when the devil call pain by its name.
**ᵗʳⁱᵍᵍᵉʳʷᵃʳⁿⁱⁿᵍ: ˢᵉˡᵇˢᵗᵐᵒʳᵈᵍᵉᵈᵃⁿᵏᵉⁿ**
Schule. Nur der Gedanke an meine private Kunstschule in Seoul hatte früher in mir eine furchtbare Übelkeit ausgelöst. Ich hasste so ziemlich alles an ihr. Die Lehrer, die mich dazu drängten, meine Kunstwerke an größere Künstler wie Picasso und Van Gogh zuhalten. Mehr von ihnen, weniger von mir. Sie wollten mich zu einer billigen Kopie umwandeln, einer von vielen. Meine Mitschüler wussten, dass ich das nicht war und nicht sein würde. Sie hielten sich von mir fern, als wäre es anstecken, ein Individuum zu sein. Ich hasste den Unterricht – er war so langweilig, eintönig und immer auf Kunst basierend – und ich hasste das Mittagessen.
Bulgogi Baekban.
Jeden verdammten Tag.
Fleisch, Fleisch, Fleisch.
Als würde die Schule an dem Glauben festhalten, es wäre das Wundermittel, um uns zu außergewöhnliche Künstler zu machen. So ein Schwachsinn.
Niemand redete wirklich mit mir. Ein kurzer Austausch über die Hausaufgaben und neue Projekte, dann war ihr Bedarf an einem Gespräch mit mir verbraucht. Freunde hatte ich keine. Nicht so richtig.
Bis auf einen.
Mamoru.
Der rot-getigerte Streunerkater, der immer um das Schulgebäude herumschlich. Ich nannte ihn Mamoru, weil Sailor Moon zu damaliger Zeit zu einer meiner Lieblingsmanga gehört hatte. Ich wollte unbedingt auch eine Sailor Kriegerin sein, eine Bestimmung sowie einen Freund habe. Eben die Dinge, die Bunny vorlebte und besaß. Dinge, die es für mich nur in Manga zu lesen gab.
Zur Mittagzeit sah ich ihn ständig im Pausenhof tigern. Er kletterte über die Mauer in den gepflegten Garten des Direktors, hinterließ dort erstmal seine Hinterlassenschaften und markierte wohl sein Revier. Gemütlich machte er es sich danach auf der Tischtennisplatte. Im Sommer sonnte er sein Bäuchlein, im Winter beobachte er von dort aus die Vogelschwärme, die an einen wärmeren Ort zog, als würde er mit ihnen mitfliegen wollen.
Als hätte er dieses Leben satt. Wie ich.
Ich glaubte, vielleicht war er ja meine Bestimmung, mein Mamoru. Nur in einer plüschigen Variante. Ich nahm eine Serviette und wischte das Gewürz von dem Fleisch, bevor ich mit meiner Schüssel hinausging.
Er war scheu und hatte durch meine Mitschülerinnen schon schlechte Erfahrung bezüglich Menschen gesammelt. So beschossen sie ihn mit Steinen und Essensresten in der Pause, wenn er nicht davor verschwunden war. Dennoch blieb er schrecklich stur und gutmöglich lebensmüde, weil er jeden Tag wieder zurückkehrte und sich sonnte.
An diesem Nachmittag bekam er einen Grund zu bleiben – und ich auch.
Zuerst setzte er sich nur aufrecht auf der Tischtennisplatte hin, starrte mich mit seinen hellgrauen Mondsicheln an. So unschuldig, so verletzlich und missverstanden, dass ich Herzschmerz von seinem Blick bekam. Er hatte Hunger. Der Geruch des gekochten Fleisches forderte seinen Instinkt zu überleben, er kam neugierig zu mir hinüber und schnupperte in der Luft. Der Kater war mager, sein Fell von den Steinwürfen zerrissen und undicht. Nicht nur sein Äußeres sprach von Elend, auch sein Mauzen, als er zu jammern anfing. Er hörte sich quälerisch an, als hätte er Schmerzen – vor Hunger.
„Schon gut", beruhigte ich ihn und stellte die Schüssel neben ihn, „das ist extra für dich. Ich habe genug davon, du kannst es haben. Wenn du es magst..."
Nervös schaute er mich an. Er kannte das nicht, menschliche Freundlichkeit schien ihm befremdlich. Mir auch.
„Warte, ich dreh' mich weg." Vielleicht würde ihm das helfen. Ich mochte es auch nicht beim Essen beobachtet zu werden. Ich wartete und wartete, verpasste den Unterricht, den ich sowieso nicht als allzu wichtig empfand. Nach dem Schulgong wandte ich mich zu ihm herum. Er hatte die Schlüssel leergefuttert. Aber dort war er nicht mehr. Wo war er hingegangen? Als ich nach ihm suchte, spürte ich eine achtsame Bewegung an meinen Beinen und sah hinab.
„Oh", stieß ich überrascht aus.
Schnurrend rieb er sich an meinem Schienbein, den weichen Kniesocken meiner Uniform, und miaute laut, als würde er „Danke" sagen wollen.
„Gern geschehen, Mamuro", kicherte ich fröhlich und beugte mich zu ihm hin. „Ich hoffe, es ist okay, dass ich dich so nenne."
Doch er widersprach nicht (wie auch?), kuschelte bloß seinen Kopf in meine offene Handfläche und schnurrte brummend. Ich hatte das Gefühl, er lächelte zum ersten Mal an diesem Ort. Genau wie ich.
Am Abend darauf wollte ich mich umbringen.
Ich hielt es nicht mehr aus. Daheim bei meinen Eltern, die idiotische Kunstschule und das ganze Leben überhaupt. Es kam mir sinnlos vor, ich selbst zu sein, wenn alle um mich herum versuchten, aus mir jemand zu machen, der ich nicht war. Wieso sollte ich dann an einem Leben hängen, das nicht mir gehörte? Es gehörte nicht mir. Das war nicht mein Leben. Es war das Leben eines anderen, einer falschen Persönlichkeit, die man mir aufzwang.
Ich wollte keine Künstlerin sein.
Ich wollte nicht der nächste Picasso oder Van Goth werden.
Ich wollte einfach ich sein und dafür geliebt werden.
Aber da verlangte ich das Unmögliche.
Lange genug hatte ich gedacht, dass, wenn ich mich an die Vorschriften meiner Eltern und der Schule hielt, protestlos die extra Stunden Kunst nahm, wenn ich alles so machte wie sie sich vorstellten, dass ihnen auffallen würde, dass ich darin versank. Und dann würden sie mir eine Stütze bieten, sich anhören, was ich mir wünschte, was ich wollte. Mich so lieben wie ich geboren wurde.
Sich an dieser traumhaften und dummen Illusion hinzugeben, hatte mich von innen noch stärker ausgerottet als ihr falsches Lächeln, ihre falsche Liebe.
Der Sprung von der Mapo-Brücke erschien mir noch die letzte, rettende Lösung von allem zu sein. Es war keine Seltenheit, das sich dort jemand umbrachte. Schon die Nächte davor habe ich mich aus dem Elternhaus geschlichen, um andere und mutigeren Seelen zu beobachten, wie sie zum ersten und letzten Mal fliegen. Ein Akt der Befreiung. Es sah so leicht bei ihnen aus, so erlösend. Ein Sprung und das Leid vorbei.
