Kapitel 81 - I won't make the same mistake again



In den Wochen unmittelbar vor den ZAG's breitete sich in Hogwarts ein Schwarzmarkthandel aus. Schüler waren vollkommen übernächtigt, bekamen teilweise kein Auge zu, begannen aus heiterem Himmel zu weinen oder liefen wie Wahnsinnige mit ihren vollgeschmierten Zetteln durch die Gänge. So etwa wie Daphne es bereits vor wenigen Wochen getan hatte. Es war somit wenig verwunderlich, dass viele auf magische Aufputschmittel zurückgriffen, bis hin zu Substanzen, die die Gehirnleistung um ein Vielfaches ansteigen lassen sollten. Diese Produkte waren ziemlich teuer und zum überwiegenden Großteil verbargen sich dahinter nicht mehr als leere Versprechungen. Manche davon sollten sogar giftige Substanzen enthalten, wie mir Hermine mitteilte und rechtbehalten sollte, wie ich wenig später herausfand. Nach ihrer langen Predigt hatte ich mich dazu entschlossen, nichts davon anzufassen - im Gegenteil zu Daphne. Obwohl ich versucht hatte es ihr auszureden, wollte sie unbedingt eines dieser Gedächtnismittelchen ausprobieren. Geendet hatte diese ganze Aktion mit einem dreitätigen Aufenthalt im Krankenflügel, da sie sich eine Vergiftung zugezogen hatte, die ihrer gesamten Haut einen seltsamen grünlichen Schimmer verlieh.

Adrian und ich besuchten sie jeden Tag, brachten ihr Schokofrösche vorbei und hielten sie über alles Weitere am Laufenden. Ich las ihr täglich aus dem Zaubertränkebuch vor, was sie alle paar Minuten dazu veranlasste, ein seltsam wehleidiges Geräusch auszustoßen. Am ersten Tag trafen wir im Krankenflügel auf Daphnes jüngere Schwester Astoria. Sie trug leicht gewelltes, braunes Haar, das ihr bis zur Brust reichte und war auffallend hübsch. Die Ähnlichkeit zwischen ihr und Daphne war kaum zu leugnen, mit Ausnahme von den haselnussbraunen Augen.

„Ich wusste, dass sie so etwas Dummes machen würde." murmelte sie leise. „Unsere Eltern sind deswegen außer sich." Ihre Bücher hatte sie fest gegen ihren Brustkorb gedrückt, ihren Mund nachdenklich verzogen. „Bitte." Ihre haselnussbraunen Augen fuhren über Daphnes grünliche Haut. „Nehmt es ihr nicht übel. Wir gehören zu den Unantastbaren Achtundzwanzig. Wir---" Sie presste ihre Lippen aufeinander, bevor sie zuerst mir und dann Adrian fest in die Augen sah. „Von ihr wird erwartet, dass sie gute ZAG's schreibt. Unsere Eltern sprechen seit dem Sommer von nichts anderem mehr."

Wir wechselten einen kurzen Blick. „Sie ist bei uns und Madam Pomfrey bestens aufgehoben." erwiderte Adrian und schnippte Daphne dabei gegen die Stirn, die daraufhin leise murrte und sich in ihrem Bett auf die andere Seite drehte. „Und wir sind nicht verärgert, vielmehr... amüsiert." Er neigte grinsend seinen Kopf zur Seite, bevor er seine Arme vor seiner Brust verschränkte. Sein rechter Mundwinkel sprang in die Höhe, als er auf sie herabblickte. „Ich bin mir sicher, dass Daphne bei den ZAGs ihr Bestes geben wird. Eure Eltern sollten unbesorgt sein."

