29. Kapitel
Louis:
„Okay... uhm... das verstehe ich", stottert Harry und sieht mich unschlüssig an. „Es ergibt schon Sinn, was du sagst." Ja, ich weiß. Harry zögert. Was soll's mein Training ist sowieso vorbei. Ich steige vom Rad ab und stelle mich daneben. „Bist du fertig mit dem Training?" – „Ja. Es reicht für heute." – „Wie viel bist du gefahren?", fragt er mich. „40 Kilometer musst du schaffen, oder?" – „Ja, ich bin heute 45 gefahren", antworte ich ihm. Er nickt verstehend und spielt weiter mit dem Buch in seinen Händen. „Sehen wir uns heute Abend?", fragt er auf einmal. „Was?" – „Cayla meinte, du kommst heute Abend auch, immerhin hast du dir die Anlage auch noch nicht angesehen – oder doch? Uhm... sie hat gesagt, du bist auch dabei." Gott verdammt, Cayla!
„Vermutlich werde ich nicht dabei sein", antworte ich ihm. „Oh." Er lächelt kurz, aber es ist nicht echt. Harry scheint kein guter Lügner zu sein. Kurz mustere ich den Sportler. Wieso scheint es ihn zu enttäuschen, dass ich nicht dabei bin? „Dann bist du wieder... uhm... also..." – „Sex. Du kannst es aussprechen." Harry wird dunkelrot im Gesicht. „Ich weiß, dass ich es aussprechen kann." – „Sag es." – „Was?" – „Sex. Sag es." – „Wieso sollte ich?" Ich schüttle amüsiert den Kopf. „Du kannst es nicht aussprechen." – „Ich achte einfach auf meine Wortwahl." – „Dann hättest du auch Geschlechtsverkehr sagen können", entgegne ich provokant. Harry wird noch nervöser, als er sowieso schon ist.
„Müssen wir darüber sprechen?" – „Was, Sex?" Er schweigt. „Sex ist etwas wunderbares, Harry, schäm dich nicht, darüber zu sprechen. Das tust du ja bei Schokolade auch nicht." Irritiert sieht er mich an. „Du vergleichst es mit Schokolade?" – „Sex." – „Ja." – „Nein, nicht es. Sex." Er seufzt. „Schon klar, Louis." Er sagt es ja doch nicht.
Schmunzelnd sehe ich ihn an. „Das war vielleicht nicht mein bester Vergleich", lenke ich ein. Harry zuckt mit den Schultern. Fuck, der Kerl hatte noch nie Sex. „Irgendwann wirst du schon noch auf deine Kosten kommen." – „Uhm... okay." Ihm ist das Gespräch sichtlich unangenehm. „Bis Morgen, Harry", verabschiede ich mich. „Morgen?" Irritiert sieht er mich an. „Bist du morgen früh nicht in der Schwimmhalle?", frage ich nur. „Doch! Klar, bin ich da. Bis morgen", erwidert er sofort und lächelt ein bisschen. Ich schwinge mich zurück aufs Rad und fahre weg. Also ich kurz über die Schulter schaue, sehe ich, dass er wieder in sein uraltes Buch vertieft ist. Wieso liest man so etwas nur freiwillig?
Abends treffen Cayla und ich uns im Aufzug. „Ist das dein Ernst?", fragt sie, sobald ich dazu steige und verschränkt die Arme vor der Brust. „Was?" – „Du hast heute Abend wieder ein Sex-Date." – „Und? Solltest du mir nicht einfach viel Spaß wünschen, anstatt mich anzusehen, als hätte ich etwas kaputt gemacht?" – „Wir waren verabredet", antwortet sie mir lediglich. „Korrektur: Ich habe unter dem Vorbehalt zugesagt, dass ich nur da sein werde, wenn ich heute Abend keinen Sex haben werde." – „Arschloch." – „Nö. Ich genieße nur meine Zeit hier." Cayla verdreht die Augen, aber ich sehe, dass sie ja doch lächelt. „Ich habe Oliver vorhin kurz gesehen." – „Und?" – „Er sah gut gelaunt aus." – „Danke, das Kompliment nehme ich gerne an", grinse ich. Nachher wird seine Laune noch besser sein.
