Tears are words the heart can't say

Hey,
vielen dank fürs lesen.
Ich hoffe es gefällt euch.

~Anna

⊱⋅ ──────────── ⋅⊰

Ohne weiter auf das Trommeln des Regens zu achten, trat sie aus der Bahn. Sie brauchte Abstand. Es war ihr zu viel. Zu viel. Einfach zu viel.

Der Regen durchnässt ihren Pulli und ihre Jeans, die Nässe sammelt sich in ihren Schuhen und ihre Haare kleben an ihr. Der Regen lief ihr in Strömen übers Gesicht. Aber das alles ist ihr egal, sie muss hier weg.

Wieso waren so viele in der Bahn?

Ihre Beine bewegten sich von alleine. Sie lief in einem hohen Tempo los, in der Hoffnung, dass die Anstrengung sie davon abhält in Panik zu geraten. Sie lief die Straßen entlang, überquerte einige Straßen und lief einfach weiter. In Gedanken versunken versuchte sie die aufkommende Panik zu unterdrücken.

Es ist alles gut, ich bin nicht mehr in der Bahn.

Als sie es schaffte sich endlich zu beruhigen, merkte sie, dass sie nicht mehr weiß wo sie ist. Fast wieder vor einer Panikattacke sah sie sich um. Vor ihr lag ein Park. Nass und matschig, aber ein tiefes saftiges Grün bedeckte das Gras des Parks. Die Kiefern und andere Baumarten wuchsen hoch in den Himmel. Es roch nach nassen Kiefern und Wald. Dieser Geruch war überraschend beruhigend. Kurz entschlossen trat sie auf den steinigen Weg und lief gemütlich in dem Park rum. Die Regenwolken hatten sich zwar gelichtet, doch dennoch blieb es dunkel. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie kalt es eigentlich war. Fröstelnd verschränkte sie ihre Arme zusammen, um vielleicht die Hände und ein Teil ihres Körpers warm zu halten.

Und das alles nur, weil sie keine 5 Minuten in der Bahn aushalten konnte.

Frustriet wollte sie umkehren, doch bemerkte sie da eine Gestalt. Eine dunkle Gestalt kauerte auf einer Bank unter einem der größten Bäume. Der Regen hatte es nicht geschafft durch die Blätter zu dringen, sodass es unter dem Baum noch überall trocken war.

Unsicher warum jemand in diesem Wetter hier war, bewegte sie sich langsam auf ihn zu.

Weint er?

Sie bewegte sich immer weiter auf ihn zu und sah wie er kurz mit seinem Ärmeln über sein Gesicht fuhr und seine Kapuze überzog. Erst nachdem sie vor ihm stand, sprach er sie an. „Was willst du?“

„Ich weiß nicht.“ Sie wusste es wirklich nicht, sie war einfach hierhergekommen, da sie dachte, dass sie ihm vielleicht helfen könnte. Doch jetzt wusste sie nicht wie. Die Erschöpfung des schnellen und langen Laufens durchflutete sie und sie setzte sich zögernd neben ihn.

Vielleicht hilft es ihm wenn er nicht allein ist.

„Warum hast du geweint?“, versuchte sie das Gespräch zu bringen.

„Was geht dich das an?“, kam eine gereizte Antwort. Autsch. Er hatte recht. Sie kennt ihn nicht, er kennt sie nicht, wieso sollte er es ihr sagen?

„Nichts, aber man kann dir ansehen, dass du jemanden zum Reden brauchst. Wenn du deiner Familie und deinen Freunden nichts sagen willst, was wäre besser als es jemand komplett fremden zu erzählen? Was hast du zu verlieren, wenn du es mir erzählst?“

Kurz zögerte er.

„Ich mach mich verletzbar. Außerdem...“ kurz zögerte er bevor er leise weitersprach „...kann es ja sein das ich mich verrate und du etwas herausfindest, was niemand wissen sollte. Wobei das jetzt sowieso egal ist.“

Mit der Antwort hatte sie nicht gerechnet.
Warum soll es egal sein?  Was soll ich nicht herausfinden?

