his love is like fire and water.
„Wie viele Katzen wolltest du nochmal? 20?" Keisuke wirft mir einen Seitenblick zu und grinst. Seine Haare sind vom Fahrtwind noch zersauster als davor, hier und dort zwirbelt sich eine Locke wie ein ungerader Zweig aus einem Gebüsch. Es juckt in meinen Fingern, sie einfach für ihn zu richten – aber nicht vor dieser Art von Publikum.
Fieberhaft lege ich meine Finger um die kleine, beerentönige Umhängetasche vor meinem Bauch. Beim langen Ausatmen vernehme ich darin ein unangenehmes, dickes Geschwür und mein Griff wird krampfartig.
„Das sind mehr als 20", kommentiere ich die beachtliche und bunte Ansammlung von Katzen vor uns.
Sie sitzen verteilt auf den Stufen zum Schrein hinauf. Wie weit, kann ich nicht sagen, da sie den Blick nach oben versperren. Ihre neugierigen Mondsicheln fixieren alle einen gemeinsamen Punkt – mich. Was wollen die hier? Ich habe nichts davon gehört, dass der Schrein gerne von Katzen besucht ist. Und wenn, dann bestimmt nicht in diesem Ausmaß. Übermaß drückt es besser aus.
„Ist ja echt niedlich, wie sie dich alle anstarren", brummt Keisuke und rückt so weit heran, dass er mir einen Arm um die Schulter legen kann. „Seit wann hast du diese magische Wirkung auf Katzen?"
Magische Wirkung? Unter normalen Umständen hätte ich ihm darauf einen frechen Spruch gedrückt, doch keine wenigen Minuten später werden meine Gedanken von dem aufgeregten Gemurmel der Katzen förmlich erschlagen.
„Ist sie das nicht? Das Mädchen, das Katashi herausgefordert hat?"
Der Nekomata hat einen Namen: Katashi. Über ihn nachzudenken bereitet mir schlagartig Kopfschmerzen. Sie pochen in meiner Gedankendecke, als würde die Katze darin liebreizend schnurren, wenn ich an den Katzendämon denke, der ihr ein Menschenleben verschaffen kann. Mein Menschenleben.
„Nein, oder? Was macht sie hier?"
„Das ist sie!", bestätigt eine andere komplett aufgelöst, „und das neben ihr muss Baji sein. Sayuris Mensch!"
Sofort schnellen alle Ohren in die Höhe, gefolgt von einem eintönigen Raunen.
„Wir sind richtige Glückspilze, was? Bei unseren nächtlichen Pratouille begegnen wir ausgerechnet ihnen. Das müssen wir Peke J erzählen."
Peke J? Was hat er mit ihnen zu tun? Stirnrunzelnd gehe ich vorwärts auf sie zu, die Kopfschmerzen werden dröhnender wie ein kaputter Wecker, der nicht ausgeschaltet werden kann.
„Ssshh!", schimpft eine silber-getigerte Kätzin, „sie kann uns doch verstehen, ihr Volltrottel!"
Mit einem peinlich berührten Räuspern schweigen alle wieder – und starren mich regelrecht mit zuckenden Pelzohren an, als würden sie auf eine Reaktion von mir hoffen. Ich mustere still ihre Gesichter, während ich darüber nachdenke, was sie mit einem Katerfreund verbindet. Anscheinend hat er zu diesem Treffen verholfen.
„Machen sie dir Angst?" Als Keisuke sich neben mich stellt, beugt er sich genauer an mich heran und mustert mich besorgt. Wie auf der Suche nach Anzeichen von Angst oder einem Supernova-Moment. Ein unsicheres Lächeln kratzt an seinen Lippen. „Sie beobachten dich ganz genau, als würden sie irgendwie... auf dich Lauer. Oder auf einen Befehl von dir warten. Das hab' ich noch nie gesehen." Er fährt sich durch die unordentliche Haarpracht. „So viele Straßenkatzen auf einen Haufen, und das hier." Er ist sich nicht richtig schlüssig, ob er sich darüber freuen soll, oder ob er es nicht ebenso eigenartig einstuft wie ich.
Ich blinzle wortlos und klammere mich fester an meine Tasche, bis sich meine Hand zu einer Faust ballt. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll oder was ich am besten tun soll. Einerseits brennt es mir höllisch auf der Zunge, sie nach Peke J zu fragen, andererseits kann ich gerade nicht mit ihnen sprechen. Nicht in seiner Anwesenheit. Ein dicker Kloß fährt in meinem Hals hoch und runter, als ich gegen meine Neugierde rebelliere.
„Saejin, sag doch was, bitte", murmelt Keisuke an mein Ohr und seine große Hand tätschelt mir liebevoll über den Rücken.
Endlich kann ich darüber siegen und widme mich an ihn zurück. Es würde bestimmt ein anderer Zeitpunkt geben, wo ich mir einen knappen Moment mit den Katzen nehmen kann, um mit ihnen zu reden. Die Zeit mit ihnen läuft nicht ab – doch die mit ihm leider schon.
„Ich habe keine Angst vor ihnen", dauert es kurz, bis ich einigermaßen reden kann, und erwidere seinen sorgenerfüllten Blick. Die Kopfschmerzen halten noch an. „Seit meinem Unfalll..." Ich beiße mir in die Unterlippe, versuche aber nicht allzu eingeschüchtert zu wirken. „Seit meinem Unfall", starte ich von Neuem, „haben Katzen eine andere Wirkung auf mich. Aber ich wohl auch auf sie."
Er nickt, aber seine Skeptis schwebt tänzelnd in seinen Augen wie dunkle Ascheflocken über einen amber-lodernden Horizont. Ich hoffe einfach, sie würden vom nächsten Windhauch fortgetrieben werden. Am besten gleich.
„Das ist nicht zu übersehen." Sein leichtes Grinsen ist ein zager Aufmunterungsversuch, wohl für uns beide, der das dicke Geschwür in meiner Magengegend etwas entwinden kann. Ich kann wieder besser atmen, das Pochen hinter der rauchenden Schädeldecke wird zu einem kleinen, ertragenem Stechen. „Hätte nicht gedacht, dass mal jemand beliebter bei den Straßenkatzen ist als ich."
Kopfschüttelnd fange ich doch an, ihm die wilden Strähnen gerade zu kämmen, dafür muss ich mich allerdings auf die Zehenspitzen stellen und kann so seinen strahlenden Augen nicht entkommen. „Du bist immer noch ihre Nummer eins, glaub mir."
„Mhm, welche von ihnen gefällt dir am besten?" Ich folge seinen Kupferfunken zurück zu ihnen und stoppe wie er bei der silber-getigerten Kätzin. Sie streckt interessiert das Köpfchen mit den schwarzen Schnurrhaaren hoch, ihre Mondsichel sind so klar, grau und tiefgründig wie ein wolkenloser Winterhimmel.
Ein Winterhimmel, in den man sich hoffnungslos verliert, weil so leer wie er scheint, ist er nach dem mehrmaligen Hinschauen nicht. Umso länger man ihn anstarrt, desto mehr erkennt man die blassen, verborgene Struktur eines Universums, von dem wir alle ein Teil sein.
Ein bedeutungsvoller Teil.
