Kapitel 54

"12:45 - Stripped" - Etham

https://youtu.be/GhWnG7YhcEE

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Yoongi Pov


"Hast du mitbekommen, was der Prof bei Folie 48 gesagt hat?", fragte ich leise in Kookies Richtung, während ich das Skript von der Vorlesung heute Morgen an meinem Laptop durchscrollte.

Wie so oft hatten wir uns nach Ende der Veranstaltungen in die Bibliothek verzogen, um noch etwas Stoff aufzuarbeiten.


"...Kookie?", wiederholte ich, als der Braunhaarige nicht reagierte.

Abwartend schaute ich ihn an.


Kaum bemerkte mein bester Freund, dass ich mit ihm sprach, zuckte er zusammen.

"H-hm?", überrascht schaute er von dem Bildschirm seines Handys auf, an dem er bis eben gehangen hatte.


Weich lächelte ich über sein Aufmerksamkeits-Lack.

"Folie 48?", fasste ich meine Frage kurz zusammen.


Die Kulleraugen meines Gegenübers weiteten sich kurz, bevor er hastig nickte und auf dem Touchpad seines Laptops hin und her zu scrollen zu begann.


"Du bist der Beste.~", grinste ich, als er mir seine Notizen hinschob, damit ich abschreiben konnte.

Ich war beeindruckt, dass Kookies Aufmerksamkeit während der Uni sich so schnell erholt hatte.

Nachdem das mit Jimin passiert war, hatte er eine Zeit lang überhaupt nichts mitbekommen...

Auch am Wochenende war er noch ziemlich fertig gewesen.

Ich hatte mich erschrocken, als wir uns am Sonntag getroffen hatten und ich die roten Ränder unter seinen Augen gesehen hatte.

Als Kookie und ich uns kennengelernt hatten, hätte ich ihn überhaupt nicht als jemanden eingeschätzt, der sich nachts wegen jemandem die Augen ausweinen würde.

Er hatte ziemlich gesetzt gewirkt.

Gleichzeitig auf eine gewisse Art und Weise auch distanziert...

Wie jemand, der die Dinge unter Kontrolle hatte, sie aber auch nicht so sehr an sich heran ließ.


Ich kannte ihn erst, seit dem Studium...

Trotzdem hatte ich meinen besten Freund kaum wiedererkannt, nachdem er Jimin kennengelernt hatte.

Erst hatte er gestrahlt...

Er hatte so viel an seinem Handy gehangen, dass ich mich gewundert hatte, wie er nebenbei noch hatte bei den Vorlesungen mittippen können.

Irgendwie hatte er es hinbekommen.

Generell hatte ich das Gefühl gehabt, dass die Uni für ihn meist an erster Stelle gestanden hatte.

Obwohl wir uns super verstanden hatten, war sie meist unser Hauptkontaktpunkt gewesen.

Wir hatten uns in den Vorlesungen gesehen und hatten uns in der Bibliothek getroffen.

Manchmal waren wir noch einen Kaffee trinken gegangen.

Aber sonst...


Umso überraschter war ich gewesen, wie die Dinge sich entwickelt hatten, nachdem das mit Jimin in die Brüche gegangen war.

Plötzlich hatte Kookie gefragt, ob ich zu ihm kommen wollte.

Immer mal wieder in den letzten Wochen.

Dazu sein offensichtlich komplett zerbrochenes Herz...

Natürlich wollte ich nicht ausdrücken, dass dieser Zustand mir gefiel.

Kookie tat mir wahnsinnig leid und jedes Mal, wenn ich bemerkte, dass er geweint hatte, wollte ich ihn in den Arm nehmen und einfach für ihn da sein.

Trotzdem konnte ich nicht leugnen, dass sein Zustand für mich auch positive Folgen gehabt hätte...

Nach der Sache mit Jimin hatte ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass Kookie sich mir gegenüber öffnete.

Auf einmal hatte er so viel menschlicher gewirkt...

So viel liebenswerter, obwohl ich ihn vorher schon wahnsinnig gern gehabt hatte.


Mir war bewusst, dass all das wahrscheinlich nur passiert war, weil Kookie jemand gebraucht hatte und ich der einzige gewesen war, der in Frage gekommen war.

Weil wir uns von Anfang an ziemlich gut verstanden hatten, hatten wir uns nicht wirklich die Mühe gemacht, weitere Kontakte an der Uni zu knüpfen.

Wir hatten uns immer nebeneinander gesetzt...

Waren irgendwann gemeinsam in die Bibliothek gegangen...

Noch bevor wir uns versehen hatten, hatten wir einen festen Alltag gehabt, mit dem wir beide zufrieden gewesen waren.


Ich war nie wirklich gut darin gewesen, Kontakte zu knüpfen.