„Wer sagt, dass ich dein Geheimnis verraten würde?“, kam nach einiger Zeit schließlich doch eine Antwort von ihr. Jetzt lag es an dem Fremden zu schweigen.

„Ich habe Angst.“ Gab er nach Minuten der quälender Stille zu. Seine Worte waren ein Hauch im Wind und seine rauchige Stimme drang nur leise an ihr Ohr.

„Wovor?“, um ihn nicht zu verschrecken, antwortete sie ihm genauso leise.

„Der Einsamkeit“

Wieder legte sich ein Schweigen um die zwei Gestalten auf der Bank.
Beide beobachtetn die die dunklen Wolken, die an ihnen vorbei zu rasen schienen.

„… davor, dass ich nicht so akzeptiert werde. Sie wollen, dass ich jemand werde der ich nicht bin. Ich kann ihn nicht ersetzten. Niemand kann das.“  Ergänzt er schließlich.

„Man sollte niemals jemand anderes sein als der, der man ist.“  Sprach sie gedankenverloren. Sie verstand ihn. Die Gedanken um Einsamkeit und nicht akzeptiert zu werden brachten sie schon umso einige Nächte. Leider konnte sie ihm keine Antwort auf seine unausgesprochenen Fragen geben.

„Ich weiß nicht wer ich bin", riss er sie mit einer hohlen Stimme aus den Gedanken. „Ich bin kein Held.“

„Jeder ist ein Held. Die Menschen die im Krankenhaus arbeiten und unter hoher Anstrengung für unsere Gesundheit sorgen, genauso wie Straßenreiniger die unsere Straßen sauber halten", Sie wusste nicht was passiert war und offensichtlich wollte er auch nicht darüber reden, dennoch musste sie ihm ein bisschen helfen.

„Dein Verlust tut mir leid. Ich hoffe du kannst mit deinen Freunden darüber reden.“ Sprach sie immer leiser werdend weiter.

Was ein Kreislauf. Man ist einsam, weil man das Gefühl hat nicht akzeptiert zu werden, als der der man ist, aber um das Problem zu lösen braucht man Freunde. Freunde die man nur findet, wenn man bereit ist andern zu vertrauen und zu hoffen, dass sie einen akzeptieren.

„Ich habe Freunde, ich bin nicht allein“, antwortete er ihr ohne sie anzusehen.

„Einsamkeit heißt nicht, dass man alleine ist. Es heißt das man sich alleine fühlt, obwohl andere da sind“, mit ihren Worten versuchte sie ihm und auch sich eine Weisheit zu vermitteln, die sie irgendwo in ihrem Herzen verstand, aber in Kopf etwas daran aussetzen wollte.

„Wieso bist du hier?“, fragte er und beendete damit das Thema.

Perplex sah sie zu seiner Silhouette, aber mehr als die Schwarze Kapuze seines Pullis, die er tief ins Gesicht gezogen hat und den leichten Umrissen seines Kinns und seiner Lippen, konnte man nicht erkennen.

„Weil du aussahst, als könntest du Hilfe gebrauchst.“

„Ich meine im Park, nicht warum du neben mir bist. Du bist nass, niemand würde ohne Grund so lange durch den Regen gehe, bis man so durchnässt ist.“

„Ich… brauchte Abstand“, Zögerte sie mit ihrer Antwort.

„Vor was?“

„Vor meiner Angst“, gestand sie ihm.

Er hat mir von seinen Ängsten erzählt, jetzt kann ich ihm auch meinen erzählen.

„Ich bekomme Panik, wenn ich mit zu vielen Menschen auf einen zu engem Raum bin“, gestand sie ihm.

„Klaustrophobie", murmelte er gedankenverloren.

„Ich versteh dich, wenn ich vor vielen Leuten rede werde ich immer nervös und will abhauen. Was jetzt nicht mehr geht."

Überrascht von seinen Worten, musste sie einen Moment lang zu still gewesen sein, denn er drehte sich um und sah sie aus der Dunkelheit seiner Kapuze hinweg an.