Das ist das verrückteste an den Katzen. Sie verstehen nicht viel von unseren Leben und Eigenheiten, ihre Weisheit liegt darin, die Welt so hinzunehmen wie sie ist und sich nicht von ihr unterkriegen zulassen. Sie sehen das, wozu wir Menschen nie fähig sein werden: das Beste in uns.
„Die da", zeige ich mit dem Finger auf die Kätzin und lächle belustigt, als sie anmutig, wie je und eh, das Kinn neigt, „aber sie haben alle etwas Besonderes. Findest du nicht?"
Die silber-getigerte Kätzin gibt ein „Tsk" von sich und stolziert im geschmeidigen Trab zu uns hinüber. „Dummes Menschengeschwätz. Mit diesen Haufen von verfressenen Trotteln sollte man mich nicht vergleichen, verstanden?"
„Sie wirkt beleidigt", meint Keisuke amüsiert. Wie Recht er damit hat.
Könnte er sie nur so verstehen wie ich, würde er höchstwahrscheinlich jede Nacht mit ihnen verbringen und sich mit ihnen unterhalten. Über alles, was ihn beschäftigt und was er so niemand erzählen kann. Würde ihnen von seinem vielen Abenteuer erzählen, im Gegentausch würden sie ihm ihr Wissen und ihr Verständnis geben. Ihr Nachthimmel würde nicht aus Sternen bestehen, er wäre aus Geheimnissen und blinden Vertrauen. So behaglich, bestärkend, magisch. Genauso wie zu meiner Zeit als seiner Katze. Ob er sie noch sehr vermisst? Mich, die Katze? Oder bin ich genug, um ihr an Erinnerungskraft zu nehmen?
„Na, meine Hübsche?" Mit seinem charmantesten Grinsen begrüßt er die graue Kätzin und kniet sich vorsichtig zu ihr hin. Er hält ihr seine Hand hin wie eine Einladung hin, aber sie sollte selbst darüber entscheiden, ob er sie anfassen darf oder nicht. „Was machst du mit deinen Freunden hier?"
„Eine fette Party, weißt du?", antwortet sie ihm tatsächlich. Für ihn ist es bloß ein motziges Mauzen, für mich sind ihre Worte so deutlich wie die seine. Sie setzt sich gute fünf Zentimeter von seiner Hand weg und stiert ihn mit einer übertriebenen Eitelkeit an.
„Du bist wirklich schön", bewundert er sie und legt seine Hand auf sein Knie zurück. „Ich kann verstehen, wenn du nicht angefasst werden möchtest. Dein Fell ist viel zu schade dafür, was?"
„Oh, so einer bist du also." Sie hört sich so an, als würde sie eine Grimasse ziehen. „Glaubst mich mit betörenden Worten von dir überzeugen zu können? Keine Chance, Schätzchen, ich habe genug von Menschen." Ihre kalten Winteraugen gleiten im nächsten Moment zu mir hoch. „Wir sind hier auf Peke Js Anweisung. Falls sich etwas in Toman ergibt, erfährt er es als Erstes, um es an dich weiterzugeben."
Toman? Die Gang, der Keisuke angehört?
Katzen haben das besondere Talent, unsere Gedanken perfekt lesen und in manchen Fällen manipulieren zu können. „Hier ist ihr Versammlungspunkt. Aber mit euch zwei haben wir nicht gerechnet. Baji hat einen Platzverweis von Mikey bekommen. Er dürfte hier gar nicht sein."
Platzverweis? Vage erinnere ich mich an das letzte Gespräch zwischen Keisuke und seinem Anführer. Er sollte wieder zu ihm kommen, sobald er zurück an Vernunft erlangt hat. Und das ist wohl immer noch nicht eingetroffen. Sonst hätte er garantiert den Platzverweis aufgehoben. Wieso hat er mich dann ausgerechniet hierhergebracht, wenn es ihm nicht erlaubt ist? Eine weitere Erinnerung schlüpft kaum danach aus ihrem Mantel wie ein Nest voller Eier, die nach und nach aufknacken: Ich habe Mikey, seinen Anführer, gebissen. Mehrmals. Was habe ich mir bloß dabei gedacht?
Als Katze habe ich alle Grenzen des Menschendaseins überschritten.
Du hast einen verdammten Gangboss gebissen, Saejin! Beschämend fasse ich mir an den Nasenrücken und beiße mittels der Zähne in die Wange ein Seufzen weg. Flüchtig schenke ich dir Katze noch ein dankbares Nicken.
„Sollen wir weitergehen?", wende ich mich an Keisuke. In meinem Kopf herrscht bloße Klarheit und Aufregung. Er wird mir von Toman erzählen, davon, dass er ein Teil einer brutalen und gewalttätigen Gang ist. Dass er ein skrupelloser, böser Verbrecher ist, in dessen Welt ich nicht gehöre.
„Gleich", antwortet er.
Aber wenn ich ihn so dabei beobachte, wie er dieses begeisterte, warme und entwaffende Grinsen auf den Lippen trägt, während er die Katze vor sich ansieht und es ihr nicht übelnimmt, nicht angefasst zu werden, sind mir seine Taten als Verbrecher ganz egal. Ich würde ihn immer auf eine andere, gütigere Weise sehen und daran festhalten. Selbst wenn man mich dafür als naiv und blind halten würde, es würde keine Rolle spielen. Ich würde stets an seiner Seite bleiben, mich stets für ihn einsetzen – weil ich hinter den lodernden Wall seines Feuerherz sehe und dort ist ein Keisuke, der alles wert ist und nur das Gute verdient hat. Der mich aus meinem dunklen Turm befreit hat, um mir zu zeigen, wie echt die Liebe ist, wie sie kostet und wie sie Wunden heilt. Wie schön und unbeschwert das Leben sein kann, wenn man nicht allein kämpfen muss.
Niemand außer er wird mir je wieder das Gefühl geben können.
Keisuke Baji ist Liebe. Die einzige, die ich will und brauche.
„Wir werden uns bald wiedersehen, kleine Schönheit", verabschiedet er sich von der Kätzin. Er richtet sich gerade auf und sein Blick wird dunkler, unleserlich, als er mit den Kupferfunken die Katzen besetzten Stufen hochfolgt. Beinahe scheint es so, als würde sich unser gesamtes Umfeld verdunkeln. Als würde nicht nur ein Sturm über seine Kupferfunken aufziehen.
„Wenn sie uns vorbeilassen, können wir hoch...", murmelt er und hört sich so zaudernd an, als würde er sich genau das Gegenteil wünschen.
Ich nehme seine Hand und verschnüre meine Finger mit seinen. „Das werden sie. Komm", rede ich sanft mit ihm, „du hast nichts zu befürchten."
„Nichts zu befürchten?", wiederholt er rauchig und verharrt auf der Stelle. Zweifelnd blickt er mich an, sein rechter Eckzahn späht aus seinem zusammengepressten Mund. „Ich bin dabei, dich zu entführen, Saejin."
Über seine Wortwahl muss ich stutzen und lasse ihn nur widerwillig los. „Das hört sich albernd an. Du entführst mich nicht, Kei, ich bin freiwillig mit dir hier."
„Nein, du kapierst es nicht." Sein Blick ist voll mit Reue und Angst, seine Eckzähne sind so stark in seine Unterlippe gebohrt, dass ihr Nachdruck eine blutende Wunde hinterlassen könnte. „Ich entführe dich in meinen Schatten, und da kommst du nicht mehr so leicht heraus. Wenn ich es dir erstmal gesagt habe, dann bist du ein unwiderruflicher Teil davon."
