The hell on earth
Die Klingel meines Weckers ertönt. Ich höre sie, wie sie mit aller Kraft versucht mich aus meinem wunderschönen Schlaf zu reißen. Ich erinnere mich. Es ist Montag.
Jetzt steht fertig machen auf dem Plan. Ich hätte so viel lieber länger geschlafen, aber die Schule hat aus irgendeinem Grund etwas gegen Schlaf. Darum nehme ich wieder eine halbe Stunde das Bad ein und gehe in die Küche. Meine Eltern schlafen noch. Ich bin so leise wie möglich, aber das Knarzen der Treppen macht es mir nicht gerade leicht. Ich fühle mich als wäre ich ein Geheimagent auf Mission. Nur bin ich glaube nicht wirklich gut in dem Job.
Puh. Ich bin unten. Als Frühstück gibt es heute ein Sandwich. Ich mag es am liebsten mit Salat und Tomate. Doch ein anderes packe ich mir noch ein. Ich schaue auf die Uhr. Noch 20 Minuten, dann muss ich los. Ich bereite noch das Frühstück für meine Eltern und verlasse das von außen weiß gestrichene Haus.
Ich muss das Fahrrad nehmen. Ich habe schon 3 mal versucht den Führerschein zu machen, aber ich bekomme es einfach nicht hin. Ich bin bis jetzt immer durchgefallen. Aber das Fahrrad geht auch.
Nach ungefähr 15 Minuten komme ich an meiner Schule an. Sie sieht wie immer nach Frustration aus. Ich werde die 8 Stunden des Verderbens schon irgendwie überleben. Auch Mathe. Oder Physik. Meine beiden Hass-Fächer.
Am Eingang erwartet mich schon meine Freundin Ina. Sie ist blond und hat braune Augen. Wir sind seit der 3. Klasse unzertrennlich. Und das wird auch so bleiben. Hoffe ich. Denn ohne sie, hätte ich niemanden. Aber bei dem Gedanken an Ina fällt mir die sogenannte „Lea" wieder ein. Ich versuche sie hier zu erspähen. Vielleicht geht sie ja wirklich auf meine Schule. Aber ich kann sie nirgends finden, also gebe ich auf.
„Hi Flora! Und wie war dein Wochenende?", entgegnet mir Ina. „So wie immer", erwidere ich. Doch diesmal wirft sie mir einen traurigen Blick zu. „Bitte hör auf über Freiheit und sowas nachzudenken", sagt Ina. Was soll das jetzt?
„Warum?", will ich von ihr wissen. „Tu es einfach. Es ist nicht gut." „Sonst war es dir auch egal. Warum jetzt nicht?" Sie sagt nichts, denn nun ist Einlass.
Zuerst hatte ich einen Mathe Kurs. Mathe ist genauso wie Physik. Denn beide Fächer besitzen unendlich viele Formeln und Buchstaben sowieso, aber merken oder sogar verstehen kann sie niemand, wirklich niemand. Ich meine ich sehe wieder irgendeine Gleichung vor meinem inneren Auge die 20 Buchstaben und eine Zahl besitzt und soll das Ergebnis von x wissen.
Aber wie ich noch darüber verzweifle, kommt schon mein Mathe Lehrer hinein. Er wirft mir einen bösen Blick zu. Warum? Ganz einfach: Ich bringe jedes Thema (besonders Geometrie) mit einer kleinen aber feinen Frage auf den Punkt: „Wozu brauchen wir das im späteren Leben?" Ich glaube es gefällt ihm jedoch nicht.
Aber jetzt kommt's. Er hat darauf meistens nicht mal eine Antwort außer: „Naja, wenn du später Baumeister werden möchtest und auf der Baustelle arbeiten möchtest."
Jetzt mal ganz im Ernst. Sehe ich so aus als möchte ich auf der Baustelle arbeiten?!
Ne ne ne, das hätte der wohl gern!
Ach und noch eine Sache! Früher dachte ich mal, ich hatte Mathe endlich verstanden. Aber dann musste mir der Lehrer alles kaputt machen. Und mittlerweile sehe ich mehr Buchstaben in Mathe als in den ganzen anderen Fächern zusammen!
Aber was soll's. Ich habe doch eh keine Wahl. Ich muss mich durch diese Zahlen und Buchstaben fitzen. Und das kann lange dauern. Und viele innerliche Tränen vergießen. Naja, auf in die Schlacht.
Nachdem ich nun endlich die Stunde überstanden habe, sehe ich auch schon Ina, von ihrem Geographie Kurs auf mich zukommen. Geo konnte ich gar nicht ab. Es war immer eine Qual. Aber zur Zeit bin ich von Geographie befreit. Und das ist auch gut so.
Ich sollte definitiv niemals Reiseführerin werden. Denn sonst landen Leute, die die Höhlen sehen, wollen in der Sahara. Aber: Die Sahara ist auch ein schönes Biom. Also von daher...
„Warum stehst du hier immer noch hier herum? Wir haben doch jetzt Chemie", reißt mich Ina aus meinen Gedanken. „Okay. Ich komme", erwidere ich.
Als wir gemeinsam zum Zimmer laufen, hält Ina nach etwas Ausschau. Ich habe keine Ahnung was es ist. Sie wirkt unruhig. Dabei hält sie mich fest in ihrer Hand. Ich weiß nicht was sie hat.
