13: Wunden heilen mit der Zeit, oder nicht?
☆ Engelchen
♤ Teufelchen
○●○
"...I need a herooo. I'm holding out for a hero 'til the end of the niiight. He's gotta be strong and he's gotta be f-"
"Hört die denn nie auf!?", regte sich einer von Carusos Kollegen auf und ein anderer kommentierte sofort: "Wenn sie wenigstens singen könnte..."
"Was ist das überhaupt für ein Lied?", fragte Caruso und sie redeten weiter, als wäre ich gar nicht anwesend.
"Du kennst das Lied nicht!?", fragte ich entsetzt und sah Caruso geschockt an. "Hast du denn nie Footloose gesehen?"
Er schüttelte den Kopf. "Wir verschwenden unsere Zeit nicht an so etwas."
"Unmenschen! Das ist Kult! Das ist Allgemeinwissen! Das ist ein Klassiker!"
"Pf", machte er bloß. Ich schüttelte empört den Kopf.
"Caruso! Was ist hier los? Wieso redet sie denn immer noch? Ich dachte ich habe angeordnet, ihr den Mund zu zu kleben!", kam jetzt Boxi.
"Ach, Boxi! Jetzt sei doch nicht sauer auf Caruso!", warf ich grinsend ein.
"Ich wusste nicht, dass wir schon beim Du sind", meinte er sauer.
"Also wirklich, mich darfst du dutzen und ich dich nicht...das fand ich unfair. Außerdem ist das Siezen viel zu formell, also lass uns beim Du blieben. Caruso und ich tun es auch schon die ganze Zeit, nicht wahr, Carusolein." Er schüttelte ungläubig und erschöpft den Kopf.
"Deswegen hatte ich auch gesagt, ihr den Mund zu zu kleben!", grummelte Boxi.
"Aber vorhin war sie ruhig!", verteidigte sich Caruso. Ich nickte. Ich wollte halt nicht den Mund zugeklebt bekommen.
"Alles muss man selber machen", grummelte Boxi und holte sich Klebeband. Er machte ein Stück ab und klebte es mir auf den Mund. "Und, wie ist das so?", fragte er. Ich sah ihn böse an. "Ach stimmt ja, du kannst dazu ja nichts mehr sagen!" Er fing an zu lachen und ich verdrehte die Augen. Das war ja mal so richtig unlustig und dumm.
"Wie dem auch sei. Wir gehen jetzt, da wir nicht wegen ihr hier unsere ganze Nacht aufbleiben werden. Vamos!", befiehl Boxi und alle verschwanden. Ich seufzte. Wenigstens hatten sie den Stuhl nicht hochgehangen, wie die Aifam damals im Altersheim. Allerdings war ich mit meinen Gedanken alleine, und da das nicht gut ging, tauchten auch schon wieder Engelchen und Teufelchen auf. Jedoch wusste ich nicht, was sie diesmal wollten, da ich nicht in einer Diskussion mit mir selbst war.
☆ Dieses ganze Spionendings hat ja echt Nachteile...
♤ Sei ruhig, Locki.
☆ Ist doch so! Sie wird ständig gefangen genommen!
♤ Na und? Das gehört halt dazu.
☆ Das bedeutet einfach nur, dass sie nicht dafür geeignet ist, da sie zu schlecht ist.
What the hell! Wieso seid ihr so gemein?
☆ Wir sind dein Inneres, Liebes.
♤ Alles was wir sagen, bedeutet nur, dass du dies tief in dir spürst oder denkst.
☆ Genau, und da du im Inneren mehr Teufelchen als Engelchen bist, bin ich, dein Engelchen nicht hundertprozentig ein Engel, da ich ja sonst viel zu wenig zu tun haben würde.
♤ Ja, das dumme beflügelte Ding nimmt mir meinen Job langsam aber sicher weg!
☆ Gar nicht! Du bist ja eh noch viel schlimmer als ich!
♤ Ist ja auch mein Job!
Verdammt! Wieso musste jeder immer von seinem Job reden? Ich hatte einen relativ einfachen und ich verhaute es! Jetzt saß ich ja schon wieder hier! Gefesselt, Mund zu und alleine...
☆ Also im Inneren bist du gar nicht mal so selbstsicher wie du von Außen immer wirkst.
♤ Es muss ja auch keiner wissen, dass sie Minderwertigkeitskomplexe hat.
Ich habe keine Minderwertigkeitskomplexe! Ich werde halt von vielen unter Druck gesetzt...
☆ Mag ja sein...
