Auras Rudel

„HALLO?!", rufe ich durch den Wald. Wahrscheinlich werden mich jetzt viele der Tiere hier hassen, aber ich muss Aura finden. Schließlich möchte ich mein inneres Tier finden.

„AURA?!" Niemand antwortet. Meine Chancen sie zu finden, sind nicht sonderlich hoch. Dieser Wald ist endlos und Aura ist ein Wolf. Sie kann überall sein!

Schritt für schritt laufe ich auf einem dieser Pfade. Wie viele dieser Lampen das wohl sind? Wahrscheinlich unendlich oder ziemlich viele. Dennoch sind alle einzigartig und wunderschön mit Mohnblumen verziert.

Plötzlich ertönt ein Knurren hinter mir. Das Knurren eines Wolfes.

Beruhigt atme ich aus und drehe mich locker um. Aura leidet zwar an extremen Stimmungsschwankungen, aber sie würde mir dennoch nichts antun.

»Keine Bewegung!«, höre ich die Stimme eines Mannes in meinen Kopf strömen. Das ist nicht Aura. Oh nein.

»Verschwinde! Du hast hier nichts zu suchen!«, befiehlt mir der Wolf wütend. „Ich..eh..ich suche Aura", versuche ich, mich zu erklären. »Aura? Was sollte sie mit dir zutun haben wollen?«, entgegnet er. Wie bitte? So schlimm bin ich nun auch nicht!

„Ich muss mit ihr sprechen", erwidere ich ruhig. Jetzt auszurasten würde es nur noch angespannter werden lassen und gegen einen Wolf habe ich keine Chance. „Wir haben uns schon kennen gelernt. Mein Name ist Flora und ich muss zu ihr", erläutere ich ihm.

Der Wolf zuckt mit keiner Wimper. Seine dunklen grünen Augen halten mich in einer Art Bann. Sein schwarzes Fell ist aufgestellt.

»Verschwinde. Ich will keine Menschen hier haben!«, meint er leicht aggressiv. Na gut. Ich habe nur noch ein Ass im Ärmel. Wenn es nicht klappt, könnte es eskalieren.

„Ich bin nicht irgendein Mensch. Ich bin das Mädchen aus der Prophezeiung", sage ich. So ganz bin ich mir zwar nicht sicher, aber eine andere Möglichkeit habe ich nicht. Ich richte meinen Körper auf. Wenn mein Körper gegen mich spricht, wird er es mir nicht glauben. Das kann ich mir nicht leisten. Außerdem muss ich meine Gedanken blocken. Falls er meine Unsicherheit spürt, ist es vorbei.

»Das kann nicht sein! Du siehst nicht so besonders aus« Ernsthaft? Dieser Kerl nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich bin ein Mensch, aber der Mensch aus der Prophezeiung. Außerdem meinte Topas ich sei ein Waldflüsterer", erkläre ich. Hoffentlich klingt meine Stimme sicher.

Er zögert weiterhin. Schön, ich muss ihn noch weiter drängen.

„Willst du wirklich der Auserwählten im Wege stehen?", sage ich. Dieser Satz klingt so abgehoben. Ich hoffe, ich muss das nicht oft sagen. »Natürlich nicht! Woher weiß ich aber, dass du die Wahrheit sagst?«, entgegnet er misstrauisch. „Du kannst Smaragda fragen", antworte ich ihm. »Na schön. Komm mit«, gibt er endlich nach.

Ich laufe ihm - wie eigentlich bei jedem - hinterher. Wir verlassen den Pfad und gehen tiefer in den Wald hinein. Ich fühle mich beobachtet. Wahrscheinlich sind hier noch andere Wölfe. Hoffentlich muss ich nicht auch noch mit ihnen diskutieren. Schließlich kann ich nicht immer das selbe Argument bringen und andere habe ich nicht.

Der Wolf bleibt stehen. Was ist jetzt passiert? Kommuniziert er? Ich müsste es doch dann auch hören, oder?

Ich höre ein Rascheln neben mir. Hervor kommen Auras wunderschöne Augen. Sie sehen mir wieder tief in die Seele. Obwohl, dazu braucht Aura keine Augen. Sie kann schließlich Gedanken lesen.