Ich wusste, dass sie zu den wenigen übriggebliebenen reinblütigen Familien in Großbritannien gehörte, selbst, wenn sie es kein einziges Mal erwähnt hatte. Und ich wusste auch, dass ihr der Blutstatus etwas bedeutete. Das wusste ich, weil ich gesehen hatte, wie sie Hermine ansah und weil ich einmal gehört hatte, wie sie über Justin Finch-Fletchley, einem muggelstämmigen Hufflepuff, gesprochen hatte. Es war ein spöttischer Kommentar gewesen, nichts Auffälliges, doch da war es mir klar geworden und sei es bloß deshalb, weil ich Daphne inzwischen so gut kannte. Manchmal fragte ich mich, was sie über mich dachte. Über diejenige, deren Blutstatus unbekannt war. Zumindest dann, wenn man diesem grässlichen Bild von Sirius Mutter im Orden des Phönix keinen Glauben schenken wollte. Es gab keinen Grund, weshalb das Bild die Unwahrheit über meinen Blutstatus sagen sollte. Doch andererseits gab es wiederum keinen Grund, weshalb es die Wahrheit sagen sollte und darüber hinaus, weshalb ausgerechnet seine Mutter, beziehungsweise das, was in dem Bild von ihr übrig war, irgendetwas über mich wissen sollte. Allerdings hatte ich Daphne ohnehin nichts davon erzählt. Aber sie hatte mich von Anfang an freundlich behandelt, sie—

Dann fiel mir unser Gespräch im vierten Jahr ein. Darüber, dass noch nie in der Geschichte ein muggelstämmiger Zauberer oder eine muggelstämmige Hexe Slytherin zugeteilt worden wäre. Es widerspräche den Werten Slytherins, also war die Schlussfolgerung gewesen, dass ich ebenso wenig eine Ausnahme darstellen konnte. War das denn wichtig für sie gewesen?

Ich blinzelte, als ich Daphne musterte. Es machte keinen Unterschied. Nicht für mich. Sie war meine beste Freundin, ich würde alles für sie tun und ich vertraute ihr. Mein Blick glitt hoch zu Astoria, bevor er sich erneut auf Daphne legte und dort verweilte. Welche Last sie wohl auf ihren Schultern tragen musste, um den Erwartungen ihrer Eltern zu entsprechen? Zu wissen, dass man in den Augen seiner eigenen Familie aufgrund seines Status etwas Besonderes war und dementsprechend besonders sein musste.

„Wer weiß, ob sie jemals wieder normal aussehen wird." summte Adrian und holte mich damit aus meinen Gedanken zurück. „Die Farbe steht ihr."

Daphne gluckste, ihre Augen einen Spalt breit geöffnet, bevor sie ein langes und tiefes Murren von sich gab, das sich fast schon wie eine Drohung anhörte.

Nachdem sie entlassen wurde, legte sich Daphne mehr ins Zeug als jemals zuvor. Diese drei Tage, die sie fast nur durchgeschlafen hatte, hatten ihrem Wohlbefinden insgesamt mehr Gutes getan als ihr geschadet. Auch äußerlich war wieder alles beim Alten. Niemand von uns erwähnte das Gedächtnismittel, vielmehr genossen wir ihr Lachen beim Frühstück, das wir bereits seit geraumer Zeit nicht mehr zu hören bekommen hatten. Nicht, seitdem das mit Montague geschehen war. Allerdings durfte sich Adrian in den darauffolgenden Tagen ununterbrochen zynische Kommentare anhören, vor allem darüber, dass er seinen Kürbissaft in nächster Zeit nicht zu unbeschwert genießen sollte.

Je näher die Prüfungswochen rückten, umso nervöser wurde ich, was sich vehement auf meinen Magen auswirkte. Immer wieder hatte ich das Gefühl, den gesamten Lernstoff vergessen zu haben, konnte mich weder an einzelne Begriffe noch an Zutaten für Zaubertränke oder Verwandlungen erinnern, wenn mich Daphne abfragte. Obwohl ich das schwarze Buch stets bei mir trug, erhielt ich nur selten Nachrichten von dem Unbekannten. Hin und wieder schrieb er, erkundigte sich, ob alles in Ordnung wäre, sprach mir Mut für die bevorstehenden ZAGs zu und mahnte mich zugleich, vorsichtig zu sein – nicht nur Umbridge habe ihre Augen und Ohren überall. Er war mit seinen Nachrichten sehr... zurückhalend, schrieb bloß dann, wann es notwendig war. Zum einen war mir bewusst, dass er mich nicht von meinen Vorbereitungen für die ZAGs ablenken wollte, doch zum anderes war es, als würde er befürchten, jeden Moment auffliegen zu können. Und einmal mehr fragte ich mich, wer er war. Was er zu verlieren hatte, sollte man ihn entdecken. Ob er etwas zu verlieren hatte.

Dann war es so weit. Die letzten beiden Juniwochen waren angebrochen und die ZAGs fanden für alle Fünftklässler statt. Am Morgen des ersten Tages erhielt ich eine Nachricht von ihm.