Weniger bis nie konnte ich Angehörige sehen, die an diesem Ort jemand nachtrauerten. Natürlich – es war verpönt, ein Zeichen der Schwäche und des Aufgebens. Aber ich glaubte, wenn man alle möglichen Auswege und versteckte Gänge versucht hatte, doch immer am selben Punkt zurücklandete, dann half auch kein „Es wird schon wieder besser" mehr. Dann half gar nichts mehr. Seelische Krankheiten waren schwerer, langwidriger und raubender.
Manchmal kann man kaputte Dinge nicht so reparieren wie man möchte, manchmal bleiben Dinge eben kaputt und dann ist das in Ordnung. Es gibt so viele, die nur das Schöne lieben, aber kaputte Dinge sind es ebenso wert, geliebt zu werden wie etwas Schönes, Ungebrochenes und Perfektes.
Doch das Problem ist, für manche gibt es nur das eine. Leistung, Perfektionismus, Erfolg.
Ich wollte das nicht. Ich wollte Kehrtwendungen, Versagen und Misserfolg. Ich wollte gebrochen sein, um meine Stärke nicht zu verlieren. Aber an diesem Abend hatte sie keine Stimme. Nichts hatte eine Stimme. Eine Leere hauste in mir. Seelisch und körperlich. Ein dunkler Schleier, der nicht von mir abließ, weil ich mich schon darin verirrt hatte. Und doch brannte ein Licht in ihr. Ganz tief, und je nachdem, wie ich mich heute Abend entscheiden würde, würde ich mich für immer an die Dunkelheit binden, oder doch an dem Licht festhalten.
Es war kühl, aber nicht so kühl, dass ich fror. Ich sah in das tiefe Gewässer hinab, die Arme um mich gezogen und schlotterte aus einem anderen Grund: Schmerz. Der große Unterschied zwischen körperlichen und seelischen Schmerz ist, dass man körperlich auch sich selbst schaden kann, aber seelisch immer nur von anderen. Das macht diesen Schmerz so anders, so übermächtig. Er kann ein Leben auf eine Art und Weise beeinträchtigen, dass das Opfer nicht mehr leben kann. Nicht möchte, man kann es einfach nicht.
So wie ich.
Ich wollte es nicht – aber ich konnte nicht mehr.
Auch, wenn ich es deutlich besser hatte als viele andere – beide Elternteile, ein nettes, großes Haus, die Sicherheit, immer beachtet zu werden – trübte meine Seele von dem anhaltendem Verboten meiner wahren Entfaltung.
Der Wind wehte mir das Haar peitschend ins Gesicht, als würde eine andere Macht mir sagen wollen, ich solle es mir nochmal überlegen. Aber es gab nichts zu überlegen, meine Gedanken worden schon lange von meinen Eltern regiert. Also stützte ich mich das Gerüst der Brücke hoch und stellte mich fest darauf ab. Ich war nicht entschlossen es zu tun, aber selbst wenn ich weglaufen würde, würden mich meine Dämonen immer verfolgen. Ich würde immer von dem Schatten verfolgt werden, den man zwanghaft an mir getackert hatte. Jeden Tag meines Lebens würde ich gegen ihn kämpfen, um nicht von ihm verschlungen zu werden, um nicht jemand zu werden, der ich nicht sein wollte und konnte.
Ich fühlte keine Reue, keine Trauer. Ich hatte nichts in diesem Leben, dem ich hinterher trauern konnte, weil ich nichts hatte, das mir etwas bedeutete. Die Sterne, die mochte ich wirklich sehr gerne, aber sie gehörten nicht mir. Sie gehörten uns alle. Ich stellte mir vor, ein Sternenmädchen zu sein. Ein Mädchen, das sich in einen Stern verwandeln konnte. Endlos und schön. Geliebt für das, was sie war. Denn jeder hatte einen Lieblingsstern und ich wollte das auch sein.
Jemandes Lieblingsstern.
Ich wollte wandern, hinauf in den Sternenhimmel. Streckte die Arme aus, rückte mit der Schuhspitze zur Kante heran...
Dann ein aufgebrachtes Miauen.
„Mamoru", flüsterte ich erstaunt, nahezu schmerzlich, nachdem ich den Kater neben mir entdeckte, „was machst du hier? Bist du mir etwa gefolgt?"
Er hatte wieder diesen starken Ausdruck in seinen Mondsicheln. So unschuldig, so verletzlich und missverstanden. Und diesmal konnte ich mich selbst darin wiedererkennen. In mein Spiegelbild aus Pein und Einsamkeit zu blicken, schmerzte ziemlich in der Brust.
„Du solltest hier nicht sein", murmelte ich mit brechender Stimme.
Er legte den Kopf schräg und stierte mich an, als würde er sagen wollen, dass ich es auch nicht sein sollte. Aber wohin sollte ich noch gehen, wenn ich nirgendwo „Ich" sein durfte? Zu sehr quälte es mich, an einem Leben festzuhalten, das ich nicht wollte, als dafür weiterzukämpfen, was ich erreichen konnte, wenn ich durchhielt. Die Furcht vor einer bitterlichen Enttäuschung, dass ich am Ende für Nichts weitergemacht hätte, baute sie sich unweigerlich auf und spendete mir keinen Trost in dieser Nacht.
Seufzend blickte ich ihn an. „Ich werde gleich springen, deshalb musst du mir versprechen, dass du nie wieder in der Nähe der Schule kommst. Dann wird dir keiner mehr wehtun können. Geht das?" Ich erwartete keine Antwort. Schließlich war er ein Kater, er konnte mich schlichtweg nicht verstehen, aber ich hoffte mit meinem kaputten Herzen, er würde es trotzdem tun. Würde verschont werden, weil er konnte sich nicht wehren. Wirklich nicht. Er war doch nur ein Tier. Für einen Moment hatte ich am Mittag geglaubt, ihn beschützen zu können – aber, wie sollte ich jemand anderen schützen, wenn ich nicht mal mich selbst vor den Einfluss anderer wehren konnte?
Er miaute schriller wie aus Protest.
„Ich kann nicht bleiben." Ich schüttelte den Kopf, um die schleichenden Gewissensbisse loszuwerden. „Nicht hier."
Sein folgendes Miauen klang so verärgert, dass ich lachen und weinen musste. Ich hatte nicht gedacht, dass meine Geste am Mittag ihn auf solch eine Ebene erreichen würde, dass er meinte, mir zu folgen, mich vor dem Freitod bewahren zu müssen.
„Was möchtest du mir sagen? Dass du es besser findest, ich würde bei dir bleiben und mein Mittagessen mit dir teilen?" Mein Herz zog sich bei diesen Worten zusammen, denn so schön ich es mir auch vorstellte, jeden weiteren Nachmittag meiner Schulzeit mit ihm auf der Tennisplatte zu verbringen, konnte es die Dunkelheit nicht aus meiner Seele treiben. „Das geht nicht, ich kann nicht."