»Was machst du hier Flora?«, fragt sie entsetzt. „Ich brauche dich", erwidere ich flüsternd. »Weswegen?«, kommt es von ihr zurück. „Argh kann ich das vielleicht nur mit dir besprechen? Schließlich hört dieser Wolf zu", entgegne ich ihr. Ich höre sich auflachen. „Was ist?", frage ich verwirrt. »Es hört nicht nur ein Wolf zu«, antwortet sie. Toll. Kann sie nicht einfach mitkommen?

»Okay, ich komme«, sagt sie. „Danke", meine ich erleichtert.

Wir entfernen uns ein wenig, bis Aura, meint allein zu sein. Komisch. Wir sind ziemlich lange gelaufen.

„Warum sind wir so lange gelaufen?", frage ich neugierig. »Du bist in das Revier meines Rudels eingedrungen. Hier sind 12 Rudelmitglieder. Es gibt natürlich mehrere Rudel, weshalb viele der Jungen abwandern, aber zurzeit sind wir 12, also ein relativ großes Rudel«, erklärt sie, »Das Abwandern ist jedoch nicht so wichtig, weshalb wir eine Hierarchie besitzen. Unseren Alpha hast du bereits kennengelernt."

Ich überlege. Vielleicht war es der schwarze Wolf? Er hatte diese erhabene Haltung.

»Okay, pass auf. Unser Alpha ist Kuro. Das ist der schwarze Wolf von vorhin. Er beherrscht ebenso die Gestaltwandlung. Das ranghöchste Weibchen ist Yuna. Sie kann ebenso die Gestalt wechseln. Unsere Betas sind Ryu und ich. Ryu ist eine Waldseele. In unserem Rudel sind noch Yasu, Silver, Kazumi,  Kioky, Nanami und Vitus. Unsere beiden Welpen heißen Shiro und Laila. Yasu, Kazumi, Nanamie und Laila sind Gestaltwandler, der Rest sind Walseelen«, referiert mir Aura.

„Eh, ich habe mir leider nicht alles gemerkt. Diese Namen sind sehr schön, aber schwer zu merken. Die meisten klingen japanisch, oder?", erwidere ich. »Ja, die meisten sind japanisch«, antwortet sie, »Keine Sorge, du wirst alle noch kennenlernen.«

Ah, verstehe. Warum nicht. Schließlich ist es Auras Familie. Dennoch sind es Wölfe und anscheinend etwas, naja, menschenverachtend.

»So, jetzt erkläre mir mal bitte, warum du mich so dringend brauchst. Du hast wirklich mit dem Feuer gespielt. Kuro lässt normalerweise niemanden und erst recht keinen Menschen hier her«, meint sie. „Also, ich war bei Topas und er meinte, ich kann eine Verbindung mit meinem inneren Tier aufbauen. Es würde mir gewisse Möglichkeiten bieten, die ich sonst nicht einmal zu träumen vermag. Angeblich kannst du mir helfen", erkläre ich ihr. »Aha verstehe...war klar, dass du deswegen bald bei mir eintreffen würdest«, erwidert sie. Sie klingt nicht wirklich glücklich über dieses Ereignis.

»Na schön. Ich habe vermutlich sowieso keine Wahl mehr, dann kann ich dir auch genauso gut helfen«, sagt sie, »Zuerst müssen wir dein inneres Tier erkennen, das heißt die Art bestimmen.« „Und was ist das für eine Art?" »Genau das musst du ja herausfinden. Meine Güte, du denkst ja überhaupt nicht mit!«, erwidert sie verständnislos. Da sind ihre Stimmungsschwankungen wieder. Ach, wie ich die vermisst habe.

»Was denkst du, könntest du für ein Tier sein?«, fragt Aura gespielt freundlich. Man merkt ihr an, dass sie darauf eigentlich keine Lust hat. „Woher soll ich das wissen?", entgegne ich. »Keine Ahnung. Hattest du noch nie eine gewisse Verbindung zu einem Tier in dir gespürt? Ich kann dich leider schlecht nachvollziehen, da ich schon immer halb Tier war«, schießt sie zurück. „Nein...", entgegne ich betrübt.

»Okay pass auf, ich versuche, eine Lösung zu finden. Wir treffen uns morgen dort, wo du heute trainiert hast. Und bitte trainiere dein Abblocken!«, schlägt sie vor. Ich spüre die Verlegenheit in mir aufsteigen. Anscheinend ist mein Abblocken nicht sonderlich gut.

„Passt. Dann bis morgen", verabschiede ich mich und verlasse das Revier. Dieses Rudel ist mächtig. Das ist schnell zu merken, an dieser riesigen Fläche.

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