Explosiv
Chester hatte sich mit einem Workout die Zeit vertrieben, weil er nicht hatte schlafen können. Er hatte sich die ganze Nacht nur hin und her gewälzt, aber kaum aufgestanden, war er dazu übergegangen, hin und her zu tigern, weil seine Gedanken immer noch unaufhörlich um Mairi kreisten. Sie hatte ihm den Laufpass gegeben und sich doch am nächsten Abend geopfert, damit er Zeit hatte zu verschwinden. Er schuldete ihr etwas und wenn sie sich zwischen diese MI5 Agenten und ihn warf, dann hatte sie sicherlich guten Grund dazu. Einen Grund, dem sie nun selbst ins Auge sehen musste, weil sie sie statt ihn mitgenommen hatten. Hatte sie nicht gesagt, dass sie ihn sicher im dunkelsten Keller schmoren lassen würden, ohne Aussicht darauf, dort wieder raus zu kommen? Was taten sie dort? Folterten sie ihre Gefangenen, um an Informationen zu kommen? Es war nicht abwegig, auch wenn es in einem zivilisierten Land wie England verboten war, hatte er doch schon von den Praktiken mancher Geheimdienstagenten gehört. Es waren solche mit sadistischen Adern oder einfach einem guten Draht zu den obersten des Landes, die ihnen den Rücken deckten oder selbst um Aufklärung mit allen nötigen Mitteln baten. Alles im Fall Kyle Byrne würde wohl ein solches Verhalten rechtfertigen. Es war kein Geheimnis, dass das Gesetz ihn lieber gestern als heute vor Gericht und in einer Zelle verschwinden sehen wollte, damit er aufhörte, sein Geld mit Straßenverkäufen von Drogen und Waffen zu verdienen. Aber wer es objektiv betrachtete, der wusste, wenn Byrne es nicht tat, dann würde es jemand anders tun.
Dennoch mussten sie sich erhofft haben, dass sie mit Ches jemanden in die Finger kriegen würden, der unter Folter auspacken und alles verraten würde. Was taten sie Mairi nur an? Sie wusste nichts und konnte noch dazu so furchtbar stur sein. Würden sie ihr glauben und sie irgendwann in Ruhe lassen oder würden sie sie bis zum Tod quälen und es nachher wie einen Unfall aussehen lassen?
Er hatte schließlich seine trüben Gedanken nicht mehr ausgehalten und hatte Kyle am Morgen in seinem Haus aufgesucht, um ihn zu bitten, Mairi aus dem Knast zu holen. Er konnte die Sache nicht guten Gewissens aussitzen, bis sie sie von selbst gehen ließen, wenn sie sie denn gehen lassen würden. Sie war dort, weil sie sich für ihn geopfert hatte.
Kyle hatte ihm versprochen, sich darum zu kümmern und zu telefonieren. Danach hatte Ches sich mit Joggen abzulenken versucht, dann Liegestütze bis seine Arme zu zittern begannen und nun waren es Sit-ups.
Er sah Kyle auf dem Balkon auftauchen und unterbrach sofort seine Übung und sprang auf, um zu ihm aufzusehen. Byrne telefonierte, legte aber genau in dem Moment auf.
"Ist sie wieder draußen?", fragte Ches hoffnungsvoll.
"Hat gerade das Gebäude verlassen", antwortete Kyle ihm lächelnd und kam über die lange Außentreppe in den Garten hinunter."Sie scheint sich bester Gesundheit zu erfreuen. Deine Sorgen waren also unbegründet."
"Gut", seufzte Ches erleichtert."Danke, Kyle."
"Nichts zu danken. Es war dein Geld. Ich bin nur der Bote gewesen", erwiderte er schulterzuckend und bedeutete ihm, ihm zu folgen."Bruno wird sie zwei Straßen weiter aufsammeln und nach Hause bringen", warf er dann noch ein, was Ches mit einem Nicken zur Kenntnis nahm. Er hasste es, einen Gefallen einfordern zu müssen und vermied es daher weitestgehend. Doch dieses Mal war ihm keine andere Wahl geblieben."Was ist an ihr so besonders, Ches?", fragte Byrne seinen Freund dann, als sie ein paar Meter gegangen waren und schaute Chester erwartungsvoll an, der die Röte niederkämpfte, die sich auf seinen Wangen zu bilden begann. Doch was sollte es? Er konnte es nicht länger verbergen. Dann konnte er auch ehrlich sein, in der Hoffnung, dass seine Loyalität und Freundschaft zu Kyle, Mairi einen gewissen Schutz bieten würde.