Du schaffst das. Du hast alles, was du brauchst und noch viel mehr bereits in dir.

Als die Schrift verblasste, fühlte ich das Lächeln auf meinen Lippen und meine Nervosität wurde eine Spur erträglicher. Am selben Morgen noch erhielt ich einen Brief von meinen Eltern, in denen sie mir viel Glück wünschten und dass sie sich bereits auf unsere gemeinsame Sommerzeit freuten. Ich tätschelte Heddas Kopf, als die Eule zu mir sprang und ihren kleinen Körper gegen meinen Brustkorb drückte. Sie war so aufgeweckt und fröhlich, anders als Hallow, der in der Eulerei meistens unter sich war und beobachtete. Meine Eltern kümmerten sich wirklich gut um Hedda und die Sehnsucht nach ihnen fühlte sich in jenem Moment so schwer und doch so willkommen an. Bald schon würde ich sie wieder sehen.

Die Prüfungswoche war grauenvoll. Abends fiel ich stets erschöpft ins Bett, schlief ein, sobald mein Kopf mein Kissen berührte und fühlte mich am nächsten Tag dennoch gerädert. Kräuterkunde war die größte Herausforderung gewesen und nach der Prüfung war mir so übel, dass ich dachte, mich gleich übergeben zu müssen. Von einem Ohnegleichen war ich Welten entfernt, aber bestehen würde ich hoffentlich trotzdem. In Pflege magischer Geschöpfe konnte ich mich an den Unterschied zwischen Igel und einem Knarle, die zwar völlig gleich aussahen, aber ein komplett anderes Verhalten an den Tag legten, nicht erinnern.

„Müsstest du dich nicht bestens mit Igeln auskennen? Halten sich Muggel so etwas nicht in ihren Gärten?" hatte Daphne nach der Prüfung gefragt, doch ich hatte nicht die Energie gehabt, ihr zu erklären, dass Igel keine Haustiere waren und fragte mich zugleich, wie sie diese Frage beantwortet hatte.

Verteidigung gegen die dunklen Künste verlief hingegen hervorragend. Meine Prüferin war Professor Griselda Marchbanks, ein Mitglied der Prüfungskommission gemeinsam mit Professor Tofty. Sie war sehr alt, vermutlich älter als Dumbledore selbst und hörte bereits etwas schlechter, weshalb sie stets sehr laut sprach. Sie machte sich ununterbrochen mit ihren zittrigen Händen Notizen auf ihrem Brett und ihr Lächeln wurde nach jedem ausgeführten Zauber um eine Spur breiter, wie mir vorkam.

„Wirklich ausgezeichnet, Miss Hastings. So präzise und hervorragend ausgeführte Zauber habe ich schon seit---" sie presste ihre dunkel geschminkten Lippen aufeinander, nachdenklich die Augen verengt. „Seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen." sagte sie. Die erste Prüfung, von der ich überzeugt war, dass sie gut verlaufen war. Immerhin etwas.

Doch am meisten fürchtete ich Verwandlung. Der Unbekannte hatte mir in den Wochen zuvor sehr geholfen, ohne ihn hätte ich viele Verwandlungszauber nie auf dieselbe Art und Weise und schon gar nicht in diesem Tempo meistern können. Seine Erklärungen waren so präzise gewesen und doch so einfach und verständlich. Am Morgen, an dem die Prüfung stattfand, lief ich nervös im Mädchenschlafsaal auf und ab, sagte mir alle Zauber auf, an die ich mich erinnern konnte, ahmte mit meiner Hand die genaue Zauberstabbewegung nach, wenn ich nicht gerade meine Schläfen rieb.

„Hör auf damit." grummelte Daphne, die sich neben mir ihren Umhang überzog. „Du machst mich auch ganz nervös."

„Entschuldige, es ist bloß---"

Etwas angenehm Warmes strahlte gegen meine Brust, ausgehend von meiner Innentasche.

Sie drehte sich um, ihren Umhang glattstreifend und ihr Haar mit einer Spange befestigend. Ihre Augenbrauen wanderten in die Höhe, als ich nicht weitersprach. „Einschüchternd? Besorgniserregend?" vollendete sie den Satz für mich und ich nickte. „Ich weiß. Vor allem, wenn man bedenkt, dass du unsere gesamte Zukunft davon abhängt. Ich sag's ja nur." Dann seufzte sie. „Aber es sind nur mehr ein paar Tage und dann haben wir es hinter uns."

