5. Kapitel
Mittags war Vicky so lieb, mir etwas von ihrem Essen abzugeben. Andy hat ihr mal wieder zwei zusätzliche Dosen in die Tasche getan, weil er der Meinung ist, sie esse ja für zwei. Dass Nummer zwei kein ausgewachsener Mann ist, bedenkt er dabei aber nicht. Besser für mich, ich beschwere mich also gar nicht. Vicky ist zufrieden, dass die Dosen leer sind und Andy sich nicht schon wieder Sorgen macht, sie würde zu wenig essen und ich musste nicht raus gehen, um mir Mittag zu besorgen.
Als mein Computer endlich aus ist, sind nur noch Vicky, Trevor und ich auf der Etage. Heute gab es nicht so viel zu tun, ich habe noch ein wenig aufgearbeitet. Vicky wird gleich von Andy abgeholt, sie wartet aber lieber hier, als draußen, da es inzwischen doch gut kalt geworden ist.
Plötzlich geht die Aufzugtür auf. Ich beachte es erst gar nicht, aber als ich dann seine Stimme höre sehe ich sofort auf. „Hey Vicky." sagt sie freundlich und meine Kollegin und gute Freundin umarmt ihn kurz. „Mr. Morgan." sagt Harry dann und wendet sich zu mir. „Hey... ähm.." überfordert sehe ich zu Trevor. „Oh, ich weiß davon." meint er nur und stapelt seine Notizen. „Was?!" frage ich perplex und sehe zu Harry. Dieser lächelt, kommt auf mich zu und drückt mir einen Kuss auf die Lippen. Ich hingegen bin noch etwas überfordert damit, dass Trevor von uns weiß.
„Wieso weiß er davon?" frage ich Harry irritiert und versuche, ruhig zu atmen. „Oh, er und deine Kollegen haben mich am Flughafen gesehen, als ich mit Zayn dort stand." sagt er kurz. „Moment. Rhys und Maisie und -" - „Ja, sie wissen alle davon." unterbricht Trevor mich und ich schüttle leicht den Kopf. Das ist gar nicht gut. So war das nie geplant! Danke, aber nein danke!
„Wieso hast du mir das nicht gesagt?! Das ist doch schon über eine Woche her!" Ich versuche meine Gedanken zu ordnen, aber so leicht, funktioniert das leider nicht. Ich wollte nicht, dass Trevor es weiß, dass Rhys es weiß schon gar nicht. Meine Atmung wird schneller und ich schüttle leicht den Kopf. „Schatz?" fragt Harry unschlüssig. Aber ich schiebe meinen Stuhl nur ran, schnappe mir meinen Rucksack und laufe zum Aufzug. „Louis!" ruft er erneut und ich drehe mich zu ihm um. Er kommt zu mir gelaufen.
„Reden wir gleich darüber, ja?" bitte ich ihn, da ich wirklich nicht sonderlich scharf darauf bin, dass meine Kollegen diese Diskussion jetzt mitbekommen. Er seufzt, bevor er antworten kann, öffnen sich aber die Aufzugtüren. Miss Tremblay sieht von ihrem Handy auf, sieht erst mich an und bemerkt dann Harry. Ihre Augen werden groß, als wir zu ihr in den Fahrstuhl steigen. „Guten Abend, Miss Tremblay." sagt Harry freundlich und ich verdrehe die Augen. „Prinz Harry! Ähm.. wow damit hatte ich nicht gerechnet." sagt sie und lacht unsicher. Harry winkt ab. „Ach, ich hole nur Louis ab, ich melde mit wegen des Interviews noch bei Ihnen." erwidert er freundlich und meine Chefin nickt sofort.
„Natürlich, sehr gerne!" Harry lächelt zufrieden und greift dann nach meiner Hand, um seine Finger zwischen meine zu schieben. Die Türen öffnen wieder und wir gehen durchs Foyer. Hier steht nur noch Pete, aber er weiß ja sowieso schon von Harry und mir. „Dann wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Abend." wünscht Harry. „Euch auch, Prinz Harry." lächelt sie und lässt uns den Vortritt durch die große Glastür. Ich verdrehe die Augen, sage aber nichts. Steven steht schon mit dem Wagen vor der Tür und schnell steigen wir ein. Ich ziehe hinter mir die Tür zu und bemerke Harrys fragenden Blick.
„Was ist?" will ich wissen und schnalle mich an. Steven fährt los und Harry sieht mich skeptisch an. „Du hast mit den Augen gerollt." stellt er fest und ich tue es noch einmal. „Und jetzt?" - „Wieso?" fragt er lediglich und ich seufze. „Du musst dich meiner Chefin wirklich nicht so einschleimen, Harry. Das ist echt nicht nötig." meine ich genervt und ignoriere Harrys verwunderten Gesichtsausdruck. „Ich war lediglich höflich." - „Du hast geschleimt." entgegne ich trocken und schaue nach vorne.
„Louis, sie ist deine Chefin und wenn sie möchte, dann könnte sie augenblicklich unsere Beziehung veröffentlichen." meint er mit Nachdruck, aber ich schüttle den Kopf. „Nein, wir haben einen Deal mit ihr und sie weiß genau, dass es nur negative Folgen für sie hätte, wenn sie ihn bricht." widerspreche ich ihm. „Und außerdem, wieso hast du mir nicht gesagt, dass meine Kollegen von uns wissen?"