Sein Blick kämpfte mit meinen. Fast glaubte ich, er würde mich anflehen, noch um Zeit zu bitten, damit er mir die Freiheit zeigen könnte, nach der meine Seele so trotzte. Noch nie hatte ich solch eine Verbindung zu einem Tier gespürt; überhaupt zu einem Wesen, das mir meine Gefühle und Wünsche mit den Augen ablesen konnte. Er streckte das Kinn in die Höhe, seine weiße Schnurrhaare zuckten wie mein Herz, als ich er mich so anschaute. Seine Mondsichel glühten, trugen ein Licht in sich, das dem Schein des wahren Mondes nach hinten drängte, aber es war die Wärme und die Güte in seinem Blick, die mich mitten ins Herz traf. Ein Blick, so sanft und leicht, als wüsste er, was ich durchlitt, aber im Gegensatz zu mir glaubte er noch an einen anderen Weg.
Ich glaubte, in seinem Schimmern einen Glanz von Sternen zu sehen, die mich alle bemerkten und mein wahres Ich entdeckten, mochten. In ihnen zeichnete sich Hoffnung ab – Hoffnung für mich. Oder vielleicht doch die Hoffnung für uns zwei, weil wir beide Ausgeschlossene waren? So unterschiedlich wir seien mochten, schienen wir denselben Schmerz miteinander zu teilen.
„Mamoru", winselte ich mit einem folgenden Schluchzer und lächelte ihn bekümmert an, „ich werde nicht springen. Nicht heute."
Er wirkte seltsam erleichtert; seine angespannten Krallen entlasteten sich und diese Schwere löste sich in seinem Mondschimmer auf. Ich stieg von dem Gerüst ab, lehnte mich an dieser Stelle dagegen, die heiße Wange gegen den liegenden Arm gelehnt, und sah zum Kater hinüber.
Man sagt, Menschen, die behaupten, sie würden sich umbringen, würden es nicht machen. Klar, in dem Augenblick, wo sie diese Worte sagten, würden sie das nicht vollziehen – aber irgendwann würden sie es nicht sagen, sie würden es denken, es fühlen, sich innerlich zerreißen, und es durchziehen. Es beenden. Kein Opfer mehr sein.
Während wir stumme Blicke miteinander austauschten, fühlte ich, wie kleine Flocken seines Schimmers kleine Tänze um meine Seele führten. So zärtlich, als würden die Drehungen, die sich tätigten, wehtun. Doch das taten sie nicht. Stattdessen fühlte es sich viel zu schön an, um es wirklich wahrzuhaben.
Und dennoch flossen die Tränen über mein Gesicht wie winzige Bäche meines Seelenpein. Ich wollte ihm alles sagen, was in meinem Kopf schwirrte, alles, was er in mir ausgelöst hatte. Aber richtig traute ich mich das nicht; als wären diese Gedanken nicht für ihn bestimmt, nicht für diesen Augenblick der Heilung und des Findens. Mir gefiel es besser, ihm ein leichtes Lächeln zu widmen, die Hand anzuheben, um ihn die zerzausten Strähnen auf der Stelle zwischen den spitzen Ohren zu richten.
Sein Schnurren leuchtete in mir auf, erhellte die Dunkelheit in mir, von der ich angenommen hatte, ab diesem Abend an für immer anzugehören. Doch Mamoru war da, und von diesem Zeitpunkt an hellte meine Seele auf, zog eine feine Schicht aus Adern um mein zerbrechliches Lebensgerüst, um es liebevoll zusammenzuhalten.
„Glaubst du an das Schicksal, Mamoru?" Würde ich mich nicht in dem Licht seiner Mondsicheln spiegeln sehen, hätte ich nicht bemerkt, wie sich mein Mund bewegte und diese gedankenvollen Worte aussprach. „Denn ich tue es. Ich wünsche mir nur, zu wissen, was mein Schicksal ist – oder noch besser: meine Zukunft. Ob ich irgendwann dort glücklich bin, so richtig glücklich, dass ich es nicht aufgeben möchte. Aber vielleicht ist das unmöglich, gleichzeitig glücklich und ich selbst zu sein. Ach, gäbe es nur einen Ort, wo ich das könnte, wo ich..."
Er hinderte mich am Reden, als er mit seiner feuchten Nase eine Träne auf meiner Wange auffing. Ich wusste, dass ich wieder unaufhörlich weinte, dass ich schluchzte und mein Körper zitterte, aber er gab mir in diesem Moment nicht das Gefühl, schwach zu sein. Eher umsorgt und behütet; ein warmes Gefühl, an das ich mich erst gewöhnen musste. Ich wollte nicht zerbrochen wirken – auch, wenn mein Herz zunehmend splitterte und sich löste, allmählich das Scherbenmeer offenbarte, das in meinem Inneren schlummerte – ich wollte es nicht. Nicht für ihn.
Wenn ich so darüber nachdachte, wie ich mit ihm sprach und glaubte, verstanden zu werden, konnte ich mit guten Gewissen behaupten, verrückt zu sein. Doch so verrückt es sein mochte, so gut tat es mir wiederum, in dem Glauben aufzugehen, akzeptiert zu werden. Wenn auch von einem Streuner. Zu dieser Zeit hatte ich schon einiges über Katzen gelesen; über ihr unvergleichliches Mitgefühl und ihre Empathie. Aber ich hatte nicht gewusst, dass sie solch eine magische Wirkung besaßen, dass man beinahe annahm, sie würden einem dem Schmerz stehlen.
Schließlich beruhigte sich mein aufgerütteltes Inneres. Ich schaffte es sogar, die letzten feuchten Zeichen selbständig mit dem Handrücken wegzuwischen – ehe ich den Kater mit dem Arm an mich zog und seinem ruhigen Blick hinauf folgte. In das Universum, dessen Macht wir alle unterlagen.
„Wenn es dort irgendwo einen Platz gibt, wo du glaubst, ich könnte glücklich sein, dann führ' mich zu ihm, okay, Mamoru?" Das meinte ich wirklich so. „Das ist meine einzige Bedingung. Du musst für mich diesen Platz finden, während ich nicht aufgeben werde. Und, sobald du glaubst, ihn gefunden zu haben, zeigst du ihn mir. Egal, ob es hier in Seoul sein wird, oder irgendwo im Universum: ich werde dort mit dir hingehen und bleiben."
Er brummte wie eine Bestätigung, dass er mich verstanden hätte.
„Ich danke dir, Mamoru." Ich wurde leise, seufzte. „Du bist nicht nur mein erster und einziger Freund, du bist auch mein Held."
Seine Stirn an meine Wange reibend genoss ich seine Nähe, seine Aufmunterung, schloss die Augenlider und konnte es mir bereits vorstellen. Sein Schnurren sandte es nicht nur durch die zerbrochenen Stücke meiner Seele, er roch auch so unwiderstehlich danach.
Ich sog wohlwollend seinen Duft ein – sein Duft nach Heimat in der Ferne.
Am nächsten Tag erfuhr ich die Entscheidung, die mich letztendlich dorthin geführt hatte.
Die Entscheidung, nach Tokio zu ziehen.