„Habe ich dich mit der Aussage verletzt?“, fragte er ruhig aber mit einem traurigen Unterton.

„Nein“, antwortete sie.
„Wieso geht es nicht mehr?“, fragte sie ihn direkt.

Seufzend richtete er seinen Blick wieder nach vorne.
„Eine wichtige Person ist gestorben und ich soll ihren Platz einnehmen“, gab er von sich preis.

„Verstehe. Mein Beileid.“ tatsächlich verstand sie es nicht, wieso sollte er den Platz eines anderen einnehmen, wenn er doch seinen eigen hat?

„Ich soll der nächste Tony Stark werden“, beantwortete er ihr, ihre unausgesprochene Frage.

„Dann bist du wohl Spiderman“, schlussfolgerte sie.

Ein trauriges lächeln umspielte seine Lippen. Ihn so zu sehen, bewirkte etwas. Sie merkte wie traurig er doch eigentlich war.

„Wieso denkst du, dass du seinen Platz einnehmen musst?“, lenkte sie zurück auf das ursprüngliche Thema.

„Ich...“, er brach seinen Satz ab, doch versuchte es erneut, „…Also ich...“ Seufzend verstummte er.

„..., ich bin Spiderman, ein Avenger. Alle anderen gehen weg. Thor reist mit den Guardians of the Galaxy mit, Captain Marvel reist zurück zu den anderen Planeten, Captain America ist wirklich gefühlt 100 Jahre alt, Natasha ist Tot und Tony….“, versuchte er ihr seine Situation zu beschreiben.

„Und du denkst, dass das von dir verlangt wird?“, sprach sie weiter nachdem er seinen Satz nicht beenden konnte.

„Wird es das denn nicht?“, fragte er mehr sich selbst, dennoch machte sie sich Gedanken.

„Du kannst versuchen wie Tony Stark zu sein, aber du wirst niemals so gut und so perfekt sein wie in dem Augenblick, indem du einfach du selbst bist. Jeder hat einen anderen Weg. Ich denke es ist nur wichtig, dass du genau wie er das Wohl anderer im Sinn hast. Meine Oma sagte mal zu mir : Man kann keine Spuren hinterlassen, wenn man in die Fußstapfen eines anderen tritt.“

„Ich kann aber schlecht weiterhin der freundliche Spiderman aus der Nachbarschaft sein“, er stützte sich mit seinen Ellenbogen auf seine Knie und legt seinen Kopf in die Hände.

„Du kannst einfach der freundliche Spiderman sein.“

Bevor einer von ihnen etwas weiteres sagen konnte, klingelte sein Handy und sang von Sunflower von Post Malone und Swea Lee.

Entschuldigend sah er mich an und ging ran.

„Ja ... May? ... Im Park … Nein, in der Schublade … Ja … bis später.“

Obwohl sie einige Fetzen seines Gespräches mithörte, wusste sie nicht worum es ging. Nach dem Beenden des Gespräches, hatte er einige Nachrichten beantwortet und nahm sein Handy raus um ein Foto zu machen.

„Was machst du?“, fragte sie verwundert.

„Ich finde den Ausblick gerade so schön. Sieh mal, wie das Licht durch die Blätter fällt", antwortete er, während er den Himmel durch die Bäume fotografierte.  

Dann zögerte er und sah sich unsicher um.

„Meinst du wir könnten ein Bild machen?“ fragte er leicht zögernd.

„Klar, aber wieso denn? Ich dachte ich soll nicht wissen wer Spiderman ist“, war sie immer noch verwirrt.

Aber er antwortete ihr nicht darauf, stattdessen streckte er seine Hände aus. Seine rechte Hand legte er ihr um die Schultern und hielt ihr damit die Augen zu. Mit der anderen Hand zog er seine Kapuze runter und machte ein Selfie, bevor er sie los ließ zog er die Kapuze wieder auf.

„Was...“, komplett irritiert was das sollte, brachte sie nicht mal den Satz zustande.