„Habe ich etwas verpasst, oder seit wann haben wir Rollen getauscht?" lachte ich, doch da sah ich bereits ihr angespanntes Grinsen.

„Ich versuche hier ausnahmsweise..." Sie streckte einen Finger in die Höhe „... im Gegensatz zu dir einen kühlen Kopf zu bewahren, sonst bekomme ich wieder keinen Bissen beim Frühstück hinunter und ich brauche mein Essen. Du darfst mich später trösten." Ein gedehntes Seufzen folgte. „Na komm, lass es uns hinter uns bringen."

Nach wenigen Schritten machte ich halt. „Ich komme gleich nach."

Sie blieb unter dem Türrahmen stehen, über die Schulter zu mir blickend. „Du machst dich damit nur noch nervöser, glaub mir."

„Du hast recht. Aber ich muss noch kurz etwas erledigen."

Daphne nickte, bevor sie den Mädchenschlafsaal verließ und sich die Tür hinter ihr schloss.

Einige Sekunden verstrichen, in denen ich bloß lauschte, ob auch niemand mehr vor dem Mädchenschlafsaal stand, ehe ich das schwarze Buch vorsichtig hervorzog. Es wunderte mich, dass er mir schrieb, vor allem so früh.

Denk daran: Du kannst das.

Ein leichtes Lächeln erschien auf meinen Lippen, als plötzlich unter den geschriebenen Worten ein feiner Bleistiftstrich nach dem anderen erschien, als würde er jetzt gerade in das Buch... zeichnen? Die Linien nahmen immer mehr Kontur an. Zunächst erkannte ich den Körper eines jungen Mädchens, ihr langes, leicht gewelltes Haar, ihre Hand, die einen Zauberstab hielt. Und als rund um dessen Spitze kleine Funken erschienen, wusste ich, dass er mich gemalt hatte. Wie ich zauberte.

(Link zum Bild)

Mein Herz schlug kräftig gegen meinen Brustkorb. Die Zeichnung war simpel und doch konnte ich meinen Blick nicht davon nehmen. Erst als die feinen Linien schwächer wurden und schließlich im Weiß des Papieres versickerten, wagte ich es zu blinzeln. Noch nie war ich trauriger darüber gewesen, dass diese Nachrichten nicht von Dauer waren.

Du kannst zeichnen?

Seine Worte erschienen nur wenige Sekunden später.

Ich würde nicht so weit gehen und es als Zeichnen bezeichnen.

Es war fast schon so, als könnte ich ihn durch die Worte hindurch lachen hören.

Aber ich hoffe, das Bild hat dir gefallen.

Die Schrift war noch nicht zur Gänze verblasst, als ich eilig niederschrieb.

Hat es. Sehr sogar.
Danke.

Geh. Zeig ihnen, was du gelernt hast.

Ich atmete tief ein. Die Luft in meine Lungen fühlte sich so frisch, so belebend an. Das würde ich. Behutsam gab ich das Buch zurück in meine Innentasche, packte meine Sachen und machte mich auf den Weg.

Verwandlung lief gut. Nicht perfekt, aber gut. Beinahe hätte ich einen falschen Zauber angewendet, um eine große Echse verschwinden zu lassen, konnte mich aber in letzter Sekunde noch an die Ausführungen des Unbekannten erinnern, sodass auch dort der Großteil glatt lief, genauso wie in den restlichen Fächern. Bei der Astronomieprüfung, die nachts stattfand und man verschiedene Gestirne eintragen musste, war ich mir bei der Position zweier Gestirne unsicher. Ein lautes Gähnen überkam mich, als ich nochmals fieberhaft zu überlegen versuchte, doch mein Kopf qualmte nach all den langen Prüfungstagen und ich war zu müde, um noch etwas aus den dunklen Ecken meines Kopfes hervorzukramen. Nachdenklich presste ich die Feder gegen meine Stirn, fühlte die Tinte daran und rubbelte anschließend an dem schwarzen Fleck auf meiner Haut. Genau in jenem Moment erregten einige dunkle Gestalten in meinem Augenwinkel meine Aufmerksamkeit. Ich hielt inne. Meine Hand mit der Feder sank. Unter den dunklen Gestalten befand sich auch Umbridge, wie ich mit zusammengekniffenen Augen ausmachen konnte. Sie eilten in Richtung Hagrids Hütte, aus dessen Fenstern heller Kerzenschein leuchtete. Wenig später öffnete sich die Tür und die Gestalten traten nacheinander ein. Meine Brauen zogen sich zusammen, spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Positionen dieser zwei Gestirne, oder vielmehr die Gestirne im Allgemeinen vergessen. Genauso wie den dunklen Tintenfleck an meiner Stirn. Ich reckte meinen Kopf, um besser sehen zu können. Zu meiner rechten bemerkte ich, dass auch Harry, Ron und Hermine die nächtlichen Besucher entdeckt hatten.

