche machen!? Ich verstehe es einfach nicht! Hast du denn gar keine Angst?!"
"Höre ich da etwa Verzweiflung heraus?" Ich grinste in mich hinein.
"Mir reicht's!", sagte er nun und wir blieben stehen. Er holte ein Tuch aus seiner Tasche und von Caruso ließ er sich ein kleines Fläschchen mit einer Flüssigkeit geben, die er auf das Tuch tröpfelte. Dann wollte er das auf mein Gesicht drücken, doch ich bewegte meinen Kopf mit Absicht nach Links und Rechts, was leider nichts brachte, da jemand meinen Kopf packte und ich so ruhig halten musste. Stefano drückte das Tuch auf meinen Mund und meine Nase und ich hatte keine andere Wahl, als das Zeug einzuatmen. Relativ schnell wurde mir schwummrich und schwarz vor den Augen.
Langsam öffnete ich meine Augen. Ich bewegte mich erst einmal nicht, sondern ließ nur meine Augen durch den hellen Raum schweifen. Es war hell, da die Vorhänge nicht zugezogen waren und die Sonne somit hineinschien. Ich bewegte mich jetzt doch etwas und streckte mich erst mal im Liegen. Wo war ich? Was war für ein Tag? Wo waren meine Freunde? Wo war Marianna? Ich setzte mich auf. Ich lag also in einem Bett, doch es war ein Hochbett. Jetzt hörte ich auch ein leises Schnarchen unter mir und ließ meinen Kopf neugierig über die Bettkante nach unten hängen. "Christian!", sagte ich erleichtert. Er grummelte bloß etwas unverständliches und drehte sich um, sodass er mit dem Rücken zu mir lag. Toller Freund. Er würde mir jetzt auch nicht weiterhelfen, also kletterte ich vom Hochbett und stand unschlüssig im Zimmer. Es gab keine Tür...als ob es keine Tür gab! Wie sollte ich denn jetzt aus dem Zimmer kommen? Gab es vielleicht einen Geheimgang im Schrank? Ich sah mich um. Nein, ich denke nicht, da es nicht einmal einen Schrank gab. Ich ging zum Fenster und sah hinaus. War ein wenig hoch, aber ich hatte keine andere Wahl. Da man das Fenster allerdings nicht aufmachen konnte, nahm ich mir einen Stuhl und schleuderte ihn gegen das Fenster. Mit einem kurzen Aufschrei duckte ich mich schnell, da der Stuhl zurück geschleudert wurde. Was war das denn für ein scheiß Fenster?! Ich suchte nach etwas anderem, dass ich werfen könnte und entschied mich für den kleinen Tisch. Ich hob ihn mit etwas Mühe hoch und warf, doch auch der Tisch kam zurück und zerbrach hinter mir an der Wand. Na super.
Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ich drehte mich blitzartig um. Ich hob mein Bein im Drehen, da ich die Person hinter mir treten wollte, allerdings wurde ich am Fuß sofort festgehalten. Erschrocken starrte ich das Gesicht der Person und stellte erleichtert fest, dass es Christian war. Stimmt ja, er war ja auch der Einzige in diesem Raum ohne Tür.
"Du kannst meinen Fuß jetzt runterlassen", merkte ich an. Er sagte oder tat jedoch nichts und starrte mich bloß an. "Christian, halloho", ich fuchtelte vor seinem Gesicht herum. Er blinzelte nicht einmal! "Okay...Christian, du machst mir gerade ein wenig Angst..." Dann ging alles ganz schnell. Er ließ meinen Fuß los, war allerdings sofort nah bei mir und drängte mich bis hinten an die Wand mit dem Fenster. Was war denn jetzt los? So kannte ich ihn gar nicht!
"Chri-Christian! Was soll das denn?!" Ich versuchte ihn von mir zu drücken, da mir das eindeutig ZU nah war. Es war wirklich unangenehm, zumal er sich so komisch verhielt und ich ihn kaum wiedererkannte. Jetzt versuchte er mich auch noch zu küssen! Mir reicht's! Ich hob mein Knie mit voller Wucht und traf logischerweise genau unter die Gürtellinie. Er stoppte und sah mich mit großen Augen an, dann taumelte er zurück, bis er an der anderen Wand ankam und sich dort erschöpft anlehnte. Langsam wurde er immer blasser und verschwand langsam. Von den Füßen angefangen und kurz bevor er ganz verschwand, sah er mir mit seinen Augen noch mal an. Dieser Blick machte mir Angst und ich trat vor Schreck zurück. Leider war die Wand hinter mir verschwunden und so fiel ich. Ich fiel ins Nichts. Ich ließ mich einfach fallen. In meinem Magen war so ein komisches Kribbeln zu spüren, was man immer bekam, wenn man fiel. Ich erwartete schon das Schlimmste, dass ich auf dem Boden aufprallen würde, oder ich bis ins Unendliche fiel und nirgendwo ankam, doch ich täuschte mich. Jemand fing mich auf. Ich landete in den Armen von...von Leo! Leonardo hat mich aufgefangen! Mein lieber Leo! Ich war so froh ihn zu sehen! Ich klammerte meine Arme um ihn und kuschelte mich an ihn.