Mamoru hatte ich nicht wiedergesehen, wie ein Zeichen, dass er seine Suche begonnen hatte. Nach dem Ort meines Glücks, meines wahren Daseins – an seiner Seite.
In vielen meiner Träume begegnete ich ihm wieder, den rot-getigerten Kater, der meine Seele zurück ins Licht geführt hatte. Sah, wie er durch die Städte Südkoreas trieb, um sein Überleben kämpfte, Menschen begegnete, die ihm sowohl Gutes als auch Schlechtes wollten. Und manchmal wachte ich mitten in der Nacht auf, seinen Namen flüsternd und mit der Bitte, er solle doch auf sich aufpassen. Ich warnte ihn, vor den fälschlichen Freunde, die aus bösen Absichten seine Nähe aufsuchten.
Irgendwann hörte ich auf, ihn zu sehen. Irgendwann löste sich der Zauber zwischen uns auf. Nicht, weil ich ihn aufgegeben hatte, aber weil ich es bereits ohne seine Hilfe gefunden hatte.
Meine Heimat, mein Zuhause.
Keisuke Baji.
Ich war gefallen, tiefer und härter denn je. Ich war gefallen, um in seinem Feuerherzen wieder aufzustehen.
Aus seinem stürmischen Feuer stieg ich hervor; spreizte die Flügel meines wahren Ichs und konnte mich ganz und sorgenlos entfalten. Ich hätte fliegen können, egal, wohin ich wollte – doch ich hatte mich dazu entschieden, bei ihm zu bleiben. Dem Ort, wo ich für das geliebt wurde, wer ich war und nicht, wer ich sein konnte. Imperfekt, geschändet, unsicher, aussichtslos verträumt. Obgleich er sich die letzten Jahre schon tausende Male an den scharfen Kanten meiner gebrochenen Seele geschnitten hat, hat er nichtsdestotrotz nicht aufgehört, sie wieder zusammenzufügen. Er wollte sie unbedingt zusammenhalten, wollte mich zusammenhalten.
Er nahm mir nicht den Schmerz – aber er ließ ihn mich so vergessen, dass die primären Zeichen seiner Fürsorge und Liebe sich zwar früh, aber dicht um mein Herz spannten, um den gierigen Schatten von mir zu lösen. Sowie ich unseren Seelenfaden durch meine eigenen Hände gesponnen hatte, hatte er die Liebe zwischen unseren Herzen geformt. Aber sein eigenes ließ er dabei außer Acht. Er tränkte mich bemüht in Licht; selbst versank er darin.
Nun war es meine Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen meinem Licht und seiner Dunkelheit zu setzen.
Für den wunderschönen, unberechenbaren Feuerengel würde ich immerhin alles Erdenkliche tun, damit sein Seelenfeuer nicht aufhören würde, für mich und ein Leben mit mir zu brennen.
⋆⁺₊⋆ ☀︎ ⋆⁺₊⋆
Am Abend träume ich zum ersten Mal wieder von ihm. Aber, sowie ich es schon von seinen Besuchen gewöhnt bin, handelt es sich um einen bösen Albtraum. Der Albtraum, der gleichzeitig die dunkle Geschichte erzählt, wie er zu einem Dämon geworden ist – und dass ich dafür die Verantwortung trage. Ganz alleinig ich.
Ausgehungert, abgemagert haben ihn seine Instinkte geführt. Der Verstand zerfressen von plagendem Hunger hat er sich in die scheinbare Sicherheit eines Menschen verirrt, dessen anfängliche Nettigkeit die Grausamkeit eines Monsters überdeckt. Es benötigt nur ein einzelnes Menschenleben, um die sieben Leben einer Katze innerhalb eines unvorstellbar fürchterlichen Akts zu beenden.
Er führt ihn mir vor, am Rande einer Schwärze, die mich droht, in jeder weiteren Sekunde zu überfallen. Je mehr ich zu sehen bekomme, je mehr flehe ich darum, aufzuwachen. Doch der Kater, der einst meine Seele zum Leuchten gebracht hat, verfolgt nun das gegenteilige Ziel.
Ich sehe, wie ihn der Mensch – ein Schatten ohne Gesicht, ohne Namen, ein jeder – in einen Sack packt und zu schnürt. Mamoru strampelt hilflos hin und her, ein klägliches Mauzen füllt die Schwärze mit unerträglichem Schmerz. Ein Schmerz, der mein Herz auf schlimmste Weise zerreißt, weil ich es nicht aufhalten kann. Ich komme nicht von der Stelle, meine Füße sind so steif wie ich mir wünsche würde der Rest meines Sinnesgefühl sein. Auch, wenn ich seinen Namen rufe, weine, ändert sich das Bild vor mir.
Da ist ein Fluss, ein Steg, auf dem der jeder steht. Er holt kräftig aus, schleudert den Sack in die Luft, und...
Platsch.
Er sinkt. Und sinkt. Immer tiefer in das Gewässer. Sein Mauzen von Angst und Panik erfüllt, echoet in meinen Gedanken, in meinem Kopf, in meinem Herzen. Bald nur noch ein schwaches Flüstern, das meine Seele heimsucht wie ein bösartiger Geist und sich dort niederlegt, um mich auf Lebzeiten ins Unglück zu stürzen. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Weder vor der eindämmernden Trauer noch vor seinem Schicksal.
Zu sterben ist nicht schwer – aber jemand beim Sterben zu sehen, mit dem Gewissen, nichts dagegen unternehmen zu können, fühlt sich tatsächlich an, als würde das Herz aufhören zu schlagen. Weil der empfundene Schmerz es zerdrückt, wie gefangen in einer Faust, die es umschließt. So langsam, dass man nicht atmen kann vor Pein. Ich zerfalle unvorbereitet, die Adern seines Lichts, so fein und doch so bedeutend, platzen nach und nach auf.
Ich habe immer gedacht, wenn man davon spricht, dass das eigene Herz blutet, dass es auch irgendwann aufhören wird. Wie jede normale Blutung eben. Aber in diesem Augenblick, wo ich realisiere, was ich ihm angetan habe, befürchte ich, auszubluten. Da sind keine neuen Adern, die einen stoppenden Filter bilden wie ein Damm; nichts, das an mein Hirn weiterleitet, dass ich blute.
Er zwingt mich dazu, seinen Schmerz zu erleben.
Niemand ist da gewesen, um ihn zu warnen. Niemand hat ihm in der Nacht zuvor zu geflüstert, er solle auf sich aufpassen. Der einzige Mensch, weshalb er erst in die gefährliche Welt aufgebrochen ist, um ein gemeinsames Zuhause zu finden, hat ihn im Stich gelassen.
Ich habe ihn im Stich gelassen.
Ich habe ihn vergessen.
Ich habe ihn zu einem Dämon gemacht.
Sein Verderben ist meine Schuld.
„Mamoru", säusle ich wehleidig und blicke zu dem leblosen Bündel vor mir, „bist du hier?"