"Ihr großes Herz", sagte er dann schulterzuckend, bevor er ein Schmunzeln nicht verbergen konnte."Und sie hat Feuer im Blut." Das brachte Byrne immerhin zum Lachen.
"Oh ja, das hat sie wirklich", stimmte er ihm amüsiert zu, daran denkend, wie sie Oliver stets begegnete und selbst Bruno hatte ihr keine Angst eingejagt. Wäre sie nicht so viel jünger als er, er hätte sicherlich mit Ches versucht um sie zu konkurrieren."Also hast du jemanden gefunden, mit dem du dich niederlassen willst?", fragte er dann neckend nach und war ein wenig überrascht seinen Freund tief Luft holen zu sehen, mehr noch aber über dessen Enttäuschung, die er gerade nicht verbergen konnte.
"Wohl kaum. Sie hat von der Wette erfahren. All meine Chancen sind dahin, wenn ich überhaupt welche hatte", murmelte Chester resignierend und ließ sich auf eine Bank am Rande des Grundstücks sinken, um seine Ellenbogen auf seinen Knien aufzustützen und sich frustriert mit den Händen in die Haare zu fahren.
"Ich hab gesehen, wie sie dich ansieht, Ches. Jeder hat das. Wenn nicht du, dann kann diese Frau niemand erobern", sprach er Ches Mut zu und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. "Hast du dich mit Vivi gestern noch gut getröstet?", fragte er ihn dann, um ihn von seinem vermeintlichen Liebeskummer abzulenken, doch Chesters Verwirrung überraschte ihn erneut, als der zu ihm aufsah.
"Wieso sollte ich das? Sie ist mir seit ihrer Messerattacke auf Mairi nicht mehr zu nahe gekommen", stellte er nur verwirrt fest und zuckte zusammen, als Kyles Augen sich bedrohlich verengten. Shit, er hatte ganz vergessen, dass er Kyle gar nichts davon erzählt hatte.
"Was?!", hakte Kyle auch sofort nach und seine Tonlage ließ keinen Zweifel daran, dass Chester nicht drumherum kommen würde, ihm alles zu erzählen. Also tat er es, wenn auch nur widerwillig.
"Ich wusste ja schon immer, dass Vivi nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, aber selbst sie müsste doch begriffen haben, dass du...was immer das mit euch war, beendet hast. Ob sie dachte, sie könnte dich zurück kriegen, nachdem Mairi aus dem Weg war?", überlegte Byrne dann laut.
"Zuzutrauen wäre ihr das, aber sie hat sich seitdem von mir fern gehalten und ich bin nicht böse darum", stellte Ches schulterzuckend fest.
"Vielleicht hat sie es auch anders gemeint, als ich es verstanden hatte", überlegte Kyle nun laut und rieb sich nachdenklich das Kinn. Er wusste um Vivis Vergangenheit. In der Schule war sie noch ein Streber gewesen und hatte eine Ausbildung als Pyrotechnikerin angefangen, war dann aber unter dem Druck und Lernstress an Drogen geraten und rausgeworfen worden. Seitdem verdiente sie sich ihre Brötchen mit ihrem Körper. Erst am Strich, später als Tänzerin in seinem Club. Er wachte aus seinen Gedanken auf, als er Ches' fragenden Blick auf sich spürte."Sie hat sich gestern nach der Razzia frei genommen, weil sie sich darum kümmern wollte, dass du in Sicherheit bist", erzählte er Ches, was Vivi zu ihm gesagt hatte und begriff erst jetzt, dass sie das auch anders gemeint haben könnte. Nach der Messerattacke auf Mairi wäre ihr auch ein weiteres Attentat zuzutrauen."Komm mit!", forderte er Ches dann auf, ging zügig zur Garage hinüber und öffnete sie schon im Herannahen mit der Fernbedienung in seiner Tasche. Er zog einen der Schlüssel vom Brett an der Wand und sprang, dicht gefolgt von Chester, in einen Porsche, dessen Räder nur wenige Sekunden darauf aufquietschten, als er losfuhr.
"Was ist los, Kyle?", fragte Chester seinen Boss verwirrt, als der auf die Straße nach Newtown fuhr wie ein Irrer.