"Du weißt gar nicht, was mir gerade passiert ist!", sagte ich erleichtert und wollte ihm von Christian erzählen, doch er redete mir dazwischen.
"Mach' dir keine Mühe. Ich weiß schon längst alles was passiert ist. Du hast Christian ausgelöscht und das bedeutet, dass du eine zu große Gefahr für uns bist."
Entsetzt sah ich ihn an.
Nicht sein Ernst.
"Ach ja? Wer sagt denn, dass ich eine zu große Gefahr für euch bin? Und wer ist euch?!"
"Für uns - mich, Luca, Eliana, Marianna, Flavia und Teresa. Außerdem hat Eliana entschieden, dass du eine zu große Gefahr bist und wenn Eliana das sagt, dann hat sie recht. Denn Königin Eliana hat immer recht!", ratterte er den Text runter. Ich strarrte ihn mit offenem Mund an. "ELIANA?!" Er nickte. "Eliana und Königin?! Ihr hört auf Eliana?! Sie ist doch total bescheuert!!! Wieso hat die blöde Kuh denn etwas zu sagen?!", fragte ich wütend und geschockt. Er drehte seinen Kopf zu mir und starrte mich nun auch sehr wütend an.
"Eliana ist die Königin, seit wir sie gewählt haben und sie wird es gar nicht dulden, dass du sie bei so einem Namen nennst! Das wird noch Folgen haben! Sei dir da sicher! Wer sie nicht respektiert, der wird bestraft, böse bestraft!"
Den Rest des Weges waren wir beide still. Irgendwann kamen wir an einem riesen Schloss an und als wir die Tore in den Innenhof durchquerten, sah ich ihn mit einem weichen Blick an und fragte Leonardo sanft: "Wurdest du denn schon einmal bestraft?" Sein harter Gesichtsausdruck bröckelt kurz, doch sofort raufte er sich zusammen.
"Das geht dich nichts an! Du hast hier nicht die Fragen zu stellen, also sei ruhig!"
Ich atmete tief durch, da ich merkte, wie nervös ich wurde. Normalerweise merkte man mir meine Nervosität und Angst nicht an, doch manchmal konnte ich es einfach nicht mehr kontrollieren, doch diesen Gefallen wollte ich Eliana nicht tun! Sie sollte doch sehen wo sie blieb! Diese dumme Mistkuh!
Wir traten in den großen Saal mit einem Thron. Auf diesem saß Eliana. Neben ihr stand Marianna und jeweils links und rechts knieten Teresa und Flavia. Nun kam Luca und Eliana setzte sich so, dass sie ihre Beinen über die rechte Armlehne legte. Luca stellte sich hinter sie und fing an, ihre Schultern zu massieren. Was war das denn hier!? Reinste Sklaverei! Ich sah zu Leo: "Ich dachte ihr habt sie gewählt! Aber sie behandelt euch doch wie Sklaven!! Ihr seid in der Überzahl, ihr könntet sie locker vom Thron stoßen!" Keiner achtete auf mich und Eliana gab Leo ein Zeichen, sodass er mich hinunter ließ. Jetzt wendete sie sich mit einem eingebildetem Gesichtsausdruck an mich: "Versuch erst gar nicht, denen irgendwelche komischen Ideen in den Kopf zu setzen. Sie sind nur noch fähig meine Befehle auszuführen! Allerdings hast du einen meiner Sklaven zerstört! Ausgelöscht!"
"Ja entschuldige mal! Ersten war er selber Schuld, zweitens ist er mir viel zu nah gekommen und drittens kann ich doch nicht wissen, dass er sich so leicht verpulverisiert!"
"RUHE JETZT!", rief sie laut und es hallte noch oft nach. Sie starrte mich wütend an und winkte Flavia und Teresa zu sich. Sie standen auf und stellten sich mit dem Gesicht zu Eliana. Sie bedeutete ihnen sich hinunter zu beugen und dann flüsterte sie ihnen etwas zu. Beide nickten und verschwanden. Wo gingen sie denn hin?
Ich sah ihnen nach, wurde allerdings wieder auf Eliana und Leo aufmerksam, da Leonardo mich plötzlich wieder hoch hob. Vor Schreck legte ich meine Arme automatisch wieder um seinen Hals und starrte verwirrt zu Leo und dann Eliana.
"Er wird dich schon in den richtigen Raum bringen, nicht wahr, Leonardo?" Er nickte bloß und setzte sich in Bewegung. Wo es jetzt wohl hinging?
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