Endlich kann ich meine Beine wieder spüren, stolpere kraftlos darauf zu. Ein Licht donnert in meine Brust, so eiskalt und heiß, dass ich orientierungslos auf die Knie stürze. Ich kann mich mit einer Hand erschwert auffangen – aber der Schmerz hält nur kurz an. Nicht wie der, der meine Seele grausam foltert. Er weht gegen die Flamme, die Keisukes Feuer dort zurückgelassen hat, aber es hält ihm noch stand. Ich gebe mich dem Schmerz nicht so leicht hin, es ist genau das, was er möchte.
Er will mir mein Licht nehmen.
Die Zähne zusammenbeißend packe ich das Bündel, doch sobald ich es berühre, quietscht es und ein Rudel von Ratten flitzt hinaus.
Den Atem anhaltend ziehe ich die zitternde Hand zurück.
„Es tut mir leid..." Ich muss ihn nicht sehen, um mich zu vergewissern, dass er da ist. Er ist es. Schließlich führt er die Fäden meiner Traumwelt. Doch ich will diese bleichschweren Worte herauslassen, die sich die letzten Stunden in meiner Brust angestaut haben. „Es tut mir so sehr leid, dass dir das widerfahren ist. Du hättest es besser haben können, hätte ich dich nicht vergessen."
Er wird mir nicht antworten. Er ist verletzt, gebrochen; seine Seele so schwarz wie die Finsternis, die ihn das Leben genommen hat.
„Aber ich bin ein Mensch. Ein fehlerhafter Mensch, der manchmal vergisst und manchmal ohne es zu bemerken. Ich weiß nicht, warum das so ist..." Meine Traumwelt wird abermals verändert. Unter mir wächst Gras heran, Strohhalm für Strohhalm berühren meine nackten Füße, ein Beet aus strahlend roten Mohnblumen entsteht um mich herum. So liebreizend und sanft, dass ich es nicht länger für einen Albtraum halte. „Aber du musst mir glauben, dass ich dich niemals vergessen wollte."
Allmählich bildet sich seine katzenhafte Silhouette vor mir ab, blendet mich mit ihrem grellen Schimmer eines blutroten Umhangs. „Deine Heuchlerei bringt nichts, Saejin. Du bist und bleibst dasselbe gebrochene und schwache Mädchen, das sich damals von der Brücke stürzen wollte. Und ich werde mich an mein Versprechen halten", entgegnet er mir kalt. Dort sitzt er zwischen hohen Gräsern. Mein ehemaliger Freund, mein ehemaliger Held.
Er starrt mich an. Hassend. Hassend für den Fakt, dass ich ein Mensch bin. Und nicht irgendeiner, aber ausgerechnet der, der ihn zutiefst verletzt hat.
„Wieso bist du zu einem Dämon geworden, Mamoru?"
Es ist ein großer Fehler von mir, nicht aufzuwachen. Es nicht zu wollen. Weil ich kann mit ihm nicht allein sein. Nicht so. Mit ihm allein zu sein lockt den Schatten zurück. Er tut mir auf eine Weise weh, die ich nicht verstehen möchte, aber die sich so fatal auf den Wall von Flammen auswirkt, dass sie vor ihm zurückweichen.
Sein nie vergessener Schmerz pustet sie aus. Und ich fühle mich zugleich zerbrochen, ausgelaugt, müde.
„Deinetwegen", offenbart er mir das, was ich nicht hören will, „du hast mir eine Aufgabe gegeben, die ich zu erfüllen habe. Du hast mir diese Macht verliehen. Hättest du mich nicht vergessen, hättest du früh genug erkannt, dass es dein Schicksal ist, bei mir zu sein. Als eine Katze."
„Bestrafst du mich? Weil ich dich vergessen habe? Ist das der Grund, weil du mir alle Erinnerungen nimmst – bis auf die mit dir?" Ich muss die Tränen zurückhalten, weil mir diese Worte so schwierig über den Mund gewichen sind, als würde ich damit diesen Traum wieder an Leichtigkeit stehlen. Er ist nicht leicht, keinesfalls, dieser Traum ist das Ende meiner Bindung zu ihm. Hier und jetzt endet der Zauber, der mir das Leben gerettet hat; und nun hat sich dieser Zauber in einen bösen Fluch verwandelt, der mir dieses nehmen will.
„Nein." Er blickt mich an, so verletzt und grausam, dass ich dem finsteren Leuchten seines Mondes nicht ausweichen kann. Es ruft sein unvorstellbares Leid in den Tiefen meines Herzens hervor, das mich ohne Zögern unter sich begräbt und mit entsetzlichen Schuldgefühlen berieselt. „Das ist keine Bestrafung. Ich bereite dich auf das Leben vor, das du wolltest. Ich bin nun mächtig genug, um dir deinen Traumort zu erschaffen. Aber dafür musst du dieses Leben hier aufgeben", höhnt er emotionslos.
Mein Herz zittert bei der Ernsthaftigkeit in seinem Ton. Ich habe mir seine Stimme immer anders vorgestellt. Weicher, herzlicher; nicht so von Bitterkeit zugetan. Seine Stimme sollte dem warmen Flüstern des hoffnungsgebenden Mondes gleichen, nicht dem Untergang dessen.
„Das werde ich aber nicht", widerspreche ich und schaue in die Höhe, um seiner Kälte wagehaften Trotz zu bieten. „Ich werde es nicht aufgeben. Ich werde Keisuke nicht aufgeben."
„Ich weiß." Er schließt die ausdruckslosen Rubine, ehe der zarte Schimmer jenes Mondes, der mir Licht geboten hat, durchbrechen kann. „Ich werde dir alles nehmen, was dich daranhält. Deine Erinnerungen, deine Träume, deine Hoffnung, deine Liebe. Bis du wieder auf einer Brücke stehst und realisiert, was deine Sturheit dich gekostet hat – und dann wirst du freiwillig mit mir kommen."
Ich weiß nicht, wieso ich ihn noch hören kann, wenn ich mir sicher bin, in diesem Traum bereits gestorben zu sein. Ich bin die letzten Minuten gestorben, immer und immer wieder. Mein Herz stolpert und poltert, aber es ist noch da. Ich bin noch da.
Seine Worte schlingen sich um meine Knochen, verankern sich so knorrig darum wie Wurzeln aus festem Stahl; wie eine Absicherung, dass ich sie nicht vergessen werde.
„Und was, wenn es nicht so weit kommt?", entgegne ich ihm mutig. So mutig wie ich in diesem Moment sein kann, während ich begreife, was er mit mir anstellt. Wie ein Wirbelsturm schneidet er durch alles; durch Schutz und Mut, durch Tränen und Fleisch, Hoffnung, Gewinde, Träume, bis in meine Seele.
Er holt diese Seite in mir hervor, die ich die Jahre mit ihm vergessen habe. Eine Seite, die lediglich er zu Gesicht bekommen hat; eine Seite, die ich sonst mit niemand teilen wollte, außer mit ihm. Habe sie ausgeblendet, weggestoßen, geglaubt, sie würde nicht länger existieren. Die Seite, vor der ich angenommen habe, in Sicherheit zu sein. Viele Monate, viele Jahre bin ich es tatsächlich gewesen – und nun nicht mehr.
Er sieht mich an.
Kein Mondschimmer, keine Hoffnung für mich.
Nur Schatten.