"Hast du dir jemals Vivis Personalakte angesehen?", fragte er Ches nur und ließ den Blick konzentriert auf der Straße.
"Klar. Warum?", fragte er ihn dann. Er erkannte die Zusammenhänge immer noch nicht, bis ihm wieder einfiel, was darin stand.
"Glaubst du etwa...?" Er brach ab, weil es einfach zu verrückt war, um wahr zu sein. Das würde Vivi doch nicht wirklich tun, oder?
"Ronald hat mir erzählt, dass sie in den letzten Tagen immer eine Tasche mitgebracht hat, die sie sonst nie dabei hatte und sie war in ihren Pausen zuletzt auch wenig in der Halle selbst zu sehen, oder?!", stieß Kyle Ches auf das Offensichtliche, als sie auch schon am Club ankamen und Byrne auf Höhe der Nebeneingangstür anhielt. Chester sprang sofort aus dem Auto und holte seinen Schlüssel aus der Tasche, um die Tür aufzuschließen. Er rannte zu dem Raum, den Vivi sich mit einer Kollegin teilte, um sich darin umzuziehen und für Auftritte zu schminken. Die Kollegin hatte gerade Urlaub und Chester war nach dem, was er gerade gehört hatte, wenig überrascht, dass der Raum verschlossen war.
Nackte Panik zog ihm die Brust zusammen und er überlegte nicht lange und trat die Tür mit einem einzigen Tritt ein.
"Fuck, was ist das für ein Zeug?", keuchte er verwirrt, als er, gefolgt von Kyle, zu Vivis Schminktisch hinüberlief und die Schubladen herauszog, nachdem er sonst nichts hatte entdecken können. Die Schublade allerdings war vollgestopft mit irgendwelchen Plastikhülsen, einem auseinandergebauten Wecker und einer Rolle mit einem Faden, der wie eine Zündschnur von einem Silvesterböller aussah.
"Vivi hat mal erzählt, dass sie aus Jux kleine Bomben gebaut hat, um ihre Lehrer zu erschrecken. Ich habe mir von ihr auch zwei Mal eine mit Bewegungssensor und Zeitzünder bauen lassen. Sie ging wie geplant 10 Minuten, nachdem die Zielobjekte die Wohnung betreten hatten, hoch", erklärte Kyle ihm nun, als wäre es das normalste der Welt, andere Menschen in die Luft zu jagen und Chester wusste einen Moment nicht ob er mehr überrascht darüber war, dass er es ihm als seinen Anwalt erzählte oder weil er so etwas wirklich getan hatte. Aber für moralische Fragen fehlte Ihnen nun wirklich die Zeit.
"Was glaubst du, wo die Bombe ist? An Mairis Arbeitsplatz?", sprang Ches nun auf das eigentliche Thema an, der sich sehr gut vorstellen konnte, was Byrne sich ausgedacht hatte und Vivi Mairi wirklich aus dem Weg schaffen wollte.
"Nein, Zu viele Zeugen und Leute, die den Sensor aktivieren können, bevor sie selbst eintrifft", stellte er nachdenklich fest, als er die Schublade durchwühlte und schnell auf ein Blatt Papier stieß, auf dem eine Adresse notiert war."Hier ist sie", stellte er dann fest und gab Chester den Zettel, der sofort blass wurde.
"Das ist Mairis Wohnung", keuchte er erschrocken und fragte sich noch während er zum Handy griff, ob Vivi ihr an einem Abend gefolgt sein könnte, um das herauszufinden, so wie er es am ersten Abend getan hatte. Schnell wählte er Mairis Nummer, die er eingespeichert hatte, froh das er sich die in der einen Nacht bei ihr heimlich beschafft hatte."Sie geht nicht an ihr Handy und sie könnte jederzeit dort eintreffen", wandte er sich Kyle wieder zu und Chester zog sich aus Angst die Kehle zu.
"Warte", stellte Byrne nur fest und telefonierte selbst. Es dauerte nicht lange, bis jemand den Anruf annahm und er fragen konnte, wo Mairi war. Die Antwort, die er erhielt gefiel ihm weniger und Chester probierte es gleich nochmal Mairi anzurufen, als er den Ausdruck im Gesicht seines Bosses und Freundes sah - wieder ohne Erfolg.