Sie hatte nicht sehen können wer er war, sie wollte es aber auch nicht wissen. Spiderman und der Rest der Avengers haben so viel für alle getan und sogar teilweise ihr Leben gelassen, da wollte sie ihm etwas zurückgeben und wenn es nur ein Gespräch war und die Tatsache, dass sie alles für sich behalten würde.

„Ich wollte eine Erinnerung an diesen Tag haben", erklärte er ihr.

„Ahhh okey", versuchte sie es zu verstehen. Wenn er sie in Erinnerung behalten wollte, hatte sie ihm vielleicht geholfen.

Er spielte weiter auf seinem Handy, aber packte es dann wieder weg.

„Würdest du mir was versprechen?“, fragte er sie schließlich.

„Kommt darauf an was.“

Zögernd fragte er: „Du weißt, dass ich Spiderman bin, würdest du das bitte alles für dich behalten?“

„Ja", versprach sie ihm.

Dann fielen beide wieder ins schweigen. Langsam wurde es immer dunkler und sie wusste immer noch nicht wo sie gerade war.

Ob er mir helfen könnte?

Mit der Dunkelheit kam auch die Kälte und eine Gänsehaut überzog ihr Körper. Sie musste unbedingt nach Hause. Sie war zwar nicht mehr ganz so durchnässt, aber dennoch war es kalt und es wurde dunkel. Morgen würde sie vermutlich mit einer dicken Erkältung daheim flachliegen, was es allerdings wert sein würde.

Sie wollte ihn nicht alleine lassen.

Soll ich mich vielleicht vorstellen?

Den Smalltalk haben wir wohl direkt übersprungen, dachte sie sich amüsiert.

„Denkst du sie akzeptieren mich, auch wenn ich nicht wie er bin?“, holte sie die leisen Worte ihres Gesprächspartners aus der Gedankenwelt wieder zurück.

Wieso sollten sie das nicht tun? Was sollten sie dagegen haben? Ich kenne ihn nicht und Tony Stark auch nicht. Zumindest nicht persönlich. Kann man jemanden akzeptieren den man nicht kennt?

„Ernst Ferstl sagte mal 'es ist verdammt schwer einen Menschen zu nehmen wie er ist, wenn er sich anders gibt, als er ist.´. Ich denke er hat recht. Du kannst nicht wissen wie die Welt reagieren wird, wenn sie aber wegen dem was du machst zu dir stehen, wird es immer Leute geben, die dich so akzeptieren wie du bist“, philosophierte sie ein wenig vor sich her um ihm zu antworten.

„Danke“

„Wofür?“

„Dass du mir zugehört hast, dass du mich dazu gebracht hast darüber zu reden, dass du mir deine Meinung mitgeteilt hast und dass du mich dazu gebracht hast darüber nachzudenken“, erklärte er.

„Verabschiedest du dich gerade?“, fragte sie leise.

„Ja“

„Ich helfe gerne und das ist das mindeste was ich machen kann, nachdem ihr so viel für uns tut", antwortete sie ihm auf seinen Dank.

Es sollte ein Abschied sein, doch keiner bewegte sich, sie blieben einfach sitzen.

Nach mehreren Minuten räusperte sich der fremde Mann und stand auf. Er war wohl unschlüssig was er jetzt tun sollte, weshalb er erstmal stehen blieb.

Seine Gesprächspartnerin, stand ebenfalls auf. Stillschweigend liefen sie gemeinsam die Wege aus dem Park wieder raus. Allerdings waren sie auf der anderen Seite des Parks.

Ahhhh hier bin ich.

Erleichtert, dass sie endlich wusste wo sie ist, seufzte sie auf.

Der Fremde hatte es bemerkt, sagte aber nichts. Er sah sich suchend um und fand schnell was er suchte, ein schwarzer Van kam angefahren und blieb vor uns stehen.

Die Gestalt ging aufs Auto zu und wollte die Tür öffnen, doch stockte und hielt inne.

„Eine Frage habe ich noch“, Sagte er als er sich nochmal zu ihr drehte.

„Akzeptierst du mich?“

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top