the girl he doesn't want to lose in the universe.


Er hätte mich überall hin mitnehmen können. An fremde Orte mit spannenden Geschichten, an Orte, die nur er kennt und mit besonderen Veränderungen seines Lebens verbindet. Wir hätten Tokio verlassen können, wir hätten die vielen Wolken am Himmel jagen können und wir hätten unsere Freiheit suchen können. Ich wäre über jeden Ort zufrieden gewesen, wo er auch ist.

Aber nicht unserer Schule.

Wir sind von der einen Hölle zur anderen gewandert.

Was möchte er hier? Sie endlich abbrennen?

Er hat nicht dieses wilde, kupferfarbene Funkeln in seinem Gebirge flackern wie in den Zeiten, wo er die ganze Welt niederbrennen will. Er wirkt ruhig, fast zu ruhig für ihn. Er hält mich an sich gedrückt und geht auf den Haupteingang zu. Seine Schritte sind fest und sicherer, als ob er mit jedem weiteren Aufkommen die schwere Welt unter sich bezwingt. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, wie ich beobachten kann, wie er sich aus seiner eigenen Asche erhebt und zurück zu sich findet. Das Schwarze Meer ist in an diesem Platz namens Schule völlig machtlos, und ich wundere mich, warum ausgerechnet sie.

Mit einem knappen Nicken begrüßt er die Putzfrau, die ihn mit verdatterten Blick hereinlässt, und erklärt ihr in einen warmen und charmanten Ton, dass er etwas vergessen hätte. Sie schüttelt nur den Kopf und murmelt etwas wie „Kinder heutzutage. Immer mit den Gedanken woanders", dann wartet er mit mir in seinen Armen hinter einer Säule. Worauf überhaupt? Was sucht er hier und wieso finde ich es so spannend, heimlich mit ihm in der Schule zu sein? Ich habe längst keinen Herzschlag mehr, das ist schon ein Herzhämmern.

Ich blicke zu ihm hoch und hoffe so, er würde mich in seinen Plan einweihen. Wir sehen uns gegenseitig ein, sein gerissenes und aufgeregtes Lächeln mit den leichten Ansätzen seiner Fangzähne reißt mich mit sich in dieses unerwartete Abenteuer. Dieses Risiko, erwischt zu werden und einen Schulverweis zu kassieren, bestärkt das Nervenkitzeln in uns. Er atmet ungleichmäßig, und er riecht wundervoll nach warmer Milch und Honig. Moment mal. Was? Seit wann duftet er so nach... Chifuyu?

„Sie ist gleich weg", wispert er begeistert und seine Kupfertupfen glühen auf, das ungezähmte Feuer seines aufbrausenden Ich bricht den Fluch seines Schwarzen Meeres. Mein Herzhämmern verdoppelt sich bei diesem Anblick, und ich bin nicht nur fasziniert, sondern auch ungemein froh darüber, dass meine Eltern nicht mal einen winzigen Kratzer auf seiner Glaskugel hinterlassen haben. Er muss buchstäblich auf die Meinung meiner Eltern scheißen. Sie haben ihn in dem Augenblick wehtun können, sie haben seinen Damm gebrochen – aber ihn werden sie niemals brechen können. Als wäre da noch eine Art von Schutz um ihn, der nur durch eine einzige Sache vernichten werden kann. Hat dieser Schutz mit dem Geruch von warmer Milch und Honig zu tun und dass dieser eigentlich gar nicht zu seinem besten Freund gehört – sondern zu ihm?

Ich mustere seine weichen Züge genauer und versuche, eine Antwort in seinem Blick finden zu können, doch ich finde keine Antwort, sondern ein freies und junges Feuer, wo ich mir wünsche, dass es niemals aufhören wird zu brennen. Es brennt auch in mir, aber auf eine prickelnde und berauschende Weise wie die Moleküle des Feuers und des Sauerstoffs, die zusammen eine Wärme ergeben. Dieses Feuer zerstört nicht, dieses Feuer verbindet.

Es klackert. Ein Riegel verschließt sich, und Baji hält einen Moment inne, prüft mit seinem Blick, ob sie aus der Sicht ist, dann tretet er hinter der Säule hervor.