„Mr. Morgan und die anderen?" - „Ne, die Lieferanten, weißt du." entgegne ich sarkastisch, aber Harry findet es wohl eher weniger lustig. „Ich hatte andere Dinge im Kopf. Sie haben mir außerdem alle vier versichert, dass sie es nicht an die Öffentlichkeit tragen werden." - „Und das glaubst du denen, ja? Weil sie es mal eben so gesagt haben?" frage ich ihn skeptisch und lache bitter. „Daran wird zumindest Trevor sich nicht halten!"
„Wieso glaubst du das? Dann hätten sie es doch schon längst veröffentlicht?" fragt Harry mich dann. „Sie hatten alle schon über eine Woche Zeit, dies zu tun. Wieso sollten sie es jetzt plötzlich machen?" fragt Harry mich und ich stöhne genervt. „Weil sie bis zum passenden Augenblick warten, verdammt!" Ich fahre mir durch die Haare. „Das sind alles Journalisten, Harry! Die veröffentlichen nicht mal einfach so irgendetwas! Und du hättest es mir doch einfach erzählen können! In Portland war genug Zeit dafür."
Harry seufzt. „Wie gesagt, ich hatte zu diesem Zeitpunkt andere Dinge im Kopf und ich verstehe ehrlich gesagt gerade nicht, weswegen es dich so aufregt." - „Was?!" perplex sehe ich ihn an. „Scheißdreck! Ich wollte das nicht! Ich will bei meiner Arbeit nicht der Freund vom Prinzen sein! Ich will dort einfach nur Louis der Journalist sein. Fertig! Das geht jetzt aber nicht mehr. Ich wollte entscheiden, wann ich es ihnen erzähle. Das sind nicht meine Freunde oder so, Harry! Ich vertraue diesen Menschen dort nicht und ich finde einfach, dass ich es hätte wissen sollen, wenn sie es erfahren. Ich habe mich gerade wie der größte Idiot gefühlt, als du aus dem Aufzug gestiegen bist und ich echt Schiss vor Trevors Reaktion hatte. Aber nein, er wusste es natürlich schon und ich habe mir ganz umsonst sorgen gemacht!"
Ich schnaube und schaue kurz aus dem Fenster, ehe ich wieder Harry ansehe. „Okay, tut mir leid!" er hebt beide Hände, aber trotzdem klingt sein Ton eher sarkastisch, als reuevoll. „Aber es ist doch nichts passiert! Also wieso regst du dich so auf?!" Ich sehe ihn entgeistert an. „Nichts passiert? Da waren scheiß Fotografen vor meinem Zuhause! Was glaubst du denn, woher sie wissen, wo wir waren?! Wie viele Leute wissen denn, dass ich in Portland war?! Auch, wenn du alle Bilder eingefangen hast, haben sie uns schon gesehen! Sie haben mich gesehen! Scheiße, ich will das nicht, Harry!" ungewollt werde ich lauter und schnauze ihn an.
„Schatz, das -" - „Komm, das gut sein." murre ich und winke ab. Die Fotos sind nicht an der Öffentlichkeit und eigentlich wollte ich da gar nicht mehr drüber nachdenken, aber jetzt ist es doch offensichtlich, weswegen wir so von den Fotografen überrannt worden sind. Es werden wohl kaum alle vier meiner Kollegen wirklich dicht gehalten haben, das ist so wahrscheinlich, wie Schnee in der Sahara. Das glaubt er doch selbst nicht.
Einige Minuten vergehen, ohne das wir etwas sagen. Schweigend sitzen wir neben einander und ich stelle fest, wie ätzend es ist, mit Harry zu streiten. Trotzdem konnte ich das gerade einfach nur unkommentiert lassen. Was bitte hat ihn davon abgehalten, was mir zu erzählen?! Meine Güte, er ist ja nicht ins Büro gegangen und hat es lautstark verkündet. Es war ein beschissener Zufall, kein Grund, es mir zu verheimlichen und mich dann vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Wir fahren in die Tiefgarage des Palastes und stumm steige ich aus. Ich folge Harry und Steven durch die Gänge. Sobald wir durch eine dicke Stahltür gehen und somit im Sicherheitsbereich sind, verabschiedet Steven sich und wir können alleine herum laufen. Harry schlägt den Weg zu seinem Zimmer ein.
Hinter mir fällt die Tür laut ins Schloss und ich zucke zusammen. Harry stellt seine Schuhe zur Seite und hängt die Jacke an den goldenen Haken neben der Wand. Ich stehe unschlüssig in der Mitte des Raumes und beiße mir auf die Innenseite meiner Wange. Plötzlich ist es so, als wäre ich das erste mal hier, ich traue mich nicht, mich irgendwo hinzusetzen, geschweige denn irgendetwas anzufassen.
Harry geht zu der Tür des Wintergartens, öffnet sie, geht hinein. Die dicken Vorhänge versperren mir die Sicht hinein, Harry bleibt einige Momente dort und kommt dann wieder. Die Tür lässt er geöffnet und schaut mich an. Unsicher schaue ich kurz zur Seite, dann wieder zu ihm. Es ist, als wären meine Schuhsohlen an das Parkett geklebt, ich bleibe auf der Stelle stehen, sage nichts, tue nichts. Die Sekunden vergehen, wäre hier eine Uhr an der Wand, würde sie laut ticken, aber so bleibt die Stille ungebrochen.
-- -- -- -- -- -- -- --
Könnt ihr Louis verstehen? Oder meint ihr, er übertreibt damit, dass Harry es ihm hätte sagen sollen?
Love L
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top