68. Kapitel
Die Schlagzeile kommt, natürlich. Und egal, wie oft ich den privaten Chat auf Twitter zwischen Harry und mir aktualisiere, es kommt nichts. Montags wird Harry mit Harper in einem schicken und total überteuerten Restaurant gesehen. Man könnte meinen, sie sind ein Paar. Gut, das ist das Ziel hinter der Aktion, aber als er sie dann öfter als sonst küsst, merke ich, wie sehr mir es missfällt. Ich weiß, dass er nichts dafür kann, ich weiß, dass er mich anrufen würde, wenn er könnte, aber dennoch wünsche ich mir, dass mein Handy gleich klingelt, er hier aus dem Aufzug spaziert kommt oder mir eine Nachricht schreibt, dass er heute Abend vor meiner Tür steht.
Noch dazu ist inzwischen Mitte Dezember und Weihnachten ist nicht mehr weit. Ich weiß ja nicht einmal, ob wir uns an irgendeinem der Feiertage sehen werden. Was ist mit meinem Geburtstag? Ich habe keine Ahnung. Wir haben bisher nicht darüber gesprochen, aber wir wussten ja auch nicht, dass uns dermaßen viel dazwischen kommt. Dazu kommt, dass ich keine Ahnung habe, was man jemandem schenkt, der doch schon alles hat. Jedenfalls bis heute. Ich schaue mir die Fotos an, die Bilder von ihm und ihr und habe plötzlich eine Idee.
In der Mittagspause fange ich eine Liste an, mit Dingen, die ich brauchen werde. Ich werde mich also die Tage in das Getümmel in der Stadt stürzen und darauf hoffen, dass ich alles bekomme. Aber ich glaube kaum, dass es etwas nicht geben wird. Mir fällt jedenfalls kein Grund dafür ein.
Ich schaffe es tatsächlich, so gut wie alles einzukaufen. Zayn und ich schenken uns nichts, das ist aber schon seitdem wir uns kennen so. Meine Mum hat meinen Geschwistern in meinem Namen Make-Up und so ein Zeug besorgt. Ich habe bezahlt, aber es ist deutlich leichter, wenn Mum sie besorgt, als wenn ich sie von London nach Portland schicke.
Vicky schenke ich einen Gutschein für den Spa, Jeff bekommt einen Gutschein und für Andy haben wir uns alle überlegt, dass wir zusammenlegen und ihn zu einem Fußballspiel einladen. Vicky weiß davon und meinte schon, dass sie die Idee super findet. Ansonsten gibt es von mir für niemand anderen etwas zu Weihnachten. Außer für Harry natürlich.
„Was machst du da?" fragt Zayn verwirrt, als ich Abends auf dem Sofa sitze und die ganzen Sachen vor mir ausgebreitet habe. Verwirrt nimmt er eine Bierflasche hoch. „Nein!" widerspreche ich sofort und nehme sie ihm aus der Hand. „Du schenkst Harry ein Bier?" Genervt stöhnend verdrehe ich die Augen. „Natürlich nicht. Idiot." murmle ich. „Sondern?" Er sieht irritiert über meine Einkäufe und versucht sich zusammenzureimen, was ich damit vor habe. „Muss ich das verstehen?" - „Was schenkt man jemandem, der alles hat?" frage ich ihn trocken und er zuckt mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen, Harry ist dein Freund."
„Ich schenke ihm das, was er nicht haben kann, weil er es nicht darf." antworte ich nur und hebe einen großen Korb vom Boden auf den Tisch. „Backmischung?" - „Er hat noch nie welche gemacht. Das wird ein Date." meine ich schulterzuckend und sehe Zayn an, dass er am liebsten sagen würde, dass wir dann doch direkt richtig Backen könnten. Leider bin ich nach wie vor sehr unbegabt, was Küchenarbeiten angeht und Harry kann es nicht wissen. Ich habe verschiedene, günstige, Biersorten gekauft, einen richtigen Flaschenöffner, diese kleinen Wassereistüten, die man erst noch einfrieren muss, Haribo und andere Süßigkeiten, ein Gutschein für ein Fastfood-Restaurant, bestellen kann man schließlich auch. Es sind viele Kleinigkeiten, aber ich hoffe, er versteht die Bedeutung dahinter.
Für mich ist er ein ganz normaler, liebenswerter junger Mann mit einem Charakter aus purem Gold. Von mir aus könnte er in einer Einzimmerwohnung leben, sich von Tütensuppe ernähren und irgendeinen Job haben, der Geld bringt, es wäre mir egal, wenn er nur dabei noch Harry wäre. Ich brauche diesen ganzen Protz und Prunk um ihn herum nicht, um ihn zu lieben. Das ist alles Schnickschnack, der uns aktuell nur das Leben schwer macht.
Ich packe es in durchsichtige Folie, die ich auch extra gekauft habe, binde es mit einem blaugrünen Band zusammen und mache eine große Schleife hinein. „Und?" - „Ich habe ausnahmsweise mal nichts auszusetzen." stellt Zayn trocken fest und mein Grinsen wird größer. „Also findest du die Idee gut?" - „Sehr sogar." entgegnet er ehrlich und bietet mir an, den Korb bis Weihnachten in seinem Schlafzimmer zu platzieren, falls Harry sich losreißen und spontan herkommen kann. Dankend nicke ich und stelle ihn auf den Boden neben seinen Nachttisch. Das bräuchte ich jetzt noch, dass Harry mich hier überrascht (oder ich vergesse, was dort in meinem Zimmer steht) und er es vor Weihnachten zu Gesicht bekommt.