„Was machen wir hier?", frage ich ihn und möchte, dass dieses Abenteuer eine Weile anhalten wird. Diese Schwerelosigkeit in seinem hübschen Gesicht gibt mir das schöne Gefühl, als wäre ich tatsächlich mit ihm hier. Ich meine, nicht als Katze – aber als Mensch, und ich würde ihn anlächeln und ihm dadurch zeigen, wie furchtlos er mich macht.

Keisuke geht auf mein Mauzen nicht ein und stellt sich vor die große Wand hinter dem Haupteingang. Seine Augen verlieren sich sofort und er wirkt wie hypnotisiert. Er wird von etwas angezogen wie die Nadel auf dem Kompass, weil sich Süd- und Nordpol immer magnetisch anziehen. Aber was ist sein Südpol? Und wieso ist dieser in der Schule? Ist sie das Magnetfeld seiner Unendlichkeit?

Aus Neugierde drücke ich mein rechtes Ohr gegen seine Brust und möchte der Komposition seines Herzens zuhören. Sie muss schön sein, und ich werde nicht enttäuscht. Sie ist unglaublich, magisch. So sanft, aber auch voller lauter Trommelschläge und ungebändigten Stolz.

„Als sie das erste Mal ihre Eltern erwähnt hat, habe ich es für einen Witz gehalten." Er erzählt wieder einer dieser lebhaften Geschichten, sinkt vorsichtig zum Boden und lehnt sich mit dem Rücken gegen eine Säule. Sie ist mit verschiedenen Veranstaltungen und AG-Werbungen vollgekleistert. Aber sein Blick hängt an seinem Südpol. Meine Augen richten sich auf ihn und mein Herz sehnt sich unheimlich danach, zu erfahren, was sein Südpol ist. Doch ich fühle mich auch wie ein Kleinkind in seinen Armen, das Geschichten liebt, und besonders die samtige, tiefe Stimme des Erzählers. Dieses Empfinden hält mich zurück und im selben Augenblick hält es mich an ihn und an das Feuer in seinen Kupfertupfern. „Sie hat überhaupt nichts von ihnen, vielleicht das Talent zum Zeichnen von ihrem Vater und die Augen ihrer Mutter. Sie weiß, dass ich in der Kunst-AG eine Niete gewesen bin, aber eine Sache habe ich mir merken können. Die Farbe ihrer Augen. Sie sind sonnengelb. Wie deine."

Sonnengelb.

Das gefällt mir. Wirklich sehr.

Traurig, dass er nicht sehen kann, wie sein breites und strahlendes Grinsen die eigentliche Sonne eifersüchtig macht.

Er lehnt den Kopf in den Nacken und seufzt aus wie ein Versuch, seine Erinnerungen an die frische Luft zulassen. Sie wirken eingestaubt, als hätte er sie eine gute Zeit lang in einer ungemütlichen Kammer aufbewahrt, jetzt erkennt er, dass das falsch gewesen ist. Seine Stimme wird herb, aber verliert nicht an Tiefe. Es gefällt mir, wie er unsere Geschichte erzählt und wie dabei das Gewicht auf seinem Herzen leichter wird, als hätte er in unserer Geschichte ein anderes und besseres Ende gefunden als ich.

„Ihre Eltern sind sehr besitzergreifend, nicht wahr? Sie mischen sich ständig in ihr Leben ein und denken, das wäre so in Ordnung. Sie glauben, sie so vor Fehler und schlechten Menschen beschützen zu können. Natürlich kann man das nicht und natürlich suchen sie jetzt einen Sündenbock, warum sie im Koma liegt. Schließlich haben sie das nicht für sie eingeplant. Und natürlich bin ich dieser Sündenbock." Er schüttelt den Kopf und lächelt schwermütig. „Chifuyu würden sie niemals beschuldigen. Er wirkt auf den ersten Schein tatsächlich wie ein netter und höflicher Junge. Na ja, als ich ihm das erste Mal begegnet bin, hat er diese schreckliche Friese wie ein Sahnehäubchen auf den Kopf gehabt. Zum Glück hat er das ganz schnell wieder sein gelassen. Er sah wie ein aufgeplusterter Trottel aus."

