Die Auserwählten
~Flora~
Das war heute wahrscheinlich der beste Tag meines Lebens. Besser hätte es nicht laufen können. Es war ein Risiko gewesen, aber ich bin unglaublich glücklich darüber, dass ich es eingegangen bin.
»Huhu Flora!«, begrüßt mich ein kleines Wesen namens Saphira. „Was ist denn Saphira? Ich bin müde", erwidere ich erschöpft. »Wie läuft es mit dem Training?«, höre ich die pure Energie in meinem Kopf. „Gut", selbst für mich, ist sie manchmal zu geladen. »Es fand eine Versammlung statt. Jeder denkt, dass der Tag der Prophezeiung bald beginnt. Du musst vorbereitet sein!« „Okay, schön. Bin ich. Nur eine kurze Frage, was muss ich eigentlich machen?", jetzt bin ich neugierig geworden. »Kämpfen. Für unseren Wald«, erwidert Saphira mysteriös. Jetzt fehlt nur noch diese mysteriöse Musik.
„Was ist an diesem Wald eigentlich so besonders?", Ich habe es noch nicht ganz verstanden. »Die Dimensionen sind hier etwas verschoben, wie du weißt, aber sie sind mit eurer Welt verbunden. Das heißt, was hier passiert, hat Auswirkungen auf deine Heimat und umgekehrt«, erklärt sie.
Kämpfen? Ich bin wahrscheinlich nicht besonders talentiert in diesem Gebiet.
»Okay, trainiere wieder. Heute kannst du nicht mit Sky trainieren. Er und co. bereiten sich vor«, erklärt sie mir. „Okay schön, aber seid ihr sicher, dass ich die aus der Prophezeiung bin? Ich bin keine Kämpferin. Meiner Meinung nach ist die beste Kämpferin hier diese Person", erwidere ich. Ich kann nicht kämpfen. Wie soll ich dann den ganzen Wald beschützen?
»Das stimmt..Aber als Köder könnten wir dich benutzen!« „Wie bitte?!", erwidere ich entsetzt. »Naja, jeder hat das Gefühl, dass sich hier ein Spion aufhält. Dieser Spion denkt also, dass du die Auserwählte bist und wird versuchen dich aufzuhalten«, kommt es zurück. Jetzt mal ganz im Ernst, das klingt schon etwas seltsam. Als ob alles von der Prophezeiung abhängig ist.
»Dennoch, du solltest trainieren. Egal ob du es bist, oder nicht, wir brauchen jeden Kämpfer, den wir haben«, dringt es in meinen Kopf ein. „Okay schön, aber wie?", erwidere ich. „Nimm einen Baum auseinander, oder suche dir einen Kämpfer«, antwortet sie mir ernst, »Ich muss jetzt dennoch los.« Einverstanden nicke ich. Welche Kämpfer sind noch übrig? Oh nein. Ich denke, ich weiß es, dennoch will ich nicht gegen sie kämpfen. Schließlich bin ich nur eine kleine Katze.
Nach einem langen Ringen mit mir selbst mache ich mich auf den Weg. Wahrscheinlich werden die Wölfe nicht einmal mit mir kämpfen.
Wie immer ist der Weg lang. Vielleicht sollte ich mich direkt in eine Katze verwandeln? Nein, Aura kommt damit klar, aber die Wölfe werden ausrasten. Also laufe ich den Weg als Mensch entlang.
Ab hier muss ich vorsichtig sein. Das Revier beginnt. Wahrscheinlich haben sie mich bereits wahrgenommen, aber dennoch muss ich behutsam hier herum laufen.
Wo sind sie bloß?
Plötzlich ertönt ein zorniges Knurren. Ah, ich habe sie gefunden...Oder sie eher mich.
»Was willst du? Schon letztes Mal waren wir dir gegenüber abgeneigt, aber mittlerweile witterst du nach Katze. Er warte ja nicht, dass wir dich akzeptieren!«, knurrt mir Kuro, der Alpha entgegen. So etwas hatte ich schon erwartet. „Ja, ich bin eine Katze. Ich erwarte nicht euren Respekt, nur bitte ich euch um einen Gefallen", erwidere ich vorsichtig und gehe vor dem Wesen auf die Knie. »Pah, warum sollten wir dir einen Gefallen tun?«, Kuro scheint wirklich nicht von meiner Anwesenheit begeistert zu sein. „Weil dieser Gefallen nun mal auch eure Welt betrifft", erwidere ich mit fester Stimme und hebe meinen Blick. Es ist ein äußerst riskanter Zug, schließlich zeige ich ihm, dass ich keinerlei Scheu vor ihm habe. Er könnte als Drohung sehen und dann bin ich als kleine Wildkatze geliefert.