Entsprechend glücklich war ich gewesen, dass wir uns so einfach gefunden hatte.

Gleichzeitig hätte ich aber auch von Anfang an nichts dagegen gehabt, die Freundschaft noch weiter zu vertiefen.

Da Kookie von uns beiden der sozialere Part war, hatte ich mich einfach nach ihm gerichtet...

Ich hatte nicht nachgebohrt.

Nicht versucht, mehr aus ihm herauszukitzeln, als die Dinge, die er mir von sich aus erzählt hatte.

Manchmal hatte ich mir meinen Teil einfach gedacht.

Dass Kookie sich verliebt hatte, war offensichtlich gewesen.

Er hatte es nicht aussprechen müssen.


So wirklich über seine Gefühle geredet hatten wir erst, als es schon vorbei gewesen war.

Kookie war so fertig gewesen...

Wahrscheinlich hatte er sich nie aktiv entschieden, sich mir gegenüber so viel mehr zu öffnen, als er es vorher getan hatte.

Es schien als hätte er einfach nicht anders gekonnt...


Und hier waren wir nun...

In unserem typischen Bibliotheksalltag, der sich trotzdem wie ein vollkommen neuer anfühlte.

Ich war nicht mehr mit einem "Freund aus der Uni" hier.

Sondern einfach mit einem Freund.

Meinem inzwischen besten Freund.


Ich wünschte Kookie, dass sein Herz so schnell wie möglich heilen würde.

Dass er nicht nochmal erleben würde, was er mit Jimin durchgemacht hatte.

Trotzdem freute ich mich...

Ich fand schön, wie es jetzt zwischen uns war.

Dass Kookie fragte, ob ich zum Filmschauen vorbei kommen wollte.

Dass er mir allgemein viel mehr von sich zeigte.


Es ermutigte mich, das selbe bei ihm zu tun...



"Mit wem schreibst du?", fragte ich gespielt unschuldig, weil mein Gegenüber schon wieder an seinem Display hing.

Eigentlich kannte ich die Antwort bereits...


Kookie wurde etwas rot, als er hoch guckte.

"...Tae...", antwortete er leise.


Seiner Tonlage entnahm ich, dass er immer noch nicht ganz sicher war, ob es eine gute Idee war, ausgerechnet der Person näher zu kommen, wegen der alles mit der Person, in die er verliebt war, in die Brüche gegangen war.

Ich verstand ihn.

Wenn ich nur über die Konstellation von den dreien nachdachte, qualmte mir bereits der Kopf...

Kookie lief Gefahr in eine unfassbar komplizierte Sache hineinzugeraten.

Trotzdem konnte ich sehen, warum er weiterhin mit unserem Kommilitonen schrieb...


"Grins nicht so blöd...", murrte der Braunhaarige mich an, weil meine Mundwinkel, kaum dass er Taes Namen ausgesprochen hatte, etwas belustigt nach oben gezuckt waren.

Nicht so schnell wie seine natürlich...

Die Frage, mit wem Kookie schrieb war vor allem deshalb rhetorisch gewesen, weil ich es an dem kleinen Lächeln auf seinen Lippen erkannt hatte.


"Ich grinse gar nicht~", verteidigte ich mich mit leicht gesenkter Stimme.

Natürlich wollten wir die anderen in der Bibliothek nicht stören.

"Worüber schreibt ihr denn?", fragte ich neugierig.

"Noch ein Date?", wollte ich wissen.


Als das mit Tae angefangen hatte, hatte ich mir ein bisschen Sorgen gemacht...

Ich würde Kookie nie etwas vorschreiben, hatte mir aber trotzdem gedacht, dass es sich nach einer katastrophalen Idee anhörte, Tae zu treffen.

Nicht zuletzt, weil Kookie anfangs überhaupt nicht hatte zusagen wollen...

Bevor Taes reine Präsenz dafür gesorgt hatte, dass die Hirnwindungen meines besten Freundes eine Runde ausgesetzt hatten, hatte er eigentlich vorgehabt, ihm zu sagen, dass er ihn in Ruhe lassen sollte.

Auch nach diesem Moment war Kookie ziemlich aufgelöst gewesen...

So überfordert, dass ich nicht verstanden hatte, warum er nicht direkt wieder abgesagt hatte.


Ich war skeptisch gewesen...

Allerdings hatte ich meine Meinung spätestens im Laufe der letzten Woche etwas korrigieren müssen.

Seit Kookie beschlossen hatte, das mit Tae nicht zu beenden, hatte er einen Teil seines früheren Strahlens zurückgewonnen...

Er kam wieder besser in der Uni mit.

Auch so wirkte er wieder etwas glücklicher.

