13. Two broken hearts
Noch immer konnte ich nicht fassen, was gerade geschehen war. Ich hatte einem Mädchen die Tankrechnung bezahlt, da sie offensichtlich ihre Geldbörse vergessen hatte einzustecken. Und nun kutschierte ich sie nach London, da sie weder einen Ausweis, Führerschein oder die Fahrzeugpapiere bei sich trug. Außer ihrer Handtasche, die auf ihrem Schoß lag, befand sich jetzt ihre kleine Reisetasche im Kofferraum meines Range Rovers.
Während ich den Wagen zur Autobahnauffahrt steuerte, hörte ich Sammy sagen: „Dank dir komme ich jetzt doch noch pünktlich in London an. Ich glaube, das kann ich nie wieder gut machen."
„Unsinn! Es lag ja in meinem eigenen Ermessen, das alles zu tun. Du hast mich nicht darum gebeten."
„Das stimmt wohl."
Sie lächelte mir zu und mein Blick glitt kurz über ihr hübsches Gesicht.
„Darf ich fragen, was du in London machst?", wollte ich nun wissen.
„Ich wohne dort."
Obwohl mir diese Aussage durchaus gefiel, warf sie jedoch eine Frage auf, die ich ihr nun stellte.
„Und wo hast du deine Geldbörse vergessen?"
„Ich habe eine Freundin in Liverpool besucht und muss sie dort liegen gelassen haben." Sie seufzte laut. „Am besten, ich rufe Alex an und frage nach, ob sie auch wirklich dort ist."
„Mach das, es kann auf jeden Fall nicht schaden", meinte ich grinsend.
Schnell holte Sammy ihr Handy hervor, um mit ihrer Freundin zu telefonieren. Wie sich herausstellte, lag die Geldbörse tatsächlich in Liverpool. Das war ja nun nicht gerade um die Ecke und ich wusste nicht, ob ich mir diese wichtigen Dokumente per Post hätte schicken lassen wollen. Doch Sammy schien andere Pläne zu verfolgen. Zumindest hörte ich sie jetzt sagen: „Du brauchst sie mir nicht zu schicken, Alex. Ich komme morgen mit Rufus vorbei, er wird mich sicher fahren, wenn er hört, was passiert ist.- Ja, mach ich, bye meine Süße."
Lächelnd steckte sie ihr Handy wieder weg, während ich überlegte ob ich sie auf diesen Rufus ansprechen sollte. Das war bestimmt ihr Freund. Es hätte mich auch gewundert, wenn ein Mädchen wie sie nicht vergeben wäre. In Anbetracht der Tatsache, dass ich aber nicht als neugierig rüberkommen wollte, unterließ ich es einfach.
Aber Sammy musste wohl meinen nachdenklichen Blick wahrgenommen haben, denn sie sagte plötzlich: „Ich hab den besten Patenonkel der Welt. Er würde echt alles für mich tun und mich überall hin kutschieren, wenn ich was vergessen hätte."
Irgendwie war ich jetzt erleichtert und musste prompt schmunzeln.
„Ich mag deinen Patenonkel", entfuhr es mir.
„Ich mag ihn auch. Er ist ein wahnsinnig cooler Typ."
Nach diesem Satz kramte sie eine Kaugummipackung aus ihrer Handtasche.
„Magst du auch einen, Niall?"
Bevor ich ja sagte, erkundigte ich mich zuerst nach der Geschmacksrichtung, denn ich mochte nicht alle Kaugummis. Als Sammys Antwort darauf jedoch „Pfefferminz" lautete, nickte ich begeistert. Aus den Augenwinkeln konnte ich erkennen, dass sie den Kaugummi vorsichtig aus dem Stanniolpapier befreite und mir diesen dann direkt vor den Mund hielt.
„Mach deinen Mund auf, ich kann ihn dir reinschieben."
Im gleichen Augenblick sah ich, wie sie errötete, doch es war bereits zu spät, mein Konter erfolgte binnen einer Sekunde.
„Du mir? Ich glaube das geht eher umgekehrt."