Weshalb suchte man Hagrid ausgerechnet zu dieser Zeit in seiner Hütte auf? Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gedacht, fegte ein lauter Knall über die Geländer Hogwarts. Auch die restlichen Schüler auf dem Astronomieturm sahen überrascht auf, wandten sich dem Geschehen zu. Ein leises Murmeln machte sich breit. Irgendetwas stimmte hier nicht.

Es folgte ein weiterer lauter Knall. Hermine neben mir zog scharf die Luft ein. Hagrid stürmte gemeinsam mit Fang aus seiner Hütte, schlug wild mit seinen Fäusten um sich, umringt von fünf Personen, die allesamt versuchten, ihn mit Schockzaubern zu betäuben.

Ich stürzte zu dem Geländer, mein Stuhl kippte beinahe nach hinten. Ich beugte mich weit darüber. Meine Haare flatterten im Wind, während ich mit weit aufgerissenen Augen beobachtete, was dort unten geschah.

„Zum Teufel mit vernünftig, so einfach kriegst du mich nicht, Dawlish!" brüllte Hagrid so laut, dass wir jedes einzelne Wort hier oben verstehen konnten.

Hagrid versetzte seinen Angreifern einige mächtige Hiebe. Eine Gestalt taumelte zurück. Fang, der sich hinter Hagrid zu verstecken versuchte, wurde von einem Schockzauber getroffen und blieb betäubt liegen.

Die Umrisse von McGonagall wurden sichtbar, die aus Richtung des Schlosses angelaufen kam. „Lassen Sie ihn in Ruhe! Mit welchem Recht greifen Sie ihn an? Er hat nichts getan, nichts, was rechtfertigen würde----"

Ich schnappte nach Luft, während ich hörte, wie Hermine und eine andere Gryffindor aufschrien. Die Gestalten drehten sich zu McGonagall um und feuerten mindestens vier Schockzauber gleichzeitig auf sie ab, die sie mitten in die Brust trafen. Sie kippte einfach um, wie ein Dominostein, dem man einen leichten Stoß verpasst hatte.

Professor Tofty, der uns beaufsichtigte, rief entsetzt: „Würgende Wasserspeier! Ohne jede Vorwarnung! Was für ein empörendes Verhalten!"

Hagrid brüllte weiterhin wie wild herum, schlug um sich, während Umbridge schrille Stimme über die Geländer Hogwarts gellte. „PACKT IHN! PACKT IHN!"

Doch niemand von ihnen wagte es mehr, ihm näherzukommen. Da nahm Hagrid den am Boden liegenden Fang und begann zu laufen, schneller, als ich ihm jemals zugemutet hatte, und verschwand in der Dunkelheit.

Nach diesem Ereignis sprach niemand ein Wort. Ich kehrte zu meinem Tisch zurück, zerknitterte gedankenverloren das Papier vor mir. Wir hatten nur mehr fünf Minuten, um unsere Prüfung zu vervollständigen, doch ich schaffte es nicht wieder mich zu konzentrieren, vergaß auf die zwei Gestirne, während sich die eben gesehene Szene wieder vor meinen Augen abspielte.

Offenbar hatte sich Umbridge dazu entschieden, Hagrid nun wirklich zu entlassen. Was wurde nun aus Grawp? War Hagrid zu ihm gelaufen? Wer würde sich um ihn kümmern? Ein flaues Gefühl machte sich in meiner Magengegend bemerkbar und mein Blick legte sich auf Harry, der wenige Reihen vor mir saß. Er starrte gedankenverloren in Richtung Hagrids Hütte. Was auch immer die Antworten auf diese Fragen sein mochten, sie mussten warten. Die ZAGs waren noch nicht zur Gänze vorbei.