Von der wiederentdeckten Liebe zu seinem Handy mal ganz zu schweigen...


Ich hatte keine Ahnung, wie Tae das geschafft hatte, nachdem die Ausgangssituation der beiden derartig stolperstein-gepflastert gewesen war.

Aber tatsächlich schien er Kookie irgendwie gut zu tun...

Er schien die Heilung zu beschleunigen.


Ich hoffte, dass er diese nicht irgendwann wieder kaputt machen würde.

Auch wenn Kookie etwas besser wirkte, war er noch weit von einem stabilen "okay" entfernt.

Herzen brachen viel tiefer, wenn sie eigentlich noch im Heilungsprozess waren...



Mein bester Freund verzog wegen meiner Formulierung ein wenig den Mund.

"Das sind keine Dates...", versuchte er mich zu korrigieren.


Amüsiert von der nicht vorhandenen Überzeugung in seiner Stimme, hob ich eine Augenbraue.

"Was macht ihr denn?", fragte ich weiter.


Gerade wollte Kookie mit den Schultern zucken, weil sie wohl noch dabei gewesen waren, diesen Teil per Chat zu klären, als sein Handy vibrierte.

Wir beide schauten es an, als er danach griff.


Nichtsahnend entsperrte Kookie den Bildschirm.

...nur um kurz darauf einen deutlichen Rotschimmer auf der Nase zu bekommen.


In liebevoller Belustigung betrachtete ich diesen.

Ich fand es süß, dass Tae es schaffte, Kookie so verlegen zu machen.

"Und?", bohrte ich nach.

Noch eine Seite, die ich vorher nicht gekannt hatte...


Etwas ergeben ließ Kookie die Schultern sinken, bevor er mir einfach sein Handy hinhielt.

Kaum hatte ich es angenommen und auf die neuste Nachricht geschaut, stockte ich.

"Oh...", entwich es mir.


Tae
Also wenn du nicht immer Lust auf den selben Cheesecake hast...
Wir könnten auch mal Popcorn essen gehen und Filmplakate bewerten ^^


"Also....", etwas fassungslos gab ich Kookie sein Handy wieder.

"...ein Date?", fragte ich.

Zugegebenermaßen hatte ich noch nie eine so kreative Kinoeinladung gelesen.


Etwas betreten schaute mein Gegenüber auf sein Handy.

"Ich bin sicher, man kann auch freundschaftlich ins Kino...", murmelte er, während sein Daumen über der Tastatur herumschwebte.

Er schien zu zögern...


Unwillkürlich schmunzelte ich ein bisschen.

"Klar.", sagte ich.

"Wir könnten auch mal ins Kino.~", schlug ich vor.

Weil ich es in Taes Nachricht gelesen hatte, fiel es mir wieder ein.

"Hast du schon das Plakat gesehen, von...", setzte ich an.


Mein Gegenüber grinste.

"...dem neuen Thor-Film?", beendete er meinen Satz.

Als ich hastig nickte, mussten wir beide kurz kichern.

Wir verstummten sofort wieder, als uns bewusst wurde, wo wir waren.

Trotzdem bewegte Kookie seinen Kopf auf und ab.

"Alleine wegen dem Plakat will ich den Film sehen.", sagte er leise.


Freundschaftlich begann mein Herz deshalb zu klopfen.

"Dann können wir ja auch ein Date haben.", schlug ich augenbrauenwackelnd vor.

Alles in mir freute sich, dass mich inzwischen traute, Kookie solche Dinge zu fragen.

Unser neues "auch außerhalb der Uni"-Zeitverbringen war wirklich schön.


Nicht mal eine Sekunde lang zögernd, nickte Kookie.

"Gerne.", lieb lächelte er mich an, bevor ihm wieder einzufallen schien, wie wir auf dieses Thema gekommen waren.

"Aber was mache ich...", unsicher schaute er auf sein Handy.

"...mit dem richtigen Date?", überlegte er.


Ich zuckte mit den Schultern.

"Möchtest du denn mit Tae ins Kino?", fragte ich, während ich in die Kulleraugen meines Gegenübers schaute.


Kookie zögerte.

Er kaute auf seiner Lippe herum, bis er es sich eingestehen konnte.

"Schon...", gab er zu.

"Aber...", etwas hilflos guckte er mich an.

"Was wenn ich ihm falsche Hoffnungen mache?..", sprach er seine Gedanken aus.


Erneut bekam er ein Schulternzucken als Antwort.

"Könntest du nicht mit ihm darüber reden?", fragte ich.

Taes Absichten schienen, so wie es bisher gelaufen war, ziemlich offensichtlich.

Trotzdem hatten die beiden noch nicht wirklich darüber gesprochen, wo das zwischen ihnen hinlaufen sollte...