„Du wirst zu mir kommen, Saejin. Nicht heute, nicht morgen, vielleicht auch nicht Ende Oktober. Aber du wirst zu mir kommen. Denn wenn etwas gibt, das ich über die Menschen niemals vergessen habe, dann, dass ein gebrochenes Herz ausreicht, um ihr Lebenswillen zu brechen. Um sie zu brechen."
Wieso? Warum er?
Ich habe immer gedacht, der Tod wäre eine übernatürliche Gestalt. Ein leises Wispern in der Nähe, ein schleichender Freund, der dir immer auf der Fährte ist. Irgendwann würde er dich an die Hand nehmen, dich führen, dich mit sich nehmen; namenlos, liebenswürdig, mitfühlend. Aber mein Tod trägt einen Namen.
Mamoru.
Und er wartet auf mich.
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Am 10. ӨKƬӨBΣЯ besucht mich Kazutora, nachdem ich mich von der Welt zurückgezogen habe. Sayuri und Peke J habe ich fortgeschickt, weil ich ihnen diese Seite nicht von mir zeigen will. Diese hoffnungslose, unsichere Version von mir. Momentan kann ich keine Kraft aufbringen, hinauszugehen und so zu tun, als könnte ich das Unmögliche erreichen – wenn es nicht so ist. Trotz des bekannten Zeitlimits, trotz des kalten Windes, der jeden Morgen und jeden Abend gegen mein Fenster jault, es rüttelt und schüttelt, um mir zu signalisieren, dass es bald so weit sein wird.
Ich träume nicht, ich schlafe nicht. Die Dunkelheit kriecht fortwährend in mich, still und heimlich, liebkost meine Wangen, die den Glanz von getrockneten Tränen tragen; flüstert mir in der Nacht zu, dass selbst, wenn ich Keisukes Leben retten würde, meines in Gefahr bleiben würde. Ich bin ein gesegneter Fluch für ihn; ein gesegneter Fluch, der sein Herz mit derselben Dunkelheit belegen wird, sobald ich mich aufgelöst hätte. Sobald ich ihn vergessen hätte.
Ich bin mir unsicher, ob ich nochmals jemand an die Dunkelheit verlieren möchte. Wie Mamoru. Aber mich selbst ihr hinzugeben, fühlt sich nicht wenig richtiger an.
Deshalb habe ich die Chance genutzt, das kleine Flackern von Wolfsaugen und Hoffnung, um mich aus dieser Trance zu ziehen. Und das – sowie es sich später herausstellt – um tiefer zurückzufallen.
„Sie ist schon zu trocken, um sie noch zu verewigen", sage ich ihm, nachdem ich die Chrysantheme genauer betrachtet habe. Eine Blüte zerfällt, kaum nehme ich sie zwischen die Finger. Sie zerbröselt wie eine weitere Erinnerung, die ich nicht beibehalten kann, als würde die Kapazität meiner Gedanken täglich schrumpfen. Ich kneife die Augen zusammen. „Hast du nicht auf meine Anweisungen geachtet?"
„Du siehst scheiße aus", murmelt er und macht keine Anstalten, in unser Haus einzutreten. „Als hätte man dich gegessen und sich an deiner Biestigkeit verschluckt. Und dich wieder im Gesamten ausgekotzt."
Ich kann nicht kämpfen, denn ich bin zu müde, zu schwach. Meine Hoffnung ist erschöpft. „Das hast du schonmal gesagt. Ungefähr." Für einen Kampf bin ich einfach zu müde, seelisch zu müde. Einer der schrecklichsten Müdigkeiten, die es gibt. Wenn man täglich mit sich selbst kämpft, aber kein Stückchen vorankommt. „Hast du vergessen, das Wasser zu wechseln?"
Seine Mimik verhärtet sich schlagartig, seine Stimme hat keine Gestalt. „Nein, meine Eltern haben sie mir weggenommen."
„Sie haben sie dir weggenommen?", entgegne ich fassungslos, „wieso? Das ist doch bescheuert."
Das Irrlicht in seinen Wolfsaugen verschwindet zu schnell, um ihnen ein Gefühl abzulesen, das nicht aus Schutz aufgebaut wird.
„Ich bin aus einem anderen Grund hier als über meine Eltern zu schwatzen." Seine Wolfsaugen sind angespannt, flackernd, und es ist überrascht mich, in mein altes Ich zu sehen. Das Verhältnis zu seinen Eltern ist wohl so schlecht wie meines Mal gewesen ist. Witzig, wie ich die Dinge noch nicht vergessen habe, die mir am meisten Schmerz zugefügt haben. Ich habe gedacht, vergessen ist einfach, dabei ist es noch eigensinniger als zu erinnern.
„Warum bist du hier?", bohre ich nach.
Er grinst mich leicht an. „Heute ist Keisukes großer Tag und du solltest ihn nicht verpassen."
Irritiert blicke ich ihn an. Sein Grinsen hat nichts Gutes zu bedeuten. Es ist so dunkel, so von falscher Freude zerrissen. „Sein Geburtstag ist erst nächsten Monat."
„Ach, Saejin..." Seufzend verschränkt er die Arme vor dem schwarzen Shirt. Unser letztes Gespräch hat er nicht vergessen, er trägt seine beigefarbene Valhalle-Jacke darüber, als wolle er mir unter die Nase reiben, dass er auch einer Gang angehört. Wie ein Faustschlag im Bauch begreife ich, was wirklich vorgeht – und will es gleich wieder verdrängen.
Sein Glöckchen ertönt, sein unheilvoller Klang verheddert sich in meinem gebrochenen Brustkorb und wirbelt die dicke Staubschicht meiner Müdigkeit auf. Mein Herz hustet, atmet.
„Er wird heute in Valhalla aufgenommen. Dann sind wir wieder in derselben Gang."
Und dann will es am liebsten nicht mehr atmen.
Was? Jetzt schon?
Was habe ich auch erwartet? Dass eine geschenkte Blume ihn davon überzeugen kann, die Person nicht zu ermorden, von der er glaubt, sie hätte sein Leben ruiniert? Dass eine Blume die geteilte Wunde mit Keisuke heilt? Nein, so leicht ist das nicht. Eigentlich hätte ich das vorher schon wissen sollen. Als jemand Zerbrochenes, der wie er in einem ungewollten Leben zu untergehen droht, ist mir sehr wohl bewusst, dass eine Blume nicht dazu imstande ist, dieses Wunder zu bewirken.
Ein verstandsloser, und sehr verzweifelter, Teil meldet sich in meinem Kopf und möchte mit ihm gehen. Möchte mit ihm nach Valhalla, möchte bei ihm sein und hinter das trübe Irrlichter seines einsamen Waldes blicken. Was verbirgt sich dahinter? Noch mehr Dunkelheit, oder ein unterdrückter Mond? Ich mag müde sein, mental instabil und angekratzt und könnte jeden Augenblick zusammenbrechen – aber es ist kein Zufall, dass er mir immer dann begegnet, wenn ich am Boden zerstört bin. Verloren und orientierungslos in dem verwirrenden Konzept von Weitermachen und Aufgeben.