Nach einer unruhigen Nacht trat ich zu der letzten Prüfung an. Geschichte der Zauberei. Die Fragen waren nicht allzu schwierig, weshalb es mir einfach fiel sie zu beantworten.

Als ich mehr als die Hälfte der Fragen auf der letzten Seite beantwortet hatte, zuckte ich plötzlich heftig zusammen. Meine Feder glitt mir aus den Fingern und mein Herz machte einen unangenehmen Salto. Harry war schreiend auf den Boden gefallen. Professor Tofty kam zu ihm geeilt, half ihm hoch und begleitete ihn aus der großen Halle, wo wir unsere ZAGs schrieben. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, während sein Gesicht glühte. Als auch ich mich umdrehte, um nach ihm zu sehen, sah ich sie: Die Angst in seinen Augen und seine Hand, die an seine Narbe gewandert war. Und da wusste ich, dass etwas passiert sein musste. Nachdem die Prüfung ungefähr 15 Minuten später zu Ende war, schloss ich mich Hermine und Ron an, die regelrecht nach draußen stürmten und nach Harry suchten. Wenig später fanden wir ihn am Fuße der Marmortreppe, die hinauf in den ersten Stock führte. Er kam uns entgegengelaufen.

„Harry, was ist passiert? Ist alles in Ordnung? Bist du krank?" platzte es aus Hermine hervor, einen verängstigten Ausdruck auf ihrem Gesicht wahrend.

„Wo warst du?" fragte Ron.

„Kommt mit!" sagte er eilig, keine Zeit verschwendend, eine unserer Fragen zu beantworten. Er führte uns in ein leeres Klassenzimmer.

Harry sah völlig aufgelöst aus. Sein Haar war zerzauster als sonst und eine Unruhe hatte Besitz von ihm ergriffen, die meinen ganzen Körper zum Versteifen veranlasste.

„Voldemort hat Sirius." sagte er, völlig außer Atem. „Ich habe es gesehen. Gerade eben. Als ich in der Prüfung eingeschlafen bin."

„Was?" quickte ich erschrocken auf.

„Aber – aber wo? Wie?" fragte Hermine und die Farbe wich allmählich aus ihrem Gesicht, genauso wie aus meinem.

„Ich weiß nicht wie, aber ich weiß, wo er sich befindet." Harry lief nervös auf und ab. „In der Mysteriumsabteilung gibt es einen Raum voller Regale, die mit diesen kleinen Glaskugeln vollgestellt sind. Sie sind am Ende von Reihe siebenundneunzig. Er will Sirius benutzen, damit er ihm holt, was auch immer er von dort haben will. Er foltert ihn, er---" Seine Stimme zitterte. „Er hat gesagt, er würde ihn töten."

Mein Herz hämmerte wie wild gegen meinen Brustkorb. Gerade eben hatte ich noch den Gedanken verfolgt, nun endlich ruhig in die Sommerferien starten zu können, jetzt wo die Prüfungen hinter uns lagen. Dass endlich etwas Ruhe einkehren würde, dass ich bald schon meine Eltern sehen würde. Und nun sollte Voldemort Sirius haben und ihn womöglich töten?

Ich konnte nicht zulassen, dass noch jemand starb, nur weil ich... nur weil ich nicht rechtzeitig handelte. Ich würde nicht noch einmal denselben Fehler begehen. Und Sirius... ich hatte noch so viele Fragen an ihn. Er kannte meine Mutter. Er wusste, wer sie war. Vielleicht wusste er auch, wer ich war. Ich musste ihm diese Fragen einfach stellen. Ich musste.

„Wir müssen ihm helfen. Jetzt." sagte ich.

„Wie kommen wir zur Mysteriumsabteilung, um Sirius zu retten?" fragte Harry Hermine.

„Harry. Wie-wie ist Voldemort ins Zaubereiministerium gelangt, ohne dass ihn jemand bemerkt hat?"

„Woher soll ich das wissen? Die Frage ist, wie kommen wir dort rein!" sagte Harry viel zu laut.

„Aber Harry, überleg doch mal. Es ist fünf Uhr nachmittags. Das Zaubereiministerium muss voller Angestellter sein. Wie hätten Voldemort und Sirius reinkommen sollen, ohne dass man sie gesehen hätte? Sie sind wahrscheinlich die beiden meistgesuchten Zauberer der Welt, denkst du, die schaffen es, unentdeckt in ein Gebäude reinzukommen, das voller Auroren ist?"