„Chifuyu gehört auch dazu, oder?" Ich nehme die Traurigkeit in meiner Stimme wahr, aber ich weiß nicht, ob er sie ebenfalls hört – oder ob meine Augen schon genug aussagen. Es tut weh, dass er sich so sehr dagegen sträubt, mir diese eine Sache anzuvertrauen. Ich habe wieder diese mächtige Angst, ihn zu verlieren. Eine viel stärkere Energie im Universum zieht ihn weg. Weg von mir und durch ein schwarzes Loch an einen Ort, wo es mir verboten ist zu sein, wo meine Stimme und mein wilder Herzschlag ihn nicht erreichen.
„Chifuyu, er..." Schmerzerfüllt schließt er die Kupferfunken. Seine Muskeln sind angespannt, zittrig, als würde er einen inneren Kampf ausfechten, mit dem einzigen Ziel zu gewinnen. Ich habe das Gefühl, dass er genau in dem Moment entscheidet, es mir einfach zu erzählen – bevor er mehr verlieren wird als er riskieren möchte.
„Ja", atmet er mit aller Anstrengung aus, „er gehört auch dazu."
„Ich verstehe." Die Enttäuschung, es nicht zu sein, droht mich zu überwältigen. Ich will so sehr, so, so sehr, ein Teil ihrer dunklen Seite sein, dass mein Herz furchtbar schmerzt. Plötzlich komme ich mir ausgestoßen vor. Schon von klein hat mich dieses Gefühl verfolgt, nirgendwo hinzugehören – bis ich ihm und Chifuyu begegnet bin. Jetzt stößt er mich ab und es ist das schrecklichste, was ich bis zu diesem Tag gefühlt habe. Es geht brennend durch Mark und Bein, durch Herz und Schicksal.
„Und... wieso darf ich nicht dazu gehören?", murmle ich.
„Es ist zu gefährlich für dich", antworter er mir eindringlich. „Viel zu gefährlich. Du könntest in Sachen verwickelt werden, nur, weil ich dazu gehöre."
„Das ist egal, Kei. Bei dir gibt es keinen Schmerz."
„Nicht ich wäre derjenige, der dir unvorstellbares Leid zu fügen würde, Saejin." Er hält inne und sieht mich tief an. Sein Samt ist so hartnäckig, so ernst, dass ich für eine Sekunde Panik verspüre, aber sie zugleich mit meiner Liebe für ihn verjage. „Ich habe Feinde und diese Feinde kennen keine Grenzen. Es ist zu gefährlich, glaub' mir das bitte."
„Wirklich?"
Er nickt. „Ja. Das ist es."
Seine Welt ist dunkler als ich angenommen habe. Aber nicht dunkel genug, um mich zu entmutigen. Normalerweise freuen wir uns über schöne Dinge wie Sonnenschein und ein hübscher Regenbogen, aber ich habe schon immer mehr in Regen und im Sturm mein Herz verloren. Ich habe eine Ewigkeit immerhin in einem dunklen Turm verbracht – bis sein Feuer ihn niedergebrannt hat und den Kokon meines falschen Ichs gleich mit.
„Für uns ist es zu riskant", fügt er leise, verzweifelt, bei, „es könnte das zwischen uns zerstören. Man könnte dich mir wegnehmen, Saejin."
Meine Stimme bricht ab. „Freunde lügt man nicht an, Kei."
„Ich habe dich niemals angelogen. Was behauptest du da eigentlich?" Eine Mischung aus Schock und Zorn legt sich in den groben Linien seiner gerunzelten Stirn ab. Jedes Mal, wenn er blinzelt, wird sein Blick kalter, undurchdringlicher. Fremd.
Ich kämpfe verbittert gegen die Tränen an. Er lässt mir keine andere Wahl, ich muss es ihm sagen. „Du bist gerade dabei, es zu tun. Du willst mich anlügen, weil du glaubst, mich so da raushalten zu können. Aber ich denke, es ist mittlerweile egal, ob du es mir sagst oder nicht. Ich weiß es so oder so schon."
Er weitet die Augen. Sein ganzer Körper zittert, in seiner Stimme schwingt Unsicherheit und Bitterkeit mit. „Was weißt du?"
„Die Sache mit dir und Chifuyu. Die gemeinsamen Fehlzeiten in der Schule, die Verletzungen, eure Motorräder... Ich weiß, was dahintersteckt." Ich kneife die Lippnen zusammen. Es ist verrückt, wie gewaltig es schmerzt, ihn damit konfrontieren zu müssen. Wie würde es sich erst anfühlen, würde ich ihm erzählen, dass ich sterben möchte? Mit ihm? Wäre er nicht so verdammt sorgsam und dickköpfig, hätte ich sein, unser, Leiden auf der Stelle beendet.
Seine Seelenflamme schlottert bei seinem kalten Ton. „Was steckt dahinter?"
Ich kann es in seinen Kuperfunken beobachten, wie seine Welt zu bröckeln beginnt. Ein Riss nach jedem weiteren Wort schneidet ihn. Noch ein Satz mehr und sie zerfällt in Scherben. Wie ein splitternder Spiegel, der seine Dunkelheit vor mir versteckt. Er kann es nicht aufhalten, kann sie nicht länger vor mir verbergen – denn noch nie bin ich so von einer Dunkelheit angezogen wie die seine.
Ich werde aus einem einzigen Grund von ihr angezogen: um dort ein ewiges Sternenleuchten zu erwecken.
Ich nehme einen verzweifelten Luftschnapper. „Du und Chifuyu... Ihr gehört einer gefährlichen Gang an. Sie trägt den Namen Tokio Manji Gang. Und ich weiß, dass du es nie so weit treiben würdest, damit ich in das Visier deiner Feinde gerate oder man dich mir entreißt. Du würdest mich schützen – sowie die letzten Jahre."
Die Wahrheit ist draußen. Ich habe sie ausgesprochen, habe sie für ihn ausgesprochen, als hätte er sie selbst für einen Augenblick von sich geschoben. Weshalb sie so erschütternd auf ihn zurückschlägt.
Seine Welt zerbricht augenblicklich. Ihre Scherben schlagen hart auf den Boden ein, springen auf und verfangen sich in seinem Herzen, in seinem Gesicht, in seiner Seele. Sein Geist ist eine klitzekleine Flamme, die von dem Niederschlag seiner unausweichlichen Dunkelheit erdrückt wird und kaum atmen kann. Es gibt doch etwas außer mich, das sie auslöschen könnte – und das ist er selbst.
„Wie lange weißt du es schon?", fragt er mich tonlos.
Wehmütig sehe ich ihn an. „Eine ganze Weile. In Gerüchte steckt schließlich immer etwas Wahrheit." Das ist nicht mal so falsch. Eine ganze Weile trifft es gut.
„Scheiße." Gequält verzieht er den Antlitz und alles, was ihn gerade noch an Kraft geschenkt hat, wird von dem Meer der Finsternis fortgetrieben. Das Gewitter türmt sich in seinen leeren Kupferfunken auf und entmächtigt ihn. Sein Körper fängt zu beben an, eine Traurigkeit, die ihn schwerst erfüllt, tobt in seiner abgeschwächten Glut.