"Bruno hat sie schon abgesetzt und ist auf dem Weg nach Hause in einen Stau auf der Hauptstraße geraten. Ein Unfall blockiert die ganze Straße. Er kann nicht zurück", erklärte Byrne ihm nun und Ches fluchte leise, ehe er das Handy wieder wegsteckte.
"Sie geht immer noch nicht an ihr Handy. Ich muss dahin", erwiderte er ihm fest entschlossen, Mairi zu helfen, in der Hoffnung, dass Vivi den Zeitzünder so eingestellt hatte, dass er es noch rechtzeitig schaffen konnte.
"Du kannst nicht dorthin. Die Bullen haben jetzt ein Gesicht zu deinem Namen. Das MI5 sucht dich. Probier es weiter. Wenn Vivi einen Zeitzünder mit Sensor verbaut hat, haben wir noch etwas Zeit. Das heißt, die Bombe wird erst nach einer von ihr vorgegebenen Zeit hochgehen, nachdem sie scharf gemacht wird", hielt Byrne ihn zurück und packte ihn am Arm. Ches Kopf drohte zu explodieren, während seine Gedanken, wie er Mairi schnellstmöglich warnen könnte, mit erschreckenden Bildern ablösen, in denen sie von einer Bombe getötet wurde, die sie im Prinzip nur ihm und seinem üblen Frauengeschmack zu verdanken hatte.
"Aber das kann schon passieren, nur indem sie ihre Wohnung betritt", erinnerte Ches Kyle verzweifelt daran, dass die Bombe schon längst scharfen sein und die Zeit ihnen davonlaufen könnte.
"Ich ruf die Polizei an und gebe ihnen einen Tipp. Versuch weiter sie zu erreichen!", forderte er Ches auf, wählte und hielt sich das Telefon ans Ohr, ehe er Ches bedeutete, ihm zu folgen, der das selbe tat und ein weiteres Mal versuchte Mairi anzurufen. Vergebens.
Verdammt! Hatte sie ihr Handy irgendwo liegen lassen oder einfach nur lautlos? Aber in letzterem Fall musste sie doch irgendwann einmal darauf schauen, oder?
Chester rief direkt ein viertes Mal an, während sie den Club wieder verließen und wieder in Byrnes Auto einstiegen, doch Mairi ging wieder nicht ans Telefon. Also schrieb er ihr schnell eine Nachricht und versuchte es weiter, während Kyle sich einen Weg durch die engen Hintergassen bahnte, um den Stau auf der Hauptstraße zu vermeiden und dennoch Mairis Wohnung irgendwie zu erreichen. Am besten noch rechtzeitig.
Chester konnte nicht sagen, wie oft er noch versuchte, sie anzurufen, bis Kyle das Auto nach knapp 8 Minuten in einer Seitenstraße schräg gegenüber des Hauses stoppte, in dem Mairis Wohnung war.
Die Straße war leer, bis auf das Polizeiauto, dass gerade mit Sirenengeheul vor dem Haus anhielt und aus dem sofort zwei Polizisten heraus sprangen, die der anonymen Bombenwarnung durch Byrne nachgehen wollten.
Chester kämpfte mit sich, ob er aussteigen oder abwarten sollte. Es war ihm niemals so schwer gefallen, sich darauf zu verlassen, dass Polizisten jemanden retteten. Alles in ihm schrie danach, Mairi zu Hilfe zu kommen.
Die Polizisten hatten gerade die Haustür erreicht und eine Klingel gedrückt, als sie sich duckten und hinter ihrem Auto Schutz suchten, weil eine Explosion Mairis Wohnung im Obergeschoss erschütterte, die Fenster bersten ließ und Feuersäulen und Rauchschwaden nach außen gestoßen würden.
Chester und Byrne zuckten zusammen, bevor Ches ungläubig zu der Wohnung hinauf starrte.
"Nein, nein, nein", keuchte Chester immer wieder fassungslos und wollte nun wirklich aussteigen, doch Kyle zog ihn hart an der Schulter zurück und wandte ihn barsch zu sich herum.
"Ches, da wimmelt es vor Bullen. Komm zur Vernunft! Du kannst nichts mehr für sie tun!", fuhr er seinen Freund an, der vollkommen neben sich stand.