Und schon bereute ich, was ich gesagt hatte. Warum konnte ich mein loses Mundwerk manchmal nicht halten? Sammy hielt mich jetzt bestimmt für den größten Arsch der Welt, zumal wir uns nicht einmal näher kannten. Doch ich schien mich getäuscht zu haben, denn als ich ein „Sorry, tut mir leid, ich wollte nicht...", herausbrachte, unterbrach sie mich, indem sie sagte: „Es ist schon ok. Ich hab dir ja quasi die Vorlage dafür gegeben. Also darf ich mich auch nicht beschweren, wenn dann sowas dabei herauskommt."
Bevor ich wieder etwas Dummes von mir gab, öffnete ich meinen Mund und Sammy schob mir den Kaugummi hinein.
„Siehst du, es klappt doch", meinte sie nun grinsend.
Sie besaß Humor, definitiv. Aber nicht nur das. Irgendwie war sie so liebenswert und erweckte ständig das Gefühl in mir, sie beschützen zu wollen. Ich wollte auf jeden Fall mehr über sie erfahren und deshalb stellte ich ihr eine Frage.
„Was machst du so? Studierst du oder arbeitest du?"
„Ich studiere Illustrationsdesign", antwortete sie.
„Oh cool, dann gehörst du also zu den kreativen Menschen."
„Ja, so wie du wohl auch."
„Na ja, unser nächstes Album ist eigentlich das erste, an dem wir den Löwenanteil mitgeschrieben haben und um ehrlich zu sein, haben Louis und Liam das Meiste dazu beigetragen", gab ich offen zu.
„Wann kommt denn das Album auf den Markt?"
„Im November."
Eigentlich wollte ich nicht, dass wir über mich oder meinen Beruf oder über One Direction überhaupt sprachen, denn das war das, was wir fast jeden Tag in Interviews oder TV Sendungen berichten mussten. Es langweilte mich, dies in meiner Privatzeit auch noch zu tun.
Glücklicherweise Sammy schien auch nicht besonders scharf darauf zu sein, sich weiterhin über One Direction zu unterhalten, denn sie fragte plötzlich: „Und welche Musikrichtung bevorzugst du privat?"
Nun bewegte sich unsere Unterhaltung in eine Richtung, die ganz meinem Geschmack entsprach und so beantwortete ich nur zu gerne ihre Frage.
„Ich mag die alten Rockbands, wie die Eagles, Bon Jovi oder U2 und ich höre gerne Country Musik, seit ich in den USA war."
„Echt? Du magst U2 und Bon Jovi? Ich nämlich auch!", kam es ganz begeistert von ihr.
„Das ist ja jetzt ein Zufall!"
Kaum hatte ich das ausgesprochen, ertönte plötzlich ein Song im Radio und bereits nach der ersten Sekunde erkannte ich, um welchen es sich handelte. In these arms von Bon Jovi. In jenem Moment wurde mir schlagartig bewusst, dass ich noch nicht dazu bereit war, dieses Lied anzuhören. Zu viele Erinnerungen steckten darin. Lizzys Gesicht verschwamm plötzlich vor meinen Augen, nicht gut, denn ich sollte mich eigentlich auf die Straße und das Fahren konzentrieren. Instinktiv drückte ich den Sender weg und plötzlich ertönte ein anderes Lied.
„Warum hast du denn umgeschaltet? Das war Bon Jovi!", hörte ich Sammy erstaunt fragen.
„Tut mir leid", murmelte ich nur, „aber ich kann diesen Song zurzeit nicht hören."
Als ich ihr einen kurzen Blick zuwarf, stellte ich fest, dass sie leicht errötete und auf ihre Handtasche schaute.
„Hat sie dein Herz gebrochen?", wisperte sie leise.
Ihre Reaktion verblüffte mich unglaublich. Sie war so sensibel und ließ plötzlich den Wunsch in mir aufkommen, sie umarmen zu wollen.
„Nein", antwortete ich ebenso leise. „Aber ich ihres, vermutlich. Ich musste sie zurück lassen. Also... ist mein Herz irgendwie auch gebrochen."
Warum tat ich das? Wieso erzählte ich Sammy solche Dinge? Es war, als ob eine gewisse Verbindung zwischen uns bestehen würde. Etwas, was man nicht greifen, aber dennoch fühlen konnte.
„War..., ist sie hübsch?"
„Hübsch liegt immer im Auge des Betrachters. Für meine Begriffe ist sie sehr hübsch."
„Du magst sie immer noch."
„Ich werde sie nie wieder sehen."
„Sag so etwas nicht."
„Das ist eine Tatsache."