„Und?" Leise und gebrochen spricht zu mir. Er gibt sich nicht mal die Mühe, es zu verleugnen. Als hätte er sich schon damit abgefunden, verloren zu haben. „Was wirst du jetzt tun?"
„Was ich tun werde?"
Es zerbricht mir das Herz. Die letzten Wochen habe ich daran gedacht, mein Verlust wäre der Grund, wieso sein Herz so verlassen, traurig, ist – aber in Wirklichkeit bin ich es, die es verhilft, anständig zu verheilen. Ich hasse mich dafür, es nicht früher bemerkt zu haben und ihm den Spiegel auf diese harte Art vor die Nase gehalten zu haben.
„Keisuke." Ich umgreife fest sein Handgelenk und bleibe so stark wie nur möglich. Für ihn, für mich, für sein tobendes Feuerherz.
„Soll ich zur Polizei rennen und die zwei wichtigsten Personen meines Lebens verpetzen?", frage ich ihn geknickt. Wieso kann ich ihm nicht den Schmerz nehmen und in meine Seele begraben?
„Es wäre besser so." Er senkt die Stimme, den Blick, als glaube er mich noch so vor dem Gewitter in ihm bewahren zu können. „Empfindest du keine Abneigung? Keine Angst?" Aber ich kann es sehen, kann fühlen wie es mein Herz schmerzvoll einengt. Bereitwillig, von den beißenden und wilden Blitzen seiner Dunkelheit erfasst zu werden, löse ich die Distanz zwischen uns auf. Ich will nur für ihn da sein, ihn trösten. Sein Schmerz ihn mir aufnehmen und zu unserem machen.
„Niemals, Keisuke." Ich lasse sein Gelenk los und lehne meine Hand gen seine Wange, um ihn wie ein Schirm vor weiteren, verletzenden Einschlägen zu schützen. Er soll mich und die andere Wahrheit in diesem Moment nicht nur spüren, er soll sie einatmen und in sich verschließen wie ein Geheimnis, das nur wir miteinander teilen. Die Wahrheit, dass ich da bin und es bleiben werde. Für den Rest meines Lebens. „Ihr seid trotzdem meine Helden und werdet es immer bleiben. Und wenn ihr mal in den Knast kommt, bin ich bestimmt gut darin Kuchen mit versteckten Waffen zu backen. Was wäre dir lieber? Schoko- oder Zitronenkuchen?"
Mein Lächeln sollte nicht schmerzhaft sein, aber das ist es. Weil er es nicht erwidert, wie sonst. Lächeln ist ohne ihn grauenhaft, eine kahle Maske, um mein Leid zu verbergen. Ein Lächeln fühlt sich ohne ihn nicht lebenswert an, sondern lediglich vergeudet.
„Saejin, lass das...", wispert er und schmiegt sich in meine Berührung, in meine Wärme. Als er mir so nahekommt, so untröstlich nach mir sucht wie ein gebrochenes Zwei, wünsche ich mir nichts sehnlicher als ihn zu küssen. Seinen Schmerz mit meiner unerschöpflichen Liebe für ihn zu zerbersten. „Du weißt nicht, wie es ist, zu einer Gang zu gehören. Was für eine Verantwortung ich zu tragen habe. Ihnen und dir gegenüber."
„Ich trage dieselbe Verantwortung über dich, Keisuke." Ich schlucke meine Tränen hinunter und rede einfach weiter, weil ich glaube, so das Donnern in seinen Gedanken übertönen zu können. Vielleicht kann ich ihn so zurück zu mir holen, kann den hoffnungsvollen Sonnenschein hinter den grauen Wolken hervorlocken, wenn er hört, dass es nicht vorbei ist. Nicht wir, nicht unsere flammende Liebe. Niemals. „Eine Leiter kann ich auch stricken, selbst wenn das mit einer Hand etwas knifflig wird. Aber vielleicht gibt es in der nahen Zukunft ja Roboterarme. Dann werde ich zum Terminator und hol euch da einfach raus, okay?"
„Saejin, bitte, sei ehrlich zu mir", fleht er schmerzlich und presst sich an mich. Ich halte mehr seinen Kopf als er aus eigenständiger Kraft.
„Ich bin ehrlich zu dir, Keisuke. Du könntest auch ein kriminelles Supergenie sein, ich würde dich nicht weniger lieben." Ich lege meine Arme um seine Mitte und ziehe ihn so weit an mich, dass ich mit ihm in seine Finsternis ertrinke.
„Dann liebe mich nicht weniger, Prinzessin." Er seufzt so aus, als hätte er jahrelang schon darauf gewartet, es endlich loszuwerden. Seine Hände wandern zu meinen Haaren, wühlen darin und befestigen sich endgültig. Seine Nase findet zu meinem Ansatz, den heimischen Duft seines Zuhauses, den er tief einzieht. „Es macht mich echt wahnsinnig, dass du nicht wütend auf mich bist. Ich hätte gedacht, du würdest mich anschreien und nichts mehr von mir wissen wollen. Aber hättest du das gemacht, hätte ich dich im Stillen trotzdem weiter angehimmelt und dich beschützt. Sowie von Anfang an. Es würde mein Leben nur halb so erfüllen, aber ich könnte nicht ohne. Du bist zu gut für einen Teufel wie mich, Saejin."
„Der Teufel ist auch mal ein wunderschöner Engel gewesen. Und dieser Teil wird ihn niemals verlassen." Kurzerhand schiebe ich mich von ihm und streiche ihm eine Strähne hinter das Ohr. Seine Kupferfunken könnten nicht trauriger sein. „Wenn ich dir in die Augen blicke, sehe ich diese Schönheit, die man ihm genommen hat. Ich sehe sie und weiß, dass sie all meine Liebe verdient hat."
„Was für ein Opfer", erwidert er.
„Eines, das ich immer bereit bin zu geben, Kei. Für uns."
„Ich bin ein verdammter Verbrecher", entgegnet er hart, wie eine Bedrohung, die ich endlich wahrnehmen soll, aber dafür ist es zu spät. Ich bin mittendrin, ohne ein Zurück.
Meine Hand legt sich an seine Brust, direkt unter dem wilden Schlag seines Feuerherzens. „Du bist immer noch ein Mensch. Da drin. Und vergiss nicht: Auch ich bin mal eine Marionette gewesen. Auch ich habe meine Fehler. Es macht keinen Unterschied, wer du bist oder was du mal sein wirst, ob Verbrecher, gebrochen oder ein kaputtes Mädchen, für irgendwen auf dieser Welt bist du perfekt."
Er widerspricht nicht, denn er hat verstanden, dass es so ist. Lieber schließt er mich zurück in seine Arme.
Meine Aufmerksamkeit ist bei ihm und seinem Feuerherz. Ich kann es in der Art fühlen, wie er mich festhält, vorsichtig, aber mit neugewonner Stärke und einer ewig flammenden Leidenschaft, dass sich seine Welt neu zusammenfügt. Sie ist weniger dunkler, weniger einsam und hier in unserem Universum.
Meine Hälfte des toten Sternes, aus den wir beide gemacht sind, hat zur seiner gefunden. Sie sind eins. Gemeinsam erleuchten wir unsere Dunkelheit.
Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an, in der wir so eng umschlungen dastehen. Der Regen der Welt um uns herum prasselt in rauschenden Brisen hinab und hüllt uns in seinen bereinigenden und weichen Schleier ein. Aber alles, was ich fühlen möchte, ist er und wie der Schlag seines Feuerherzens in demselben Rhythmus schlägt wie meines. Für einen Augenblick hat es so gewirkt, als hätte es seinen Takt verloren – aber dann hat meines ihn erneut vorgegeben. Ihr Summen ist so gleich, so voller Liebe und Abenteuer, dass ich nicht mehr unterscheiden kann, welches meines und welches seines ist.
Es riecht nach einem vergangenen Sommergewitter und ebenso nach einem Sommer, den ich nie vergessen werde. Ein Sommer, in den ich geliebt und gelebt habe.
Erst nach einigen Anläufen kann er mich an den Schultern von sich schieben. Wir beide können uns einfach nicht voneinander lösen. Als sich unsere Blicke treffen – flammendes Herbstgold verschmilzt mit liebendem Sonnengelb –, erkenne ich, wie die schwarzen, zerstörenden Flammen seiner Dunkelheit sich in wunderschöne Funken der Hoffnung und Zuneigung entfaltet haben.
„Keiner von uns kommt in den Knast. Chifuyu geht nicht so weit", sagt er mit dieser samtenen Stimme, die mir eine Gänsehaut verpasst.
Das ist die Stimme, die ein Abenteuer anpreist, das mit mir beginnt und enden wird. Darauf habe ich die ganze Zeit schon gewartet.
„Aber du?", entgegne ich ihm besorgt.
„Nein. Nicht, wenn es da dich gibt – und unsere 20 Katzen." Er schüttelt den Kopf und grinst mich so schräg und offen an wie ich jede einzelne Note seines Lebenslied lieben gelernt habe. Nur etwas gerader, etwas gezielter – weil ich weiß, dass er der Anziehugspunkt meiner Liebe ist. „Die brauchen uns zusammen. Auf 20 Katzen aufzupassen klingt besser als über 100 Mitglieder einer Division zu bestimmen. Manche könnte ich echt den Kopf abreißen..."
Und da ist er.
Unbeschwert, ehrlich und aufgehoben in meiner Nähe.
Mein Keisuke.
Ich blinzle die Tropfen von meinen Wimpern fort und kann nicht den Blick von ihm wenden. Kann nicht aufhören, die Konturen seines Gesicht zu studieren, als wäre es inmitten eines Urknalls noch unbeschreiblich schöner geworden. Ob seine Liebe es so unglaublich macht? Ich könnte mich darin verlieren, für immer, und es würde mir nichts ausmachen.
„Also hast du eine große Verantwortung in der Gang? Du führst eine Division an?", hake ich neugierig nach.
Er nickt langsam. Der Regen nimmt so weit zu, dass ich nicht erkennen kann, ob es feine Tropfen oder Tränen sind, die an seinen Wangen entlang sickern. „Lass uns nach oben gehen, dann erzähle ich dir alles, was du wissen möchtest, Prinzessin."
„Meine Liste ist so lang." Ich strecke meine Arme aus und kichere bei seinem geschockten Ausdruck.
Er lacht herzhaft und das ist genau das, was ich brauche, um wieder ein wertvolles Lächeln aufzusetzen. Eine Hand legt er sich an die Stirn, um die nassen Wellen aus seiner Sicht zuhalten. „Puh, ganz schön viel. Aber es ist halbwegs so spannend wie du es dir in deinem Bilderbuchkopf vorstellst."
Ich nehme seine freie Hand und drücke sie. „Ach, hauptsächlich interessiert es mich, ob du dich bei ihnen wohlfühlst."
Er drückt fester zurück. „Ich kenne die Jungs schon seit einer beschissenen Ewigkeit. Wir haben Sachen erlebt und durchgemacht, die wir ohneeinander nicht gepackt hätten. Sie sind meine Familie. Ich würde alles auf mich nehmen, um sie zu schützen."
Meine Mundwinkel sacken durch das unerwartete Stechen in meiner Brust ab. Und wie er das tun würde, er würde sogar für sie sterben. Die Uhr tickt über seinen Kopf weiter, ein Tag mehr mit ihm kostet mich ein ganzes Leben mit ihm. Die Zahlen blättern vorwärts, näher und näher zum 31. Oktober. Sein Todestag. Doch noch ist er nicht in Stein gemeißelt, noch ist sein Name nur in mein Herz gestickt. Werde ich es dem Nekomata beweisen können? Ich will zu den Katzen sehen, als könnte ich dort meine Antwort finden, aber Keisuke hält mich auf.
„Aber du, Prinzessin, gehörst jetzt auch dazu. Zu mir, zu meinem Leben." Wie eine Versiegelung seiner Worte lehnt er seine Lippen an meine Stirn. Sein Kuss ist innig; eine Berührung, die seine Gefühle in den warmen Schichten meiner Haut einschließt und nicht wieder ausatmet. Wie ein geheimes Tattoo, das nur ich sehen kann, weil es aus derselben Tinte gestochen worden ist wie das pumpende Blut meines Herzens.
„Du bist mein Leben, Kei." Darum werde ich den Schlüssel um meinen Hals kein einziges Mal abnehmen. Er ist Keisuke und er ist mein Alles.
„Das ist übertrieben", schnaubt er mit dem roten Schleier auf dem Nasenrücken und seine Eckzähne kauern an seiner Unterlippe.
„Nein, das ist das Empfinden meines Herzens", gebe ich ihm unnachgiebig zu verstehen. „Du hast Liebe verdient, Kei. Wirklich, das hast du. Wenn es jemand gibt, der sie verdient hat, dann du. Du bist ein guter Mensch. Eine gute Seele. Du bist der Held meines Herzens."
Dazu erwidert er nichts. Er drückt nur meine Hand, führt mich die Stufen zum Schrein hinauf. Die Katzen beobachten uns mit großen Vollmondaugen, weichen zurück, ehe ihnen noch auf die Pfoten getreten wird. Aber Keisuke hätte darauf geachtet. Ich ebenso. Sie folgen uns hinauf und fangen wieder zu tuscheln an. Darüber, wann er mich küssen wird und ob Liebe genug ist, um ein Leben retten zu können. Und ich wünsche mir, ein Kuss wäre alles, was es benötigt, um es zu ermöglichen. Doch, so sehr es sich wie ein Märchen aus einem Disney-Film anfühlt, ist es das nicht. Es ist von den Grimm-Brüdern. Grausam, brutal, bösartig faszinierend.
Der Grund seines Schweigens ist mir nicht ergründlich, doch es ist nicht unangenehm oder erzwungen. Es liegt etwas darin, wozu ich nicht in der Lage bin in Worte zu fassen. Ich kann nur fühlen, dass es gut, aufregend, ist. Es fließt in mein Herz und mischt sich unter meine Gefühlstinte. Alles, was ich fortan empfinde, wird daraus geschrieben. Jeder Buchstabe, jedes Wort, jeder Zeile meiner Liebesgeschichte.
„Saejin?" Er kommt vor dem Schrein zum Stehen und wendet sich zu mir herum.
Sofort verliere ich mich in dem Lebensfeuer seiner brennenden Kupferfunken. „Ja?"
Eine einzelne Träne rollt seine Wange hinab. Zärtlich liebkost sie sein verwegenes und breites Grinsen einer ungezähmten, wilden und zerrissenen Seele. „Ich bin eher der Schokoladentyp. Mir darfst du gerne einen Schokokuchen backen, aber nur zu meinen Geburtstagen. Meine Mom verbrennt ihn jedes Jahr."