Seine Augen wanderten zurück zu dem Inferno, in dass sich die Wohnung verwandelt hatte. Seine Kehle und sein Magen zogen sich zusammen. Ihm wurde plötzlich speiübel, während er das Gefühl hatte, dass ihm jemand ein Messer ins Herz stieß. Tränen versuchten sich Bahn zu brechen, während Kyles letzte Worte immer wieder durch seinen Kopf halten, der plötzlich wie leer gefegt war.
Er nahm noch wahr, wie die Feuerwehr von Newtown anrückte, als Kyle los fuhr, um Ches hier wegzubringen und ihm den weiteren Anblick zu ersparen, wie sie nach dem Löschen des Brandes die Körperteile, die sie hatten finden können, in einem Leichensack rauskriegen würden, um sie der Gerichtsmedizin zu übergeben. Er kannte es zu gut.
Dennoch rief er Bruno an und befahl ihm, zu der Wohnung zurückzukehren, sobald er konnte und sich davon zu überzeugen, ob Mairi wirklich der Explosion zum Opfer gefallen war. Er konnte nicht sagen, wie vielen Feuerwehrfahrzeugen sie begegnet waren auf ihrem Weg aus der Stadt raus, aber das Letzte fiel ihm ins Auge, weil man diese Art an Feuerwehrfahrzeugen eigentlich nur auf Flughäfen sah und dem ein kleineres Fahrzeug mit Tank am Heck folgte.
Er warf Ches einen Blick zu, der immer noch wie unter Schock neben ihm saß, sein Blick geradeaus ins Leere starrend, seine Hände zitternd.
Verwirrt darüber, dass es seinen Freund so sehr mitnahm eine Frau zu verlieren, die er erst seit etwas über einer Woche kannte, aber dennoch voller Mitgefühl, bog er auf den Schotterweg ein, der zu seinem Landsitz führte, um Ches die Ruhe zu geben, die er jetzt erst einmal brauchen würde, um sich von dem Schlag zu erholen.
Kurz vor der Explosion:
Mairi nahm aus den Augenwinkeln wahr, dass das Display ihres Handys leuchtete, als sie sich gerade nach dem Duschen das Shirt übergezogen hatte. Verwirrt ging sie zu dem Telefon, dem sie bisher keine Beachtung geschenkt hatte, zumal es ständig auf lautlos war, weil sie eh niemand darauf anrief. Sie nahm es in die Hand und sah 8 Anrufe darauf und eine Nachricht von derselben Nummer. Irritiert öffnete sie die Nachricht und erstarrte.
>BOMBE IN DEINER WOHNUNG!<
Intuitiv tat sie das Einzige, was ihr in den Kopf schoss und rannte zurück ins Bad. Sie nahm noch ein Zischen wahr, während sie in die Badewanne sprang und sich die Arme über den Kopf legte, als eine Erschütterung sie erfasste und es einen Moment sengend heiß und gleißend grell um sie herum wurde. Dann wurde alles schwarz.
Ein stetiges Rauschen drang an ihre Ohren, ein Rauschen, dass einem Takt zu folgen schien, wie ein Herzschlag, nur dauerte jeder einzelne Schlag länger, als würde er in die Länge gezogen werden. Sie konzentrierte sich auf das Geräusch, versuchte auszumachen, woher es kam und realisierte, dass es klang, wie ihre Eltern, wenn sie unter Atemschutz in ein brennendes Haus gingen.
Sie kämpfte gegen die Dunkelheit an und ein stechender Schmerz wurde ihr bewusst, von dem sie nicht einmal sagen konnte, woher er kam. Sie glaubte ihren Namen zu hören und blinzelte, sah in ein paar Augen, so blau wie das Meer, so blau wie ihre eigenen. Sie hatte das Gefühl zu schweben, als sie ihr Retter aus der Badewanne holte und an sich drückte, um sie rauszubringen. Sie nahm den Geruch von Ruß und Verbranntem wahr, aber auch den ihres Vaters, hörte seine Stimme, die beruhigend auf sie einsprach und versank erneut in gnädiger Dunkelheit.
Wieder und wieder hörte sie ihren Namen, sah Bilder von ihrer Mutter, die sie besorgt anschaute, auch Aidan glaubte sie kurz zu sehen und Liam zu hören, doch sie erwachte nicht mehr aus der Schwärze, in die sie immer wieder fiel. Im Gegenteil wurden die aufgeregten Stimmen und Rufe um sie herum immer leiser und verstummten irgendwann ganz.
Fortsetzung folgt...
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