„Okay, ich komme mit", sage ich aufgeregt, nahezu verängstigt, und drücke die Blume so gegen meine pochende Brust, dass auch die restlichen Blüten zu Grunde fallen.
Er nickt und wendet den Blick zur Seite. Doch ich kann es trotzdem sehen, wie seine Lippen ein schmales Lächeln zeichnen. „Du solltest dir was Anständiges anziehen. In diesem Fummel kann ich dir keine Sicherheit vor irgendwelchen Perversen garantieren. Und damit meine ich wirkliche Perverslinge."
„Du willst mich schützen?" Diese Tatsache versetzt mich in eine erneute Starre. So unanständig gekleidet komme ich mir in meinem PJ gar nicht vor. Es ist nur ein graues, langes Shirt bis zu den Knien, mit dem Aufdruck mit Albert Einstein in der Gestalt einer Schildkröte. Grinsend stellt das Reptil mit der großen, drahtigen Perücke fest: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."
Er blickt mich nicht an, und ich frage mich, ob er womöglich seine letzten Sätze bereut. „Der Spruch könnte den ein oder anderen verärgern", raut er atemlos, „und viele würden deine Wehrlosigkeit ausnutzen, um ihre Wut herauszulassen."
„Aber ich habe ihnen doch nichts angetan."
„Das ist ihnen egal", bestärkt er nachdrücklich und starrt mich wieder an, „einige von ihnen warten darauf, dass sich jemand wie du dorthin verirrt. Manchmal Stunden, manchmal Tage – und ich sage dir, wenn ein Hai erstmal Blut gerochen hat, wird es für sein Opfer nicht schön enden."
Ich brauche einen tiefen Atemzug, bevor ich wieder sprechen kann. „Und... und wieso willst du mich dann dahin schleppen?"
„Gute Frage." Seine Schultern zucken, seine glühenden Wolfsaugen hypnotisieren mich wie eine Schlange, die nicht so recht weiß, ob sie mich verschlingen kann oder nicht. „Vielleicht genieße ich den Ausdruck der Angst zu sehr in deinen Augen. Aber irgendwie... wirkst du heute anders." Er stoppt, schluckt unsicher. „Ich weiß, wie es ist, wenn du zwischen Tränen und Regen nicht mehr unterscheiden kannst", spricht er aus. Nein, befreit er sich wohl von den Worten, die er mir an dem Abend meines Geburtstages sagen wollte.
Er hat sich wirklich daran erinnert, in sich verstaut und aufbewahrt, als hätte er die Zeit gebraucht, bis er es erkannt hat. Als hätte er einen Kampf dagegen gefochten, wollte einfach nicht einsehen, dass da jemand ist, der ihn gutmöglich versteht. Der seinen Schmerz blind versteht.
Ich blinzle, erstaunt und sprachlos. Schwanke zwischen dümmlich grinsen oder freudigem Quietschen, doch ich ziehe es vor, vernünftig zu bleiben. Ruhig. Nicht, dass ich ihn abschrecke. „Deine Eltern, oder?", frage ich behutsam, ohne Druck wie ein schüchternes Streicheln über seine sich öffnende Seele. „Wenn du willst, kann ich dir nochmal eine Blume von meinem Beet geben. Hab' noch genug."
Etwas Dunkles flimmert über seine Augen. Dunkle Erinnerungen, dunkler Schmerz. „Damit man sie nochmal zertretet und die Vase gegen die Wand schmeißt? Darauf kann ich gut verzichten." Er stützt den Kopf hoch wie ein Versuch, unerreichbar zu wirken. Doch wenn wir beide ehrlich sind, ist er das schon längst nicht mehr für mich.
„Was haben deine Eltern angestellt? Dich wieder eingepfercht?", fragt er mit einer Wut nach, die er nicht empfinden sollte, aber der Punkt „Eltern" trifft auf eine Wunde, die er nur mit Wellen des Zorns erpressen kann.
„Nein, es ist ein altes Problem. Es ist aus dem Nichts zurückgekommen und hat mich vollkommen aus der Struktur geschmissen. Ich muss es wieder loswerden, aber es ist diesmal nicht so einfach." Ich überlege erst gar nicht, was ich ihm da gerade anvertraue. Ich spreche es aus und fühle keinen Widerhall, aber ein leichter werdendes Herz. „Ich habe es schonmal besiegt, aber es macht mich müde. So verdammt müde, dass ich noch den Verstand verliere. Nur, wenn ich jetzt nachlasse und damit aufhöre, was ich angefangen habe, würde ich es noch schlimmer machen. Es nimmt so viel Platz in mir ein, der nicht dafür bestimmt ist – aber ich kann mich irgendwie nicht dagegen wehren. Ich bin noch nie ein starkes Mädchen gewesen. Noch nie... ständig haben mich andere aus meinem Loch gezogen, weil ich es selbst nicht geschafft hätte... Ich bin schwach, auch wenn ich manchmal glaube, es nicht zu sein, hat sich das bis heute nicht geändert..."
Allmählich verstumme ich, fange mich noch, um den Rest für mich zu behalten. Geschockt begreife ich, wie viel ich ihm beichten möchte. Wieso er und nicht Chifuyu? Wieso er und nicht Keisuke? Wieso Kazutora? Kazutora, der das entscheidende Gewicht trägt, das mich am Ende zu Fall bringen wird.
Ein noch verrückterer Teil hält es für möglich, dass wir auf eine bestimmte Frequenz miteinander kommunizieren. Eine, wo wir nur einander hören, weil er wie ich ein kleiner Planet in diesem gewaltvollen Universum ist, drehend um dieselbe Sonne, um denselben Mond. Und ich hasse das. Hasse es, dass ich in seiner Nähe diese Seite von mir freien Lauf lasse, als wäre das keine Horrorgeschichte für ihn, aber sein Alltag.
Er nickt so, als könnte er mich verstehen – und ich zweifle es nicht im Geringsten an. Den Kopf zur Seite kippend blinzelt er mich an. „Dann wäre es besser, würdest du lernen, allein stark zu sein und dich weniger darauf verlassen, dass dich jemand anderes rettet. Wobei ich mir sicher bin, dass Baji-san für dich durch jedes Feuer gehen würde." Seine glühenden Wolfsaugen mustern still meine Reaktion, meine in sich zusammenfallende Verzweiflung. Ich nehme eine vorsichtige Bewegung in der Luft zwischen uns wahr – bis er direkt vor mir steht. „Ich denke, es ist nicht schlimm, wenn du dich auf andere verlässt – solange du dasselbe für sie tust", setzt er zu und blickt zu mir hinab.
„Aber ich bin schwach, Kazutora. Und mit Schwäche kann ich niemand retten."
Sein Lächeln ähnelt einem ungläubigen Seufzer. „Meine Güte, wo ist das Mädchen hin, das mir an ihrem Geburtstag noch Parole geboten hat?"
Getroffen schlinge ich die Arme um mich und sehe zu seinen angespannten Fingern. „Verschluckt worden."
Er öffnet sie, schließt sie; immer wieder, als müsste er sich gegen etwas wie ein Impuls sträuben. „Von was?", fragt er außer Atem.
„Mir selbst, denke ich."