Bevor Sammy erneut etwas darauf entgegnen konnte, wechselte der Song im Radio. Feel so close von Calvin Harris ertönte jetzt, ein Lied, das ich eigentlich ganz gerne mochte. Doch dann geschah etwas Unglaubliches. Sammy schaute zu mir, gleichzeitig hörte ich sie leise sagen: „Niall..., kannst du bitte einen anderen Sender suchen? Dieses Lied... ich kann es nicht hören."
Das klang für mich so, als ob sie diesen Song ebenfalls mit einer schmerzhaften Erinnerung verbinden würde und deswegen schaltete ich das Radio einfach aus, während ich ihr nun vorsichtig eine Frage stellte.
„Hat..., hat jemand dein Herz gebrochen?"
Die Antwort, die Sammy mir gab, ließ mich irgendwie traurig werden.
„Ja, das hat er."
Da saßen wir nun, zwei Menschen mit gebrochenen Herzen, doch etwas in mir wollte einfach nur vorwärts gehen und nicht mehr zurückschauen, weil ich sowieso nichts mehr ändern konnte, an all dem, was geschehen war. Zudem wurde der Wunsch in mir, Sammy zum Lachen zu bringen, immer stärker. Ich wollte, dass sie ihre Traurigkeit vergaß, denn ich fühlte mich irgendwie zu ihr hingezogen, obwohl wir uns erst seit einer halben Stunde kannten.
„Sammy?"
„Ja?"
Als ich weiter redete, schaute ich kurz zu ihr. Sie hielt ihren Blick auf ihren Schoß gesenkt, doch als meine linke Hand kurz das Lenkrad losließ, um über ihren rechten Arm zu streicheln, konnte ich ein zaghaftes Lächeln sehen. Sie sah so süß aus, wenn sie dieses kleine Lächeln andeutete, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Was war das zwischen uns? War es ein Zufall, dass wir uns über den Weg gelaufen waren? Als ich darüber nachdachte, fiel mir plötzlich Lizzys Lebensphilosophie ein.
Wir treffen keine Menschen durch Zufall. Sie kreuzen unsere Wege aus einem bestimmt Grund.
Unweigerlich stellte ich mir die Frage, warum ich Sammy, aber auch warum ich Lizzy getroffen hatte, ein Mädchen, für das ich etwas empfunden hatte, das ich aber nie wieder sehen würde. Das ergab keinen Sinn für mich oder vielleicht doch?
„Niall?"
Sammys leise Stimme riss mich urplötzlich aus meinen Gedanken.
„Ja?"
„Lass uns einfach über was Lustiges reden, ok?"
Automatisch musste ich grinsen, was ihr wohl gefiel. Jedenfalls lachte sie kurz und sagte dann: „Siehst du, jetzt habe ich dich auch zum Lächeln gebracht, so wie du mich."
„Ja, das stimmt wohl", meinte ich noch immer grinsend.
Sammy nahm unser Gespräch wieder auf, indem sie fragte: „Hast du heute noch etwas vor?"
„Ja, ich treffe mich mit Freunden und du?"
„Ich muss erstmal meinen Patenonkel anrufen."
Gerade als ich mich fragte, ob sie keine Eltern hatte, redete Samy auch schon weiter.
„Meine Eltern sind zurzeit verreist, sonst hätte ich sie natürlich gebeten, mit mir nach Liverpool zu fahren."
Somit erübrigte sich meine Frage nach ihren Eltern.
„Hast du eigentlich noch Geschwister?", wollte ich nun wissen.
Sie schüttelte ihren Kopf, als sie antwortete. „Nein, ich bin ein Einzelkind und du?"
„Ich habe noch einen älteren Bruder, aber eigentlich kannst du alles über mich im Internet nachlesen."
Sammy schaute mich ziemlich erstaunt an, während sie sagte: „Das möchte ich aber nicht. Das Internet berichtet über das Bandmitglied Niall von One Direction, aber ich will den Menschen Niall aus Irland kennenlernen."
Mit dieser Antwort bewies Sammy mir erneut, dass sie es Wert war, mir die Mühe zu machen, sie näher kennenzulernen. Und wenn ich es schaffen sollte, sie für Niall, den Iren zu begeistern, dann würde das heute ganz sicher nicht unsere letzte gemeinsame Autofahrt sein. Denn diese neigte sich leider bald dem Ende zu, da wir uns langsam aber sicher dem Ziel näherten.