„Keine Ahnung, vielleicht hat Voldemort einen Tarnumhang benutzt! Jedenfalls war die Mysteriumsabteilung immer vollkommen ausgestorben, wenn ich---"

„Du warst nie dort, Harry. Du hast davon geträumt, das ist alles." wollte Hermine ihn beschwichtigen, doch machte damit alles nur noch schlimmer. Ihre Worte klangen plausibel. Doch für Harry, der fest davon überzeugt war, dass Sirius in ernsthafter Gefahr schwebte, tickte die Uhr. Genauso wie für mich.

„Das sind keine normalen Träume!" schrie er, seine Arme zitterten.

„Harry hat auch die Attacke auf Rons Dad gesehen, oder nicht? Woher sollte er wissen, was mit ihm passiert war?" Ich trat einen Schritt nach vorne, deutete auf die Tür. „Wir müssen gehen. Jetzt."

„Sie hat Recht." sagte Ron.

Doch auch Hermine hatte nicht ganz Unrecht, wie ich zugeben musste. Es war tatsächlich unwahrscheinlich, dass Voldemort tatsächlich Sirius in seiner Gewalt hatte. Immerhin war er für gewöhnlich im Hauptquartier des Ordens und wie sollte Voldemort ihn dann gefunden haben?

„Wir können es nicht riskieren." sagte ich und eine seltsame Stille legte sich über uns. „Wir können nicht riskieren, dass Voldemort Sirius womöglich tatsächlich hat und ihn tötet. Wir können es einfach nicht---"

Die Tür des Klassenzimmers öffnete sich und das neugierige Gesicht von Ginny kam zum Vorschein, gefolgt von dem von Luna Lovegood. „Hi." sagte Ginny. „Wir haben eure Stimmen draußen gehört. Warum schreit ihr so herum?"

Ich verstummte, zögerte, blickte zu den anderen, die sie in alles einweihten, sobald die Türe hinter ihnen ins Schloss gefallen war.

„Wir müssen herausfinden, ob Sirius tatsächlich das Hauptquartier verlassen hat." sagte Hermine nach einem kurzen Moment des Schweigens.

„Ich habe dir doch gesagt, ich habe gesehen---"

„Harry, bitte. Ich flehe dich an!" Hermine schien der Verzweiflung nahe. „Bitte lass uns einfach nachsehen, ob Sirius nicht doch zu Hause ist, bevor wir uns nach London aufmachen. Wenn wir rausfinden, dass er nicht da ist, dann schwöre ich, dass ich nicht versuche dich aufzuhalten." Ihre Nasenflügel plusterten sich entschlossen auf. „Dann komme ich auch mit, ich tu alles, was nötig ist, um ihn zu retten."

„Sirius wird aber jetzt gefoltert! Wir dürfen keine Zeit verschwenden!" Harrys Augen funkelten.

„Aber wenn es eine Täuschung von Voldemort ist... wir müssen das unbedingt klären, Harry. Bitte."

„Wenn es eine Täuschung ist, Harry, dann sterben wir womöglich alle." Mein Kopf ratterte. Ich wollte nichts sehnlicher, als loszustürmen, geradewegs ins Ministerium. Alles hinter mir lassen und retten, was noch gerettet werden konnte. Wofür es noch nicht zu spät war. Doch ein leiser, vernünftiger Teil in meinem Hinterkopf flüsterte, dass Hermine recht hatte. „Was wird dann aus Sirius werden?" fügte ich leise hinzu, blickte erstmals auf. Etwas huschte über seine Gesichtszüge, als sich unsere Blicke trafen. „Doch nur unter einer Bedingung." Ich wandte mich an Hermine. „Wir müssen es jetzt überprüfen."

„Und wie?" fragte Ron.

Hermine atmete tief ein. „Wir müssen Umbridges Kamin benutzen und sehen, ob wir Kontakt zu ihm aufnehmen können."

Die anderen, einschließlich mir, stimmten zu und Hermine verkündete ihren Plan, wie wir das anstellen sollten. Als sie geendet hatte, seufzte ich auf.

„Weißt du was, Hermine? Das ist die dämlichste Idee, die du je hattest." Ich stieß die Luft durch die Nase aus. „Ich bin dabei. Los."

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