Bei seinem emotionalen Anblick bekomme ich selbst Tränen in den Augen. Er ist so bildschön verletzlich. „Gerne, mein Held."
Ob er danach gesucht hat? Nach jemand wie mir, bei dem er die Person sein kann, die er nicht mehr in seinem Spiegelbild sieht, weil sie ihm auf eine schmerzhafte Art und Weise entrissen worden ist? Weil er sie einfach vergessen hat? Mehr als es mir wünschen kann ich nicht, aber es ist ein Wunsch, den man sich nicht beim Ausblasen seiner Geburtstagskerzen wünscht. Es ist ein Wunsch, den man am Ende einer Sternschnuppe setzt und dann hofft, eines Tages wiedersehen zu können. In einer anderen, wahrgewordenen Form.
Einer dieser Sternschnuppenwünsche ist direkt vor mir.
⋆⁺₊⋆ ☀︎ ⋆⁺₊⋆
Geschützt unter dem Dach des Schreins sitzen wir auf den kalten Steinboden. Der Regen tänzelt mit den morschen Böen, wirbelt loses Laub und stilles Windgeflüster durch Tokio. Ein gräulicher, feiner Vorhang legt sich über sie, als würde er die große Metropole in seinem prächtigen Nebelpalast umarmen. Es raschelt, pustet und nieselt; natürliche und wiederkehrende Geräusche, die meine Seele mit Harmonie beschwingt. Ein paar der Katzen haben sich zu uns gestellt, um ein Nickerchen zu halten oder dasselbe wie ich zu tun: Keisuke zuzuhören.
Mit dem Kopf gegen seine Schulter gelehnt und meine Hand in seiner lausche ich seinen Geschichten über seine Familie. Über Mikey, Draken, Pah-chin, Mitsuya und Kazutora. Sie sind die Gründungsmitglieder von Toman. Sie haben genau hier die Gang gegründet. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, eine besondere Era für Deliquenten zu erschaffen, um füreinander da zu sein und zu unterstützen. Bis jetzt haben sie jeden Kampf gewonnen. Keisuke ist davon überzeugt, dass es auch so bleiben wird.
Von Chifuyu oder davon, dass Kazutora schon längst kein Teil der Gang mehr ist, erwähnt er nicht. Ich weiß, dass er es in seinem Herzen noch ist. Das ist für mich in Ordnung. Alles muss er mir nicht mitteilen. Ich bin über jede noch so winzige Information über Toman glücklich, die mich Hoffnung schöpfen lässt. Ich mag es, nein, ich liebe es, welch friedlicher und warmer Ton sein Samt hat, wenn er über seine Freunde redet. Er ehrt und respektiert sie mit Leib und Seele. Sie sind zweifelsohne die Familie, für die er bestimmt ist.
Das begeistert mich so am Leben. Wie wir anfangs glauben, von Geburt an nur einer Familie anzugehören, doch nach und nach begegnen wir immer mehr Menschen. Finden Freunde, Liebhaber, Haustiere, und irgendwann entsteht daraus eine Familie, die selbst die Blutsverwandtschaft übertrifft. Für keine andere Familie wie die, die wir uns selbst finden, würden wir diese Dinge tun, die uns zu ihrem stärksten Mast ausbildet. Raum und Zeit kann ihr nichts anhaben. Wir würden jede ihrer Schlachten für sie gewinnen.
Als ich von ihm wissen will, wie die Kämpfe zwischen Gangs ausgetragen werden, habe ich das Bild von ihm in seiner schwarzen Uniform vor mir im rieselnden Regen stehen. Ein feuriger Ausdruck in seinem hübschen Gesicht, der jeden Feind betäubt, aber mir nur das Herz stiehlt. Ich erinnere mich daran, dass er sich vor jeder Prügelei die Haare zusammenbindet – und der Schlag in meiner Brust setzt aus. Ich habe noch sein Geschenk bei mir!
„Meistens mit Fäusten", erklärt er mir und ist Feuer und Flamme bei diesem Thema, während ich aus meiner Umhängetasche die Schachtel ziehe. „Der Sieger geht daraus hervor, wenn alle Mitglieder einer Gang ausgeschaltet sind. Waffen werden nicht eingesetzt, das ist unfair und feige. Nur die Schwachen greifen zu solchen Mittel. Taktik, Kraft und besonders Zusammenhalt zählen."
Erleichtert atme ich aus. Sie ist unbeschadet geblieben. „Ich habe hier etwas für dich. Einen Glücksbringer. Für deine nächsten Schlachten." Meine Hand zittert, als ich sie ihm die Schachtel hinhalte. Ob es an der kriechenden Kälte in meinen halbgefrorenen Fingerspitzen liegt oder weil ich so auf seine Reaktion gespannt bin, ist nicht eindeutig. Beides ist möglich.
„Wie?" Stirnrunzelnd nimmt er sie mir ab. „Ich dachte, das wäre ein Scherz gewesen."
Stolz, ihn überrascht zu können, lächle ich. „Nope, war es nicht."
„Entschuldige mich, ich kann nichts für meine neugierige Natur", folgt eine liebliche Stimme noch.
Eine schwarze Katze drängt unbedingt darauf, herauszufinden, was ich ihm schenke, und setzt sich auf meinen Schoß. Überwältigt blicke ich zu ihr und ihre Mondsichel haben die einladende Farbe einer saftigen Frühlingswiese, die nicht nur Schmetterlinge entzückt. Auch meinen Verstand. „Kannst mich gern' streicheln, ich mag das!", fordert sie fast mit unsichtbarem Lächeln und streckt sich mir entgegen. „Nicht sowie die Zicke da drüben." Wie frech von ihr! Ein Lachen unterdrückend tue ich wie mir befohlen wird und kraule ihr die Stirn.
In der Zwischenzeit hat Keisuke den Deckel der Schachtel hochgehoben und faltet langsam das goldschimmernde Papier zur Seite. Er macht es aber auch echt spannend!
„Oh." Seine markanten Brauen ziehen sich zusammen. Er weiß nicht, wie er reagieren soll – oder was er von dem dunkelblauen Band in seiner Hand halten soll.
Auf diesen Augenblick habe ich mich schon vorbereitet, als ich sie bei meiner Ankunft in meiner Schublade entdeckt habe. Ich habe es bei meinem letzten Urlaub mit meinen Eltern in Myanmar selbstgewogen und anschließend eingefärbt habe. Es hat mich viel Geduld und Feingefühl gekostet, aber jeder Faden, den ich gemeinsam zu diesem einzelnen Band gesponnen habe, beinhaltet meine Liebe für ihn.
Entzückt lächle ich ihn an. „Das ist Lotusseide", erkläre ich ihm und wohl oder übel allen anwesenden Katzen, die gespannt die Ohren gespitzt haben, „Sie wird auch Buddhas Seide genannt. Sie soll magische Kräfte besitzen und Wunden besser heilen lassen. Ich habe sie vor vier Jahren selbst angefertigt, als ich es im Ferienhaus meiner Eltern nicht mehr ausgehalten habe. Eine alte Dame im Dorf hat es mir gezeigt. Sie war sehr nett zu mir. Ich habe jeden Nachmittag bei ihr in ihrem Fischerhaus verbracht – und mann, nirgendwo gibt es besseren Fisch als dort!"