Entsprechend konnte es hilfreich sein, gegenseitige Erwartungen abzuklären, bevor man sich unnötig zurückhielt.


Meine Worte brachten Kookie zum Lächeln.

"Guter Ratschlag für jemanden, der überhaupt nicht mit seinem Angebeteten redet.", schmunzelte er.


Kaum hatte er auf unseren Bibliothekar angespielt, trieb es mir die Hitze in die Wangen.

"A-aber...", unsicher schaute ich hinter mich, um sicher zu gehen, dass er nicht in der Nähe war.

"D-das ist doch etwas v-völlig anderes...", stammelte ich.

Tae hatte sein Interesse an Kookie bereits bekundet.

Ich dagegen schaffte es nicht mal, Hobi auf einen Kaffee einzuladen.

Jedes Mal, wenn ich vor ihm stand, fragte ich am Ende nach einem Buch, das ich eigentlich überhaupt nicht suchte...


Kookie schmunzelte über meine Verlegenheit.

"Meinst du?", fragte er.

Weich lächelte er mich an.

"Ich finde, das ist alles Überwindung...", murmelte er.


Als ich ihn daraufhin nur etwas hilflos anguckte, weil ich wusste, dass er Recht hatte, wurde seine Mimik noch wärmer.

"Pass auf...", er griff nach seinem Handy.

"Wir machen einen Deal."

Kookie schickte Tae eine positive Antwort, bevor er mich wieder anschaute.

"Ich rede mit Tae...", er hielt mir seinen kleinen Finger hin.

"...und dafür verlassen wir die Bib nächste Woche erst, wenn du gefragt hast.", schlug er vor.

Dabei hatte er so ein unterstützendes Glitzern in den Augen.

Er schien deutlich zuversichtlicher, als ich.


Etwas überfordert verzog ich den Mund, während ich Kookies Hand anschaute.

Nicht zuletzt, weil Kookie, wenn sein Gegenüber nicht gerade sein Hirn lahm legte, normalerweise keine Rückzieher machte, trat der Gedanke an eine solche Abmachung Wellen der Nervosität in mir los.

Gleichzeitig spürte ich allerdings auch, wie mir warm wurde...


Ich lächelte ein wenig, als mir bewusst wurde, dass ich mir früher immer einen Freund wie Kookie gewünscht hatte...

Jemand, mit dem ich über solche Dinge reden konnte.

Jemand, der kein Problem damit hatte, dass ich etwas schüchterner war.

Jemand, der sich genug interessierte, um mir trotzdem ab und zu einen Schubs geben zu wollen.



Unter all den negativen Dingen, die gerade los waren...


Tief atmete ich durch.


...schien unsere Freundschaft...


"Nagut...", ich verhakte meinen kleinen Finger mit dem von Kookie.


...mit jedem Tag schöner zu werden.



"Deal."


Na wenn das mal kein guter Einstieg nach so einer langen pause war~
Hello hello <3

Ich freu mich so, hier endlich wieder zu updaten x3
Als Twisted zwischendurch offline war, war ich kurzzeitig nicht sicher, ob ich es zurückholen kann.
Meine alte Storyplanung war in meinen Augen etwas...schwierig.
Aber idk...
Es gab diesen einen magischen Tag, wo ich in der Bahn saß, eigentlich etwas völlig anderes schreiben wollte und mein Kopf plötzlich so war:
"Und was, wenn du den Verlauf einfach änderst?"
Dann folgte eine Bahnfahrt, die ich nicht mitbekommen hab, weil ich geistig komplett in die Story gespaced war, ein kurzer Einkaufsbummel, an den ich mich kaum erinnere, noch eine Bahnfahrt zurück, die auch verschwunden ist und ✨schwupps✨ konnte ich meine erste und geliebte Vminkook-Story zurückholen <3
(I swear, diese Story wird so toll...Ihr habt ja keine Ahnung x3)

Das Kapitel hat dann etwas gedauert, weil es nach langen Pausen immer schwer mit dem Reinkommen ist...
Aber hier sind wir nun ^^

Tbh auf dieses Kapitel hab ich mich schon lange gefreut gehabt...
Ich hatte zwischendurch aus Kookies Perspektive schonmal angesprochen, dass sein Umgang mit Yoongi sich verändert hatte und wollte da unbedingt nochmal drauf eingehen.
Auch generell mal so eine Außensicht auf Kookie, wenn er nicht bei einem der anderen beiden ist...
Idk.
Ich fand es exciting x3
(Und entspannend, neben den ganzen sonst so verdrehten Kapiteln x3)

Please let me know, wie ihr das Kapitel fandet ^^
Gedanken dazu?
Gefühle?
Mich interessiert alles <3

Habt noch einen schönen Abend <3

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