Morgen ist Freitag. Montag muss ich zwar noch arbeiten, aber trotzdem fühlt es sich irgendwie so an, als hätte ich praktisch Urlaub. Es sind zwar nur ein paar Tage, nur die Feiertage, um genau zu sein, aber viel ist nicht zu tun. Weihnachten ist es immer das Gleiche. Stars spenden viel, es wird auf den allgemeinen Notstand der Menschheit aufmerksam gemacht und dann schlagen sich die Leute an den Festtagen ja doch wieder die Bäuche voll. Es gibt hier und da kleine Streits, aber nichts wirklich dramatisches passiert. Jedenfalls in der Star-Welt.
Harry aber hat sich nach wie vor nicht bei mir gemeldet und geht jeden Tag mit Harper irgendwo anders hin. Ich sehe zu und man könnte meinen, zwischen unseren Welten ist ein großer, undurchdringbarer Einwegspiegel gespannt. Ich sehe ihn, bekomme mit, was er tut und doch hört er mich nicht und sieht mich nicht. Er kann nicht zu mir herüber, kann nicht mit mir kommunizieren. In ein paar Tagen ist Weihnachten. Zayn fährt zu seiner Familie, Montag Abend schon und ich bin wie die letzten Jahre auch schon, eingeladen. Bisher habe ich es immer geschafft nach Portland zu fliegen und daher dankend abgelehnt, aber dieses Jahr wird das nichts. Ich kann mir schlicht die Flüge nicht leisten. Ich habe versäumt sie zu buchen und jetzt sind sie so teuer, dass ich wohl einen Monat durcharbeiten müsste, um sie bezahlen zu können.
Mum ist nicht sauer, meine Schwestern sind okay damit, nur die Zwillinge sind sichtlich enttäuscht. Natürlich finde ich es auch schade, aber Ernest Gesichtsausdruck zu sehen, als ich es ihm über Skype sage, gibt mir den Rest. Ich entschuldige mich bestimmt acht oder neun mal. Ich hasse es, meine Geschwister zu enttäuschen, es ist eins der schlimmsten Gefühle der Welt. Dann fragt Doris mich, ob ich dann bei Harry bin und geknickt muss ich zugeben, dass ich es noch nicht so ganz weiß.
Ich muss mich bis Montag Abend entschieden haben. Dann fährt Zayn. Er bleibt bis zum Morgen des zweiten Feiertags, fährt von dort nach Wolverhampton und somit direkt zu Liam. Ich würde stattdessen nach London zurückkehren, in der Hoffnung, den Tag mit Harry zu teilen.
Es ist nicht schön, dass er mir nicht antwortet. Um nicht zu sagen, es ist beschissen. Einige Tage, okay passiert, aber über eine Woche? Kann er sich nicht kurz das Handy von Harper leihen? Sie sind jeden Tag zusammen und er schafft es nicht, mir kurz eine Nachricht zu schreiben? Abgesehen davon, dass sie inzwischen meine Nummer hat, könnte er mir auch über Twitter oder Instagram schreiben. Aber er tut es nicht und ich weiß nicht warum. Auf der einen Seite weiß ich natürlich, unter was für einem Druck er im Augenblick steht, aber auf der anderen Seite macht es das Gefühl auch nicht besser.
Ich will es nicht, aber ich kann nicht verhindern, dass ich mich vernachlässigt fühle und mir entsprechend vorkomme. Kann er nicht Gemmas Handy nehmen? Was ist mit seinem Laptop? Kann er mir nicht über Twitter schreiben? Ugh.. Meine Laune wird nicht besser, als ich meinen Computer herunterfahre. Morgen habe ich frei. Morgen werde ich noch einmal einkaufen gehen, dann mit meiner Familie skypen und ich will die Wohnung aufräumen. Danach gehen wir mit unseren Freunden in die Kneipe. Vicky und Andy sind bei ihrer Familie, Jeff ist bei seinem Bruder und seiner Frau.
Die Geschenke sind alle verpackt, ich sitze vor dem Fernseher, sehe aber auf mein Handy. Harper und Harry waren schon wieder draußen. Sie waren wohl bei einem kleinen Konzert von Kindern für Rentner. Harry unterhält sich auf einem Bild mit einem kleinen Mädchen, hat sich dafür hingehockt und lächelt. Es ist echt, nicht das Lächeln, was er den Kameras schenkt. Harry kann gut mit Kindern, auch wenn er es selbst nicht mal bemerkt. Ich weiß, dass er es bereuen würde, keine eigenen Kinder zu bekommen, noch so ein Punkt, der immer deutlicher vor meinen Augen immer und immer wieder aufblinkt.
Geht das? Es muss.. es wird. Optimismus.. eigentlich eine gute Sache, aber irgendwann schwierig aufrechtzuerhalten, wenn man das Gefühl hat, diese Aufgabe alleine stemmen zu müssen. Ich dachte früher immer, diese Leute, die sich beschweren, ihren Partner ein paar Tage nicht gesehen zu haben, übertreiben maßlos, aber diese eine Woche hat mich schon fast fertig gemacht. Es ist nicht schön und schon gar nicht, wenn man nichts dagegen tun kann.
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Ich hoffe euch stört dieser kleine Zeitsprung nicht, aber ich wollte es nicht einschlafen lassen. Meint ihr, Harry freut sich über das Geschenk? Und werden sie die Feiertage gemeinsam verbringen?
Love L
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