Die Katzen müssen laut staunen und bringen mich bei ihren hungrigen Blicken zum Schmunzeln. Rasch fasse ich einen Entschluss: danach muss ich mit Keisuke Sushi kaufen gehen. Für unsere liebeswerten Zuhörer.
„Sie hat zu mir gesagt, dass ich einen sehr großen Schmerz zu tragen habe und eines der traurigen Mädchen bin, der sie je begegnet ist. Ich hätte die Augen einer untergehenden Sonne, die von den Schatten der Nacht unterdrückt wird. Während sie mich gelehrt hat, wie man Lotusseide gewinnt, hat sie mich darum gebeten, ein Band zu spinnen. Aber ich soll dabei an das denken, was ich mir vom tiefsten Herzen wünsche. Sie meinte, das Band würde mich zu meinem richtigen Lebensweg führen und mir Stärke geben. Und kein Jahr später sind wir nach Tokio gezogen – und ich habe dich und Chifuyu getroffen!", strahle ich über das ganze Gesicht.
Diese Erinnerung blüht in ihrer vollkommenen Macht in meinem Gedächtnis auf wie einer der wenig schicksalhaften, der ich eindeutig zu wenig Beachtung in den letzten Jahren gewidmet habe. Hätte ich es nur getan, hätte ich es schon eher gewusst, was mich in Tokio erwartet und wem ich dort begegne. Ich habe mein Zuhause gefunden.
Keisukes Kupferfunken schimmern wie ein lohender Ozean aus Bewunderung. „Und was hast du dir gewünscht?", fragt er mich rauchig. Sein rechter Eckzahn blinzelt mich verloren an.
„Mich selbst zu finden und dafür geliebt zu werden, wer ich bin. Und nicht für die, die man versucht, aus mir zu machen." Behutsam lege ich ihm eine Strähne hinter das Ohr, ein sanftes Lächeln umspielt meine Lippen, als ich mich auf diese aufopferungsvolle Art verletzlich und angreifbar ihm öffne. „Kennst du die Legende um den roten Schicksalsfaden? Ich glaube nicht, dass jedes Schicksal rot ist. Sowie wir alle unsere eigene Seelenfarbe haben, so muss auch unser Schicksal dieselbe Farbe besitzen. Deine ist eindeutig tiefblau, meine auch. Schon immer. Der Faden hat es bestimmt, hat uns bestimmt, Keisuke. Er soll dich für mich schützen, wenn ich nicht bei dir sein kann. Er soll dich zu mir zurückführen, wenn du dich mal wieder in deinen Schatten verirrt hast. Und sollten sich irgendwann mal unsere Wege trennen, so wirst du mich niemals vergessen können."
Meine Hand greift nach der Schlüsselkette um meinen Hals.
„Ich werde dein Herz tragen und du mein Schicksal."
„Wir werden uns nicht trennen, Saejin", erwidert er mit festem Samt. Er bindet sich den Faden ums Handgelenk, bevor er mein Gesicht in seine Hände nimmt. „Außer du entscheidest dich eines Tages doch dafür, ein anständiges Leben mit einem Mann zuführen, der die Hände offen und sauber hält, um dich zu tragen. Dann werde ich dir nicht im Weg stehen. Meine können es nicht, ich trage Schmutz, Blut und Narben an mir, die ich niemals mehr abwaschen kann und die mit den Jahren mehr werden, bis sie schwarz und hässlich sind."
„Ich will dich", erwidere ich aufrichtig, „und ein einziges, kostbares Leben mit Abenteuer und dir. Wenn ich kurz vor dem Abkratzen bin, will ich keinen weißen Palast, Goldschmuck und einen unberührten Neuwagen vor meinen Augen Revue passieren lassen. Ich will ein Film voller Momente mit dir sehen. Von jetzt an bis zu meinem letzten Herzschlag."
Für einen Augenblick verschließt er die Lider – und dann hat sich etwas in seinen Kupferfunken verfestigt. „Es wird ein verdammt guter Blockbuster sein, Prinzessin, das verspreche ich dir", wispert er grinsend.
„Versprochen?"
„Versprochen."
Er sagt es nicht einfach, er meint es wirklich so. Das kann ich sehen.
Da ist Liebe in seinem Feuer.
Liebe für mich, Liebe für sein Leben mit mir.
So stürmisch, so launisch, so zäh wie der Pazifik.
Mal lauter, mal leiser.
Feuer und Wasser.
Ein Gegensatz zweier Naturmächte, die sich gegenseitig zerstören könnten, doch in seinem Gesicht verbinden sie sich zu einer harmonischen und unvorhersehbaren Sintflut.
Wenn er liebt, dann ewig.
Die Katze mit den Frühlingssicheln kann sich noch rechtzeitig retten, ehe Keisuke seine Arme unter meine Knie führt und mich mit einem Ruck an seine Brust zieht. Er trägt mich von Schrein fort, mitten in den strömenden Regenschauer.
„Was hast du vor?", frage ich ihn verwundert und mit flatterndem Herzen.
„Hast du schonmal Regen geschmeckt?", entgegnet er mir mit seinem gerissenen Grinsen.
Mit einer Hand halte ich mich an seinem Oberarm fest. „Ja, natürlich. Als ich noch kleiner gewesen bin."
Er lehnt den Kopf etwas in den Nacken, mit der Zunge fängt er einige Tropfen auf und lässt sie darauf vergehen.
„Er schmeckt nie gleich", erzählt er mir aufgeregt und fasziniert, „als würde er immer nach dem Ort schmecken, an dem er zuletzt gewesen ist." Dann presst er seine feuchte Stirn gegen meine, dreht uns dabei verspielt hin und her, als würde er mit dem Takt unser schlagendes Herzen mitwippen. „Woher er auch gekommen ist, an diesem Ort möchte ich irgendwann mit dir sein."
„Vergiss unsere 20 Katzen nicht", erinnere ich ihn heiser.
„Wie könnte ich die vergessen?", lacht er, und es ist so frei und mächtig, dass es am Horizont aufleuchtet wie ein bahnbrechender Donnerschlag.
„Ich würde mit dir überall hingehen. Die Hölle fürchte ich nicht. Nicht mit dir", gestehe ich ihm.
„Nein, es ist nicht die Hölle", widerspricht er, ohne dass sein Samt an summende Weichheit verliert. „Probier' es, Saejin. Fang' einen Tropfen und dann sag mir, wie er schmeckt."
Sanft stichelt sein Atem meine Haut, meine Lippen, der kalte Wind kitzelt meinen Nacken und meine Arme. Sein warmer Blick gleicht einem vereinzelnen Sonnenstrahl am tristen und verlassenen Regenhimmel. Hoffnungsvoll, liebend. Ich kriege davon Gänsehaut. Es ist unheimlich ergreifend von ihm so angesehen zu werden, so im Geheimen zugetan. Es ist die schönste, verborgene Flamme von allen. Ich liebe es, im Geheimen geliebt zu werden, als wäre ich ihm so wichtig, dass er befürchtet, ich könnte in seinen Gefühlen ertrinken. Tatsächlich sind sie der Grund, wieso ich nicht ertrinke – in meinem eigenen Meer der Dunkelheit.