Nun muss er so lachen, dass sein Herz dabei stockt und dann ganz zügig weiter hämmert, als würde es keine der folgenden, aufregenden Gefühle verpassen wollen.

„Er hat großes Glück. Jeder mag ihn – und ich bin sehr froh, ihn an meiner Seite zu schätzen. Ich kann mir niemand anderes in seiner Position vorstellen als er. Manchmal bekomme ich aber nicht das Gefühl los, dass es ihm ein bisschen an einer Führungskraft fehlt. Jemand, der ihn in eine anständige Richtung schubst. Fast wie sie." Sein Lächeln schwankt, schmerzliche Schatten legen sich über sein Sonnenlicht. „Aber sie... Sie ist nochmal eine ganz andere Nummer. Chifuyu übernimmt wenigstens Verantwortung für Toman, für sich und Peke J. Er würde sich mit dem Gewissen, dafür sein Leben zu geben, in eine waghalsige Situation stürzen, um jemand zu beschützen. Doch Saejin... Sie würde es einfach blindmachen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was sie möglicherweise verlieren könnte. Das muss mit ihren Eltern zusammenhängen. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass sie einer der wenigen ist, die in einem Moment vollkommen da sind und ihn erleben, hat sie keine Ahnung davon, wie wertvoll das eigene Leben ist... oder... wie wertvoll sie ist."

Er hat Recht.

Ich weiß es wirklich nicht.

„Ihre Eltern müssen ihr so oft das eigene Leben vorgeschrieben haben, dass sie nicht gelernt hat, für sich selbst zu denken." Seine Stimme wird heiser, kränker. „In den ersten Wochen ist sie in meiner Gegenwart sehr verunsichert gewesen. Ich habe gewusst, dass sie sich irgendwie vor mir fürchtet, aber das hat mich nicht daran gehindert, etwas gegen ihre Unsicherheit zu tun." Er fasst sich mit der rechten Hand an den Nasenrücken und schluckt mehr als nur einen Kloß in seinem Hals herunter. „Ich habe alles versucht, damit sie sich in meiner Nähe wohlfühlt. Ich weiß ja von den anderen, wie ich manchmal wirke... Klar, ich hätte mir diese Mühe nicht unbedingt machen müssen – aber ich wollte es. Und du musst wissen, kleine Saejin, wenn ich etwas will, dann kann mich nichts aufhalten. Auch ihre Eltern nicht. Zuerst wollte sie mich ihnen nicht vorstellen, doch ich musste wissen, ob es stimmt, was sie mir erzählt hat. Ihre Eltern haben mich sofort wieder aus ihrem Haus geschmissen und mich als einen „Rowdy" betitelt. Und ich dachte wirklich: „Scheiße, sie wird bestimmt auf ihre Eltern hören und nie wieder ein Wort mit mir reden."

Der Schmerz schwindet plötzlich, und seine funkelnden Kupfertupfen verlieren sich ein weiteres Mal in seinem Südpol, aber tiefer.

„Doch sie ist mir sogar nachgegangen. Sie hat sich nicht nur für ihre blöden Eltern entschuldigt, sie hat auch gemeint, sie würde es verstehen, würde ich wegen ihnen nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Sie hat beinahe das Weinen angefangen, als würde ich ihr tatsächlich wichtig sein. Da habe ich es begriffen: Sie wollte mich nicht verlieren. Meine Bemühungen haben sich belohnt, sie wollte bei mir bleiben und wirkte sicherer. Aber ich habe noch eine weitere Sache festgestellt: Sie hat sich von ihren Eltern gelöst. Woran ich das erkannt habe?"

Seine Hand wandert von seiner Nase zu seiner Kette, dann nimmt er den mir unbekannten Anhänger zwischen die Finger und verschließt ihn so fest wie seine Erinnerungen an mich. Eine Geste, die mein Herz zum Kitzeln bringt.