»Schön. Ich höre«, verkündet er mir. Perfekt. Er respektiert mich endlich.
„Mir wurde verkündet, dass der Kampf naht. Es steht viel auf dem Spiel und alle verlassen sich auf mich. Jedoch habe ich keine Kampferfahrung und-" »Und du willst, dass wir dich trainieren, richtig?«, unterbricht mich der Wolf.
»Eigentlich habe ich kein Interesse mit einer Katze zu duellieren. Aber ich denke, ich kenne jemanden, der wahnsinnig Lust hätte. Und keine Sorge, sie wird nicht vorsichtig sein«, verkündet mir Kuro. Ich weiß nicht, ob ich mir darüber Sorgen machen sollte, dass sie eben nicht vorsichtig ist.
„Wer ist es?", entgegne ich nach kurzem Überlegen. »Eigentlich ist Aura unsere beste Kämpferin. Doch ich weiß, dass sie dir niemals ernsthaft weh tun könnte und sich somit ungemein zurück halten würde. Daher denke ich, dass Nanami die beste Wahl wäre«, erklärt mir Kuro.
Nanami. Irgendwoher kenne ich diesen Namen. Es muss eine von Auras Rudelmitgliedern sein. Als sie mir eine kurze Vorstellung gegeben hatte, konnte ich mir nur wenige Namen wirklich einprägen. Kuro war einer der wenigen Namen, die ich mir gemerkt hatte, doch Nanami hatte nicht dazu gehört.
„Okay. Und wo ist Nanami?", erwidere ich leicht unsicher. »Du musst dir keine Sorgen machen. Nanami greift immer aus dem Hinterhalt an. Das heißt, du wirst sie keines Falls kommen sehen«, versichert Kuro mir. Ah, ja, das ist wirklich beruhigend.
»Lauf einfach weiter in den Wald hinein. Ach, und mach das am besten als Katze«, erläutert mir Kuro und verschwindet im Gestrüpp. Okay, vielleicht ist dieses Training die Beste Art. Schließlich greifen viele ebenso aus dem Hinterhalt an.
Also verwandle ich mich (natürlich nicht fließend), taste nach meinen Ohren und werfe ich mich in den Schritt.
Ganz geheuer ist es mir nicht, dass ich immer noch keine Spur von Nanami finde. Ich weiß nicht wie Wölfe jagen. Nur habe ich gehört, das passiert normalerweise im Rudel. Also wird sie nicht versuchen, mich zu jagen. Sie will mich nur vertreiben. Verstehe.
Ich schreie auf. Ein nicht allzu kleiner Wolf knurrt mich aggressiv an. Okay, Flora, du musst dich ihr stellen.
Nachdem ich mich aus meiner Schockstarre befreit hatte, drehe ich mich vorsichtig um und fauche dem Wolf entgegen.
»Was willst du?! Verschwinde, oder soll ich nach helfen!«, höre ich eine wütende Stimme in meinem Kopf. »Ich will nur etwas ausprobieren. Aber gerne, kämpf mit mir. Oder hast du Angst, von einer Katze besiegt zu werden?«, erwidere ich. Mal sehen, wie sie das aufnimmt.
»Du willst mich also provozieren? Von mir aus, ich hab schon verstanden!«, knurrt sie in meine Richtung. Plötzlich geht alles zu schnell.
Nanami stürzt auf mich zu und schleudert mich mit einem Pfotenschlag nach hinten. Hart pralle ich auf den Boden. Ich spüre wie ich mich krümme und schwer nach Luft schnappe. Nanami ist unglaublich stark. Das werde ich so nie schaffen.
»Na? War's das schon?«, meint sie zufrieden. »Vermutlich. Aber ich denke nicht mal dran, aufzugeben! Warte ab«, schleudere ich ihr entgegen.
Schwer stelle ich mich auf meine Pfoten. Ein Schmerz durch zuckt mich, doch ich gebe mich nicht nach einem Angriff geschlagen. Wütend renne ich auf den Wolf zu. Nanami blickt nur kurz verwirrt, doch sofort reagiert sie. Mit meinem ersten Schlag treffe ich sie nicht, doch blitzschnell wende ich mich und versuche, meine Krallen in ihren Bauch zu schlagen. Leider finde ich dort nichts als Fell.