Der Verkehr wurde dichter und zähfließender, aber trotzdem ging die Zeit für mich viel zu schnell vorbei. Als ich Sammy vor dem Haus absetzte, in welchem sie wohnte, konnte ich nicht fassen, dass wir uns nun gleich voneinander verabschieden mussten.
Das Haus lag in einer ziemlich guten Gegend und ich wunderte mich, wovon sie das bezahlte, denn sie studierte ja noch. Als ob Sammy meine Gedanken lesen konnte, sagte sie plötzlich: „Um die Sache gleich aufzuklären, mein Dad ist Immobilienmakler. Er hat diese Wohnung zu einem Spottpreis für mich gekauft."
„Das hätte mein Dad auch für mich getan, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte", kam es spontan von mir.
Aber das Leben hatte es wohl vorgesehen, dass ich derjenige war, der das große Geld verdiente und nicht mein Vater. Dafür konnte ich nichts, genauso wenig wie Sammy etwas dafür konnte, dass ihr Dad mit Immobilien handelte. Als ich aus meinem Range Rover ausstieg, um ihre Reisetasche aus dem Kofferraum zu holen, schenkte sie mir erneut dieses supersüße Lächeln.
„Danke, Niall, dass du das alles auf dich genommen hast. Und wehe, du meldest dich nicht wegen der fünfzig Pfund!"
„Was dann?", fragte ich lachend.
„Dann..." Sie stoppt kurz und sprach plötzlich seufzend weiter: „Weiß ich auch nicht, ich habe keine Möglichkeit, um mit dir in Kontakt treten zu können und meine Schulden zu bezahlen."
Wenn ich ehrlich war, wollte ich diese fünfzig Pfund gar nicht. Es bedeutete mir viel mehr, Sammy helfen zu können. Aber ihre Aussage war nicht ganz richtig und so stellte ich das klar.
„Doch, du hast eine Möglichkeit, um mit mir in Kontakt zu treten, es sei, du hättest keinen Twitter Account."
„Ich habe aber einen!"
Ihre Augen blitzen auf, als ich sie um ihren Namen bat, damit ich ihr folgen konnte.
„Jetzt kannst du mich direkt anschreiben, ok? Aber ich melde mich morgen bei dir, versprochen!"
„Du bist so nett, wirklich. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, außer danke, Niall!"
Bevor ich richtig wusste, was geschah, umarmte sie mich plötzlich. Nicht stürmisch, sondern ganz vorsichtig, was ich nur zu gerne in der gleichen Form erwiderte. Das Gefühl, Sammy wieder sehen zu wollen, verstärkte sich in jenem Moment und ich wusste, dass ich sie morgen ganz sicher anrufen würde, auch wenn sie vielleicht nicht daran glaubte.
Der Abend mit meinen Freunden verlief zwar erwartungsgemäß recht lustig, trotzdem wanderten meine Gedanken immer wieder zu Sammy. Was sie wohl gerade machte? Ob sie auch noch ausgegangen war, mit einer Freundin vielleicht?
Eigentlich hätte ich auch auf die Idee kommen können, Sammy am heutigen Abend einfach mitzunehmen. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass ich höllisch aufpassen musste, sobald ich mich in Begleitung eines weiblichen Wesens befand, schien ich die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Denn zu später Stunde, als wir den Club verließen, standen prompt einige Paparazzi in der Nähe, welche mich auch fotografierten. So lange ich nur mit meinen Kumpels unterwegs war, störte mich das jedoch nicht sonderlich. Die Sache sah aber anders aus, wenn ein Mädchen, das auch noch so süß und liebenswürdig war wie Sammy, zusammen mit mir gesehen wurde. Ich legte absolut keinen Wert darauf, sie den Hasstiraden unserer Fans auszusetzen. Es war zwar nur ein kleiner Teil, der sich so aufführte, trotzdem gab es genügend, die der Ansicht waren, dass wir keine Freundinnen benötigten.
Zwei Minuten später saß ich in einem Taxi, welches mich nach Hause kutschierte. Auf dem Weg dorthin schickte ich Sammy eine private Nachricht auf Twitter.
„Schlaf gut, ich melde mich nachher, Niall."
Vielleicht würde sie diese ja später lesen. Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, sah ich, dass Sammy darauf geantwortet hatte.