♤ Aber die schlimmste Person, die dir Druck macht...
☆ Bist du selbst.
Seit wann seid ihr euch denn einig?
♤ Seit du tief in dir eingestehst, dass du dir am meisten Druck machst.
Aber ich finde nicht, dass ich mir viel Selbstdruck mache.
☆ Sehr tief.
♤ Sehr, sehr, sehr tief in dir schon.
☆ Das weißt du nur noch nicht. Es ist in deinem Kopf noch nicht richtig angelangt.
Aber gerade diskutiere ich doch mit mir darüber...also musste ich es auch denken...machte ich mir wirklich den meisten Druck? Ich meine, meine Eltern erwarteten viel und Herrn Romano auch, aber andererseits standen mir immer meine Freunde zur Seite und die waren eigentlich ja schon eine große Hilfe.
"Ohmungouh! Ih maawh miou deeh moistun Drouwk!", nuschelte ich meine neue Erkenntnis ins Klebeband.
♤ Na endlich, sie hat's kapiert!
☆ Unser Job ist erledigt.
♤ Vorerst. So viele Probleme wie die immer hat...
☆ Stimmt. Haha.
Meine Gedanken wurden unterbrochen, da die Tür plötzlich aufsprang und ich erschrocken zusammenzuckte. Mein Kopf schnellte zur Tür und im nächsten Moment stöhnte ich auch schon genervt auf.
"Du scheinst dich ja zu freuen, mich zu sehen", grinste Marianna kurz, wurde aber sofort wieder ernst. Ich verdrehte meine Augen und kassierte dafür eine saftige Ohrfeige. Mit Entsetztem sah ich sie an. "Scheiße, nich'? Jetzt weißt du wie ich mich gefühlt hab!"
Wieso waren immer alle so nachtragend? Aber Moment...warum wusste sie, dass ich hier war? Das bedeutete doch...
"Also, wie ich dich kenne, fragst du dich gerade, warum ich hier bin." Ich nickte etwas. "Nun, da Stefano und dein neuer Freund Caruso und der Rest der Gruppe zu meiner Organisation gehören, bist du eindeutig in Unterzahl geraten. Du und deine Freunde werdet uns nicht aufhalten können!" Ich sah sie fragend an. Bei was denn aufhalten?
"Nun gut, ich werde dich jetzt in Ruhe lassen, da wir morgen noch einiges mit dir vorhaben." Mit mir vorhaben?! Das klang creepy und krank...genau meine Cousine!
"Also dann, gute Nacht, Alexandra", grinste sie und verschwand.
Ich brummte bloß, da man mich eh nicht verstand. Ich schloss meine Augen und dachte an damals, als das mit Marianna und Teo und mir geschehen war.
Flashback
"Lasst uns doch heute Abend alle Fluch der Karibik gucken!", schlug Flavia vor.
"Ist das nicht ein wenig gruselig?", fragte Teresa unsicher.
"Ach komm, Tes! Wir sind doch jetzt fast schon 13!", sagte ich. Außerdem habe ich schon länger von den Filmen gehört und wollte die schon immer mal sehen.
"Oh nein! Ich habe mein Heft für Sprachen unten liegen lassen", sagte ich plötzlich und klatschte mir gegen die Stirn. "Ich lauf' schnell runter und gehe es holen", sagte ich.
"Sollen wir mitkommen?", fragte Flavia.
"Ach nein, ich beeile mich auch. Ihr könnt schon mal die Filme holen."
"Sicher? Unten ist ja kaum einer mehr", sagte Teresa. Ich lachte leicht.
"Mich bringt schon keiner um, Tes. Keine Sorge, ich bin gleich wieder zurück!" Und schon machte ich mich auf den Weg nach unten. Es war bereits alles dunkel, da wir mit die Letzten gewesen waren. Zum Glück gab es unten automatisches Licht im Eingangsbereich, doch zur Bibliothek musste ich im Dunkeln finden. Wieso hatte ich mir nicht noch schnell eine Taschenlampe geholt?
Irgendwie tastete ich mich zur Bibliothek und dort fand ich auch endlich einen Lichtschalter, der einen Teil erleuchtete. Ich suchte mein Heft auf den Tischen und fand es schließlich auch. Ich drehte mich um und erschrak. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie sich Marianna angeschlichen hatte!
"Hallo, Alexandra." Ihre kalten Augen lagen fest auf mir.
"Ehm...hey."
"Wohin des Weges?"
"Ins Bett, wohin denn sonst."
"Falsch."