Nanami hat das natürlich bemerkt und versucht nach vorne zu rennen. Dadurch falle ich nach hinten und meine Krallen bohren sich in ihre Hinterpfote. Ein Wimmern entrinnt Nanami, doch sofort reagiert sie und schnappt nach meinem Hals. Haarscharf entkomme ich ihr, doch in Nanamis Augen nun die bloße Wut erkennbar. Prima, jetzt ist sie noch schwerer zu bekämpfen, als vorher.
Sie stürzt auf mich zu und beißt nach mir. Ich kann meinen Hals vor ihr retten, doch mein Bein muss dafür leiden. Und nicht nur das, sie hält sich auch noch an ihm fest. Jetzt wird es brenzlig, ich könnte mich ernsthaft verletzen.
Ich drehe mich im Sprung und kralle mit meinen noch freien Pfoten nach ihrer Schnauze. Zu meinem Glück ist ihr Angriff jetzt geblockt und meine Krallen reißen perfekt über ihre Schnauze. Jammernd vor Schmerz lässt sie meine Pfote los.
Ich mauze auf. Mein Bein schmerzt unbeschreiblich. Hoffentlich werde ich nicht verbluten. Aber auch Nanami geht es nicht gut. Sie hatte sich in einer kleinen Entfernung hingelegt und betastet nun vorsichtig mit ihren Pfoten ihre Schnauze.
Anscheinend ist Nanami die Lust zum kämpfen vergangen, denn nun schaut sie mich nur noch zornig an. »Was willst du hier?«, murmelt sie. »Ich wollte nur trainieren«, entgegne ich, doch mein Bein schmerzt weiterhin.
»Das war alles? Ernsthaft? Du verblutest beinahe! Hättest du was gesagt-« »Dann hättest du dich zurückgehalten. Das wollte ich aber gerade nicht«, ergänze ich. Nanami senkt den Kopf. »Wie dem auch sei, du musst verarztet werden«, meint sie und kommt auf mich zu. Vorsichtig schnappt sie nach meinem Nacken und trägt mich behutsam weg.
Anscheinend hat sie schon etwas von erste Hilfe gehört. Sie bindet mir das Bein ab, natürlich nicht so stark, dass es absterben würde, und verbindet es. Auch reinigt sie ihre Wunden. Es sieht lustig aus, sie hat irgendeine Kräutersalbe auf der Schnauze.
»Am besten verwandelst du dich demnächst nicht. Dadurch wurde sich die Wunde erneut vergrößert und das wäre ungünstig«, erklärt mir Nanami ernst. Ermahnt nicke ich.
»Spring auf. Kuro hatte mir vorhin von einer Versammlung erzählt. Jeder der Zeit hat, sich dort versammeln. Kommst du mit?« »Okay«, erwidere ich und klettere auf Nanamis Rücken.
Sie hat einen angenehmen Trab. Es fühlt sich angenehm an.
Anscheinend sind wirklich viele gekommen. Nanami und ich drängen uns so nah es geht zum inneren Kreis. Dort sitzen Kuro, Smaragda, Aura, Saphira und auch ein paar andere. Auch Sky kann ich erspähen, natürlich als Tier. So kann jeder etwas hören.
»Flora! Du bist endlich auch eingetroffen!«, begrüßt mich Aura und winkt mich zu sich. Sky schickt mir positive Gefühle zu. »Nanami, wie war das Training?«, mischt sich nun auch Kuro ein. »Sie ist gar nicht mal so schlecht«, antwortet sie ihm.
»Wir haben uns schon über den anstehenden Kampf gesprochen. Flora, fühlst du dich bereit?«, fragt Saphira. Nach kurzem Zögern nicke ich. »Ich denke nicht, dass sie das alleine schafft. Ich werde mit machen!«, kommt es abenteuerlustig von Aura zurück. »Ich werde sie auch unterstützen!«, auch Sky erklärt sich bereit. Saphira und Smaragda blicken sich an. Die beiden nicken ebenfalls. »Ich mache auch mit«, höre ich Nanamis Stimme in meinem Kopf. »Wartet auf mich!«, eine andere Stimme ertönt. »Rubina, ich dachte du magst Flora nicht?«, fragt Saphira verwirrt. »Das mag sein. Aber ich will nicht tatenlos rumstehen«, schleudert sie ihr entgegen. Plötzlich kommt ein kleines Wiesel und Nanami zum Vorschein.
»Dann ist es entschieden. Wir werden euch natürlich alle unterstützen, doch ihr werdet den Kampf anführen. Viel Glück«, beschließt Kuro ernst. Wir alle nicken. Diese Unterstützung werden wir auf jeden Fall brauchen.
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