Sekunden verstreichen. Sekunden, in die er nichts sagt, sich keinen Zentimeter rührt, keinen einzigen Ton von sich gibt. Sekunden, die sich wie ein Schwarm der Stille ansammeln, den ich so gerne mit der Hand verscheuchen will, vertreiben möchte; sowie die letzten Minuten mit ihm.
Dann – endlich – unterbricht er sie.
„Du bist es."
Verwundert sehe ich zu ihm auf.
Er hält meinen Blick stand, sein Irrlicht funkelt hinter dem Wolfsgelb wie die letzte Chance, die ich noch habe – und, sowie es mich anlockt und hält, auch ergreifen sollte.
„Du bist die Blume mit dem schwächelnden Leben."
„Ich?", frage ich.
Er nickt, lächelt mich aus dem verborgenen Winkeln seines Seelenwaldes an. „Du vertrocknest, Kleines. Du solltest wieder Sonnenlicht tanken, und ich weiß zufälligerweise, wer dir das bieten kann."
Ich spreche, bevor ich überhaupt denken kann. „Du nicht?"
„Was?" Sein Lachen ist wie der leise, raue Ton, den man von sich gibt, wenn man verletzt ist. Wenn man sich wünscht, Worte zurücknehmen zu können. Seine Augen schmelzen vor Unsicherheit. „Ich wohne in Dunkelheit. Schon seit einigen Jahren. Schon so lange, dass ich es aufgegeben habe, noch auf den Lichtpunkt zu warten, der mich da wieder herausholt. Ich hab's akzeptiert." Er stützt sich am Türrahmen ab und schaut zu mir hinab. „Aber du bist eindeutig nicht dafür geschaffen, Kleines. Deshalb wage ich es auch nicht, dir beim Untergehen zu zu sehen", sagt er, schmunzelnd. So, so geheimnisvoll. „Du solltest Baji-san nicht folgen, du sollst ihn daraus holen."
Er muss mir nicht erklären, was er damit exakt meint. Ich habe unser Gespräch nicht vergessen, noch nicht, seine Überzeugung, ich könnte Keisuke zurück auf den richtigen Weg bringen.
„Wieso versuchst du mir zu helfen?"
Ich will es wirklich wissen, will den Kazutora verstehen, der plötzlich vor mir steht. Der Junge mit dem Tigertattoo am Hals, den stechend gelben Wolfsaugen, den Glöckchen mit dem Unheilsklang, und der in mir die eine Blume sieht, die er vor dem Austrocknen bewahren möchte, die Blume, die ihn lernen soll, auf das Leben eines anderen zu achten.
Sein Wald erleuchtet, als würde der Mond darin sich langsam drehen; und er ist voller Geheimnisse und tiefen Kratern mit noch mehr Geheimnissen, die er keinem verrät. „Du musst nicht wissen, warum. Aber ich sollte es wissen", lächelt er in sich hinein.
Dieser Kazutora verwirrt mich, macht mich nervös. „Ist das irgendein falsches Spiel, das du mit mir treiben willst? Jetzt, wo ich mich nicht mehr länger wehren kann, da..."
Sofort unterbricht er mich. „Nein, kein falsches Spiel. Das kann ich dir so weit verraten." Seine Lippen presst er hart aufeinander, die Arme um seinen Oberkörper gelegt. Zitternd. Sein innerer Kampf hat er immer noch nicht ausgefochten. „Ich will nur nicht den Platz verlassen, an dem ich mich gerade befinde."
Ich runzle die Stirn. „Warum? Was hindert dich daran?", flüstere ich.
Seine Aufmerksamkeit schwindet. Er lehnt sich vom Rahmen und positioniert sich wenige Meter vor der Haustür. „Du solltest dich jetzt umziehen", meint er fast befehlend, aber er scheint dadurch seine Aufregung zu verbergen, , „und dann gehen wir zu Baji-san. Am besten du lässt noch diese schwarzen Löcher von Augenringen aus deinem Gesicht verschwinden. Sie stehlen dir an Reiz, Kleine."
Bevor ich weiter über die Person nachdenke, die meinen geliebten Feuerengel zurück in die Hölle zerren möchte, mich sogleich aufwühlt und irgendwie erlöst, habe ich die Haustür zugezogen und mich mit wackeligen Knien in mein Zimmer gestürzt. Mich umgezogen – Leggings, Keisukes Hoodie mit den weißen Kontraststreifen, den ich seit jenem Winter nicht angerührt, weiße Platformsneakers. Dann entdecke ich Sayuri auf meinem Fenstersims.
Ihre Mondsichel schmal, ruhelos. „Baji wird heute Valhalla beitreten", berichtet sie mir schmerzlich.
„Ich weiß", seufze ich aus und hole den Schlüsselanhänger unter dem weichen Stoff des Hoodie hervor. Drücke, schüre kalte Asche und erhoffe, eine kleine Flamme zu erwecken. Nur eine winzige. „Kazutora wird mich gleich zu ihm bringen."
„Kazutora?" Sie lehnt die Ohren zurück. „Halt dich von ihm fern, Saejin", knurrt sie, „er ist doch für das alles hier verantwortlich! Dieser Mensch ist besessen von Rache und wird nicht zögert, nochmal einen umzubringen. Er ist gefährlicher als du denkst!" Sie schreit mich fast an, die Lefzen bewegungslos, aber die Augen zuckend vor Entsetzen und Panik. „Er hat Baji dazu gebracht, Toman zu verraten. Er könnte sterben – seinetwegen!"
Es bleibt kalt in meiner Brust. Ich ziehe die Schultern zusammen, habe aber mittlerweile verlernt, mich gegen die Kälte zu wehren. „Sowie du weißt habe ich auch ein Leben auf den Gewissen. Und nur meinetwegen ist dieser Dämon nicht nur hinter meinen, sondern auch hinter Keisukes Leben her. Wer von uns beiden wird also wirklich die Schuld tragen?"
Sie schweigt – weil sie wie ich weiß, dass keine Lüge dieser Welt die Antwort noch schön verpacken kann.
Ich bin es.
Kazutora wartet bei seinem Motorrad auf mich. Ein Flackern von Veränderung in seinen Wolfsaugen, das zu kurz anhält, als ich es hätte noch studieren können. Auch, wenn er mich anschmunzelt und sein Ausdruck normal, unauffällig ist, fühlt es sich zwischen uns mit einem Mal anders an. Erhitzt, offener.
Zu offen.
Valhalla ist keine ruhmreihe Halle für Helden. Sie ist die Hölle, eine alte, verlassene Spielhalle verseucht von Schimmel und andere beißenden, magensäure-erregenden Gerüche, die ich kenne, aber nicht nennen möchte. Sie trägt keine Farbe, kein Gold, kein Festmahl, kein Met für die Ewigkeit. Dafür seelenlose Hüllen, Gewalt, Schmerz, stumpfe Blicke, mit leeren Augen, dahinter Gedanken, die dasselbe wiederholen. Und Blut. So viel Blut, oh mein Gott, er prügelt ihm das gesamte Blut aus den Eingeweiden.
Chifuyu ist auch hier. Sollte es aber nicht sein.
Noch weniger wie ich.
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