Meine Laune hebt sich ebenfalls. Oliver und ich trinken mit einigen anderen noch ein Bier an der Bar und verabschieden uns dann. Wir laufen zum Aufzug und lassen uns nichts anmerken. Sobald sich die Türe öffnen, dränge hin ihn hinein und direkt an die hintere Wand. Er keucht auf, als ich ihn verlangend und heftig küsse. Er gibt sich mir sofort hin. Ja, so habe ich das gern. Die Türen schließen sich, aber in diesem Moment streckt jemand einen Fuß dazwischen. Die Türen öffnen sich wieder. Ich seufze genervt und lasse von Oliver ab. Fuck, nicht sein Ernst, oder? Harry steht vor mir. Er hat in einer Hand ein Buch und in der anderen Hand Wolle. Wolle? Die Türen schließen sich hinter ihm und wir stehen zu dritt in diesem Aufzug, der sich auf einmal bedrohlich eng anfühlt.
„Uhm... tut mir leid, ich wollte nicht stören. Hätte ich das gewusst, hätte ich einen anderen Aufzug genommen", entschuldigt er sich sofort. Oliver nickt nur. Ich sehe Harry genervt an. Er beißt sich auf die Unterlippe und schaut zur Seite. „Sorry", murmelt er leise und schielt zu Oliver. Er mustert ihn und sieht wieder kurz zu mir. Ja, das ist der Kerl, den ich gleich vögeln werde. Ich nicke leicht und lächle ein bisschen. Vorfreunde schmückt meinen Gesichtsausdruck. Harry reagiert erst gar nicht. Dann dreht er sich zur Seite und umklammert das Buch und die Wolle fester.
Die Türen öffnen sich und Oliver und ich gehen an Harry vorbei. „Gute Nacht", wünscht Oliver gut gelaunt und geht mit schnellen Schritten über den Flur zu seinem Zimmer. Er öffnet die Tür und zieht mich hinein. Es sieht nicht viel anders aus als meins. Er zieht sich sofort das Hemd aus und öffnet eine Nachttischschublade. „Du warst einkaufen?" – „Ich wäre blöd, hätte ich das nicht getan", antwortet er mir grinsend und zieht mich wieder zu sich.
Oliver genießt meine Berührungen. Er lässt mich machen, lässt mich ihn vögeln und nehmen. Er mag es. Immer wieder stoße ich tief und schnell in ihn. Ich ficke ihn in die Matratze und lasse ihn immer wieder vor Lust aufstöhnen. Meine Gedanken wollen keine Ruhe geben. Ich bleibe zwar hart, aber ich kann nicht kommen. Mein Kopf spielt nicht mit. „Fuck, Louis!", stöhnt Oliver und greift mit einer Hand an meinen Hintern. Er zieht mich zu sich und ich merke, dass er ein bisschen enger wird. Verdammt, er kommt gleich. Bin ich ein Arschloch, wenn ich einfach vortäusche? Das könnte klappen, wenn ich das Kondom schnell wegschmeiße. Vielleicht bemerkt er es nicht. Nett ist es nicht, vorzutäuschen, aber ich will ihm auf nicht sagen, dass mir sein Arsch gerade nicht reicht, um einen Orgasmus zu haben, das wäre ziemlich asozial.
Oliver wird um mich enger und ich stöhne auf. Meine Bewegungen werden abgehakter und als er selbst seinen Orgasmus durchlebt, tue ich ebenfalls so, als würde mich die Ektase mitreißen. Kurz atme ich durch. Oliver schaut an die Decke und lächelt zufrieden. „Du bist so verdammt gut." – „Danke gleichfalls", antworte ich und ziehe mich aus ihm heraus. Schnell klettere ich vom Bett und werfe das Kondom weg. Dann verschwinde ich im Bad.
Sobald es um mich herum still ist, entspannt sich mein Körper. Ich glaube, er hat nichts bemerkt. Ich starre in den Spiegel, ich bin immer noch nackt. Was ist nur mit mir los? An dem einen Bier kann es nicht liegen und Oliver ist wirklich gut, das war nicht gelogen. Es muss der Stress sein. Anders kann ich es mir nicht erklären. Mit einem Blick auf die Uhr merke ich, dass wir erst vor einer halben Stunde die Bar verlassen haben. Verdammt, das war schnell. Ich seufze. Das war definitiv nicht meine Bestleistung. Das kommt nicht einmal an das Mittelfeld meiner Leistungen heran.