„Als ich sie das erste Mal gefragt habe, was sie mal werden möchte, hat sie gemeint, ihre Eltern haben für sie schon eine entsprechende Kunstuniversität in Tokio auserwählt und dass sie wahrscheinlich so mal eine Künstlerin sein würde. Ich habe es ihr nicht verraten, doch sie ist schon längst eine umwerfende Künstlerin für mich gewesen. Sie hat es mir nicht mit einer eigenen Ausstellung beweisen müssen, ich habe es immer gesehen, wenn sie so leidenschaftlich und vertieft einer ihrer Gemälde gemalt hat. Na ja, das war jetzt vom Thema abgeschweift. Das passiert mir häufiger bei ihr..."

Er schmunzelt zerknittert, dann räuspert er sich und seine Hand mit dem Anhänger zittert, als wäre das Feuer in seiner Brust erloschen.

„Nun... Als ich sie das nächste Mal gefragt habe, was sie werden möchte, ist ihre Antwort anders ausgefallen. Sie möchte gerne Astronautin werden. Ich habe sie zwar dafür ausgelacht, weil das eigentlich ein Wunsch ist, der man vielleicht mit 6 oder 8 Jahren hat – aber sie wollte es unbedingt mit 14 Jahren werde. Wenn ich mir das vorstelle, Saejin im Weltall, dann habe ich Angst, sie würde sich auch in diesem verlieren und ich wäre nicht da, um sie zurückzuholen... Was sie jetzt werden möchte, das weiß ich nicht... Aber ich hoffe, ihre Eltern werden ihr das niemals ausreden können."

Ich blicke ihm in das schimmernde Gebirge, erfüllt von endlosen Erinnerungen und schmerzhaften Gefühlen. „Ich möchte immer noch Astronautin werden", gestehe ich ihm, „und ich möchte immer noch, dass Peke J mit mir das Weltall sieht. Als einer der wenigen Katzen, die diese Reise überleben."

Er lässt den Anhänger los und schlingt seine Arme um mich, damit er mich besser an sich pressen kann. Die nächsten Worte sind ein Wispern, und ein alles Entscheidendes noch dazu. „Ich weiß, dass ihre Eltern daran schuld sind, wieso sie mir doch letztendlich entwichen ist. Aber dich werden sie nicht bekommen, kleine Saejin. Dich werden sie mir nicht wegnehmen können. Du gehörst zu mir."

Schnurrend schmiege ich meinen Kopf an seinen und atme die warme Milch mit Honig intensiv ein. Mein Herzschlag ist so laut und ungestüm, dass mein eigener Körper bebt. „Ich werde dich nicht verlassen, Keisuke. Niemals. Auch wenn ich mal eines Tages im Weltall sein werde, werde ich meinen Weg zu dir zurückfinden. Damit wir immer einander festhalten können."

„Ich erinnere mich daran", flüstert er gegen mein Fell, irgendwie hoffnungsvoll, irgendwie traurig, und stützt den Kopf hoch, um zurück zu seinem Südpol zu blicken. „Ich habe ihr schon mal gesagt, dass sie zu mir gehört. An dem Tag hat sie etwas getan, das ich nie von ihr erwartet hätte. An dem Tag gab es kein Zurück mehr für mich. Sie hatte mich. Wirklich, sie hatte mich an ihre Welt gebunden und ich konnte nichts dagegen unternehmen. Wollte ich das? Nein, es war schön zu wissen, dass sie mich bei sich haben wollte." Plötzlich legt er mich zur Seite und steht auf. „Sie wird mich vermutlich dafür hassen, aber ich muss das tun. Sie sollte es endlich wissen, egal, wo sie gerade steckt. Ich bin mir sicher, sie wird es erfahren. Ob von einem Engel oder Teufel interessiert mich nicht, aber sie wird es nicht ausblenden können. Und vielleicht... Vielleicht holt sie das wieder zurück. Wenn sie weiß, dass sie in dieser Welt einen Platz hat."

Er verschwindet in den Gängen.

Mein Herz wird schwer, kälter, als würde der Winter wieder darüber einbrechen und Keisukes Feuer wäre darin ausgegangen. Als könnte es sein Feuer tatsächlich schaffen, dem Gänseblümchen einen weiteren Frühling zu schenken.

Ich nehme all meinen Mut zusammen und wage es endlich, seinen Südpol anzusehen.

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