„Schlaf du auch gut und ich freue mich darauf, Sammy."
Ich musste schmunzeln, sie freute sich also genauso wie ich.
Als das Taxi kurze Zeit später vor meiner Wohnung stoppte, bezahlte ich den Fahrer, kramte meine Schlüssel aus der Hosentasche und betrat dann das Apartment. Zunächst holte ich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, welche ich mit ins Schlafzimmer nahm, um sie vor dem Bett abzustellen. Dort entledigte ich mich gleich meiner Klamotten und spurtete anschließend, nur mit Boxershorts bekleidet, ins Bad, um die Zähne zu putzen. Minuten später lag ich dann endlich in meinem Bett, doch ich schlief nicht sofort, sondern holte zunächst mein Handy hervor.
Langsam öffnete ich die Fotogalerie und suchte nach einem ganz bestimmten Bild. Nachdem ich dieses gefunden hatte, lächelte ich vor mich hin. Lizzys hübsche blaue Augen schauten mich an und da ich nicht mehr ganz nüchtern war, begann ich mit ihr zu reden.
„Hast du Sammy zu mir geschickt? Du kannst mir das ruhig sagen, Lizzy. Ich bin dir nicht böse, sondern sehr dankbar. Weißt du, ich..., ich habe dich wirklich geliebt aber..., was soll ich denn machen? Ich lebe in einer anderen Zeit aber ich werde dich nie vergessen, niemals! Verstehst du das? Aber Sammy..., sie ist so toll und lieb! Und ich hab immer das Gefühl, dass ich sie beschützen muss, genau wie dich damals. Also wenn du sie zu mir geschickt hast, dann sei bitte nicht böse auf mich, falls sich irgendwann mehr daraus entwickeln sollte. Ich glaube, du verstehst mich, oder?"
Meine Finger strichen vorsichtig über Lizzys Gesicht, was mir ein Grinsen entlockte. Sie war so hübsch gewesen, mit ihren langen dunklen Haaren, den blauen Augen und dem niedlichen Lächeln. Aber vor einigen Stunden war Sammy in mein Leben getreten, eine junge Frau, die in meiner Zeit lebte und die ich unbedingt näher kennenlernen wollte, weil ich das Gefühl nicht loswurde, dass uns etwas miteinander verband. Wahrscheinlich die Tatsache, dass wir beide ein gebrochenes Herz hatten. Aber vielleicht würden wir es gegenseitig heilen können. Mit diesem Gedanken in meinem Kopf schlief ich schließlich ein.
Als ich am nächsten Tag gegen zwei Uhr nachmittags erwachte, brummte mein Schädel gewaltig. Das war dann wohl doch ein bisschen zu viel Alkohol in der gestrigen Nacht gewesen. Und dann fiel mir wieder ein, dass ich mit Lizzy oder besser gesagt, mit ihrem Foto gesprochen hatte. Aber nicht nur das, denn meine Erinnerung kehrte nun vollends zurück.
Ich hatte Lizzys Bild und somit mein Handy geküsst! Wie betrunken war ich eigentlich gewesen? Kopfschüttelnd schlug ich die Bettdecke zurück und ging mit langsamen Schritten ins Badezimmer, wo ich mich unter die Dusche stellte. Es tat gut, das warme Wasser auf meiner Haut zu spüren und zu wissen, dass es Sammy gab. Ich musste sie später unbedingt anrufen, das nahm ich mir fest vor.
Nach dem Duschen zog ich bequeme Kleidung an und durchforstete meinen Kühlschrank nach etwas Essbarem. Ich fand Eier und Speck, woraus sich durchaus ein Frühstück zubereiten ließ, auch wenn es bereits Nachmittag war. Nachdem ich alles verputzt hatte, fühlte ich mich wesentlich besser und auch die Kopfschmerzen waren verschwunden. Mit einem Blick auf die Uhr beschloss ich, dass es nun an der Zeit war, mich bei Sammy zu melden. Doch bevor ich dazu kam, erreichte mich ein Anruf von Louis.
„Hey, Niall, na wieder zurück in London?"
Woher wusste er das schon wieder? Wir hatten doch noch gar nicht miteinander gesprochen, seit ich angekommen war.
„Hast du zufällig mit Harry telefoniert?", fragte ich deshalb.
„Nein, wieso?"
