Wanderer
Wandern ist die vollkommenste Art der
Fortbewegung, wenn man
das wahre Leben entdecken will.
Es ist der Weg in die Freiheit.
-Elisabeth von Arnim
Skip ist nicht gerade das, was man einen ruhigen Weggenossen nennt. Er rennt umher, als wäre er seit Tagen nicht mehr draußen gewesen. Das Einzige, das mich jedoch wundert, ist, dass er nicht wegrennt. Ständig kommt er zurück, manchmal mit einem verrotteten Stock oder mit kleineren toten Tieren, die die letzte Hitzewelle nicht überstanden hatten. Dabei wedelt sein Schwanz die gesamte Zeit freudig hin und her. Wie gern wäre ich auch manchmal so naiv. Skip weiß nicht, dass bald die Welt untergehen wird und selbst wenn, wird er dies nicht mehr miterleben. Ich habe einmal gehört, dass Tiere einen Sinn für so etwas haben, für Gefahren und Umweltkatastrophen. Also weiß er es vielleicht doch und lässt es sich nur nicht ansehen. Als ich Skip näher betrachte, fällt mir auf, dass er das perfekte Beispiel eines Optimisten zu sein scheint. Er rennt in der Wüste umher, als wäre diese eine blühende Wiese und nicht ein Ort des Todes. Ohne die noch vor ihm liegende Strecke überhaupt zu kennen, rennt er umher, als würde ihm nie die Luft ausgehen und als könne er ohne Pause tagelang so weiter rennen. Es ist komisch, ein solches Tier bei sich zu haben, obwohl sich doch anscheinend gerade alles zum besten Beispiel einer Dystopie entwickelt.
Plötzlich bleibt Skip stehen. Er sieht zum Horizont und spitzt seine Ohren.
Stimmen nähern sich. Vermutlich eine kleinere Gruppe von Menschen, denn es sind nur vereinzelt gedämpfte Stimmen zu hören. Hinter einem Sandhügel kommen fünf Menschen zum Vorschein. Jeder von ihnen ist beladen mit einem kleinen Rucksack. Ein Mann trägt einen schmutzig aussehenden Kanister und eine Frau, die in der Mitte läuft, hält einen aufgespannten Schirm in der Hand. Er wirft ein wenig Schatten für die beiden Kinder, welche vor ihren Füßen laufen. Zur auf der anderen Seite, parallel zum Mann, läuft eine weitere Frau.
Sie alle sehen erschöpft aus und nicht in der Lage, weitere 20 Kilometer bis zur nächsten Kleinstadt zu laufen.
Die Gruppe hält nicht an, als sie mich erblickt. Der Mann verfällt schließlich in eine Art Laufschritt und kommt doch auf mich zu.
„Sie wissen nicht zufällig, ob es in der Nähe ein Rasthaus oder Ähnliches gibt?"
„Die nächste Kleinstadt ist 20 Kilometer entfernt.", antworte ich.
„Aber von hier aus, etwa fünf Kilometern entfernt, steht nördlich eine Hütte. Dort wohnt ein netter Mann, er wird euch vorübergehend Rast gewähren."
Das Gesicht des Mannes hellt sich auf.
„Habt vielen Dank!"
Er öffnet seine Tasche und zieht ein in schmuddeliges Papier eingewickeltes Stück Fleisch heraus.
„Für Euren Hund, er sieht hungrig aus."
Ich nicke ihm zu und er und die anderen gehen an mir vorbei, nicht ohne vorher noch einmal zu winken. Ich winke zurück und Skip lässt ein lautes Bellen erklingen.
Ich lasse meinen Arm wieder sinken.
Diese Leute werden sterben.
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