Ich könnte seiner Bitte nachkommen, genau wie er es von mir verlangt, aber viel lieber vereine ich meine Lippen mit seinen und schmecke dort die letzen Reste des Ortes, wo wir unser Zuhause haben.
Er schmeckt süß, vergänglich, glücklich und echt.
Verdammt echt.
So echt und nah, dass ich glaube, dass es genügend ist.
Es wird ausreichen, es muss ausreichen. Meine Liebe ist alles, was ich ihm noch bieten kann.
„Er schmeckt nach dir. Nach meinem Schicksal."
⋆⁺₊⋆ ☀︎ ⋆⁺₊⋆
Wir sind noch jung. Viel von der Liebe verstehen wir nicht, können wir gar nicht, weil wir erst dahinterkommen müssen, was sie ist, wie sie aussieht, wie sie sich anfühlt und wie man sie behält. Wir sehen uns an und denken: So muss sie sich anfühlen. Das ist die Liebe. Und sie ist so unendlich kostbar.
Jeder Atemzug schmeckt nach ihr, jeder Herzschlag ist erfüllt von ihr, jeder Traum und Wunsch handelt von ihr. Sobald die Seele von Liebe berührt wird, gehört sie zu den wahrlich reichen.
An diesem Abend habe ich diese innerliche Zufriedenheit gefühlt, als hätte ich alles, was ich zum Glücklichsein brauche gefunden. Keisuke hat mich in seinen Armen gedreht, gelacht, gegrinst und mich geküsst, als würde der Sensenmann nicht an der nächsten Türschwelle auf ihn warten. Ich habe mit ihm gelacht, gegrinst und ihn geküsst, als würde ich ihn so für immer in mein schwaches Lebensgerüst vergraben können. Wir haben uns endlos gefühlt, trunken von Liebe und Glück. Der Regen hat sich in ein atemberaubendes Mosaik aus Erinnerungen und Momente verwandelt, die in Zukunft sein könnten.
Doch unsere Zukunft ist nicht bunt, sie ist vergänglich-weiß. Ein weißes Stück Papier in einem Buch, dessen Ende noch ungewiss offensteht. Obwohl ich weiß, wie es enden kann und wird, glaube ich, dass es ein Happy End sein wird.
Wir sind noch jung.
Wir können die ganze Welt verändern.
Und das Schicksal.
⋆⁺₊⋆ ☀︎ ⋆⁺₊⋆
Am Morgen darauf bekomme ich die Folgen zu spüren, wenn man schon zu viel von Hoffnung getankt hat und dabei die Gefahr nicht achtet. Ich hätte es bereits ahnen müssen, als ich Keisuke so oft und intensiv küssen habe können ohne einen Supernova-Moment, dass nichts dabei ist, besser zu werden. Es wird immer schlimmer. Verlässt mich eine Nebenwirkung, folgt eine noch härtere.
Meine Erinnerungen schwinden.
Meine Kindheit ist eine schwache Silhouette aus Bildern, die stetig mehr verschwimmen, und Stimmen, die stetig leiser werden. Wäre ich mir nicht sicher, dass mein Dad mein Dad ist und dass mein Name Saejin ist, hätte ich es bereits vergessen und würde mich nicht so daran klammern. Wäre ich nicht mit einem riesigen Schock und dunklen Fleck in der Birne aufgewacht und hätte mich gefragt, wo ich bin – bis ich aus den übrig gebliebenen Fetzen mein Lebensbild zusammengepuzzelt habe – würde ich nicht entsprechende Vorkehrungen treffen.
Nachdem ich mich beruhigt habe, habe ich mir ein Notizbuch geschnappt, um mir die wichtigsten Erinnerungen aufzuschreiben. Keisuke habe ich mit einem großen Herz eingekreist. Alle Erinnerungen an ihn sind noch da. Ich habe mich darüber gefreut, aber ebenso fürchte ich, was passiert, sobald ich auch diese anfange, zu vergessen. Ich kann es nicht mal verhindern oder mich darauf vorbereiten. Sie verschwinden. So plötzlich, als hätte ich nicht existiert. Als wäre alles umsonst gewesen, da der Sterbensprozess nicht aufzuhalten ist.
Die Erinnerungen mit Keisuke und Chifuyu sind diejenigen, die ich mit meinem ganzen Bewusstsein festhalte und nicht loslasse. Mein Leuchtturm in dem Meer der Dunkelheit.
Wenn ich sie vergesse, weiß ich nicht, wie ich noch weitermachen soll. Weil dann vergesse ich den Grund, warum ich überhaupt kämpfe.
Die Erinnerungen an sie sind das Kostbarste, das ich mit meinem Herzen gewonnen habe.
Sie sind das kostbarste.
Jetzt könnte ich sie auf die schrecklichste Art verlieren.
Vergessen. Ich könnte sie tatsächlich vergessen.
⋆⁺₊⋆ ☀︎ ⋆⁺₊⋆
6. ӨKƬӨBΣЯ
„Er ist hier." Sayuri springt zu mir aufs Bett und mustert mich mitleidsvoll wie eine kranke Person, die sie mit ihren Schnurren gerne heilen würde. Aber das, was gerade bricht, kann selbst ein Schnurren nicht rückgängig machen.
„Peke J", begrüße ich schwachlächelnd den schwarzen Kater an ihrer Seite und ziehe mir die Decke von der Nase. Ich habe meinen Dad vorgegaugelt, ich hätte eine Grippe. Um ungestört um meine Erinnerungen mit ihm trauern zu können. „Schön, dich mal wiederzusehen."
Er begrüßt mich auf seine ganz persönliche Art. Er stupst mich mit der feuchten Nase an und reibt seine Schläfe gegen meine. Ich habe ihn vermisst. So schrecklich vermisst, dass ich meine Arme um ihn schlinge und mein Gesicht in seinem Nacken vergrabe. Er duftet nach Endlosigkeit und Sternengeheimnissen.
„Was ist los?", fragt er haspelig.
Sayuri seufzt aus. „Der Prozess beginnt, Peke J. Sie vergisst."
„Was?" Peke J weitet die Augen. Er hört sich den Tränen nahe an, aber Katzen können nicht weinen. Das weiß ich. „Aber sie ist doch hier. Ich verstehe das nicht, das sollte gar nicht passieren. Oder..." Er schweigt, als könnte er dieser Tatsache noch entkommen, indem er ihr keine Substanz an Worten verleiht.
„Katashi ist noch nie fair gewesen, das weißt du. Wenn er etwas will, wird er alles daransetzen, um es zu bekommen."
„Aber warum ich?", flüstere ich dazwischen.
„Erinnerst du dich noch an die Katze von früher? Mamoru?"
Ich entferne mein Gesicht aus Peke Js heimischen Pelz und blicke zur Glückskatze. „Mamoru?"
Viele Erinnerungen sind erloschen. Als würde sich in meinen Kopf ein Wildfeuer ausbreiten, das zu spät entdeckt worden ist und nun alles verschlingt. Aber daran kann ich mich wirklich erinnern wie der rettende See meines Selbst.
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Hello ✧
Und die heiligschöne Liebesblase ist geplatzt.
Jetzt geht's... bergab. Oder besser gesagt: im nächsten Kapitel geht's nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch zum kopflosen Engel.
Was das heißt? Erfahren wir bald.
Wir nähern uns dem Finale. :c
Einen schönen Wochenstart!
Sternige Grüße✧
Sternendurst
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