„Na, weil du weißt, dass ich wieder in London bin", antwortete ich nun ein klein wenig erstaunt.
„Mensch Niall, wie besoffen warst du letzte Nacht eigentlich?", entgegnete Louis nun. „Die Paparazzi haben etliche Fotos von dir gemacht, schau mal auf Twitter nach!"
Gehorsam griff ich nach meinem Handy, um die Bilder anzuschauen, obwohl ich ja wusste, dass man mich fotografiert hatte. Doch meine Aufmerksamkeit zog sich sofort auf eine private Nachricht, die ich erhalten hatte. Diese stammte von Sammy und enthielt folgenden Wortlaut: „Rufus hat mich nach Liverpool gefahren, ich hab meine Geldbörse wieder und kann dir die fünfzig Pfund geben! In ungefähr einer Stunde bin ich wieder zuhause. Ich würde mich freuen, wenn du anrufst, Gruß, Sammy."
Es war Louis' Stimme, die mir verdeutlichte, dass im Augenblick keine Zeit war, um an Sammy zu denken, denn er sagte etwas, was mich sofort aufhorchen ließ.
„Liam, Zayn und ich haben etwas über diese Kugeln herausgefunden."
Meine Brauen zogen sich leicht zusammen, als ich antwortete: „Und was ist das?"
„Eigentlich will ich dir das nicht alles am Telefon erklären und zudem möchte ich auch warten, bis Harry wieder in London ist, sonst muss ich das Ganze zweimal erzählen."
Das war wieder typisch Louis. Erst machte er einen total heiß und dann rückte er nicht mit der Sprache heraus.
„Harry wollte am Montag wieder zurück fahren", erwiderte ich nun.
„Gut, dann würde ich sagen, treffen wir uns am Montagabend bei mir. Ich rufe Harry an, damit er sich nichts anderes vornimmt, ok?"
„Ok."
Irgendwie war ich froh, dass unser Treffen nicht heute, sondern erst am Montag stattfand, denn so konnte ich mich, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, mit Sammy verabreden.
„Ich muss jetzt auflegen, Louis, denn ich habe noch etwas zu erledigen", verabschiedete ich mich von meinem Freund.
„Kein Problem, Nialler. Also bis Montag, ich würde sagen, acht Uhr, oder?"
„Ja, das geht klar."
Nachdem ich Louis endlich abgewimmelt hatte, suchte ich nach Sammys Handynummer. Doch bevor ich sie anrief, schaltete ich die Rufnummernübermittlung aus. Sie würde somit meine Handynummer nicht sehen können, denn noch kannte ich sie nicht gut genug, um diese preisgeben zu können. Die letzten Jahre hatten mich gelehrt, vorsichtig zu sein, was diese Dinge anging.
Es dauert nicht lange und ich hatte Sammy am Ohr.
„Hallo, wer ist da?", hörte ich ihre sympathische Stimme.
„Ich bin's, Niall."
„Niall! Es ist toll, dass du anrufst! Ich bin gerade zuhause angekommen!"
„Das ist super!"
„Ja, vor allem, weil ich meine Geldbörse jetzt wieder habe!"
Sie hörte sich total glücklich an und lachte auch, wodurch mein Herz schneller zu schlagen begann. Dieser Zustand verschlimmerte sich noch, als ich ihr eine Frage stellte.
„Hättest du Lust, dich heute Abend mit mir zu treffen?"
Ihre Antwort ließ mich vor Freude beinahe in die Luft springen.
„Natürlich! Sag mir wo und wann und ich werde da sein."
„Ist es dir recht, wenn ich dich um sieben Uhr abhole?"
„Ja, sieben Uhr passt super! Und ich freue mich schon total!"
„Ich mich auch!"
Das war dann wohl mein erstes Date, nachdem ich aus dem Jahr 1983 zurückgekehrt war und ich hoffte, dass es besonders schön werden würde.
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Uh, Niall und Sammy haben ein Date :) - wie findet ihr das? So ganz vergessen hat er Lizzy noch nicht aber er ist gedanklich wieder im Jahr 2013 angekommen.
Louis, Liam und Zayn haben etwas über diese Kugeln herausgefunden. Ob das wohl noch gefährlich werden könnte?
Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen.
Danke für die tolle Kommentare, ich lese sie immer mit einem Schmunzeln im Gesicht. :)
LG, Ambi xxx
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