Ich verlasse das Bad und schnappe mir meine Klamotten. Oliver liegt auf dem Bett und betrachtet mich, während ich mich anziehe. „Du gehst schon wieder?" – „Ich muss meine Familie noch anrufen. Ich habe es meiner Mum versprochen", antworte ich. Schnell lügen, ohne rot zu werden. Vermutlich sollte ich nicht stolz darauf sein, dass ich das sehr gut beherrsche. Zumindest ist es bei dieser Art Lügen so. Cayla würde mich sofort durchschauen, aber Oliver kennt mich nicht gut genug.
Anstatt in mein Zimmer zurückzukehren, verlasse ich das Gebäude ganz. Die kühle Nachtluft empfängt mich und ich beschließe, ein wenig zu gehen. Ich muss den Kopf freikriegen. Wenn ich mich jetzt einfach ins Bett legen würde, könnte ich sowieso nicht schlafen. Nein, das muss nicht sein. Ich gehe weiter über das inzwischen recht leere Gelände.
„Ey, Louis!", durchbricht eine Stimme plötzlich die Nacht. Ich drehe mich zur Seite und sehe jemanden wild winken. Sofort grinse ich. So bescheuert winkt nur eine Person, die ich kenne. „Niall, du bist ja doch hier, ich dachte schon, du hättest und angelogen." – „Ha ha", antwortet er nur trocken. „Ich habe so viel gearbeitet, wie noch nie. Ich bin gestern einfach nur noch k.o. ins Bett gefallen." Cayla und Harry sind ebenfalls hier. Cayla sieht mich fragend an. „Wolltest du nicht Sex haben?", fragt sie verwundert. „Und?" – „Entweder er hat dich abblitzen lassen oder er war so schlecht, dass du abgehauen bist." – „Sie sind zumindest mit dem Aufzug zusammen hochgefahren, als ich meine Sachen weggebrachthabe", antwortet Harry. „Danke", antworte ich trocken. „Uhm... hätte ich das nicht sagen sollen?" – „Schon ok", antwortet Niall ihm sofort. „Louis ist manchmal nur etwas empfindlich, nimm das nicht persönlich." – „Ich bin nicht empfindlich!", widerspreche ich ihm sofort, aber Niall lacht nur. „Doch, das bist du." – „Ich muss ihm leider recht geben", stimmt nun auch Cayla zu. „Ich hasse euch." Harry sieht mich mit großen Augen an. Als er bemerkt, dass ich mitbekomme, dass er mich anschaut, sieht er schnell wieder weg.
„Hast du Harry schon einmal springen sehen?", fragt Niall plötzlich. „Ich habe es mitbekommen, wieso? Ich habe allerdings nicht aktiv hingeschaut, ich habe selbst trainiert." – „Er hat uns gerade einige Videos seiner Sprünge gezeigt, das ist so krass! Aber ich würde niemals da runter springen", erzählt Niall. „So schlimm ist es gar nicht, wenn man sich einmal getraut hat." – „Im Leben nicht!", widerspricht Niall sofort. „Du Schisser", lacht Cayla. „Ich bin nur nicht verrückt." – „Ich würde springen", antworte ich schulterzuckend. Cayla zieht skeptisch eine Augenbraue hoch. „Das sagst du nur, weil Niall zu viel Angst hat." Erwischt. „Nein, ich würde ich mich trauen." Harry zögert. Er fühlt sich nicht vollkommen wohl in dieser Gruppe, aber das kann ich ihm nicht einmal verdenken. Niall, Cayla und ich sind eine eng Freundesgruppe und er ist der Neue. Das kann durchaus seltsam sein.
„Nach den Wettkämpfen könntet ihr springen", meint er auf einmal. „Dann sind wir noch hier und ihr seid mit euren Turnieren durch und müsst nicht selbst trainieren." – „Und Louis? Bist du immer noch dabei?" – „Natürlich", antworte ich schulterzuckend. Fuck. Verdammte Scheiße! „Von wie viel Meter sprechen wir?" – „Zehn", antwortet Harry. „Gut." Gar nichts ist gut. Scheißdreck! Mein Pokerface ist gut, aber als Harry mich einen Moment mustert, habe ich kurz das Gefühl, er würde sehen, dass ich Schiss habe. Er sagt dazu nichts und wir laufen weiter.
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Tja, da werden Louis und Cayla wohl vom 10er springen müssen. Und Louis hat beim Sex mit Oliver einen Orgasmus vorgetäuscht. Was denkt ihr darüber?
Love, L
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