„Alles okay?", frage ich sie. Sie reißt ihren Kopf zu mir. Mann oh Mann ist die verstört. Ich werfe ihr einen besorgten Blick zu. „Was soll denn sein? Es ist alles bestens!", erklärt sie mir zittrig und mit einem gefälschten Lächeln. Ich schaue sie unbeeindruckt an, doch sie dreht sich nur weg und ignoriert mich. Ich versuche noch einige Male mit ihr zu reden, doch sie lässt mich kühl. Ihr Griff um meine Hand lockert sich etwas.
Nun kommen wir im Chemie Raum an. Die meisten sind schon da. Wir sind jedoch auch nicht die letzten. Hinter uns kann ich zwei Leute aus meinem Kurs hinein schlendern sehen. Jana und Leo. Sie sind das glücklichste Paar des Jahrgangs. Süß. Ich war noch nie in einer Beziehung gewesen. Ina hatte schon 3 hinter sich, doch ich bin seit stolzen 17 Jahren single. Ich weiß nicht, ob ich stolz oder traurig sein sollte. Doch es macht mir nichts aus. Ich habe mich wenigstens nicht verschwendet und kann mich so auf die Schule konzentrieren. Wahrscheinlich bin ich deswegen so gut in der Schule. Ich bin so ziemlich die einzige, die noch in keiner Beziehung war, in unserem Jahrgang.
Ich mag Chemie. Ich kann diese Formel regelrecht fressen. Deswegen werde ich auch ständig als Streber bezeichnet. Ich sehe es jedoch lieber als Kompliment. Schließlich meint man damit eine Person die viel für die Schule macht, oder? Das ist eine positive Eigenschaft. Nur weiß ich leider nicht, was ich nach der Schule machen möchte. Ich will mich nicht wieder gefangen fühlen in meiner Routine...
Chemie ist nun auch geschafft. Puh. Der Tag war heute wieder anstrengend. Ich mag Schule nicht wirklich. Nur ist es das einzige, dass ich machen kann. Ich muss hier durch. Es geht nicht anders. Also mach ich's richtig!
Auf zum letzten Kurs für heute. Französisch.
„Bonjour ma class!", begrüßt uns unsere Lehrerin. Jay. Französisch ist okay. Es geht schon. Es ist nicht die schwerste Sprache, dafür aber eine hübsche.
Die schwerste Sprache ist immer noch:
Mathe
Da kann mir keiner rein reden.
Mir fällt gerade auf, dass ich gerade unaufhörlich über Mathe lästere.
Also noch einmal von vorne:
Ich habe kein Problem mit Leuten, die Mathematik mögen. Ich habe regelrecht ein Problem mit der Mathematik selbst. Ich weiß, sie wird für vieles gebraucht, aber es kann mich keiner auf diesen Weg zurück führen. Ich bewundere die Leute die diese Erfindung verstehen und bitte ausdrücklichst um Verständnis.
So, das passt so. Hoffe ich.
Doch schon werde ich - wie so oft - aus meinen Gedanken gerissen. „Flora?", fragt mich meine Französisch Lehrerin. „Oui!", antworte ich schnell. Ja klappt meistens. Sie zieht eine Augenbraue in die Höhe. „So, du meinst also, dass die Antwort auf die Frage Ja ist?", will sie von mir wissen. „In der Tat", erwidere ich. „Schade, denn ich sehe nirgends die Auswahlmöglichkeit Ja. Du etwa?" Ich schaue in mein Französisch Buch. Meine Sitznachbarin Jana zeigt mir die Aufgabe. Anscheinend gab es Antwortmöglichkeiten. Und zwar a, b oder c. Und hinter keiner befindet sich das Wort Oui also Ja. Mist. „Kann es sein, dass du einfach nicht aufgepasst hast? Ich möchte jetzt mehr Konzentration!", ermahnt sie mich.
Ich höre das klingeln, der Schulglocke. Schulaus. Na endlich. Ich kann wieder nach Hause.
Zu mir gibt es keine Busverbindungen. Aber ich habe ja meinen treuen Freund das Fahrrad. Es begleitet mich schon seit einer Weile. Und es ist ein treuer Freund und Begleiter.
Nach 20 Minuten komme ich zuhause an. Schon von weitem sehe ich das Haus. Als ich mein Fahrrad in die Garage stelle und meinen Ranzen in das Haus trage, spüre ich ein eigenartiges Gefühl. Als ob man mich beobachtet. Ich schüttele das Gefühl so gut es geht ab.
Alles ist sicher verwahrt. Nun kann ich in den Wald. Meine Eltern erlauben es mir eigentlich. Nur letztens, bin ich früh losgelaufen und erst spät in der Nacht wiedergekommen. Meine Eltern hatten mich unzählige Male angerufen, doch ich hatte keinen Empfang. Seither sind sie sehr kritisch deswegen. Sie erlauben es mir nur noch selten, und das nur wenn ich meinen Standort angeschaltet habe. Nicht fair. Doch ab und zu schleiche ich mich in den Wald, wenn meine Eltern nicht da sind. Es zieht mich einfach dort hin. Ich kann mich nicht dagegen wehren.
Es gibt einen kleinen Weg in den Wald. Ich laufe ihn so oft es geht ab, um die Freiheit in den Haaren zu spüren. Freiheit. Vielleicht halten mich manche für verrückt, aber das ist nicht wichtig. Denn den Wald und alles was in ihm lebt muss man nicht verstehen. Man kann einfach mit ihm leben.
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