"Wie jetzt? Ist doch wahr!"
"Ist es nicht. Ihr wollt noch einen Film gucken."
"Sag mal, hast du uns nachspioniert?!"
"Nein, nicht euch, dir!"
"Okeeey...Marianna, das ist creepy, lass mich jetzt vorbei."
"Nein", sagte sie stur.
Ich seufzte. "Na gut, es tut mir leid! Okay? Es tut mir leid, dass es mit Teo nicht klappt aber ändern kann ich da ja jetzt auch nichts mehr dran! Es tut mir leid, dass ich diese Gerüchte über dich erfunden und verbreitet habe!"
Sie sah mich bloß gefühlslos an und holte langsam etwas hinter ihrem Rücken hervor. Es blitze im Licht auf und ich schreckte zurück. Ich sah geschockt in ihr Gesicht, wo sich ein krankes, gestörtes Grinsen breit gemacht hatte. War das wirklich meine Cousine?
"Marianna...aber...d-das...NEIN!", schrie ich und rannte weg. In die Bibliothek hinein. Allerdings war es dort dunkel und ich übersah den Buchwagen, der in einem Gang stehen gelassen wurde. Ich krachte in diesen und stürzte zu Boden. Jetzt wusste sie natürlich auch, wo ich war und kam auf mich zu.
"Du wirst das büßen, Alexandra...du wirst alles büßen, was du mir angetan hast und damit du nie vergisst, was du mir angetan hast, werde ich dir jetzt ein paar Erinnerungen verpassen." Sie fing an böse zu lachen. Ich schrie. Sie zückte das Messer und schob mein Shirt etwas hoch, um mir mit der Klinge ein paar mal über den Bauch zu fahren, nicht stark oder tief, nein, nur leicht, fast schon sanft. Danach waren meine Beine dran, da ich nur eine kurze Hose trug, war es einfach für sie, auch dort das Messer anzusetzen und mir ein paar Wunden zu verpassen. Ich schrie um Hilfe, blieb jedoch still liegen, da ich nicht wollte, dass sie mir woanders hinstach. Meine Arme verschonte sie fast, nur an meinem linken Arm hatte sie etwas tiefer geschnitten. Weiter kam sie eh nicht, da ich Stimmen hörte. Schnell waren meine Freundinnen mit unserer Erzieherin da und Marianna wurde von mir weggezogen. Das Messer nahmen sie ihr schnell aus der Hand, was sie so gut wie freiwillig tat, und mir halfen sie zur Krankenstation.
Flashback Ende
An dem Abend kam ich mit mit vier blauen Flecken von dem Sturz und 43 Schnittwunden zur Krankenstation. Von den Schnittwunden sah man noch so ungefähr zwölf, und Marianna hatte recht, sie waren eine Erinnerung an damals. Wer meinte, dass Wunden mit der Zeit heilten, spann entweder komplett oder hatte die Bedingungen vergessen, denn die Wunden die ich damals abbekommen hatte, egal ob mental oder körperlich, die werden sicher NIE heilen.
Da war ich mir sicher.
Plötzlich wurde die Tür schon wieder aufgestoßen und ich erwartete Marianna oder Stefano oder Caruso oder so, aber keiner von ihnen kam durch die Tür. Als ich zu der Person blickte, weiteten sich meine Augen. Ich kannte diese Person, selbst wenn ich sie nur kurz kennengelernt hatte, ich würde sie nicht vergessen. Mit ihren roten Haaren, vielen Sommersprossen und den ozeanblauen Augen kam sie auf mich zu und blieb mit Händen in den Hüften gestemmt vor mir stehen. Sie fing an zu grinsen und ich seufzte. Damit ich reden konnte, riss sie das Klebeband von meinem Mund. Na wie freundlich aber auch.
"Wieso ist jeder schadenfreudig mich gefangen zu sehen?", fragte ich, leicht genervt.
"Da sieh mal einer an! Alexandra sitzt hier alleine, gefesselt auf einem Stuhl im Keller in einem Schloss."
"Das weiß ich auch schon von alleine!"
"Na na, werd' nicht frech, nachher brefreie ich dich nicht." Ich sah sie erstaunt an. "Du hattest vor mich zu befreien?"
"Nun ja...ich hab da schon noch eine Bedingung." Ich stöhnte genervt auf. War ja klar und ich wusste schon, in welche Richtung es gehen wird.
"Schieß los, dann entscheide ich, ob es das Wert ist."
Sie lächelte selbstgefällig und fing an zu erklären. Das konnte ja was werden.
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